Noch eine (heimliche) Liebe

 

Auf meiner Fahrt Richtung Ruhrgebiet habe ich einen kleinen Abstecher nach Siegen gemacht. Dort habe ich studiert – lang, lang ist’s her!!! Siegen ist nicht wirklich gut aufgestellt mit Wohnmobilplätzen, es gibt einen in Siegen-Weidenau mit ganzen drei Stellplätzen und einen dichter an der Innenstadt mit vier Plätzen. Ich entschied mich zunächst für den in Weidenau, weil direkt nebenan ein großes Einkaufszentrum liegt, das ich noch nicht kannte. Die Wohnmobilplätze liegen in einem abgetrennten Bereich des Hallenbadparkplatzes. Natürlich hatte ich die Sorge, dass nichts mehr frei sein würde, aber ich hatte Glück, nur ein Wohnmobil stand schon dort. Stromanschlüsse gab es zwei, also perfekt! Für mich, nicht für den Dritten! Nein, besonders schön ist der Stellplatz nicht und auch nicht sehr ruhig! Dabei störte mich die Hochstraße, unter der Oscarlotta stand und die als laut gekennzeichnet wurde, weniger als die Autotüren schlagenden Hallenbadbesucher. Dafür ist der Platz kostenlos, bleiben darf man allerdings nur 3 Tage/2 Nächte. Das habe ich (nicht absichtlich) fehlinterpretiert und blieb 3 Nächte. Schon am Tag meiner Ankunft hörte ich gegen 20 Uhr, dass jemand am Nachbarmobil klopfte und sich ein Gespräch entwickelte. Als es dann bei mir auch klopfte, machte ich die Tür auf, was mir den Kommentar einer draußen stehenden Frau einbrachte, die meinte, ich sei aber mutig, dass ich öffnen würde. Ich versicherte ihr, dass ich nicht geöffnet hätte, wenn ich allein dort gestanden hätte. Sie stellte sich vor als Vertreterin des freiwilligen Betreuungskomitees der Wohnmobilstellplätze der Stadt Siegen und vor ? Jahren hätte sie bei der Planung und Gestaltung des Platzes mitgewirkt. Sie drückte mir einen kleinen Stadtplan in die Hand und eine Broschüre zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und wünschte mir viel Spaß in Siegen. So etwas hatte ich auch noch nicht erlebt! Am nächsten Tag muss sie auch wieder da gewesen sein, traf mich aber nicht an und steckte mir einen dicken Prospekt über das Sieger- und Wittgensteinerland hinter den Scheibenwischer, den ich aber nicht fand, weil ich meinen Rolladen an der Frontscheibe wegen der Kälte gar nicht hochgezogen hatte. Am dritten Tag kam sie schon mittags, stellte ihr Fahrrad neben Oscarlotta ab, lief nach vorne und kam mit dem Prospekt wieder zurück. Ich hätte den ja noch gar nicht gefunden! In der Broschüre hatte sie auf zig Seiten mit Kugelschreiber und Textmarker alles vermerkt, was ihr wichtig und für mich hilfreich erschien! Ich bedankte mich und sagte, dass ich am nächsten Tag weiterfahren würde, weil meine drei Nächte dann herum seien. Sie klärte mich über meinen Irrtum nicht auf, sondern wünschte mir eine gute Weiterfahrt.

Siegen-Weidenau am HallenbadSiegen (Studentenwohnheim)Siegen (Burgstraße) - Blick vom oberen Schloss auf die OberstadtSiegen (Schlosspark)

Da ich noch nicht weiter wollte, wechselte ich auf den anderen Stellplatz. Vier große (5x10m) Plätze hintereinander, alle leer! Da ich nicht wusste, ob das so bleiben würde, wollte ich Oscarlotta vorsichtshalber umdrehen, um am nächsten Tag nicht evtl. rückwärts wieder rausfahren zu müssen. Am Ende gab es eine einigermaßen ausreichende Möglichkeit, mit zweimal vor und zurück war es bewerkstelligt. Nur stand auf dem letzten Platz, den ich mir ausgewählt hatte, inzwischen ein PKW! Ein älterer Mann mit Dackel stieg aus. Erst wollte ich mich auf den nächsten Platz stellen, beschloss aber dann, ihn – freundlich – zu fragen, warum er seinen PKW auf einem Wohnmobilstellplatz parkt. Er könne ihn auch wegfahren, sagte er, etwas kleinlaut. Ja, das wäre SEHR nett! Er tat es und lief dann mit seinem Hund einmal an den 4 Plätzen entlang und wieder zurück. Ich hantierte mit meinem Stromkabel und er beobachtete mich mit einem Gesichtsausdruck, der besagte, dass er mich für einen Außerirdischen oder so etwas in der Art halten musste. Er hatte sicher noch nie eine Frau mit einem Stromkabelbündel über der Schulter gesehen! Smiley mit geöffnetem Mund

Siegen (An der Alche)

Dieser Stellplatz liegt zwar relativ nah an der City und im Grünen, aber die viel befahrene Freudenberger Straße ist unüberhörbar. Sinnigerweise gibt es auch direkt neben den Plätzen eine Skateranlage! Das stelle ich mir im Sommer recht lustig vor, vermutlich braucht man dann nicht nur wegen der Straße Ohrstöpsel. Die VE-Station ist nicht anfahrbar, einerseits wegen des fehlenden Platzes, andererseits wegen der Steine, die man davor aufgebaut hat. Auch nicht so ganz praktisch! Wie man per Schlauch Wasser tanken soll, wenn man nicht gerade auf dem 1. oder vielleicht noch auf dem 2. Platz steht, erschloss sich mir nicht. Wasser in Kleinmenge gibt es nicht (am Hallenbad auch nicht), also nahm ich meinen leeren Behälter für mein Tee- und Kaffeewasser mit in das benachbarte Lokal “Café del Sol”. Eine tolle Einrichtung, nette Bedienung, guter Kuchen und mein Kanister wurde in der Küche auch befüllt, wenn auch nur halb.

Café del SolCafé del Sol

Auch dieser Stellplatz ist kostenlos, auch hier darf man 2 Nächte bleiben und auch hier gab es Infomaterial hinter den Scheibenwischer geklemmt. Genauere Beschreibungen “hier”.

Ich habe Erinnerungen aufgefrischt, Altbekanntes mit etwas Wehmut betrachtet, Neues erkundet und bin in das Gebäude gegangen, in dem damals das Studentenwohnheim beherbergt war und in dem ich ein winziges Zimmer mit Dusche, Klo und Gemeinschaftsküche auf dem Flur (alle drei) bewohnte. Die erste Zeit allein “in der Fremde”, selbstverantwortlich und weit weg – 100km – von der elterlichen Aufsicht. Zur Erinnerung: Zu meinen Zeiten wurde man erst mit 21 Jahren volljährig und ich war zu Beginn noch keine 19! Ach, es war schön in Siegen!!! Verliebt Dort habe ich auch meinen Führerschein gemacht. Siegen liegt, wie Rom, auf 7 Hügeln und was ich dort besonders gut gelernt habe, ist anfahren am Berg! Das Studentenheim gibt es übrigens immer noch!

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

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