Nadelmarkt in Barendorf

 

Auf meiner Fahrt mit Oscarlotta gen Norden habe ich in Iserlohn eine gute Freundin besucht, die ich auch schon ein paar Jahre nicht mehr gesehen hatte. In (und in der Nähe von) Iserlohn gibt es zwei Wohnmobilstellplätze, die beide empfehlenswert sind. Der eine liegt mehr im Grünen, der andere stadtnäher. Meine Freundin meinte, ich könne aber sicher auch auf dem Parkplatz der Historischen Fabrikanlage Maste-Barendorf stehen, das sei ganz in ihrer Nähe. Von dieser Anlage hatte ich noch nie etwas gehört, bei meiner Internetrecherche erfuhr ich dann, dass dort am nächsten Wochenende ein Nadelmarkt stattfinden würde. Also fuhr ich schon donnerstags hin, in der Hoffnung, auf dem Parkplatz, der für 80 PKWs ausgewiesen war, stehenbleiben zu können und zu dürfen. Das Können stellte sich vor Ort als möglich heraus, es war etwas schräg und etwas schlammig, aber Oscarlotta nahm nur den Platz zweier PKW-Plätze ein. Das ließ sich doch sicher verschmerzen! Ich suchte das Info-Büro und trug mein Anliegen vor. Der zuständige Angestellte war offenbar etwas überfordert oder überrumpelt, er überlegte eine Weile und meinte dann, dass eigentlich nichts dagegen spräche. Na, prima! Ich legte einen Keil in den Schlamm, der die eklatante Schieflage etwas abmilderte und machte es mir gemütlich.

Historische Fabrikanlage Maste-Barendorfin Barendorf

Die Nacht war ruhig und ich schlief gut, ganz allein auf einem öffentlich zugänglichen Parkplatz. Am Freitag besichtigte ich die Museumsräume, die schon von den Ausstellern des Nadelmarktes mit ihren Verkaufsprodukten bestückt wurden. Die Historische Fabrikanlage Maste-Barendorf gilt als bedeutendste in ihrem ursprünglichen Charakter noch erhaltene Industrieansiedlung aus dem 19. Jh. im Märkischen Kreis. Die historische Bausubstanz der zehn zum Teil aneinander gebauten Fachwerkhäuser ist bis auf geringe Teile heute noch vorhanden und substanziell weitgehend unverändert. Ab 1985 begann der Aufbau des Museums- und Künstlerdorfes in der nun als „Historische Fabrikanlage Maste-Barendorf“ bezeichneten Anlage. Beim Anblick der hübschen Fachwerkhäuser würde man niemals auf die Idee kommen, dass dieses kleine Dorf 1822 als Fabrikanlage gebaut wurde.

Historische Fabrikanlage Maste-BarendorfHistorische Fabrikanlage Maste-BarendorfLageplanmein Stellplatz (X)   

Iserlohn ist bekannt als Stadt der Nadelherstellung. Die Entwicklung Iserlohns hängt eng mit der industriellen Entwicklung zusammen. In der Anfangszeit der Metallverarbeitung im Spätmittelalter wurde Eisenerz ringsum an den Berghängen abgebaut und über Holzfeuern und später in Öfen geschmolzen. Brennholz lieferten die reichhaltig vorhandenen umliegenden Wälder. Ab dem 14. Jahrhundert entstanden die ersten von Wasserkraft betriebenen Eisenhämmer im Grüner Tal und am Baarbach. Der fließt auch heute noch mitten durch das Fabrikdorf und so konnte man die Wasserkraft für den Antrieb der Maschinen nutzen. Ab dem 18. Jahrhundert stieg Iserlohn zu einer der wichtigsten Industriestädte Preußens auf. 1690 wurden erstmals Nadeln produziert und im Lauf der folgenden Jahrzehnte entwickelten sich die Nadel- und die Drahtherstellung zu den wichtigsten Industriezweigen. NadelsortimenteHat einer von euch sich schon jemals Gedanken über die Herstellung von Nadeln gemacht??? Ich nicht, obwohl ich mein Leben lang täglich mit allen Varianten zu tun hatte, privat und beruflich als Lehrerin für Textilgestaltung. Um 1800 bildete der Raum Iserlohn mit seiner Draht-, Nadel-, Messing-, Bronze- und Seidenindustrie, zusammen mit der südlich angrenzenden Region um Altena und Lüdenscheid, eines der weltweit größten Industriegebiete. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war Iserlohn die größte Industriestadt Westfalens und eine der reichsten Handelsstädte Preußens. Dabei war auch die Produktion von Rüstungen von großer Bedeutung, wie ein in Iserlohn hergestelltes Panzerhemd im Londoner Tower belegt. Die Iserlohner Nadeln waren ein weltweiter Exportschlager.

In den Museumsräumen stehen viele gut erhaltene alte Maschinen und viele Schautafeln und Plakate erklären ihre Funktionsweise. Was für ein wahnsinniger Arbeitsaufwand für eine kleine Nähnadel oder eine Haarnadel!!! Und hier fing es ja schon mit dem fertigen Draht als Grundmaterial an, aber der musste ja auch erstmal hergestellt werden. Ich war schwer beeindruckt!

HaarnadelfabrikationHaarnadelfabrikationHaarnadelfabrikationHaarnadelfabrikationHaarnadelfabrikationHaarnadelfabrikationHaarnadelfabrikationHaarnadelfabrikation

Am Samstagmorgen wachte ich von Motorengeräuschen auf und fand Oscarlotta eingeparkt zwischen vielen PKWs. Das Fabrikdorf ist bekannt für viele regelmäßig stattfindende Veranstaltungen und der Nadelmarkt ist eine davon. Wie der Name es schon sagt, gab es viele kunsthandwerkliche Produkte, deren Herstellung in enger Verbindung mit Nadeln aller Art steht.

NadelmarktNadelmarktNadelmarktNadelmarkt

Und es gab eine halbstündige Vorführung und Erklärung der Haarnadelproduktion, mit laufenden Maschinen!

NadelkunstNadelkunstNadelkunst

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

2 Kommentare zu “Nadelmarkt in Barendorf

  1. Servus Ihr zwei Hübschen,
    Herzlichen Dank für die Glückwünsche zu meinem Geburtstag.
    Wie ich lese, geht bald die große Reise los.
    Werde Euch im Auge behalten und wahrscheinlich auch etwas Fernweh haben.
    Ich werde wieder Oma diesmal im Doppelpack. Silke erwartet Zwillinge.
    Liebe Grüße aus München
    Gaby

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