Von den Besonderheiten des Lebens “auf der Straße”

 
Ab und zu möchten auch wir mal etwas im Internet bestellen oder uns unsere Post nachschicken lassen, wenn wir „on tour“ sind. Gerne nutzen wir dafür die Aufenthalte auf Campingplätzen, weil das bequemer ist als eine Packstation. Bisher ging das immer problemlos, diesmal nicht! Als wir in der Rezeption Bescheid sagten, dass am nächsten oder übernächsten Tag ein Paket von DHL angeliefert werden würde, teilte man uns mit, dass die Post nur Pakete für Dauerbewohner des Campingplatzes ausliefert und für Touristen oder Dauercamper nur eine Abholkarte mitbringt. Wir befanden uns auf dem Campingplatz “Stover Strand” an der Elbe südlich von Hamburg. Dieser Platz besteht zu einem großen Teil aus Mobilheimen, die ganzjährig genutzt werden und deren Bewohner ihre Meldeadresse auf dem Campingplatz haben. Wir versuchten, der Rezeptionistin klarzumachen, dass gerade Wohnmobil-Touristen es schätzen würden, wenn sie nicht mit dem Fahrrad zur Poststelle fahren müssen, da sie normalerweise ja nicht noch einen separaten PKW dabei haben. Das leuchtete der Dame auch ein und sie versprach, auf den Paketboten zu achten und ihn zu bitten, das Paket bei ihr abzugeben, FALLS er es in seinem Auto haben würde. Üblicherweise bliebe es allerdings in der Zentrale, wenn der Name des Empfängers nicht auf der Liste der Dauerbewohner stehen würde. Am nächsten Tag fragten wir nach, nein, es sei leider kein Paket da. Nun gut, ich hatte ja am Tag zuvor eine Versandbestätigung gekriegt, also müsste es auf jeden Fall Freitag da sein. Am Freitag hieß es, nein, leider sei wieder kein Paket für mich da. Aber vielleicht läge ja ein Abholschein in der Posthütte. Posthütte? Welche Posthütte? Die Rezeption war doch gleichzeitig eine Poststelle, wo man Briefe, Postkarten, Pakete frankieren und abgeben konnte. Würde denn ein Abholschein nicht hier abgegeben werden? Nein, meistens käme der Postbote gar nicht herein. Für die Mobilheimbewohner gäbe es draußen ein Areal mit Briefkastenwänden und für die Dauercamper eben die Posthütte hinter den Glascontainern. Wir marschierten hin und landeten in einem Raum mit vielen Büchern. Offensichtlich die Campingplatz-Leihbücherei. Erst auf den zweiten Blick entdeckten wir in einem Regal eine Reihe von mit Briefen vollgepfropften Boxen, von A bis Z beschriftet und davor zwei Abholscheine. Bingo! Einer davon war auf meinen Namen ausgestellt. Okay, den Schein hatte ich, das Paket musste jetzt also “nur noch” bei der nächsten Poststelle abgeholt werden. Für den Samstag hatten wir uns angemeldet, mit dem Campingplatz-Shuttlebus zur S-Bahnstation nach Hamburg-Bergedorf gefahren zu werden. Das hatten wir am Samstag davor schon gemacht, kannten den netten Fahrer bereits und er hatte kein Problem damit, einen kleinen Umweg zur Post zu machen. Dort zeigte ich meinen Schein vor, auf dem vermerkt war, dass eine Abholung am nächsten Tag ab 10 Uhr möglich sei. Den nächsten Tag hatten wir und es war zehn Minuten nach zehn. Oh, das tue ihr Leid, das sei auf dem Schein nicht richtig angegeben, sagte die Dame am Postschalter. Nur bei einer Adresse VOR der Brücke könne man am nächsten Tag abholen, NACH der Brücke erst am übernächsten. Natürlich liegt der Campingplatz nach der Brücke! Große Begeisterung bei uns! Der übernächste Tag war der Sonntag, am Montag wollten wir weiterfahren. Mit Oscarlotta konnte ich dort nicht parken, es gab nur einen schmalen Parkstreifen vor dem Schreibwarenladen, in dem die Poststelle war. Da Uschi mit Fix und Boxi hier ist, bot sie sich an, das Paket für mich zu holen. Frohgemut verbrachten wir unseren letzten Tag an der Elbe. Da ich ja nicht der Frühaufsteher bin, fragte ich am Sonntag nach, bis wann man abgereist sein muss und war sehr erfreut zu hören, dass es erst um 13 Uhr war. Bis 12 Uhr musste allerdings bezahlt werden und die Rezeption machte von 12 bis 15 Uhr Mittagspause. Prima, dann konnte ich nach dem Bezahlen noch in aller Ruhe per Gießkanne Wasser tanken und das Abwasser eimerweise in den Toilettenausguss entsorgen. Als ich um zwanzig vor zwölf in die Rezeption kam, stand dort Uschi und erzählte der Campingplatzbesitzerin, dass sie immer noch kein Paket bekommen habe. Das würde erst um 17 Uhr von der Hauptpost in Winsen an der Luhe mitgebracht werden, vielleicht, eventuell aber auch erst am Dienstag!!! Nein, es gäbe keine andere Möglichkeit. Nein, sie könne das Paket nicht direkt in Winsen abholen. Man könne ihr auch keine Adresse geben, wo sie sich beschweren könne. Und überhaupt würde das immer so laufen, da könne man gar nichts machen! Was tun? Wir hielten Kriegsrat und beschlossen, dass Uschi schon zu unserer nächsten Station, Ratzeburg, fahren und dort einen Platz für mich freihalten würde. Ich könne mit Oscarlotta auf dem Parkplatz vom Sky-Supermarkt parken, hatte sie herausgefunden, und von dort aus zur Post laufen. Und was, wenn das Paket auch um 17 Uhr nicht kommt? Übernachte ich dann auf dem Parkplatz? Einer Eingebung folgend fragte ich, ob die Schranke an der Ausfahrt des Campingplatzes um 13 Uhr automatisch öffnet. Das ist ja eigentlich so üblich bei der Abreise. Nein, die Schranke ist über Mittag geschlossen. Und wie komme ich dann raus? Entweder um 12 oder erst wieder um 15 Uhr. Abreise sei um 12. Aber gestern hieß es doch, um 13 Uhr, ich hatte doch extra gefragt!!! 13 Uhr gelte nur für die Sommersaisonplätze direkt an der Elbe. Es war die Juniorchefin, die mir am Tag zuvor die zumindest aktuell für mich falsche Auskunft gegeben hatte! Das war ihrer Mutter dann offensichtlich etwas peinlich und da Winter war und ich nun bekanntlich die Zeit bis 17 Uhr totschlagen musste, durfte ich bis 15 Uhr bleiben. Ich entsorgte, ich versorgte, ich machte einen halben Frühjahrsputz und fuhr um eine Minute nach 15 Uhr vom Platz. 10 Minuten später war ich auf dem Sky-Parkplatz. Ich kaufte ein, ich trank Kaffee, ich aß ein Stück Kuchen und um zwanzig vor fünf lief ich zur Post. Vor der Tür stand ein Lieferwagen und ein junger Mann trug Pakete aus dem Laden zu seinem Fahrzeug. Ich hoffte inständig, dass er mein Paket vorher schon hineingetragen hatte! Und tatsächlich war es SCHON da!!! Ich war glücklich! Im Dunkeln kam ich in Ratzeburg an. Außer Fix und Boxi stand dort kein anderes Wohnmobil.

Infos und Fotos zum Stover Strand:

Campingplatz “Stover Strand”: Zwei durch den Elbedeich getrennte Platzteile, direkt an der Elbe nur nutzbar von Anfang April bis Ende Oktober (Elbe-Überschwemmungsgebiet), auch für Wohnwagen; VE-Station zwischen den beiden Bereichen hinter dem Deich; Campingplatzgaststätte (im Winter geschlossen); Edeka-Frischemarkt; Poststelle in der Rezeption; großer Dauercamperbereich; noch größerer Bereich für Mobilheime (Anmeldung des 1. Wohnsitzes lt. Gerichtsbeschluss wegen privater Streitigkeiten aktuell nicht mehr für Neumieter, solange es kein Bundesgesetz für die Anmeldung auf Campingplätzen gibt); Shuttlebus (bisher nur in der Wintersaison Samstag und Sonntag) für €3/Person/Fahrt zum (10:00)/vom (18:00) S-Bahnhof Bergedorf (15 Minuten), von dort Tages-Gruppenkarte im Innenbereich (2 Ringe) Hamburgs €11,80 (im Sommer fährt ein Schiff direkt nach HH); Hamburg-Card, Kartenreservierungen etc. in der Rezeption; ruhige Lage im Grünen, gute Spazier- und Radfahrmöglichkeiten (Elbe-Radweg); Bäckereicafé 10 (Geh-)Min., Edeka 25 (Geh-)Min., Restaurant 15 (Geh-)Min.; bei regulärem Aufenthalt gibt es ab dem 8. Tag 20% Rabatt, darüberhinaus gibt es Monats- und Saisonpreise (siehe Homepage)

Wohnmobilstellplatz vor dem Deich an der ElbeStover Strand (Dauercamperbereich)Touristenbereich hinter dem DeichStover Strand an der ElbeStover Strand an der ElbeStover Strand an der ElbeStover Strand an der ElbeStover Strand an der ElbeStover Strand an der ElbeStover Strand an der ElbeStover Strand an der ElbeStover Strand an der ElbeStover Strand an der ElbeStover Strand (Campingplatzgaststätte)Stover Strand (Campingplatzgaststätte)Stover Strand (Campingplatzgaststätte)Stover Strand (Campingplatzgaststätte)Stover Strand (Campingplatzgaststätte)Stover Strand (Campingplatzgaststätte)

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

5 Kommentare zu “Von den Besonderheiten des Lebens “auf der Straße”

  1. Hallo meine Lieben ♥
    Wir freuen uns auch, wieder von Euch zu Lesen! Aber ist ja echt ein Akt an eine Sendung zu gelangen 😮 Aber glücklicherweise ist es Euch gelungen!

    Wir relaxen hier gerade in Portugal – es könnte wärmer sein – aber der Frühling kommt bestimmt! Wie haltet ihr das nur in Deutschland aus?

    Ganz liebe Grüsse an Euch ♥

    • Alles nur eine Frage der Einstellung! 😉
      Wir mögen halt die Einförmigkeit nicht so sehr und wir lieben Höhlentage, zumindest ab und zu. 🙂 Und Fotomotive gibt es im Winter eben noch ganz andere als im Sommer. Ein wenig mehr Gas brauchen wir oder Strom pauschal für unsere Kombiheizung. Wir haben nicht das Gefühl, „auszuhalten“, trotzdem freuen wir uns natürlich auch auf den Frühling und mehr Sonne.
      Liebe Grüße zu euch!

      • Jaaaa! Da gebe ich Euch absolut Recht! Bilder im Winter können so bezaubernd sein!
        Diese bleiben mir vorenthalten!

        Kälte kann man gut auf ein Bild bannen – Wind weniger! Wärme (HItze) wird auch schon schwieriger.

        Schön, dass es Euch gut geht ♥
        Ganz liebe Grüsse für Euch ♥

  2. Hallo ihr Lieben,
    schön wieder von euch zu lesen. Welch ein Gewusel wegen einem Postpaket.
    Zum Glück ist es ja noch angekommen.
    Wir sind noch in Spanien und machen schöne Touren in die nahen Berge zur Mandelblüte. In drei Wochen werden wir die Heimreise antreten und ich freue mich schon auf die Heimat.
    Liebe Grüße von Hildegard

    • Hallo, ihr Lieben!
      Schön, von euch zu hören/lesen!!! 😉 Und wir freuen uns, dass ihr Spanien genießt, auch wenn ihr euch schon auf zu Hause freut. Nach so langer Zeit ist das verständlich. Habt trotzdem noch schöne letzte Wochen, in D ist noch Winter!!!
      Ganz liebe Grüße zurück!!!

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