Schönes Wismar

 
 
Wir waren 2002 und 2010 schon einmal in Wismar, allerdings jeweils nur für einen kurzen Stadtbummel. Jedes Mal war Wismar für uns das Ziel einer kleinen Bootstour, einmal von der Insel Poel, einmal von Boltenhagen aus. 2002 konnte man erkennen, dass Wismar vom Grundsatz her eine schöne Stadt war und immer noch ist, aber die überwiegende Zahl der Häuser war entweder ziemlich heruntergekommen oder schon im Verfall. Nur weniges war bereits restauriert.

Wismar 2002Wismar 2002 

Hansestadt Wismar um 1653 Wismar zählt zu den besterhaltenen mittelalterlichen Stadtkernen in Norddeutschland und wurde 2002 ins UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen. Der Grundriss ist bis heute unverändert geblieben und verdeutlicht die typische Struktur einer alten Hansestadt. Es lohnte sich also, zu restaurieren. Und bei unserem Besuch 2007 sah es dann bereits ganz anders aus! Da waren sicher mehr als 80% der Gebäude restauriert, das ehemals graue Stadtbild war bunt und der Tourismus florierte. Ab und zu gab es ein Haus, das noch nicht restauriert war, vermutlich, weil entweder die Eigentumsverhältnisse nicht geklärt waren oder das Geld fehlte. Wir kamen durch Zufall an einem großen, einzeln stehenden Haus vorbei, das meine Aufmerksamkeit erregte, weil ich mir vorstellen konnte, dass es einmal wunderschön werden könnte. Und tatsächlich hing schon das Plakat einer Baufirma daran! Ich habe es damals fotografiert.
Inzwischen gibt es einen schönen Wohnmobilstellplatz in Wismar, günstig gelegen in fußläufiger Entfernung zum Stadtzentrum und zum alten Hafen (ca. 10-15 Min.). Ruhig, ein auch im Winter betriebenes Büro mit Ansprechpartner, Gasverkauf, Sanitärgebäude, €10, Strom über Automaten (€1/8 Std). Wir blieben ein paar Tage und erkundeten die Stadt. Schön ist sie geworden! So gut wie kein Haus ist noch renovierungsbedürftig, egal in welchen Seitenstraßen man sich umschaut, überall stehen wunderschöne alte Häuser, teilweise ganz im alten Stil der Backsteingotik, teilweise die alten klassizistischen Giebelhäuser. Keines ist genau gleich mit dem Nachbarhaus und auch die neu erbauten modernen Gebäude sind vom Stil her sehr harmonisch angepasst.

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Je mehr wir sahen, desto begeisterter waren wir! Und dann kamen wir an einem großen, einzeln stehenden Haus vorbei, das meine Aufmerksamkeit erregte, weil sich irgendetwas in meinem Hinterkopf regte. War das das Haus, das ich vor 10 Jahren fotografiert hatte??? Wieder in Oscarlotta befragte ich meinen Laptop. Das Ergebnis seht ihr hier:

Wismar 2010 Wismar 2017

St. Marien Wismar hatte das Glück, im 2. Weltkrieg nicht total zerstört worden zu sein. Zwei ihrer drei beeindruckenden Kirchenbauten im Stil der Backsteingotik erwischte es allerdings. Von St. Marien blieb nur der gewaltige Turm stehen, das beschädigte Kirchenschiff wurde 1960 gesprengt. Die Umrisse sind noch gekennzeichnet und im Inneren des Turmes kann man sich einen kurzen 3D-Film anschauen, der sehr anschaulich erklärt, wie Backsteingotik-Kirchen dieser Größe erbaut wurden. Mit den Mitteln, die man im 13./14. Jahrhundert zur Verfügung hatte, ein für uns immer wieder unvorstellbares Unterfangen! In einem Nebenraum gibt es eine interessante Ansammlung von sechs Backstein-Figuren. Als Vertreter unterschiedlicher Kulturen und Religionen treten sie mit Originalzitaten aus ihren Schriften in einen Dialog über Gott und seine Schöpfung, über die Suche nach dem Sinn des Lebens und die Möglichkeiten des friedlichen Zusammenlebens von Menschen. Diese Gespräche werden über Lautsprecher wiedergegeben (Sprecher ist Bruno Ganz) und erzeugen im Zusammenspiel mit dem abgedunkelten, kargen Raum und den Figuren eine eigentümliche Stimmung. Die Figuren stellen einen Pilger dar, den streitbaren Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux, den Philosophen und Theologen Petrus Abaelard, den persischen Dichter Hafis, den Rabbi, Arzt und Philosophen Moses ben Maimon und schließlich Parzival, den Held aus Wolfram von Eschenbachs berühmtem Ritter-Epos.

Dialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des Geistes

St. Georgen Die Kirche St. Georgen wurde ebenfalls stark beschädigt, aber nicht gesprengt, sondern ihrem Verfall überlassen. Erst als 1990 bei einem Orkan der Giebel des Nordquerhauses auf zwei benachbarte Bürgerhäuser fiel und diese zerstörte, fing man an, Spendengelder zu sammeln und die Restaurierung zu beginnen. Allerdings ist von der originalen Kircheneinrichtung nichts mehr erhalten. Über 40 Millionen Euro ermöglichten die Gesamtrestaurierung bis 2010. Die Kirche wird als sog. Veranstaltungskirche heute für verschiedene Events genutzt und entsprechend bestuhlt und hergerichtet. Inzwischen gibt es auch eine Aussichtsplattform auf dem 36m hohen Turmstumpf. Der ursprünglich geplante große Turm wurde über die Jahrhunderte wegen Geldmangels übrigens niemals fertiggestellt. Ganz bequem kann man sich mit einem gläsernen Aufzug nach oben fahren lassen. Die Kosten für den Bau der Plattform, des Aufzuges und die Turmsanierung beliefen sich auf rund 2,1 Millionen Euro, die man mit einer Besuchergebühr von 3 Euro wohl nicht so schnell wieder hereinbekommen wird! Der Blick von oben über die Stadt lohnt den Einsatz auf jeden Fall.

Wismar von obenWismar von obenWismar von obenWismar von oben

Die dritte große Kirche, St. Nikolai, wurde im Krieg vollständig verschont und beeindruckt durch das 37m hohe Mittelschiff, nach Köln, Ulm und Lübeck das vierthöchste Deutschlands. Das komplett erhaltene Kircheninnere ist im Barockstil gestaltet und verfügt noch über Teile der originalen Inneneinrichtung und viele Grabplatten mit alten Inschriften.

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Unser Favorit ist eindeutig die Kirche St. Georgen. Sie wirkt durch ihre vielen Anbauten und Türmchen trotz ihrer Größe zwar imposant, aber auch irgendwie anmutig. Alle drei Großkirchen prägen schon von weitem das Stadtbild von Wismar.

"Alte Schule" Ein weiteres Juwel wird gerade wiederhergestellt, was aber sicher noch ein paar Jahre dauern wird. Die „Alte Schule“, 1351 erstmals im Stadtbuch von Wismar erwähnt, war ein langgestrecktes Gebäude, was in der Mitte durch eine Brandmauer geteilt wurde. Jede der beiden Hälften wurde durch Fachwerkwände in drei gleich große Klassenräume gegliedert und setzte sich vom Erdboden bis zum Dachstuhl fort. Dieses Bauwerk galt als herausragendes Beispiel der Backsteinbaukunst im hochgotischen Stil und zählte im Ostseeraum zu den Spitzenleistungen des Profanbaus. Ab 1863 wurde das Gebäude als Armenhaus genutzt und 1880 aufwändig restauriert, um es fortan als Museum für Kunst und Altertum zu nutzen. 1945 wurde die „Alte Schule“ bei einem Bombenangriff so schwer beschädigt, dass die Reste des Gebäudes schon zwischen 1946 und 1948 abgebrochen werden mussten. Der noch erhebliche Bestand des Kellers wurde mit Schutt verfüllt und überpflastert. 2001 wurden bei ersten Grabungen kleine Teile des Kellermauerwerks freigelegt.

"Alte Schule""Alte Schule"

Eine Bürgerinitiative wurde gegründet, um den Wiederaufbau voranzutreiben. Für uns, unter anderem, durchaus ein guter Grund, in ein paar Jahren mal wieder vorbeizuschauen… 

Unter anderem, weil es außer Häusern und Kirchen natürlich auch noch einiges andere gibt, das durchaus lohnenswert ist! 

Eine Auswahl davon haben wir in ein Fotoalbum gepackt, das ihr euch anschauen könnt, wenn ihr „hier“ klickt.

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.