Schiffshebewerk Niederfinow

 
 
Als wir uns in Lütow vom Betreiber des Stellplatzes „Marina Yachtlieger Achterwasser“ verabschiedeten und es unweigerlich noch zu einem kleinen Plausch kam, erhielten wir den Tipp, am Schiffshebewerk in Niederfinow vorbeizufahren und es uns anzuschauen. Man könne dort auf dem Parkplatz auch übernachten, sogar unentgeltlich. Er habe sein Schiff vor vielen Jahren von Berlin hierher ans Achterwasser geholt und sei genau mit diesem Hebewerk geschleust worden. Schiffe gehen bei uns immer, Schiffshebewerke gibt es nicht so viele und Zeit hatten wir auch. Also Niederfinow, wo auch immer das lag. Bei Eberswalde, stellte sich heraus, also auf unserem Weg nach Dresden.
Leider, leider mussten wir nach Altwarp die Küste endgültig verlassen und ins Landesinnere zurückkehren. Der Winter dort oben an Nord- und Ostsee war alles andere als schrecklich, auch wettermäßig nicht, sondern sehr entspannend und abwechslungsreich. Wir lieben es, immer ein Stückchen weiterzufahren und wieder etwas Neues zu entdecken. Oder auch an einen Ort zurückzukehren, der uns früher schon einmal gefallen hat. Jetzt wollten wir endlich auch einmal nach Dresden. Vorher aber Niederfinow!

altes Schiffshebewerk Ein weiteres Superlativ konnten wir nun also unserer Sammlung hinzufügen: Das Schiffshebewerk Niederfinow ist das älteste, noch in Betrieb befindliche, Deutschlands. Ein wahrlich imposantes Bauwerk von 60m Höhe! Seit 1934 verrichtet es, von wenigen Unterbrechungen abgesehen, Jahr für Jahr seinen Dienst in der Havel-Oder-Wasserstraße, die ihre Ursprünge bereits 1743 hat, als Großschifffahrtsweg von und nach Berlin. 36m Höhenunterschied vom unteren auf das obere Level oder umgedreht sind zu überwinden! Im Stil der damaligen Zeit wurde eine Stahlkonstruktion auf Stahlpfeilern errichtet und mit 5 Millionen Nieten zusammengehalten. Obwohl der Trog mit 85m Länge, 12m Breite und einer Wassertiefe von 2,50m nicht gerade klein zu nennen ist, reicht er für heutige Verhältnisse nicht mehr aus. Für Schubverbände ist er zu kurz, sodass die Einheiten getrennt werden müssen. neues Schiffshebewerk Deswegen wurde 1997 der Bau eines größeren, modernen Hebewerks nebenan beschlossen, was inzwischen fast fertiggestellt ist und spätestens 2025 den Schleusenbetrieb parallel oder ausschließlich (?) übernehmen soll. Was solch ein Bauvorhaben, egal ob 1934 oder jetzt, bedeutet, an Planung, Vorarbeiten, Bauausführung, ist für den normalen Besucher nur zu erahnen, aber absolut nicht nachvollziehbar. Beide Bauwerke ziehen einen trotzdem oder gerade deswegen aber sofort in ihren Bann. Ein wenig bekommt man einen tieferen Einblick im Informationspavillon mit seinen Schautafeln, Modellen, Filmen und Dia-Shows. Wer an den Fakten interessiert ist (auch wenn er kein Ingenieur ist), dem sei Wikipedia empfohlen, „hier“.

oberer Kanal 150000 Besucher kommen jedes Jahr und zwei davon in diesem Jahr waren wir! Für absolut bezahlbare 3 Euro kann man zunächst einem Serpentinenweg folgen, der bis zur Höhe des oberen Kanals führt. Ab da läuft man auf einer Besuchergalerie rund um das Hebewerk, kann die Landschaft und natürlich die Schleusungen ganz aus der Nähe UND VON OBEN ansehen! Die Gesamtdauer einer Schleusung beträgt 20 Minuten, der Trog benötigt für den Höhenausgleich der 36m nur 5 Minuten! Mit seiner Wasserfüllung wiegt er 4290 Tonnen und wird mittels 256 Stahlseilen, Umlenkrollen und Beton-Ausgleichsgewichten mit einem Gewicht von ebenfalls 4290 Tonnen elektrisch nach oben oder nach unten befördert, mit oder ohne Schiff (auch hierzu genaueres im obigen Link). Da ein Schiff stets so viel Wasser verdrängt wie es selbst wiegt, bleibt das Gewicht des wassergefüllten Troges immer gleich. (Physikunterricht Klasse ?) Cooles Smiley

Die Berufsschifffahrt hat natürlich Vorrang, deswegen müssen „just-for-fun“-Schleusende im Ausflugsboot unten oder oben schon einmal etwas länger warten. Aber dann haben sie wenigstens etwas für den Preis von €20 gehabt! Da Schubverbände ja getrennt werden müssen, gibt es für die unten oder oben in den Trog geschobenen maschinenlosen Leichter eine Seilzugvorrichtung. Wenn auch das Schubschiff geschleust wurde, wird wieder angekuppelt. Gut zu sehen in unserem nachfolgenden kleinen Video.

Park- und Stellplatz Wir sind dann wirklich die Nacht auf dem Parkplatz stehengeblieben. Tagsüber ist er mit Schranken verschlossen, die abends und über Nacht geöffnet sind. Wenn man das entsprechende Zeitfenster nutzt und rechtzeitig am Morgen fährt, steht man wirklich umsonst, ansonsten zahlt man am Automaten €3 für einen Jeton, der an der Schranke eingeworfen wird.

Ab hier nur noch (selbsterklärende) Fotos und ein Nachtrag!

Oder-Havel-KanalSchiffshebewerk (Erläuterungen)Schiffshebewerkaltes und neues SchiffshebewerkEinfahrt SchubverbandEinfahrt SchubverbandEinfahrt SchubverbandEinfahrt SchubverbandEinfahrt FrachtschiffEinfahrt FrachtschiffEinfahrt FrachtschiffEinfahrt FrachtschiffEinfahrt FrachtschiffEinfahrt AusflugsbootEinfahrt AusflugsbootSchleusung AusflugsbootAusfahrt AusflugsbootSchleusung PolizeibootSchleusungSchleusungSchleusungSchubverband oberer KanalSchubverband oberer Kanal

Nachtrag:
Während der gemeinsamen Bootsurlaube mit meinem Bruder und seinem selbstgebauten Motorschiff „Octopus“ während der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts habe ich eine solche Hebewerkschleusung in Belgien selbst miterlebt. Eine aufregende Sache, wenn man mitsamt seines Schiffes schwimmend in einer „Badewanne“ immer weiter in die Höhe befördert wird und oben dann nur eine kleine Ausfahrt-Rinne wartet! Und unser Octopus war immerhin 13,50m lang und 4,00m breit mit einem Tiefgang von 0,90m. Ich werde mir mal die alten Fotos wieder ansehen, wenn ich wieder in der Nähe meiner Fotoalben bin. Da ich ja auch zum größten Teil aus dem vorigen Jahrhundert bin, gibt es auch noch Fotoalben in nicht digitaler Form! Zwinkerndes Smiley

written by Ingrid
photos and videos taken by Uschi with Mobistel Cyrus F9

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

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