Endlich am Meer!!!

 

Für meinen „Urlaub“ am Meer hatte ich mir Kühlungsborn ausgesucht. Dort waren Uschi und ich im letzten Winter auf einer unserer Spritztouren mit dem Miet-Smart nur durchgefahren, es regnete. Ich hatte aber den Eindruck gehabt, dass ein Besuch sich lohnen könnte und den wollte ich jetzt nachholen. Einen Stellplatz gibt es nur weiter außerhalb, aber der Campingplatz öffnete wieder am 2. März. Bis zum 23. März wurden zudem „Sparwochen“ angepriesen, das passte doch gut. Was mir nicht gefiel, war der Zusatz „Bei den Sparwochen gilt eine Mindestbelegung mit 2 Personen ab 12 Jahre“. Ich sah darin keinen Sinn außer dem, möglichst viel Geld wieder reinzuholen, denn der Platz ist ja sowieso schon belegt, egal wie viele Menschen in dem Mobil oder Wohnwagen sind. Und ein Einzelreisender erzeugt keine Kosten für zwei! Ich rief an. Nach mehreren Minuten in der Warteschleife meldete sich eine junge Frauenstimme mit Namen und dem Zusatz „Auszubildende“. Ich stellte meine Frage und sagte gleich dazu, dass ich nicht kommen würde, wenn ich für zwei Personen bezahlen muss. Die Antwort war, dass man es tatsächlich erst einmal so in den Computer eingeben müsse, aber die Personengebühr für die zweite Person dann wieder gutgeschrieben würde. Nun ja. Eine weitere Besonderheit dieses Platzes ist, dass es 9 (!) verschiedene Preiskategorien gibt. Alle 10qm ab 80qm kostet der Platz einen Euro mehr, dazu kommen drei Saisonzeiten. Die unterschiedlich bepreisten Plätze liegen wild durcheinander auf dem ganzen Gelände verteilt und werden unterschiedlich farbig (9 Farben) gekennzeichnet. Es wurden aber in einem Bereich auch spezielle Wohnmobilplätze bis 80qm (10. Farbe = weiß für Wohnmobilplätze) ausgewiesen und die sollten in den Sparwochen €4,99 kosten. Ich fragte noch einmal explizit die Preise ab, also für den Platz €4,99 und für eine Person €7,50? Ja – und Kurtaxe käme noch dazu. Jetzt im Winter? Ja, ab Anfang März €1 pro Person. Ich fragte ein drittes Mal, ob ich dann jetzt sicher davon ausgehen könne, dass ich innerhalb der Sparwochen €13,49 pro Tag bezahlen muss, ich würde nämlich nicht gerne an der Rezeption stehen und erfahren müssen, dass doch alles ganz anders ist. Nein, €13,49 sei richtig!

PreiskategorienPreiskategorien

Ich fuhr am nächsten Sonntag hin. Ahnt ihr schon etwas? Die resolute Dame an der Rezeption fragte die Größe meines Wohnmobils ab und kringelte mir dann auf dem Lageplan ein paar unterschiedlich farbige Plätze gegenüber der Rezeption ein. Preise zwischen €6,99 und €12,99. Ich fragte nach den Wohnmobilplätzen für €4,99. Nein, die seien noch nicht verfügbar, der Platzteil müsse noch hergerichtet werden und das Sanitärhaus dort sei auch noch nicht geöffnet. Ich solle mir doch bitte hier einen Platz aussuchen. Bevor ich das tat, fragte ich mal vorsichtshalber nach der 2-Personen-Regelung. Ja, zwei Personen müssten bezahlt werden! Ich erklärte ihr beherrscht, aber bestimmt, dass ich deswegen extra vorher angerufen hätte und man mir versichert habe, dass der Preis für die zweite Person gutgeschrieben würde. Wenn das nicht der Fall sei, würde ich wieder fahren. Da hieß es dann, 6 Euro würden mir gutgeschrieben. Ja, sie wisse, dass Einzelpersonen immer etwas benachteiligt würden, das bedauere sie auch, aber so sei es leider. Eigentlich hätte ich jetzt fahren müssen! Das hätte dann aber bedeutet, dass ich Kühlungsborn nicht kennenlernen würde. Ich sah mir die eingekringelten Plätze an und entschied mich, zu bleiben, allerdings legte ich mich nicht wie geplant für eine Woche fest, sondern erst einmal nur für vier Nächte. Meine Anmeldung wurde bearbeitet, ich bekam eine Magnetkarte für die verschiedenen Zugangstore und sollte langsam vor die Schranke fahren, die Kamera würde mein Kennzeichen auslesen. Dann käme ein Mitarbeiter und würde mich zu meinem Platz bringen. Hinter der Schranke gab es extra dafür eine Wartespur, allerdings dauerte es mehr als 5 Minuten, bis der Mitarbeiter per PKW dann auch kam. Und dann erklärte er mir, dass er mich mit diesem Mobil nicht auf den von mir gewählten Platz stellen könne, der Boden sei noch viel zu aufgeweicht. Er telefonierte mit der Rezeption und gab dort bekannt, wohin er mich stellen würde. Nach einigem Hin und Her, ob dieser Platz evtl. reserviert sein könnte, fuhren wir endlich los. Glück für mich, dieser Platz kostete weniger als der andere, aber immerhin €8,99 statt der erhofften €4,99 plus €9,00 Personengebühr statt €7,50! Ein Vorteil war, ich stand in der vordersten Reihe zum Strand und konnte durch die Bäume hindurch das Meer sehen. Endlich am Meer!!! Smiley

PlatzplanPlatzplanmein Platz

Der nächste Strandzugang war nicht weit entfernt und die Sonne schien, also verlegte ich nur mein Stromkabel (Strom ist im Preis inbegriffen) und ging an den Strand. Dort waren noch Schneereste zu finden! Nach 5 Minuten war ich schon am Beginn der Promenade und stieß dort zufällig auf ein Bäckereicafé meiner Lieblingskette Junge. Zwinkerndes Smiley

Café Junge

Danach lief ich noch ein Stück in die andere Richtung am Strand entlang, machte die ersten Fotos und stellte dann meine Wohnordnung wieder her.

Weg zum StrandStrandzugang 23Strand mit SchneeStrand mit SchneeEndlich am Meer!!!Fundsache (mitgenommen)

Die ganze Preisangelegenheit ging mir allerdings nicht aus dem Kopf! Ich ärgerte mich tierisch darüber, dass trotz aller Vorbemühungen letztendlich doch alles ganz anders war! Wem oder worauf kann man eigentlich noch vertrauen? Ich fühlte mich regelrecht verar… Am nächsten Tag lief ich den ganzen (riesigen) Platz mal ab und sah mir auch die Wohnmobilplätze an. Die sahen nicht so aus, als ob sie noch nicht hergerichtet seien. Ich denke, man wollte einfach die Kosten für ein weiteres geöffnetes Sanitärhaus einsparen, so viele Urlauber waren auch noch nicht da. Das finde ich ja in Ordnung, hätte diese Info aber eben gerne schon am Telefon bekommen. Erzürnt

WohnmobilplätzeWohnmobilplätzeWohnmobilplätzeWohnmobilplätzeWohnmobilplätzeSanitärhaus "Poseidon 3"

Ich beschloss, um einen Gesprächstermin mit der Campingplatzleitung zu bitten. Das klappte sofort und die beiden Herren mittleren Alters (einer ist für den Außenbetrieb, der andere für innen zuständig) hörten sich bereitwillig (ob auch wirklich interessiert, kann ich nicht abschätzen) mein Anliegen an. Auf meine direkte Frage, warum ein Einzelfahrer bei ihnen bestraft würde, bekam ich zur Antwort, dass sie den Campingplatz erst im letzten November übernommen haben, die Preisgestaltung und Platzgliederung so vom Vorbesitzer übernommen hätten und jetzt dabei sind zu schauen, was verändert werden muss/sollte/kann. Sie versicherten mir, dass sie dankbar für die Meinungsäußerungen ihrer Kunden seien. Vielleicht stimmt das sogar, zumindest wären sie gut beraten. Auch sie bedauerten das Geschehen, versicherten, dass Einzelfahrer in Zukunft nicht mehr zahlen müssen, aber rückwirkend könnte man leider nichts tun. Ja, schon klar! Sarkastisches Smiley Ich sagte wahrheitsgemäß, dass es mir darum auch gar nicht gehen würde, ich wollte kein Geld herausschlagen, ich hätte nur meinen Unmut kundtun wollen über die Diskrepanz zwischen dem, was mir am Telefon zugesichert worden war und der Realität.

Ist aber schon witzig, dass zwei Chefs nicht in der Lage sind, mal kurz einen alten Zopf vorzeitig abzuschneiden, oder?

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Dialog des Geistes

 

Zum Sonntagnachmittagskaffeetrinken besuchten wir Normas Freundin in ihrer Kurklinik im ehemaligen Seebad Wendorf, das als Wismarer Stadtteil Wendorf eingemeindet wurde. Die Seebrücke gibt es seit 1992, sie ist 350m lang und seit 2015 nach einer monatelangen Sanierung wieder öffentlich zugänglich. Wir legten einen kurzen Zwischenstopp ein. Auf der Hälfte der Brücke drehten wir allerdings um, der Wind war mehr als unangenehm! Aber der Blick auf die Wismarer Bucht war gerade wegen der Kälte so schön.

Seebrücke WendorfSeebrücke WendorfSeebrücke Wendorf

Am Montag verabschiedete Norma sich, sie wollte weiter zu ihrer Schwester. Ich wollte eigentlich endlich ans Meer, aber die Wettervorhersage im Internet sagte, dass die nächsten Tage eher schlecht sein würden. Also beschloss ich, noch zu bleiben. Der erste Niederschlag, der nicht mehr als Schnee herunterkam, wusch Salz und Straßendreck weitgehend von Oscarlotta ab (sie hatte verheerend ausgesehen!) und ließ die Platzmarkierungen wieder zum Vorschein kommen. Also war umparken angesagt und bei der Gelegenheit fuhr ich auch gleich über die VE-Station.

Jetzt war für mich auch klar, dass ich die erstbeste Gelegenheit nutzen würde, um noch einmal zur St. Marien-Kirche zu gehen. Die so besondere Ausstellung „Dialog des Geistes“ hatte mich letzten Winter in ihren Bann gezogen. Ich hatte zwar damals schon ein paar Fotos gemacht und auch darüber berichtet, aber ich musste da einfach noch einmal hin! Es war genauso beeindruckend wie beim ersten Mal. Von der Kirche steht ja nur noch der riesige Turm, das Kirchenschiff wurde im 2. Weltkrieg so stark beschädigt, dass es letztendlich 1960 gesprengt wurde. Der Grundriss des ehemaligen Kirchenschiffes und die Lage der gewaltigen Stützpfeiler wurden später durch niedrige Mauern wieder sichtbar gemacht.

St. MarienSt. MarienSt. MarienSt. MarienSt. Marien

Und so schön war sie einmal!! Verliebt

St. Marien  

In einem Seitenflügel des Turmes mit dem originalen Mauerwerk ist eine Gruppe von sechs Terakottafiguren aufgebaut, deren Mitglieder miteinander im Dialog zu sein scheinen. Als Vertreter unterschiedlicher Kulturen und Religionen treten sie mit Originalzitaten aus ihren Schriften in einen Dialog über Gott und seine Schöpfung, über die Suche nach dem Sinn des Lebens und die Möglichkeiten des friedlichen Zusammenlebens von Menschen. Diese Gedanken werden über Lautsprecher wiedergegeben (Sprecher ist Bruno Ganz) und erzeugen im Zusammenspiel mit dem abgedunkelten, kargen Raum und der punktuellen Beleuchtung der Figuren eine ganz besondere Stimmung. Die Figuren stellen einen Pilger dar; den streitbaren Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux; den Philosophen und Theologen Petrus Abaelard; den persischen Dichter Hafis; den Rabbi, Arzt und Philosophen Moses ben Maimon und schließlich Parzival, den Held aus Wolfram von Eschenbachs berühmtem Ritter-Epos. Die Texte liegen auch in Schriftform aus, exemplarisch als letztes Foto die Rede des Pilgers.

Dialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des GeistesDialog des Geistes

Auf der anderen Seite des Turmes ist im Seitenflügel eine liebevoll gemachte Ausstellung der drei prägenden Stadtkirchen im Modell 1:100. Auch hier schaute ich noch einmal rein und blieb viel länger hängen als gedacht. Mich interessieren Kirchen zwar wegen ihrer Architektur und sie faszinieren mich, weil ich mir vorzustellen versuche, unter welch schwierigen Bedingungen sie erbaut wurden, aber von Kirchengeschichte habe ich wenig bis keine Ahnung. Hier standen jetzt zwei Computermonitore und ich absolvierte einen Schnellkurs. Laut lachen Es wurde nämlich anschaulich demonstriert, wozu das Streben nach immer größerer Höhe der Kirchenschiffe geführt hatte und auch, mit welchen Risiken nicht nur die Höhenangleichung der Seitenschiffe verbunden war, was auch nicht nur einmal zum Zusammensturz geführt hat. Es scheint in der Natur des Menschen zu liegen, das unmöglich Erscheinende möglich machen zu wollen. Immer höher, immer schneller, immer weiter. No risk, no fun. Besser: Ohne Risiko keine Weiterentwicklung.

Kirchen der BacksteingotikKirchen der BacksteingotikKirchen der BacksteingotikKirchen der BacksteingotikKirchen der BacksteingotikKirchen der BacksteingotikKirchen der Backsteingotik

Bei den nachfolgenden Fotos zum Größenvergleich auf den erklärenden weißen Mauszeiger achten!

Kirchen der BacksteingotikKirchen der BacksteingotikKirchen der BacksteingotikKirchen der BacksteingotikKirchen der BacksteingotikKirchen der BacksteingotikKirchen der BacksteingotikKirchen der BacksteingotikKirchen der BacksteingotikKirchen der Backsteingotik

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Weißes Wismar

 

Am Donnerstag war der Schnee zwar immer noch nicht geräumt, aber am „Kringel“ festgefahren und es hatte nicht mehr neu geschneit. Unter Oscarlotta war alles grün und ich konnte weit genug zurückfahren, um mit meinen Antriebsrädern erst einmal Fahrt aufzunehmen, bevor ich mich in den „Tiefschnee“ wagte. Die Sonne hatte schon seit Stunden auf Oscarlottas Front geschienen, zusätzlich war der Motorvorwärmetauscher seit dem Aufstehen eingeschaltet und so startete der Motor trotz der immer noch heftigen Minusgrade problemlos. Meine Campinggasflasche war inzwischen leer geworden und ich hatte sie nicht gegen die volle Reserveflasche getauscht, sondern die LPG-Tankflasche weiterlaufen lassen. Ich wusste ja, wo ich die wieder auffüllen konnte. In mein Navi gab ich die Adresse des hagebaumarktes ein, der ganz in der Nähe des Stellplatzes liegt. Im Außenbezirk von Wismar kam ich an eine Stelle, an der die Straße nur nach rechts oder nach links führte. Mein Navi schwieg und ich entschied mich für rechts. Wahrscheinlich hätte ich feststellen können, dass das falsch sein würde, wenn ich mir mehr Zeit gelassen hätte, die Schilder zu studieren. In solchen Situationen verlässt mich leider meine Gelassenheit und ich neige dazu, überstürzt zu handeln. Nach kürzester Zeit wusste ich, dass ich letztes Jahr hier schon genauso falsch abgebogen war und dass ich durch enge Altstadtstraßen würde fahren müssen. Diesmal dauerte es, aus unerfindlichen Gründen, sogar noch etwas länger, bis ich wieder auf der richtigen Straße war. Verwirrtes Smiley Vielleicht kann ich es mir jetzt dann endlich mal merken, dass ich nach LINKS abbiegen muss!

Den Baumarkt fand ich, auch einen Parkplatz neben einem zusammengeschobenen Schneehaufen und volle Gasflaschen gab es auch. Ich teilte Norma, die schon auf dem Stellplatz „Am Westhafen“ auf mich wartete, mit, dass ich Kuchen mitbringen würde und gleich da sei. Als ich dort ankam, hatte sie Tisch und Stühle draußen aufgebaut und bereits Kaffee gekocht. Draußen Kaffee trinken??? Bei der Kälte? Erstauntes Smiley Ich ließ mich überreden, wir wickelten uns in Decken ein und nach jedem Bissen/Schluck versteckte ich auch meine Hände. Die Sonne machte es tatsächlich erträglich, zumindest für eine halbe Stunde. Als um 16 Uhr der Stellplatzbetreiber per PKW kam, meinte er, das sähe doch schon richtig nach Frühling aus! Ich zahlte mal bis Montag. Der Platz kostet €10/Nacht, es gibt ein kleines Sanitärgebäude (Dusche €1), pro 8 Stunden Strom zahlt man ebenfalls einen Euro. Auf dem Stromautomaten klebte ein Hinweisschild, dass Geräte mit maximal 1500 Watt angeschlossen werden dürfen. Das hätte bedeutet, dass ich mit Gas hätte zuheizen müssen. Norma erfuhr dann allerdings, dass die Absicherung 10 Ampere beträgt und das sind immerhin 2300 Watt. Ich musste also nur daran denken, die Heizung kurz auszuschalten, wenn ich meine Kaffeemaschine in Betrieb nahm. Und sinnvollerweise die Heizung danach wieder einzuschalten! Cooles Smiley

Stellplatz "Am Westhafen"Stellplatz "Am Westhafen"

Der Platz war geräumt, aber von den Stellplatzmarkierungen war nichts zu sehen und so stand jedes Wohnmobil, wie es bzw. sein Fahrer wollte. Das war egal, denn der Platz ist groß und es waren auch hier noch nicht viele unterwegs.

Die nächsten zwei Tage machten wir Wismar unsicher. Ich war sehr gespannt, ob bei der eisigen Kälte die Fischverkäufer am alten Hafen auf ihren Booten arbeiten würde. Und tatsächlich war es so! Einer stand sich die Füße in den Bauch und zumindest musste er sich keine Gedanken über die Kühlung seiner Ware machen. Ob sich das Geschäft lohnt, wage ich allerdings zu bezweifeln. Andererseits stellten wir fest, dass auch zu dieser Jahreszeit schon Unmengen an Touristen in der Stadt waren, alle Cafés waren rappelvoll! Aber verständlich, draußen hielt man sich freiwillig nicht länger auf als unbedingt nötig.

WesthafenWesthafenAlter HafenAlter HafenFischverkäufer im Hafen

Bevor auch wir das Café Junge beehrten und mit Glück einen freien Tisch ergatterten, ließen wir uns auf die Aussichtsplattform der St. Georgen-Kirche fahren und genossen den Blick auf und über Wismar.

Wismar von obenWismar von obenWismar von obenWismar von obenGarten von oben dieses JahrGarten von oben letztes Jahr

Dieser hübsche Garten hatte mich schon im letzten Winter fasziniert, aber diesmal sah er eindeutig noch schöner aus. Verliebt

Die Kirche St. Marien, in der es diese tolle Ausstellung und den 3D-Film über die Erbauung der großen Backsteinkirchen des Ostseeraumes gibt, war leider schon geschlossen, eine halbe Stunde vor der Zeit. Ich hatte letztes Jahr schon darüber berichtet, wer es (noch einmal) nachlesen möchte, kann „hier“ klicken.

Wir liefen noch kreuz und quer durch die Straßen Wismars. Es ist völlig egal, wo man anfängt oder aufhört, das Zentrum ist so angelegt, dass man eigentlich immer wieder am Marktplatz landet. Der ist mit 10000m² Fläche einer der größten in Norddeutschland und beherbergt mit der “Wasserkunst” (Brunnen, erbaut 1580-1602) und dem Backsteinhaus “Alter Schwede” (erbaut 1380) zwei der meistfotografierten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

WasserkunstAlter SchwedeAlter Schwede

An Sehenswürdigkeiten ist kein Mangel in Wismar, fast jedes der liebevoll restaurierten Häuser ist eine. Und es ist noch wirklich viel alte Bausubstanz erhalten. Wer sich ein wenig für Architektur interessiert oder auch nur begeistern kann, der wird sich hier wohlfühlen!

BürgerhäuserHeiligen-Geist-KircheDas "Lange Haus"Archidiakonat (1450)Archidiakonat (1450)Giebelhaus am alten HafenGiebelhaus am alten HafenWassertorKunst am Wassertor

Meine Sorge, dass Norma in ihrem „Kleinbus“ (er)frieren würde, erwies sich zum Glück als unbegründet! Sie konnte ihren Heizwürfel sogar auf einer niedrigen Stufe laufen lassen, sonst wurde es zu warm. Ihr Vorzelt hätte sie auch aufbauen dürfen, allerdings wäre es ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, Befestigungsnägel in den gefrorenen Boden zu bringen. Zwinkerndes Smiley

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Urlaub am Schloss

 

Den nächsten Stellplatztipp bekam ich von Norma. Die brachte ihre Freundin zur Kur nach Wismar und dort wollten wir uns noch einmal für ein paar Tage treffen. Norma hatte sich eigentlich für den Campingplatz „Ferienpark Zierow“ entschieden, weil er direkt am Meer liegt und war der Meinung, dass sie dort für €10 stehen könne. Da sie einen nur sehr spartanisch ausgebauten Kleinbus hat, der nicht wirklich winterfest ist, wollte sie ihr Busvorzelt aufbauen, um etwas mehr Stauraum zu haben. Als ich mir die Preisliste etwas genauer ansah, stellte sich heraus, dass der Preis von 10 Euro nur für „Kleinbusse“ OHNE Vorzelt und OHNE Strom gilt. Ohne Vorzelt wäre ja noch gegangen, ohne Strom absolut nicht! Dann wäre Norma entweder tiefgefroren worden oder arm. Ich hätte mit Oscarlotta mindestens €21 (und Norma dann auch) zahlen müssen, das war uns zu teuer. In der Hauptsaison würde dieser Platz bereits €35 kosten, Höchstpreis für einen Platz in der 1. Reihe ist €39! Immer noch preiswerter als in Spanien oder Italien im Sommer, aber trotzdem! Erstauntes Smiley

Wir entschieden uns dann für den Wohnmobilstellplatz am Westhafen, wo Uschi und ich letzten Winter schon waren und der uns gut gefallen hatte. Es waren aber noch ein paar Tage Zeit, bis Norma in Wismar sein würde. Sie hatte noch einen Alternativ-Stellplatz ausfindig gemacht, 10km von Wismar entfernt, „Urlaub am Schloss“, hörte sich vielversprechend an und den wollte ich mir mal anschauen, zumal unser Freund Brodo dort schon gewesen war und ihn positiv bewertete. €5 sollte der Stellplatz kosten plus €2 pauschal für Strom mit bis 32 Ampere (!) Absicherung. Das war doch etwas für mich! Smiley mit geöffnetem Mund

Schloss Zurow-KrassowSchloss Zurow-Krassow

Kurz vor der Ankunft konnte ich noch meine LPG-Tankflasche wieder randvoll machen, sicher ist sicher! Es war inzwischen -10°C kalt, tagsüber! Geschneit hatte es auch, aber nur etwas. Am Sonntagnachmittag war ich da, der Stellplatz war absolut leer. Es gibt 10 Stellflächen in einem Rondell (eine Seite Wohnmobile, andere Seite PKW-Parkplätze für Angestellte und Mieter der Ferienwohnungen). Ich entschied mich für den Platz 10, der war schön lang, gut anzufahren und direkt neben dem Stromkasten.

Zurow-KrassowPlatz 10Blick aus Oscarlotta

Als erstes sah ich mich um. Neben dem kleinen Pavillon, in dem Anmeldeformulare und Infobroschüren lagen, stand eine Informationstafel. Um lesen zu können, was dort stand, musste ich sie erstmal enteisen. Ankömmlinge nach 16 Uhr und am Wochenende wurden gebeten, das Anmeldeformular auszufüllen und in den Briefkasten an der Einfahrt zu werfen. Kosten: €10 incl. Strom! Ich legte einen 20-Euro-Schein mit dazu und ging am nächsten Nachmittag trotzdem mal bei der Anmeldung im Nebengebäude des Schlosses vorbei, um mich persönlich anzumelden und nachzufragen, ob mein Geld an der richtigen Stelle angekommen ist. Ja, alles in Ordnung. Ich nutzte dann die Gelegenheit und bat die nette Dame an der Rezeption, den für die Preisgestaltung Verantwortlichen doch bitte auszurichten, dass überall im Internet noch der alte Preis stände und ich eine Preiserhöhung von satten 100% etwas gewöhnungsbedürftig fände. Es wäre generell immer nicht optimal, wenn Stellplatzgebühr und Strom untrennbar gekoppelt sind, denn zumindest im Sommer brauchen viele Wohnmobilisten keinen Strom, müssen ihn so aber mitbezahlen. Die Menschen, die im letzten Sommer nur für den Stellplatz noch €5 bezahlt haben, müssen dieses Jahr €10 bezahlen und werden sicher nicht sehr amused sein. Sie notierte sich alles stichwortartig und versicherte mir, dass sie es weitergeben würde.
Für mich war es zum jetzigen Zeitpunkt hervorragend, denn ich konnte fast ausschließlich mit Strom heizen. Tagsüber reichte es bei 2000 Watt völlig aus und wenn die Sonne schien, musste ich sogar auf 1000 Watt runterschalten, wenn ich keine 24 Grad in Oscarlotta haben wollte. Abends musste ich ab und zu für 10 Minuten Gas zuschalten, bis es wieder über 20 Grad hatte und das reichte dann für die nächsten drei Stunden.

Am Dienstag wollte ich eigentlich zum Wohnmobilstellplatz in Wismar wechseln, aber für Dienstag waren heftige Schneefälle vorhergesagt. Im Radio hieß es, den Eltern sei es freigestellt, ihre Kinder zu Hause zu behalten. Und wirklich war alles flächendeckend weiß draußen, als ich mittags meine Rollos öffnete! Geräumt war nicht, also war klar, dass ich Oscarlotta keinen Zentimeter bewegen würde, ich gehe kein Risiko ein, wenn es nicht sein muss. Lustig war eine Fußspur, die durch den Schnee führte, geradeaus an Oscarlotta vorbei. An einer Stelle waren zwei Fußabdrücke parallel und rechtwinklig zur Spur und es war klar, dass dieser Mensch sich etwas genauer anschauen wollte. Ich habe im Fenster neben dem Beifahrersitz ein Frühstücksbrettchen hängen mit dem Spruch: „Der frühe Vogel kann mich mal!“ Smiley

NeuschneeBlick aus Oscarlotta

Ich stapfte auch durch den Schnee und bezahlte für zwei weitere Nächte.

Spuren vom Vortagneuer Schnee, neue Spuren

Der Stellplatz liegt sehr ruhig im Grünen. Zurow-Krassow ist ein kleines Dorf, in dem sich in den Jahrzehnten seit der Wende nicht allzu viel verändert haben dürfte. Jetzt im Winter gibt es nicht wirklich viele Möglichkeiten zu Outdoor-Aktivitäten, im Sommer kann man sicher schön Rad fahren und das größte Plus ist die Nähe zu Wismar, zur Ostsee und zu den anderen lohnenswerten Zielen der Umgebung. Hinter dem Platz ist ein kleines Wäldchen, gut geeignet für die kleine Hunderunde am Morgen oder Abend, sogar versehen mit Wegbeleuchtung. Die umgefallenen Bäume vom Orkan Friederike lagen noch kreuz und quer. Mich störte das nicht und den Hund, den ich nicht habe, auch nicht. Zwinkerndes Smiley

Zurow-KrassowZurow-KrassowZurow-KrassowZurow-KrassowZurow-KrassowZurow-KrassowZurow-KrassowZurow-Krassow

Ich verbrachte noch zwei wunderbar gemütliche und warme Höhlentage, genoss es, wenn die Sonne schien, weil ich dann meinen Frontscheibenrolladen öffnen konnte und mir die Sonnenstrahlen den Rücken wärmten. Nach draußen ging ich nur sehr sporadisch und meistens nur, um etwas aus meinem Außenstaufach zu holen. Cooles Smiley Der “Urlaub” am “Schloss”, das eigentlich “nur” ein Gutshaus war, hat mir gut gefallen!

Schloss Zurow-Krassow

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Schwerin, Stadt der 7 Seen

 

Seit ewigen Zeiten will ich nach Schwerin, aber es hatte bisher nie geklappt. Dieses beeindruckende Schloss inmitten von unzähligen Seen hatte es mir angetan und das wollte ich jetzt endlich mal nicht nur im Fernsehen oder auf Fotos sehen. Leider resultierte aus der Stellplatzsuche nur ein ernüchterndes Ergebnis, die Stell- und Campingplätze hatten entweder noch geschlossen, lagen zu weit vom Zentrum entfernt oder verfügten nicht über Strom. In akzeptabler Nähe zum Stadtkern gab es nur zwei Großparkplätze mit einmal fünf Stellplätzen ohne Strom für Wohnmobile und einmal vier mit Strom. Vier Plätze ist ja nicht gerade viel, aber es stand dabei, dass es erlaubt sei, auch auf den PKW-Plätzen zu stehen. Also fuhr ich hin und hatte Glück, zwei der vier Plätze waren noch frei, incl. der dazugehörigen Steckdosen. Smiley Ich hatte mich für den Parkplatz am Bahnhof entschieden und obwohl die Bahnlinie nicht allzu weit entfernt war, gab es keine Störung dadurch. Die vorbeiführende Straße war da schon eher zu hören, aber auch das war erträglich.

Stellplatz am BahnhofStellplatz am Bahnhof

Bei der Einfahrt muss man eine Karte ziehen, über die dann automatisch alles abgerechnet wird, sowohl die Parkzeit als auch der Strom. Dummerweise waren der Anforderungsknopf sowie der Ausgabeschlitz auf PKW-Höhe angebracht, also aussteigen, um Oscarlotta herumlaufen und hoffen, dass die Schranke geöffnet bleibt, bis wir durch sind. Die Parkdauer zählt nach Stunden, höchstens €8/24 Stunden. Wenn man Strom möchte, muss man die Karte vor das Display halten (nachdem man seinen Stromstecker ausgewählt hat und BEVOR der Stecker angeschlossen ist) und es werden automatisch 2 Kilowatt für €1 bereitgestellt und verbucht. Da nicht ganz klar war, wo genau die Karte hingehalten werden muss und weil ich nicht sicher war, ob es beim ersten Mal geklappt hatte und es noch einmal versuchte, hatte ich als Ergebnis dann 4 Kilowatt! Aber das war nicht schlimm, ich wollte ja etwas bleiben. Ich war übrigens noch nicht ganz fertig, als schon der Nachbar aus seinem Mobil kam, um mir hilfreich zur Seite zu stehen, weil ich, wie er meinte, alleine nicht zurecht käme. Ja, so ist das in Camperkreisen! Zwinkerndes Smiley Diesmal zeigte mir mein Display dann auch an, dass der Strom in Oscarlotta ankam! In welche Richtung ich laufen müsse, um in die Altstadt zu kommen, konnte der freundliche Nachbar mir allerdings nicht sagen und seine vage Vermutung stellte sich nach einem Blick auf Google Maps als falsch heraus.

Altstadt Schwerin und Schloss/SchlossparkAm nächsten Tag zog ich los, warm eingepackt, denn es wurde immer kälter in Deutschland. Schon wenige Meter, nachdem ich den Parkplatz verlassen hatte, konnte ich in eine Querstraße einbiegen, die direkt auf den ersten Schweriner See führte. Na ja, See ist vielleicht etwas übertrieben, tatsächlich ist es eher ein (großer) Teich und heißt auch so: Pfaffenteich. Eine Eisfläche lag vor mir, leider noch nicht tragfähig, denn dann wäre das die perfekte Eislauflocation! Aber hübsch war es auch so mit den Häusern am anderen Ufer und dem Blick auf den Dom. Ich war sehr zufrieden mit meiner Stellplatzwahl. Am Ende des Pfaffenteichs hielt ich mich intuitiv links (ich „rolle“ eine Stadt gerne von außen nach innen auf) und als ich um die nächste Straßenecke bog, lag das Schloss vor mir! Noch etwas entfernt, aber jetzt schon so berauschend schön wie ich es erhofft hatte.

PfaffenteichDomMaskottchen am PfaffenteichSchloss

Ich ließ mir Zeit, schlenderte von hier nach da und wieder zurück und dann noch einmal anders herum. Ein Traum, diese Seenlandschaft, der blaue Himmel, das Schloss, der Schlossgarten! Nur meine Finger drohten mir abzufallen nach jedem Foto, das ich machte. Der Wind war echt eisig!

Blick vom SchlossSchlossSchlossSchlossInnenseeInnenseeSchloss vom Schlosspark ausEisInnenseeBurgsee

Das Museum war leider geschlossen wegen Umbaus, die Schlosskirche nur zu bestimmten Zeiten zu besichtigen. Ich lief ein wenig durch den Burggarten und ging dann neugierig zu den vielen Menschen, die irgendetwas im Wasser fotografierten. Ein Nutria-Nest im Schilf! Zwei wirklich riesige, gut genährte Elterntiere und eine nicht auszumachende Kinderschar. Alle bildeten ein großes Knäuel, die Alten wechselten mal kurz die Position, aber brauchbare Fotos konnte ich keine machen.

BurggartenBurggartenBurggartenBurggartenBurggartenSchlossparkRückansicht vom Burggarten ausRückansicht vom Burggarten aus

Jetzt wollte ich die Stadt sehen! Und was ich sah, gefiel mir. Mein erster Weg führte mich in einen alternativen Supermarkt und ich konnte endlich mal vernünftigen Käse kaufen, allerdings teuer. Gegenüber gab es ein Einkaufszentrum und sofort fiel mir die Bäckerei „Junge“ ins Auge. Das ist eine Kette mit guten Backwaren, gutem Kaffee und nett eingerichteten Cafés, die ich vom letzten Winter in guter Erinnerung hatte. Die Junge-Kundenkarte hatte ich ebenfalls noch, man bekommt bei jedem Verzehr oder Brotkauf Punkte gutgeschrieben und kann dann irgendwann einen Kaffee oder ein Brot umsonst trinken/mitnehmen.

bei Jungebei Jungebei Jungebei Junge

Danach durchstreifte ich das dreigeschossige Zentrum und wollte dann nur noch nach Hause. Nein, ich habe längst nicht alles gesehen, was es zu sehen gäbe, nicht einmal den Dom von innen, aber ich hatte schon beschlossen, dass ich hier im Frühling/Sommer/Herbst noch einmal hin will. So war es auch nicht schlimm, dass es am nächsten Tag schneite! Ich verbrachte einen Höhlentag. Als ich nach meinem Stromstand sah und feststellte, dass ich nachbuchen muss, entdeckte ich, dass der freundliche Nachbar oder einer der anderen Nachbarn (die Plätze waren zwischenzeitlich alle belegt worden) mir ein Stromguthaben von weiteren 4 Kilowatt hinterlassen hatte. Cooles Smiley Da hatte vermutlich noch jemand nicht gewusst, wo genau die Karte hingehalten werden muss.

Als ich am nächsten Tag fuhr, entleerte ich auf dem unteren Teil des riesigen Parkplatzes noch meine Toilette an der VE-Station. Auf diesen Platzteil dürfen außer zu diesem Zweck keine Wohnmobile, dort stehen die Linienbusse, die auf ihre nächste Betriebsfahrt warten und dort an der Ausfahrt war der Ticketschlitz dann in Bus-/Wohnmobilhöhe! Bezahlt hatte ich vorher am Ticketautomaten (Münzen/Scheine oder EC/Kredit-Karte), alles war ordnungsgemäß berechnet, drei Nächte á 8 Euro und 2 Euro für den Strom.

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Kein Strom am Strom

 

Uschi hatte einen weiteren Stellplatztipp für mich und so machte ich auf dem Weg nach Schwerin noch einen Abstecher nach Wittenberge. Der Stellplatz und Sportboothafen „Nedwiganger“ liegt direkt an der Elbe, die hier die Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt bildet. Laut Internet sollte der Platz ebenfalls direkt an einem Restaurant liegen und €5 pro Nacht kosten. Auf der Fahrt dorthin nahm ich die erste Gelegenheit wahr um meine LPG-Flasche wieder aufzufüllen. Jetzt hatte ich erst einmal wieder drei volle Flaschen, also alles gut. Smiley

WittenbergeWittenberge

Ich fand Wittenberge, ich fand den Stellplatz, obwohl meine beiden Navis sich wieder einmal nicht einig waren. Diesmal ging der Punkt an Tommie! Ob es daran lag, dass ich es endlich geschafft hatte, ihn upzudaten? Ein fettes Dankeschön an Vodafone, die ihren Kunden im Februar pro SIM-Karte 100GB Internetvolumen schenkten!!!

Es ging über den Deich und entlang einer einspurigen Zufahrtsstraße auf einen großen Parkplatz und ein dahinterliegendes Haus zu. Ein zweiteiliges Absperrgitter zum Restaurant „Zum Fährmann“ stand zwar offen, aber ansonsten sah alles sehr verlassen aus. Die Durchfahrt war sehr eng, aber zum Glück bog die Zufahrtsstraße davor ab auf den weiter unten liegenden Parkplatz, der sich in PKW- und Wohnmobilplätze unterteilt. Die gekennzeichneten Spuren für Wohnmobile waren sehr lang und etwas schief.

Stellplätze untenStellplätze unten

Ich stellte Oscarlotta erstmal ab und ging mich umschauen. Ich sah nämlich keine Stromsäule. Auch draußen konnte ich nirgendwo eine entdecken. Also ging ich zum Lokal. Dort informierte ein Schild, dass man wieder für seine Kundschaft da sei, aber laut Öffnungszeiten nur am Wochenende und nur bis 18 Uhr. Aber hinter der Tür stand ein Aufsteller, der besagte, dass am Abend eine geschlossene Gesellschaft da sein würde. Gut, dann frage ich da noch einmal und auch, wo ich bezahlen kann. Als ich mich zur Elbe umdrehte, bemerkte ich zwei Stromsäulen und ein Wohnmobilschild. Hier oben konnte man also auch stehen! Kurzentschlossen parkte ich Oscarlotta um, allerdings war es nicht ganz so einfach wie gedacht. Jetzt musste ich nämlich durch die enge Zufahrt und das auch noch rechtwinklig ohne großartige Ausweichmöglichkeit nach rechts. Beim ersten Versuch sah ich im linken Seitenspiegel, dass ich jeden Moment mit der Seitenschürze am hohen Bordsteinrand hängenbleiben würde. Also zurückrollen, noch ein wenig weiter nach rechts und laaaangsam auf den rechten Teil der Absperrung zufahren, einschlagen und hoffen, dass es vorne reicht! In den Scheinwerferboxen müssten Kameras verbaut sein, das wäre echt hilfreich!!! Ich hatte Glück, es passte und seitlich und hinten auch. Oscarlotta ist nun einmal mit Fahrradträger 8,50m lang und wenn nicht genug Rangierfläche vorhanden ist, wird es schon mal schwierig, vor allem, wenn man allein unterwegs ist. Enttäuschtes Smiley

Stellplätze oben Erleichtert parkte ich rückwärts (mit Blick auf die Elbe) ein und verlegte mein Stromkabel. Es gab 8 Steckdosen und ein durchlaufendes Leuchtband forderte zweisprachig auf, einen Stecker zu wählen. Ich testete, wie immer, ob es noch irgendwo ein Restguthaben gab und entschied mich nach negativem Befund für den Stecker 2. Das Kilowatt sollte hier 70 Cent kosten statt der üblichen 50 Cent und ich hatte noch Euromünzen in der Jackentasche. Also warf ich mal 2 Euro ein und nach kurzem Überlegen auch noch das einzelne Eurostück. Das mache ich sonst nie und es sollte sich auch sehr bald schon als Fehler herausstellen! Aber ich wollte mindestens zwei Nächte bleiben und mir das Städtchen ansehen. Das Display listete mir freundlich leuchtend auf, über wieviel Kilowatt ich jetzt verfügen konnte, mein Display in Oscarlotta zeigte mir allerdings kein Stromzeichen! Also raus, alles noch einmal ab- und neu anstecken, gleiches Resultat!!! Zähnezeigendes Smiley

 

WittenbergeWittenbergeWittenbergeWittenbergeWittenberge

Ich suchte mir die Handynummer vom Hafenmeister heraus und rief an. Der betreibt zusätzlich nicht nur den „Fährmann“, sondern auch noch ein von promobil hochgelobtes Restaurant im Ort, die „Alte Ölmühle“. Dort landete mein Anruf und man teilte mir mit, dass der Stellplatz geschlossen sei, ich aber natürlich kostenfrei dort stehen könne. Nur Strom gäbe es keinen. Ja, das hätte ich gemerkt und würde deswegen auch anrufen. Am Stromautomat wäre kein Hinweis darauf, dass er keinen Strom liefert, im Gegenteil, man würde aufgefordert, ihn in Betrieb zu nehmen. Ja, es würde kein Strom kommen, weil der Stellplatz geschlossen und der Strom abgeschaltet sei. Aber ich solle doch einen Moment warten, sie würde mal ihre Kollegin fragen. Nach einer kurzen Wartezeit machte sie mir den Vorschlag, dass ich zur „Ölmühle“ kommen solle, dort könnte ich für €11,50 stehen und man würde die 3 Euro dann verrechnen. Dieses Angebot lehnte ich dankend ab und ließ noch einmal verlauten, dass ich es nicht in Ordnung finden würde, dass ein offensichtlich funktionierender Stromautomat zwar Geld annimmt, aber nirgendwo steht, dass er keinen Strom abgibt. Ich war sauer!!! Okay, dann würde ich eben nur eine Nacht bleiben und hätte einen Stellplatz in ruhiger Lage mit schöner Aussicht, der mich 3 Euro kostet. Als ich mein Kabel wieder einsammelte, kam ein Kanufahrer von der Elbe hoch und sprach mich an. Ihm habe ich von meinem Frust erzählt und er meinte, dass er auch davon ausgehen würde, dass die Stromsäule betriebsbereit sei.

Ich beschloss, mir das Städtchen sofort anzusehen und war danach froh, dass ich nur eine Nacht bleiben musste. Es bietet nämlich wenig bis nichts. Ein altes Stadttor, ein altes Kranhaus. Viele Esslokale!

WittenbergeWittenbergeWittenberge

Wittenberge Für Menschen, die im Sommer einfach nur vor ihrem Wohnmobil sitzen und aufs Wasser schauen wollen und dazu noch ein Lokal am Platz haben, ist dieser Stellplatz sicher nicht schlecht. Immerhin fand ich ein Café direkt hinter dem Deich und bekam meinen Nachmittagskaffee und ein leckeres Stück Kuchen, allerdings zu etwas überhöhten Preisen. Und auf der Promenade gab es ein interessantes Kunstwerk. Das war eindeutig das Beste an Wittenberge!

WittenbergeWittenbergeWittenbergeWittenbergeWittenbergeWittenbergeWittenbergeWittenbergeWittenberge

Muss ich noch erwähnen, dass es abends keine geschlossene Gesellschaft gab? Sarkastisches Smiley

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Ottostadt Magdeburg

 

Bereits am nächsten Tag war mir klar, dass ich nicht nur drei Nächte bleiben würde. Ich hatte nämlich zunächst keine große Lust auf einen Stadtrundgang in Magdeburg, es war eisig kalt. Unmittelbar hinter dem Stellplatz liegt der große Stadtpark Rotehorn, dort lief ich ein paar Schritte, direkt an der Alten Elbe entlang. Im Sommer ist es dort bestimmt sehr schön. Wenn man ihn z. B. per Rad durchquert, kann man eine weitere Brücke in die Stadt nutzen. Der Stellplatz liegt ja auf einer Insel zwischen der Elbe und der Alten Elbe, dem sog. Werder.

MagdeburgRotehorn-Park

Am Freitag fiel mir siedendheiß ein, dass Herr Hollenbach ja glaubte, dass ich abreisen würde und mein Stromstand abgelesen werden musste, damit ich bezahlen konnte, was ich verbraucht hatte. Hoffentlich war er nicht schon extra deswegen vorbeigekommen, aber dann hätte er vermutlich angeklopft. Ich schickte ihm eine SMS, dass ich noch mindestens über das Wochenende bleiben würde und bat ihn, mir eine Gasflasche mitzubringen. Gasflaschentausch war laut Internet möglich, ich wusste aber nicht, ob er welche vorrätig hatte. Ich teilte ihm mit, dass ich nachmittags in der Stadt sei, aber gegen 18 Uhr wieder zurück sein würde. Vom Stellplatz aus muss man die Zufahrtsstraße bis zur Alten Zollbrücke vorlaufen und hat dann zwei Möglichkeiten. Entweder weiter zu Fuß über die Neue Strombrücke bis zum Allee-Center (Einkaufszentrum) oder an der Zollbrücke in die Straßenbahn einsteigen und eine Haltestelle bis zu selbigem Center fahren. Auf der einen Seite schließt sich das Domviertel und das Gründerzeitviertel an, auf der anderen Seite das Marktviertel. Der historische Kern Magdeburgs ist recht überschaubar und gut zu Fuß zu erkunden.

An diesem Freitag war meine Stadtlust immer noch nicht besonders groß, sodass ich nur zur Touri-Info ging, mir ein paar Unterlagen über die Stadt besorgte und mir in einem Café anschaute, was ich mir anschauen sollte. Um 16 Uhr war ich schon wieder am Stellplatz (Laufzeit vom Center aus ca. 15 Minuten) und ich stand gerade noch draußen und fotografierte, als Herr Hollenbach mit meiner neuen Gasflasche angefahren kam, so, als ob wir uns auf Punkt 16 Uhr verabredet hätten! Smiley Er hatte auch kein Problem damit, dass meine Betriebsflasche noch nicht ganz leer war und ich ihm also keine im Austausch mitgeben konnte. Ich verlängerte und bezahlte bis zum nächsten Mittwoch, bis dahin würden wir uns ja noch sehen, spätestens am Dienstagabend zum Strom ablesen und bezahlen. Um 1 Uhr sah ich auf dem Weg ins Bad, dass meine Gasflasche leer war. Na wunderbar, so hatte ich mir das gewünscht, damit die fast leere LPG-Flasche gar nicht gebraucht wurde! Ich bemühte mich, so leise wie möglich zu sein beim Tausch der Gasflaschen, ich hatte nämlich direkte Nachbarn und dort war es schon dunkel. Um kurz vor 2 hörte ich dann Stöckelschuhgeklapper von der Einfahrt bis zu Oscarlotta, die Nachbarn lagen noch gar nicht im Bett, sondern kamen gerade erst nach Hause! Hätte ich also Krach machen können, soviel ich gewollt hätte! Smiley mit geöffnetem Mund

Am Montag spulte ich dann planmäßig mein Besichtigungsprogramm ab und hatte sogar das Glück, dass zeitweise die Sonne schien. Angefangen vom Kloster „Unser Lieben Frauen“, heute Kunstmuseum

?????? von der anderen SeiteKunstmuseum Kloster "Unser Lieben Frauen"Kloster "Unser Lieben Frauen"Kunstmuseum Kloster "Unser Lieben Frauen"Kunstmuseum Kloster "Unser Lieben Frauen"Kunstmuseum Kloster "Unser Lieben Frauen"Kunstmuseum Kloster "Unser Lieben Frauen"Kunstmuseum Kloster "Unser Lieben Frauen"Kunstmuseum Kloster "Unser Lieben Frauen"Kunstmuseum Kloster "Unser Lieben Frauen"Kunstmuseum Kloster "Unser Lieben Frauen"

über den Dom, der mich allerdings nicht besonders begeisterte, weder von außen noch von innen

Dom (im Hintergrund)Dom (im Hintergrund)

bis zum ältesten erhaltenen Wohn- und Fachwerkhaus der Altstadt, dem Remtergang 1.

Remtergang 1Remtergang 1Remtergang 1

Direkt daran schließt sich die Bastion Cleve an, die südöstlichste Eckbastion des ehemaligen Verteidigungsringes Magdeburgs.

Bastion CleveBastion CleveBastion CleveBastion Cleve

Unbedingt sehen wollte ich noch das Hundertwasserhaus, das letzte vom Künstler Friedensreich Hundertwasser geplante Bauwerk. Seine Goldkugeln auf dem Dach konnte ich vom Stellplatz aus sehen. Wie üblich farbenfrohe Fassaden, 900 verschiedene Fenster, bunte Säulen, begrünte Dächer. Ein Gebäudekomplex um einen Innenhof herum gebaut, mit ein paar Geschäften und Lokalen, hübsch und jetzt im Winter wie ausgestorben.

Hundertwasser-KomplexHundertwasser-KomplexHundertwasser-KomplexHundertwasser-KomplexHundertwasser-KomplexHundertwasser-KomplexHundertwasser-KomplexHundertwasser-KomplexHundertwasser-Komplex

Ich ging noch Lebensmittel einkaufen im Allee-Center und gönnte mir dann eine Straßenbahnfahrt zurück. Es würde sich bestimmt lohnen, in der wärmeren Jahreszeit noch einmal nach Magdeburg zu kommen, es gibt noch einiges zu unternehmen. Ausflugsfahrten auf der Elbe mit der Weißen Flotte, Radtouren auf dem Elberadweg, diverse Museen, der Elbauenpark mit dem Jahrtausendturm und dem Schmetterlingshaus, der tropisch-botanische Garten und eben der Rotehorn-Stadtpark.

alte Eisenbahnbrücke am Rotehorn-ParkRotehorn-Parkalte Eisenbahnbrücke am Rotehorn-Park

Herr Hollenbach hatte mir erzählt, dass jeder, dem er von seinem Stellplatzvorhaben berichtet hatte, skeptisch gewesen war und man ihm sogar abgeraten hatte, soviel Geld in ein so risikoreiches Unterfangen zu investieren. Ich glaube, dass er sich keine Sorgen zu machen braucht und das habe ich ihm auch gesagt. Ein gut gestalteter Wohnmobilstellplatz mit einem netten und bemühten Betreiber in fußläufiger Entfernung zu einer attraktiven Stadt läuft immer! Er wird jeden Tag ausgebucht sein, habe ich ihm prophezeit, zumindest in den Sommermonaten und ich werde mal vorsichtshalber reservieren, bevor ich wiederkomme. Zwinkerndes Smiley

Blick auf den Stellplatz Blick auf die StadtBlick auf die StadtBlick auf die StadtStellplatz 'Am Winterhafen'

Der Beitragstitel bezieht sich übrigens nicht etwa auf das Versandhaus Otto, sondern auf die zwei bedeutenden Ottos der Stadt.

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Am Winterhafen

 
 
Die schöne Zeit in Boxdorf auf dem kostenfreien Stellplatz der Firma „Caravan-Meinert“ – mit Tagen ohne und mit Programm – neigte sich langsam einem selbstgewählten Ende zu. Ich hätte es durchaus noch länger dort aushalten können, aber ich wollte ja eigentlich noch ein wenig mehr sehen. Norma und ich besuchten noch das große Einkaufszentrum „Elbepark“ in Dresden und nahmen am Karnevalssonntag sogar an einem Faschingsumzug in Radeburg teil!!! Laut lachen Allerdings nur als passive Zuschauer. Der Umzug war für eine mittelgroße Kleinstadt erstaunlich umfangreich und mit vielen Arbeitsstunden und viel Phantasie erstellt worden. Mitten auf dem Marktplatz war ein riesiges Festzelt aufgebaut und dort hindurch wurden alle Wagen, teilweise von riesigen Treckern gezogen, auf schmalen Fahrwegen und durch einige Kurven manövriert, was natürlich zu mehreren Staus führte. Wir standen direkt hinter der Absperrung und wurden ausgiebig mit Konfetti und Kamelle beworfen. Konfetti fand ich noch nach Tagen immer wieder neu in Oscarlotta! Was mir aber am meisten aufgefallen ist, im Vergleich zu Umzügen in Köln, Mainz etc., die Nord-/Ostdeutschen können Karneval nicht wirklich! Die wenigsten Zuschauer an der Umzugsstrecke waren kostümiert (wir ja auch nicht) und es wurde nur vereinzelt gejubelt (wenn jemand vorbeikam, den man kannte) und weder gesungen noch geschunkelt, geschweige denn getanzt. Auch die am Zug unmittelbar Beteiligten hatten dort am meisten Spaß, wo Alkohol dies begünstigte. Aber kann es denn auch Spaß machen, durch ein Spalier von stockfischähnlichen Zuschauern zu laufen??? Ich glaube, Karneval/Fasching gehört ins Rheinland oder nach Südamerika, dort „kann“ man das. Cooles Smiley

Karneval in RadeburgKarneval in Radeburg

Nach genau 14 Tagen holte ich den Anker hoch und fuhr weiter. Magdeburg war mein nächstes Ziel. Unterwegs wollte ich meine LPG-Tankflasche wieder füllen. Die ersten beiden Raststätten auf der Autobahn ließ ich aus, es würden schon noch mehr Tankstellen kommen. Als ich schon 50km vor Magdeburg war, fuhr ich dann mal eine an. Mein Tommie sagt mir, ob eine Tankstelle auch LPG anbietet. Die Zapfsäule war gut anzufahren, nur kam kein Gas heraus. Nach mehrmaligen erfolglosen Versuchen ging ich zur Kasse und fragte nach. Da sei wohl die Zeitbeschränkung aktiviert worden, ich solle es einfach noch einmal versuchen. Von einer Zeitbeschränkung hatte ich zwar noch nie gehört, aber da ich die Zapfpistole nicht gleich beim ersten Mal aufgedreht bekommen hatte, hätte das ja vielleicht sein können. Ich schraubte also alles wieder ab, hängte die Pistole in ihre Vorrichtung, wartete vorsichtshalber noch ein paar Sekunden und probierte es erneut, mit demselben Ergebnis! Diesmal hatte ich die Pistole ohne Verzögerung aufgeschraubt bekommen, eine Zeitbeschränkung konnte also nicht der Grund sein, warum es nicht klappte. Ich probierte es noch ein drittes Mal und hatte dann die Faxen dicke, ich fuhr weiter. Es gibt ja schließlich noch andere Tankstellen! Denkste!!! Mein Tommie nannte mir zwar noch einige, aber die lagen nicht direkt an der Autobahn und waren auch nicht zu sehen und auf Verdacht abfahren wollte ich nicht. Als wir kurz vor Magdeburg waren, sah ich ein großes Einkaufszentrum mit Tankstelle und fuhr kurzentschlossen doch ab. Eine Tasse Kaffee wäre ja grundsätzlich auch nicht schlecht und einkaufen könnte ich ebenfalls. Außerdem sind die Parkmöglichkeiten an großen Zentren immer auch wohnmobiltauglich. Ich erledigte alles erfolgreich und fuhr danach zur Tankstelle. Mein Tommie schwieg allerdings und es stellte sich schnell heraus, dass diese Tankstelle a) kein LPG hatte und b) nur eine Durchfahrtshöhe von deutlich unter 3 Metern. 15 Minuten später kam ich am Wohnmobilstellplatz an, im letzten Büchsenlicht und mit fast leerer LPG-Tankflasche. Das Dumme daran ist, dass die LPG-Flasche eben als Reserveflasche fungiert, wenn die Campinggasflasche leer wird, was überwiegend mitten in der Nacht passiert. Und wenn sie ebenfalls leer ist, wird es kalt in Oscarlotta! Und da ich ja überzeugt davon gewesen war, auf der Fahrt nachtanken zu können, hatte ich die Tankflasche am Dienstag nach dem letzten Gasflaschentausch bei Meinert weiter als Betriebsflasche laufen lassen, um dann mit drei vollen Gasflaschen in Magdeburg anzukommen. Was lerne ich also daraus? In Zukunft die allererste Möglichkeit nutzen, auch wenn ich erst 10 Minuten gefahren sein sollte!

Am Winterhafen gibt es seit dem letzten Sommer einen Wohnmobilstellplatz. Bei meiner Ankunft wurde am Rande des Platzes noch gearbeitet und ich war noch nicht ganz ausgestiegen, als ein freundlicher junger Mann, der sich als Betreiber vorstellte, mich begrüßte und mir anhand eines Stadtplans erklärte, was bei der gegenüberliegenden Stadtsilhouette was ist. Außerdem las er den Stromstand ab und fragte, wie lange ich bleiben wolle. Das weiß ich in der Regel vorher nie so genau, aber da ich ja vorher auch nicht weiß, ob es mir überhaupt gefällt, entschied ich mich mal für drei Nächte. Ich bezahlte €30. Es gibt 19 Stellplätze der üblichen Größe in einer Reihe auf Schotter, ca. 10m lang, abgeteilt durch Blumenkübel. Die Stromregelung ist so, dass jeder Stellplatz seinen eigenen Anschluss mit Zähler hat und mit den üblichen 50 Cent/kW abgerechnet wird. Für die Zukunft ist aber ein Münzautomat geplant, was vor allem für den Betreiber eine Arbeitserleichterung sein wird. Allerdings sind solche Automaten mit einigen tausend Euro nicht gerade preiswert. Erstauntes Smiley

Stellplatz "Am Winterhafen"Stellplatz "Am Winterhafen"

Ich hatte einen tollen Ausblick auf ein gefrorenes Hafenbecken und die scherenschnittartige Stadtansicht und freute mich auf den Anblick bei Tageslicht.

Magdeburg

Der Betreiber hatte mir versichert, dass der Bagger nicht gleich am nächsten Morgen wieder Krach machen würde. Er sei noch berufstätig und könne immer erst nach Feierabend weiterarbeiten. Er bewegte riesige Felsbrocken mit der Schaufel eines weniger riesigen Baggers Meter für Meter über die Rasenfläche am Ende des Platzes und deponierte sie dort „malerisch“, nicht als Hochwasserschutz, wie ich vermutete, sondern nur aus optischen Gründen.

Stellplatz "Am Winterhafen"Stellplatz "Am Winterhafen"Stellplatz "Am Winterhafen"

In den folgenden Tagen (ich blieb dann doch länger als drei Nächte) ergaben sich ein paar Gespräche und ich erfuhr etwas mehr über die Entstehung des Platzes. Schon vor 4 Jahren hatte Herr Hollenbach das Gelände kaufen können, bis allerdings die Baugenehmigung erteilt wurde, vergingen ganze 2 Jahre! Mit der Hilfe von Freunden hat er das Grundstück geebnet, geschottert, eingezäunt, Stromleitungen verlegt, eine Ent- und Versorgungsstation gebaut. Zwei Sanitärcontainer wurden gekauft, mit Holz verkleidet und durften dann nicht dort aufgestellt werden, wo er sie haben wollte. Jetzt stehen sie etwas weiter hinten im Hafen, werden im Sommer von den Bootstouristen mitbenutzt, gegen die Gebühr von einem Euro/Person/Tag für die Toiletten und zwei Euro pro Duschgang.

Stellplatz "Am Winterhafen"Stellplatz "Am Winterhafen"Stellplatz "Am Winterhafen"Stellplatz "Am Winterhafen"Stellplatz "Am Winterhafen"YachthafenWinterhafenWinterhafenAlte Zollbrücke

Ich stand die meiste Zeit mit nur einem oder zwei weiteren Wohnmobilen auf dem Platz, es war herrlich ruhig! Am Samstagabend klopfte es an der Tür, draußen stand ein mir unbekannter Mann und stellte sich höflich mit Vor- und Nachnamen vor. Er komme aus Berlin (sein Fahrrad hatte ich schon von meinem Küchenfenster aus gesehen) und er wolle auf der Wiese zwei Plätze weiter zelten, ob mir das Recht sei? Ob ich denn mal eben rauskommen könne, damit er mir den Platz zeigt, den er sich ausgesucht hatte? Ich bin ja nicht besonders ängstlich und es gab auch noch ein weiteres Wohnmobil, aber das kam mir dann doch nicht ganz geheuer vor. Außerdem war es kalt draußen. Ich informierte ihn also darüber, dass ich nicht entscheiden könne, ob und wo er sein Zelt aufbauen darf und dass ich nicht wüsste, ob der Stellplatzbetreiber heute noch einmal vorbeikommen würde. Stellplatzbetreiber? Ja, dies ist ein Stellplatz für Wohnmobile und für Zelte eigentlich sowieso nicht geeignet. Ich würde pro Nacht 10 Euro bezahlen und ich dächte mir, dass der Besitzer von ihm auch sicherlich etwas Geld haben würde. Diese Informationen schienen den Radreisenden, der sicher kein Obdachloser war, doch ziemlich zu überraschen! Ob er sich denn anmelden solle? Ja, das wäre sicher gut, die Telefonnummer hängt ja an dem Holzhäuschen an der Einfahrt. Ich wünschte ihm eine gute Nacht und dass er aufpassen solle, nicht zu erfrieren und sah dann durch mein Küchenfenster, dass er sein Rad Richtung benachbartem Park schob. Die Nachbarn, die früher wach waren als ich, erzählten am nächsten Tag, dass das Zelt morgens dann doch in der Ecke des Stellplatzes gestanden hätte! Er hatte sich aber weder telefonisch angemeldet noch bezahlt. Aber zumindest war er nicht erfroren! Smiley

written by Ingrid
photos taken with iPhone and by Norma with Doogee 7000 (Karneval)

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.