Durch die Höllschlucht

 

Es passiert nicht viel bei uns, was berichtenswert wäre. Und wir wollen euch ja nicht mit unserem täglichen Einerlei langweilen. Also gibt es, wie bisher, nur ab und zu ein paar schöne Fotos aus dieser schönen Gegend. Es gefällt uns immer besser, je länger wir hier sind! Das Wetter ist beständig gut, nie zu heiß, es geht immer ein leichter Wind und abends kühlt es so ab, dass man wunderbar schlafen kann. Perfekt!

Über Nesselwang erhebt sich der Alpspitz, ein 1575m hoher Hausberg. Im Winter ist der Alpspitz ein Skigebiet. Man kann mit der Bahn bis knapp unterhalb des Gipfels fahren, den direkten Wanderweg von Nesselwang aus nehmen oder von Pfronten-Kappel aus über den schönen Wasserfallweg hochwandern. Als Alternative gibt es auch noch einen geteerten Fahrweg. Alpinistisch anspruchsvoll ist der Wasserfallweg und dessen Fortsetzung zum Gipfel (angeblich!) nicht. Der Aufstieg dauert etwa zwei Stunden, davon eine halbe Stunde an den Wasserfällen entlang. Klar, dass Uschi zu Fuß aufsteigen wollte, auch klar, dass ich mit der Alpspitzbahn hochfahren würde. Wer nimmt den Smart, um nach Nesselwang zu gelangen und wer den Zug? Während dieser Überlegungen kam Uschi auf die Idee, dass sie doch eigentlich auch vom Stellplatz aus loslaufen könnte, sind ja nur 6km mehr! Sie hatte Lust auf wandern und ich konnte ein wenig länger schlafen. Zwinkerndes Smiley Wir verabredeten uns für 13 Uhr oben auf dem Berg.

Die Talstation der Alpspitzbahn liegt in unmittelbarer Nähe des Wohnmobilstellplatzes von Nesselwang und dieser liegt in fußläufiger Entfernung (5 Min.) zur Stadt. Allerdings bietet Nesselwang nicht sonderlich viel, aber Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants/Cafés gibt es in reichlicher Anzahl. Und so ist der Stellplatz ständig gut frequentiert.

Die Hin- und Rückfahrt mit Umstieg an der Mittelstation kostet regulär €18, für Senioren ermäßigt €17. Man hat die Wahl zwischen geschlossenen Kabinen für mehrere Personen oder offenen, mit Bügeln gesichterten Sesseln für jeweils 4 Personen. Die Sonne schien und ich wollte Frischluft, wenn ich schon nicht lief. Die Fahrt war herrlich! In gemächlichem Tempo schwebte ich leicht schaukelnd über grasende Kühe hinweg und an der Sommerrodelbahn vorbei, die man auf dem Rückweg alternativ ab der Mittelstation nutzen könnte, für einen kleinen Aufpreis. Wem die ca. 15 Minuten Fußweg von der Mittelstation aus zu viel sind oder wer nur rodeln möchte, der kann mit einem eigenen Lift von unten direkt zur Sommerrodelbahn fahren, Altersgrenze unter 3 und über 80 Jahren! Laut lachen Keine Alters-, dafür aber eine Gewichtsgrenze gibt es bei einem weiteren Highlight, dem AlpspitzKick: mindestens 50 und höchstens 130kg. Der AlpspitzKick ist eine Zipline zwischen Berg- und Mittelstation. Man klinkt sich, gut gesichert, an ein Stahlseil und „fliegt“ mit bis zu 120 km/h bei einer Höhe von bis zu 60 Metern in knapp 2 Minuten den halben Berg hinunter. Kostenpunkt: €36 OHNE die Auffahrt mit der Seilbahn.

Ich stieg an der Mittelstation um und als ich oben ausstieg, wartete Uschi schon auf mich! Sie war sogar schon ganz oben auf dem Gipfel gewesen, noch einmal 120 Höhenmeter ab der Bergstation. Da ich seit einiger Zeit verstärkt Probleme mit meinem linken Bein habe, blieb mir, wie euch, nur das Betrachten ihrer Fotos und der kurze Weg zum „Sportheim Böck“, inzwischen ein modernisiertes Ausflugslokal mit Außenterrasse und schönem Blick ins Tal. Auch von dort oben konnte man wieder den Weißensee (rechts) und den Hopfensee (links) mit dem dahinterliegenden braunen, weil trockengelegten, Forggensee sehen.

Sportheim BöckSportheim BöckAusblick ins TalAusblick ins TalAusblick ins Tal

Wir teilten uns eine Portion leckeren Kaiserschmarrn, unterhielten uns mit anderen „Bergsteigern“ und nach einiger Zeit schloss Uschi sich einem Paar aus Münster an, das sie am Gipfel kennengelernt hatte. Der direkte Weg nach unten dauert ca. 1 1/2 Stunde. Ich hatte also noch ein wenig mehr Zeit, setzte mich noch auf eine Wiese, machte ein paar weitere Fotos und genoss die Sonne, den leichten Wind, das Summen der Hummeln und die Ruhe. Es waren zwar ständig Menschen unterwegs, zwischen Gipfel, Bergstation und dem Gasthaus, aber es hielt sich noch sehr in Grenzen. Und nein, ich bin runter nicht „geflogen“ (warum eigentlich nicht?) und auch nicht den letzten Rest gerodelt, sondern altersangepasst einfach wieder mit dem Sessellift hinuntergeschwebt. War auch schön! Und dann durfte ich Uschi tatsächlich mit Flitzi mitnehmen zurück zu unseren Mobilen nach Weißbach! Smiley mit geöffnetem Mund

RückfahrtRückfahrtRückfahrt

Sie hatte insgesamt ca. 15km mit 700 Höhenmetern „gemacht“ und die hatten es streckenweise durchaus in sich. Der erste Teil der Tour war noch harmlos, es ging durch Wiesen und sanfte Hügel Richtung Nesselwang. Nach Pfronten-Kappel aber begann der Weg durch die Höllschlucht und die hat ihren Namen nicht von ungefähr. Offiziell war sie wegen Bergrutschen und Winterschäden und Baumfällarbeiten noch gesperrt, aber Waldarbeiter sagten Uschi, dass sie nur noch ihre Geräte wegräumen würden und sie durchgehen könne. Sie hatte vorsichtshalber ihre Walkingstöcke dabei und war nach kürzester Zeit sehr froh darüber, denn der „Weg“ war teilweise nicht nur sehr steil, sondern auch als solcher kaum zu erkennen.

"Weg"Wo ist der Weg?Wo ist der Weg?Wo ist der Weg?DAS ist der Weg!DAS auch!

Als Entschädigung ergaben sich aber immer wieder schöne Ausblicke.

Ausblick ins TalAusblick ins Tal

Der weitere Weg quer über eine Kuhweide gehörte zur Route und nach dem interessierten oder erstaunten Blick der Kühe ist davon auszugehen, dass Uschi in diesem Jahr der erste Wanderer war, der dort vorbeikam. Erstauntes Smiley

Quer über die KuhweideQuer über die KuhweideQuer über die KuhweideQuer über die Kuhweide

Die saftigen Bergwiesen halten das Wasser wie einen Schwamm und müssen zum Teil über „Brettleswege“ überwunden werden.

Quer über die KuhweideBrettlesweg

Wasserfall Der versprochene Wasserfall am gleichnamigen Weg war dann allerdings eher ein Rinnsal. Es ist überall auffallend, wie wenig Wasser von den Bergen herunterkommt, sogar der Lech ist nur ein Flüsschen. Der Schnee des Winters ist nicht geschmolzen wie sonst, sondern von der Sonne des unüblich warmen Frühjahrs „gefressen“ worden, sagen die Einheimischen.

Irgendwann hatte Uschi die „Kappeler Alp“ erreicht. Bis dorthin kann man auch den Fahrweg hochlaufen, was vielleicht etwas weniger anstrengend, dafür aber viel langweiliger ist, wie ihr Leute erzählten. Die wollten dann zurück durch die Höllschlucht, wovon ihnen Uschi mit Blick auf deren Schuhwerk und nach Abfrage ihrer Kondition dringend abriet.

Zur Kappeler AlpKappeler AlpBlick ins TalNoch nicht der GipfelNoch nicht der GipfelBlick ins Tal

Jetzt hatte sie den größten Teil der Strecke hinter sich. Bis zum Sportheim Böck war es noch ca. ein anstrengender Kilometer, bis zum Gipfel, wie schon erwähnt, dann noch einmal 120 Höhenmeter auf einem recht steilen Schotterweg.

Fast geschafft!Blick ins TalSportheim BöckBlick ins TalGeschafft! Der Alpspitzgipfel ist erreicht.Blick von ganz oben

Schee war’s, sagt sie. Und am nächsten Tag hatte sie nicht einmal einen nennenswerten Muskelkater!!! Ich auch nicht! Cooles Smiley

written by Ingrid
photos taken with iPhone and HUAWEI P10 Lite

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

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Eisenberg und Hohenfreyberg

 
 
Sobald man ein paar Schritte vom Stellplatz weg in die Wiesenlandschaft macht oder wenn man mit dem Auto Richtung Füssen fährt, fällt der Blick unweigerlich auf zwei Burgruinen, die sich auf zwei Bergrücken gegenüberliegen. Eine Recherche im Internet ergab, dass es sich um die Burgen Eisenberg und Hohenfreyberg handelt. Die Ruinen gehören zu den schönsten und größten in Bayern. Sie wurden, gemeinsam mit der benachbarten Burg Falkenstein, gegen Ende des dreißigjährigen Krieges abgebrannt.

Blick auf die Burgen

Wir fuhren mit Flitzi bis zur Schlossbergalm. Der Weg ab dort war, zumindest für mich, noch anstrengend genug, denn es geht noch ein ganzes Stück höher. Rein zufällig entschieden wir uns zunächst für die Burg Eisenberg, die ca. 100 Jahre früher als die Burg Hohenfreyberg erbaut wurde. Ihr weithin sichtbares Erkennungsmerkmal ist die mächtige Wandscheibe.

Ausflug zu den BurgruinenBurg EisenbergBurg EisenbergAusblick ins Tal

Als wir angekommen waren, sind wir zunächst auf eine Aussichtsplattform gestiegen und haben den wunderbaren Weitblick mit dem Weißensee (3. Foto), dem Hopfensee und dem Forggensee (4. Foto) genossen.

Ausblick ins TalAusblick ins TalAusblick auf den WeißenseeAusblick auf den Hopfensee

In der Burg Eisenberg ist die Unterteilung der Wohn- und Wirtschaftsräume noch recht gut zu sehen.

Burg EisenbergBurg EisenbergBurg EisenbergBurg EisenbergBlick zur Burg Hohenfreyberg

Danach mussten wir ein Stück bergab den Weg zurück, um auf der anderen Seite wieder nach oben zur Burg Hohenfreyberg klettern zu dürfen. Zwinkerndes Smiley Diese Burg wurde 1418 bis 1432 von Friedrich von Freyberg-Eisenberg zu Hohenfreyberg, dem ältesten Sohn des Besitzers der Burg Eisenberg, errichtet, und zwar als eine der letzten Burgneubauten im mittelalterlichen Stil der Stauferzeit.

Burg HohenfreybergBurg HohenfreybergBurg HohenfreybergBurg HohenfreybergBurg HohenfreybergBurg Hohenfreyberg

Diese Burg war schon in der ersten Ausführung wesentlich größer als die ältere Nachbarburg und ist im Laufe der nachfolgenden Jahrzehnte noch erweitert worden, wie man auf einer Schautafel gut erkennen kann. Wir mögen ja alte Steine, man kann schön seine Phantasie schweifen lassen und sich vorzustellen versuchen, was in diesen Mauern so alles passiert sein mag. Sie hätten ganz sicher einige Geschichten zu erzählen! Nein, leben hätten wir damals und unter solchen Bedingungen sicher nicht gewollt! Am vorletzten Wochenende war in Füssen Mittelaltermarkt und wir haben uns vorgestellt, wie alle die wunderbar vermeintlich original gewandeten Menschen wohl reagieren würden, wenn sie wirklich plötzlich um 400-700 Jahre zurückversetzt würden. Erstauntes Smiley

Burg HohenfreybergBurg HohenfreybergBurg HohenfreybergBurg HohenfreybergBurg HohenfreybergBurg HohenfreybergBurg HohenfreybergBurg HohenfreybergBurg HohenfreybergBurg HohenfreybergBurg HohenfreybergBlick zur Burg Eisenberg

Nach unserem Rundgang kehrten wir natürlich noch in der Schlossbergalm ein, bevor wir mit Flitzi wieder nach Hause fuhren. Der Zufahrsweg ist überwiegend einspurig, man sieht aber meistens, ob Gegenverkehr herrscht und es gibt für diesen Fall zwei oder drei Ausweichstellen. Mit Flitzi ist das alles kein Problem und wir freuen uns, ihn hier zu haben! Smiley

SchlossbergalmSchlossbergalmSchlossbergalmSchlossbergalm

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.