Rügen – wir kommen!!!

 

Uschi war inzwischen auch unterwegs, hatte ihre Termine bei Tischer und beim Nissan-Händler erfolgreich erledigt und fuhr im Kilometerrausch mir nach. Sie wollte „nur“ bis Wismar, fragte aber vorsichtshalber nach, ob bei mir noch ein Plätzchen frei sei, falls Wismar voll sein sollte. War es, beides. Obwohl der Stellplatz in Wismar vor ein paar Jahren erweitert wurde, war er komplett belegt! Nicht ungewöhnlich für Ende August bei einem attraktiven Stellplatz nahe bei einer beliebten Stadt an einem Freitagabend, trotzdem doof. Uschi rief mich um kurz nach 20 Uhr an und wollte die 80km bis ins nach Tessin noch fahren. Das bedeutete, dass sie nicht mehr vor 21 Uhr da und die Anmeldung dann geschlossen sein würde. Natürlich hätte ich sie einfach mit meinem Schlüssel reinlassen können, ich entschied mich aber, telefonisch um die Erlaubnis dafür zu bitten. Zum Anmeldebüro laufen wollte ich nicht extra, die Tür und die Hitze! Aber sicher könne ich meine Freundin hineinlassen, vorausgesetzt, sie würde am nächsten Morgen zum Bezahlen kommen. Auf der Straße müsse sie die Nacht nicht verbringen! Um zwanzig nach neun schloss ich das Tor auf und stellte mich um die erste Ecke an die Garagen. Die besonderen Gegebenheiten hatte ich Uschi am Telefon erläutert. Bevor ich Big Fix sah oder hörte, erschien ein Lichtkegel an der letzten Garage. Ich schaltete meine Taschenlampe auf dem iPhone ein und gab Signale, sobald Fix und Boxi um die Ecke gebogen waren. Die beiden und Uschi waren an dem Tag 745km Erstauntes Smiley gefahren und froh, auf solch einem schönen und ruhigen Stellplatz gelandet zu sein. Da Uschi über eine funktionierende Klimaanlage verfügt, sagte sie, dass es für sie angenehmer gewesen sei, gekühlt zu fahren als stehend weichgekocht zu werden.

Tessin

Der nächste Tag wurde noch einmal so heiß, dass ich meine Klimaanlage durchlaufen ließ und Oscarlotta nur verließ, um meine Toilettenkassette zu entleeren und meinen Wassertank randvoll zu machen. Der Wasserhahn war nur ein paar Meter entfernt. Dabei fiel mir auf, wie traurig die neuangepflanzten Bäumchen aussahen und die nächsten Gießkannenfüllungen waren für sie. Verliebt

Uschi hatte sich beim nahen Bäcker Brötchen geholt und ihren Platz bezahlt und war zu weiteren Aktivitäten auch nicht bereit. Stimmt nicht, sie schaute sich Oscarlottas Tür an, schraubte die drei seitlichen Befestigungen ab, reinigte sie und schliff sie an.

Am nächsten Morgen öffnete sich die Tür anstandslos! Wir gaben unsere Schlüssel ab und fuhren wieder auf die A20. Bei der Ausfahrt 24 wechselten wir auf die E251/E22, die geradewegs auf die Rügenbrücke führt. Wir waren wohl nicht die einzigen, die dort hin wollten! Am letzten Rastplatz vor der Brücke hielten wir noch einmal an, wer weiß, wann wieder eine Gelegenheit kommen würde. Es fing nämlich leicht an zu regnen und ich kann mein Fenster an der Beifahrerseite in Ermangelung eines Beifahrers während der Fahrt nicht schließen. Wir fuhren bei Regen über die Brücke und über den Rügendamm. Mein Scheibenwischer auf der Beifahrerseite hat keinen ausreichenden Anpressdruck und wischt mehr in der Luft als auf der Scheibe. Das ist ein Manko, das immer nur kurzzeitig beseitigt werden kann, wenn ich mal wieder einer Werkstatt den Auftrag dazu gegeben habe. Da ich durch meinen Teil der Scheibe genug sehe, kann ich damit leben. Plötzlich drehte sich der rechte Scheibenwischerarm aber sehr akrobatisch einmal um die eigene Achse und blieb von der Scheibe weggedreht in der Luft. Sofort schaltete ich die Anlage ab. Aber es regnete und ich sah nichts mehr! Ich musste die Scheibenwischer laufen lassen!!! Anhalten ging natürlich nirgendwo, die Zugangsstraßen auf die Insel sind in diesem Bereich ausgesprochen schmal und insgesamt nur zweispurig. In beiden Richtungen bewegte sich eine PKW-Schlange! Der in der Luft schwebende, verdrehte Scheibenwischer machte sehr sonderbare Bewegungen und ich rechnete damit, dass er jeden Moment abfallen würde! Verwirrtes Smiley Ich schaltete die Anlage nur kurz ein, wenn ich fast nichts mehr sah und hoffte inständig auf einen Parkplatz. Der kam dann ZUM GLÜCK irgendwann. Mir war klar, dass Uschi sich wundern würde und ich wollte schnell aussteigen, um ihr Bescheid zu geben. Meine Tür GING NICHT AUF!!! Aber nicht ums Verrecken! Uschi kam durch den Regen gelaufen und ich rief ihr zu, sie möge den Scheibenwischer wieder zurückklappen. Der hatte sich aber so verkantet, dass auf die Schnelle nur abmontieren half. Egal, er nützte mir ja sowieso nicht viel, Hauptsache, ich konnte weiterfahren. Der verbleibende Gelenkstummel hatte genügend Abstand zur Scheibe, sodass er sie nicht verkratzen konnte. Der Regen wurde noch heftiger! Dann kam die Strecke mit den wunderschönen Baumalleen, die es nur noch in diesem Teil Deutschlands gibt. Ich erwähnte den starken Gegenverkehr? Die Warnschilder an den Bäumen für hohe Fahrzeuge nehme ich sehr ernst, die Bäume sind nämlich mit Sicherheit widerstandsfähiger als Oscarlotta. Ich blieb also in gebührendem Abstand zu ihnen, was bedeutete, dass ich über die Mittellinie fuhr. Wenn mir niemand entgegen kam. Wenn doch, blieb ich vor dem in die Straße hineinragenden Baum stehen und fuhr dann im großen Bogen drumherum. Es dauerte, bis wir in Thiessow ankamen! Enttäuschtes Smiley Auf dem Parkplatz des Campingplatzes ging die Tür nur auf, weil ich mich von innen dagegenwarf (mein Knie konnte ich nicht mehr einsetzen!) und Uschi von außen zog. Es war jetzt klar, dass der untere der drei „Tannenbäume“ (so hatte der Hartal-Mitarbeiter sie damals genannt) der Übeltäter war. Der wurde jetzt abgeschraubt! Und schon war das Problem gelöst. Seine Arbeit müssen bis auf weiteres seine beiden Kollegen übernehmen. Vermutlich müssen die Stifte in der Tür, die in diese Tannenbäume einrasten, wenn sich die Tür schließt, neu justiert werden. Ob wir das hinkriegen oder ob das eine Werkstatt machen muss, wird sich zeigen. Wir haben ja jetzt zwei Monate Zeit!

Hartal-TürHartal-TürHartal-TürHartal-TürHartal-TürHartal-TürHartal-Tür

Die Schranken des Campingplatzes öffneten sich erst um 15 Uhr wieder, die Rezeption war aber besetzt. So konnten wir uns anmelden und im Campingplatz-Bistro unseren ersten Backfisch essen. Wir hatten zwei nebeneinanderliegende Stellplätze gebucht, wovon einer allerdings erst drei Tage später frei werden sollte. Solange müsste Uschi einen anderen Platz nehmen. Sie fuhr schon einmal vor, ich machte einen Zwischenstopp auf der Entsorgungsstation. Als ich in der Nähe unserer Plätze ankam, stand Fix und Boxi mitten auf der Zufahrtsstraße und Uschi unterhielt sich mit den Campern auf ihrem zukünftigen Platz. Die packten gerade die Fahrräder zusammen und mussten nur noch den Wohnwagen anhängen. Der PKW stand natürlich auf meinem Platz! Laut Campingplatzordnung muss man bis 11 Uhr abgereist sein, aber für manche Menschen gelten immer andere Regeln. Die Leute waren aber nett und absolut relaxt. Der Mann stellte sein Auto auf die Straße und mit Uschis Hilfe drehte ich Oscarlotta auf 11 Metern um 180 Grad. Um quer zu stehen waren die Plätze nicht tief genug und ich wollte die Tür nicht zur Straße haben. Es dauerte dann noch eine gute halbe Stunde, bis Uschi hinter mich fahren konnte. Smiley

ThiessowThiessow

Unser erster Eindruck bestätigte nicht nur alle Erwartungen, sondern übertraf sie noch! Wir stehen in der „ersten Reihe“ mit einem unverbaubaren grandiosen Ausblick. Der Regen hatte mit unserer Ankunft aufgehört und dieser graue und etwas stressige Tag verabschiedete sich mit einem versöhnlichen und völlig unverhofften Willkommenssonnenuntergang! Daumen hoch

Thiessow

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Heißt es ins Tessin oder nach Tessin?

 

Ich hatte versäumt, nachzufragen, wann ich am nächsten Morgen spätestens abgereist sein müsste und beschloss, dass 11 Uhr in Ordnung sein muss. Wenn der Innenbereich von Oscarlotta im Reisemodus ist, brauche ich für sie und für mich eine gute Stunde, bis wir fahrfertig sind, vom Aufwachen bzw. Aufstehen aus gerechnet. Und dann habe ich zwar ein, zwei Kaffee bekommen, aber noch kein Frühstück, höchstens ein, zwei, drei Kekse. Zwinkerndes Smiley
Um viertel nach elf rollten wir vom Grundstück, ohne noch jemanden gesehen zu haben. Die Anfahrt zum Campingplatz war etwas unübersichtlich gewesen und so kam es, dass ich direkt an der ersten Abbiegung in die falsche Richtung fuhr. Manchmal ist es auch von Nachteil, ein Steinbock zu sein und so fuhr ich weiter anstatt zu drehen, in der festen Überzeugung, dass ich schon irgendwann auf die richtige Straße kommen würde. Mein Tommie schlug die Hände über dem Kopf zusammen und blieb nach den ersten erfolglosen Aufforderungen, doch bitte zu wenden, stumm. Oscarlotta und ich fuhren auf kleinsten Sträßchen durch eine schöne Waldgegend, danach durch eine menschenleere Wohnsiedlung und kamen nach einer guten halben Stunde an einer Stelle vorbei, die mir vom Tag zuvor in Erinnerung war. Immerhin in der richtigen Richtung! Beide Schiebefenster im Fahrerhausbereich hatte ich handbreit auf, damit wenigstens etwas Luftbewegung vorhanden war. Es war nämlich wieder heftig warm draußen!
Einen Plan, bis wohin ich fahren würde, hatte ich nicht. Kurz vor Ludwigslust stand ein Hinweisplakat auf einen Toom-Baumarkt an der Straße. Super, da würde ich meine leere Gasflasche tauschen. Und vielleicht gäbe es ein Baumarkt-Café! Statt Ludwigslust kam die Auffahrt auf die A14 Richtung Wismar. Nee, ich will erst zu Toom! Toom kam aber nicht, Ludwigslust auch nicht, auch keinerlei Hinweise, so, als gäbe es diese Stadt gar nicht! Es wurde immer ländlicher und irgendwann bog ich zumindest schonmal rechts ab. Erwähnte ich schon einmal, dass ich ungern dieselbe Strecke wieder zurückfahre? Dazu konnte ich mich erst durchringen, als das Waldsträßchen von Teer zu Kopfsteinpflaster wechselte. Als ich wieder an der Autobahnauffahrt angekommen und schon leicht genervt war, schrieb ich Ludwigslust und Toom und Gasflasche ab und fuhr Richtung Wismar. Ich SCHWÖRE, dass nichts anderes als Wismar dort stand! Drei Kilometer weiter an der ersten Abfahrt ging es dann nach Ludwigslust!!! Ob es der Wunsch war, doch noch eine Gasflasche zu bekommen oder mein inzwischen nicht mehr zu ignorierender Hunger, irgendetwas ließ mich den Blinker setzen und abfahren. Das Stadtzentrum war ausgeschildert, bloß sah ich keinen Hinweis mehr auf den Baumarkt. Verwirrtes Smiley Okay, ich musste irgendwo halten, die Adresse online suchen und endlich Tommie wieder einschalten. Die einzige Wendemöglichkeit war eine Tankstelle auf der anderen Straßenseite und dort fuhr ich direkt vor die Gitterbox mit Gasflaschen! Stehenbleiben konnte ich dort allerdings nicht, dann hätte ich die Zufahrt zur Waschstraße blockiert. Also wieder raus auf die Straße, noch einmal auf die Tankstelle fahren und sofort an der Staubsauger-Parkfläche halten. Jetzt blockierte ich zwar die, aber eine andere Möglichkeit gab es für mich nicht. Ich blieb auch nicht lange dort stehen, denn im Kassenraum gab es genau eine Angestellte, aber schon eine Schlange von mindestens sechs Männern, die ihre Tankrechnung bezahlen oder etwas kaufen wollten. Meine Geduld und Gelassenheit nimmt proportional zu meinem Sättigungszustand ab, ich machte auf dem Absatz kehrt, riss die Fenster in Oscarlotta wieder auf, suchte die Baumarktadresse raus und ließ mich direkt über Google dorthin leiten. Es ging durch die ganze Stadt wieder zurück, an der ersten Kreuzung nach der Autobahnabfahrt hätte ich nach rechts abbiegen müssen! Ich SCHWÖRE, dass dort nichts von Toom stand! Der kam dann aber ein paar Kilometer weiter tatsächlich, ich parkte quer über vier PKW-Parkplätze, ging vorsichtshalber ohne Gasflasche erst einmal fragen, ob ich meine tauschen könne, bekam sogar ungefragt von einer netten Kassiererin einen Chip für eine Baumaterialkarre („da müssen Sie nicht so hoch heben“) und konnte ganz unproblematisch eine neue Gasflaschenfüllung erwerben. Nur ein Café gab es leider nicht!!! Oscarlotta stand in der prallen Sonne, dort konnte ich nicht frühspätstücken. Also musste ein weiterer Keks herhalten. Cooles Smiley
Die Autobahnrastplätze waren alle geklont, voll und vollsonnig. Wenn mein Hunger eine bestimmte Grenze überschritten hat, werde ich entscheidungsunfähig und fahre einfach immer weiter. Das hätte sich fast geändert, als an einer Auffahrt innerhalb einer Baustelle zwei PKWs rechts an mir vorbeischossen und unbedingt noch vor mir reinfahren mussten. Für den ersten war das völlig in Ordnung, der zweite hätte mich aber erst vorbeilassen müssen, zumal ich ja auf der vorfahrtberechtigten Straße war und es keinen Seitenstreifen gab. Tat er aber nicht, der Idiot (der Fahrer, nicht der PKW). Zähnezeigendes Smiley Vollbremsung, das rechte Schiebefenster flog ganz auf, einige Dinge in Oscarlotta gerieten in Bewegung und wenn der Fahrer nicht ZUM GLÜCK Vollgas gegeben hätte, wäre es das gewesen. Jetzt hatte ich mehrere Gründe, den nächsten Rastplatz anzufahren, egal wie sonnig es dort war. Ich musste mich und die in Oscarlotta verstreuten Gegenstände sammeln und das Fenster wieder schließen. Sooo viel Wind wollte ich dann doch nicht! Ich aß endlich etwas und erledigte ein Telefonat, das ich schon seit Tagen vor mir herschob. Meine Fahrerhaus-Klimaanlage ist nämlich nicht mein einziges Problem. Trauriges Smiley Bereits am Morgen meiner ersten Übernachtung auf dieser Reise ließ sich meine Aufbautür von innen nicht mehr öffnen! Etwas schwergängig ist sie schon lange, aber es reichte immer, wenn ich mit dem Knie leicht nachhalf. Dieses Mal nützte das nichts. Es gibt nur diese eine Tür! Was macht man, wenn man aus seinem Mobil nicht mehr rauskommt? Ich probierte 10 Minuten alles mögliche, verdächtigte eines der beiden Schlösser als Übeltäter und wurde irgendwann rabiat. Mit dem Ergebnis, dass die Tür aufging und mein Knie blau wurde! Dieses Spiel setzte sich die nächsten Tage fort. Mal ging die Tür anstandslos und beim ersten Versuch auf, mal nicht. Ich hatte keine Erklärung dafür. Vor vielen Jahren hatten wir dieses Problem schon einmal, damals durfte Oscarlotta nicht mit der Tür zur Sonne stehen. Wir waren dann irgendwann bei Hartal in Iserlohn und dort wurde sie wieder neu eingestellt. Jetzt rief ich in Stralsund beim Caravan-Center Dahnke an und fragte, ob man mir helfen könne. Es war ja schon Freitagnachmittag und mein Plan war, auf dem angeschlossenen Stellplatz das Wochenende zu verbringen und erst am Montag nach Rügen zu fahren. Meine verspätete Ankunft hatte ich ja schon angekündigt. Der freundliche Mensch am Telefon erklärte mir allerdings, dass sie sich mit Hartal-Türen nicht auskennen würden, man könne zwar mal gucken, aber die Werkstatttermine seien bis weit in den Oktober ausgebucht. Ich verzichtete auf Stralsund (noch ging die Tür ja auf, mit mehr oder weniger Überredungsgewalt) und suchte online nach einem geeigneten Stellplatz für die nächsten zwei Nächte.
Am Kreuz Wismar wechselte ich auf die A20 Richtung Rostock und ein Stück dahinter war ich im Tessin. Nein, falsch, iN Tessin. Das ist ein unbedeutendes kleines Städtchen wenige Kilometer abseits der Autobahn mit einem netten und etwas ungewöhnlichen Wohnmobil-Stellplatz. Nett, weil man sich auf einer großen Wiese mit oder ohne Bäume/n seinen Platz da suchen kann, wo es einem gefällt. Nett auch der Preis von €12 incl. Strom und Wasser (mehrere Wasserhähne auf dem Gelände). Nett der Blick auf das angrenzende Freibad und auf die Tennis- und Sportplätze. Alles weit genug entfernt, dass die Lärmbelästigung sich in Grenzen hält. Besonders nett, dass keine Straßen in der Nähe sind, was zu einer wunderbaren Stille in der Nacht führt. Das liegt an der Ungewöhnlichkeit des Platzes bzw. seiner Lage. Es gibt an der Hauptstraße zwar ein Hinweisschild, aber die einspurige, enge und lange Zufahrt zu einem Haus ganz an ihrem Ende ermutigte mich nicht, dort hineinzufahren. Der große Parkplatz daneben gehörte aber nur zum Schützenhof. Ich fuhr ein Stück die Straße entlang, wendete und fuhr wieder zurück. Es war klar, ich musste dort bei dem Hinweisschild hineinfahren! Ein Junge mit Hund kam mir entgegen und ich fragte ihn, ob es da hinten einen Stellplatz für Wohnmobile geben würde. Das wusste er nicht! Etwas ratlos schaute ich wieder nach vorne und sah am Ende des Weges eine winkende Frau. Bei ihr angekommen bekam ich einen Schlüssel und eine Wegbeschreibung. Parken und aussteigen war nicht möglich.

TessinTessin

Ich solle quasi um das Gebäude herumfahren, zweimal rechts abbiegen, zwischen den Garagen durchfahren, das Tor auf (und wieder zu) schließen, mir einen Platz suchen und dann zum Bezahlen kommen. Netterweise verriet sie mir auch den kürzeren Fußweg an den Tennisplätzen entlang. Der Stellplatz ist ausgewiesen für 20 Mobile, anwesend waren drei und ich suchte mir ein schönes Plätzchen neben einem Apfelbaum aus. Am Tor war meine Tür schon nicht mehr ganz freiwillig aufgegangen, als ich zur Anmeldung gehen wollte, musste ich wieder Gewalt anwenden. Die Nachbarn auf dem übernächsten Platz werden sich wohl gewundert haben, warum ich von innen auf meine Tür einhämmerte! Smiley mit geöffnetem Mund Von außen öffnete sie sich bei meiner Rückkehr zur Abwechslung dann schon beim zweiten Versuch! Ich war nicht in Erklär-/Erzähllaune, ich wollte nur meine Klimaanlage anwerfen und meine Ruhe haben!!!

TessinTessinTessin

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Geht es etwa weiter???

 

Wohnmobilstellplatz Eschede ZUM GLÜCK hatte ich keinen Werkstatttermin um 8 Uhr, sodass ich doch noch ein paar Stunden Schlaf bekam, nicht genug, aber immerhin. Vereinbart war, dass ich, nachdem der TÜV-Prüfer fertig sein würde, kommen sollte, also gegen 13 Uhr. Perfekt für mich! Vorher würde ich anrufen, um nicht umsonst vor der Werkstatt zu stehen, falls der Kompressor doch noch nicht geliefert sein würde. Und so kam es – ich rief an und man teilte mir mit, dass der Kompressor erst am nächsten Tag kommen würde!!! Mist! Es war ja gar nicht die Zeit, davon hatte ich ja noch genug bis zum 1. September, es war die Hitze, die ich jetzt noch einen weiteren Tag aushalten musste. Das sagte ich so auch Herrn Seemüller und dass ich wohl nach Uelzen zurückfahren würde, weil ich Strom bräuchte, um die Klimaanlage laufen lassen zu können. Worauf er sofort sagte, dass er, wenn es nur um einen Stromzugang ginge, eine Lösung finden würde. Er würde seinen Nachbarn fragen, ob ich bei ihm auf dem Grundstück über Nacht stehen könnte. Zwei Tage zuvor hatte mir Herr Seemüller angeboten, dass man mich für die Dauer der Reparaturen zu der einzigen Attraktion in der Umgebung von Eschede fahren könnte, zum Filmtier-Park. Dorthin würde ich dann jetzt fahren und danach bei ihm vorbeikommen, teilte ich ihm mit. Nach Uelzen könnte ich dann zur Not immer noch fahren.

Der Tierpark interessierte mich, weil es sich spannend anhörte, dass dort alle? einige? der Tiere leben, die für bestimmte Filmszenen ausgebildet? abgerichtet? wurden und bei Bedarf an Filmstudios/-produktionen ausgeliehen werden. Hatte ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht, wo solche Tiere leben. Wenn ich also die Gelegenheit schon hatte, dann wollte ich sie auch wahrnehmen, egal, wie heiß es war.

Lageplan Es war nicht weit, es gab einen Parkplatz mit einer Abteilung für Busse, der Eintritt war mit €10 noch erschwinglich. Geworben wurde mit Fotos von Prominenten in hautnahem Kontakt mit Löwen und Tigern. Ich bekam einen Gehegeplan und begann meinen Rundgang. Nun kann man zu Tierparks ja die oder die Meinung haben, hier hatte ich ziemlich schnell das Gefühl, dass die Behausungen, Freigelände und Volieren zu klein und/oder zu eintönig sind. Zudem schien den Tiere, wenn sie denn überhaupt zu sehen waren, die Hitze genauso zu schaffen zu machen wie mir. Fast alle lagen schlafend oder dösend im Schatten. Enttäuschtes Smiley

schlafende Waschbärenschlafende WaschbärenKamele und Dromedaredösendes Dromedareuropäische WölfeWolf amerikanische SchwarzbärenBalu oder PetziMinischweineSchröder oder PoppeyeBengaltigerClayKönigstigerElvisAfrikanische LeopardenKitoWestafrikanischer LöweSibirischer TigerBengaltigerLeopardJaguarLuchsPumaGepard

Nur den Emus ging es so richtig gut! Sie lagen unter einem Baum und ließen sich von dem riesigen Wasserspender „begießen“.

EmusFritzi und FreundeFritzi und Freunde

Ich weiß ja nicht, was, wann und wie oft mit den Tieren irgendetwas geprobt oder neu eingeübt wird oder ob es schon ausreicht, dass sie „zahm“, also in Gefangenschaft geboren, aufgewachsen und an Menschen gewöhnt, sind. Es ist auf jeden Fall so, dass keines der Tiere so leben kann, wie es seinen angeborenen Instinkten entspricht. Dafür ist ihr Überleben gesichert. Verlegenes Smiley

ArasKaspar und SalomonKaspar und SalomonZwergotterWaschbärenLöweSchnee-EulenPaulaRasmusRasmus und SamanthaSamanthaFlugkünstler

Der Besuch hinterließ einen schalen Nachgeschmack bei mir und ich mochte wegen der Hitze auch nicht noch eine Stunde warten, bis es um 15 Uhr die tägliche Tiererlebnis-Show gab, wo man die Tiere sogar anfassen können soll. Vielleicht habe ich da etwas verpasst, keine Ahnung.

Ich fuhr zur Werkstatt und Herr Seemüller hatte tatsächlich auf dem Nachbargrundstück einen Übernachtungsplatz mit Strom für mich organisiert. Was für eine Wohltat, die Klimaanlage einschalten zu können! Und Kaffee konnte ich mir auch kochen! Vorsichtshalber schaltete ich die Klimaanlage aus, während die Kaffeemaschine lief. Ich wollte nicht riskieren, dass die Sicherung rausfliegt. Erstauntes Smiley

Firma SeemüllerFirma Seemüller

Ich hatte das Werkstattgeschehen nun gut im Blick. Vereinbart war, dass ich mich am nächsten Vormittag melden würde, wenn ich bereit war. Gegen 18 Uhr gab es ein Gewitter und damit einher ging endlich eine Abkühlung, sodass ich die Klimaanlage nach drei Stunden ausgeschaltet lassen konnte.

Vorsichtshalber schickte ich eine eMail zum Campingplatz auf Rügen und teilte mit, dass ich evtl. erst am Montag oder Dienstag eintreffen würde und dass ich den am 1. September fälligen Restbetrag überwiesen hätte. Ich schlief wunderbar in dieser Nacht, trotz der nahen und gut hörbaren Bundesstraße.

Am nächsten Morgen regnete es und es war angenehm, ja was – kühl? Etwas übertrieben ausgedrückt, aber kein Vergleich zu den vergangenen Tagen! Um halb elf rief ich in der Firma Seemüller an und bat darum, dass der Chef mich doch bitte befreien möge, sobald es ihm passe. Der steckte „kopfüber“, wie er sich ausdrückte, in einem zu reparierenden PKW und es dauerte dann noch eine Stunde, bis er mir das Tor vom Grundstück öffnete und hinter mir wieder schloss. Ich hatte vorher schon mein Stromkabel in der Scheune, vor der ich stand, abgezogen und bei meinen Gastgebern geklingelt, um mich für die Beherbergung zu bedanken, aber es öffnete leider niemand.

Oscarlotta bezog wieder den Platz neben dem Werkstatttor und ein freundlicher junger Mann fing damit an, das zwei Tage vorher eingefüllte Kältemittel wieder abzusaugen. Erneut fehlte ein nicht unbedeutender Teil und das, obwohl ich ja keine 100km gefahren war und die Anlage immer noch behauptete, dass keine Undichtigkeiten erkannt würden. Seltsam! Der Mechaniker fand eine defekte Sicherung, die im Motorraum verbaut war. Die anderen Sicherungen müsse er auch überprüfen, ob ich wüsste, wo die sind. Ja – und ich wusste auch, dass sich die an einer Stelle befinden, die schon so manchen Werkstattmenschen zu akrobatischen Verrenkungen genötigt hat. Links unter dem Lenkrad im oberen Pedalbereich. Dort kommt man nur hin, wenn man sich auf dem Rücken liegend zwischen Fahrer- und Beifahrersitz hindurchhangelt. Er sei wohl zu fett, stöhnte der junge Mann. Nein, war er nicht, vielleicht aber etwas zu groß! Cooles Smiley Die Sicherungen waren alle in Ordnung! Den defekten Schalter hatte er ausgetauscht und jetzt würde die Kühlflüssigkeit wieder aufgefüllt werden. Danach könne er erst feststellen, ob der Kompressor auch ausgetauscht werden müsse oder ob der Schalter das Problem war. Das würde etwas dauern. Ich nutzte die Zeit und ging beim benachbarten Edeka-Markt einkaufen und einen Kaffee trinken. Kaum zurück, ich konnte gerade noch meine Einkäufe verstauen, bekam ich die Aufforderung, den Motor zu starten und die Klimaanlage einzuschalten. Trommelwirbel!!! Es kam kalte Luft aus allen Ausströmern! Halleluja! Smiley mit geöffnetem Mund

Glücklich und erleichtert ging ich ins Büro, um meine Rechnung zu bezahlen. Nach einer Viertelstunde des Wartens verkündete die Dame am Tresen, dass sie heute eher Feierabend machen würde. Offenbar hatte sie meine Rechnung noch gar nicht in Arbeit. Auf meine Nachfrage, warum es denn jetzt noch so lange dauern würde, meinte sie, dass sie das auch nicht wisse, aber mal in der Werkstatt nachfragen würde. Nach einer weiteren Viertelstunde kam der Chef, entschuldigte sich, dass sie noch eben etwas gegessen hätten und dabei gefachsimpelt, warum das Gerät zweimal einen Kühlmittelverlust angezeigt hätte. Sie könnten sich das nur so erklären, dass die Waage in dem Gerät hochsensibel sei und das Gerät normalerweise nicht von der Stelle bewegt werde/werden dürfte. Jetzt war es aber sogar über das holprige Pflaster der Einfahrt gerollt worden. Sie hätten aber zur Vorsicht eine fluoriszierende Flüssigkeit hinzugefügt, sodass man eventuell doch vorhandene Undichtigkeiten mit Schwarzlicht kenntlich machen könnte. Aber vermutlich hätte nur die Waage gesponnen. Eine Rechnung könne er mir jetzt nicht schreiben (die Sekretärin war ja schon weg), nur eine Quittung ausstellen. Er rechnete dann sehr wohlwollend eine Arbeitszeit aus, der Kühlflüssigkeitsaustausch wurde zum Festpreis nur einmal berechnet, der Schalter, die Sicherung und noch zwei Glassicherungen, die ich für meine defekten 12-Volt-Steckdosen brauchte. Ich bezahlte €332. Ob ich auf der Rückfahrt von Rügen noch einmal in der Nähe vorbeikommen würde? Dann könne man noch einmal nachschauen? Den Kompressor würde er dann zurückgeben, das sei kein Problem. Ich verneinte und bedankte mich, hinterließ 10 Euro mit der Bitte, sie und mein Dankeschön dem Nachbarn für meine Übernachtung und den Stromverbrauch zu geben und verließ um halb vier den Hof. Wie herrlich, eine funktionierende Fahrerhaus-Klimaanlage zu haben!!! Die große Hitze war zwar vorbei, aber gebrauchen konnte ich sie noch gut.

Mein Glück dauerte ungefähr 1½ Stunden. Zunächst unmerklich, dann aber immer deutlicher wurde die ausströmende Luft wieder warm! Meine Enttäuschung war unbeschreiblich!!! Drei Tage hatte ich ausgeharrt, in der Hitze gelitten und jetzt war doch alles für die Katz! Weinendes Smiley Entnervt folgte ich spontan einem Stellplatzhinweis und machte nach knapp 100km Fahrt Schluss. Eigentlich hätte ich wieder zurückfahren müssen, aber dazu konnte ich mich nicht aufraffen. Ich rief Herrn Seemüller an. Meine Vermutung war, dass die Sicherung wieder durchgeschmort sein würde. Die Frage war, warum? Also doch der Kompressor? Möglich sei das, wenn der Kompressor schwergängig sei, wurde mir mitgeteilt. Das nützte mir nun auch nichts. Ich beschloss, am nächsten Tag weiterzufahren und eine Überprüfung auf irgendwann zu verschieben.

Der kleine Campingplatz, auf dem ich gelandet war, war eindeutig noch aus DDR-Zeiten übriggeblieben. Ich zahlte vor der Gaststättentür für einen Campingplatz günstige 12 Euro bar auf die Kralle ohne Quittung und ohne Anmeldeformalitäten. Sarkastisches Smiley Vier kWh waren im Preis enthalten, ich schloss mein Kabel an, ließ alles zu und schmiss meine Dachklimaanlage an. ZUM GLÜCK funktionierte ja wenigstens die!!!

Neu GöhrenNeu GöhrenNeu Göhren

written by Ingrid
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Was Uelzen mit Hundertwasser und der Expo 2000 zu tun hat

 
Eine Info vorab:

Alle Angelegenheiten in Uschis Erbschaftsmarathon sind erfolgreich abgeschlossen!!! Smiley Zum 1. September konnte das Haus ihres Vaters an die neuen Besitzer übergeben werden. Mögen sie dort lange und glücklich leben! Wir sind jederzeit herzlich willkommen, ob wir aber irgendwann wirklich noch einmal dort hinfahren werden, steht noch in den Sternen.

Und: Wir sind seit Sonntag auf Rügen und es gefällt uns sehr gut hier. Näheres demnächst!

Nun aber zur Fortsetzung meiner Werkstattgeschichte!

Als ich am nächsten Vormittag wach wurde, begann es in Oscarlotta schon wieder warm zu werden. Über Nacht hatte ich alle Fenster und Dachluken geöffnet gelassen, jetzt wurde es Zeit, die Klimaanlage erneut einzuschalten. Dazu musste ich aber erst einmal einen Euro in den Automaten einwerfen, für weitere 6 Stunden Strom. Ein Blick aus dem Fenster zeigte, dass inzwischen alle Plätze frei waren, bis auf Platz 4, auf dem der Pössl stand. Der wurde zwar gerade von den Keilen runtergefahren, aber nur, wie sich herausstellte, um gedreht zu werden, damit sich die Schiebetür auf der Schattenseite befinden würde. Das war gut, weil der ältere Herr dadurch beschäftigt war und kein Interesse an meinem Tun hatte. Ich wollte nämlich Oscarlotta auch umdrehen! Am Abend zuvor hatte ich mir schon überlegt, wie ich dort rückwärts um die Absperrung herum wieder herauskommen könnte? Also schnell angezogen, das Stromkabel abgezogen und aus dem Weg gelegt, damit ich es nicht überfahre und Oscarlotta in wenigen Zügen „auf dem Teller“ gedreht. Geht nicht ganz so gut wie mit einem Schiff, aber ich hatte ja Platz. Dann Stromkabel wieder angesteckt (der Nachbar war immer noch beschäftigt!), Geld eingeworfen und die Klimaanlage eingeschaltet. Jetzt erst einmal ausgiebig duschen gehen! Die Duschräume waren einfach, aber sauber, das Wasser war warm mit kräftigem Strahl und die Zeit war nicht begrenzt. Sehr schön!!! Draußen war es jetzt um die Mittagszeit schon wieder sehr heiß, aber in Oscarlotta herrlich kühl. Kuss senden Ich machte mir Frühstück und versuchte online herauszufinden, wann es eine Busverbindung in die Innenstadt geben würde. Bei der Hitze wollte ich auf keinen Fall laufen und auch nicht mit dem Fahrrad fahren. Die Bushaltestelle war an der Bundesstraße, keine 200m entfernt und ein Bus fuhr so alle 1½ Stunden. Bei der Herfahrt hatte ich schon einen Hinweis auf den Hundertwasser-Bahnhof von Uelzen gesehen und den wollte ich mir auf jeden Fall ansehen. Um 15 Uhr am ZOB angekommen erkundigte ich mich als erstes nach den Rückfahrzeiten. Mein Busfahrer konnte mir dazu keine Auskunft geben und verwies mich an den Kollegen in der nächsten Busspur. Der schaute mich aber auch an, als ob ich chinesisch mit ihm reden würde, schickte mich dann aber immerhin zum richtigen Terminal. Der nächste Bus würde in 20 Minuten zurückfahren und dann erst wieder gegen 19 Uhr! Dann fiel dem Busfahrer ein, dass es noch eine andere Linie gibt, da war die nächste Abfahrt um 17 Uhr. Passt!

Ich machte mich auf den Weg zum Bahnhof. Es war heiß! Der erste Anblick war etwas enttäuschend, die Farben waren alle sehr dunkel, nichts Strahlendes, wie von Hundertwasser gewöhnt. Innen drin war es schon deutlich besser, kühler und bunter.

Hundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof Uelzen

Der Uelzener Bahnhof entstand schon 1847, als die Strecke der „Königlich Hannöverschen Staatseisenbahn“ von Hannover nach Celle über Uelzen hinaus bis nach Harburg erweitert wurde. Das ursprüngliche Empfangsgebäude wurde im Zuge eines Expo 2000-Projekts (Weltausstellung im Jahre 2000 in Hannover) nach den Ideen und dem Konzept des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser umgebaut. Seitdem gilt der Bahnhof als Touristenattraktion. Die Expo 2000 habe ich damals über 10 Tage „abgearbeitet“, war in nahezu jedem Länderpavillon und schwer begeistert. Geschlafen habe ich in meinem ersten Wohnmobil auf dem Parkplatz einer S-Bahnstation und bin jeden Tag morgens eine halbe Stunde hin und abends in übervollen S-Bahnwagen todmüde wieder zurückgefahren. Verpflegen konnte ich mich jeden Tag in einem anderen Land! Die architektonische Vielfalt, die vielen verschiedenen Nationalitäten, der friedliche Ablauf trotz der irre vielen Besucher (insgesamt 18 Millionen in 5 Monaten), die unterschiedlichen Veranstaltungen und die teilweise irrwitzigen Visionen und Ideen, mit denen das offizielle Motto „Mensch, Natur und Technik – Eine neue Welt entsteht“ umgesetzt worden war, entschädigten für alles, die langen Bahnfahrten, die platten Füße, die teilweise recht hohen Preise und den nächtlichen Lärm an einer Bahnhofsstraße. Verwirrtes Smiley

Erstmalig umgesetzt wurde die Idee, eine Weltausstellung mit ihren weltweiten Projekten nicht nur in der Veranstaltungsstadt, in diesem Fall Hannover, sondern tatsächlich in aller Welt stattfinden zu lassen. In insgesamt 123 Ländern wurden 787 zukunftsweisende, übertragbare und nachhaltig wirkende Projektideen zu allen Themenbereichen als offizielle Expo 2000-Projekte registriert. In Deutschland wurden 280 Projekte realisiert, eins davon der Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen. (Quelle: Wikipedia). Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich damals von diesem Projekt wusste. Ich weiß aber, dass ich mehrere Jahre später noch einmal zum Messegelände gefahren bin, um nachzusehen, was von den vielen verschiedenen Gebäuden noch existierte. Bis 2004 sollen laut Auskunft der Betreibergesellschaft noch 85 Prozent der Fläche und der Pavillons des Ost-Geländes weitergenutzt worden sein. Das westliche Pavillongelände wurde mit neuen Messehallen überbaut oder zu Parkflächen umgestaltet, u. a. für die größte Computermesse der Welt, die CeBit. Ich war hin und hergerissen vor Freude, wenn ich ein Gebäude noch vorfand, an das ich mich erinnern konnte und es in noch akzeptablen Zustand war und Trauer über so viele freie Flächen und über den Verfall. Viele Pavillons wurden im Laufe der Nachfolgejahre abgerissen und viele andere wurden von Firmen übernommen. Der deutsche Pavillon steht noch und wurde im Zuge der Flüchtlingskrise ab 2015 als Notunterkunft zum kurzzeitigen und inzwischen längerfristigen Aufenthalt von bis zu 430 Flüchtlingen genutzt. (Quelle: Wikipedia)

Es ist für mich gerade sehr interessant, wie viele Erinnerungen wieder hochkommen, während ich diesen Text schreibe, den ich in dieser Ausführlichkeit gar nicht geplant hatte! Etwa ich?

Die vielen Details im Inneren des Uelzeners Bahnhofs und auf den Bahnsteigen waren nett und sehenswert, fasziniert hat mich aber vor allem das Modell unter Glas in einem Ausstellungsraum.

Hundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof Uelzen

Als ich alles gesehen und auch noch einen Kaffee getrunken hatte, war trotzdem erst eine Stunde vergangen. Draußen erschlug mich fast eine Wand aus schwüler Luft. Es hatte inzwischen gewittert, aber es ging keinerlei Abkühlung damit einher. Sollte ich ein Taxi nehmen und zum Stellplatz zurückfahren oder sollte ich noch in die Stadt gehen? Die Taxen, die vor dem Bahnhof gestanden hatten, waren gerade alle unterwegs, also begab ich mich auf den Weg in die Stadt. Es mag an der Hitze und an meiner Verfassung gelegen haben, dass ich Uelzen nichts abgewinnen konnte. Ich schlich eine halbe Stunde durch mehrere Straßen, suchte und fand eine Haltestelle, an der meine Buslinie vorbeikommen müsste und setzte mich auf die ZUM GLÜCK dort vorhandene Bank ZUM GLÜCK im Schatten. Ich schwitzte eine weitere halbe Stunde still leidend vor mich hin, bis der Bus ZUM GLÜCK dann wirklich kam und auch dorthin fuhr, wo ich hin wollte. Mich hielt nur noch die Erwartung einer klimaanlagengekühlten Oscarlotta aufrecht und es war eine Wohltat, sie zu betreten! Der Strom war, wie erwartet, wenige Minuten vorher beendet worden, ich verstaute noch schnell mein Stromkabel, machte alles fahrfertig und verließ vorwärts den schon wieder vollen Stellplatz. Ich hätte natürlich auch noch eine weitere Nacht dort verbringen können, aber ich wollte den Vorteil der Zeitersparnis am nächsten Tag haben und schon in der Nähe der Werkstatt sein. Also fuhr ich zurück nach Eschede auf den kosten- und stromlosen Stellplatz. Außer ein paar Bier trinkenden Jugendlichen war niemand dort, aber die waren weit genug weg und ließen mich in Ruhe. Trotzdem stellte sich meine Entscheidung als Fehler heraus, denn in dieser Nacht kühlte es kaum ab und es bewegte sich kein Lüftchen. Wenn ich alleine irgendwo stehe, lasse ich keine Fenster auf. Es konnte also nur durch die Dachluken hereinziehen und das war nicht spürbar. Ich konnte ewig nicht einschlafen, was besonders blöd ist, wenn man am nächsten Tag Termine hat. Aber es gab noch einen zweiten Grund, warum ich die falsche Entscheidung getroffen hatte…

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.