Statusbericht Rügen Teil 3

 
 
unser Ausblick

Die Lage des Campingplatzes hier in Thiessow ist nahezu ideal. Überhaupt scheint der Südosten von Rügen einer der schönsten Landschaftsteile zu sein. Durch die Terrassierung des Platzes hat man von jeder Parzelle einen Blick aufs Wasser, den (die?) Zicker See. Vielleicht nicht in der Hauptsaison, da könnte es schon sein, dass man in den hinteren Reihen nur vor das Mobil, den Wohnwagen oder das Zelt seiner Nachbarn sieht. Aber dann ist bestimmt sowieso Strandleben angesagt und um dorthin zu gelangen, muss man nur durch eines der vielen Törchen gehen, die Straße überqueren und 100-150m durch das Kiefernwäldchen laufen. Als wir Anfang September hier ankamen, war noch reges Strandleben, die Strandabschnitte fein eingeteilt in mit oder ohne Bekleidung, mit oder ohne Hunde. Kinder dürfen überall sein und überall nackt. Smiley

ThiessowThiessowThiessowThiessowLobbe

Inzwischen werden die Strandkörbe eingesammelt oder sind es schon, die Strandkioske schließen, was dazu führt, dass in den verbliebenen noch geöffneten die Tische im Außenbereich voll besetzt sind, auch wenn das Wetter mal nicht so schön ist, außer es regnet. Aber das tut es ja kaum! Dafür windet es ab und zu und inzwischen gibt es auch mal Seenebel. Wir genießen alles, unser Ausblick ist jeden Tag erneut eine Augenweide, derer wir nicht überdrüssig werden. Gespannt warten wir jeden Abend, ob es einen Sonnenuntergang bzw. einen interessanten Abendhimmel geben wird. Manchmal erwarten wir viel und werden enttäuscht und manchmal, wie am Montag, ist es genau umgedreht. Nach einem eher grauen, nieseligen Tag gab es erst einen unspektakulären Himmel und wenige Minuten später dann ein Farbspektakel aus dem Nichts. Verliebt

AbendstimmungAbendrot

Strandspaziergänge sind bei jedem Wetter schön, es sind außer uns nur noch wenige Menschen unterwegs, die meisten mit ihren Hunden. Angenehm, vor allem für mich, ist, dass man in jede Richtung zu Fuß laufen, aber mit dem Bus wieder zurückfahren kann. Man muss nur den Fahrplan im Kopf (oder im Rucksack) haben, denn die Busse fahren in der Regel nur stündlich. Letzte Woche führte das dazu, dass Uschi die Strecke wieder zurücklief und ich in den Bus in die Gegenrichtung einstieg, bis zum Bahnhof in Göhren fuhr, dort umstieg und bis zum Campingplatz zurückfuhr. Das ersparte mir eine halbstündige Wartezeit an der Bushaltestelle, im Bus war es nämlich wärmer. Cooles Smiley

ThiessowKlein Zicker

Ebenfalls ganz in der Nähe des Campingplatzes ist der Sportboot- und Fischereihafen von Thiessow und dort findet vom Frühjahr bis in den späten Herbst hinein jeden Dienstag und Donnerstag der Rügen-Markt statt. Ein Kunsthandwerkermarkt mit vielen Imbissständen und offensichtlich sehr beliebt. Schon an der Rügenbrücke und überall auf der Insel findet man Hinweistafeln.

Rügen-MarktRügen-MarktRügen-MarktRügen-MarktRügen-MarktRügen-MarktRügen-MarktRügen-Markt

Wir wollten einmal an einem Dienstag per Bus nach Göhren fahren und wunderten uns schon, wie viele Autos auf unserer sonst nur sehr spärlich befahrenen Straße in beiden Richtungen unterwegs waren. Der Bus aus Göhren kommend hatte schon 10 Minuten Verspätung und fährt dann ja erst noch die Schleife Klein Zicker, bevor er wieder am Campingplatz vorbeikommt. Auf mein Drängen stiegen wir ein, um nicht noch 15 Minuten draußen warten zu müssen. Das war genau richtig, denn der Bus war bereits voll! Erstauntes Smiley Okay, es ist Markttag!!! Dort stiegen zwar die meisten Menschen aus, aber an der Haltestelle stand schon eine Traube von Marktbesuchern, die fertig mit ihrem Besuch waren. Hätten wir an unserer Haltestelle gewartet, hätten wir auf keinen Fall einen Sitzplatz, vielleicht sogar nicht einmal einen Stehplatz bekommen. Seitdem vermeiden wir es, dienstags oder donnerstags Bus zu fahren! Da der Bus schon eine solche Verspätung hatte, fragte der Busfahrer, ob jemand nach Alt Reddewitz (einer der Abstecher von der regulären Strecke) wolle und als sich niemand meldete, entschied er, diesen Abstecher einfach zu canceln. Die Menschen, die dort eventuell auf den Bus warteten, hatten halt Pech. Aber richtiges, denn diesen Abstecher macht nur jeder zweite Bus, also nur alle zwei Stunden kommt man von dort (wieder) weg.

Übersicht und Busrouten 

Diese unsicheren Bedingungen hatten uns veranlasst, an einem sonnigen Tag mit den Rädern dorthin zu fahren, was in einer guten halben Stunde zu schaffen ist. Alt Reddewitz hat immer noch den Charme eines kleinen Fischerdörfchens, auch wenn jetzt der Tourismus die Haupteinnahmequelle ist. Schöne Cafés und Restaurants gibt es dort, eine Tortenmanufaktur und eine abenteuerliche eineinhalbspurige Zufahrtsstraße, auf der Fußgänger, Rad- und Autofahrer sich blitzschnell in kleinste Ausbuchtungen drücken, wenn der Linienbus durchrauscht. Ein Abstecher ist bei jeder unserer Busfahrten obligatorisch, entweder dieser nach Alt Reddewitz oder der nach Groß Zicker und Gager.

Alt ReddewitzAlt ReddewitzAlt ReddewitzAlt ReddewitzAlt ReddewitzAlt Reddewitz

Nur einmal an jedem Nachmittag fährt der Bus von Göhren aus auf direktem Wege nach Klein Zicker. Bus fahren hier ist normalerweise eine entspannte Angelegenheit, die Fahrer kennen ihre Strecken und die besonderen Bedingungen. Einmal erwischten wir allerdings einen Busfahrer, der den Bus wie einen PKW fuhr, volles Risiko in den Baumalleen und vor Kurven auf den schmalen Abschnitten, mehrere Vollbremsungen inklusive. Aufstehen, bevor der Bus zum Stehen gekommen war, wäre höchst gefährlich gewesen. Wir waren froh, heil in Göhren angekommen zu sein und im Bus, in den wir umstiegen, einen uns bekannten Busfahrer vorzufinden, dessen ausgeglichenen Fahrstil wir schon kannten. Der Unterschied war eklatant!

Vor unseren Mobilen haben wir seit zwei Wochen eine kleine Pilzkultur. Die Pilze, deren Namen wir nicht kennen, haben eine äußerst kurze Lebensdauer. Nicht, weil wir sie abernten und verzehren, das trauen wir uns nicht. Sie sind aber sogar im Absterben noch schön, werden erst schwarz schleimig und lösen sich dann in nichts auf. Dafür kommen an anderer Stelle wieder neue aus dem Boden. Diese Pilze gibt es seltsamerweise nur bei uns, auf anderen Plätzen und im Wäldchen sahen wir andere. Sicher könnte man zum Pilze sammeln losziehen, aber da wir uns damit so gar nicht auskennen, lassen wir das lieber! Zwinkerndes Smiley

Pilze im VorgartenPilze im VorgartenPilze im VorgartenPilze im Vorgarten132f PilzePilze im VorgartenPilze im VorgartenPilze im VorgartenPilze im VorgartenPilze im VorgartenPilze im VorgartenPilze im Vorgarten

Auf unserem Überwinterungs-Campingplatz „Torre la Sal 2“ in Spanien hatten wir vor Jahren schon einmal das Vergnügen, über einen längeren Zeitraum einen Pilz auf unserer Parzelle wachsen zu sehen, der jeden Tag ein klein wenig mehr aus dem Boden herausragte und sich durch den Schotter hindurchstemmen musste. Davon gibt es „hier“ einen Extra-Blogbeitrag für Pilzfreunde. Smiley mit geöffnetem Mund

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Statusbericht Rügen Teil 2

 

Die schönen sonnigen Tage nutzten wir bisher für kurze oder längere Strandspaziergänge mit und ohne Einkehr, für Radtouren, für Überlandfahrten mit Fix und Boxi oder für Busfahrten nach Göhren oder Sellin. Einige stürmische Höhlentage gab es auch, aber erfreulich wenig Regen.

Strandkiosk Klein ZickerStrandkiosk Klein ZickerStrandpromenade Thiessow

Eines schönen Tages im September wollten wir per Bus nach Binz. Das bedeutet zweimal umsteigen, einmal in Göhren und einmal in Sellin, am sogenannten Serams Wendeplatz. Ich überlegte mir, dass wir für die Hinfahrt auch den Rasenden Roland nehmen könnten und Uschi war einverstanden. Also fuhren wir mit dem Bus nur bis Göhren zum Bahnhof und konnten sofort in den schon wartenden Zug, der hier seine Endstation hat, einsteigen.

Rasender RolandRasender RolandRasender RolandRasender RolandRasender RolandRasender RolandRasender RolandRasender Roland

Ein Zug besteht immer aus der hervorragend gepflegten Kleinspurlok, vier geschlossenen Waggons, davon ein Speisewagen, einem offenen Aussichtswaggon und noch einmal vier geschlossenen Waggons, einer oder zwei davon für Gepäck- bzw. Fahrradtransport. Wir hatten Glück und ergatterten die letzten beiden Sitzplätze im offenen Waggon. Kurz darauf ging es auch schon los. Die Fahrpreise sind nicht ganz niedrig, aber einmal muss man das gemacht haben, wenn man schon hier ist. Die Gesamtstrecke geht von Göhren bis Lauterbach Mole und entweder fährt man von dort wieder zurück oder man steigt um auf ein Schiff und fährt mit diesem bis Sellin (umgedreht ist natürlich auch möglich). Die kombinierte Tour kostet pro Person €17,50 (Kinder 4–14 Jahre €10,50). Ein Hund kostet, unabhängig wie alt er ist, ebenfalls €10,50!!! Zwei Erwachsenen mit bis zu drei Kindern zahlen €45,00.

Kombitour Rasender Roland

Der Rasende Roland fährt bereits seit 120 Jahren mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30km/h und einer Spurbreite von 750mm über die Insel und erfreut sich ungebrochener Begeisterung bei den Touristen. Überall an der Strecke stehen filmende Enthusiasten. Die Gesamtstrecke beträgt 24km, für die der Zug eine gute Stunde braucht. Vielleicht würde er besser Fauchender Roland heißen, aber vor 120 Jahren waren 30km/h vermutlich schon rasend schnell. Laut lachen An den Stationen Putbus, Binz LB, Sellin Ost und Göhren laden gemütliche Bahnhofsgaststätten zur Einkehr ein.

Sellin OstHaltestelle Granitz

Wir fuhren also von Göhren bis Binz und zahlten dafür €6,60/Person. Hätten wir einen Hund dabei gehabt, wären noch einmal €3,30 fällig geworden und für Fahrräder je €3. Die Fahrstrecke bis Binz ist ein wenig langweilig, weil es fast nur durch Wald geht, kurz vor Binz durch das Waldgebiet der Granitz, von wo man auch fußläufig zum gleichnamigen Jagdschloss gelangt. Allerdings sind diese Buchenwälder wunderschön! Unangenehm wird es, wenn der Wind so steht, dass der Rauch in Richtung der Waggons geblasen wird. Er hat einen ganz spezifischen Geruch, den man nicht einatmen mag und den man den ganzen restlichen Tag in der Nase behält. Und der Rauchausstoß ist bei einer Dampflok schon gewaltig! Sicher auch nicht mehr klimapolitisch vertretbar, aber es bringt halt gutes Geld.

In Binz stiegen wir also aus und mussten dann noch eine ganze Weile an der Hauptstraße entlanglaufen, bis wir zur Fußgängerzone kamen. Es hätte natürlich auch die Möglichkeit gegeben, die Bäder-Bimmelbahn zu nehmen. Binz ist recht nett, die weißen Häuser in Bäderarchitektur sehen schön aus und wer hier hungrig oder durstig ist, hat eine Riesenauswahl. Bei schönem Wetter sind alle Tische in allen Gartenlokalen belegt! Uns zog es natürlich wieder zu Junge!!! Zwinkerndes Smiley

BinzBinz

Zurück nahmen wir dann den Bus. Da wir mit unserer Kurkarte ja erst ab Sellin kostenfrei fahren können, zahlten wir von Binz bis Sellin €3,20/Person. Das bedeutet, dass wir ganz schön sparen bei unseren kostenfreien Fahrten. Smiley

In Göhren angekommen hatten wir Glück und mussten nicht ein zweites Mal umsteigen, der Bus änderte seine Nummer und Zielanzeige und fuhr uns direkt zum Campingplatz.

Eine weitere Bustour machten wir nach Sellin. Dort fängt die Haupteinkaufsstraße und „Fressmeile“ direkt an der Bushaltestelle an. Sellin gefällt uns noch besser als Binz. Die Architektur und die Restaurantdichte ist zwar gleich, aber die Wilhelmstraße ist, obwohl keine Fußgängerzone, sehr hübsch mit ihren Bäumen zu beiden Seiten. Und das Highlight ist natürlich die Selliner Seebrücke! Vielleicht ist die Seebrücke von Ahlbeck auf Usedom durch den Loriot-Film „Pappa ante Portas“ bekannter und sie ist auch die ältere (1882), aber schöner ist sie sicher nicht. Wir kennen beide und uns gefällt die in Sellin besonders gut. Beiden Seebrücken gemeinsam ist, dass ihre weit ins Meer hineinragenden Stege durch Eisschollen zerstört wurden und wieder aufgebaut werden mussten. In Ahlbeck nur im Winter 1941/42, in Sellin zusätzlich noch 1918 und 1924. Erst in den 1970er-Jahren wurden die Holzpfosten gegen Stahlträger ausgetauscht, die vom Eis nicht mehr zerdrückt werden können. Das ist zwar sinnvoll, sieht aber lange nicht so schön aus. Baubeginn in Sellin war 1906 und außer dem Gebäude auf dem Brückenkopf (noch ohne die seitlichen Anbauten) entstand eine Seebrücke von sagenhaften 508 Metern. Nach der ersten Beschädigung durch Packeis baute man erneut auf „nur“ noch 500m auf, zusätzlich wurde aus dem Gebäude eine Konzerthalle, später genutzt als äußerst beliebtes Tanzlokal. Da über einen Zeitraum von 20 Jahren zu DDR-Zeiten nichts mehr renoviert wurde, musste das Gebäude samt Brückenkopf 1978 abgerissen werden. Erst 1991 begann der Wiederaufbau, unterstützt durch den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und orientiert an den Bauten von 1906 und 1925. Seit dem 2. April 1998 ist die Seebrücke wieder in Betrieb. Sie wurde zwar auf 394m verkürzt, ist damit aber immer noch die längste der Insel. (Quelle: Wikipedia)

Seebrücke SellinSeebrücke Sellin1. Seebrücke von 1906Die Seebrücke der 1930er-JahreZerstörung Winter 1924Zerstörung Winter 1942

Zur Seebrücke hinunter und wieder zur Stadt hinauf gibt es sowohl eine lange, steile und breite Treppe mit steinernen Ruhebänkchen als auch zwei breite Rampen und sogar einen kostenfreien Aufzug. Wer von uns nahm die Treppe und wer den Aufzug??? Cooles Smiley

In Göhren muss man von der Seebrücke zur Stadt ebenfalls ein paar Höhenmeter überwinden und es gibt auch einen Aufzug bzw. eine Zahnradbahn. Der Transport kostet allerdings einen Euro.

Seebrücke Göhren

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Ein Tag am Meer

 

Ja, es gefällt uns immer noch sehr gut hier!

Nein, wir schauen nicht ausschließlich den ganzen Tag aus unseren Fenstern – ab und zu unternehmen wir auch etwas. Laut lachen

Thiessow

Für Montag sagte die Wettervorhersage Sonnenschein voraus und noch keinen Regen oder Wind wie für die kommenden Tage. Putbus stand noch auf unserer Liste. Dort waren wir das letzte Mal 2003. Da es auf direktem Weg nur 28km sind, fuhren wir einen kleinen Umweg. Es ging an Bergen vorbei über kleinste Sträßchen durch ein paar Dörfer. Im Ortskern geht die asphaltierte Straße ganz oft in Kopfsteinpflaster über, eine gut funktionierende Methode der Geschwindigkeitsverringerung ganz ohne Schilder. Zwinkerndes Smiley Wir fragen uns immer wieder, wie das Leben in diesen von der Welt abgeschnittenen Dörfern wohl zu Zeiten der ehemaligen DDR war und denken, dass die Menschen damals überwiegend Selbstversorger sein mussten. Nicht nur, dass der nächste Konsum weit weg war, das Angebot war ja auch nicht üppig. Viele Häuser sind inzwischen saniert, einige neu erbaut und es wohnen augenscheinlich (auch) junge Familien dort. Aber die Wege sind nach wie vor weit, auch wenn die „Welt“ erreichbarer geworden ist.

Ausflugsfahrt

Wir fuhren bis zu der einzigen Fähre zum Festland in Glewitz, man kommt in etwa auf halber Strecke zwischen Stralsund und Greifswald über den Strelasund. Allerdings könnte nur Uschi dort übersetzen, die Gewichtsbeschränkung liegt bei 5t! Also natürlich Uschi zusammen mit Fix und Boxi! Cooles Smiley

Rügen ist ja eine Insel mit sehr zerklüfteter Küstenlinie und immer wieder kleinen „angeklebten“ Halbinseln oder „Fingern“. Auf einer solchen, der Mönchgut-Halbinsel, liegt Thiessow, aber ganz im Süden der Insel, hier, wo die Fähre ist, gibt es eine weitere, Zudar genannt. Auf der Karte fand ich den Ort Zicker. Bei uns gibt es ja, wie schon erwähnt, Klein Zicker und Groß Zicker. Also schauten wir uns auch Zicker mal an. Dorthin gab es tatsächlich noch eine Buslinie, obwohl die Straße nur noch einspurig war und in Teilen nur aus zwei Fahrstreifen aus Betonplatten bestand. Alle paar hundert Meter gab es eine Ausweiche und natürlich kam uns an der ungünstigsten Stelle der Bus entgegen! Der Busfahrer war freundlich und rangierte sein Gefährt in die einzig verfügbare Lücke, sodass wir uns mit Fix und Boxi vorbeiquetschen konnten. Mit Oscarlotta wäre es schwierig geworden!

Ich hatte als Beifahrer die Karte der Insel auf dem Schoß und irgendwann fiel mir auf, dass nicht etwa die Orte mit „ow“ am Ende (wie üblich in diesem Teil Deutschlands, z. B. Thiessow) in der Überzahl sind, sondern eindeutig (!) die „itze“. Kleine Auswahl gefällig? Ohne Anspruch auf Vollständigkeit!!! Erstauntes Smiley

Sassnitz

Üselitz

Losentitz

Silmenitz

Groß Schoritz

Venzvitz

Poseritz

Krakvitz

Kasnevitz

Groß Kubitz

Karnitz

Boldevitz

Parchtitz

Vilmnitz

Granitz

Alt Reddewitz

Buschvitz

Ramitz

Neddesitz

Varnkevitz

Gramtitz

Nadelitz

Nistelitz

Garftitz

Kartzitz

Jamitz

Reischwitz

Pachtitz

Thesenvitz

Lipsitz

Muglitz

Platvitz

Dreschvitz

Dönkvitz

Dußvitz

Klucksevitz

Bußvitz

Lüßvitz

Dubkevitz

Rattelvitz

Varbelvitz

Teschvitz

Presnitz

Garditz

Tribkevitz

Jabelitz

Libnitz

Vaschvitz

Retelitz

Schmantevitz

Fernlütkevitz

Kreptitz

Starrvitz

Polkvitz

Silvitz

… ???

Die Rücktour verlief „unten herum“, wir machten noch einen kurzen Abstecher nach Lauterbach, wo wir 2003 auf dem Wohnmobilstellplatz gestanden hatten und fuhren dann nach Putbus hinein. Die Attraktion hier sind die 15 im klassizistischen Stil erbauten und kreisförmig angeordneten strahlend weißen Häuser, in Auftrag gegeben 1810 von Fürst Wilhelm Malte I. Fürst zu Putbus. Wir fragten uns, wie wohl der Name Putbus entstanden sein könnte und natürlich kennt (Quelle) Wikipedia die Antwort: „Der Name Putbus leitet sich vom slawischen epod boz her und bedeutet hinter dem Holunderbusch.“ Na ja, kann man glauben oder auch nicht.

Die Häuser sind recht ansehnlich und imposant, einige sind allerdings noch oder wieder renovierungsbedürftig. Sehen kann man sie nur, wenn man einmal um den ganzen Platz, Circus genannt, herumläuft. Aus der aufwändig angelegten Parkanlage mit ihren 8 baumgesäumten Wegen, die alle auf einen 19m hohen Obelisken zulaufen, sieht man nur Fragmente von ihnen. Dieser Platz, das Wahrzeichen von Putbus und beliebter Ausflugsort, gilt als letzter einheitlich ausgeführter Rondellplatz Deutschlands.

Circus PutbusCircus PutbusCircus Putbus

Viel mehr bietet Putbus nicht, vielleicht noch die Orangerie, den Marstall und das Mausoleum im Schlosspark. Wir hatten aber noch ein anderes Ziel! Vor längerer Zeit war ich in einem Dokumentationsfilm über Rügen auf ein ungewöhnliches Geschäft aufmerksam geworden mit einem ebenso ungewöhnlichen Namen: „Ein Tag am Meer“. Es wurden lustig bemalte Treibholzstücke gezeigt, die hier gefertigt und verkauft werden. Wir fanden den Laden an der Hauptstraße nur wenige Meter vom Circus entfernt. Und wir waren begeistert!!! Weil die Exponate so liebe- und phantasievoll gestaltet sind, gibt es hier alle Fotos, die ich gemacht habe. Smiley mit geöffnetem Mund

Ein Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am Meer

Wenn wir über mehr Platz verfügen würden, hätten wir sicher mehr mitgenommen als „nur“ zwei Schlüsselanhänger.

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Statusbericht Rügen Teil 1

 

Inzwischen haben wir gut die Hälfte unseres Herbstaufenthaltes auf Rügen schon wieder rum. Mist! Die Zeit vergeht viel zu schnell!!! Die Entscheidung für genau diesen Campingplatz im Südosten der Insel war goldrichtig, ein dickes Dankeschön für die Empfehlung geht nach Sprockhövel. Smiley

RügenSüd-Ostrügen

Unsere Stellplätze liegen natürlich auch genial. Wir haben zwar keine Komfort-Plätze (mit eigenem Frisch- und Abwasser- und Stromanschluss), aber einen Stromkasten gibt es im Abstand von drei Plätzen, der nächste Wasserhahn ist nur ein paar Meter entfernt und Toilettenkassetteninhalt und Abwasser können wir entweder am kleinen WC-Häuschen oder am nächsten großen Sanitärgebäude (es gibt insgesamt zwei) entsorgen. Für die Toilettenkassette nutzen wir unsere Rollwägelchen, für das Abwasser habe ich aus den Tiefen meiner Heckgarage den rollbaren Tank herausgekramt, den ich nur dann nutze, wenn mir die Entsorgungsmöglichkeit zu weit weg ist. In ihn passt deutlich mehr als in einen Eimer und ich muss nicht ganz so oft laufen. Zwinkerndes Smiley Ich habe mir aber sowieso angewöhnt, die Ver- und Entsorgung jede Woche zu erledigen, dann bleibt es in vertretbaren Ausmaßen. Das alles bezieht sich darauf, wenn ich längere Zeit irgendwo stehenbleibe, zu Fahrzeiten nutze ich natürlich die VE-Stationen zum Drüberfahren und zapfe dort auch das Frischwasser, aber nur mit meinem eigenen Schlauch! Inzwischen ist es leider auch schon etwas kälter geworden, die Heizung läuft abends ein paar Stunden und die letzte Gasflasche hat nur noch für 12 Tage gereicht. Das Gas ist hier mit €25/Flaschenfüllung recht teuer!

Lageplan - Campingplatz Thiessowunsere Plätze

Der September hat uns außer extremer Hitze oder extremer Kälte alles geboten, wunderschönes warmes Spätsommerwetter, heftigsten Sturm, phantastische Sonnenuntergänge und ab und zu ein wenig Regen. Aber egal, wie das Wetter ist, unser Ausblick ist immer interessant und einfach nur schön! Zu Beginn weidete auf der riesigen Brachfläche zwischen Campingplatz und Zicker See noch eine ebenso riesige Rinderherde. Muttertiere mit ihren Kälbchen, Jungrinder und ältere Tiere. Sie wanderten fressend langsam von der einen Seite der Weide zur anderen, kamen also mindestens zweimal am Tag bei uns vorbei. An einem besonders stürmischen Abend versammelten sie sich, als es auch noch zu regnen begann, alle dicht gedrängt direkt fünf Meter von Oscarlotta entfernt am Zaun, laut muhend und alle mit dem Hinterteil zum Sturm. Ich hätte sie ja gerne reingelassen, sie taten mir wirklich Leid, aber soviel Platz hatte ich einfach nicht! Laut lachen

ThiessowThiessowThiessow

Inzwischen ist der Grundwasserspiegel angestiegen und große Flächen der Wiese stehen unter Wasser. Die Kühe sind abgeholt worden, dafür versammeln sich Graureiher, Schwäne, Möven und Wildgänse um die und auf den Wasserflächen.

nur KuhweideWasserflächen für Zugvögelunser täglicher Blick

Die Gänse haben sich schon richtige Bäuche angefressen, aber die Fettreserven werden sie noch brauchen. Sie kommen und gehen in wunderschönen Formationen und mit viel Geschrei. Wir warten sehnsüchtig auf die Kraniche!!! Ein Schwarm kam schon vorbei, flog suchend dreimal an der Wasserlinie entlang, entschloss sich aber leider nicht, die Nacht hier zu verbringen. Es war trotzdem ein magischer Moment, denn genau an diesem Abend war der Himmel besonders schön und sie flogen in Formation an den pinkfarbenen Wolken vorbei. Sie sind leicht von den Wildgänsen zu unterscheiden, allein schon durch die Lautstärke ihres Geschreis! Erstauntes Smiley Und dann sind sie natürlich noch viel größer und gestreckter mit ihren langen Hälsen und Beinen. Von ihnen habe ich leider kein Foto, so schnell war ich nicht, aber ich kann euch eine Auswahl von Sonnenuntergängen zeigen.

SonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergang

Schön, oder ???

Hier auf Rügen wird eine Kurabgabe verlangt und bei der Länge unseres Aufenthaltes lohnte es sich, eine Jahreskurkarte zu beantragen, mit Namen und Lichtbild. Diese berechtigt uns u. a. den am Campingplatz vorbeifahrenden Linienbus unentgeltlich zu nutzen, in die eine Richtung bis Sellin. In die andere Richtung geht es nur noch „um die Ecke“, in Klein Zicker ist Schluss mit der Halbinsel Mönchgut, der Bus fährt eine Schleife und kommt wieder am Campingplatz vorbei. Wenn man also früh genug an der Haltestelle ist und keine Lust hat, draußen dumm rumzustehen, kann man schon einsteigen und eine kleine Extratour fahren. Smiley In Klein Zicker gibt es noch einen Campingplatz, der überwiegend von Surfern genutzt wird, denn dort ist schon die offene Ostsee.

Ostseestrand Thiessow

Von unserem Platz aus schauen wir über den Hafen hinweg dorthin und sehen jeden Tag die Kite-Schirme hin und her flitzen. Wind gibt es hier eigentlich immer genug und selbst bei heftigem Sturm sind immer einige Kiter draußen. Und dann gibt es ganz am Ende von Klein Zicker noch einen Strandkiosk mit Gartenbetrieb und ausgesprochen leckerem und preiswertem Angebot in kalt (Fischbrötchen in allen Variationen), heiß (Kibbeling, Backfisch, Fischfrikadellen, Pommes, Suppen und mehr) und auch in süß (Kuchen). Getränke natürlich auch in ausreichender Auswahl. Den Imbiss haben wir per Zufall entdeckt und waren bereits einige Male dort, immer im Sonnenschein.

Klein-Zickerwird geteilt!schöner geht nicht :-)

Es gibt aber auch ein paar Innenplätze, wenn das Wetter nicht mehr mitspielt und die Bushaltestelle liegt direkt daneben. Cooles Smiley

Noch eine nette Einkehrmöglichkeit liegt am Ostseestrand, den wir erreichen, wenn wir die Straße am Campingplatz entlang überqueren und 150m durch ein Kiefernwäldchen laufen. Wir haben noch schöne Strandspaziergänge barfuß durchs Wasser zu genau diesem kleinen Café gemacht, wo es leckeren selbstgebackenen Kuchen oder genauso leckere Crèpes gibt.

"unser" Strandich begegne mir selbst ;-)

Durch den Kiefernwald führt ein Radweg, auf dem man in alle möglichen Teile der Mönchgut-Halbinsel fahren kann. Unsere erste Tour führte nur bis zum Campingplatz in Lobbe, ca. 4km entfernt, wo es einen schönen Abenteuer-Spielplatz und ein nettes Strandlokal gibt. Wir wollten zu zweiterem! Zwinkerndes Smiley

Strandlokal in Lobbe

Dass wir nicht weiter fuhren, lag daran, dass meine Gangschaltung am Fahrrad schon wieder nicht funktionierte! Ich konnte nur im 3. oder 4. Gang fahren und das ist auf Dauer nicht so toll. Wir wissen zwar inzwischen, was man wo einstellen kann, aber es veränderte sich nichts. Also fuhren wir am nächsten Tag mit dem Bus bis ins nächste Städtchen, nach Göhren. Dort gibt es Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel, eine Junge-Bäckerei mit Café und neben allen möglichen Geschäften auch einen Fahrradhändler mit Werkstatt. Am nächsten Tag wurde mein Fahrrad abgeholt und schon einen Tag später wieder zurückgebracht, mit neu eingestellter Gangschaltung. Es kostete fast nichts und der Transport war im Preis mit drin. Das nenne ich Kundenservice! Jetzt bleibt nur abzuwarten, wie lange die Einstellung diesmal hält!!! Eine größere Tour haben wir schon erfolgreich hinter uns gebracht.

Meine Lieblingsbäckerei im Norden Deutschlands ist bekanntlich “Junge”. Seit ein paar Jahren besitze ich eine Kundenkarte, die alles um einiges preiswerter macht. Bei einem mittleren Milchkaffee z. B. um 50 Cent, das lohnt sich schon. Außerdem sammelt man für jedes Getränk, für jeden Verzehr und für jedes Brot Punkte und bekommt bei jeweils 12 Punkten einen Kaffee etc. umsonst. Richtig gut finden wir das Umweltbewusstsein, das propagiert wird und ein Projekt, das sich “Das Geld hängt an den Bäumen” nennt und von Junge unterstützt wird. Es handelt sich dabei um einen privaten Unternehmer aus dem Hamburger Umland, dem aufgefallen war, wieviele Obstbäume nicht mehr abgeerntet werden. Er beschäftigt ausschließlich Menschen mit Behinderungen oder aus sozialen Randschichten, das Obst wird zu Saft verarbeitet und in Gaststätten, online und eben auch bei Junge verkauft. Eine tolle Idee!

Bäckerei JungeBäckerei JungeBäckerei JungeBäckerei Junge

So, jetzt höre ich aber erst einmal mit der Schwärmerei auf. Ich denke, ich konnte euch vermitteln, dass es uns hier ausnehmend gut gefällt. Kuss senden Unser Abendhimmel von gestern, nicht spektakulär, aber schön:

AbendhimmelAbendhimmelAbendhimmel

written by Ingrid
photos taken with iPhone and HUAWEI P10 Lite

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.