NDSM, Pontsteiger und Haarlemmerbuurt

 

Es gibt viele verschiedene Methoden, eine größere Stadt zu erkunden, die sicherlich abhängig sind vom Typus des jeweiligen Menschen.

– Man kann einfach draufloslaufen, was gar nicht die schlechteste Art ist, weil man ohne Erwartungen unterwegs ist und alles, was man entdeckt oder erlebt, als unverhofftes Geschenk annehmen kann. Ein Stadtplan in der Tasche ist sicher hilfreich, aber heutzutage ist Google Maps natürlich die 1. Wahl! Nicht mehr wissen, wo man eigentlich ist, war gestern. Zwinkerndes Smiley

– Man kann schon Tage oder Wochen vorher Reiseführer studieren, ganz viele Markierungszettelchen hineinkleben, eigene Touren zusammenstellen und die dann am Zielort gewissenhaft abarbeiten.

– Man kann die Touren, die andere Menschen professionell erstellt und dokumentiert haben, ablaufen oder mit dem Rad abfahren.

– Man kann mit dem Sightseeingbus, einem Ausflugsboot oder mit einer Stadtführung zu Fuß sich die wichtigsten Punkte zeigen und erklären lassen.

– Und schließlich kann man, wenn man flexibel ist, all diese Methoden miteinander kombinieren. Was man dann vor allem braucht, ist ZEIT. Eine gute Kondition kann ebenfalls nicht schaden.

Zeit haben wir, mit der Kondition steht es bei mir leider nicht mehr so gut. Also kombinieren wir. Laufen, Straßenbahn, laufen, Fähre, sitzen und Kaffee trinken, laufen, Grachtentour per Boot, etwas essen gehen, Museum, Bus, Kaffee trinken, durch diverse Einkaufszentren, Straßenbahn, über den einen oder anderen Markt, Febo, Kirche von außen und innen, Straßenbahn nach Hause…

Café Bovendiep Natürlich nicht alles an einem Tag und auch nicht ein Tag nach dem anderen, wir sind ja schon älter! Laut lachen Ein Programmtag, zwei Ruhetage, das ist unser Rhythmus. Umso besser, dass wir hier so schön stehen. Bei gutem Wetter ist dann immer noch ein Spaziergang am Kanal entlang oder Richtung Steigereiland drin. Leider ist das Restaurant des Campingplatzes im Winter geschlossen und auch das Café im nahen Jachthaven ist aus unerfindlichen Gründen zu. Also gibt es den Nachmittagskaffee in Oscarlotta, was überhaupt nicht schlimm ist, gibt es in den Niederlanden ja auch noch ganz wunderbare süße Leckereien, Stroopwafels zum Beispiel. Die sehen so trocken, langweilig und unscheinbar aus, dass ich sie tatsächlich noch nie probiert hatte. Ein Fehler! Zwei dieser waffelähnlichen Kreise sind nämlich mit eingedicktem Honig miteinander “verklebt”. Sehr süß, aber leggggger! Und dann sind da noch die Butterkekse, bei denen man die „gute“ Butter schmeckt. Lustig ist, dass sie immer noch in genau der gleichen Kombination und Verpackung verkauft werden wie schon vor mehr als 25 Jahren! Smiley mit geöffnetem Mund Es ist wirklich verwunderlich, dass die Niederländer schlank sind! Allerdings ist es hier Sitte, dass es zum nachmittäglichen Kaffee genau EINEN Keks gibt. Und vermutlich sind sie bei den anderen Mahlzeiten auch so konsequent. Kann eigentlich nicht anders sein!

niederländische Leckereien

Fähren Amsterdam Eine unserer ersten Unternehmungen war eine Fährfahrt über den IJ zum Gelände der ehemaligen NDSM-Werft. Auf der Rückseite des Amsterdamer Hauptbahnhofs (Centraal Station) legen drei Fährlinien in unterschiedliche Richtungen ab. Die am meisten frequentierte geht in wenigen Minuten nur auf die andere Seite zum Stadtteil Amsterdam-Noord. Es fahren zwei Fähren hinüber und herüber und sie sind immer voll, egal zu welcher Tageszeit. Eine andere Fährlinie bedient den Teil von Amsterdam-Noord, der rechts vom Noordhollandsch Kanaal liegt und die dritte fährt ca. 15 Minuten nach links Richtung Noordzeekanaal bis auf die Höhe des neuen Stadtteils Houthavens (Holzhafen). Schräg gegenüber ist die Anlegestelle Amsterdam, NDSM. Von dort aus fährt man auch, wenn man auf dem Wohnmobilstellplatz steht. Der Transport auf allen drei Fährlinien ist übrigens kostenlos!

Fähre NDSMWohnmobilstellplatz

Am NDSM-Pier liegen ein paar größere Schiffe vertäut, u. a. ein Hotelschiff.

botel AmsterdamSegelschiff Segelschiff Segelschiff

NDSM-Werft Die NDSM-Werft (Nederlandsche Dok en Scheepsbouw Maatschappij) hatte ihre Blütezeit als größte Schiffswerft Europas von 1894 bis 1946 und musste nach vielfältigen Rettungsversuchen Konkurs anmelden. Aber wie das in Amsterdam so ist, es gibt immer irgendeine kreative Form des Weiterlebens. In diesem Falle ist hier heute die Kunst- und Kultur-Szene zuhause. Auf dem Industriegelände und in den Hallen der ehemaligen NDSM-Werft sind StartUps, Agenturen und Künstler aktiv. Vielleicht hat der eine oder andere unserer Leser schonmal einen Bericht im Fernsehen darüber gesehen. Bei mir war es so und seitdem war klar, wenn ich mal wieder nach Amsterdam komme, dann will ich da hin!

Kran-Hotel "Faralda" Jetzt war es soweit, die Fährfahrt bei Sonnenschein war schon einmal ein Vergnügen und die große Werfthalle war nicht zu übersehen und nur ein paar Schritte vom Fähranleger entfernt. Ein großer Kran dominierte das Gelände und später erfuhren wir, dass in ihm ein Hotel mit drei Luxus-Suiten von je ca. 40m² auf je zwei Etagen errichtet wurde. Die Preise für eine Nacht betragen €695, €795 und €1.285, jeweils für 2 Personen! Frühstück nicht inbegriffen, aber es gibt eine Mini-Bar! Cooles Smiley

NDSM-WerftNDSM-Werft

Die NDSM-Halle ist im originalen Zustand belassen, allerdings weitestgehend „entkernt“. Um das geplante Vorhaben in die Tat umzusetzen, wurden viele Schiffscontainer in zwei Etagen und langen Reihen hineingestellt, mit Türen und Fenstern versehen und vermietet oder zur Verfügung gestellt. Bis auf einen (geschlossenen) Verkaufsladen konnten wir nicht so genau ergründen, was in den einzelnen, mit Nummern versehenen, Containerräumen eigentlich geschieht, aber es war durchaus Leben dort.

NDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-Werft

Im Sommer ist die NDSM-Werft eine von vielen Attraktionen Amsterdams und dann werden die Containertüren vielleicht offenstehen. Auf jeden Fall finden auf dem gesamten weitläufigen Freigelände jede Menge Events statt und in den nebenan liegenden IJ-Hallen ist an jedem letzten Wochenende im Monat der beliebteste Trödelmarkt Amsterdams und gleichzeitig der größte Flohmarkt Europas mit bis zu 750 Verkaufsständen zu besuchen. Verwirrtes Smiley

Am Rande des Geländes befindet sich die Anlegestelle des einzigen Pfannkuchenbootes Amsterdams. Pannenkoeken sind eine weitere niederländische Spezialität und über die Stadt verteilt gibt es einige Pfannkuchenlokale. Wir haben allerdings den Eindruck, dass die Preise Amsterdamer Touristenpreise sind und haben Pannenkoeken mal noch vertagt. Noch einen Reinfall brauchen wir nicht! Den hatten wir mit einem China-Lokal in der Nähe der Centraal Station. Eigentlich ist chinesisches Essen auch für Vegetarier eine gute Sache und so bestellten wir gebratene Nudeln mit Gemüse. Der Preis war in Ordnung und aus Erfahrung wissen wir, wie ein solches Gericht üblicherweise aussieht, nämlich viele verschiedene Gemüsesorten, im Wok geschwenkt und gut gewürzt in einer Soße, auf einer ovalen Platte serviert mit Reis oder eben Nudeln als Beilage. Wir bekamen je einen Essteller mit Nudeln, die weder angebraten noch irgendwie besonders gewürzt waren. Als „Gemüse“ lagen ein paar gekochte Kohlblätter obendrauf. Das war`s! Nicht einmal nachwürzen half und so gingen die Teller mehr als halbvoll wieder zurück. Die Kellnerin wunderte sich, dass wir so schnell fertig waren, fragte aber vorsichtshalber nicht nach, warum. So schlecht gegessen haben wir noch nirgendwo! Und dabei wäre es so einfach, bei der Vielfalt an (schon geschnittenem) Gemüse, das es überall gibt. Ein paar labberige Kohlblätter sind einfach eine Frechheit!!! Erzürnt

Pannenkoeken-Lokale

Fährlinie Pontsteiger Mit dem Pannenkoekenboot kann man für €21,50/Person 75 Minuten durch die Gegend schippern und dabei so viele Pfannekuchen (süß und pikant) essen, wie man mag und schafft. Wir haben uns (leider!) dagegen entschieden und wollten mit der nächsten Fähre um 16 Uhr wieder zur Centraal Station zurückfahren. Da noch etwas Zeit war, haben wir uns ein wenig am Pier umgesehen und mussten dann fast rennen, weil die Fähre schon 10 Minuten eher kam. Wir wunderten uns zwar, dass nicht alle wartenden Menschen einstiegen, ahnten aber nichts Böses. Als das Schiff dann allerdings mitten auf dem IJ nicht nach links abbog, sondern geradeaus auf das interessant aussehende torförmige Haus zufuhr, ahnten wir, dass es noch eine andere Fährlinie gibt! Die ging rüber nach Houthavens, einem weiteren aufstrebenden Stadtteil Amsterdams, gegründet 2010 rund um den alten Holzhafen. Das Gebäude heißt Pontsteiger und beherbergt ein Hotel mit 24 Zimmern und ansonsten Eigentumswohnungen. Der Ausblick von den oberen Etagen muss grandios sein!

Fähre Houthavens

Amsterdam Wir waren nur etwa 2km vom Hauptbahnhof entfernt und beschlossen, zu laufen. Das war eine sehr gute Entscheidung, denn wir kamen durch Wohnviertel, in denen wir sonst sicher nicht gelandet wären. Die Architektur sogar der ganz „normalen“ mehrstöckigen Wohnreihenhäuser ist irgendwie anders als anderswo. Ansprechender, phantasievoller, detailreicher. Und die Niederländer haben ein ausgesprochenes Faible für Kunst, in jeglicher Art.

Kunst in AmsterdamKunst in AmsterdamKunst in Amsterdam

HaarlemmerbuurtDas Gute am so drauflos laufen ist, dass man Stadtteile – der Kölner würde Veedel sagen – entdeckt, die man nicht „auf dem Plan“ hatte. So war es diesmal mit der/dem Haarlemmerbuurt, die/der sich nordwestlich des Hauptbahnhofs erstreckt. Buurt hat die Bedeutung von Veedel, wörtlich übersetzt Nachbarschaft. Eine Vielzahl an verschiedensten kleinen Geschäften, Lokalen, Coffee Shops, autofrei, die ehemalige Straße ist jetzt zweispuriger Fahrradweg. Cantas dürfen hier aber auch fahren!!! Smiley Leider nieselte es etwas, sodass ich nicht fotografiert habe. Als Entschädigung gibt es ein Panoramafoto vom Hauptbahnhof!

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Eine Liebeserklärung

 

von Urk nach AmsterdamUnd jetzt sind wir endlich in Amsterdam!!! Verliebt Ich habe zu dieser Stadt schon seit meiner Zwanzigerjahre eine besondere Verbindung. Vom Ruhrgebiet aus, wo ich lebte, war man in gut 2½ Stunden dort, sogar wenn man, wie ich damals, mit Ente unterwegs war. An einem Samstag mit einer Freundin morgens los, ein paar Stunden Stadtbummel und abends wieder zurück war also kein Problem und stand immer mal wieder auf meinem Programm. Diese Stadt war so ganz anders als alle deutschen Großstädte, die ich kannte. Die Flower-Power-Zeit war dort schon in vollem Gange, als man in Deutschland gerade anfing, sich über die langen Haare der jungen Männer aufzuregen. Modisch gesehen waren die Niederlande Deutschland über bestimmt zwei Jahrzehnte um mindestens ein halbes Jahr voraus, sowohl bei der Sommer- als auch bei der Wintermode.

Mit 10 Jahren war ich das erste Mal mit meinen Eltern in Holland und ein unvergessliches Erlebnis war es, goldgelbe, knusprige Patatas frites mit Mayonnaise in einer Spitztüte aus Papier auf der Straße zu essen, mit den Fingern oder einer kurzen Holz- oder Plastikgabel mit zwei Zinken. DAS gab es in Deutschland nirgends! Die besondere Herausforderung bestand darin, so um die Mayonnaise herumzuessen, dass auch für die letzten Pommes ganz unten in der Tüte noch etwas davon übrig war. Wir waren noch oft im Urlaub in den Niederlanden und sicher verwundert es nicht, dass mein erster Freund ein Holländer war, oder? Zwinkerndes Smiley

Meine ältesten Freunde habe ich 1975 auf dem Campingplatz in Egmond aan Zee kennengelernt, im Jahr 2000 haben wir ein Wochenende lang dort unser 25-Jähriges gefeiert. Dieses Jahr werden es 45 Jahre! Erstauntes Smiley

In meinen Dreißigerjahren verbrachten wir einige Male ein verlängertes Wochenende in einem Hotel in Egmond direkt an der Promenade, das für „Karnevalsflüchtlinge“ ein besonderes Angebot bereithielt. Meine Eltern und Freunde von ihnen/uns waren ebenfalls immer gerne dabei. Auch im Winter kann es an der „Zee“ sehr schön sein, man muss halt etwas Glück mit dem Wetter haben.

Zwischen 1992 und 2000 war ich jeden Sommer mehrere Wochen mit meinem Bruder auf seiner Motoryacht in niederländischen Gewässern unterwegs, jedes Jahr in einem anderen Gebiet. Auf diese Art habe ich das Land und seine Besonderheiten gut kennengelernt. Teilweise lag ich mit dem Boot von Sonntag bis Freitag in einem Hafen, mein Bruder fuhr mit dem Zug nach Hause, kam nach einer Arbeitswoche wieder zurück und wir fuhren weiter. Manchmal passierte das sogar zweimal, ich hatte ja 6 Wochen Sommerferien. Smiley

Eine angenehme Tatsache war und ist es, dass fast alle Niederländer ausgezeichnet deutsch sprechen oder zumindest verstehen. Sie lernen es in der Schule und brauchen es für den Tourismus. Bei den jungen Leuten heutzutage scheint allerdings englisch an zweiter Stelle zu stehen, die mittlere und ältere Generation ist auffallend oft dreisprachig. Die niederländische Sprache ist als Text ziemlich gut zu übersetzen, es gibt viele Ähnlichkeiten, sowohl zu deutsch als auch zu englisch, nur verstehen kann man sie nicht! Laut lachen

Ist schon klar, dass ich zu den Niederlanden eine lange gewachsene Liebesbeziehung habe, oder???

Ein paar Besonderheiten, die uns aktuell auffallen:

– Es gibt kaum übergewichtige Menschen.

– Viele Kinder und Jugendliche grüßen beim Vorübergehen.

– Die Erwachsenen sind höflich, freundlich, gelassen.

– In den Supermärkten, auch den kleinen Lebensmittelgeschäften, gibt es ein überwältigendes Angebot an zerkleinertem, portioniertem Gemüse, schon fix und fertig für die Pfanne, den Wok oder den Kochtopf (Niederländer lieben Eintöpfe!).

– Die Auswahl an vegetarischen und veganen Lebensmitteln ist gigantisch!!! Und vegetarische/vegane Gerichte stehen in großer Anzahl ganz selbstverständlich auf allen Speisekarten, zu normalen Preisen. Sogar eine landestypische Spezialität, die „Bitterballen“ gibt es inzwischen als vegane Variante. Daumen hoch

– Friet Speciaal (Pommes mit Mayo, Curry-Ketchup und rohen Zwiebeln) oder Patat Saté/Patat Pinda (Pommes mit heißer Erdnusssoße) gibt es an jeder zweiten Straßenecke. Mindestens Mayonnaise (friet saus) ist immer dabei, wenn der Niederländer sein „frietje“ (so genannt im Süden und Osten des Landes) oder „patatje“ bestellt, das Zauberwort heißt „met“. Das reicht aus. Auf die Größe der Portion hat die Verniedlichung übrigens keinen Einfluss! Smiley

– Einige „Frittenbuden“, hier Snackbar genannt, verkaufen die anderen beliebten fritierten Leckereien wie Fikandel, Kroket, Bitterballen, Kaassoufflé, Bami und Nasi (als schijf = Scheibe oder bal = Kugel), Gehaktbal, Kipcorn auch in „gläsernen Wänden“. Das sind viele kleine mit Warmhalteplatten versehene Fächer, deren Glastüren sich öffnen lassen, wenn man den entsprechenden Geldbetrag in einen Schlitz geworfen hat. Als es noch den Gulden gab, benötigte man für die meisten dieser Snacks drei Kwartjes (75 Cent), jetzt geht unter 2 Euro nichts mehr! Zur Verdeutlichung: Der Umtauschkurs war 1 Euro = 2,20371 hfl (Niederl. Gulden)!!! In jeder Snackbar hängt ein Wechselautomat an der Wand, der das nötige Hartgeld ausspuckt. Früher wechselte man 1, 2½ oder 5 Gulden-Stücke (wer hatte schon so viele Kwartjes in seinem Portemonnaie!), heute 5 und/oder 10 Euro-Scheine. Der Name für diese niederländische köstliche Schnellverköstigung? Automatiek. Smiley mit geöffnetem Mund Meist steht allerdings „Febo“ draußen, eine Kette und mit seinem Gründer Johan Izaak de Borst der findige und geschäftstüchtige Erfinder im Jahre 1941. (Quelle: Wikipedia)

– Und darüberhinaus gibt es natürlich noch Fisch in allen Variationen. Von uns sehr geschätzt ist kibbeling, die niederländische Variante von fish ‘n chips.

Kibbeling

Lageplan Camping ZeeburgWenn euch jetzt noch interessiert, wo in Amsterdam wir stehen: Es gibt einen Campingplatz nur 5km vom Hauptbahnhof (Centraal Station) entfernt. Einen Wohnmobilstellplatz gibt es seit einiger Zeit zwar auch, aber erstens liegt der nicht zentraler, zweitens in einem Industriegebiet, was uns nicht sicher genug ist, zumindest nicht im Winter und drittens ist es dort teurer als hier. Wir stehen auf dem Campingplatz „Zeeburg“ auf einer Insel/Polderlandschaft zwischen dem Amsterdam-Rijnkanaal und dem IJ. Wie auf der Karte zu sehen (blauer Punkt), sind wir von Wasser umgeben und entsprechend ruhig ist es hier.

Lage des Campingplatzes (blauer Kreis)Lage des Campingplatzes (blauer Kreis)

Die „Pötte“ auf dem nahen Kanal hört man ganz leise brummen und zwischen den Bäumen hindurch kann man sie vorbeiziehen sehen. Auf der anderen Seite schaut man über das Wasser hinüber nach Zeeburgereiland. Die Niederländer sind ja genial darin, Wasserflächen bebaubar zu machen und so verwundert es nicht, dass der Campingplatz auch gerade vergrößert wird.

Camping ZeeburgCamping ZeeburgAmsterdam-RijnkanalNatur in AmsterdamCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping Zeeburg

Es scheint aber gerade Baustopp zu sein, es gibt zwar einen Bauzaun, passieren tut aber nichts.

Camping ZeeburgCamping Zeeburg

Von unserem Platz aus können wir unter der Brücke des Autobahnringes A10 hindurch bis zur Fußgängerbrücke hinüber zum Steigereiland laufen. Dort ist seit 2005 eine „schwimmende Stadt“ entstanden, bestehend aus Häusern, die auf schwimmenden Fundamenten aus Betontanks errichtet wurden.

rund um den Campingplatzrund um den Campingplatzrund um den Campingplatzrund um den CampingplatzBlick auf Steigereilandschwimmende Häuser

Leben auf dem Wasser ist in den Niederlanden weitverbreitet und stellt bei steigendem Meeresspiegel eine durchaus interessante Alternative dar. So entstand der gesamte neue Stadtteil IJburg ab 2005. Er wird gebildet aus drei mit Brücken verbundenen Inseln: Steigereiland, Haveneiland und Rieteilanden. Wir hatten das Glück, ein fertiggestelltes Haus auf dem Weg dorthin zu sehen.

Wasserhaus

Amsterdam 5 Eine Möglichkeit für uns, in die City zu kommen, ist die Straßenbahnlinie 26 mit Endstation IJberg. Wir müssen neben dem Campingplatz auf die Amsterdamsebrug hoch und laufen dann in einem großen Bogen übers Wasser. Von oben hat man unter anderem solche Ausblicke:

HausbooteHausbooteHausbooteHausbooteHausboote

Anfahrt zum Campingplatz Auf dem Kartenausschnitt kann man gut erkennen, dass die Anfahrt zum Campingplatz ein paar Tücken hat! Von der A10 kommend muss man an der Kreuzung IJburglaan/Zuiderzeeweg nach links abbiegen und gleich darauf wieder nach rechts. Dort geht es vermeintlich aber nur auf einen P+R-Parkplatz. Uschis CoPilot hat sie geradeaus weitergeschickt und das Hinweisschild zum Campingplatz kann man wirklich leicht übersehen! Geradeaus geht es aber nicht zum Campingplatz, sondern über die Brücke des Kanals und weiter Richtung Innenstadt. Mein Tommie, obwohl nicht aktuell upgedated, schickte mich dann tatsächlich nach rechts! Nach Uschis Warnung hatte ich mir den Straßenverlauf auf Google Maps genau angeschaut und vertraute darauf, dass ich auf dem Parkplatz nicht mühsam würde wenden müssen. Man glaubt nämlich wirklich nicht, dass es nach der Einfahrt weiter geht! Verwirrtes Smiley

Ich sagte schon, dass wir super stehen, oder? Erstaunlicherweise ist auch jetzt, mitten im Winter, reger Publikumsverkehr. Die meisten bleiben aber weiter vorne stehen, sodass wir keine Nachbarn haben.

unsere Plätze

Jetzt in der Nebensaison kostet der Stellplatz incl. einer Person €16. Inbegriffen sind die Nutzung des (ganz neuen) Sanitärgebäudes, Sanitärgebäude Entsorgung, WLAN und Strom mit 10A Absicherung. Seit diesem Jahr erhebt die Stadt Amsterdam allerdings eine „Kurtaxe“, wohl eher Touristensteuer, von 7% des Übernachtungspreises plus €1 pro Person und Nacht. Wir zahlen also aktuell €18,12/Nacht.
 
 
In den Sommermonaten dürfte der Platz vor allem von jungen Rucksackreisenden frequentiert werden. Dafür sprechen die bunten, zahlreich vorhandenen „Cabins“ und „Wagonetten“. Sie stehen sehr dicht beieinander, bieten Platz für 2-4 Personen, wobei „Platz“ eigentlich nur Schlafplatz meint. Die Ausstattung ist äußerst minimalistisch und auf gutes Wetter ausgelegt. Aber vermutlich sind die Bewohner sowieso den ganzen Tag und die halbe Nacht (oder umgedreht) unterwegs und da reicht es dann, wenn man ein Bett hat. Cooles Smiley

Camping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping Zeeburg

Auch hier möchte man (möchten wir) im Sommer wohl eher nicht sein, weder auf dem Campingplatz noch in Amsterdam selbst. Der Touristenansturm ist mittlerweile so groß, dass die Einheimischen schon protestieren. Aber Amsterdam liegt auch auf einem der vorderen Plätze der beliebtesten Großstädte Europas! Das untermauern die 8 Millionen Besucher pro Jahr eindringlich. Der absolute Wahnsinn sind allerdings die Radfahrer! 58% der Amsterdamer benutzen ihr „Fiets“ täglich, dazu kommen noch die Touristen auf ihren Mietfahrrädern. Überall in der Innenstadt sowie in allen Stadtteilen stehen Unmengen von Rädern abgestellt, an Laternenpfählen oder Brückengeländern angekettet, an Sammelplätzen und in sogenannten Fahrradgaragen, die sogar auf Schiffen zu finden sind. Endlose zweigeschossige Reihen mit ausgeklügelten Kipp- und Hebemechanismen. Maximale Parkdauer 7 Tage, dann bekommt das Rad eine Hinweismarkierung und wird danach vermutlich eingesammelt. Wir können uns vorstellen, dass viele Räder stehenbleiben, weil ihre Besitzer sie einfach nicht mehr finden. Laut lachen Und ein altes Rad entsorgen geht so auch ganz einfach.

RadgarageFahrräder in Amsterdam

Noch eine Besonderheit ist uns aufgefallen: Es gibt winzige „Autos“ für maximal zwei (schlanke) Personen. 2,28m lang, 1,10m breit, 1,63m hoch und mit €12.000 aufwärts gar nicht mal so preiswert. Sie werden ursprünglich als Behindertenfahrzeuge gebaut, dürfen ohne Führerschein auch auf Radwegen und sogar in Einkaufszentren gefahren werden und auf den Gehwegen parken. Inzwischen scheinen sie einen Kultstatus zu haben. Sie heißen Canta und sind sehr oft in rot unterwegs, vermutlich, damit man sie nicht aus Versehen übersieht! Smiley mit geöffnetem Mund

CantaCanta

Einen Behindertennachweis scheint man nicht zu benötigen! Die neuen Modelle fahren elektrisch. Es gibt alle möglichen Sonderausfertigungen, z. B. auch die Möglichkeit, mit dem Rollstuhl hineinzufahren und aus diesem heraus den Canta zu steuern! Auch im Behindertensektor waren die Niederlande immer schon Vorreiter, oder wer hat schon jemals in Deutschland ein Fahrrad gesehen, das einen Rollstuhl integriert hat? Mein Bruder und ich haben schon in den 1990er-Jahren geunkt, dass wir im Alter dann mal so durch die Gegend fahren könnten. Wäre jetzt an der Zeit!!! Sarkastisches Smiley

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

See oder Meer?

 

Der Grund, warum wir nicht über Silvester in Elsfleth blieben, war profan, aber für uns bedeutungsvoll: Unser Internetvolumen war fast aufgebraucht. Und DVB-T funktionierte dort nicht. Silvester ohne die Möglichkeit, irgendeine Sendung im Fernsehen schauen zu können, erschien vor allem mir nicht besonders reizvoll. In Urk, wo wir sowieso hin wollten, gab es ein freies WLAN. Wenn wir gewusst hätten, dass die Bedingungen dort zu Silvester so sein würden, dass keiner von uns nach fernsehen sein würde, wären wir in Elsfleth geblieben, Internet hin oder her. Aber so ist das mit den Erfahrungen, man muss sie erst machen, bevor man weiß, was richtig und was falsch war. Zwinkerndes Smiley

Urk ist ein nettes holländisches Städtchen und der Stellplatz liegt zentral und malerisch am Hafen. Er ist mit allem ausgestattet, was man braucht und mit €10/Nacht absolut akzeptabel, zumal der Strom und zeitunabhängiges Duschen in einem großzügig gestalteten Sanitärgebäude inbegriffen sind.

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Wir kamen am 30. Dezember am Nachmittag dort an und hielten die Knallereien auf dem benachbarten PKW-Parkplatz für zwar unangenehm, aber da mussten wir halt durch, einen Tag vor Silvester. Gut, es war etwas heftiger, als wir es aus den letzten Jahren in Deutschland gewöhnt waren. Am Dienstag waren alle Geschäfte geschlossen, Silvester scheint in den Niederlanden schon ein Feiertag zu sein. Wir hätten unsere Mobile auch nicht allein stehengelassen, nach dem, was ab 11 Uhr vormittags abging. Aber darüber habe ich ja schon berichtet…

So kamen wir erst am Neujahrstag dazu, einen Spaziergang durch das Städtchen zu machen und fanden es allerliebst, von den überall verstreuten Spuren der Silvesterknallerei mal abgesehen. Ich bin schon seit bestimmt 20 Jahren nicht mehr in Holland gewesen, ein kurzer Segeltörn auf einem Plattbodenschiff im Spätsommer 2002 nicht mitgerechnet. Beim Schlendern durch die schmalen Gässchen wusste ich sofort wieder, warum es mir früher in Holland immer so gut gefallen hat. Unsere niederländischen Nachbarn haben ein ausgeprägtes Faible dafür, ihr Zuhause schön zu machen und sie haben ein gutes Gefühl für Arrangements. Das ist erkennbar daran, wie liebe- und phantasievoll sie ihre oft winzigen Vorgärten gestalten und an der Dekoration ihrer Fenster. Wie für die Niederlande typisch sind auch in Urk hohe Fenster üblich mit sehr tiefsitzenden Fensterbänken. Es scheint niemandem etwas auszumachen, dass jeder, der vorbeigeht, in die Wohnungen hineinschauen kann. Gardinen und Vorhänge sind ja nicht üblich, aber vielleicht möchte man mit den Dekorationsgegenständen die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden binden, damit sie vorbei sind, bevor sie Zeit gehabt haben, in die Stube zu schauen. Cooles Smiley

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Wir hatten schon für 6 Nächte gezahlt und hofften ja auch, dass es mit jedem weiteren Tag weniger werden würde mit der Lärmbelästigung. So kam es zu weiteren Spaziergängen zum Leuchtturm, zum einzigen kleinen Strand und durch den Hafen.

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UrkIn der Nähe des Leuchtturms gibt es ein Denkmal. Eine Fischerfrau hält Ausschau nach dem zurückkehrenden Schiff ihres Mannes. Rundherum an den Wänden sind Tafeln angebracht, die mit Jahreszahl und Namen auflisten, wieviele Seeleute nicht mehr lebend zurückkamen. Die Aufzählungen begannen im 18. Jahrhundert und endeten 2015. In manchen Jahren gab es gar keine Toten, irgendwann wurden die Namen um den Namen/die Kennung des jeweiligen Schiffes ergänzt und da konnte man ablesen, dass manchmal drei oder vier Männer einer Familie gleichzeitig auf See geblieben sind. Unvorstellbares Leid!

Urk verlor seine Bedeutung als Fischereihafen 1932 mit dem Bau des Abschlussdammes, der die ehemalige Zuiderzee zum offenen Meer abtrennte, was der Landgewinnung und dem Küstenschutz diente. Da der größte Teil der Niederlande unter dem Meeresspiegel liegt, ist der Deichbau immer schon von größter Bedeutung. Trotzdem wurde das Land immer wieder von verheerenden Sturmfluten heimgesucht. Schon im 17. Jahrhundert gab es Pläne für eine Abtrennung der Zuiderzee, die aber mit den damaligen technischen Mitteln nicht umzusetzen waren. Erst 1927 begannen die Bauarbeiten. Mit der vollendeten Schließung der Nordseebucht Zuiderzee entstand über die Jahre ein großer Süßwassersee. See heißt im Holländischen „Meer“ (und unser deutsches Meer heißt „Zee“) und so entschied man sich für der Namen „IJsselmeer“, weil der Fluss IJssel hier seine Mündung hat.

UrkWir blieben bis zum Sonntag. Das Wochenende wurde noch einmal heftig. Nicht nur, dass immer wieder unvermittelt irgendwo eine Böllerei losging, sondern auch, weil niederländische junge Männer offenbar nichts lieber tun, als bis in die frühen Morgenstunden hinein mit ihren frisierten Mopeds durch die Gegend zu knattern, am liebsten da, wo sie möglichst viele Menschen stören. Dazu kamen Horden von grölenden Nachtschwärmern! Im Hafenbereich gibt es einige Lokale, außerdem ist ein Hafen immer ein beliebter Treffpunkt. Wir standen zwar nicht allein auf dem Stellplatz, aber doch gut sichtbar und nicht geschützt. Gut geschlafen haben wir nicht! Und wenn man so wach liegt und das Treiben draußen anhört, kommen einem alle möglichen Gedanken aller möglichen Schikanen und man wird sich seiner eigenen Angreifbarkeit doch sehr bewusst.

Urk hat uns wirklich gefallen, aber auf diesen Wohnmobilstellplatz werden wir sicher nicht mehr fahren. Sehr schade! Trauriges Smiley

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written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Navigare necesse est

 

Ich springe noch einmal kurz zurück in das letzte Jahrzehnt!

Am 2. Weihnachtstag bugsierten wir Oscarlotta wieder durch die Deichlücke und verabschiedeten uns von Luise. Mit viel Wehmut, weil dies das letzte Mal gewesen sein kann, dass wir auf diesem tollen Privatstellplatz gestanden sind. Weinendes Smiley

bei Luise

Ich wollte unbedingt mal auf die „Platte“ nach Cuxhaven und hatte mir überlegt, dass am Donnerstag die Weihnachter vielleicht wieder nach Hause gefahren sind und die Silvesterer erst am Freitag kommen und wir somit eine Chance auf einen bzw. zwei Plätze in der ersten Reihe haben würden. Wie naiv von mir!!! Erstauntes Smiley Schon vom unteren Parkplatz aus war sichtbar, dass der Platz VOLL ist. Wir gingen trotzdem mal zu Fuß gucken. Es gibt 100 Stellplätze auf einer großen gepflasterten Fläche, teilweise total schräg. In der ersten Reihe überwiegend große, teure Wohnmobile, fast überall stand noch ein PKW quer. Sie schauten allerdings fast alle vor die Bordwand eines Frachtschiffes! Nur wenige Plätze boten einen Blick aufs Wasser, aber auch da geht schön anders. Wir hätten mittendrin sogar noch zwei Plätze nebeneinander bekommen können, aber die waren sooo schief, nein danke. Überhaupt gefiel es uns dort absolut nicht! Und so war ohne Diskussionen klar, dass wir nicht bleiben würden.

CuxhavenCuxhavenCuxhaven

Uschi weiß ja immer noch mindestens eine Alternative und die hieß Elsfleth. Das ist ein kleines Städtchen ungefähr mittig zwischen Bremen und Bremerhaven, aber links der Weser. Der Stellplatz bietet Stellflächen für 28 Wohnmobile und liegt im Hafengebiet direkt an der Hunte, einem Nebenfluss der Weser. Die Anfahrt gestaltete sich etwas schwierig, da die Hauptzufahrtsstraße wegen Bauarbeiten gesperrt und keine Umleitung ausgeschildert war. Uschi gab mir die Bedingungen zwar durch, trotzdem bog ich an einer T-Kreuzung verkehrt ab, weil mir die andere Richtung sehr eng aussah. Es wurde aber noch viel enger! Krankes Smiley An den parkenden PKWs kam ich nur vorbei, weil ich den Bürgersteig als Fahrbahnerweiterung nutzte. Zum Glück gab es keine Straßenlaternen oder überhängende Balkone! Ich liebe meine Oscarlotta, aber das, was sie als Wohnmobil so angenehm macht, ist, wenn sie als Reisemobil fungiert, ab und zu von Nachteil. Nachdem ich eine große Ehrenrunde gefahren hatte, kam ich genau dort wieder heraus, wo ich von der Hauptstraße abgebogen war. Okay, jetzt musste ich dann wohl an der T-Kreuzung nach rechts! Es kam mir zum Glück niemand entgegen und bald sah ich Uschi schon wartend und frierend auf der Straße stehen. Jetzt noch durch ein schmales Tor und ich war da! Sehr schön, außer uns gab es nur ein weiteres Wohnmobil!

Elsfleth

Es war Kaffeezeit, aber bis ich nach einem Fahrtag meine Wohnordnung wieder hergestellt habe, dauert es ein wenig. Uschi hatte schon herausgefunden, dass es in 200m ein Café geben sollte. Ob das am 2. Weihnachtstag allerdings geöffnet sein würde? Wir versuchten unser Glück! Café am Markt stand an einem Haus, allerdings sah es hinter der Eingangstür eher aus wie an der Rezeption eines Hotels. Über dem Durchgang ein Stück weiter stand allerdings „Café und Restaurant“. Ich wunderte mich, dass in dem Bereich bis dorthin mehrere ältere Menschen mit Rollatoren saßen! Der Caféraum war mit gedeckten Tischen bestückt, aber leer. Irgendetwas war seltsam! Uschi ging noch einmal heraus und fragte, ob dies wirklich das Café am Markt sei? Nein, das gäbe es schon lange nicht mehr, aber einen Kaffee und ein Stück Kuchen würden wir trotzdem bekommen. Wir nahmen Platz und bemerkten, dass die Serviettenringe aufgedruckte Namen aufwiesen. Die nette Dame, die unsere Wünsche entgegen nahm, bejahte unsere vorsichtige Frage, ob wir in einem Altenheim seien, beteuerte aber gleichzeitig, dass es sich auch um ein öffentliches Café handele. Ich fragte sie später, ob das wirklich so sei oder ob sie nur nett zu uns sein wollte, so nach dem Motto, wir könnten ja die nächsten Bewohner sein. Smiley mit geöffnetem Mund Sie erzählte uns, dass es in ihren beiden Häusern auch einen öffentlichen Mittagstisch geben würde und gab uns sogar eine Speisenübersicht für die laufende Woche mit. Nun sind wir ja nicht die Mittagessenliebhaber, aber die Sache an sich ist natürlich super. Ich könnte mir vorstellen, dass das von Wohnmobilisten bestimmt gerne in Anspruch genommen wird, vorausgesetzt, man erfährt davon. Vielleicht ist das Aufgabe der Touristeninformation, die ihren Pavillon am anderen Ende des Hafenbereichs hat, gerade aber bis zum 7. Januar geschlossen war. Dort kann man normalerweise auch Duschen und Toiletten benutzen.

ElsflethElsfleth

Der Ort ist überschaubar und verfügt nur über ein paar Geschäfte. Ein großer Edeka-Markt ist in ca. 300m Entfernung und ungefähr 500m vom Stellplatz entfernt findet man an der B212 einen gut sortierten Rewe-Markt sowie einen hochmodernen Aldi und einen Lidl. Einkaufstechnisch also vom Feinsten! In der wärmeren Jahreszeit wird der Stellplatz bestimmt gut frequentiert sein, man kann Rad fahren oder baden oder Vögel beobachten direkt gegenüber auf dem Elsflether Sand, einer Halbinsel zwischen der Hunte und der Weser. Erreichbar über das Huntesperrwerk, das pro Stunde für wenige Minuten nur für Fußgänger und Radfahrer geöffnet wird. Und nicht nur die Touri-Info mit ihrem Panorama-Restaurant hat dann im Sommer geöffnet, sondern auch die italienische Eisdiele im Ort! Cooles Smiley

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Eine Touristenattraktion ist der Dreimast-Gaffelschoner „Großherzogin Elisabeth“, ein Segelschulschiff von 1909. Es ist immer noch in Betrieb, im Frühjahr und Herbst mit Ausbildungsfahrten der Nautikstudenten des Fachbereichs Seefahrt der Jade Hochschule und im Sommer werden Wochenendfahrten für jedermann durchgeführt. Bei Besichtigungen erhält man mit dem Stellplatzticket (€8/Nacht, zahlbar an einem Kassenautomaten) 50% Ermäßigung. Jetzt lag das Segelschiff festgemacht und nicht zugänglich am Kai und so blieb uns nur, das Anlegemanöver eines Frachtkahns zu beobachten.

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So klein Elsfleth auch ist, so bedeutend ist seine Vergangenheit. Begünstigt durch seine Lage am Zusammenfluss von Weser und Hunte sowie durch die Nähe zur Nordsee entwickelte sich früh eine Verbundenheit zu Seefahrt und Schiffbau. 1875 gehörte Elsfleth zu den größten Reedereiplätzen Deutschlands. 22 Reedereien waren hier ansässig und mehrere Werften bauten Segelschiffe. Bereits 1832 wurde eine Navigationsschule gegründet, aus der die heutige Seefahrtschule hervorging.
(Quelle: Wikipedia)

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Im Laufe der nächsten Tage kamen noch einige weitere Wohnmobile, aber voll wurde es nicht. Uschi zog um auf die nächste Spur, damit ihr Solarmodul eine Chance hatte, die Sonne einzufangen. Der Plan war, über Silvester dort zu bleiben. Warum wir uns umentschieden haben, das ist eine andere Geschichte. Zwinkerndes Smiley

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written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Silvester? Bitte erst nächstes Jahr wieder!!!

 
Es ist Silvesterabend.
Ich bin bekennender Silvesterfeuerwerksundknallereifan. Ja, natürlich ist das ein eigentlich und absolut völlig überflüssiges Geschehen; mit dem Geld, das da innerhalb weniger Stunden in die Luft geballert wird, könnte man seeeeehr viel gescheiteres anstellen. Und die ganze Tierwelt kann einem nur Leid tun! Von der Umweltverschmutzung wollen wir besser erst gar nicht reden!!! Ich ballere nicht selbst, aber die Knallerei und der Lichterzauber um Mitternacht haben mir immer schon gefallen. Bisher!!! Erstauntes Smiley Wir stehen seit gestern in Holland am Ijsselmeer in einem kleinen, beschaulichen Städtchen namens Urk, direkt am Hafen auf einem offiziellen Wohnmobilstellplatz. Seit gestern werden wir beschallt! Nicht nur ab und zu, sondern permanent. Der Stellplatz ist ein abgeteilter Bereich eines Großparkplatzes und dort fuhren laufend PKWs mit jungen Männern hin, der Kofferraum wurde geöffnet und es wurde geballert, was das Zeug hält! Dann fuhr man mit absolut überhöhter Geschwindigkeit aus dem Hafenbereich wieder heraus. Ich stehe mit Oscarlotta direkt an der Straße, der Stellplatz verfügt über 20 Plätze und Uschi hat nur noch diese zwei nebeneinanderliegenden Plätze bekommen, alles andere war voll, überwiegend mit deutschen Wohnmobilen. Die Nacht war ab 2 Uhr einigermaßen ruhig, aber ab 11 Uhr am Vormittag ging es wieder los. Und hörte nicht mehr auf! Enttäuschtes Smiley Erst fand ich es ja noch nett, schon lange vor Mitternacht Feuerwerk zu erleben. Wenn es aber über Stunden immer mehr und lauter wird, ist es irgendwann nicht mehr lustig, sondern nur noch lästig. Als dann aber Jugendliche von der anderen Straßenseite aus anfingen, Böller unter Oscarlotta hindurchzuwerfen und oben über die nachfolgenden Mobile, hörte der Spaß ganz sicher auf! Das Dumme war, dass es angefangen hatte, total neblig zu sein. Ich rief ein paarmal über die Straße, dass sie aufhören sollen mit dem Sch… und dass ich die Polizei rufen würde und ging, als das keinen Erfolg hatte, in ihre Richtung. Aber ich sah noch nicht einmal, wohin ich ging, keinen Meter weit. Folglich konnten sie mich auch nicht sehen und die Gefahr, dass mir ein Feuerwerkskörper entgegenkommen würde, war mir zu groß! Einer der Nachbarn war auch unterwegs, aber er war ebenfalls erfolglos. Ein belgischer Wohnmobilist hatte vorher schon versucht, den Jugendlichen klarzumachen, dass ihr Verhalten gefährlich für uns werden kann. Zwei Stunden war Ruhe, sie waren, wie sich herausstellte, auf dem gegenüberliegenden Schiff gewesen, legal oder illegal, mit oder ohne Alkohol. Jetzt ging es wieder los! Der Nebel hatte sich etwas verzogen und ich konnte sieben Halbwüchsige erkennen, die sich gegenseitig mit Feuerwerkskörpern bewarfen und sich damit brüsteten, wer sie am längsten in der Hand behielt. Im letzten Moment wurden sie weit von sich geschleudert, nicht sehr kontrolliert. Das wurde mir zu bunt! Erzürnt Ich wählte die 112, ein Mann fragte, ob ich die Feuerwehr, die Notambulanz oder die Polizei bräuchte und verband mich dann mit der Polizeidienststelle vor Ort. Eine Polizistin, die deutsch verstand, versprach, einen Streifenwagen zu schicken. Als die Herumwerferei immer mehr ausartete, ging ich raus und stellte mich sichtbar zusammen mit Uschi hinter Oscarlotta. Zum Glück kamen einige der Nachbarn dazu und die Jugendlichen traten den Rückzug an. In dem Moment kam ein Polizeiwagen, bog aber leider in die verkehrte Richtung ab und umrundete den gesamten Großparkplatz. Bis er bei uns angekommen war, waren die Jugendlichen natürlich längst verschwunden. Die Polizisten waren sehr nett, der Belgier teilte ihnen noch seine Version mit und sie sagten, wenn noch etwas sei, sollten wir wieder anrufen.
Das war gegen 21 Uhr und selten habe ich einen Jahreswechsel so herbeigesehnt! Augen rollendes Smiley 10 Stunden Zwangsgeböller können einem wirklich aufs Gemüt schlagen. Könnte es noch eine Steigerung geben? Eine Stunde vor Mitternacht wurde es fast ruhig, aber kurz vor 12 kam der Höhepunkt!!! Rundherum, zum Glück mit ausreichendem Abstand, wurden professionell anmutende Feuerwerke zelebriert. Was es da inzwischen alles gibt! Im Sekundentakt werden immer andere Raketen in den Himmel geschossen. Ich muss gestehen, dass mir das trotz allem sehr gut gefallen und mich mit den Begebenheiten des Tages etwas versöhnt hat. Smiley Aber ganz sicher werden wir kein weiteres Silvester in den Niederlanden oder in Belgien verbringen. Wir wussten nicht, dass es in diesen beiden Ländern so verrückt zugeht!!!

Wir hoffen, ihr seid alle gut in das neue Jahr hineingekommen, feiernd, knallend oder schlafend!
Bei uns ergab sich über Instagram noch eine nette schriftliche Konversation auf spanisch mit einem mir völlig unbekannten Argentinier, dessen Account ich folge. Der musste noch vier Stunden länger auf das neue Jahr warten. In Südamerika könnte es ebenfalls laut werden, aber ob man da auch so viel Geld übrig hat wie offensichtlich hier, keine Ahnung!