Nichts genaues weiß man nicht

 
 
Dieses emotional anstrengende Jahr 2020 neigt sich langsam dem Ende zu und auf ein Ende der Pandemie lässt sich zumindest hoffen, seit es den Wissenschaftlern in Rekordzeit offenbar gelungen ist, wirksame Impfstoffe zu entwickeln. Aber noch eine ganze Weile gilt es, auszuharren, was in den dunklen und kalten Wintermonaten um einiges schwieriger ist als im hellen, sonnigen, warmen Sommer. Was ich als besonders zermürbend empfinde, ist nicht, dass jetzt zwar, wie erwartet, klar ist, dass der Lockdown nicht Ende November beendet sein wird, sondern dass es in den Sternen steht, wann überhaupt. Über Weihnachten wird nun tatsächlich gelockert, bis Neujahr sogar, was nicht nur meiner Meinung nach sehr bedenklich, wenn nicht fahrlässig gefährlich, unverständlich und kontraproduktiv ist. Ich gehe davon aus, dass der nächste Lockdown folgen wird/muss und die Freizeiteinrichtungen, also auch die Stell- und Campingplätze, als letztes wieder geöffnet werden dürfen, vielleicht erst zu Ostern. Enttäuschtes Smiley Das bedeutet, bis dahin muss ich irgendwo ausharren und dann fahren wieder alle gleichzeitig los, den verständlichen Nachholbedarf ausleben. Keine mutmachenden Aussichten!

Aber da alles Jammern nichts nützt, habe ich, um euch und mir zumindest den Dezember etwas zu versüßen, auch dieses Jahr wieder einen Adventskalender (nein, OHNE Schokolade) gebastelt. Vielleicht habt ihr etwas Freude daran!

Passt auf euch auf und bleibt gesund!

Wilde Zicke und der Dom zu Naumburg

 
 
Bevor der Lockdown mich zum zweiten Mal in diesem Jahr ausbremste, war ich noch in Naumburg. Das liegt auf der Route nach Mecklenburg-Vorpommern, wo ich ja eigentlich hin wollte, zwecks erneuter Reparatur meiner Fahrerhaus-Klimaanlage. Und da ich ja noch ein paar andere Dinge auf meiner to-do-Liste hatte, erfreute mich, im Internet zu finden, dass es in Naumburg einen Wohnmobilhändler mit Werkstatt UND Wohnmobilstellplätzen gibt. Nach einem eMail-Wechsel war meine Freude allerdings gleich wieder weg. Nein, die Stellplätze gebe es nicht mehr. Nein, HU und AU könne bei ihnen nicht gemacht werden, auch kein Ölwechsel, mein Fahrzeug sei für ihre Halle zu groß. Aber den undichten Haubendeckel des Badezimmerluks könne man tauschen, das sei kein Problem. Und ich solle doch auf die Vogelwiese fahren, da könne ich stehen.
Das Internet sagte mir, dass die Vogelwiese ein Großparkplatz ist mit einem ausgewiesenen Bereich für 15 Wohnmobile, mit €10 plus €2/Person Kurtaxe nicht gerade preiswert, aber stadtnah. Als ich ankam, standen drei Wohnmobile außerhalb des Areals und vier innen, außerdem noch ein Wohnwagen ganz hinten. Nach Erkundung der Gegebenheiten war mir auch klar, wieso – es gibt nämlich nur zwei Stromsäulen à vier Steckdosen am Grünstreifen, der den Wohnmobilbereich vom Parkplatz trennt und die waren natürlich alle belegt! Mist, kein Kaffee! Ich räumte Oscarlotta in den Wohnzustand zurück und beobachtete mit einem Auge das Geschehen draußen. Es war Sonntagnachmittag und tatsächlich zog der Wohnwagenfahrer sein Stromkabel ab und fuhr. Ich war blitzschnell draußen! Doch noch ein Sonntagsnachmittagskaffee zu meinem Kuchen. Smiley

VogelwieseVogelwiese

Bezahlt wird an einem Parkscheinautomaten, nur mit Münzen. Man könnte sich allerdings auch eine App herunterladen und darüber bezahlen. Die Verweildauer ist auf drei Nächte beschränkt, aber das interpretiere ich in der Regel so, dass es nur für die Sommermonate gilt. Mein Ticket gewährte mir einen Aufenthalt bis zum übernächsten Tag 8 Uhr! Nun, dann könnte ich nur hoffen, dass mich ein Kontrolleur nicht aus dem Bett klopft, denn ich stehe sicher nicht um acht auf, um ein neues Ticket zu ziehen. Vorsichtshalber schrieb ich mal drauf, dass ich verlängern werde.
Die Nacht (und alle weiteren Nächte auch) war ruhig, es klopfte niemand und von den PKWs hörte man nichts, sie standen überwiegend im vorderen Parkplatzbereich. Die Nachbarschaft wechselte allerdings täglich und da gibt es leider immer wieder „Kollegen“, die glauben, wenn sie wach sind, sind das alle anderen auch. Erzürnt Alle weiteren Tickets zeigten übrigens einen Zeitbereich von exakt 24 Stunden ab Anforderung und ich freute mich, die ersten zwei Nächte zum Sonderpreis bekommen zu haben.

Naumburg Um in die Stadt zu gelangen, muss man nur den Parkplatz und eine Ringstraße und Gleise überqueren. Auf den Gleisen kam dann auch just in dem Moment eine niedliche, feuerrote Oldtimer-Straßenbahn. Süß!
 
 
 
 
 
Wilde Zicke

Ich lief durch Nebenstraßen mit kleinen und altertümlichen Häuschen, teils unrenoviert, teils sehr hübsch ausgearbeitet, in Richtung Dom. Vom Naumburger Dom hat wohl jeder schon einmal gehört, er gilt als eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler aus der Zeit des europäischen Hochmittelalters und ist seit 2018 als UNESCO-Welterbestätte deklariert.

Schon von weitem ist der Dom St. Peter und St. Paul mit seinen vier imposanten Türmen nicht zu übersehen.

Naumburger DomNaumburger DomNaumburger DomNaumburger DomNaumburger DomNaumburger Dom

Sein Inneres beeindruckt durch das unglaublich realistische Werk eines völlig unbekannten Steinbildhauers. Es ist von ihm nichts überliefert, kein Name, kein Geburtsdatum, keine Herkunft, nur sein spektakuläres Werk. Unnachahmbar und unvorstellbar, wie es möglich sein kann, aus Stein derart lebendige, naturgetreue Darstellungen, Handlungen, Mimiken und Gestiken zu erschaffen. Völlig zu Recht spricht man von ihm nur als von dem „Naumburger Meister“.

Naumburger DomNaumburger Dom

Ein Großteil des Domes, wie er heute erhalten ist, wurde bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut und 1542 fand in ihm die Amtseinsetzung des weltweit ersten evangelischen Bischofs statt, durch Martin Luther persönlich vollzogen.

Domgarten Ein Audio-Guide, eine Videovorführung, eine Domkunstausstellung im Untergeschoss und natürlich der Kreuzgang machen die Dombesichtigung wirklich lohnenswert. Ein großer Domgarten gehört auch noch dazu, aber dafür war das Nieselwetter nicht einladend genug. Nach der Besichtigung gab es für mich noch einmal Kaffee und Kuchen draußen, allerdings nicht mehr sehr komfortabel aufgrund feuchter Stühle und kalter Außentemperatur. Geschmeckt hat es trotzdem!

Kaffeezeit

Naumburg selbst ist ein hübsches Städtchen mit schön restaurierten Häusern, alles sehr gepflegt und überschaubar.

NaumburgNaumburgNaumburgNaumburg

In der Touristeninformation erfuhr ich, dass die historischen Straßenbahnen im Regelbetrieb fahren, auf einer einzigen Strecke vom Salztor bis zum Hauptbahnhof und zurück. Ich fuhr am nächsten Tag natürlich mit! Die Haltestelle war unweit des Stellplatzes und per Tageskarte hatte ich das Glück, in die Gegenrichtung bis zum Salztor fahren zu können und danach zurück bis zum Bahnhof. Hätte ich den Nachweis meiner bezahlten Kurtaxe dabei gehabt, hätte ich statt €3,50 nur €2,50 bezahlt! Augen rollendes Smiley

Wilde ZickeWilde ZickeWilde ZickeWilde Zicke

Die Straßenbahnlinie wurde bereits 1892 in Betrieb genommen und erhielt schon bald den liebevollen Kosenamen „Wilde Zicke“, sicherlich nicht unbegründet! 1991 wurde der Betrieb eingestellt, aber dank eines breiten bürgerlichen Engagements fährt sie seit 2007 wieder regelmäßig. Ein Straßenbahnzug fährt ständig hin und her, alle 30 Minuten pro Haltestelle, beginnend wochentags um 5 Uhr (!) bis abends 20 Uhr. Die Reservezüge stehen im öffentlich einsehbaren Depot.

StraßenbahndepotStraßenbahndepotStraßenbahndepotStraßenbahndepotStraßenbahndepot

Die Fahrdauer bis zum Bahnhof beträgt nur 15 Minuten und dort hatte ich eine halbe Stunde Aufenthalt, was für den Kauf eines neuen Feuerzeuges und den Verzehr von Kaffee und Kuchen (klar doch!) bei weit geöffnetem Fenster in einem Bäckereicafé reichte.

KaffeezeitKaffeezeit

Dann ratterte ich mit der wieder ankommenden Bahn gemächlich zurück, stieg aber bereits am Marientor aus und lief in der einsetzenden Dämmerung durch den Stadtkern zum Stellplatz zurück, mit einem kleinen Umweg, da ich mich trotz Stadtplans ein wenig verlief. Cooles Smiley

Marientor

Am nächsten Tag hatte ich meinen Werkstatttermin, nur 2km entfernt. Auf dem ursprünglichen Wohnmobilstellplatz stehen jetzt Ausstellungswagen. Überhaupt war das gesamte, ziemlich große Gelände mit Wohnmobilen „gepflastert“, die aber wohl zum überwiegenden Teil vermietet wurden. Vom Empfang wurde ich zu einem Bürocontainer bei der Werkstatt verwiesen, dort bat ich um drei weitere kleine Instandsetzungen bzw. Überprüfungen, was mit „Oh, ich weiß nicht, ob das klappt, der Zeitrahmen der Mitarbeiter ist sehr eng!“ beantwortet wurde. Ich möge doch bitte mit meinem Fahrzeug ganz nach hinten auf den Abstellplatz fahren und dann den Schlüssel bei ihnen abgeben. Manchmal schalte ich nicht sofort! Es kam mir zwar komisch vor, da ich in 15 Minuten meinen bestätigten Termin hatte, aber da, wo Oscarlotta parkte, konnte sie auch nicht stehenbleiben. Der Abstellplatz war voller abgestellter Wohnwagen und Wohnmobile und ein Arbeiter wies mir den einzigen noch freien Platz zu. Ich lief mit meinem Schlüssel zum Bürocontainer zurück und fragte, warum ich ihn denn abgeben solle, ich sei doch in meinem Mobil und hätte doch gleich einen Termin!? Sie könnten mich doch einfach anrufen, dann käme ich wieder nach vorne gefahren. Die Frau schaute mich verwundert an und erklärte mir, sie hätte mir doch vorhin gesagt, dass ich mein Mobil hierlassen müsste! Das hatte ich nicht gehört oder nicht verstanden, da es für mich ja völlig unrealistisch war. Ich wurde darüber aufgeklärt, dass es seit Anfang der Woche (es war inzwischen Mittwoch) in Sachsen-Anhalt eine neue Corona-Verfügung gebe, nach der Monteure erst nach drei Tagen in ein Wohnmobil gehen dürften. Erstauntes Smiley Völlig konsterniert fragte ich sie, warum man mich darüber nicht informiert habe und dass das für mich nicht machbar sein würde, da ich in meinem Mobil lebe und ob ich etwa für drei Tage in ein Hotel gehen solle??? Ratlosigkeit auf beiden Seiten! Ja, im Grunde müsse das so geschehen, hieß es und ich erwiderte, dass ich dann jetzt leider wieder fahren müsse. Zum Glück fiel mir dann aber ein, dass alle meine gewünschten Arbeiten, bis auf eine, auf die ich dann verzichtete, außen oder von außen durchzuführen waren. Ja, ob ich denn dann mein Fahrzeug bitte wieder holen könne? Ich konnte!

Unverzüglich erschien ein sehr netter junger Mann und kümmerte sich angelegentlich, sehr motiviert und ausführlich um meine Aufbautür. Wie bereits im letzten Sommer hatte ich die untere der drei Verriegelungsvorrichtungen der Schließanlage, einen der sogenannten „Tannenbäume“, vor Wochen wieder abschrauben müssen, da die Tür sich bei Sonneneinstrahlung dermaßen verzieht, dass sie weder von innen noch von außen zu öffnen ist. Der junge Mann setzte seinen ganzen Ehrgeiz daran, dieses Problem zu lösen und schloss dann, ganz im Vertrauen auf sein Werk, die Tür. Die war dann zu und blieb es auch!!! Ich glaube, er war genauso erschrocken wie ich. Kommentarlos verschwand er und tauchte erst nach ein paar Minuten mit einem Kollegen und zwei Stemmeisen wieder auf. Das schmalere passte zwischen Tür und Rahmen und gemeinsam gelang es ihnen, die Tür soweit anzuheben, dass sämtliche Verriegelungsstifte aus allen drei Tannenbäumen herausrutschen konnten. Das konnte er so nicht auf sich sitzen lassen! Er feilte, er schraubte, er ersetzte Schrauben durch seiner Meinung nach besser geeignete und war irgendwann mit seiner Arbeit zufrieden, nicht hundertprozentig, aber besser würde er es nicht hinkriegen! Mir reichte es völlig, spätestens im nächsten Sommer muss ich den Tannenbaum sowieso wieder entfernen.

Dann widmete er sich mit gleichem Elan dem Problem, dass die Duo-Control mir zwar sagt, wenn eine meiner zwei Gasflaschen leer ist, aber nicht mehr automatisch von der Gebrauchs- auf die Reserveflasche umschaltet, was ihre Aufgabe wäre. Das ist lästig, weil alle Gasflaschen dazu neigen, nachts leer zu werden, was zumindest im Winter nicht so angenehm ist. Er stellte auch fest, was die Ursache ist, konnte daran mangels Ersatzteil aber nichts ändern. Meine Vermutung, dass es sich vielleicht nur um einen Wackelkontakt handeln könne und sich das Problem durch seine umfangreichen manuellen Versuche eventuell aufgelöst haben könnte, erwies sich nach Tagen als halb richtig, indem jetzt die Duo-Control wieder automatisch umschaltet, mir das aber nicht anzeigt! Also genau das Gegenteil von vorher. Keine Ahnung, was ich besser finde.

Inzwischen war eine gute Stunde vergangen und er nahm Kurs auf das Büro mit der Bemerkung, dass er jetzt aber ein wenig Arbeitszeit aufschreiben müsse. Stopp! Mein Badezimmerluk müsse ja noch ausgetauscht werden, bzw. der Haubendeckel. Davon stände nichts auf seinem Auftragszettel! Ich reklamierte, deswegen sei ich doch eigentlich da, alles andere wären ja nur Zusatzwünsche gewesen! Er marschierte ins Büro und kam mit der Aussage zurück, dann müsse er jetzt mal nachfragen, ob ein Haubendeckel bestellt worden wäre! Jesus!!! Ich ahnte Schlimmes. Zum Glück schien die Sonne, Oscarlotta parkte direkt neben dem Vermiet-Container, davor stand eine Rattan-Sitzgarnitur. Ich machte es mir gemütlich und beobachtete, wie der junge Mann hin und her lief, den alten Haubendeckel abschraubte und mal mit und mal ohne ihn über den Werkstatthof eilte. Nach einer Viertelstunde tauchte er wieder auf und erklärte mir, dass diese Art von Haube nicht mehr bestellbar sei. Das habe der Werkstattleiter, der heute nicht im Haus sei, leider so nicht weitergegeben. Er habe aber in einer Ecke noch einen identischen gebrauchten gefunden, den könne er montieren, wenn ich das wolle. Natürlich wollte ich! Dann solle ich doch bitte im Büro nachfragen, was ich dafür bezahlen müsse, bevor er ihn aufschraubt. Ich versicherte, dass ich jeden Preis dafür bezahle, er möge doch bitte sofort anfangen. Aber ich hätte geglaubt, dass die schrecklich verdreckte Unterschale auch ausgetauscht würde? Seit Jahren hatte ich mich nicht mehr getraut, den Haubendeckel zum Säubern abzuschrauben, um die Risse rund um die Schraubenlöcher nicht weiter zu vergrößern. Nein, der würde nicht getauscht, aber er könne ihn mir ja schnell sauber machen!!! Im Büro überlegten zwei Frauen, was sie mir denn jetzt berechnen sollen. Das Luk würde neu wohl €220 kosten? Moment, ich habe kein ganzes Luk, sondern nur den Haubendeckel ausgetauscht und der kostet im Internet €69. Erneutes, etwas ratloses Überlegen. Ob ich mit €50 einverstanden sei? Ohne Rechnung? Bezahlbar direkt bar auf die Kralle bei ihnen, nicht vorne im Verkaufsraum. Ich holte Geld, bewunderte ein blitzblankes neugebrauchtes Luk, steckte dem netten jungen Mann ein Trinkgeld in die Hand und ging wieder in den Bürocontainer. Ja, was solle sie denn jetzt an Arbeitszeit berechnen, er habe gar nichts aufgeschrieben? Telefonisch war er nicht zu erreichen. „Ach, wissen Sie was, geben Sie mir einfach 50 Euro und gut ist es.“ Ich war inzwischen zwei Stunden vor Ort! Dann bekam ich von ihr noch einige Tipps zu Stell- und Campingplätzen in der Umgebung und, als ich davon sprach, dass ich Strom hauptsächlich für meine Kaffeemaschine brauche, zeigte die junge Frau mir ein Foto auf ihrem Handy, mit der Bemerkung: „Sie sind ja wohl aus dem Westen, nicht? Wir sind seit kurzem auch Camper. Ich zeige Ihnen mal, wie wir Ossis Kaffee kochen!“ Eine Thermoskanne mit aufgestecktem Porzellanfilter samt Filtertüte und gemahlenem Kaffee. Laut lachen JAAA, das kann ich auch, habe ich auch, versicherte ich ihr und erklärte ihr dann, dass das Problem dabei, wenn man diese Methode nur notfallmäßig ab und zu nutzen würde, der Kaffee sei, der über einen längeren Zeitraum seinen Geschmack verliert. Eine Alternative wäre vielleicht, seine Kaffeebohnen selbst zu mahlen?

Ich bat darum, dass mich jemand rückwärts über den Vorgarten des Vermiet-Containers hinausleiten würde, beim Hineinfahren hatte ich zweimal rangieren müssen und überall standen Wohnmobile herum, die ich nicht anfahren wollte. Ein Mitarbeiter wurde gerufen, der mich vorwärts durch das schmale Tor zum Werkstatthof leitete und dann um ein paar Ecken bis zur Straße vor mir her lief, obwohl ich ihm zurief, dass ich das jetzt auch alleine schaffen würde. Nein, er lief mitten auf die kleine Einliegerstraße, ließ einen LKW passieren, vergewisserte sich, dass kein weiteres Fahrzeug kam und gab mir dann das Zeichen, dass ich fahren könne. Daumen hoch

Mit Ausnahme des Werkstattleiters kann ich mich über die Arbeitsauffassung der Mitarbeiter dieser Firma wirklich nicht beklagen! Und gut, dass besagter Werkstattleiter mir weder mitgeteilt hatte, dass es den Haubendeckel nicht mehr gibt noch dass Mitarbeiter erst nach drei Tagen in ein Wohnmobil dürfen, dann wäre ich nämlich erst gar nicht nicht hingefahren und hätte keines meiner Probleme gelöst bekommen!

Abreise Vogelwiese

Aber nicht nur meine Probleme waren weg, als ich Naumburg verließ, sondern auch mein Fahrradsattel! Das merkte ich aber erst eine ganze Woche später, als ich in meinem Lockdown-Quartier Oscarlotta wusch und dafür den Fahrradträger samt Fahrrad abklappte. Noch nicht einmal beim Abklappen fiel es mir auf, sondern erst, als ich wie üblich den Träger mit einer Hand am Sattel wieder hochklappen wollte. Es brauchte ein oder zwei Sekunden, bis ich glaubte, was ich sah! Ein ungutes Gefühl beschlich mich, da ich nicht wusste, ob das noch in Naumburg passiert war oder erst hier, was mein Sicherheitsgefühl natürlich massiv beeinträchtigt hätte. Anhand von Fotos konnte ich zum Glück aber feststellen, dass es schon in Naumburg passiert sein muss.

Inzwischen hatte ich schon einen Wohnmobilnachbarn für eine Nacht, dessen Fahrer offenbar kein Problem damit hatte, das Absperrband zu öffnen. Im Morgengrauen war er wieder weg, das Flatterband hängt jetzt etwas durch und bezahlt hat er vermutlich auch nicht. Wenn er Glück hat, ist die Überprüfungskamera, die beim Rein- und Rausfahren die Kennzeichen scannt, ausgeschaltet. Am Wochenende stand für eine Nacht ein Kastenwagen parallel zur Absperrung außerhalb des eigentlichen Stellplatzes, sodass niemand mehr raus- oder reingekommen wäre. Die beiden Alternativen wären gewesen, sich auf die VE-Station zu stellen oder eben die Absperrung widerrechtlich zu öffnen. Dass man beides nicht befürwortete, finde ich eher löblich und mich hat es nicht gestört. Ich wollte bzw. durfte mit Oscarlotta ja sowieso nicht raus!

Drei einsame Wochen habe ich jetzt bereits rum. Die erste leere Gasflasche wurde mir von dem Gärtner hier getauscht und eine volle wieder mitgebracht. Dabei erfuhr ich, dass es eine Querstraße weiter einen Baustoffbetrieb gibt mit Gasflaschenverkauf/-tausch. Da bin ich in fünf Minuten zu Fuß und die zweite und dritte Gasflasche holte ich mir mit meiner Transportkarre. Wenn ich aufpasse, dass mir die Duo-Control nicht auch noch die andere Hälfte meiner LPG-Tankflasche leert, muss ich Oscarlotta nicht bewegen. Die Ent- und Versorgung erledige ich per Eimer und Gießkanne. Ich hoffe darauf, dass das Beherbergungsverbot Ende des Monats aufgehoben wird und ich wieder fahren kann, aber ich befürchte, dass das nicht so sein wird! Ob ich dann beim Ordnungsamt um Verlängerung bitte und Weihnachten und Silvester auch noch hier verbringe oder ob ich mir etwas anderes überlege, weiß ich noch nicht. Ich warte mal ab, was anderes bleibt mir ja nicht. Für den 1. Dezember habe ich einen Termin beim TÜV ganz in der Nähe gemacht und für den 2. Dezember einen Werkstatttermin in einer Iveco-LKW-Werkstatt für die anfallenden Servicearbeiten und zur Fehlersuche bei der Fahrerhaus-Klimaanlage. Erwähnte ich bereits, dass sie seit drei Jahren ohne bleibenden Erfolg repariert wird??? Müdes Smiley

Passt auf euch auf und bleibt gesund!

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Sch… Sch…

 
 
Leider gibt es absolut nichts zu erzählen, vielleicht müsste ich aber auch sagen, zum Glück!? Es passiert nämlich leider/zum Glück gar nichts. Ich stehe gut hier, wo ich stehe, aber die Gesamtsituation empfinde ich zunehmend als belastend. Wenn man die täglichen Corona-News verfolgt und sich anhört, was die medizinischen Fachleute mehr oder weniger deutlich sagen, so wird immer mehr klar, dass alle Maßnahmen nur dafür sorgen sollen (müssen!), dass die Krankenhäuser nicht an ihre Grenzen kommen. Ja, ich weiß, das war schon seit Beginn der Pandemie das Ziel (flatten the curve), aber irgendwie haben wir wohl alle geglaubt oder besser gehofft, dass mit den sinkenden Infektionszahlen nach dem ersten Lockdown das Virus verschwindet oder sich zumindest abschwächt. Nun, dem ist nicht so! War eigentlich klar, den Wissenschaftlern sowieso, aber alle geäußerten Bedenken in diese Richtung wurden jedes Mal sofort als Panikmache kritisiert. Dieses aus Hilflosigkeit resultierende „wir machen mal weiter wie vorher, mal sehen was passiert“ fällt uns jetzt leider auf die Füße. Langsam und unaufhaltsam wird wohl auch klar, dass die Rückkehr zum Normalbetrieb in den Schulen NICHT funktioniert. Die Sommermonate sind nicht dazu genutzt worden, umsetzbare Konzepte zu entwickeln, es wurden nicht entsprechende Geldmittel locker gemacht oder zumindest nicht ausreichend umfangreiche. Ein erhebliches Problem im Bildungsbereich, genauso wie im medizinischen Bereich, ist jedoch der akute Personalmangel! Woher so schnell LehrerInnen bekommen, um Klassen teilen zu können? Woher die Räumlichkeiten? Letzteres würde man noch mit Klassencontainern auf den Schulhöfen improvisieren können, aber realistisch wäre wohl nur ein täglich oder wöchentlich wechselnder Unterricht mit jeweils der Hälfte einer Klasse. Selbst dafür ist jetzt schon nicht mehr genügend Lehrpersonal da, weil immer mehr ausfallen, quarantänebedingt oder weil zur Risikogruppe gehörend. Die Lehrpläne hätten angepasst und deutlich reduziert werden müssen, damit die Wochenstundenzahl gesenkt werden kann und damit die Anzahl der Stunden, die pro Tag in geschlossenen Räumen verbracht werden muss.
Als ich in den 1960er-Jahren zur Schule gegangen bin, wurde der Schuljahresbeginn von Ostern auf nach den Sommerferien verlegt. Das ermöglichte man praktisch mit zwei sogenannten Kurzschuljahren. Vielleicht müsste man jetzt „Langschuljahre“ einführen, um den Bildungsstand aufrecht erhalten zu können, also vielleicht Versetzungen nur alle 1½ Jahre. Vielleicht wäre das ja nur ein einziges Mal nötig bzw. zweimal, um wieder zum Versetzungstermin Sommer zu kommen und um alle Restrisiken auszuschalten. Das würde bedeuten, dass allen Schülern ein (Schul-)Jahr verloren gehen würde. Wäre das sooo schlimm (passiert bei jeder Nichtversetzung) und wäre es wirklich ein Verlust? Natürlich kann ich nicht beurteilen, wie intensiv in den Kultusministerien und Schulämtern an Lösungen gearbeitet wird, aber was ich von Betroffenen – Eltern, Lehrern, Schülern – in den Sozialen Medien so lese, scheint das bisher so dolle nicht gewesen zu sein, sondern jede Schule musste sich ihre Konzepte selbst erschaffen. Ach ja, dann wären da noch die überfüllten Schulbusse…

Von meiner Einstellung zum Beherbergungsverbot hatte ich ja schon geschrieben. Nicht nur für mich und die anderen Fulltimer bedeutet das einen gravierenden Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte und es bleibt zu befürchten, dass die Akzeptanz der Menschen für coronabedingte Einschränkungen damit nicht vergrößert werden wird. Was wird denn zu Weihnachten passieren? Wird das Beherbergungsverbot aufgehoben, werden wir wie im Sommer einen absoluten Nachholbedarf erleben, zumal es vielen Menschen unvorstellbar ist oder erscheint, an Weihnachten nicht so im Kreise der Familie zu feiern wie immer. Wird das Beherbergungsverbot nicht aufgehoben, finden die meisten Feiern trotzdem statt, nur mit dem Unterschied, dass der Besuch dann auch noch über Nacht bleiben muss. Und über Weihnachten setzt man dann auch die Kontaktbeschränkungen mal kurz außer Kraft? Der nächste Lockdown ab Mitte Januar ist dann schon vorprogrammiert. In China wurde kurz vor dem wichtigsten Familienfest des Jahres, dem Neujahrsfest, ein rigoroser Shutdown beschlossen, durchgeführt und kontrolliert und das übliche landesweite Reisen zur Verwandtschaft unterbunden. Ach ja, stimmt, da gibt es eine diktatorische Machtstruktur. Geht also bei uns nicht! In einer Demokratie arbeitet man mit so wenigen Verboten wie möglich und setzt auf die Mitarbeit, Einsicht und Vernunft der Bürger. In Schweden, den Niederlanden und ? scheint das zu funktionieren, in Deutschland und ? eher nicht. Ja, ich weiß, dass Schweden und die Niederlande im Einwohnerzahlenvergleich wesentlich höhere Todeszahlen im Zusammenhang mit Corona haben, aber ich befürchte, dass wir das im Laufe der nächsten Monate/Jahre aufholen werden. Ich fürchte, das Virus wird gewinnen! Ein Impfstoff mag eine Hilfe sein, aber er muss in hohem Maße wirksam sein und es wird Jahre dauern, bis genügend Menschen weltweit geimpft worden sind, zumal es aller Wahrscheinlichkeit nötig sein wird, jedes Jahr erneut zu impfen. Tja, da haben wir wohl alle die A…karte. Unverschuldet? Ähm – ich glaube nicht.

+++ 11.11.2020 13:45 Italien verbietet Weihnachten mit der Großfamilie +++
Italiens Regierung reagiert auf die steigenden Infektionszahlen und verbietet als erstes EU-Land das Weihnachtsfest in der Großfamilie. Am Dienstag hatte das Land fast 600 Corona-Tote binnen 24 Stunden registriert. Damit starben seit Februar mehr als 42.000 Menschen im Zusammenhang mit der Viruskrankheit.
Quelle: ntv

written by Ingrid

Zitterpartie beendet

 

In den USA leider immer noch nicht (Stand Freitagabend), aber parallel zum Wahl-Krimi hatte auch ich meine ganz persönliche Zitter- oder Hängepartie. Ich habe Tagebuch geführt und kopiere die Tageseinträge jetzt einfach mal hierher:

29.10.2020

  • Erfahre mittwochs in Naumburg, dass es ab dem 2. November neue Corona-Beschränkungen geben wird, u. a. sollen touristische Reisen unterbleiben. Ich brauche also einen Platz, wo ich stehen kann. Am idealsten erscheint mir XXX, dort habe ich alles, was ich brauche = Stadtzentrum in 15 Minuten erreichbar, Buslinie direkt am Stellplatz (samstags kostenfrei), tegut und Lidl zu Fuß erreichbar, Real per Bus, Rewe, Obi (Gasflasche tauschen) und LPG-Tankstelle 2km. Außerdem gibt es eine Iveco-Werkstatt, wo ich HU, AU etc. erledigen lassen könnte. Nach Lauterburg möchte ich nur in dem Falle, wenn nichts anderes mehr geht!
  • Anruf in XXX, ob der Stellplatz im November wegen der neuen Reisebeschränkungen geschlossen wird, Antwort nein.
  • Ich fahre los, Ankunft nach 17 Uhr, Anmeldung laut Aushang nur bis 15 Uhr.

30.10.2020

  • Gehe kurz nach 14 Uhr zum Bezahlen, es ist jedoch alles geschlossen. Schreibe Namen, Kennzeichen, Platznummer und Ankunftsdatum auf einen der ausliegenden Briefumschläge, stecke €50 hinein für 4 Nächte (bis Montag, 2.11.) und werfe alles in einen tresorartigen Kasten.
  • Erfahre von einer ansässigen Wohnmobilistin, dass laut Zeitung alles komplett geschlossen hat und dass beim ersten Lockdown ein Paar, das aus Spanien kam, hierbleiben durfte.
  • Ich warte mal ab und werde Montag erneut telefonieren und fragen, ob ich bleiben kann.
  • Verschiedene Bundesländer schicken Touristen schon wieder nach Hause. Erstauntes Smiley

31.10.2020

  • keine besonderen Vorkommnisse

01.11.2020

  • keine besonderen Vorkommnisse

02.11.2020

  • Stehe um 9 Uhr auf, draußen wird der Stellplatz lautstark von Laub befreit.
  • Rufe noch im Nachthemd bei der Stellplatz-Verwaltung an und bitte darum, als Härtefall aufgenommen zu werden; die freundliche Angestellte will ihren Chef fragen, der aber noch nicht im Haus ist, sie komme dann später bei mir vorbei.
  • Ich mache mich übereilt fertig und bin gerade angezogen, als es klopft; es ist einer der Arbeiter, der mir die zuviel gezahlten zwei Euro der vier bezahlten Nächte zurückgibt. 👍
  • In dem Moment kommt ein Mann auf den Stellplatz, der 2. Chef, wie der Arbeiter sagt.
  • Er teilt mir mit, dass meine Anfrage jetzt vom Ordnungsamt geprüft werde, sie von der Verwaltung könnten das nicht entscheiden, von ihnen aus könnte ich gerne bleiben; er habe auch nur mal schauen wollen, ob ich nicht ein rosa Herz im Fenster habe. Erstauntes Smiley
  • Unmittelbar danach erscheinen zwei junge Frauen und bringen mir einen Flyer, damit ich eine direkte Durchwahlnummer zu ihnen in der Verwaltung habe, wenn etwas anliegt.
  • Ich sitze und warte und fange dann an, mit Eimer und Gießkanne zu ent- und versorgen, in der Hoffnung, dass ich bleiben darf.
  • Da es richtig warm ist, hole ich meinen Stuhl aus der Heckgarage und setze mich in die Sonne.

  • Schon bald kommen die beiden jungen Frauen erneut und teilen mir mit, dass das Ordnungsamt ablehnt. Enttäuschtes Smiley
  • Es entwickelt sich ein längeres Gespräch und eine der beiden nimmt sofort ihr Handy und fragt ihren Chef, ob er beim Ordnungsamt erwähnt habe, dass im Frühjahr zwei Wohnmobilbesatzungen den Lockdown hier aussitzen durften (ja, hat er); die beiden sind sehr interessiert an meiner Lebensform und können mein Problem wohl gut nachvollziehen; der Arbeiter mischt sich vom Zaun aus ein und schlägt vor, dass ich mich draußen auf den öffentlichen Parkplatz stellen soll, dort koste es nur €2,50, es gäbe aber keinen Strom.
  • Ich lehne ab mit der Begründung, dass ich mich dort nicht sicher fühlen würde, außerdem würde die Polizei mich dort sicher nicht dulden.
  • Im Gespräch erfahre ich, dass der Stellplatz am nächsten Tag abgesperrt werden wird, nur die VE-Station bleibt zugänglich; auf meinen Einwand, dass es dann für mich schwierig würde, zu bleiben, weil ich irgendwann mal Gasflaschen tauschen fahren müsse, meinen die beiden, das sei gar kein Problem, ich bräuchte dann nur anzurufen und es käme jemand, der mich rauslässt. 👍
  • Ich beschließe, am nächsten Tag persönlich zum Ordnungsamt zu gehen und frage, ob ich noch eine weitere Nacht bleiben darf, was mir ohne weiteres genehmigt wird.
  • Im Lauf des Tages kommt noch ein weiteres Wohnmobil und hinter mir steht eins schon seit Tagen, mit dem Fahrer komme ich ins Gespräch und er ist völlig überrascht zu erfahren, dass der Stellplatz gesperrt werden soll; er habe doch gerade erst um eine weitere Nacht verlängert und niemand habe etwas davon gesagt; offensichtlich weiß er nichts von dem deutschlandweiten Beherbergungsverbot, er sei auf Urlaubstour und wolle erst am Wochenende wieder in Berlin sein; er ist völlig konfus, wo sie denn jetzt übernachten können und muss erst einmal mit seiner Frau darüber sprechen Verwirrtes Smiley
  • Ich entscheide mich, eine eMail an den Leiter des Ordnungsamtes zu schreiben:

Guten Tag, Herr X!

Ich wende mich in einer persönlichen, durch den neuerlichen Corona-Lockdown verursachten Notlage an Sie. Ich stehe aktuell auf dem Wohnmobilstellplatz … und dürfte nach Angaben der dortigen Verwaltung den Lockdown hier auf dem ansonsten geschlossenen Stellplatz „aussitzen“, natürlich gegen Bezahlung. Ich lebe seit 2004 im Wohnmobil, bin 70 Jahre alt und Alleinreisende. Zu meiner Meldeadresse kann ich nicht, da mein dort lebender 80jähriger Bruder zu den Risikofällen gehört. Außerdem wüsste ich nicht, wo ich mein Wohnmobil sicher abstellen könnte, da bekanntlich alle entsprechenden Einrichtungen geschlossen sind. Der Stellplatz hier ist für mich ideal, weil er 1. eine Ent- und Versorgungsstation sowie Stromversorgung bietet und 2. eine Bushaltestelle in unmittelbarer Nähe, sodass ich zum Einkaufen fahren kann. Auch ist die Innenstadt zu Fuß erreichbar, wenn mir mal die Decke auf den Kopf fallen sollte.

Ich bitte Sie, sich in meine Situation zu versetzen: Wir im Wohnmobil lebenden werden von der Gesetzgebung nicht berücksichtigt und müssen uns eigenständig eine Lösung für das aktuelle Problem suchen. Wir müssen Abwasser entsorgen, unsere Toilette entleeren und Frischwasser tanken. Strom ist in der dunklen Jahreszeit ebenfalls von Bedeutung. Ich als alleinreisende Frau möchte aus Sicherheitsgründen auch keinesfalls irgendwo frei herumstehen! Das verstehen Sie bestimmt. Während des ersten Lockdowns wurde ich als „Härtefall“ auf einem Campingplatz aufgenommen. Dort kann ich jetzt aber nicht hin. Ich weiß, dass aufgrund dieser Härtefallklausel, die der Gesetzgeber einräumt, im Frühjahr zwei Wohnmobilbesatzungen hier auf dem Stellplatz stehen durften. Ich bitte Sie inständig, mir dieses Recht jetzt auch zu gewähren!!! Ich weiß nämlich gerade nicht, wo ich sonst hin könnte. Ich bin gerne bereit, heute (Dienstag) noch persönlich bei Ihnen im Ordnungsamt vorbeizukommen.

Mit freundlichen Grüßen, Ingrid Heidemann

  • Drei Wohnmobilbesatzungen verbringen die nächste Nacht ungesetzlicherweise auf einem Stellplatz, der eigentlich schon abgeriegelt sein müsste und obwohl ich früh zu Bett gehe, kann ich natürlich ewig nicht einschlafen; ich überlege in sämtliche Richtungen, was ich mache, wenn es bei der Absage bleibt. Etwa ich?

03.11.2020

  • Ich stehe wieder früh auf und schalte mit Herzklopfen mein iPhone ein, vielleicht ist eine Entscheidung für oder gegen mich schon gefallen und ich weiß es nur noch nicht, aber es ist noch keine Antwort da.
  • Ich sitze und warte und beschließe, nach der Mittagspause persönlich bei Herrn X nachzufragen; kann ja auch sein, dass er in Urlaub ist oder krank oder sonstwas.
  • Mein Gefühlshaushalt ist reichlich unausgewogen, um es mal so positiv wie möglich auszudrücken; das Gefühl, vom Wohlwollen eines Menschen abhängig zu sein, der mich gar nicht kennt und der sich vielleicht auch nicht wirklich dafür interessiert, was mein Problem ist, ist – mit Verlaub gesagt – beschissen.
  • Die ganze Sache ist besch…eiden, wie in so vielen Bereichen sind die vergangenen Monate offensichtlich nicht genutzt worden, um bestehende Missstände zu beseitigen; vermutlich sind es zu viele.
  • Warum allerdings Stell- und Campingplätze jetzt im November wieder geschlossen werden müssen, erschließt sich mir nicht; sehr viele Wohnmobile haben ein Saisonkennzeichen und fahren ab dem 1. November nicht mehr; von den restlichen werden die wenigsten fahren, da touristische Reisen unterbleiben sollen und die wenigen Mobilisten, die sich darüber hinwegsetzen, dürften wohl kein Problem darstellen; man könnte ja auch z. B. wieder jede zweite Parzelle sperren, obwohl man sich zu dieser Jahreszeit ja sowieso überwiegend drinnen aufhält und nicht zu erwarten ist, dass es große gesellige Zusammenkünfte geben würde.
  • Dass die Schließungen erneut erhebliche Schwierigkeiten für die Menschen bedeuten, die dauerhaft in ihren Wohnmobilen leben, scheint nicht zu interessieren, ist vermutlich immer noch nicht wirklich bekannt. So wie im Frühjahr, muss jede/r selbst sehen, wo er/sie bleibt.
  • Ich erfahre um 13 Uhr im Ordnungsamt, dass Herr X nicht im Haus ist, ob es mir weiterhelfen würde, seine Vorzimmerdame zu sprechen, ja – besser als nichts; von ihr erfahre ich, dass er zu einer Schulung ist, woraus zu schließen ist, dass er meine eMail noch gar nicht gelesen hat; später stellt sich noch heraus, dass die negative Entscheidung nicht von ihm ausgegangen war, da er auch am Vortag nicht im Amt anwesend war.
  • Ich schildere der jungen Frau meine Beweggründe und mache deutlich, dass die aktuelle Situation wirklich belastend für mich ist, dass ich wirklich nicht weiß, wo ich hin soll und nicht alle Stell- und Campingplätze Deutschlands abtelefonieren könne, um zu erfragen, wer mich als Härtefall aufnimmt; hier wäre man bereit und ich bräuchte nur noch die Erlaubnis des Ordnungsamtes.
  • Ich habe den Eindruck, dass sie mich versteht, sie macht sich Notizen und verspricht, mit ihrem Chef zu reden, wenn er käme; ich bitte darum, mir spätestens im Laufe des nächsten Vormittags Bescheid zu geben, da ich gegebenenfalls ja dann noch eine gewisse Strecke fahren müsste.
  • Um 15 Uhr bin ich wieder am Stellplatz, trage mein Telefon ständig bei mir, aber es passiert nichts mehr.
  • Ein weiteres Wohnmobil kommt an (die anderen zwei waren am Vormittag gefahren), wird aber wieder fortgeschickt und danach wird der Stellplatz mit Flatterband abgeriegelt.
  • Später kommt ein Polizeiwagen vorbei, aber man schaut nur und fährt wieder, ich nehme an, dass die Polizisten davon ausgingen, dass es abgesprochen sein muss, wenn ein Wohnmobil hinter der Absperrung steht und sie bei der Verwaltung und/oder dem Ordnungsamt nachfragen werden.
  • Ich habe eine zaghafte Hoffnung, dass ich bleiben kann. Verlegenes Smiley

04.11.2020

  • Um halb 9 Uhr bin ich wach, natürlich nicht ausgeschlafen (wenn das hier beendet ist, schlafe ich 24 Stunden am Stück!!!), zwinge mich aber aufzustehen; es könnte ja sein, dass der Leiter des Ordnungsamtes persönlich vorbeikommt.
  • Mindestens genauso spannend ist der Ausgang der US-Wahl; heute Nacht bin ich der Vernunft folgend um 1 Uhr ins Bett gegangen; aber weder in dem einen noch in dem anderen Fall gibt es ein Ergebnis.
  • Meine Geduld wird noch eine Weile auf die Probe gestellt, aber um kurz vor zehn kommt die ersehnte eMail; ich mache mir noch schnell einen Kaffee und öffne sie mit klopfendem Herzen; kann ich bleiben oder muss ich fahren???

Sehr geehrte Frau Heidemann,

wir gehen aufgrund Ihrer Schilderungen und nach Rücksprache mit dem Betreiber davon aus, dass für den Monat November 2020 Ihr Aufenthalt auf dem Stellplatz … aus privaten Gründen glaubhaft notwendig ist.

Freundliche Grüße

X (Amtsleiter)

 

  • WOW!!!

Gut, dass der Stein nicht in die Kaffeetasse gefallen ist. 

Smiley mit geöffnetem Mund

written by Ingrid
photo taken with iPhone