Sch… Sch…

 
 
Leider gibt es absolut nichts zu erzählen, vielleicht müsste ich aber auch sagen, zum Glück!? Es passiert nämlich leider/zum Glück gar nichts. Ich stehe gut hier, wo ich stehe, aber die Gesamtsituation empfinde ich zunehmend als belastend. Wenn man die täglichen Corona-News verfolgt und sich anhört, was die medizinischen Fachleute mehr oder weniger deutlich sagen, so wird immer mehr klar, dass alle Maßnahmen nur dafür sorgen sollen (müssen!), dass die Krankenhäuser nicht an ihre Grenzen kommen. Ja, ich weiß, das war schon seit Beginn der Pandemie das Ziel (flatten the curve), aber irgendwie haben wir wohl alle geglaubt oder besser gehofft, dass mit den sinkenden Infektionszahlen nach dem ersten Lockdown das Virus verschwindet oder sich zumindest abschwächt. Nun, dem ist nicht so! War eigentlich klar, den Wissenschaftlern sowieso, aber alle geäußerten Bedenken in diese Richtung wurden jedes Mal sofort als Panikmache kritisiert. Dieses aus Hilflosigkeit resultierende „wir machen mal weiter wie vorher, mal sehen was passiert“ fällt uns jetzt leider auf die Füße. Langsam und unaufhaltsam wird wohl auch klar, dass die Rückkehr zum Normalbetrieb in den Schulen NICHT funktioniert. Die Sommermonate sind nicht dazu genutzt worden, umsetzbare Konzepte zu entwickeln, es wurden nicht entsprechende Geldmittel locker gemacht oder zumindest nicht ausreichend umfangreiche. Ein erhebliches Problem im Bildungsbereich, genauso wie im medizinischen Bereich, ist jedoch der akute Personalmangel! Woher so schnell LehrerInnen bekommen, um Klassen teilen zu können? Woher die Räumlichkeiten? Letzteres würde man noch mit Klassencontainern auf den Schulhöfen improvisieren können, aber realistisch wäre wohl nur ein täglich oder wöchentlich wechselnder Unterricht mit jeweils der Hälfte einer Klasse. Selbst dafür ist jetzt schon nicht mehr genügend Lehrpersonal da, weil immer mehr ausfallen, quarantänebedingt oder weil zur Risikogruppe gehörend. Die Lehrpläne hätten angepasst und deutlich reduziert werden müssen, damit die Wochenstundenzahl gesenkt werden kann und damit die Anzahl der Stunden, die pro Tag in geschlossenen Räumen verbracht werden muss.
Als ich in den 1960er-Jahren zur Schule gegangen bin, wurde der Schuljahresbeginn von Ostern auf nach den Sommerferien verlegt. Das ermöglichte man praktisch mit zwei sogenannten Kurzschuljahren. Vielleicht müsste man jetzt „Langschuljahre“ einführen, um den Bildungsstand aufrecht erhalten zu können, also vielleicht Versetzungen nur alle 1½ Jahre. Vielleicht wäre das ja nur ein einziges Mal nötig bzw. zweimal, um wieder zum Versetzungstermin Sommer zu kommen und um alle Restrisiken auszuschalten. Das würde bedeuten, dass allen Schülern ein (Schul-)Jahr verloren gehen würde. Wäre das sooo schlimm (passiert bei jeder Nichtversetzung) und wäre es wirklich ein Verlust? Natürlich kann ich nicht beurteilen, wie intensiv in den Kultusministerien und Schulämtern an Lösungen gearbeitet wird, aber was ich von Betroffenen – Eltern, Lehrern, Schülern – in den Sozialen Medien so lese, scheint das bisher so dolle nicht gewesen zu sein, sondern jede Schule musste sich ihre Konzepte selbst erschaffen. Ach ja, dann wären da noch die überfüllten Schulbusse…

Von meiner Einstellung zum Beherbergungsverbot hatte ich ja schon geschrieben. Nicht nur für mich und die anderen Fulltimer bedeutet das einen gravierenden Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte und es bleibt zu befürchten, dass die Akzeptanz der Menschen für coronabedingte Einschränkungen damit nicht vergrößert werden wird. Was wird denn zu Weihnachten passieren? Wird das Beherbergungsverbot aufgehoben, werden wir wie im Sommer einen absoluten Nachholbedarf erleben, zumal es vielen Menschen unvorstellbar ist oder erscheint, an Weihnachten nicht so im Kreise der Familie zu feiern wie immer. Wird das Beherbergungsverbot nicht aufgehoben, finden die meisten Feiern trotzdem statt, nur mit dem Unterschied, dass der Besuch dann auch noch über Nacht bleiben muss. Und über Weihnachten setzt man dann auch die Kontaktbeschränkungen mal kurz außer Kraft? Der nächste Lockdown ab Mitte Januar ist dann schon vorprogrammiert. In China wurde kurz vor dem wichtigsten Familienfest des Jahres, dem Neujahrsfest, ein rigoroser Shutdown beschlossen, durchgeführt und kontrolliert und das übliche landesweite Reisen zur Verwandtschaft unterbunden. Ach ja, stimmt, da gibt es eine diktatorische Machtstruktur. Geht also bei uns nicht! In einer Demokratie arbeitet man mit so wenigen Verboten wie möglich und setzt auf die Mitarbeit, Einsicht und Vernunft der Bürger. In Schweden, den Niederlanden und ? scheint das zu funktionieren, in Deutschland und ? eher nicht. Ja, ich weiß, dass Schweden und die Niederlande im Einwohnerzahlenvergleich wesentlich höhere Todeszahlen im Zusammenhang mit Corona haben, aber ich befürchte, dass wir das im Laufe der nächsten Monate/Jahre aufholen werden. Ich fürchte, das Virus wird gewinnen! Ein Impfstoff mag eine Hilfe sein, aber er muss in hohem Maße wirksam sein und es wird Jahre dauern, bis genügend Menschen weltweit geimpft worden sind, zumal es aller Wahrscheinlichkeit nötig sein wird, jedes Jahr erneut zu impfen. Tja, da haben wir wohl alle die A…karte. Unverschuldet? Ähm – ich glaube nicht.

+++ 11.11.2020 13:45 Italien verbietet Weihnachten mit der Großfamilie +++
Italiens Regierung reagiert auf die steigenden Infektionszahlen und verbietet als erstes EU-Land das Weihnachtsfest in der Großfamilie. Am Dienstag hatte das Land fast 600 Corona-Tote binnen 24 Stunden registriert. Damit starben seit Februar mehr als 42.000 Menschen im Zusammenhang mit der Viruskrankheit.
Quelle: ntv

written by Ingrid