Eisige Zeiten

 
 
Ich kann mich nicht erinnern, dem Frühling jemals mehr entgegengefiebert zu haben als gerade jetzt! Als wenn nicht alles schon frustrierend, beängstigend, langwierig, öde, perspektivlos genug wäre, muss da jetzt noch fast auf der Winter-Ziellinie diese Affenkälte hinzukommen? Aushalten, das ist mein Wort des Jahres 2020, aber offensichtlich gilt es immer noch. Dezember, Januar, Februar sind die für mich schwierigsten Monate, wenn man wie ich im Wohnmobil lebend in Deutschland überwintert. Seit Beginn des Februars wurde es gefühlt von Tag zu Tag besser in der Gewissheit, dass mit diesem kürzesten Monat das Ende der „Leidenszeit“ absehbar ist. Und dann dieses! Erstauntes Smiley

Eisige Zeiten

Rekordminustemperaturen im Februar wie seit 2012 nicht mehr. Meine Gasflasche hielt schon wieder 5 Tage und 7 Stunden, die nächste dann nur noch schockierende 2 Tage und 6 Stunden und die letzte noch 3 Stunden weniger. Und dabei lasse ich den Kühlschrank schon seit Wochen über Strom laufen. Einer der Verkäufer bei meiner Gasflaschentauschfirma meinte, nachdem ich zwei Tage hintereinander dort auftauchte, ob man mir nicht mal langsam eine Pipeline legen solle? Ja, bitte!!! Ich habe übrigens mal genau ausgerechnet, um wieviel teurer der Betrieb des Kühlschrankes mit Strom ist. Abhängig von den Verkaufskosten einer Gasflaschenfüllung und dem Preis für eine Kilowattstunde kann man im Schnitt mit 80 Cent bis 1 Euro rechnen, pro 24 Stunden. Ich habe mich dafür entschieden, lieber mehr zu bezahlen und dafür nicht noch öfter tauschen gehen zu müssen als zur Zeit sowieso schon.
 
Meinen gefühlsmäßigen Tiefpunkt hatte ich, als ich die leere Gasflasche aus der Heckgarage holen wollte und diese sich nicht öffnen ließ! Oscarlotta steht etwas nach rechts geneigt und Regenwasser war nicht nur über die Heckklappe, sondern offenbar in jede verfügbare Ritze der Füllungen geflossen und dort gefroren. Eigentlich nicht sehr verwunderlich bei diesem Aussehen:

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Mein Außenstaufach auf der anderen Seite, in dem meine Vorräte lagern, weigerte sich ebenfalls! Nicht die Schlösser waren zugefroren, sondern die gesamte Klappe, keine Chance. Nun komme ich zum Glück vom Innenraum Oscarlottas an den Inhalt, auch wenn ich dafür die Couch komplett abräumen muss. Mehr Sorgen machte mir die Heckgarage, denn ohne Gas keine Heizung! Zwar könnte ich die Heizung auch mit Strom betreiben, aber das wird dann richtig teuer!
Mit heißem Wasser aus der Kaffeemaschine in einem Emaillebecher und einer Hutbürste, die als Allerweltsbürste immer griffbereit im Eingang liegt, bestrich ich die Eiswülste rechts und links der Heckgaragenklappe, versuchte, mit einem Schlüssel angetautes Eis wegzubrechen, tauchte die eingefrorenen Fahrradschlösser, die meine Transportkarre auf dem Fahrradträger sichern, in die letzten Reste des warmen Wassers und ließ die Kaffeemaschine neues heißes produzieren. Es dauerte lange, bis die Heckklappe sich mit meiner Kraftverstärkung gegen das Eis durchsetzen konnte!
Puh, große Erleichterung! Smiley

 
Beim Gasflaschentausch fragte ich nach Schlossenteisungsmittel, mit demselben negativen Bescheid wie schon ein paar Wochen zuvor. Ich könne aber genauso gut Frostschutzmittel, mit Wasser verdünnt, in eine Sprühflasche füllen, riet mir die nette Angestellte und zeigte auf die vielen Kanister, die neben dem Eingang standen. Frostschutzmittel habe ich! Oscarlotta wird ja von einer schwedischen Alde-Warmwasserheizung erwärmt und in den Wasserkreislauf gehört Frostschutzmittel, das in Abständen immer wieder kontrolliert und aufgefüllt werden muss. Natürlich befand sich dieses im Außenstaufach! Also räumte ich die Couch wieder frei und mit etwas Akrobatik hielt ich schließlich die noch gut halbvolle Flasche Glysantin in den Händen. Eine Sprühflasche fand sich auch, deren Inhalt umgefüllt wurde und binnen kurzer Zeit hatte ich meine Mischung aktionsbereit. Sehr großzügig besprühte ich alle Fugen, Ritzen und Dichtungen mit der rosafarbigen Flüssigkeit. Die Klappendichtungen bestehen nicht aus Silikon, sondern aus einem bürstenähnlichen, weichen, faserigen Stoff, der jetzt zu einer einheitlichen Eismasse mutiert war. An einigen Stellen konnte ich mit einem Spachtel Schlitze hineinschlagen und teilweise sogar Eisstücke herausbrechen, aber nach unten wurde das Eis immer dicker. Die linke Seite der Heckklappe stand nach dem erneuten Schließen gute zwei Zentimeter hervor.
Ob das Besprühen irgendeinen Effekt haben würde, wusste ich nicht, gleichwohl sprühte ich meine Vorratsstaufachklappe ringsherum ebenfalls ein, ebenso sämtliche Schlösser aller Klappen. Es ging mir wieder besser! Das hielt leider nur bis abends gegen 22 Uhr, als völlig unerwartet nach besagten 2 Tagen und 6 Stunden die Gasflasche schon wieder leer war! Was, wenn ich die Heckklappe wieder nicht mehr aufkriegen würde? Die gleiche Prozedur vom Nachmittag jetzt noch einmal??? Enttäuschtes Smiley Alternativ könnte ich auf meine LPG-Tankflasche umschalten, um über die Nacht zu kommen, aber mit deren Inhalt bin ich sehr sparsam, weil ich, wenn sie leer ist, zur Tankstelle fahren muss. Und im Moment kann und möchte ich mit Oscarlotta nirgendwo hinfahren.
Ich zog mir eine warme Jacke und Stiefel an und begab mich bangen Herzens zur Heckgarage. Die öffnete sich widerstandslos!!! Die Klappe vom Gasfach ebenfalls und binnen Minuten konnte ich die Heizung wieder starten. Puh!
Am nächsten Nachmittag versuchte ich zum Spaß mal, ob sich meine Vorratsstaufachklappe vielleicht auch wieder öffnen lassen würde. Als wäre nie etwas gewesen, ging sie auf! Ein Zaubermittel, meine Sprühmischung!!!
 
Seitdem sprühe ich jeden Tag mehrfach und klopfe und breche alles weg, was nachgibt. Das Eis bildet sich immer wieder neu, wenn die Sonne den Schnee auf dem Dach zum Tauen bringt. Es wäre sicher hilfreich, das Dach leerzuräumen, aber ich will kein Risiko eingehen. Wenn ich ausrutsche und vom Dach falle, findet mich hier niemand. Am Montag wurde nach den heftigen Schneefällen der Nacht zwar die Ent- und Versorgungsanlage geräumt und sogar ein Laufweg bis zu Oscarlottas Eingangstür angelegt, aber schon die erneuten Schneemengen am Dienstag blieben liegen. Gesehen habe ich die ganze Woche niemanden.

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written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

2 Kommentare zu “Eisige Zeiten

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