Schwarzer schmieriger Schmodder

 
 
Von jetzt auf gleich lief das Wasser aus dem Küchenspülbecken nicht mehr ab! Erstauntes Smiley Nichts hatte das angekündigt, es war kein schleichender Prozess, es passierte von hundert auf null. Immer schon sind wir sehr vorsichtig mit allem, was in den Ausguss gelangt, nicht nur, weil das Abwasserrohrsystem in einem Wohnmobil eben anders ist als in einem Haus, sondern auch, weil das Abwasser nicht direkt in der Kanalisation landet, sondern als Zwischenschritt zunächst in einem Abwassertank. Und was sich in dem im Laufe der Zeit so als Bodensatz ablagert, hatte ich vor zwei Jahren erfahren, als bei einer Verstopfung zwischen Tank und Ablassrohr nichts mehr ging und ich den Inhalt des Tanks ausschöpfen musste und letztlich per Aufnehmer trockenlegte. Schwarzer schmieriger Schmodder!!! Das periodische Säubern und Durchspülen des Abwassertanks ist eine Tätigkeit, die man (ich) gerne vor sich herschiebt, bedarf es dazu doch einer über längere Zeit freien Entsorgungsstation und eines langen Schlauches und einer Schräglage des Wohnmobils in Richtung des Abwasserrohres, das aus dem Tank herausführt. Was bedeutet, dass man auf der richtigen Seite auf Keile fahren muss. Der Abwassertank in Oscarlotta ist gut zugänglich, über eine Klappe im Fußboden des Wohnbereiches und einen Schraubverschluss, durch den man in den Tank hineingreifen kann. Um in alle Ecken zu gelangen, benötigt man allerdings Reinigungsgeräte mit Teleskopstielen, die aber wiederum nicht zu groß sein dürfen, damit sie überhaupt durch den Tankdeckel passen. Ihr versteht sicher, warum das keine allzu beliebte Tätigkeit ist? Nach der damaligen Verstopfung war der Abwassertank fast so sauber wie beim Einbau und nach mehrmaligem Stochern von innen und von außen mit einer langen Bürste, die eigentlich für Heizungslamellen gedacht ist, lief wieder alles.

AbwassertankAbwassertank

Diesmal war die Verstopfung auf der anderen Seite des Abwassertanks, also im Zulauf, bloß wo? Vor Monaten hatte ich, von einer Werbeanzeige inspiriert, ein Reinigungstool für die Spül- und Waschbeckenausgüsse gekauft, eine Art Bürstchen, ähnlich der „kratzigen“ Seite eines Klettverschlusses, befestigt an einem starren Plastikdraht. Das Bürstchen passte so gerade eben durch die Löcher meiner fünf Ausgüsse in Dusche, Badezimmer, Doppelspüle und Herd. Ich arbeite mich in dieser Reihenfolge durch und bereits im linken Becken der Spüle riss das Bürstchen ab und verschwand unerreichbar in der Tiefe. Mist! Ich entleere das Abwasser, wenn ich länger irgendwo stehe, per Eimer und jedes Mal hoffte ich, dass das Bürstchen mit herauskommen würde. Tat es aber nicht. Also war zu befürchten, dass es irgendwo, vielleicht im Syphon, steckengeblieben sein würde und alle Haare, Seifen-, Zahnpasta- und Spülwasserreste an sich binden würde. Ich rechnete also schon lange damit, dass irgendwann nichts mehr gehen bzw. fließen würde. Insofern überraschte mich lediglich, dass es so abrupt geschah. Es war abends und ich beschloss, zunächst über Nacht H11 einwirken zu lassen, ein Mittel, mit dem ich auch regelmäßig die Reinigung des Frischwassertanks und aller Leitungen erledige. Der Erfolg war allerdings gleich null. Also kam mein „Pümpel“ zum Einsatz. Der stammt noch aus Wohnungszeiten und hatte mir schon in meinem ersten Wohnmobil das eine oder andere Mal aus der Verlegenheit geholfen. Ich verschloss jeweils ein Spülbecken und pümpelte, zunächst vorsichtig, dann immer energischer, je weniger passierte. Es kam zwar viel Dreck von unten, aber es machte nicht „plopp“. Enttäuschtes Smiley

Verstopfung Immer, wenn ich einen Stöpsel wieder zog, floss die dreckige Brühe vom einen Becken in das andere. Irgendwann fiel mir siedendheiß ein, dass im Herd ja auch ein Ausguss ist und natürlich stand die gesamte Kochmulde schon voll mit schmierigem schwarzen Schmodder. Prima! Trauriges Smiley Da hatte ich doch endlich einen Grund, den Herd mal wieder richtig sauber zu machen, inklusive des Abschraubens der Brennerdeckel. Ab jetzt wurde es schwierig, denn zwei Ausgüsse zu verschließen und gleichzeitig zu pümpeln erfordert eigentlich vier Hände. Wenn alle Ausgüsse offen sind, pümpelt man nur zwischen diesen hin und her. Wenn man die Stopfen in den Ausgüssen nicht festhält, ploppen sie durch den Druck, der beim Pümpeln entsteht/entstehen soll, sofort wieder hoch. Da ich dummerweise nur zwei Hände habe und die Füße nicht wirklich einsetzbar waren, stapelte ich schweres Gerät auf dem verschlossenen Herdausguss und pümpelte einhändig. Das Dreckwasser lief gut hörbar vom rechten Becken zum verschlossenen Herdausguss, erschütterte den Turm darüber, kam zurück und floss in das linke Becken, sobald ich den Stopfen dort entfernte. Und umgedreht! Verwirrtes Smiley Ich pümpelte über Stunden, mit Erholungs- und Kaffeepausen und kurz vor Feierabend rief ich beim Caravancenter in der näheren Umgebung an. Eine freundliche Telefonistin verband mich mit der Werkstatt. Ein Mann hörte sich mein Problem an und teilte mir dann mit, dass er keine freien Kapazitäten habe. Keine freien Kapazitäten für einen Notfall??? Nein, er habe jede Menge Reparaturen. Ja, aber, versuchte ich einzuwenden, im Moment könne doch sowieso niemand fahren, dann wäre es doch vielleicht nicht so schlimm, wenn der eine oder andere Kunde etwas länger auf sein Mobil warten müsse? Er müsse auch noch sehr viele Wohnmobile für die Auslieferung fertigmachen und dann wörtlich: „Das muss ich jetzt mit Ihnen nicht diskutieren!“ WOW! Erstauntes Smiley Damit hatte er mich ausgeknockt. Es fiel mir nicht mehr ein, ihm meine besondere Lage zu schildern, nämlich, dass ich in meinem Mobil lebe und es durchaus unangenehm ist, wenn man verstopfte Leitungen hat. Immerhin ließ er sich noch dazu herab, zu bemerken, dass in einem Wohnmobil die Leitungsrohre in der Regel nicht geklebt, sondern nur gesteckt sind.
Ich entfernte die zwei Schubladen und das untere große Auszugsfach unter der Spüle und machte Fotos. Uschi ermutigte mich am Telefon, es selbst zu versuchen. An dem Tag schöpfte ich aber nur noch das Dreckwasser aus den beiden Becken. Mein Glück war, dass das Waschbecken im Bad eine eigene Abwasserleitung hat, die unabhängig von den beiden Spülen und dem Herd auf direktem Weg zum Abwassertank führt. So war zwar alles etwas umständlicher, aber machbar, ohne dass ich mein Brauchwasser zur Tür hinaus schütten musste.

UntergeschossVerrohrungVerrohrung

WaschtagAm nächsten Tag schien endlich mal wieder die Sonne und ich beschloss, zum Waschsalon zu gehen. Das hatte ich schon seit geraumer Zeit vor und jetzt kam es mir gerade recht. Der Gärtner, mit dem ich mich noch kurz unterhielt, meinte allerdings, dass er glaube, dass der Waschsalon pleite sei, er habe Schilder in den Fenstern gesehen, sei sich aber nicht ganz sicher. Ich packte meine Schmutzwäsche auf meine Karre und stiefelte los, gewappnet dafür, unverrichteter Dinge wieder zurücklaufen und Handwäsche machen zu müssen. Aber ich hatte Glück! Während die Maschine lief, ging ich kurz zum Bäcker und wunderte mich, dass niemand von den Menschen, die durch die Fußgängerzone liefen, mehr einen Mundschutz trug. Nein, müsse man nicht mehr, erfuhr ich in der Bäckerei, nur noch bei Markttagen auf dem Marktplatz. Den Trockner sparte ich mir, der hatte beim letzten Mal zwar mein Geld genommen, war aber nicht gestartet. Die Bettwäsche und ein paar Kleidungsstücke konnte ich am Stellplatz draußen trocknen, den Rest verteilte ich in Oscarlotta. Bis ich ins Bett ging, war alles trocken. Smiley

Für den nächsten Tag hatte ich keine Ausrede mehr! Ich deckte das Loch in den „Untergrund“ mit einer der Spülen-Abdeckplatten zu, stellte einen Eimer darauf und schraubte todesmutig den Ausguss des rechten Spülbeckens los. Ja, die Rohre waren nur gesteckt! Schon das erste Knie war voll mit schwarzem schmierigen Schmodder und als ich Wasser vom linken Spülbecken abfließen ließ, tauchte, na was wohl auf? Richtig, ein ehemals gelbes Reinigungsbürstchen.

neu und gebrauchtneu und gebraucht

Rohrstück für Rohrstück arbeitete ich mich vor, in Richtung Syphon, der lediglich ein U-förmig gebogenes Rohr ist und in dem ich den Verursacher des Dilemmas vermutete. An den kam ich von unten aber nicht mehr heran, so weit konnte ich in den Spülen-Unterbau nicht hineinkriechen. Die Konstrukteure bei Niesmann und Bischoff hielten es wohl für eine gute Idee, hinter die Spülbecken in der Küche zwei riesige Abfallbehälter zu platzieren, eingehängte Plastikboxen mit Henkeln, die durch eine Klappe aus dem Material der Küchenarbeitsplatte verschlossen werden. Völliger Quatsch, denn den Platz auf den Klappen braucht man für Kaffeemaschine, Thermoskanne etc., die man ja nicht dauernd beiseite räumen will und außerdem würde der Abfall anfangen zu riechen, wenn man ihn nicht jeden Tag entsorgen würde. Diese Abfallbehälter haben wir von Anfang an einfach als zusätzlichen Stauraum genutzt für Küchenartikel, die nicht so oft genutzt werden. Da sich darunter noch jede Menge weiterer ungenutzter Stauraum befindet, stehen dort immer schon zwei verschließbare Plastikbehälter, die genau durch die Öffnung passen und die man mit einem verknoteten Bindfaden nach oben ziehen kann. Das wäre übrigens der perfekte Ort für Wertgegenstände! Für den Einbrecher, der hier mitliest, die Boxen sind inzwischen leer! Auf eine stellte ich den Wischeimer, die andere wanderte in den Untergrund.

SyphonVorsichtsmaßnahme

Ich brauchte einen Tritthocker und legte mich bäuchlings auf die Küchenarbeitsplatte bzw. quer über die Spüle, anders kam ich an den Syphon nicht heran. Er ließ sich, wie alle Rohrstücke bisher, problemlos abdrehen (ich hatte mir Gummihandschuhe angezogen, weil die nicht so rutschig sind wie trockene Hände) und er enthielt zwar einiges an Dreck, war aber nicht völlig zu. Jetzt blieb nur noch das Fallrohr übrig, das senkrecht an der Wand entlang lief und dann um 90 Grad abgeknickt über den Fußboden zu dem Rohr, was vom Waschbecken im Bad kommt und dann weiter zum Abwassertank läuft. Nach Abschrauben des letzten Knies war klar, dass dieses Fallrohr RESTLOS zu war! Erstauntes Smiley

Syphon wegDer Kern des Übels

Jetzt brauchte ich aber erst einmal eine Pause mit Kaffee und Kuchen!!! Ich schüttete vorher noch etwas H11 von oben in das Rohr, es schäumte auch ordentlich, aber der Schaum tropfte lediglich oben wieder heraus. Erzürnt

UnordnungRohre sauberKaffeepause

Nach meiner Kaffeepause löste ich das Knie zur querlaufenden Badezimmer – Abwassertankleitung und da war dann zweifelsfrei klar, warum kein Wasser aus der Küche mehr ablaufen konnte und es oben nur schäumte: Der gesammelte Dreck aus 14 Jahren hatte sich dort abgelagert. Erstauntes Smiley

OHA!!!

EndstationDas Stochern von unten mit einer Spiralbürste förderte den ersten schmierigen schwarzen Schmodder zu Tage, der in die Box plumpste. Oben war immer noch alles dicht. Womit könnte ich stochern? Meine Abwassertankreinigungsbürste fiel mir ein, die ist ungefähr einen Meter lang. Aber würde sie vom Umfang her in das Rohr passen? Sie passte so gerade! Gaaanz vorsichtig schob ich sie von oben hinein und kam bis zum Knick. Gaaanz vorsichtig zog ich sie wieder heraus. Sie war voll mit schwarzem schmierigen Schmodder! Im Eimer sauber machen und ein zweiter Durchgang. Und plötzlich platschte ein riesiger Dreckflatschen in die untergestellte Box!!! Geschafft! Ich stocherte noch ein paarmal aus beiden Richtungen, ließ zwischendurch immer wieder reichlich Wasser durchlaufen, bis klar war, dass das Rohr sauber ist. Was war ich froh! Smiley mit geöffnetem Mund

Eigentlich wollte ich für den Tag Schluss machen und den Zusammenbau auf den nächsten Tag schieben. Ich war nämlich einigermaßen geschafft, das lange Knien bekommt mir nicht mehr so gut. Aber nachdem ich zu Abend gegessen hatte und mich mein Chaos die ganze Zeit anlachte, konnte ich doch nicht an mich halten. Ich stellte mein Tablet so auf, dass ich gleichzeitig meine Freitagsabendtalkshow sehen/hören (liebgewordene Tradition seit Jahrzehnten) und arbeiten konnte. Um Mitternacht war ich fertig. Vor allem beim Zusammenbauen der Syphoneinzelteile war ich froh, dass ich Fotos gemacht hatte und ich brauchte alle meine Muskelkraft, um alle Rohrstücke bis zum Anschlag ineinander drehen zu können. Ein Wasserprobelauf ergab keine Undichtigkeiten! Vorsichtshalber ließ ich die Unterschrankschubladen noch draußen, um am nächsten Tag noch einmal alles über einen längeren Zeitraum genau beobachten zu können. Es blieb alles gut! Verliebt

ChaosFERTIG!FERTIG!FERTIG!

Fazit: Viel Geld gespart, viel Wartezeit in einer Werkstatt vermieden, viel gelernt, viel getraut. Zugetraut hatte ich mir das am Anfang absolut nicht, es dann wirklich allein geschafft zu haben, ist ein verdammt gutes Gefühl!
Weiteres Fazit: Das Wasser aus meinen Kaffeekapseln drücke ich nicht mehr in der Spüle aus, sondern in einem Becher und schütte die mit Kaffeesatz vermischte Flüssigkeit dann in die Toilette. Dies war zwar nicht die eigentliche Ursache der Verstopfung, hat aber sicher dazu beigetragen. Die nächsten 14 Jahre werde ich jetzt wohl hoffentlich Ruhe haben!
Cooles Smiley

Spülbecken

written by Ingrid
photo taken with iPhone

6 Kommentare zu “Schwarzer schmieriger Schmodder

  1. Hallo Ingrid
    Ja wer nicht wagt, der nicht gewinnnt.
    So rief der Losverkäufer immer auf der Kirmes.
    Du hast gleich 2 X gewonnen.
    1 X an Selbstvertrauen und an Wissen wies geht.
    So etwas ist für einen normalen Wohnmobilisten schon sehr ärgerlich.
    Aber für Euch Dauerbewohner lebenswichtig.
    Und zum Gewinnen gehört auch Glück.
    Welch ein Glück, dass das nicht in den strengen Frosttagen passiert ist.
    Da bin ich wieder belehrt worden, dass es von mir richtig ist, nichts in den Abfluss zu schütten. Alles geht in einen Weithalskanister.
    Denn der Inhalt ist zum Spülen der WC Kasette immer noch zu verwenden.
    Die Tage werden länger
    Die Sonne scheint mit mehr Kraft
    und irgendwann dürfen wir wieder frei reisen.
    Ich muß nur lang genug leben, um das zu erleben. :- )
    Gruß Helmut W

  2. Hallo,
    das hast Du ja sehr unterhaltsam geschildert.
    Wir bewundern Deinen Mut und das handwerkliche Geschick!
    Danke, dass Du uns immer wieder so auf dem Laufenden hältst.
    Viele Grüße aus Berlin / Brandenburg
    Erika & detlev

  3. Hut ab 👍 das ganze war schon beim Lesen höchst spannend und falls uns so etwas auch mal passiert, werde ich an Deinen Bericht denken 😉 Ansonsten wünschen wir Dir, das hoffentlich der Frühling bald kommt und C…. verschwindet, damit das Womo-Leben wieder aktiviert werden kann.

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