Fröhliche Erweiterte Ruhetage, ähm Ostern!

 
 
Ja, ihr lieben Leser, wir wünschen euch schöne, sonnige, friedliche, erholsame Osterfeiertage ohne Einkaufs- oder sonstigen Stress! Wir wünschen euch offene Eisdielen und wir würden euch (und uns) auch offene Gartenlokale, Campingplätze (zumindest für Dauercamper) und Ferienhäuser wünschen, also alles, was nach dem seit einem Jahr verfügbaren und belastbaren Wissen über das Infektionsgeschehen bei SARS-CoV-2 relativ bis wahrscheinlich ungefährlich ist. Die überwiegende Anzahl der deutschen Bevölkerung ist zwar inzwischen müde, resigniert, enttäuscht, aber trotzdem immer noch bereit, auch weiterhin die Zähne zusammenzubeißen, wenn, ja wenn sie die Maßnahmen und Auflagen, die ihnen übergestülpt werden, einigermaßen nachvollziehen können. Und da liegt MEIN größter Kritikpunkt! Schon lange vermisse ich in der Beschlussfassung und der Kommunikation der notwendigen Maßnahmen, um das Pandemiegeschehen möglichst umfassend zu kontrollieren, den psychologischen und den pädagogischen Aspekt. Ich bin/war Lehrerin, aber auch jeder, der eigene Kinder hat, weiß, dass es nicht funktioniert, nur Verbote auszusprechen ohne diese ausgiebig und immer wieder neu zu erklären. Nur wenn derjenige, der unter dem Verbot (das ja immer ein objektiver oder zumindest subjektiv empfundener Verlust ist) leidet, den Sinn und Zweck dieses Verbots intellektuell nachvollziehen kann, wird er bereit sein, mitzumachen, wenn auch vielleicht nur zähneknirschend. Hilfreich für die Akzeptanz jedes Verbotes ist, wenn es zeitlich begrenzt ist, weil es dann das berühmte Licht am Ende des Tunnels gibt. Und es sollte eine Belohnung in Aussicht gestellt werden! Und die MUSS es dann auch geben!!! Man muss sich VORHER gut überlegen, ob man die Belohnung, die man verspricht, auch wirklich einhalten kann, ansonsten produziert man tiefe Enttäuschung, die mit Vertrauensverlust, Trotz und gegebenenfalls Rebellion einhergeht. Seit dem Lockdown „light“ im und versprochen nur für den November, der seitdem ständig verlängert und verschärft wird, spreche ich den Entscheidungsträgern der deutschen Bundes- und Landesregierung/en jegliche pädagogische/psychologische Kompetenz ab und frage mich mit ungläubigem Erstaunen, welche Berater dort tätig sind?!?! Enttäuschtes Smiley

Das Highlight war dann tatsächlich am Montag letzter Woche nach ca. zwölfstündiger (in Zahlen: 12) MPK die grandiose Idee der erweiterten Ruhetage zu Ostern! Ich möchte nicht wissen, wie vielen Menschen es so ging wie mir, die nach ungläubigem Staunen entweder ein Schleudertrauma vom Kopfschütteln riskierten oder vor Wut und Enttäuschung in die nächste Tischkante beißen oder laut schreiend alles kurz und klein schlagen wollten. SO hält man Menschen nicht bei der Stange, vor allem nicht, wenn sie sowieso schon auf dem Zahnfleisch laufen, mit den Nerven völlig am Ende sind, vor Existenzängsten nicht mehr schlafen können. Schwer gebeutelte Menschen bei der Stange halten gelingt nur durch Wertschätzung, durch Anerkennung ihrer schwierigen Situation, durch SOFORTIGE Entlastung finanzieller und arbeitstechnischer Art, durch immer wieder appellieren an ihre Solidarität UND durch Belohnung, NICHT durch weitere Frustration. Wäre ich Frau Merkel, dann würde ich folgende Rede (so oder ähnlich) halten:
 

„Liebe Mitbürger*innen!

Ich danke Ihnen aus vollem Herzen für Ihre Geduld, Ihr Verständnis für die notwendigen Maßnahmen, die die Bundesregierung zum Schutz Ihrer Gesundheit bestimmen und durchsetzen musste und für Ihr Vertrauen darauf, dass wir nach bestem Wissen und Gewissen handeln und für Ihre Nachsicht, wenn nicht alles optimal läuft. Wir Verantwortlichen bemühen uns nach Kräften, das Land und seine Menschen so gut wie möglich durch diese fraglos schwerste Zeit seit Jahrzehnten zu manövrieren und wir wissen es sehr zu schätzen, dass wir auf eine verlässliche „Mannschaft“ bauen können. Damit wir alle über die Ostertage und für die Zeit danach neue Kraft schöpfen können, ermöglichen wir ab Gründonnerstag die Öffnung der Außengastronomie unabhängig von Inzidenzwerten – natürlich unter Einhaltung der AHA-Regeln und der Kontaktbeschränkungen – sowie das kontaktlose Reisen innerhalb Deutschlands. Die Eisdielen dürfen im ganzen Land an allen Ostertagen im Außenbereich und für Straßenverkauf geöffnet sein, ebenso Freizeitparks und Zoos mit Zugangsbeschränkungen sowie Autokinos und andere auf diese sichere Art durchführbare kulturelle Veranstaltungen. Ich vertraue darauf, dass Sie über genügenden Willen verfügen, um verantwortungsvoll mit diesen lange vermissten Freiheiten umzugehen. Sie alle wissen, was für uns alle auf dem Spiel steht! Wir werden noch eine ganze Weile weiter durchhalten müssen und nur wenn alle mitmachen, werden wir diese Krise schneller und erfolgreich beenden können.

Ich habe verbindlich bei Petrus stabiles sonniges Frühlingswetter bestellt!
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen fröhliche und kraftbringende Ostertage!“

 
matt und mütend

Nachtrag eine Woche, nachdem ich diesen Text geschrieben habe:
Ich glaube, es geht ganz vielen Menschen so wie mir, dass Bauch und Kopf miteinander debattieren. Die beständig steigenden Infektionszahlen lassen eigentlich nur zu, einen erneuten landesweiten Shutdown durchzuführen, richtig hart und konsequent. Die Intensivstationen in Deutschland sind bereits zu 81% belegt und sie werden natürlich nicht nur für COVID-19 Patienten benötigt. Wenn keine Betten mehr frei sind, wird das Verkehrsunfallopfer, der Herzinfarkt- oder Schlaganfallpatient nicht die lebensrettende Behandlung erhalten, die er braucht. Schon lange werden alle nicht unbedingt notwendigen Operationen verschoben. Es ging von Anfang an darum, die Krankenhäuser nicht an oder über ihre Belastungsgrenzen zu bringen. Nicht alle Länder haben das geschafft, dort hat ein Shutdown dann allerdings dazu geführt, dass die Situation sich innerhalb weniger Wochen wieder entspannte. Ich glaube, dass viele Menschen erst dann bereit sind, den Ernst der Lage zu akzeptieren, wenn sie selbst betroffen sind, wenn Menschen in ihrem Umfeld sterben oder wenn sie miterleben, wie z. B. in Portugal, dass Krankenwagen sich vor überfüllten Krankenhäusern stauen. Das alles ist uns bisher erspart geblieben, was natürlich gut ist, aber eben auch nicht. Ich lese in den sozialen Medien relativ viele Statements von Beschäftigten im Gesundheitswesen. Die gehen inzwischen auf dem Zahnfleisch, viele mussten schon aufgeben, weil sie völlig ausgebrannt sind, viele halten nur noch aus Pflichtbewusstsein aus, nach der Pandemie bzw. der Krise werden massig Kündigungen folgen. Es stehen aber nicht schon jede Menge Fachkräfte Schlange, die unter den jetzigen Bedingungen übernehmen wollen. Was machen wir alle denn, wenn es nicht mehr genügend Krankenschwestern (ich weiß, die heißen inzwischen anders), Pfleger, Altenpflegekräfte gibt???
Okay, das alles war der Kopf, der Gehör finden sollte. Der Bauch will trotzdem Eis 🍧 und Urlaub 🌊.

Passt auf euch auf und bleibt gesund!

written by Ingrid
photo taken with iPhone

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