Und schon wieder Pfingsten!

 
 
Wird es langsam besser??? Ich warte seit Wochen darauf, dass es mal ein offenes Statement zur Aufhebung des bundesweiten Beherbergungsverbots gibt, stattdessen machen jetzt die einzelnen Bundesländer wieder auf unterschiedlichste Art auf. Mal mit Modellregionen, mal nur für „Landeskinder“ (wurde in Niedersachsen vom Oberverwaltungsgericht inzwischen gekippt), mal nur für voll Geimpfte oder Genesene. Wenn die Eltern geimpft sind, die Kinder aber nicht, weil sie ja noch nicht geimpft werden, dürfen die Eltern in die Ferienwohnung, ihre Kinder aber nicht!!! Das hat man immerhin inzwischen geändert. Herr Söder hat für Bayern schon vor Wochen verkündet (er musste mal wieder der Erste sein), dass ab dem 21. Mai mit Beginn der Pfingstferien alles wieder öffnen darf, also auch die Camping- und Stellplätze, eine stabile Inzidenz unter 100 im entsprechenden Landkreis vorausgesetzt. Spätestens Mitte Juni dürften wohl alle, die können, nachgezogen haben. Dann wird es spannend! Viele Menschen scheinen ernsthaft zu glauben, dass es das dann war mit der Pandemie. Wäre ja schön, ist aber unrealistisch. Erst gut 12% der Bevölkerung Deutschlands sind vollständig geimpft. Wenn alle, die können und wollen, durch sind, ist Spätherbst und dann brauchen die ersten schon eine Auffrischungsimpfung. Alles wird vom Impffortschritt und -erfolg abhängen, denn es wird schätzungsweise genauso werden wie im letzten Herbst. Wiedergewonnene Freiheiten freiwillig wieder einschränken oder unfreiwillig eingeschränkt bekommen, werden mindestens genauso viele Menschen nicht akzeptieren und mittragen wie bisher.

Beim Gasflasche tauschen am Montag saßen wie gewohnt vier Mitarbeiter im offenen Bürobereich hinter dem Tresen, wie gewohnt alle ohne Maske. Es dauerte lange, bis sich der Mann am ersten Schreibtisch (den ich bisher noch nie gesehen hatte) aufraffen konnte, aufzustehen, sich eine FFP2-Maske aufzusetzen und mich zu bedienen. Ich trug mein Begehren höflich vor und gab ihm die Rechnung vom letztes Mal. Daraus ist zu ersehen, dass ich als Kassenkunde (ohne Kundenkonto, es dürfen derzeit ja wieder nur Handwerker einkaufen) kaufe und da es sich um Verbrauchs- bzw. Heizmaterial handelt, ist das zulässig. Missmutig ging er zum Kassencomputer und fragte nach kurzer Zeit nach meiner Telefonnummer. Ich erlaubte mir, zu sagen, dass die im letzten halben Jahr noch niemand abgefragt hätte. Ja, jetzt sei es aber so! Dann wollte er Namen, Vornamen und schließlich die Adresse wissen. Ich machte noch einmal mein Erstaunen darüber deutlich und ziemlich unfreundlich kam die Antwort, dass er das zur Kontaktverfolgung brauche, wir hätten nämlich Corona und eigentlich dürfte ich gar nicht da sein! An dieser Stelle wäre ich gerne ausfällig geworden und hätte ihm erzählt, wie genau ich weiß, dass „wir Corona haben“ und was das vor allem in den letzten sechs Monaten für mich bedeutet hat. Und warum, wenn wir doch Corona haben, er seit einem halben Jahr der erste ist, der diese Kontaktverfolgungsdaten von mir wissen will. In den Wintermonaten war ich jede Woche zweimal da! Und warum es offenbar keine Homeofficepflicht in seinem Betrieb gibt und vor allem keine Maskenpflicht??? An seinem Tonfall war allerdings deutlich seine Stimmungslage abzulesen und in solch einem Fall wird eine Konfrontation nur ungut. Es fällt mir nicht leicht, mich dann zurückzunehmen, aber je länger diese ganze Sch… dauert, desto „wurschtiger“ empfinde und reagiere ich, nach dem Motto: „Ihr könnt mich doch alle mal kreuzweise!“ Erzürntes Smiley

Vor dem Stellplatz wird die angrenzende Siedlungsstraße aufgerissen. Der Schuttcontainer steht in der Einfahrt vom Stellplatz und entsprechend groß ist das Getöse, wenn der Baggerfahrer seine Schaufel voller Asphalt dort hinein entleert.

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Heute wurde der Rasen hier auf dem Stellplatz (endlich mal) gemäht (laut) und mit einem Pfitzer wurden die Feinarbeiten erledigt (laut). Immerhin hatte jemand mein Stromkabel vom Gras auf den Schotter gelegt. Da wäre es dann liegengeblieben, wenn ich es nicht wieder zurückgelegt hätte. Ja, ist nur eine Kleinigkeit, zeigt aber das Grundproblem von zunehmender Gleichgültigkeit. Ich glaube, dass sehr viele Menschen mit der Komplexität unserer Zeit inzwischen überfordert sind und diese ungewohnte, nie dagewesene Pandemie, zumindest nicht in unseren Breiten, bringt viele an ihre Grenzen und lässt alle mühsam errichteten und sorgsam gepflegten Schutz-/Verteidigungswälle bröckeln und schlimmstenfalls einstürzen. Die Nerven liegen bei vielen blank, bei mir auch.

FeiertagsruheHier ist noch nichts auf, die Inzidenz liegt noch weit über 100. Mir ist das recht, es ist auch so schon laut genug. An Nachbarn werde ich mich erst wieder gewöhnen müssen und ich ahne schon, dass es mir nicht leicht fallen wird. Bis mindestens Ende Juni werde ich noch hierbleiben, da ich dann zum zweiten Mal geimpft werde. Eine eMail an den zuständigen Landrat mit Schilderung meiner besonderen Situation war erfolgreich. Er telefonierte mit „meinem“ Leiter des Ordnungsamts, der erteilte mir die Genehmigung, die Stellplatzadresse vorübergehend als Meldeadresse angeben zu dürfen und innerhalb von 36 Stunden hatte ich einen Anruf eines freundlichen jungen Mannes, der mir zwei Impftermine zuteilte. Ich durfte sogar darum bitten, sie auf den späten Nachmittag zu legen. Laut lachen

Ich räumte Oscarlotta fahrfertig und fuhr die 12 Kilometer zum zuständigen Impfzentrum. Höchste Zeit, sie mal wieder zu bewegen, die Bremsscheiben rosteten schon fröhlich vor sich hin! Der Parkplatz am Impfzentrum war ausreichend groß, ich brauchte nichts mehr zu erklären und keine meiner Sondergenehmigungen vorzuzeigen, man war informiert. Mit einem sehr guten Gefühl verließ ich eine gute halbe Stunde später das super organisierte Zentrum und fuhr, da ich schon unterwegs war, noch zum LPG tanken und zu dem tollsten Edeka-Markt, den ich jemals gesehen habe. Dort muss man aufpassen, nicht in einen Kaufrausch zu verfallen!

Glücklich kam ich wieder am Stellplatz an und stellte dann fest, dass die Fahrzeugbeleuchtung sich nicht mehr automatisch ausschaltet, wenn ich den Zündschlüssel abziehe. Bei der Tankstelle und beim Edeka-Parkplatz funktionierte es noch! Irgendwas ist immer! Ich muss demnächst aber sowieso in eine Iveco-Werkstatt, weil es eine Rückrufaktion gibt. Nach 14 Jahren!!! Das Layout der elektrischen Anlage muss geändert bzw. ein Trennschalter, wofür auch immer, ausgetauscht werden. Weil sonst bei ungünstigen Bedingungen Feuchtigkeit in den Kabelbaum eindringen könnte, was zu einem Kurzschluss in der ABS-Steuerung und folglich zu einer Fehlfunktion oder Beschädigung und im Extremfall zu einen Brand führen könnte und zwar sowohl bei ein- als auch bei ausgeschaltetem Motor. Jetzt war das zwar die letzten 14 Jahre offenbar kein Problem, aber ein blödes Gefühl bleibt trotzdem. Also versuchte ich, dort einen Termin zu bekommen, wo ich schon Anfang Dezember die alljährliche Wartung hatte durchführen lassen. Zwar eine Iveco-LKW-Vertragswerkstatt, gewartet und repariert werden dort vorrangig aber nur Traktoren. Ich durfte in Oscarlotta bleiben und hatte interessante Ausblicke. Ich glaube, Oscarlotta war ein wenig neidisch auf die Reifen der „Kollegen“.

DeutzDeutz

Der Werkstattleiter teilte mir mit, dass er von der Rückrufaktion wisse und für einen Kunden auch vor Wochen schon das Ersatzteil bestellt, es aber bis heute nicht erhalten habe. Wie lange ich denn noch hier sei? Wenn es bis dahin nicht mehr klappen würde, könne er mir das Teil an eine beliebige Adresse schicken, damit ich es bei einer beliebigen anderen Iveco-Werkstatt austauschen lassen könne. Das würde vier bis sechs Stunden dauern!!! Also muss ich wohl warten…
Bei dem Werkstattbesuch im Dezember wurde auch mal wieder nach der Ursache gesucht, warum meine Fahrerhausklimaanlage immer nur für kurze Zeit funktioniert, ich hatte ja schon mehrfach darüber geschrieben, eine unendliche Geschichte. Es konnte eigentlich nur noch ein defektes Kabel verantwortlich sein und wirklich fanden die Mechaniker dies: Erstauntes Smiley

Kabel

Das sah ja nun wirklich nicht gut aus! Man konnte mir leider nicht sagen, was der Auslöser gewesen sein könnte und so bleibt die Unsicherheit, dass so etwas jederzeit wieder passieren kann. Das Kabel wurde ausgetauscht und bei meiner Fahrt zum Impfzentrum probierte ich die Funktion der Klimaanlage, obwohl die Außentemperaturen dagegen sprachen. Sie funktioniert, aber das hat sie auch schon einmal bis zu 100km nach einer Reparatur getan. Also abwarten und darauf hoffen, dass sie auch dann noch arbeiten wird, wenn ich sie wirklich brauche. Enttäuschtes Smiley

Uschi wartet die Pfingsttage noch auf dem noch nicht geöffneten Campingplatz in Lauterburg ab, bevor sie sich auf den Weg macht. Auch sie will jetzt endlich mal wieder eine andere Aussicht, andere Wege und neue Erlebnisse, obwohl die Natur auf der Schwäbischen Ostalb gerade alles gibt.

LauterburgLauterburgLauterburg
 
FahrradträgerFahrradträgerFahrradträger

Ihr Fahrradträger ist bereits bestückt, Flitzis Hauptuntersuchung wurde einen Monat vorverlegt, mein Hänger ist sauber und winterfest gemacht, kaum nachdem er „entwintert“ wurde. Wenn alles gut geht, werden wir so bald nicht zurückkehren. Aber wer weiß das schon? Fünf Tage Inzidenz über 100 – zack, alles wieder zu! Dieses Damoklesschwert wird uns wohl noch eine Weile begleiten. Herr Lauterbach äußert sich erstaunlicherweise zuversichtlich, was den Sommer betrifft, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass am Ende des Jahres ca. 5 Milliarden der Menschen auf der ganzen Welt noch nicht geimpft sein werden. Wir haben eben nicht nur Corona, sondern eine Pandemie. Augen rollendes Smiley

Wir wünschen euch schöne, hoffentlich überwiegend sonnige und nicht zu kalte Pfingsttage! Passt trotz aller Öffnungen und Lockerungen bitte weiter gut auf euch auf, auch wenn ihr bereits oder demnächst vollständig geimpft seid. Die Impfungen sind ein guter Schutz, aber auch sie bieten keine hundertprozentige Sicherheit! Und verlasst euch auch nicht allzusehr auf die Schnelltests, die haben nur eine Verlässlichkeit von etwa 60 Prozent. Das heißt, im Restaurant kann jemand am Nachbartisch sitzen, der ein negatives Testergebnis hat, aber trotzdem infiziert und hochansteckend sein kann. Selbst wenn euch die Impfung bei einer nicht hundertprozentig ausschließbaren Ansteckung vor einem schweren Verlauf schützen sollte und hoffentlich wird, gebt ihr das Virus trotzdem unbemerkt und ungewollt weiter. Vergesst das bitte nicht, auch und besonders zum Schutz all derer, die noch keine Chance hatten, sich impfen lassen zu können.

Passt auf euch auf und bleibt gesund!

written by Ingrid
photos taken with iPhone and taken by Uschi with Samsung Galaxy S20

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Corona-Notlage(r)

 
 
Ich bin #mütend. 😞😤

An manchen Tagen überwiegt die Müdigkeit, die Hoffnungslosigkeit und alles ist nur mühsam und mein Energielevel ist kurz vor Reserve. Es soweit wieder aufzuladen, dass ich wenigstens die notwendigen Alltagsgeschäfte erledigen kann, ist nicht jeden Tag einfach. Manchmal gelingt es auch gar nicht. Das sind dann die Tage, an denen ich erst nach 15 Uhr aus dem Bett finde und mich trotzdem bleischwer fühle und nur im Zeitlupentempo funktioniere. Und froh bin, wenn ich NICHTS muss und dass NIEMAND etwas von mir will.

Am 29. April war ich genau 6 Monate hier, pandemiemäßig gestrandet auf einem kleinen Stellplatz in einem netten Städtchen in Bayern, freundlicherweise geduldet, sowohl vom Stellplatzchef als auch vom Leiter des Ordnungsamtes. Ich mache mir keine Illusionen darüber, dass das einzig und allein deswegen so ist, weil ich hier bezahle. Mitgefühl hat, Gedanken über meine Situation macht sich niemand. Dass ich die Aufenthaltsgenehmigung als „Härtefall“ vom Ordnungsamt bekam, habe ich nach der anfänglichen Ablehnung durch persönliches Erscheinen erkämpft, eine Mietpreisermäßigung wegen wochenlangem Baulärm auf dem Stellplatz wurde vom stellvertretenden Badleiter abgelehnt mit der Aussage, ich könne mich ja weiter nach hinten stellen. Weiter hinten ist die vielbefahrene Straße! Das sind die Gründe dafür, dass an manchen Tagen die Wut die Müdigkeit überlagert. Insbesondere dann, wenn neben meinem Wohnzimmerfenster wieder ein orangefarbener Transporter der Baufirma steht und mir die Sicht nimmt.

Transporter

An einem Donnerstag war es wieder so weit und abends klemmte ich einen Zettel unter den Scheibenwischer mit der freundlichen Bitte, das Fahrzeug nicht das ganze Wochenende so stehen zu lassen, ich hätte gerne eine Aussicht, auf die Zufahrt und überhaupt. Am nächsten Morgen wurde ich kurz nach sieben durch Türen schlagen und Motorengeräusch geweckt. Der Fahrer gab einmal richtig Vollgas, direkt neben meinem Bett und parkte sein Fahrzeug dann einen Platz weiter wieder ein, erneutes Türenschlagen inklusive.

Ich bin #…ütend. 😤

Ich frage mich oft, in was für einer Welt ich lebe. Anteilnahme, Solidarität, Mitgefühl, Freundlichkeit, Fürsorge – das alles scheint nicht mehr Normalität, sondern zur Rarität geworden zu sein. Alte Menschen habe ich im Laufe meines Lebens schon oft sagen höre, dass „früher“ alles besser war und ich habe es belächelt. Jetzt bin ich selbst alt und sage es auch.

Seit dem 2. November 2020 ist über Deutschland ein Beherbergungsverbot verhängt. Deswegen stehe ich seitdem hier. Beherbergungsverbot bedeutet, dass alle Beherbergungsbetriebe und -orte geschlossen sein müssen und nicht für Übernachtungen genutzt werden dürfen. Das gilt nicht nur für Hotels, Pensionen, private Zimmervermietungen, Camping- und Stellplätze, sondern auch für nicht bewirtschaftete, kostenfreie Stellplätze sowie Wald-, Wander- und sonstige Plätze und sogar für Privatgrund. Jegliche Beherbergung ist einfach verboten! Siehe „hier“. Im privaten Raum wird das durch die Kontaktbeschränkungen zu regeln versucht und durch die ernstgemeinte Aufforderung seitens der Regierung, touristische Reisen und nicht zwingend notwendige Familienbesuche zu unterlassen und jetzt auch durch die nächtlichen Ausgangssperren. Das freie Stehen mit Wohnmobil ist in den meisten Ländern sowieso nicht erlaubt, in Deutschland wird es geduldet zur Wiedererlangung der Fahrtüchtigkeit für maximal 10 Stunden ab Ankunft, Campingverhalten (Stühle und Tisch draußen, ausgefahrene Markise) ist untersagt. In Spanien gilt schon ein offenes (Dach-)Fenster und die ausgefahrene Trittstufe als Beweis für Camping. Wenn man, wie derzeit, aber nicht reisen SOLL, entfällt diese Duldung auch. Trotzdem herrscht in Deutschland schon wieder eine rege Reisetätigkeit, ich höre es von verschiedenen Seiten und ich sehe die Wohnmobile, die während der Woche und besonders am Wochenende die VE-Station hier anfahren. Das Motto in unserer Gesellschaft wird anscheinend immer mehr zu: „Ich mache, was möglich ist. Ob es erlaubt ist oder nicht, interessiert mich nicht. Machen alle anderen ja auch so und warum soll ich denn der Dumme sein? Wird schon gut gehen! Und wenn nicht, mein Gott, dann bezahl ich eben die paar Kröten, dafür hatte ich dann aber wenigstens meinen Spaß. Wenn die anderen sich nicht trauen, sind sie selbst Schuld.“ Unrechtsbewusstsein? Ist nicht mehr „in“. Solidarität? Was ist das? Habe ich da was von? Nur Nachteile? Nee, dann ohne mich!

An dieser Textstelle klopfte es an mein Fenster und ein freundlich lächelndes Paar um die Sechzig fragte, ob der Platz geschlossen sei und warum ich denn „so einfach“ hier herumstehen würde. Ich war ja gerade gut im Thema, aber auf alles, was ich fragte und anmerkte und kritisierte, bekam ich lediglich ein mildes Lächeln und ein „ach, das geht schon“ und „die Menschheit war wohl schon immer egoistisch, sonst wäre sie nicht so weit gekommen“. Man habe die Tochter in Ulm besucht. Ich habe nicht gefragt, ob sie alleinlebend oder alleinerziehend ist. Man wünschte mir freundlich lächelnd alles Gute und ging absolut gelassen zurück zum Van. Im Grunde hatte ich ja noch Glück mit dieser Begegnung, die Regel ist es nämlich heutzutage, dass Menschen, die auf ein Fehlverhalten hingewiesen werden, nicht nachdenken, sondern sofort aggressiv reagieren. Habe ich hier auch schon erlebt.

Ich bin #mütend. 😞😤

Was ist denn bloß los mit den Menschen??? Ist man nicht mehr in der Lage, die Gründe, die für das Erlassen von Gesetzen und Verboten maßgeblich sind, zu erkennen und dann SELBSTVERSTÄNDLICH die Verbote einzuhalten? Alle gemeinsam? Der aktuelle, leider schon über ein Jahr dauernde Grund ist dieses Virus. Warum schaffen es so viele Menschen NICHT, trotz der inzwischen millionenfachen Todesfälle weltweit, die Bedrohung ernst zu nehmen? Weil man sich nicht mehr einschränken kann? Weil in unserer Konsumwelt alles sofort möglich ist? Weil wir Frustration und Verzicht nicht mehr gewöhnt sind? Weil Anteilnahme, Solidarität, Mitgefühl… siehe oben… WIRKLICH nicht mehr gelebt werden? Im Fernsehen wird gezeigt, dass alle Parks, Promenaden etc. voller Menschen sind, so wie vor Corona. Die Bauarbeiter hier trinken ihr Feierabendbier eineinhalb Stunden lang zu neunt um eine Holzkiste dicht nebeneinander stehend, natürlich ohne Masken, man ist ja draußen. Sie sind aus zwei Firmen und arbeiten in einer dritten, sind aber doch alles Kollegen. In der Firma, bei der ich meine Gasflasche tausche, scheint weder Homeoffice noch Maskenpflicht durchgesetzt zu werden. Ich habe mit fassungslosem Erstaunen zur Kenntnis genommen, wer in meinem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis sich mehr oder weniger häufig und mehr oder weniger bewusst NICHT an die Regeln hält. Es befremdet mich, im Wortsinne.

Ich bin #mü… 😞

Der sehr verstörende, tödliche, Existenzen vernichtende und Angst machende Ausbruch einer Virus-Pandemie scheint im allgemeinen Verständnis der Menschen die persönliche Schuld von irgendjemandem zu sein oder die Strafe der Götter, manche Querdenker haben sich eine oder mehrere konkrete Personen ausgesucht, niemand aber scheint sich Gedanken darüber zu machen, welchen Anteil er selbst mit seiner Lebensweise daran hat. Was begünstigt denn eigentlich Zoonosen?

Um Kommentaren vorzubeugen möchte ich ganz deutlich sagen, dass mir durchaus klar ist, dass bei allen Außenaktivitäten die Ansteckungsgefahr reduziert bis nicht vorhanden ist (siehe meinen Ostereintrag) und dass das Wohnmobil fahren als solches keine Gefahr darstellt. Ich weiß auch, dass nicht nur ich #mütend bin, weil die Beschlüsse unserer Bundesregierung nicht alle gut durchdacht und nach mehr als einem Jahr wenig vielfältig sind. Ich würde auch gerne langsam mal wieder woanders hinfahren! Meine persönlichen Kontakte beschränken sich seit 6 Monaten auf die paar Worte mit Verkäufer*innen, Kassierer*innen und dem Gärtner über den Zaun alle zwei Wochen. Alles andere findet am Telefon statt, per eMail und SMS. Seit 6 Monaten!!! Nein, das ist nicht schön! Und – ganz ehrlich – inzwischen mache ich das nicht mehr, um andere zu schützen, sondern nur noch, um mich selbst zu schützen. Wenn das alle so machen würden, zumindest alle, denen das möglich ist, wäre das eine Form von Egoismus, die etwas Positives bewirkt. Der Egoismus, der in der Welt vorherrscht, tut das leider nicht.

Ich bin #mütend 😞😤

BaustelleBaustelleBaustelleBaustelleBaustelleBaustelle

Aktuelles Beispiel:
Neben mir steht ein Weinsberg Pepper, alle Fenster blickdicht verschlossen. Irgendwann kommt eine Frau um die Sechzig auf ihrem Fahrrad angefahren und wenig später klopft sie bei mir. Ob man hier Strom anschließen könne? Ich mache sie darauf aufmerksam, dass der Platz geschlossen ist. Ja, das weiß sie, aber in Nürnberg und in ? war das auch kein Problem. Beherbergungsverbot? Das weiß sie auch, aber in Nürnberg… Sie besucht hier eine Freundin und sie weiß auch noch gar nicht, ob sie heute Nacht in ihrem Wohnmobil schläft oder bei ihrer Freundin. ICH FASSE ES NICHT!!! Im Schaukasten hängt ein Hinweis, dass der Platz pandemiebedingt geschlossen ist, um den Schaukasten ist das Absperrband gezogen. Was braucht es denn noch? Man entfernt einfach das Band und fährt auf den Platz, man ignoriert, dass touristische Reisen unterbleiben sollen, man lässt sich von einer Freundin abholen und bleibt u. U. die Nacht dort. Wie dumm oder ignorant kann man denn sein, dass man nach über einem Jahr immer noch nicht verstanden hat, wie Ansteckung funktioniert???
Vor ein paar Wochen demonstrierte ein Familienvater seinen ca. 14- und 8-jährigen Söhnen, wie man mit Verboten und gesperrten Plätzen umgeht, nämlich genauso. Das alles macht mich soooo

#…ütend. 😤 😤 😤

aktuell

Der Stellplatz- bzw. Badleiter behauptet, dass sie täglich kontrollieren und die Wohnmobile dann auch wegschicken, außer natürlich am Wochenende (natürlich?). Die Polizei interessiert das alles gar nicht. Eines Abends kam ein Streifenwagen fünf Minuten, nachdem ein Kastenwagen auf den Platz gefahren war. Er hielt vor dem Absperrband, machte das Licht aus und dann passierte zehn Minuten gar nichts. Das Licht ging wieder an und der Streifenwagen fuhr davon.
Ich sehe absolut schwarz für die Zukunft, übrigens in jeglicher Hinsicht. Wenn jetzt schon so deutlich wird, dass man sich nicht mehr an Regeln und Gesetze hält, weil es keine oder viel zu lasche Konsequenzen nach sich zieht, wie soll das denn erst werden, wenn die Restriktionen kommen, die in den nächsten Jahrzehnten nötig sein werden, um die Klimaziele zu erreichen? Wenn der überwiegende Teil der Menschheit (ich meine die Menschen, denen es möglich ist) jetzt schon nicht versteht, warum es gut wäre, sich an Regeln zu halten, wie soll das dann funktionieren?

Ich bin #mü… 😞

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.