Werkstatt zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten…

 
Im November muss Oscarlotta zur HU/AU. Aufgrund der besonderen Umstände muss ich mir immer da, wo ich gerade bin, eine passende LKW-Werkstatt suchen. Natürlich könnte ich auch einfach zum TÜV oder zur Dekra fahren, so wie letzten November in Coburg, aber diesmal stand wieder ein Ölwechsel an. Wir waren inzwischen in der Nähe von Soltau und dort gab es, was ich brauchte.

Iveco-Siemsglüss

Iveco-SiemsglüssUm 10 Uhr sollte ich dort sein, also war frühes Aufstehen angesagt! Uschi holte mich ab, nachdem ich alles in Auftrag gegeben hatte und wir fuhren erst einmal einen Kaffee trinken und danach ins Designer Outlet Soltau. Das kannten wir schon und wussten, dass es ein asiatisches Restaurant gibt mit sehr leckeren Gerichten, auch vegetarisch. Das Outlet ist, verglichen mit Wertheim oder Roermond, eher klein und nordisch schlicht. Es war aber sehr schön herbstlich geschmückt, natürlich mit viel Heidekraut.

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Dann war warten angesagt und gerade, als wir beschlossen, schon einmal auf den Parkplatz der Werkstatt zu fahren, kam der Anruf, dass Oscarlotta fertig sei. Der TÜV-Prüfer hatte nichts zu beanstanden gehabt, ABER da sei ja noch eine Rückrufaktion von Iveco offen!? Ich erklärte, dass ich die im letzten November nicht hatte erledigen können, weil die Werkstatt die benötigten Teile nicht bekam. Danach hatte ich beschlossen, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Es handelt sich um irgendein Bauteil des ABS und um ungünstige Bedingungen von Wassereintritt. Da es 14 Jahre gut gegangen war, ging ich davon aus, dass das so bleiben würde. Der Werkstattmensch informierte mich dann allerdings, dass ich es machen lassen müsse, weil sonst 2022 die Betriebserlaubnis meines Fahrzeuges erlöschen würde! Erstauntes Smiley
Das war ein schlagendes Argument! Er fragte ab, ob die Teile verfügbar waren und meinte, dass sie innerhalb von drei Werktagen da sein müssten. Das war am Dienstag und am nächsten Montag rief ich mal an. Es wären leider noch nicht alle Teile da! Ich erinnerte noch einmal daran, dass ich auf der Durchreise sei und bat darum, mich nicht zu vergessen. Die Woche verging, ohne dass sich etwas tat! Am Montag erfuhr ich, dass drei von vier Teilen da seien und das vierte wahrscheinlich Mitte der nächsten Woche komme. Wahrscheinlich ist ein sehr ungenauer Begriff und so sagte ich, dass ich erstmal zum Steinhuder Meer (100km) fahren würde und zurück käme, wenn das Teil da sei. Falls es sich massiv verzögere, müsse man mir halt alles dahin nachschicken, wo ich dann gerade sein würde.
Wir fuhren am nächsten Tag und ungefähr auf der Hälfte der Fahrt tauchte unvermittelt eine Fehlermeldung im Display auf: „Motor defekt – Motor kontrollieren lassen – 129“. Gleichzeitig leuchteten zwei Lämpchen auf, die mir nichts sagten. Sonst passierte nichts, Oscarlotta fuhr brav weiter. Ich steuerte den nächsten Parkplatz an, stellte den Motor aus und startete hoffnungsfroh neu. Die Meldung kam sofort und die Lämpchen leuchteten. Verwirrtes Smiley Nicht mehr ganz so frohgemut fuhr ich weiter. Die Meldung kam in regelmäßigen Abständen, aber Oscarlotta fuhr unbeirrt, kein Leistungsverlust, kein Notlauf. Auf dem Stellplatz am Steinhuder Meer angekommen, schaltete ich den Motor noch ein paarmal aus und ein, bis ich auf dem richtigen Platz und auf Keilen stand, das Ergebnis war immer gleich. So würde ich natürlich nicht nach Soltau zurückfahren, das war klar! Ich machte mich in meiner Iveco-Betriebsanleitung schlau und im Internet, mit dem Ergebnis, dass es alles mögliche sein könne und einige Erfahrungsberichte besagten, dass alles mögliche ausgetauscht worden war, auch mehrfach und die Fehlermeldung nach ein paar hundert Kilometern wieder auftauchte. Trauriges Smiley
Na, prima!
Ich suchte nach der nächstgelegenen Iveco-Vertragswerkstatt. Zunächst fuhren wir aber nach Neustadt am Rübenberge zum Impfen, ich berichtete darüber bereits. Am Montag ging es dann mit Uschis Fahrzeug zur Werkstatt, die nur 14km entfernt ist. Ich machte einen Termin für die Fehlerüberprüfung und gab die Rückrufaktion in Auftrag. Das war in Ordnung, aber nicht an einem Tag durchführbar. Die Arbeiten der Rückrufaktion würden 4-5 Stunden dauern (das wusste ich schon) und bei einem Vollintegrierten auch schon mal 7 Stunden! Das Nachschicken der Teile würde man veranlassen, sobald ich mitteilen würde, dass sie in Soltau vorrätig seien. So weit, so gut! Ich bekam einen Termin für den übernächsten Tag, auf meine Bitte hin nicht zum Arbeitsbeginn um sieben (!) Uhr, sondern „erst“ für halb zehn.
Also hieß es, früher zu Bett gehen und SEHR FRÜH aufstehen. Beides klappte, aber viel Schlaf habe ich trotzdem nicht gekriegt. 15 Minuten, nachdem wir bei Iveco weg waren, rief übrigens Soltau an und vermeldete, dass alle Teile da seien! Smiley mit geöffnetem Mund


Und jetzt steht Oscarlotta schon seit fast vier Stunden in der Werkstatt über einer Grube und der Mechaniker macht und tut und läuft mit dem Diagnose-Laptop hin und her und rauf und runter. Ich durfte zum Glück mit rein und bin auch eine Hilfe, muss er doch nur seine Anweisungen geben für Zündung ein und Motor an und nicht jedesmal selbst einsteigen und sich die Plastikschoner über seine Schuhe ziehen, Oscarlotta hat nun einmal keine Fahrertür.

WerkstattWerkstatt

Ich habe es warm und alles, was ich brauche, aber langsam nervt es, zumal der Ausgang noch völlig ungewiss ist…

Es dauerte dann insgesamt 7(!) Stunden, mit dem Ergebnis, dass irgendein Ersatzteil geordert wurde und am nächsten Morgen angeliefert werden sollte. Und ganz offensichtlich hatte der Mensch, der seit viertel vor zehn an Oscarlotta gearbeitet hatte, uns inzwischen vergessen. Als er irgendwann nach einer guten halben Stunde mal wieder vorbeikam und ich ihn fragte, worauf ich denn jetzt eigentlich noch warten muss, fiel ihm ein, dass er mir ja das Tor öffnen sollte, damit ich rausfahren kann. Cooles Smiley Da Oscarlotta nicht wirklich fahrfähig und ich wirklich geschafft war, fuhr ich mit ihr nur vor das Nachbartor, hinter dem ein nicht fahrfähiger LKW stand. Der war die ganze Zeit in der Halle unser stummer Nachbar gewesen. Zwischen den Rolltoren gab es eine Außensteckdose und ich hatte absolut keine Skrupel, sowohl den Kühlschrank als auch meine Heizung mit Strom zu betreiben. Ich würde wohl genug Geld hier lassen müssen! Für den nächsten Tag hieß es, um 7 Uhr parat zu stehen und zu hoffen, dass das Ersatzteil da sein würde. Und dass es das Problem beheben würde!

Übernachtungsplatz

Um 22 Uhr war ich im Bett und konnte sogar relativ zügig einschlafen, es war wunderbar ruhig draußen. Um sechs ging der Wecker!!! Während der nächsten Stunde bekam ich nach langer Zeit mal wieder einen Eindruck vom Leben der arbeitenden Bevölkerung. Witzig, sich vorzustellen, dass alleine für diese Firma jetzt parallel zu mir sich eine Menge Menschen fertigmachten. Um halb sieben wurde der erste Auszubildende per PKW abgeliefert, die ersten zwei LKW verließen den Hof. Um viertel vor sieben ging das Licht im Empfangsraum und in den Büros an, dann in den sechs Werkstatthallen und ein Beschäftigter nach dem anderen trudelte ein. Ich nutzte den Strom noch schnell für zwei Kaffee, bevor ich mein Stromkabel verstaute. Punkt 7 Uhr war ich startklar! Und dann passierte – NICHTS! War das Ersatzteil noch nicht da? Hatte man mich erneut vergessen? Zu übersehen war Oscarlotta ja eigentlich nicht und in dem Büro nebenan hatte ich meinen Mechaniker schon gesehen und er mich sicherlich auch, wartend auf meinem Fahrersitz. Könnte nicht mal irgendjemand kommen und Bescheid geben??? Draußen wurde es langsam hell. Wenn das Wetter besser gewesen wäre, hätte ich seit ewigen Zeiten mal wieder einen Sonnenaufgang erleben können, zu ahnen war er. Und hätte ich doch bloß mein Stromkabel noch angeschlossen gelassen, für einen dritten Kaffee! Noch lieber wäre mir allerdings gewesen, noch eine Stunde länger schlafen zu können.
Um acht holte ich mir einen Kaffee im Empfangsraum. Zur Vermeidung von Plastikmüll hatte ich meine eigene Kaffeetasse mitgebracht. Die dürfe er nicht anfassen, wegen Corona, sagte der Mitarbeiter. Ich durfte sie dann aber immerhin selbst in den Kaffeeautomaten stellen und er drückte die Taste. Seltsame Zeiten! Ob hier, wie es seit dem Vortag gesetzlich vorgeschrieben ist, jeder nicht geimpfte Mitarbeiter täglich einen Schnelltest vorweisen muss? Ich bezweifle es. Nach meinem Impfnachweis hatte auch niemand gefragt und ich musste ihn der Büroangestellten regelrecht aufdrängen. Ich sage ja schon lange, so wird das nichts! ? Ganz anders in allen Bäckereien mit angeschlossenem Café. Bevor man überhaupt bestellen kann, muss man nachweisen, dass man geimpft ist!
Zu dem Thema (auch wenn es mit meinem Werkstattmarathon nur bedingt zu tun hat), ist „hier“ noch ein unterhaltsames und informatives Video, von und mit der genialen Mai Thi Nguyen-Kim (maiLab). Sie bringt es, wie immer, auf den Punkt und ich empfehle es vor allem denen, die meinen, dass Corona doch nicht mehr so schlimm ist, weil sie geimpft und vielleicht schon geboostert sind und deswegen dieses Jahr Weihnachten doch wieder so stattfinden kann wie früher. Sorry, Leute, kann es nicht! Müdes Smiley
Mein Ersatzteil sei leider noch nicht da, erfuhr ich. Und nun? Er würde mal in der Werkstatt nachfragen gehen… Ich hatte meine Tasse fast leer getrunken, bis er wieder auftauchte. Ich könne in die Halle fahren, das Teil sei da. Es war kurz vor halb 9 und man begann, unter Oscarlotta etwas einzubauen.
Um viertel nach 9 wurde das Diagnosekabel wieder angeschlossen und alles begann von vorne. Ein Magnetventil für die EGR-Steuerung war getauscht worden, aber es behob offenbar das Problem nicht, welches auch immer. Ich durfte wieder die Zündung und den Motor ein- und ausschalten… Der Mechaniker machte einen leicht verzweifelten Eindruck und ging erst einmal frühstücken. Danach arbeiteten zwei Männer weiter und verstanden nicht, warum das, was sie probierten, nicht funktionierte. Irgendwann blieb die Fehlermeldung aus und auch die Motor-Kontrolllampe leuchtete nicht mehr. Aber der Mechaniker war immer noch alles andere als zufrieden. Er verschwand erneut in den Untergrund und es klopfte und hämmerte und ich wurde leicht hin und her geschaukelt. Inzwischen war es 11 Uhr. Mein Glück war, dass inzwischen das Firmen-WLAN funktionierte und so schrieb ich häppchenweise an diesem Text und schaute ein Video nach dem anderen. Es wurde Mittag und bevor „mein“ Mechaniker in die Pause ging, teilte er mir mit, dass er eine Anfrage bei Iveco gestellt hätte, um die exakten Einstellwerte zu bekommen. In der Hoffnung, dass (bald) eine Antwort kommen würde. Ich machte mich langsam mit dem Gedanken vertraut, auch die nächste Nacht noch hier verbringen zu müssen. Enttäuschtes Smiley
Nach der Mittagspause fing man an, an dem stummen Nachbarn zu schleifen. So laut konnte ich mein iPad gar nicht stellen, da halfen nur noch Kopfhörer. Langsam tat mir auch der Hintern weh, obwohl ich schon zwischen Beifahrer- und Fahrersitz wechselte. Sooo lange war ich noch in keiner Werkstatt!
Es kam keine Antwort von Iveco. Um 15 Uhr beschloss der Mechaniker, alles wieder ein- oder zusammenzubauen. Mit (viel?) Glück würde die Fehlermeldung wegbleiben. Es würde auch soweit alles gut aussehen, teilweise fast wie neu, also mache ein Austausch wenig Sinn. Interessanterweise bestätigte sich alles, was ich im Internet dazu gelesen hatte. Die Fehlermeldung könnte also durchaus wieder auftauchen und was dann zu tun ist, keine Ahnung!?!? Es hängt offenbar alles mit der Abgasrückführung zusammen, wohl weniger ein Altersproblem als eines der geringen Fahrleistung. ICH HABE KEINE AHNUNG!!! Verwirrtes Smiley
Kurz vor 16 Uhr konnte ich Oscarlotta aus der Halle fahren, ein LKW wartete schon auf den freien Platz. Zu der Firma gehört auch eine große LKW-Flotte, die alle möglichen Sparten bedient. Wahrscheinlich ist die Werkstatt vor vielen Jahren aufgrund der wachsenden LKW-Anzahl entstanden, was ja nur logisch wäre.
Da es schon anfing, dunkel zu werden, bat ich darum, eine weitere Nacht bleiben zu dürfen. Ich wollte/musste auf der Rückfahrt nämlich LPG tanken, eine Gasflasche tauschen und einkaufen und bei Ankunft auf dem Stellplatz über die VE-Station fahren. Das alles im Dunkeln erledigen zu müssen behagte mir nicht wirklich und überhaupt reichte es mir schon wieder. Werkstatttage sind einfach anstrengend! Auf dem Platz der Nacht zuvor hätte ich wieder um sieben in der Lage sein müssen, zur Not wegzufahren, aber ich wollte ganz dringend mal wieder länger schlafen. Also wurde mir der nächste verfügbare Platz mit Steckdose zugewiesen, neben der Bremsprüfanlage. Dort stand ich etwas ziemlich geneigt, hatte aber keine Lust mehr, auf Keile zu fahren. Ich bin da relativ schmerzfrei, für eine Nacht allemal. Für die Dauer einer Stunde war reger LKW-Verkehr, die einen kamen zurück, die anderen starteten ihre Tour und dann war es wieder herrlich ruhig. Was ich wohl würde bezahlen müssen???

Das erfuhr ich dann am nächsten Tag. Ich beeilte mich, noch vor der Mittagspause im Bürobereich aufzuschlagen, mein Schlafdefizit hatte ich um einen Bruchteil verringern können. Die Rechnung belief sich auf „nur“ €841,50 – darin enthalten €695 Lohnkosten. Ich hatte mit mehr gerechnet! Ob alles gut ist/bleibt, wird sich zeigen. Da ja sowieso noch die Rückrufaktion aussteht, wird man ein Motor-Update, vier Versionen neuer, bei Iveco anfordern und installieren. Der Mechaniker geht davon aus, dass er dann auch endlich die nicht mehr aktive Fehlermeldung, die sich trotzdem nicht löschen lässt, gelöscht bekommt. Wir werden sehen…

Leider habe ich versäumt, noch ein Foto von meinem schrägen Schlafplatz zu machen! Auf der Rückfahrt war alles gut, ich stoppte noch an einer Tankstelle, an der ich sowohl LPG tanken als auch meine leere Gasflasche tauschen konnte (für günstige €20), fuhr auf dem Stellplatz wie geplant über die VE-Station und war dann froh, Oscarlotta wieder auf ihren Platz stellen und wohnlich einräumen zu können. Und Uschi freute sich auch, dass ich wieder da war! Smiley
Über das Wochenende kann ich mich jetzt erholen und am Dienstag werde ich zum Übernachten wieder vor der Werkstatt und am nächsten Morgen um 7 Uhr „Gewehr bei Fuß“ stehen…

Steinhude

Passt auf euch auf und bleibt gesund!

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

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