Für 26 Euro eine Nacht auf der Entsorgungsstation

 
Wie der Wetterbericht vorhergesagt hatte, regnete es am Sonntagmorgen Bindfäden – oder, wie man im Pott sagt, es plästerte. Auch für große Teile Frankreichs sollte es so sein. Uschi hatte deswegen am Samstagabend noch eingehend im Internet die Regenradarvorhersage geprüft und kurzerhand unsere geplante Route geändert in der Hoffnung, die von Westen kommenden Tiefs schnell zu durchqueren. Es funzte, nach 150 km schien die Sonne und es wurde von Kilometer zu Kilometer merklich wärmer! Aus der Planänderung resultierte, dass Uschi erneut den Bordatlas bemühen musste, um neue Übernachtungsplätze zu finden. Aber wir lernen auch gerne immer mal wieder etwas Neues kennen und fahren ungern immer die gleichen ausgelatschten Pfade. Also ging es diesmal ab Freiburg die A36 Richtung Dijon und etwas südlich davon war in Seurre unser erster Stellplatz. Gleich ein Volltreffer! Ein hübsches kleines französisches Städtchen in fußläufiger Entfernung, der Stellplatz direkt an einem kleinen Yachthafen, alles an der Saône gelegen. Es gibt 6 eingezeichnete Plätze auf Asphalt, bis 7 Meter Länge. Wir passten (zur Erinnerung: unsere Oscarlotta ist mit Fahrradträger 8,50m lang) nur rückwärts drauf, indem wir mit dem Heck über die anschließende Rasenfläche fuhren, bis direkt vor die Hecke. Da wir den letzten (und letzten freien) Platz nahmen, hätte sogar unser Flitzi noch daneben gepasst – aber den haben wir ja gar nicht dabei. Ist aber eine Überlegung für die Rückfahrt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite standen auf einem Schotterplatz weitere Wohnmobile, Wohnwagengespanne und PKW. Wird als Ausweichplatz wohl geduldet. Es gab ferner eine großzügig angelegte Ent- und Versorgungsanlage, die allerdings für 20 Minuten € 4,10 in Rechnung stellte, ausschließlich mit Kreditkarte zu bezahlen, wie in Frankreich üblich. Dafür ist der Stellplatz kostenlos. Für eine Toilettenkassette ausleeren war es uns aber trotzdem zu teuer, zum Glück haben wir ja eine Kassette in Reserve.

Stellplatz in Seurre Stellplatz in Seurre

AusweichplatzEnt- und Versorgungsstation

Seurre Seurre

Nach ein paar Schritten Richtung Städtchen sprach uns ein Spaziergänger an, der sich freute, mal wieder deutsche Töne zu hören. Wie sich herausstellte, auch ein Mobilist, auch aus dem Pott, Alleinfahrer, da seine Frau vor 5 Jahren verstorben ist, die auch Ingrid hieß! Er liebt Frankreich, war zwei Monate unterwegs und jetzt auf dem Heimweg. Der Nachbar, der nach Post und Haus und Garten schaut, hätte schon telefonisch angefragt, ob er überhaupt nochmal komme. Wir setzten unseren Gang zu dritt fort und hatten ein angeregtes Gespräch mit viel Erstaunen seinerseits. Zwei Frauen allein? Keine Wohnung mehr? Wie geht denn das? So weit sei er noch nicht, obwohl das Haus für ihn allein viel zu groß sei, ein Reihenendhaus in Essen, und mit Gartenarbeit habe er es auch nicht. Im Winter könne er gar nicht weg, 80m Gehweg müssten geräumt werden, wenn es schneit… Wir wollten ihm die Alleinfahrergruppen an’s Herz legen und siehe da, er hatte schon davon gehört. Er berichtete, dass er eine Alleinfahrerin in einem VW-Bus getroffen habe, die sei auf dem Weg nach Spanien gewesen und habe ihm einiges erzählt. Die lebe auch nur in ihrem Wohnmobil, das könne er sich ja nun überhaupt nicht vorstellen, so wenig Platz. Witzigerweise kennen wir diese Frau auch! Nach einem gemeinsamen Kaffee und einem Gang durch den Ort haben wir ihn mit vielen neuen Gedanken, Überlegungen, Anregungen, der www-Adresse vom Torre und unserer Visitenkarte zurückgelassen. Wir wissen nicht einmal, wie er heißt. Könnte Hans-Peter sein, würde irgendwie passen.

Heute Morgen brauchte er noch eine Personalverlängerung von uns, um sein undichtes Heckfenster abzukleben. Tape hatte er immerhin selbst. Danach fuhr er in die eine und wir in die andere Richtung weiter. Diesmal ging es für uns immer südwestlich über Landstraßen weiter Richtung Clermont-Ferrand. Die Sonne schien, das Thermometer verkündete über 20°C! Hübsche kleine französische Dörfer und Städtchen, herbstlich gefärbte Wälder, weiße Kühe, ein erstes baguette, ein erstes pain au chocolat. Geht nicht mehr viel besser! Der nächste Stellplatz sollte der in Cheix sur Morge sein, ausgewiesen als 6 Plätze bis 12 Meter Länge, neben einem Sportplatz am Ortsrand, mit Entsorgungsstation, kostenlos. Stimmte fast alles, er sah auch ganz neu angelegt aus, nur leider muss der Stellplatzbauer keinen Zollstock dabeigehabt haben. Obwohl Platz genug gewesen wäre, sind die Plätze nur höchstens 6m lang geworden! Rückwärts über die Rasenfläche fahren ging nicht, weil hinter jedem Platz im Abstand von ca. einem Meter sehr dekorativ ein Baum angepflanzt wurde!

Cheix sur MorgeCheix sur Morge

Der Platz war leer, der Ort zu Fuß zu weit weg, also haben wir nur entsorgt und sind nochmal 40 km weiter gefahren bis Orcet zum Campingplatz “Le Clos Auroy”, der noch bis Ende des Monats geöffnet haben sollte. Hat er auch, aber irgendwie auch nicht. Madame von der Rezeption musste erst herbeigeklingelt werden, seulement un nuit?, huit mètres? Sie lief zielstrebig auf den Platz mit der Sani-Station und bedeutete uns, dass wir uns dort hinstellen könnten. Kein anderer Platz mehr frei? Und was ist mit dem oder dem oder dem? Der Campingplatz erschien uns absolut leer. Wiesenplätze, auf die wir nicht fahren dürfen. Ihr Chef wird sie erschießen, lässt sie uns durch Gesten wissen. Ookayy, also Entsorgungsstation für 26 Euro, schon mit 8 Euro Nebensaison-Rabatt. Was gibt es hier mehr als auf einem kostenfreien Stellplatz? Ein Sanitärhaus (wir hätten auch in Oscarlotta duschen können), Strom (um mal wieder unsere Nespresso-Maschine laufen lassen zu können) und WLAN (kostet € 2 extra, aber das seid ihr uns ja wert!!!). Bei einem Gang über den Platz fanden wir eine Reihe von freien Stellplätzen, wo wir locker draufgepasst hätten, geschottert! Ob wir hier noch einmal hinfahren werden, ist eher fraglich.

in Orcet auf der Entsorgungfreier, großer, geschotterter Platz in Orcet