Coburg und seine Veste

 
 
StadtplanDass ich mich in Coburg grundsätzlich wohlgefühlt habe, hatte ich ja bereits erwähnt. Jetzt möchte ich euch noch ein paar Eindrücke von der Stadt und vor allem von seiner Veste vermitteln. Coburg ist mit seinen gut 40000 Einwohnern von einer angenehmen Größe, nicht zu klein und nicht zu groß, man kann alles fußläufig gut erreichen. Die Auswahl an Geschäften ist vielfältig, die Häuser in der Altstadt sind teilweise reich verziert und man erkennt, dass Coburg auch früher zu Zeiten der Herzöge von Sachsen-Coburg schon eine wohlhabende Stadt war. Mir war die Stadt nur bekannt durch die Werbung für die HUK Coburg, die es ja schon seit Jahrzehnten gibt (die Werbung). Am beeindruckendsten ist mit Sicherheit der Marktplatz mit dem ältesten Haus der Stadt, der alten Hofapotheke und den sich gegenüberliegenden imposanten Gebäuden Stadthaus und Rathaus.

AltstadtHahnenmühleMarktplatz

Es gibt auch noch Teile der ehemaligen Stadtmauer und drei erhaltene Stadttore.

StadtsymbolDas überall immer wieder sichtbare Stadtsymbol ist übrigens ein Mohrenkopf. Nicht der mit Schokoladenüberzug, sondern der eines Schutzpatrons, des heiligen Mauritius. Auch das Stadtwappen zeigt diesen Mohrenkopf. Als „Mohr“ bezeichnete man zunächst einen „Bewohner Mauretaniens (Marokkos), Äthiopiens“, dann auch einen Menschen mit dunkler Hautfarbe, und ist eine Entlehnung aus lateinisch Maurus, „Bewohner der nordafrikanischen Provinz Mauretanien, Maure, Nordwestafrikaner“. (Quelle: Wikipedia) Es gibt in Coburg eine Mohrenstraße, eine Mohrenbrücke und natürlich auch eine Mohrenapotheke. In Europa zur Zeit des Mittelalters war die Medizin noch völlig unentwickelt. Wirksame Heilmittel kamen aus Afrika und dem Orient. Zu dieser Zeit haben sich viele Apotheken Namen gegeben, die den Begriff Mohr enthalten. Dies galt als Wertschätzung für die Heilkundigen und ihre Medizin. Mehr über den heiligen Mauritius „hier“. Mit dem Wissen um den geschichtlichen Ursprung mutet es schon eigenartig an, dass seit geraumer Zeit alles, was den „Mohr“ im Namen hat, aus antirassistischen Gründen umbenannt wird. In Coburg wird das nicht passieren, da bin ich mir sicher. Schon allein deswegen nicht, weil es eine gedankliche Verbindung mit dem Nationalsozialismus herstellen würde, unter dem der Kopf vom Stadtwappen entfernt und mit einem Schwert und Hakenkreuz ersetzt wurde.

Sehr dekorativ ist das Schloss Ehrenburg, das ab 1543 erbaut wurde.

Schloss EhrenburgSchloss EhrenburgSchloss Ehrenburg

Hinter dem Schlossplatz, an dem auch das Landestheater liegt, beginnt der Hofgarten. Der zieht sich 170 Höhenmeter den Berg hinauf bis zur Veste Coburg, einer der größten und am besten erhaltenen Burganlagen Deutschlands. Sie wurde 1225 erstmalig urkundlich erwähnt und im 17. Jahrhundert mit einem dreifachen Mauerring zur Landesfestung ausgebaut.

Hofgarten und VesteHofgarten und VesteHofgarten und VesteHofgarten und Veste

Ich war noch im Oktober dort oben, allerdings bin ich hoch per Bus und runter dann gelaufen. Ich hatte schönes Wetter und sogar das Glück, dass das Ausflugslokal noch geöffnet sein durfte. Mein Essen war zwar nicht besonders, aber ich habe es genossen, mit schöner Aussicht noch draußen sitzen zu können.

VesteVesteVesteVeste

Die gesamte Anlage ist sehr weitläufig und es gibt viel zu sehen, aber am imposantesten ist sie eindeutig von unten und von weitem.

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VesteVesteVeste

Veste

Coburg gehört zu Bayern, liegt aber mit seinem gesamten Landkreis ganz im Nordosten sowohl an der Grenze zu Tschechien als zum Nachbarbundesland Thüringen. Coburg und der Landkreis Coburg wurden nach dem 2. Weltkrieg Teil der Amerikanischen Besatzungszone, während das thüringische Hinterland zur Sowjetischen Besatzungszone gehörte und bis 1989 durch die innerdeutsche Grenze von Coburg abgeschnitten blieb. Coburg lag somit im Zonenrandgebiet. (Quelle: Wikipedia)
Die nördlichen Bereiche Bayerns sind Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken. Sie zeichnen sich durch kulturelle und sprachliche Eigenheiten aus. Ein großer Teil der Bewohner der Region Franken versteht sich selbst in erster Linie als Franken, nicht als Bayern. Vielleicht, weil dem Stamm der Franken „ausgeprägter Gemeinschaftssinn, Organisationstalent, Heiterkeit und ein schnelles Auffassungsvermögen“ nachgesagt wird. Franken sind Franken und Bayern sind Bayern. Punkt! Smiley mit geöffnetem Mund

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Quarantäne beendet

 
 
Am Dienstag habe ich meine ganz persönliche Corona-Quarantänezeit von insgesamt kompletten 8 Monaten in Coburg beendet. Und tatsächlich bin ich mit sehr gemischten Gefühlen gefahren, mein Stellplatz Nr. 20 ist ein Stückchen Heimat geworden. Auch nach der Wiedereröffnung wurde es wider Erwarten nie zu voll, am letzten Samstag war der Höchststand mit 18 Mobilen incl. Uschi und mir.

Uschi in CoburgUschi in Coburg

Der Stellplatz ist so gestaltet, dass beidseitig der asphaltierten Fahrspur je zweimal 4 gekieste Plätze nebeneinander liegen, dann kommt ein zwei Meter breiter Grünstreifen. Die beiden ersten „Abteile“ auf beiden Seiten bestehen aus je einem normalgroßen Platz (angeblich 7m Breite, tatsächlich 5,40m) und zwei XXL-Plätzen mit angeblichen 10m Breite (tatsächlich 8,50m). Was man sich bei der Planung gedacht hat, erschließt sich mir nicht und es wird auch ganz offensichtlich nicht verstanden, wenn man sieht, wer und vor allem wie man dort steht. Größere Mobile sind ja nicht unbedingt breiter, sondern allenfalls länger. Von Vorteil wären die großen Plätze allenfalls für Wohnwagengespanne, die angekoppelt i. d. R. zu lang sind. Die sind auch erlaubt, kommen aber so gut wie nicht. Ich hatte mir den normalgroßen Platz im ersten Abteil auf der Seite zum Freibad ausgesucht, meiner Meinung nach der allerbeste des ganzen Stellplatzgeländes.

Lieblingsplatz

Weit genug von den beiden begrenzenden Straßen entfernt (man hört sie aber trotzdem!), mit Blick ins Grüne durch die Frontscheibe, auf der Türseite 2m Platz bis zum Grünstreifen. Der nächste Nachbar ist also immer weit genug entfernt. Auf der linken Seite schließt ein XXL-Platz an, also ist auch da ein großzügiger Abstand gewährleistet, wenn, ja wenn der ankommende Mobilist das System durchschaut. Das ist nicht immer so! Verwirrtes Smiley Einer stand eine Nacht rückwärts mit 1,5m Abstand neben Oscarlotta (so wie damals der Baustellentransporter) und hatte offenbar nicht bemerkt, dass er einen „Vorgarten“ zum Tanzen hatte. Den nächsten, der ähnlich einparken wollte, konnte ich stoppen und nach meiner Frage, ob er gesehen habe, wie viel Platz er auf der anderen Seite noch hat, fuhr er freiwillig noch einen Meter weiter weg. Dabei sind die Platzbegrenzungen gut zu sehen und vor jedem Platz steht auf der Asphaltfläche mittig und unübersehbar eine Platznummer.

StellplatzmarkierungenStellplatzmarkierungen

Man muss also nur hinsehen, aber damit sind viele Menschen schon überfordert. Und wenn Stellplätze anders angeordnet sind als quadratisch-praktisch-gut, dann klappt oft gar nichts mehr. Das konnte Uschi in Bad Schönborn wieder beobachten, wo ein Teil der Plätze kreisförmig liegt. Erstauntes Smiley

Die nächste Schwierigkeit hier sind die Steckdosen! Ich habe es auch noch nirgendwo anders erlebt (zumindest erinnere ich mich nicht), dass jedem Platz eine bestimmte Steckdose zugeordnet ist. Der Hinweis steht zwar sowohl an den Vierer-Steckdosensäulen als auch an der Bezahl-Säule in der Mitte, aber man muss es halt merken. Habe ich auch nicht sofort!

StromsäulenKücheStromsäulenStromsäulen

Uschi beobachtete, wie ein ankommender Wohnmobilfahrer einfach einen Stecker abzog, der fälschlicherweise in „seiner“ Steckdose steckte. Er steckte das abgezogene Kabel zwar um, aber sagte weder Bescheid noch warf er Geld ein. Die Nachbarn, offensichtlich Neulinge, debattierten nach einer Weile ganz aufgeregt draußen, warum sie keinen Strom mehr hatten. So geht es natürlich nicht! Erzürnt

VesteVesteVesteVeste

Oberhalb des Stellplatzes thront die Coburger Veste auf einem bewaldeten Bergrücken, sehr dekorativ vor allem beleuchtet im Dunkeln. Während der Wintermonate hatte ich meinen Frontscheibenrolladen ja zumindest abends immer geschlossen, also musste ich dran denken, ab und zu durch das Seitenfenster einen lohnenswerten Blick nach oben zu werfen. Seit dem Frühjahr sah ich die Veste ständig, aber beleuchtet zum Schluss meines Aufenthaltes nur noch ca. eine Stunde am Tag, da es erst gegen 22 Uhr dunkel genug war, die Programmierung aber bereits um 23 Uhr alle Scheinwerfer wieder ausschaltete. Hätte man in den Sommermonaten ruhig auf Mitternacht verlängern können.

Samstagnacht hatte ich ein Erlebnis der besonderen Art! Als ich kurz vor zwei Uhr gewohnheitsmäßig noch einmal nach oben schaute, war alles dunkel, aber offenbar nicht im Innenhof der Burganlage. War die Beleuchtung dort, aus welchen Gründen auch immer, nicht ausgeschaltet worden? Gab es vielleicht irgendeine Veranstaltung? Das Licht war sehr hell und leuchtete von innen heraus durch alle Zwischenräume der Festungsgebäude wie aus einem beleuchteten Halloween-Kürbis. Fünf Minuten später hatte ich den Eindruck, dass das Licht sich verändert hatte. Weitere fünf Minuten später war klar, dass es wandert. Aber das konnte doch nicht der Mond sein?!?! Den hatten Uschi und ich an derselben Position fünf Tage vorher beobachtet, aber nicht um zwei Uhr nachts, sondern gegen 22 Uhr. Da war es noch nicht einmal richtig dunkel.

Mond um 22 Uhr

Es war der Mond!!! Dass sich die Zeiten seines Aufgangs in so kurzer Zeit so gravierend verändern, hatte ich nicht auf dem Schirm bzw. kann ich mich nicht erinnern, es schon einmal so anschaulich wahrgenommen zu haben. Am Sonntag bin ich extra aufgeblieben, obwohl ich eigentlich mal früher ins Bett wollte, LiveExperiment quasi. Es wurde tatsächlich zwei Uhr, bis der Mond, nur minimal am oberen Rand sichtbar, aber mit großem Hof, links von der Burganlage auftauchte. Er war also deutlich noch später dran als am Tag zuvor und er stieg deutlich schneller auf. Da, wo er mich am Vortag noch als unsichtbare Innenhoflichtquelle in die Irre geführt hatte, stand er 24 Stunden und etwa 45 Minuten später als dicker, heller Ball vollständig sichtbar über der Burg, mindestens viermal so hoch wie am Vortag! Etwas weniger rund, aber nicht weniger imposant, vor allem, wenn er sich durch Wolken durchkämpfte. Und so plötzlich, wie er aufgetaucht (im Wortsinne) war, so plötzlich war er wieder weg, wie vom Himmel gefallen! Nur noch tiefschwarzes Nichts. Das lag aber an der undurchdringlichen Wolkendecke. Um drei Uhr beendete ich mein Experiment, ohne ihn noch einmal gesehen zu haben. Wikipedia sagt: „Der Mond bewegt sich vor dem Hintergrund der Fixsterne im prograden (rechtläufigen) Drehsinn der Erdrotation, sodass sein scheinbarer Erdumlauf etwa 50 Minuten länger als 24 Stunden dauert. Dies addiert sich in einem Monat zu einem ganzen Tag, da der Mond in dieser Zeit tatsächlich die Erde einmal umläuft.“ Hab ich bestimmt irgendwann einmal in der Schule gelernt, aber wahrscheinlich damals schon nicht verstanden und deswegen nicht behalten. Was mich allerdings wirklich verwundert, warum ist mir das bisher in meinem langen Leben noch nie zuvor aufgefallen??? Oder hab ich das nur vergessen? Augen rollendes Smiley Brauchte es dafür erst die Veste zu Coburg und dann auch noch die letzte Woche von 8 Monaten??? Ich sollte vielleicht weniger oft in Smartphone, Tablet, Notebook und Co schauen, sondern öfter mal in den Himmel? Laut lachen

GasIch hatte ja schon verschiedentlich erwähnt, warum die Lage dieses Stellplatzes für mich in dieser besonderen Situation ideal war. Oscarlotta konnte stehenbleiben (was für sie natürlich nicht optimal ist) und ich hatte alles in fußläufiger Entfernung, einkaufen, Gasflasche tauschen, Waschsalon, DHL-Packstation, Hermes-Shop. Die Bushaltestellen in die Stadt und aus der Stadt sind direkt an der den Stellplatz begrenzenden Hauptstraße, es sind nur 4 Haltestellen zwischen Abfahrt und Ankunft, die Fahrt dauert ca. 5 Minuten und kostet €1,80. In der Regel bin ich hin gelaufen und zurück mit dem Bus gefahren.

Da der Stellplatz an zwei Seiten von Wohnhäusern begrenzt ist, fühlte ich mich sicher, obwohl ich 7 Monate allein dort stand, von den gelegentlichen, meist illegalen, Übernachtungsbesuchen anderer Mobilisten abgesehen. Trotzdem muss ich zugeben, dass es mir gut gefallen hat, als es die nächtlichen Ausgangssperren gab und ab 22 Uhr absolute Ruhe herrschte. Offenbar hatte man auch ein Auge auf mich, denn der Gärtner des Aquaria-Freizeitbades, zu dem der Stellplatz gehört und mit dem ich mich immer mal wieder durch den Zaun unterhielt, fragte mich eines Tages, ob die Polizei bei mir gewesen wäre. Ein Anwohner habe ihm erzählt, dass eine Mieterin des Mehrfamilienhauses genau gegenüber von Oscarlotta die Polizei angerufen habe, weil sie mich über Tage nicht gesehen hatte. Das war im Winter, die Bäume waren kahl und gaben den Blick frei und ich war, wenn überhaupt, nur kurzzeitig draußen. Ich habe nie mit einem der Anwohner gesprochen, aber natürlich wurde ich registriert und es wurde über mich geredet, über den langen Zeitraum meines Aufenthaltes und dass ich allein unterwegs bin. Die Polizei machte sich aber offensichtlich keine Sorgen um mich, aber die kümmerte ja auch nicht, wenn hier auf dem abgesperrten Stellplatz noch andere Wohnmobile standen. Trauriges Smiley

Am Sonntag fuhr Uschi schon einmal vor zum nächsten Stellplatz, am Montag verabschiedete ich mich von dem netten Gärtner, der all die Monate der einzige reale Mensch war, mit dem ich mal ein Gespräch führen konnte und der sich regelmäßig erkundigte, ob es mir gut geht und mir seine Hilfe anbot, falls nötig. Ganz zu Beginn hatte er mir sogar mal eine Gasflasche getauscht, bevor ich wusste, dass ich das ohne Probleme zu Fuß erledigen konnte.

letzter TagKücheletzter Tag

Ich genoss noch einen letzten Nachmittag im Schatten des großen Ahorns und den Abend draußen mit Blick auf die Veste, die Nachbarn vom Vortag, die ihr Mobil für mich verkehrt herum eingeparkt hatten, waren zu meiner großen Freude mittags gefahren. Die meisten Mobilisten blieben nur ein oder zwei Nächte, sodass ich immer wieder das Glück hatte, keine direkten Nachbarn zu haben. Nach diesen 7 Lockdown-Monaten alleine auf einem Stellplatz bin ich für Kuschelcamping noch mehr verloren als sowieso schon. Ich ver- und entsorgte ein letztes Mal, wie immer per Eimer und Gießkanne an der nur 20m entfernten VE-Station. Auch das ein großer Vorteil meines Platzes!

VE-StationVE-StationVE-StationVE-Station

Die geflügelte Stellplatzbesatzung, die mich die ganze Zeit mit ihren Gesängen erfreut und manchmal auch amüsiert hatte, gab noch einmal ihr Bestes. Verliebt Und ich war sehr wehmütig, wie meistens bei Abschieden, egal welcher Art.

Am Dienstag, nach auf den Tag genau 8 Monaten (!!!) auf dem Wohnmobilstellplatz „Vesteblick“ am Aquaria-Freizeitbad in Coburg, machte ich Oscarlotta fahrfertig und fuhr, tatsächlich nicht froh und erleichtert, sondern eher melancholisch gestimmt, zunächst zu der Iveco LKW-Werkstatt, in der ich im Dezember schon gewesen war. Nach meiner letzten Fahrt anlässlich meiner ersten Corona-Schutzimpfung hatte ich festgestellt, dass sich die Fahrzeugbeleuchtung inclusive sämtlicher Positionslampen nicht mehr automatisch ausschaltet, wenn der Zündschlüssel abgezogen wird. Außerdem musste ein Steuergerät ausgetauscht werden, das für die Beleuchtung des Fahrradträgers zuständig ist. Und eigentlich war da ja auch noch die Rückrufaktion von Iveco, aber dafür bekam die Werkstatt angeblich über Wochen kein Austauschteil.

Zum Glück war es nicht mehr ganz so warm wie am Vortag, trotzdem war ich sehr erfreut, dass meine Fahrerhaus-Klimaanlage immer noch (toi! toi! toi!) funktioniert. Das ist ja der Verdienst eben dieser Werkstatt! Es wurde wieder ein langer Aufenthalt von fast vier Stunden. Erstauntes Smiley Ich darf erfreulicherweise in Oscarlotta bleiben und habe so wenigstens meine eigene Toilette und genug zu essen und zu trinken.

WerkstattWerkstatt

Die Zeit zog sich trotzdem wie Blei… Mit dem Diagnosegerät wurde versucht, eine Fehlermeldung auszulesen und irgendwann hieß es, es müsse wohl ein Steuergerät/Computer (?) ausgetauscht werden, das würde um die €900 kosten plus Einbau. Nein, danke! Dann werde ich mir lieber angewöhnen, das Licht manuell auszuschalten, so wie bei Flitzi und früher bei meiner Ente. Kein Problem! Für die nicht funktionierende Beleuchtung des Fahrradträgers sollte eigentlich nur nachgesehen werden, welches Steuergerät dafür bestellt werden müsste. Die beiden Männer probierten aber alles mögliche andere aus. Das hatten sie aber doch im Dezember auch schon ausgiebig getan, um dann zu dem Ergebnis mit dem Steuergerät zu kommen. Enttäuschtes Smiley Irgendwann kam die Erfolgsmeldung, dass alles wieder funktionieren würde! Muss ich das verstehen??? Aber dann muss ich wenigstens nicht noch ein zweites Mal hin!

Als ich auf mein Kontrollpanel über der Aufbautür schaute, stand dort die Meldung „Fahrzeugbatterie entladen“! Sie hatte noch 12,4 Volt. Die Wohnraumbatterie war allerdings randvoll und es kam, obwohl in der Halle stehend, durch das offene Tor noch soviel Sonnenlicht herein, dass die Solarplatten luden. Unter diesen Voraussetzungen müsste die Starterbatterie automatisch aufgeladen werden. Müsste! Der junge Mechaniker schloss ein Ladegerät an, kein Erfolg, die Meldung blieb. Die beiden Männer waren so ratlos wie ich und ich hatte auch den Eindruck, dass sie mir nicht so recht glaubten. Wenn ich gleich fahren würde, dann würde sich die Batterie ja wieder aufladen. Ich erklärte noch einmal, dass das automatisch passiert, wenn die Starterbatterie unter einen bestimmten Wert fällt. Man erbat sich das Bordbuch und blätterte. Dem Meister fiel ein, dass er eine bestimmte Sicherung gezogen, kontrolliert und andersherum wieder eingesteckt hatte, weil ihm das richtiger erschien. Das korrigierte er, aber das Symbol der Fahrzeugbatterie blinkte immer noch. Ich solle doch den Motor einmal starten. Ergebnis: Das Blinken hatte aufgehört, das Symbol war verschwunden! Verwirrtes Smiley Vor lauter Erleichterung vergaß ich zu fragen, was denn nun aus der Rückrufaktion wird.
Bezahlen konnte ich nicht, da offenbar niemand mehr da war, der eine Rechnung schreiben konnte. Auch das war mir nur recht, im Dezember hatte ich auf die Rechnung noch eine ganze weitere lange Stunde warten müssen, weil das die Chefin persönlich machte, sie aber noch nicht da war. Ich versprach, die nächsten Tage vorbeizukommen, um zu bezahlen.

Uschi hatte einen Wohnmobilstellplatz nur wenige Kilometer von der Werkstatt entfernt ausgesucht und wartete dort schon auf mich. Nachdem ich meinen Platz eingenommen und den Motor samt Zündung, aber nicht das Licht ausgeschaltet hatte und zu berichten begann, meinte Uschi etwas verwundert, dass doch aber alles aus sei! Ja, dem war wirklich so! Bei Ankunft in der Werkstatt war es anders gewesen. Muss ich das verstehen??? Wird Oscarlotta langsam etwas wunderlich oder was ist los? Ist sie sauer, dass sie so viel rumstehen muss? Muss sie ab und zu mal „runtergefahren“ und „neugestartet“ werden, wie es jetzt geschehen war? Das wäre ja in Ordnung, auch wenn es viel Zeit und auch vermutlich wieder viel Geld kostet. Was ich von dieser Iveco/Deutz-Werkstatt für augenscheinlich überwiegend Traktoren halten soll, weiß ich nicht so recht. Alle sind ausnehmend nett, hilfsbereit und bemüht. Es dauert nur alles ewig und ich weiß nie, ob nun gerade trotzdem noch für mich gearbeitet wird, wenn gerade mal wieder niemand zu sehen ist. Warum das mit dem Fahrradträger nicht schon im Dezember geklappt hat, ist mir ein Rätsel und natürlich beschleicht mich die Vermutung, dass ich für ein und dieselbe Arbeit doppelt bezahle. Aber so ist das nunmal. Ob man über den Tisch gezogen wird, kann man nicht erkennen, ich zumindest nicht. Wenn meine Klimaanlage weiter läuft, die Fahrzeugbeleuchtung sich automatisch ausschaltet, die Beleuchtung des Fahrradträgers funktioniert und meine Starterbatterie weiterhin automatisch geladen wird, bin ich zufrieden!!! Smiley

Passt auf euch auf und bleibt gesund!

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Es ist geöffnet!!!

 
 
In der Woche nach Pfingsten fiel die Inzidenz, sicher auch deswegen, weil über das lange Wochenende nicht so viel getestet wurde. Aber auch gegen Ende der Woche blieb es so und dann sehr rasch waren wir unter 100. Wenn das stabil so bleiben würde, könnte der Stellplatz zum Fronleichnam-Wochenende wieder öffnen dürfen. Ich war gar nicht so scharf darauf, zumal nicht klar war, ob man sich dann alle zwei oder alle drei Tage testen lassen muss. Es steht zwar ein Testbus auf dem Marktplatz, aber täglich nur von 10 bis 13 Uhr. Das würde bedeuten, früher aufstehen und 20 Minuten laufen. Nicht das, was ich generell möchte und erst recht nicht, wenn es heiß wird.
Am Montag ging ich mal wieder zum Bezahlen und fragte nach. Das wisse sie nicht, sagte mir die Auszubildende, mit der ich alle drei Wochen per SMS einen Termin ausmache, darüber sei noch gar nicht gesprochen worden. Das Bad dürfe voraussichtlich am 12. Juni wieder geöffnet werden und die Verantwortlichen hätten jetzt so viel anderes zu überlegen. Ich bat sie, mir eine SMS zu schicken.
Am Dienstag sammelte ich alles zusammen, was gewaschen werden sollte und begab mich auf den Weg zum Waschsalon. Diesmal nahm ich den Bus. Erfahrungsgemäß werde ich im Waschsalon immer so fertig, dass ich so lange auf den nächsten Bus warten muss, dass ich in der Zeit auch nach Hause laufen kann. Auf beide Strecken laufen hatte ich aber bei der Wärme absolut keine Lust. Wie gut meine Entscheidung war, sollte sich noch herausstellen. Ich hatte richtig viel Wäsche, weil ich mein Bett von Winter auf Sommer umgestellt hatte und die Winterdecke(n) mit waschen wollte. Ich hatte also meine Karre und noch eine große Plastiktasche dabei. Der Waschsalon war fast leer, ich füllte zwei Maschinen und ging kurz in die Stadt, aber es war mir einfach zu heiß. Also holte ich mir einen Kaffee to go und setzte mich in den kühlen Waschkeller. Irgendwann war die erste Maschine fertig und ich konnte die gut geschleuderte und nur noch leicht feuchte Wäsche zusammenlegen und verstauen. Nachdem ich beim ersten Mal im November fünf 50-Cent-Stücke in den Trockner investiert hatte, der dann nicht anlief, habe ich die Wäsche immer vor/in Oscarlotta getrocknet. Die zweite Maschine war dann auch fertig, ich hatte nur leider nicht bemerkt, dass sie NICHT geschleudert hatte! Wahrscheinlich hätte ich das Programmrad manuell noch auf schleudern stellen können, aber nachdem ich die Tür schon geöffnet hatte, war es zu spät. Ich hatte zwei klitschnasse Decken, eine Hose und ein Winter-Nachthemd. Na, super! Enttäuschtes Smiley Zum Glück gab es Plastikwannen auf Rollbrettern und einen Ausguß im Boden. Wer schon einmal versucht hat, per Hand eine Steppdecke auszuwringen, kann sich vielleicht vorstellen, wie begeistert ich war. Wie gut, dass ich noch die große Plastiktasche dabei hatte! Die war dann allerdings so schwer, dass ich sie nicht hätte tragen können und wirklich wasserdicht war sie auch nicht. In einen Bus hätte ich so auf keinen Fall einsteigen können. Ich wuchtete die leicht triefende Tasche irgendwie auf meine Karrentasche und wackelte zum Stellplatz zurück. Alle 100 Meter musste ich die Seite wechseln, die Tasche rutschte zwar nicht ab, aber alles zusammen war heftig schwer zu ziehen. Und es war sooo warm! Auf den letzten Metern kam ich am Bad vorbei und traf zufällig eine der Angestellten, die zu ihrem Auto ging. Ich fragte nach der Testpflicht. Nein, keine Testpflicht und auch keine Maskenpflicht! Und sie würden am nächsten Tag die Sperrgitter, das Flatterband und die Schilder entfernen. Das war dann zwar erst der 5. Tag unter der Inzidenz von 100, aber an Fronleichnam würde ja niemand arbeiten und das Ordnungsamt hatte die Öffnung offenbar erlaubt. Ich war froh und erleichtert und schaffte so dann noch den Rest meines Weges. Dann war Wäsche trocknen angesagt und irgendwann konnte ich mich ziemlich geschafft auch noch zum Kaffeetrinken hinsetzen. Smiley

WäscheWäscheWäscheEisbärliKaffeestunde

Ich genoss den letzten Abend allein auf „meinem“ leeren Stellplatz und meine Wäsche wurde auch überwiegend trocken.

letzter Abend allein

Am nächsten Mittag war der Platz offen, aber immer noch leer. Das erste Wohnmobil tauchte um halb zwei auf und dann noch eins und abends waren es fünf außer Oscarlotta, schön verteilt auf dem gesamten Platz. Es war der 2. Juni und somit war der Platz auf den Tag genau nach 7 Monaten wieder geöffnet! Wer hätte das im November 2020 gedacht, als das Beherbergungsverbot verkündet wurde und der Lockdown light eigentlich nur für den November gedacht war. Trauriges Smiley
Über das Wochenende war der Platz zu ca. zwei Dritteln gefüllt, unter der Woche wieder erfreulich leer mit drei, vier, fünf Mobilen bei 22 Plätzen insgesamt. So lasse ich mir das gefallen! Meine Stimmungslage veränderte sich. Ich fühlte mich nicht mehr einsam, aber auch nicht, wie befürchtet, gestresst von so viel Andrang nach so langer Zeit des Alleinseins. Und irgendwie fühle ich mich sicherer, wenn Oscarlotta nicht mehr das einzige Wohnmobil auf dem Platz ist. Unmittelbare Nachbarn hatte ich nur am Wochenende und dann auch noch „richtig“ herum. Vor meiner Tür ist ja ein Grünstreifen und ab 15 Uhr wirft der große Ahorn am Nachbarplatz Schatten. Das bedeutet aber auch keinen Satellitenempfang! Und deswegen bleibt der Platz meistens frei. Es gefällt mir hier immer noch und jetzt auf eine ganz neue Art von Tag zu Tag mehr. Ich habe mehr Zeit, weil ich nicht mehr dauernd eine Gasflasche tauschen gehen muss und ich genieße es, draußen im Schatten zu sitzen und die friedliche Abendstimmung bei weit geöffneten Luken, Fenstern, Tür mit Vogelgezwitscher und wunderbaren Sonnenuntergängen. Verliebt

Müßiggangnicht vollAbendstimmungAbendstimmung

Ich finde es absolut nicht schlimm, noch zwei Wochen hier bleiben zu müssen, bis ich zum zweiten Mal geimpft werde. Auch dann werde ich nicht sofort fahren, denn mein Werkstatttermin steht auch noch aus und nächsten Sonntag wird Uschi hierher kommen. Und der muss ich dann ja erst einmal alles hier zeigen! Seit wenigen Tagen ist auch die Außengastronomie wieder geöffnet, was einen Stadtbummel oder eine Ausflugsfahrt in die Umgebung erstrebenswerter macht. Wir werden in aller Ruhe überlegen, wie es reisetechnisch für uns weitergehen soll. Juli/August sind natürlich nicht die besten Reisemonate, vor allem nicht jetzt, wo sich Hinz und Kunz Wohnmobile gekauft oder gemietet haben und in Deutschland bleiben, von daher sind wir noch unentschlossen. Für September/Oktober haben wir auf dem Campingplatz in Thiessow auf Rügen reserviert und hoffen sehr, dass uns das Corona-Virus nicht noch einmal einen Strich durch die Rechnung macht!!!

Passt auf euch auf und bleibt gesund!

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Und schon wieder Pfingsten!

 
 
Wird es langsam besser??? Ich warte seit Wochen darauf, dass es mal ein offenes Statement zur Aufhebung des bundesweiten Beherbergungsverbots gibt, stattdessen machen jetzt die einzelnen Bundesländer wieder auf unterschiedlichste Art auf. Mal mit Modellregionen, mal nur für „Landeskinder“ (wurde in Niedersachsen vom Oberverwaltungsgericht inzwischen gekippt), mal nur für voll Geimpfte oder Genesene. Wenn die Eltern geimpft sind, die Kinder aber nicht, weil sie ja noch nicht geimpft werden, dürfen die Eltern in die Ferienwohnung, ihre Kinder aber nicht!!! Das hat man immerhin inzwischen geändert. Herr Söder hat für Bayern schon vor Wochen verkündet (er musste mal wieder der Erste sein), dass ab dem 21. Mai mit Beginn der Pfingstferien alles wieder öffnen darf, also auch die Camping- und Stellplätze, eine stabile Inzidenz unter 100 im entsprechenden Landkreis vorausgesetzt. Spätestens Mitte Juni dürften wohl alle, die können, nachgezogen haben. Dann wird es spannend! Viele Menschen scheinen ernsthaft zu glauben, dass es das dann war mit der Pandemie. Wäre ja schön, ist aber unrealistisch. Erst gut 12% der Bevölkerung Deutschlands sind vollständig geimpft. Wenn alle, die können und wollen, durch sind, ist Spätherbst und dann brauchen die ersten schon eine Auffrischungsimpfung. Alles wird vom Impffortschritt und -erfolg abhängen, denn es wird schätzungsweise genauso werden wie im letzten Herbst. Wiedergewonnene Freiheiten freiwillig wieder einschränken oder unfreiwillig eingeschränkt bekommen, werden mindestens genauso viele Menschen nicht akzeptieren und mittragen wie bisher.

Beim Gasflasche tauschen am Montag saßen wie gewohnt vier Mitarbeiter im offenen Bürobereich hinter dem Tresen, wie gewohnt alle ohne Maske. Es dauerte lange, bis sich der Mann am ersten Schreibtisch (den ich bisher noch nie gesehen hatte) aufraffen konnte, aufzustehen, sich eine FFP2-Maske aufzusetzen und mich zu bedienen. Ich trug mein Begehren höflich vor und gab ihm die Rechnung vom letztes Mal. Daraus ist zu ersehen, dass ich als Kassenkunde (ohne Kundenkonto, es dürfen derzeit ja wieder nur Handwerker einkaufen) kaufe und da es sich um Verbrauchs- bzw. Heizmaterial handelt, ist das zulässig. Missmutig ging er zum Kassencomputer und fragte nach kurzer Zeit nach meiner Telefonnummer. Ich erlaubte mir, zu sagen, dass die im letzten halben Jahr noch niemand abgefragt hätte. Ja, jetzt sei es aber so! Dann wollte er Namen, Vornamen und schließlich die Adresse wissen. Ich machte noch einmal mein Erstaunen darüber deutlich und ziemlich unfreundlich kam die Antwort, dass er das zur Kontaktverfolgung brauche, wir hätten nämlich Corona und eigentlich dürfte ich gar nicht da sein! An dieser Stelle wäre ich gerne ausfällig geworden und hätte ihm erzählt, wie genau ich weiß, dass „wir Corona haben“ und was das vor allem in den letzten sechs Monaten für mich bedeutet hat. Und warum, wenn wir doch Corona haben, er seit einem halben Jahr der erste ist, der diese Kontaktverfolgungsdaten von mir wissen will. In den Wintermonaten war ich jede Woche zweimal da! Und warum es offenbar keine Homeofficepflicht in seinem Betrieb gibt und vor allem keine Maskenpflicht??? An seinem Tonfall war allerdings deutlich seine Stimmungslage abzulesen und in solch einem Fall wird eine Konfrontation nur ungut. Es fällt mir nicht leicht, mich dann zurückzunehmen, aber je länger diese ganze Sch… dauert, desto „wurschtiger“ empfinde und reagiere ich, nach dem Motto: „Ihr könnt mich doch alle mal kreuzweise!“ Erzürntes Smiley

Vor dem Stellplatz wird die angrenzende Siedlungsstraße aufgerissen. Der Schuttcontainer steht in der Einfahrt vom Stellplatz und entsprechend groß ist das Getöse, wenn der Baggerfahrer seine Schaufel voller Asphalt dort hinein entleert.

BaustelleBaustelleBaustelle

Heute wurde der Rasen hier auf dem Stellplatz (endlich mal) gemäht (laut) und mit einem Pfitzer wurden die Feinarbeiten erledigt (laut). Immerhin hatte jemand mein Stromkabel vom Gras auf den Schotter gelegt. Da wäre es dann liegengeblieben, wenn ich es nicht wieder zurückgelegt hätte. Ja, ist nur eine Kleinigkeit, zeigt aber das Grundproblem von zunehmender Gleichgültigkeit. Ich glaube, dass sehr viele Menschen mit der Komplexität unserer Zeit inzwischen überfordert sind und diese ungewohnte, nie dagewesene Pandemie, zumindest nicht in unseren Breiten, bringt viele an ihre Grenzen und lässt alle mühsam errichteten und sorgsam gepflegten Schutz-/Verteidigungswälle bröckeln und schlimmstenfalls einstürzen. Die Nerven liegen bei vielen blank, bei mir auch.

FeiertagsruheHier ist noch nichts auf, die Inzidenz liegt noch weit über 100. Mir ist das recht, es ist auch so schon laut genug. An Nachbarn werde ich mich erst wieder gewöhnen müssen und ich ahne schon, dass es mir nicht leicht fallen wird. Bis mindestens Ende Juni werde ich noch hierbleiben, da ich dann zum zweiten Mal geimpft werde. Eine eMail an den zuständigen Landrat mit Schilderung meiner besonderen Situation war erfolgreich. Er telefonierte mit „meinem“ Leiter des Ordnungsamts, der erteilte mir die Genehmigung, die Stellplatzadresse vorübergehend als Meldeadresse angeben zu dürfen und innerhalb von 36 Stunden hatte ich einen Anruf eines freundlichen jungen Mannes, der mir zwei Impftermine zuteilte. Ich durfte sogar darum bitten, sie auf den späten Nachmittag zu legen. Laut lachen

Ich räumte Oscarlotta fahrfertig und fuhr die 12 Kilometer zum zuständigen Impfzentrum. Höchste Zeit, sie mal wieder zu bewegen, die Bremsscheiben rosteten schon fröhlich vor sich hin! Der Parkplatz am Impfzentrum war ausreichend groß, ich brauchte nichts mehr zu erklären und keine meiner Sondergenehmigungen vorzuzeigen, man war informiert. Mit einem sehr guten Gefühl verließ ich eine gute halbe Stunde später das super organisierte Zentrum und fuhr, da ich schon unterwegs war, noch zum LPG tanken und zu dem tollsten Edeka-Markt, den ich jemals gesehen habe. Dort muss man aufpassen, nicht in einen Kaufrausch zu verfallen!

Glücklich kam ich wieder am Stellplatz an und stellte dann fest, dass die Fahrzeugbeleuchtung sich nicht mehr automatisch ausschaltet, wenn ich den Zündschlüssel abziehe. Bei der Tankstelle und beim Edeka-Parkplatz funktionierte es noch! Irgendwas ist immer! Ich muss demnächst aber sowieso in eine Iveco-Werkstatt, weil es eine Rückrufaktion gibt. Nach 14 Jahren!!! Das Layout der elektrischen Anlage muss geändert bzw. ein Trennschalter, wofür auch immer, ausgetauscht werden. Weil sonst bei ungünstigen Bedingungen Feuchtigkeit in den Kabelbaum eindringen könnte, was zu einem Kurzschluss in der ABS-Steuerung und folglich zu einer Fehlfunktion oder Beschädigung und im Extremfall zu einen Brand führen könnte und zwar sowohl bei ein- als auch bei ausgeschaltetem Motor. Jetzt war das zwar die letzten 14 Jahre offenbar kein Problem, aber ein blödes Gefühl bleibt trotzdem. Also versuchte ich, dort einen Termin zu bekommen, wo ich schon Anfang Dezember die alljährliche Wartung hatte durchführen lassen. Zwar eine Iveco-LKW-Vertragswerkstatt, gewartet und repariert werden dort vorrangig aber nur Traktoren. Ich durfte in Oscarlotta bleiben und hatte interessante Ausblicke. Ich glaube, Oscarlotta war ein wenig neidisch auf die Reifen der „Kollegen“.

DeutzDeutz

Der Werkstattleiter teilte mir mit, dass er von der Rückrufaktion wisse und für einen Kunden auch vor Wochen schon das Ersatzteil bestellt, es aber bis heute nicht erhalten habe. Wie lange ich denn noch hier sei? Wenn es bis dahin nicht mehr klappen würde, könne er mir das Teil an eine beliebige Adresse schicken, damit ich es bei einer beliebigen anderen Iveco-Werkstatt austauschen lassen könne. Das würde vier bis sechs Stunden dauern!!! Also muss ich wohl warten…
Bei dem Werkstattbesuch im Dezember wurde auch mal wieder nach der Ursache gesucht, warum meine Fahrerhausklimaanlage immer nur für kurze Zeit funktioniert, ich hatte ja schon mehrfach darüber geschrieben, eine unendliche Geschichte. Es konnte eigentlich nur noch ein defektes Kabel verantwortlich sein und wirklich fanden die Mechaniker dies: Erstauntes Smiley

Kabel

Das sah ja nun wirklich nicht gut aus! Man konnte mir leider nicht sagen, was der Auslöser gewesen sein könnte und so bleibt die Unsicherheit, dass so etwas jederzeit wieder passieren kann. Das Kabel wurde ausgetauscht und bei meiner Fahrt zum Impfzentrum probierte ich die Funktion der Klimaanlage, obwohl die Außentemperaturen dagegen sprachen. Sie funktioniert, aber das hat sie auch schon einmal bis zu 100km nach einer Reparatur getan. Also abwarten und darauf hoffen, dass sie auch dann noch arbeiten wird, wenn ich sie wirklich brauche. Enttäuschtes Smiley

Uschi wartet die Pfingsttage noch auf dem noch nicht geöffneten Campingplatz in Lauterburg ab, bevor sie sich auf den Weg macht. Auch sie will jetzt endlich mal wieder eine andere Aussicht, andere Wege und neue Erlebnisse, obwohl die Natur auf der Schwäbischen Ostalb gerade alles gibt.

LauterburgLauterburgLauterburg
 
FahrradträgerFahrradträgerFahrradträger

Ihr Fahrradträger ist bereits bestückt, Flitzis Hauptuntersuchung wurde einen Monat vorverlegt, mein Hänger ist sauber und winterfest gemacht, kaum nachdem er „entwintert“ wurde. Wenn alles gut geht, werden wir so bald nicht zurückkehren. Aber wer weiß das schon? Fünf Tage Inzidenz über 100 – zack, alles wieder zu! Dieses Damoklesschwert wird uns wohl noch eine Weile begleiten. Herr Lauterbach äußert sich erstaunlicherweise zuversichtlich, was den Sommer betrifft, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass am Ende des Jahres ca. 5 Milliarden der Menschen auf der ganzen Welt noch nicht geimpft sein werden. Wir haben eben nicht nur Corona, sondern eine Pandemie. Augen rollendes Smiley

Wir wünschen euch schöne, hoffentlich überwiegend sonnige und nicht zu kalte Pfingsttage! Passt trotz aller Öffnungen und Lockerungen bitte weiter gut auf euch auf, auch wenn ihr bereits oder demnächst vollständig geimpft seid. Die Impfungen sind ein guter Schutz, aber auch sie bieten keine hundertprozentige Sicherheit! Und verlasst euch auch nicht allzusehr auf die Schnelltests, die haben nur eine Verlässlichkeit von etwa 60 Prozent. Das heißt, im Restaurant kann jemand am Nachbartisch sitzen, der ein negatives Testergebnis hat, aber trotzdem infiziert und hochansteckend sein kann. Selbst wenn euch die Impfung bei einer nicht hundertprozentig ausschließbaren Ansteckung vor einem schweren Verlauf schützen sollte und hoffentlich wird, gebt ihr das Virus trotzdem unbemerkt und ungewollt weiter. Vergesst das bitte nicht, auch und besonders zum Schutz all derer, die noch keine Chance hatten, sich impfen lassen zu können.

Passt auf euch auf und bleibt gesund!

written by Ingrid
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Corona-Notlage(r)

 
 
Ich bin #mütend. 😞😤

An manchen Tagen überwiegt die Müdigkeit, die Hoffnungslosigkeit und alles ist nur mühsam und mein Energielevel ist kurz vor Reserve. Es soweit wieder aufzuladen, dass ich wenigstens die notwendigen Alltagsgeschäfte erledigen kann, ist nicht jeden Tag einfach. Manchmal gelingt es auch gar nicht. Das sind dann die Tage, an denen ich erst nach 15 Uhr aus dem Bett finde und mich trotzdem bleischwer fühle und nur im Zeitlupentempo funktioniere. Und froh bin, wenn ich NICHTS muss und dass NIEMAND etwas von mir will.

Am 29. April war ich genau 6 Monate hier, pandemiemäßig gestrandet auf einem kleinen Stellplatz in einem netten Städtchen in Bayern, freundlicherweise geduldet, sowohl vom Stellplatzchef als auch vom Leiter des Ordnungsamtes. Ich mache mir keine Illusionen darüber, dass das einzig und allein deswegen so ist, weil ich hier bezahle. Mitgefühl hat, Gedanken über meine Situation macht sich niemand. Dass ich die Aufenthaltsgenehmigung als „Härtefall“ vom Ordnungsamt bekam, habe ich nach der anfänglichen Ablehnung durch persönliches Erscheinen erkämpft, eine Mietpreisermäßigung wegen wochenlangem Baulärm auf dem Stellplatz wurde vom stellvertretenden Badleiter abgelehnt mit der Aussage, ich könne mich ja weiter nach hinten stellen. Weiter hinten ist die vielbefahrene Straße! Das sind die Gründe dafür, dass an manchen Tagen die Wut die Müdigkeit überlagert. Insbesondere dann, wenn neben meinem Wohnzimmerfenster wieder ein orangefarbener Transporter der Baufirma steht und mir die Sicht nimmt.

Transporter

An einem Donnerstag war es wieder so weit und abends klemmte ich einen Zettel unter den Scheibenwischer mit der freundlichen Bitte, das Fahrzeug nicht das ganze Wochenende so stehen zu lassen, ich hätte gerne eine Aussicht, auf die Zufahrt und überhaupt. Am nächsten Morgen wurde ich kurz nach sieben durch Türen schlagen und Motorengeräusch geweckt. Der Fahrer gab einmal richtig Vollgas, direkt neben meinem Bett und parkte sein Fahrzeug dann einen Platz weiter wieder ein, erneutes Türenschlagen inklusive.

Ich bin #…ütend. 😤

Ich frage mich oft, in was für einer Welt ich lebe. Anteilnahme, Solidarität, Mitgefühl, Freundlichkeit, Fürsorge – das alles scheint nicht mehr Normalität, sondern zur Rarität geworden zu sein. Alte Menschen habe ich im Laufe meines Lebens schon oft sagen höre, dass „früher“ alles besser war und ich habe es belächelt. Jetzt bin ich selbst alt und sage es auch.

Seit dem 2. November 2020 ist über Deutschland ein Beherbergungsverbot verhängt. Deswegen stehe ich seitdem hier. Beherbergungsverbot bedeutet, dass alle Beherbergungsbetriebe und -orte geschlossen sein müssen und nicht für Übernachtungen genutzt werden dürfen. Das gilt nicht nur für Hotels, Pensionen, private Zimmervermietungen, Camping- und Stellplätze, sondern auch für nicht bewirtschaftete, kostenfreie Stellplätze sowie Wald-, Wander- und sonstige Plätze und sogar für Privatgrund. Jegliche Beherbergung ist einfach verboten! Siehe „hier“. Im privaten Raum wird das durch die Kontaktbeschränkungen zu regeln versucht und durch die ernstgemeinte Aufforderung seitens der Regierung, touristische Reisen und nicht zwingend notwendige Familienbesuche zu unterlassen und jetzt auch durch die nächtlichen Ausgangssperren. Das freie Stehen mit Wohnmobil ist in den meisten Ländern sowieso nicht erlaubt, in Deutschland wird es geduldet zur Wiedererlangung der Fahrtüchtigkeit für maximal 10 Stunden ab Ankunft, Campingverhalten (Stühle und Tisch draußen, ausgefahrene Markise) ist untersagt. In Spanien gilt schon ein offenes (Dach-)Fenster und die ausgefahrene Trittstufe als Beweis für Camping. Wenn man, wie derzeit, aber nicht reisen SOLL, entfällt diese Duldung auch. Trotzdem herrscht in Deutschland schon wieder eine rege Reisetätigkeit, ich höre es von verschiedenen Seiten und ich sehe die Wohnmobile, die während der Woche und besonders am Wochenende die VE-Station hier anfahren. Das Motto in unserer Gesellschaft wird anscheinend immer mehr zu: „Ich mache, was möglich ist. Ob es erlaubt ist oder nicht, interessiert mich nicht. Machen alle anderen ja auch so und warum soll ich denn der Dumme sein? Wird schon gut gehen! Und wenn nicht, mein Gott, dann bezahl ich eben die paar Kröten, dafür hatte ich dann aber wenigstens meinen Spaß. Wenn die anderen sich nicht trauen, sind sie selbst Schuld.“ Unrechtsbewusstsein? Ist nicht mehr „in“. Solidarität? Was ist das? Habe ich da was von? Nur Nachteile? Nee, dann ohne mich!

An dieser Textstelle klopfte es an mein Fenster und ein freundlich lächelndes Paar um die Sechzig fragte, ob der Platz geschlossen sei und warum ich denn „so einfach“ hier herumstehen würde. Ich war ja gerade gut im Thema, aber auf alles, was ich fragte und anmerkte und kritisierte, bekam ich lediglich ein mildes Lächeln und ein „ach, das geht schon“ und „die Menschheit war wohl schon immer egoistisch, sonst wäre sie nicht so weit gekommen“. Man habe die Tochter in Ulm besucht. Ich habe nicht gefragt, ob sie alleinlebend oder alleinerziehend ist. Man wünschte mir freundlich lächelnd alles Gute und ging absolut gelassen zurück zum Van. Im Grunde hatte ich ja noch Glück mit dieser Begegnung, die Regel ist es nämlich heutzutage, dass Menschen, die auf ein Fehlverhalten hingewiesen werden, nicht nachdenken, sondern sofort aggressiv reagieren. Habe ich hier auch schon erlebt.

Ich bin #mütend. 😞😤

Was ist denn bloß los mit den Menschen??? Ist man nicht mehr in der Lage, die Gründe, die für das Erlassen von Gesetzen und Verboten maßgeblich sind, zu erkennen und dann SELBSTVERSTÄNDLICH die Verbote einzuhalten? Alle gemeinsam? Der aktuelle, leider schon über ein Jahr dauernde Grund ist dieses Virus. Warum schaffen es so viele Menschen NICHT, trotz der inzwischen millionenfachen Todesfälle weltweit, die Bedrohung ernst zu nehmen? Weil man sich nicht mehr einschränken kann? Weil in unserer Konsumwelt alles sofort möglich ist? Weil wir Frustration und Verzicht nicht mehr gewöhnt sind? Weil Anteilnahme, Solidarität, Mitgefühl… siehe oben… WIRKLICH nicht mehr gelebt werden? Im Fernsehen wird gezeigt, dass alle Parks, Promenaden etc. voller Menschen sind, so wie vor Corona. Die Bauarbeiter hier trinken ihr Feierabendbier eineinhalb Stunden lang zu neunt um eine Holzkiste dicht nebeneinander stehend, natürlich ohne Masken, man ist ja draußen. Sie sind aus zwei Firmen und arbeiten in einer dritten, sind aber doch alles Kollegen. In der Firma, bei der ich meine Gasflasche tausche, scheint weder Homeoffice noch Maskenpflicht durchgesetzt zu werden. Ich habe mit fassungslosem Erstaunen zur Kenntnis genommen, wer in meinem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis sich mehr oder weniger häufig und mehr oder weniger bewusst NICHT an die Regeln hält. Es befremdet mich, im Wortsinne.

Ich bin #mü… 😞

Der sehr verstörende, tödliche, Existenzen vernichtende und Angst machende Ausbruch einer Virus-Pandemie scheint im allgemeinen Verständnis der Menschen die persönliche Schuld von irgendjemandem zu sein oder die Strafe der Götter, manche Querdenker haben sich eine oder mehrere konkrete Personen ausgesucht, niemand aber scheint sich Gedanken darüber zu machen, welchen Anteil er selbst mit seiner Lebensweise daran hat. Was begünstigt denn eigentlich Zoonosen?

Um Kommentaren vorzubeugen möchte ich ganz deutlich sagen, dass mir durchaus klar ist, dass bei allen Außenaktivitäten die Ansteckungsgefahr reduziert bis nicht vorhanden ist (siehe meinen Ostereintrag) und dass das Wohnmobil fahren als solches keine Gefahr darstellt. Ich weiß auch, dass nicht nur ich #mütend bin, weil die Beschlüsse unserer Bundesregierung nicht alle gut durchdacht und nach mehr als einem Jahr wenig vielfältig sind. Ich würde auch gerne langsam mal wieder woanders hinfahren! Meine persönlichen Kontakte beschränken sich seit 6 Monaten auf die paar Worte mit Verkäufer*innen, Kassierer*innen und dem Gärtner über den Zaun alle zwei Wochen. Alles andere findet am Telefon statt, per eMail und SMS. Seit 6 Monaten!!! Nein, das ist nicht schön! Und – ganz ehrlich – inzwischen mache ich das nicht mehr, um andere zu schützen, sondern nur noch, um mich selbst zu schützen. Wenn das alle so machen würden, zumindest alle, denen das möglich ist, wäre das eine Form von Egoismus, die etwas Positives bewirkt. Der Egoismus, der in der Welt vorherrscht, tut das leider nicht.

Ich bin #mütend 😞😤

BaustelleBaustelleBaustelleBaustelleBaustelleBaustelle

Aktuelles Beispiel:
Neben mir steht ein Weinsberg Pepper, alle Fenster blickdicht verschlossen. Irgendwann kommt eine Frau um die Sechzig auf ihrem Fahrrad angefahren und wenig später klopft sie bei mir. Ob man hier Strom anschließen könne? Ich mache sie darauf aufmerksam, dass der Platz geschlossen ist. Ja, das weiß sie, aber in Nürnberg und in ? war das auch kein Problem. Beherbergungsverbot? Das weiß sie auch, aber in Nürnberg… Sie besucht hier eine Freundin und sie weiß auch noch gar nicht, ob sie heute Nacht in ihrem Wohnmobil schläft oder bei ihrer Freundin. ICH FASSE ES NICHT!!! Im Schaukasten hängt ein Hinweis, dass der Platz pandemiebedingt geschlossen ist, um den Schaukasten ist das Absperrband gezogen. Was braucht es denn noch? Man entfernt einfach das Band und fährt auf den Platz, man ignoriert, dass touristische Reisen unterbleiben sollen, man lässt sich von einer Freundin abholen und bleibt u. U. die Nacht dort. Wie dumm oder ignorant kann man denn sein, dass man nach über einem Jahr immer noch nicht verstanden hat, wie Ansteckung funktioniert???
Vor ein paar Wochen demonstrierte ein Familienvater seinen ca. 14- und 8-jährigen Söhnen, wie man mit Verboten und gesperrten Plätzen umgeht, nämlich genauso. Das alles macht mich soooo

#…ütend. 😤 😤 😤

aktuell

Der Stellplatz- bzw. Badleiter behauptet, dass sie täglich kontrollieren und die Wohnmobile dann auch wegschicken, außer natürlich am Wochenende (natürlich?). Die Polizei interessiert das alles gar nicht. Eines Abends kam ein Streifenwagen fünf Minuten, nachdem ein Kastenwagen auf den Platz gefahren war. Er hielt vor dem Absperrband, machte das Licht aus und dann passierte zehn Minuten gar nichts. Das Licht ging wieder an und der Streifenwagen fuhr davon.
Ich sehe absolut schwarz für die Zukunft, übrigens in jeglicher Hinsicht. Wenn jetzt schon so deutlich wird, dass man sich nicht mehr an Regeln und Gesetze hält, weil es keine oder viel zu lasche Konsequenzen nach sich zieht, wie soll das denn erst werden, wenn die Restriktionen kommen, die in den nächsten Jahrzehnten nötig sein werden, um die Klimaziele zu erreichen? Wenn der überwiegende Teil der Menschheit (ich meine die Menschen, denen es möglich ist) jetzt schon nicht versteht, warum es gut wäre, sich an Regeln zu halten, wie soll das dann funktionieren?

Ich bin #mü… 😞

written by Ingrid
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Fröhliche Erweiterte Ruhetage, ähm Ostern!

 
 
Ja, ihr lieben Leser, wir wünschen euch schöne, sonnige, friedliche, erholsame Osterfeiertage ohne Einkaufs- oder sonstigen Stress! Wir wünschen euch offene Eisdielen und wir würden euch (und uns) auch offene Gartenlokale, Campingplätze (zumindest für Dauercamper) und Ferienhäuser wünschen, also alles, was nach dem seit einem Jahr verfügbaren und belastbaren Wissen über das Infektionsgeschehen bei SARS-CoV-2 relativ bis wahrscheinlich ungefährlich ist. Die überwiegende Anzahl der deutschen Bevölkerung ist zwar inzwischen müde, resigniert, enttäuscht, aber trotzdem immer noch bereit, auch weiterhin die Zähne zusammenzubeißen, wenn, ja wenn sie die Maßnahmen und Auflagen, die ihnen übergestülpt werden, einigermaßen nachvollziehen können. Und da liegt MEIN größter Kritikpunkt! Schon lange vermisse ich in der Beschlussfassung und der Kommunikation der notwendigen Maßnahmen, um das Pandemiegeschehen möglichst umfassend zu kontrollieren, den psychologischen und den pädagogischen Aspekt. Ich bin/war Lehrerin, aber auch jeder, der eigene Kinder hat, weiß, dass es nicht funktioniert, nur Verbote auszusprechen ohne diese ausgiebig und immer wieder neu zu erklären. Nur wenn derjenige, der unter dem Verbot (das ja immer ein objektiver oder zumindest subjektiv empfundener Verlust ist) leidet, den Sinn und Zweck dieses Verbots intellektuell nachvollziehen kann, wird er bereit sein, mitzumachen, wenn auch vielleicht nur zähneknirschend. Hilfreich für die Akzeptanz jedes Verbotes ist, wenn es zeitlich begrenzt ist, weil es dann das berühmte Licht am Ende des Tunnels gibt. Und es sollte eine Belohnung in Aussicht gestellt werden! Und die MUSS es dann auch geben!!! Man muss sich VORHER gut überlegen, ob man die Belohnung, die man verspricht, auch wirklich einhalten kann, ansonsten produziert man tiefe Enttäuschung, die mit Vertrauensverlust, Trotz und gegebenenfalls Rebellion einhergeht. Seit dem Lockdown „light“ im und versprochen nur für den November, der seitdem ständig verlängert und verschärft wird, spreche ich den Entscheidungsträgern der deutschen Bundes- und Landesregierung/en jegliche pädagogische/psychologische Kompetenz ab und frage mich mit ungläubigem Erstaunen, welche Berater dort tätig sind?!?! Enttäuschtes Smiley

Das Highlight war dann tatsächlich am Montag letzter Woche nach ca. zwölfstündiger (in Zahlen: 12) MPK die grandiose Idee der erweiterten Ruhetage zu Ostern! Ich möchte nicht wissen, wie vielen Menschen es so ging wie mir, die nach ungläubigem Staunen entweder ein Schleudertrauma vom Kopfschütteln riskierten oder vor Wut und Enttäuschung in die nächste Tischkante beißen oder laut schreiend alles kurz und klein schlagen wollten. SO hält man Menschen nicht bei der Stange, vor allem nicht, wenn sie sowieso schon auf dem Zahnfleisch laufen, mit den Nerven völlig am Ende sind, vor Existenzängsten nicht mehr schlafen können. Schwer gebeutelte Menschen bei der Stange halten gelingt nur durch Wertschätzung, durch Anerkennung ihrer schwierigen Situation, durch SOFORTIGE Entlastung finanzieller und arbeitstechnischer Art, durch immer wieder appellieren an ihre Solidarität UND durch Belohnung, NICHT durch weitere Frustration. Wäre ich Frau Merkel, dann würde ich folgende Rede (so oder ähnlich) halten:
 

„Liebe Mitbürger*innen!

Ich danke Ihnen aus vollem Herzen für Ihre Geduld, Ihr Verständnis für die notwendigen Maßnahmen, die die Bundesregierung zum Schutz Ihrer Gesundheit bestimmen und durchsetzen musste und für Ihr Vertrauen darauf, dass wir nach bestem Wissen und Gewissen handeln und für Ihre Nachsicht, wenn nicht alles optimal läuft. Wir Verantwortlichen bemühen uns nach Kräften, das Land und seine Menschen so gut wie möglich durch diese fraglos schwerste Zeit seit Jahrzehnten zu manövrieren und wir wissen es sehr zu schätzen, dass wir auf eine verlässliche „Mannschaft“ bauen können. Damit wir alle über die Ostertage und für die Zeit danach neue Kraft schöpfen können, ermöglichen wir ab Gründonnerstag die Öffnung der Außengastronomie unabhängig von Inzidenzwerten – natürlich unter Einhaltung der AHA-Regeln und der Kontaktbeschränkungen – sowie das kontaktlose Reisen innerhalb Deutschlands. Die Eisdielen dürfen im ganzen Land an allen Ostertagen im Außenbereich und für Straßenverkauf geöffnet sein, ebenso Freizeitparks und Zoos mit Zugangsbeschränkungen sowie Autokinos und andere auf diese sichere Art durchführbare kulturelle Veranstaltungen. Ich vertraue darauf, dass Sie über genügenden Willen verfügen, um verantwortungsvoll mit diesen lange vermissten Freiheiten umzugehen. Sie alle wissen, was für uns alle auf dem Spiel steht! Wir werden noch eine ganze Weile weiter durchhalten müssen und nur wenn alle mitmachen, werden wir diese Krise schneller und erfolgreich beenden können.

Ich habe verbindlich bei Petrus stabiles sonniges Frühlingswetter bestellt!
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen fröhliche und kraftbringende Ostertage!“

 
matt und mütend

Nachtrag eine Woche, nachdem ich diesen Text geschrieben habe:
Ich glaube, es geht ganz vielen Menschen so wie mir, dass Bauch und Kopf miteinander debattieren. Die beständig steigenden Infektionszahlen lassen eigentlich nur zu, einen erneuten landesweiten Shutdown durchzuführen, richtig hart und konsequent. Die Intensivstationen in Deutschland sind bereits zu 81% belegt und sie werden natürlich nicht nur für COVID-19 Patienten benötigt. Wenn keine Betten mehr frei sind, wird das Verkehrsunfallopfer, der Herzinfarkt- oder Schlaganfallpatient nicht die lebensrettende Behandlung erhalten, die er braucht. Schon lange werden alle nicht unbedingt notwendigen Operationen verschoben. Es ging von Anfang an darum, die Krankenhäuser nicht an oder über ihre Belastungsgrenzen zu bringen. Nicht alle Länder haben das geschafft, dort hat ein Shutdown dann allerdings dazu geführt, dass die Situation sich innerhalb weniger Wochen wieder entspannte. Ich glaube, dass viele Menschen erst dann bereit sind, den Ernst der Lage zu akzeptieren, wenn sie selbst betroffen sind, wenn Menschen in ihrem Umfeld sterben oder wenn sie miterleben, wie z. B. in Portugal, dass Krankenwagen sich vor überfüllten Krankenhäusern stauen. Das alles ist uns bisher erspart geblieben, was natürlich gut ist, aber eben auch nicht. Ich lese in den sozialen Medien relativ viele Statements von Beschäftigten im Gesundheitswesen. Die gehen inzwischen auf dem Zahnfleisch, viele mussten schon aufgeben, weil sie völlig ausgebrannt sind, viele halten nur noch aus Pflichtbewusstsein aus, nach der Pandemie bzw. der Krise werden massig Kündigungen folgen. Es stehen aber nicht schon jede Menge Fachkräfte Schlange, die unter den jetzigen Bedingungen übernehmen wollen. Was machen wir alle denn, wenn es nicht mehr genügend Krankenschwestern (ich weiß, die heißen inzwischen anders), Pfleger, Altenpflegekräfte gibt???
Okay, das alles war der Kopf, der Gehör finden sollte. Der Bauch will trotzdem Eis 🍧 und Urlaub 🌊.

Passt auf euch auf und bleibt gesund!

written by Ingrid
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Schwarzer schmieriger Schmodder

 
 
Von jetzt auf gleich lief das Wasser aus dem Küchenspülbecken nicht mehr ab! Erstauntes Smiley Nichts hatte das angekündigt, es war kein schleichender Prozess, es passierte von hundert auf null. Immer schon sind wir sehr vorsichtig mit allem, was in den Ausguss gelangt, nicht nur, weil das Abwasserrohrsystem in einem Wohnmobil eben anders ist als in einem Haus, sondern auch, weil das Abwasser nicht direkt in der Kanalisation landet, sondern als Zwischenschritt zunächst in einem Abwassertank. Und was sich in dem im Laufe der Zeit so als Bodensatz ablagert, hatte ich vor zwei Jahren erfahren, als bei einer Verstopfung zwischen Tank und Ablassrohr nichts mehr ging und ich den Inhalt des Tanks ausschöpfen musste und letztlich per Aufnehmer trockenlegte. Schwarzer schmieriger Schmodder!!! Das periodische Säubern und Durchspülen des Abwassertanks ist eine Tätigkeit, die man (ich) gerne vor sich herschiebt, bedarf es dazu doch einer über längere Zeit freien Entsorgungsstation und eines langen Schlauches und einer Schräglage des Wohnmobils in Richtung des Abwasserrohres, das aus dem Tank herausführt. Was bedeutet, dass man auf der richtigen Seite auf Keile fahren muss. Der Abwassertank in Oscarlotta ist gut zugänglich, über eine Klappe im Fußboden des Wohnbereiches und einen Schraubverschluss, durch den man in den Tank hineingreifen kann. Um in alle Ecken zu gelangen, benötigt man allerdings Reinigungsgeräte mit Teleskopstielen, die aber wiederum nicht zu groß sein dürfen, damit sie überhaupt durch den Tankdeckel passen. Ihr versteht sicher, warum das keine allzu beliebte Tätigkeit ist? Nach der damaligen Verstopfung war der Abwassertank fast so sauber wie beim Einbau und nach mehrmaligem Stochern von innen und von außen mit einer langen Bürste, die eigentlich für Heizungslamellen gedacht ist, lief wieder alles.

AbwassertankAbwassertank

Diesmal war die Verstopfung auf der anderen Seite des Abwassertanks, also im Zulauf, bloß wo? Vor Monaten hatte ich, von einer Werbeanzeige inspiriert, ein Reinigungstool für die Spül- und Waschbeckenausgüsse gekauft, eine Art Bürstchen, ähnlich der „kratzigen“ Seite eines Klettverschlusses, befestigt an einem starren Plastikdraht. Das Bürstchen passte so gerade eben durch die Löcher meiner fünf Ausgüsse in Dusche, Badezimmer, Doppelspüle und Herd. Ich arbeite mich in dieser Reihenfolge durch und bereits im linken Becken der Spüle riss das Bürstchen ab und verschwand unerreichbar in der Tiefe. Mist! Ich entleere das Abwasser, wenn ich länger irgendwo stehe, per Eimer und jedes Mal hoffte ich, dass das Bürstchen mit herauskommen würde. Tat es aber nicht. Also war zu befürchten, dass es irgendwo, vielleicht im Syphon, steckengeblieben sein würde und alle Haare, Seifen-, Zahnpasta- und Spülwasserreste an sich binden würde. Ich rechnete also schon lange damit, dass irgendwann nichts mehr gehen bzw. fließen würde. Insofern überraschte mich lediglich, dass es so abrupt geschah. Es war abends und ich beschloss, zunächst über Nacht H11 einwirken zu lassen, ein Mittel, mit dem ich auch regelmäßig die Reinigung des Frischwassertanks und aller Leitungen erledige. Der Erfolg war allerdings gleich null. Also kam mein „Pümpel“ zum Einsatz. Der stammt noch aus Wohnungszeiten und hatte mir schon in meinem ersten Wohnmobil das eine oder andere Mal aus der Verlegenheit geholfen. Ich verschloss jeweils ein Spülbecken und pümpelte, zunächst vorsichtig, dann immer energischer, je weniger passierte. Es kam zwar viel Dreck von unten, aber es machte nicht „plopp“. Enttäuschtes Smiley

Verstopfung Immer, wenn ich einen Stöpsel wieder zog, floss die dreckige Brühe vom einen Becken in das andere. Irgendwann fiel mir siedendheiß ein, dass im Herd ja auch ein Ausguss ist und natürlich stand die gesamte Kochmulde schon voll mit schmierigem schwarzen Schmodder. Prima! Trauriges Smiley Da hatte ich doch endlich einen Grund, den Herd mal wieder richtig sauber zu machen, inklusive des Abschraubens der Brennerdeckel. Ab jetzt wurde es schwierig, denn zwei Ausgüsse zu verschließen und gleichzeitig zu pümpeln erfordert eigentlich vier Hände. Wenn alle Ausgüsse offen sind, pümpelt man nur zwischen diesen hin und her. Wenn man die Stopfen in den Ausgüssen nicht festhält, ploppen sie durch den Druck, der beim Pümpeln entsteht/entstehen soll, sofort wieder hoch. Da ich dummerweise nur zwei Hände habe und die Füße nicht wirklich einsetzbar waren, stapelte ich schweres Gerät auf dem verschlossenen Herdausguss und pümpelte einhändig. Das Dreckwasser lief gut hörbar vom rechten Becken zum verschlossenen Herdausguss, erschütterte den Turm darüber, kam zurück und floss in das linke Becken, sobald ich den Stopfen dort entfernte. Und umgedreht! Verwirrtes Smiley Ich pümpelte über Stunden, mit Erholungs- und Kaffeepausen und kurz vor Feierabend rief ich beim Caravancenter in der näheren Umgebung an. Eine freundliche Telefonistin verband mich mit der Werkstatt. Ein Mann hörte sich mein Problem an und teilte mir dann mit, dass er keine freien Kapazitäten habe. Keine freien Kapazitäten für einen Notfall??? Nein, er habe jede Menge Reparaturen. Ja, aber, versuchte ich einzuwenden, im Moment könne doch sowieso niemand fahren, dann wäre es doch vielleicht nicht so schlimm, wenn der eine oder andere Kunde etwas länger auf sein Mobil warten müsse? Er müsse auch noch sehr viele Wohnmobile für die Auslieferung fertigmachen und dann wörtlich: „Das muss ich jetzt mit Ihnen nicht diskutieren!“ WOW! Erstauntes Smiley Damit hatte er mich ausgeknockt. Es fiel mir nicht mehr ein, ihm meine besondere Lage zu schildern, nämlich, dass ich in meinem Mobil lebe und es durchaus unangenehm ist, wenn man verstopfte Leitungen hat. Immerhin ließ er sich noch dazu herab, zu bemerken, dass in einem Wohnmobil die Leitungsrohre in der Regel nicht geklebt, sondern nur gesteckt sind.
Ich entfernte die zwei Schubladen und das untere große Auszugsfach unter der Spüle und machte Fotos. Uschi ermutigte mich am Telefon, es selbst zu versuchen. An dem Tag schöpfte ich aber nur noch das Dreckwasser aus den beiden Becken. Mein Glück war, dass das Waschbecken im Bad eine eigene Abwasserleitung hat, die unabhängig von den beiden Spülen und dem Herd auf direktem Weg zum Abwassertank führt. So war zwar alles etwas umständlicher, aber machbar, ohne dass ich mein Brauchwasser zur Tür hinaus schütten musste.

UntergeschossVerrohrungVerrohrung

WaschtagAm nächsten Tag schien endlich mal wieder die Sonne und ich beschloss, zum Waschsalon zu gehen. Das hatte ich schon seit geraumer Zeit vor und jetzt kam es mir gerade recht. Der Gärtner, mit dem ich mich noch kurz unterhielt, meinte allerdings, dass er glaube, dass der Waschsalon pleite sei, er habe Schilder in den Fenstern gesehen, sei sich aber nicht ganz sicher. Ich packte meine Schmutzwäsche auf meine Karre und stiefelte los, gewappnet dafür, unverrichteter Dinge wieder zurücklaufen und Handwäsche machen zu müssen. Aber ich hatte Glück! Während die Maschine lief, ging ich kurz zum Bäcker und wunderte mich, dass niemand von den Menschen, die durch die Fußgängerzone liefen, mehr einen Mundschutz trug. Nein, müsse man nicht mehr, erfuhr ich in der Bäckerei, nur noch bei Markttagen auf dem Marktplatz. Den Trockner sparte ich mir, der hatte beim letzten Mal zwar mein Geld genommen, war aber nicht gestartet. Die Bettwäsche und ein paar Kleidungsstücke konnte ich am Stellplatz draußen trocknen, den Rest verteilte ich in Oscarlotta. Bis ich ins Bett ging, war alles trocken. Smiley

Für den nächsten Tag hatte ich keine Ausrede mehr! Ich deckte das Loch in den „Untergrund“ mit einer der Spülen-Abdeckplatten zu, stellte einen Eimer darauf und schraubte todesmutig den Ausguss des rechten Spülbeckens los. Ja, die Rohre waren nur gesteckt! Schon das erste Knie war voll mit schwarzem schmierigen Schmodder und als ich Wasser vom linken Spülbecken abfließen ließ, tauchte, na was wohl auf? Richtig, ein ehemals gelbes Reinigungsbürstchen.

neu und gebrauchtneu und gebraucht

Rohrstück für Rohrstück arbeitete ich mich vor, in Richtung Syphon, der lediglich ein U-förmig gebogenes Rohr ist und in dem ich den Verursacher des Dilemmas vermutete. An den kam ich von unten aber nicht mehr heran, so weit konnte ich in den Spülen-Unterbau nicht hineinkriechen. Die Konstrukteure bei Niesmann und Bischoff hielten es wohl für eine gute Idee, hinter die Spülbecken in der Küche zwei riesige Abfallbehälter zu platzieren, eingehängte Plastikboxen mit Henkeln, die durch eine Klappe aus dem Material der Küchenarbeitsplatte verschlossen werden. Völliger Quatsch, denn den Platz auf den Klappen braucht man für Kaffeemaschine, Thermoskanne etc., die man ja nicht dauernd beiseite räumen will und außerdem würde der Abfall anfangen zu riechen, wenn man ihn nicht jeden Tag entsorgen würde. Diese Abfallbehälter haben wir von Anfang an einfach als zusätzlichen Stauraum genutzt für Küchenartikel, die nicht so oft genutzt werden. Da sich darunter noch jede Menge weiterer ungenutzter Stauraum befindet, stehen dort immer schon zwei verschließbare Plastikbehälter, die genau durch die Öffnung passen und die man mit einem verknoteten Bindfaden nach oben ziehen kann. Das wäre übrigens der perfekte Ort für Wertgegenstände! Für den Einbrecher, der hier mitliest, die Boxen sind inzwischen leer! Auf eine stellte ich den Wischeimer, die andere wanderte in den Untergrund.

SyphonVorsichtsmaßnahme

Ich brauchte einen Tritthocker und legte mich bäuchlings auf die Küchenarbeitsplatte bzw. quer über die Spüle, anders kam ich an den Syphon nicht heran. Er ließ sich, wie alle Rohrstücke bisher, problemlos abdrehen (ich hatte mir Gummihandschuhe angezogen, weil die nicht so rutschig sind wie trockene Hände) und er enthielt zwar einiges an Dreck, war aber nicht völlig zu. Jetzt blieb nur noch das Fallrohr übrig, das senkrecht an der Wand entlang lief und dann um 90 Grad abgeknickt über den Fußboden zu dem Rohr, was vom Waschbecken im Bad kommt und dann weiter zum Abwassertank läuft. Nach Abschrauben des letzten Knies war klar, dass dieses Fallrohr RESTLOS zu war! Erstauntes Smiley

Syphon wegDer Kern des Übels

Jetzt brauchte ich aber erst einmal eine Pause mit Kaffee und Kuchen!!! Ich schüttete vorher noch etwas H11 von oben in das Rohr, es schäumte auch ordentlich, aber der Schaum tropfte lediglich oben wieder heraus. Erzürnt

UnordnungRohre sauberKaffeepause

Nach meiner Kaffeepause löste ich das Knie zur querlaufenden Badezimmer – Abwassertankleitung und da war dann zweifelsfrei klar, warum kein Wasser aus der Küche mehr ablaufen konnte und es oben nur schäumte: Der gesammelte Dreck aus 14 Jahren hatte sich dort abgelagert. Erstauntes Smiley

OHA!!!

EndstationDas Stochern von unten mit einer Spiralbürste förderte den ersten schmierigen schwarzen Schmodder zu Tage, der in die Box plumpste. Oben war immer noch alles dicht. Womit könnte ich stochern? Meine Abwassertankreinigungsbürste fiel mir ein, die ist ungefähr einen Meter lang. Aber würde sie vom Umfang her in das Rohr passen? Sie passte so gerade! Gaaanz vorsichtig schob ich sie von oben hinein und kam bis zum Knick. Gaaanz vorsichtig zog ich sie wieder heraus. Sie war voll mit schwarzem schmierigen Schmodder! Im Eimer sauber machen und ein zweiter Durchgang. Und plötzlich platschte ein riesiger Dreckflatschen in die untergestellte Box!!! Geschafft! Ich stocherte noch ein paarmal aus beiden Richtungen, ließ zwischendurch immer wieder reichlich Wasser durchlaufen, bis klar war, dass das Rohr sauber ist. Was war ich froh! Smiley mit geöffnetem Mund

Eigentlich wollte ich für den Tag Schluss machen und den Zusammenbau auf den nächsten Tag schieben. Ich war nämlich einigermaßen geschafft, das lange Knien bekommt mir nicht mehr so gut. Aber nachdem ich zu Abend gegessen hatte und mich mein Chaos die ganze Zeit anlachte, konnte ich doch nicht an mich halten. Ich stellte mein Tablet so auf, dass ich gleichzeitig meine Freitagsabendtalkshow sehen/hören (liebgewordene Tradition seit Jahrzehnten) und arbeiten konnte. Um Mitternacht war ich fertig. Vor allem beim Zusammenbauen der Syphoneinzelteile war ich froh, dass ich Fotos gemacht hatte und ich brauchte alle meine Muskelkraft, um alle Rohrstücke bis zum Anschlag ineinander drehen zu können. Ein Wasserprobelauf ergab keine Undichtigkeiten! Vorsichtshalber ließ ich die Unterschrankschubladen noch draußen, um am nächsten Tag noch einmal alles über einen längeren Zeitraum genau beobachten zu können. Es blieb alles gut! Verliebt

ChaosFERTIG!FERTIG!FERTIG!

Fazit: Viel Geld gespart, viel Wartezeit in einer Werkstatt vermieden, viel gelernt, viel getraut. Zugetraut hatte ich mir das am Anfang absolut nicht, es dann wirklich allein geschafft zu haben, ist ein verdammt gutes Gefühl!
Weiteres Fazit: Das Wasser aus meinen Kaffeekapseln drücke ich nicht mehr in der Spüle aus, sondern in einem Becher und schütte die mit Kaffeesatz vermischte Flüssigkeit dann in die Toilette. Dies war zwar nicht die eigentliche Ursache der Verstopfung, hat aber sicher dazu beigetragen. Die nächsten 14 Jahre werde ich jetzt wohl hoffentlich Ruhe haben!
Cooles Smiley

Spülbecken

written by Ingrid
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Update 06.03.2021

 
 
Im Admin-Bereich sehe ich, dass es immer noch täglich Menschen gibt, die nachsehen, ob es hier etwas Neues gibt. Das ist nett, aber leider ist alles beim Alten und so wird es wohl auch noch eine Weile bleiben. Trauriges Smiley Trotzdem oder gerade deswegen melde ich mich heute mit einem kurzen Update: Wir sind gesund und wir tun weiterhin alles dafür, dass es so bleibt und warten darauf, dass wir irgendwann geimpft werden und das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs im Falle einer Infizierung dann hoffentlich mindestens stark vermindert sein wird! Der Preis dafür ist ein sehr eingeschränktes, auf das Notwendigste reduziertes Leben mit wenigen Kontakten. Meine beschränken sich im „realen Leben“ auf ein Gespräch ab und zu über den Zaun mit dem Gärtner und auf ein paar Worte beim Gas holen oder einkaufen. Alles weitere findet am Telefon statt. Enttäuschtes Smiley Nein, wirklich gut geht es mir damit nicht und so richtige Perspektiven sind ja auch nicht sichtbar. Abgesehen davon, dass das Beherbergungsverbot ja sicher vor Ostern nicht aufgehoben wird, gibt es keine Planungssicherheit für die nächsten Monate, weil es absolut nicht klar ist, wie sich das Infektionsgeschehen weiterentwickelt und wann wir den nächsten Lockdown/Shutdown haben werden. Wir haben für drei Sommermonate mal im Allgäu reserviert und hoffen, dass ein Ortswechsel möglich sein wird. Von Stellplatz zu Campingplatz zu reisen kann man im Sommer inzwischen vergessen, der Verkauf von Wohnmobilen boomt immer noch.
Wenigstens ist die Eiszeit vorbei, meine Gasflaschen halten schon wieder 5 Tage! Die Sonne scheint öfter, ich habe sogar schon barfuß und in leichter Bekleidung draußen gesessen. Man wird sehr bescheiden!
Ich werde mich von Zeit zu Zeit wieder melden, auch wenn es nichts zu erzählen gibt…

Isolation

Passt auf euch auf und bleibt gesund!

written by Ingrid
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Eisige Zeiten

 
 
Ich kann mich nicht erinnern, dem Frühling jemals mehr entgegengefiebert zu haben als gerade jetzt! Als wenn nicht alles schon frustrierend, beängstigend, langwierig, öde, perspektivlos genug wäre, muss da jetzt noch fast auf der Winter-Ziellinie diese Affenkälte hinzukommen? Aushalten, das ist mein Wort des Jahres 2020, aber offensichtlich gilt es immer noch. Dezember, Januar, Februar sind die für mich schwierigsten Monate, wenn man wie ich im Wohnmobil lebend in Deutschland überwintert. Seit Beginn des Februars wurde es gefühlt von Tag zu Tag besser in der Gewissheit, dass mit diesem kürzesten Monat das Ende der „Leidenszeit“ absehbar ist. Und dann dieses! Erstauntes Smiley

Eisige Zeiten

Rekordminustemperaturen im Februar wie seit 2012 nicht mehr. Meine Gasflasche hielt schon wieder 5 Tage und 7 Stunden, die nächste dann nur noch schockierende 2 Tage und 6 Stunden und die letzte noch 3 Stunden weniger. Und dabei lasse ich den Kühlschrank schon seit Wochen über Strom laufen. Einer der Verkäufer bei meiner Gasflaschentauschfirma meinte, nachdem ich zwei Tage hintereinander dort auftauchte, ob man mir nicht mal langsam eine Pipeline legen solle? Ja, bitte!!! Ich habe übrigens mal genau ausgerechnet, um wieviel teurer der Betrieb des Kühlschrankes mit Strom ist. Abhängig von den Verkaufskosten einer Gasflaschenfüllung und dem Preis für eine Kilowattstunde kann man im Schnitt mit 80 Cent bis 1 Euro rechnen, pro 24 Stunden. Ich habe mich dafür entschieden, lieber mehr zu bezahlen und dafür nicht noch öfter tauschen gehen zu müssen als zur Zeit sowieso schon.
 
Meinen gefühlsmäßigen Tiefpunkt hatte ich, als ich die leere Gasflasche aus der Heckgarage holen wollte und diese sich nicht öffnen ließ! Oscarlotta steht etwas nach rechts geneigt und Regenwasser war nicht nur über die Heckklappe, sondern offenbar in jede verfügbare Ritze der Füllungen geflossen und dort gefroren. Eigentlich nicht sehr verwunderlich bei diesem Aussehen:

Eisige ZeitenEisige ZeitenEisige ZeitenEisige Zeiten

Mein Außenstaufach auf der anderen Seite, in dem meine Vorräte lagern, weigerte sich ebenfalls! Nicht die Schlösser waren zugefroren, sondern die gesamte Klappe, keine Chance. Nun komme ich zum Glück vom Innenraum Oscarlottas an den Inhalt, auch wenn ich dafür die Couch komplett abräumen muss. Mehr Sorgen machte mir die Heckgarage, denn ohne Gas keine Heizung! Zwar könnte ich die Heizung auch mit Strom betreiben, aber das wird dann richtig teuer!
Mit heißem Wasser aus der Kaffeemaschine in einem Emaillebecher und einer Hutbürste, die als Allerweltsbürste immer griffbereit im Eingang liegt, bestrich ich die Eiswülste rechts und links der Heckgaragenklappe, versuchte, mit einem Schlüssel angetautes Eis wegzubrechen, tauchte die eingefrorenen Fahrradschlösser, die meine Transportkarre auf dem Fahrradträger sichern, in die letzten Reste des warmen Wassers und ließ die Kaffeemaschine neues heißes produzieren. Es dauerte lange, bis die Heckklappe sich mit meiner Kraftverstärkung gegen das Eis durchsetzen konnte!
Puh, große Erleichterung! Smiley

 
Beim Gasflaschentausch fragte ich nach Schlossenteisungsmittel, mit demselben negativen Bescheid wie schon ein paar Wochen zuvor. Ich könne aber genauso gut Frostschutzmittel, mit Wasser verdünnt, in eine Sprühflasche füllen, riet mir die nette Angestellte und zeigte auf die vielen Kanister, die neben dem Eingang standen. Frostschutzmittel habe ich! Oscarlotta wird ja von einer schwedischen Alde-Warmwasserheizung erwärmt und in den Wasserkreislauf gehört Frostschutzmittel, das in Abständen immer wieder kontrolliert und aufgefüllt werden muss. Natürlich befand sich dieses im Außenstaufach! Also räumte ich die Couch wieder frei und mit etwas Akrobatik hielt ich schließlich die noch gut halbvolle Flasche Glysantin in den Händen. Eine Sprühflasche fand sich auch, deren Inhalt umgefüllt wurde und binnen kurzer Zeit hatte ich meine Mischung aktionsbereit. Sehr großzügig besprühte ich alle Fugen, Ritzen und Dichtungen mit der rosafarbigen Flüssigkeit. Die Klappendichtungen bestehen nicht aus Silikon, sondern aus einem bürstenähnlichen, weichen, faserigen Stoff, der jetzt zu einer einheitlichen Eismasse mutiert war. An einigen Stellen konnte ich mit einem Spachtel Schlitze hineinschlagen und teilweise sogar Eisstücke herausbrechen, aber nach unten wurde das Eis immer dicker. Die linke Seite der Heckklappe stand nach dem erneuten Schließen gute zwei Zentimeter hervor.
Ob das Besprühen irgendeinen Effekt haben würde, wusste ich nicht, gleichwohl sprühte ich meine Vorratsstaufachklappe ringsherum ebenfalls ein, ebenso sämtliche Schlösser aller Klappen. Es ging mir wieder besser! Das hielt leider nur bis abends gegen 22 Uhr, als völlig unerwartet nach besagten 2 Tagen und 6 Stunden die Gasflasche schon wieder leer war! Was, wenn ich die Heckklappe wieder nicht mehr aufkriegen würde? Die gleiche Prozedur vom Nachmittag jetzt noch einmal??? Enttäuschtes Smiley Alternativ könnte ich auf meine LPG-Tankflasche umschalten, um über die Nacht zu kommen, aber mit deren Inhalt bin ich sehr sparsam, weil ich, wenn sie leer ist, zur Tankstelle fahren muss. Und im Moment kann und möchte ich mit Oscarlotta nirgendwo hinfahren.
Ich zog mir eine warme Jacke und Stiefel an und begab mich bangen Herzens zur Heckgarage. Die öffnete sich widerstandslos!!! Die Klappe vom Gasfach ebenfalls und binnen Minuten konnte ich die Heizung wieder starten. Puh!
Am nächsten Nachmittag versuchte ich zum Spaß mal, ob sich meine Vorratsstaufachklappe vielleicht auch wieder öffnen lassen würde. Als wäre nie etwas gewesen, ging sie auf! Ein Zaubermittel, meine Sprühmischung!!!
 
Seitdem sprühe ich jeden Tag mehrfach und klopfe und breche alles weg, was nachgibt. Das Eis bildet sich immer wieder neu, wenn die Sonne den Schnee auf dem Dach zum Tauen bringt. Es wäre sicher hilfreich, das Dach leerzuräumen, aber ich will kein Risiko eingehen. Wenn ich ausrutsche und vom Dach falle, findet mich hier niemand. Am Montag wurde nach den heftigen Schneefällen der Nacht zwar die Ent- und Versorgungsanlage geräumt und sogar ein Laufweg bis zu Oscarlottas Eingangstür angelegt, aber schon die erneuten Schneemengen am Dienstag blieben liegen. Gesehen habe ich die ganze Woche niemanden.

Eisige ZeitenEisige Zeiten

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Update 09.01.2021

 
 
Das Jahr ist neu, aber ansonsten ist alles beim Alten. Trauriges Smiley Lockdown light, Lockdown hart, Ausgangssperre ab 21 Uhr bei einer Inzidenz über 200, ebenso eine Bewegungsbeschränkung unterschiedlichen Ausmaßes, Kontaktregeln so extrem wie im Frühjahr. Alles zu bis auf die überlebenswichtigen Geschäfte/Einrichtungen. Dieses Virus zeigt uns Menschlein jetzt erst so richtig sein Können und es hat sich – bildlich gesehen – wohl schon den ganzen Sommer die Hände gerieben in Vorfreude auf den Herbst und Winter, wo es uns dann mal so richtig beweisen kann, was es drauf hat. Die unvernünftige Handlungsweise zu vieler Menschen im Sommer hat die Grundlage geschaffen dafür, dass das Virus sich zunächst ziemlich unbemerkt weiter verbreiten konnte. Ich verstehe das Nachholbedürfnis all derer, die sich über Wochen eingeschränkt haben oder eingeschränkt wurden und besonders für die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist diese Pandemie wirklich hart! Enttäuschtes Smiley Aaaaber: Wir Menschen kriegen das nur hin, wenn wir uns solidarisch und verantwortungsvoll verhalten und uns an die von den Regierenden vorgegebenen Verhaltensmaßregeln halten, AUCH wenn wir aus persönlichen Gründen mit ihnen nicht einverstanden sind und AUCH, wenn sie Schwachstellen aufweisen. Und das tun sie zweifellos. Aber niemand in der westlichen Welt hat Erfahrungen mit Pandemien, die Wissenschaftler kommen tagtäglich zu neuen Erkenntnissen, da ist es doch logisch, dass die Meinung von gestern morgen eventuell schon nicht mehr gilt. Wer sich darüber aufregt und den Verantwortlichen Willkür vorwirft, hat nicht verstanden, wie Wissenschaft funktioniert. Wer daraus für sich den Schluss zieht, dass ihm das jetzt langsam zu dumm wird und er selbst entscheidet, was (für ihn) richtig ist, verhält sich seinen Mitmenschen gegenüber ignorant, egoistisch und verantwortungslos.
Aber ist nicht sogar genau diese Einstellung das Grundübel unserer Zeitepoche? Ging es uns in den wohlhabenden Ländern und Staaten schon viel zu lange viel zu gut? Dazu ist schon viel geschrieben und geredet worden, von Menschen, die wesentlich mehr davon verstehen als ich, deshalb werde ich das hier jetzt nicht weiter vertiefen.
Aber einen Gedanken möchte ich weiterspinnen. Es scheint so zu sein, dass Menschen alles, was sie als Bedrohung empfinden, versuchen von sich fernzuhalten. Das ist verständlich, wenn es um eine direkte und sichtbare Bedrohung von Leib und Leben geht. Dieses Virus ist eine direkte Bedrohung und es ist als solche auch sichtbar, zumindest indirekt über die tägliche Berichterstattung der Medien. Nun weiß man, dass der Mensch so „gestrickt“ ist, dass er bei fortwährender Konfrontation mit Katastrophen(meldungen) abstumpft. Auch das ist eine eigentlich gesunde Reaktion des Gehirns, damit der permanente Stress nicht krank macht. Weiterhin höchst sensibilisiert und damit aber auch emotional höchst beansprucht sind wohl überwiegend die Menschen, die entweder auf Grund ihres Alters oder ihrer Vorerkrankungen ein signifikant erhöhtes Risiko haben, nach einer Ansteckung an dieser Viruserkrankung zu sterben und diejenigen, die Sterbefälle in ihrem Umkreis bereits miterlebt haben. Und ich denke, dass alle, die hautnah mitbekommen, welche unvorstellbaren Arbeitsbedingungen für das medizinische Personal auf Covid-Intensivstationen jetzt herrschen, mehr Empathie und Solidarität aufbringen.
Ich höre öfter, dass von Panikmache geredet wird und dies verurteilt und als nicht zielführend angesehen wird. Nein, das finde ich nicht! Ich habe eher das Gefühl, dass viele Menschen es lieber nicht ganz so genau wissen möchten, um möglichst wenig an ihrem gewohnten Lebensstil ändern zu müssen. Und negative Gefühle will niemand, verständlicherweise, deswegen ist es einfacher, nicht so genau hinzusehen oder die Fakten und Gefahren herunterzuspielen oder gleich ganz zu bestreiten. Dann redet man lieber von Panikmache als zuzugeben, dass man verunsichert ist oder sogar besorgt und ängstlich. Es gibt, wahrscheinlich nicht wenige, Menschen, die ihre Ohnmacht damit in Schach halten, dass sie beschließen, dass „wir da durchkommen“. Da bleibt nur zu hoffen, dass das Virus das wohlwollend zur Kenntnis nimmt!
Mich macht das alles hilflos! Wenn das Virus wenigstens nur die Uneinsichtigen und Unvernünftigen treffen würde! Aber das tut es nicht, es nimmt sich, wen es kriegen kann. Und das ganz besonders Tückische daran ist eben, im Vergleich zu den meisten anderen ansteckenden Krankheiten, dass schon Kontaktpersonen infiziert werden, bevor der Virusträger überhaupt ahnt, dass er sich angesteckt hat. Wie schnell das aus dem Ruder gerät, ist gerade überall auf der Welt noch viel drastischer als zu Beginn der Pandemie zu sehen. Logisch, Stichwort exponentielles Wachstum. Je mehr infiziert sind, desto schneller die Ausbreitung. Gerade explodiert es, die Wissenschaftler haben es vorausgesagt (Panikmache!!!), die Erinnerung an die Spanische Grippe hätte es uns glauben lassen sollen.
Und trotzdem gibt es immer noch Menschen, die das alles nicht glauben wollen, nicht akzeptieren wollen, nicht Ernst nehmen. Das macht mich fassungslos und wütend! Sie sind unmittelbar mit verantwortlich dafür, dass es nicht besser werden kann. Dass alle anderen in Mitleidenschaft gezogen werden, da wir nun einmal alle in einem Boot sitzen. Sie machen sich schuldig an all denen, die an Covid-19 sterben. An all denen, die aufgrund der Lockdown-Beschränkungen weltweit mittel- oder unmittelbar ihre Existenzgrundlage oder ihr Leben verlieren oder das ihrer Angehörigen. Panikmache? Ja, die ist angebracht, finde ICH. Ob sie ein Umdenken bewirkt, bezweifel ich trotzdem. Und wenn ich diese Verhaltensweisen hochrechne auf all die anderen Menschheitsprobleme, die sich durch Verleugnung oder Egoismus genauso wenig in Luft auflösen werden wie diese Pandemie, die aber noch weitaus gravierendere Folgen haben werden, dann wird mir himmelangst und ich bin froh, schon so alt zu sein und keine Nachkommen zu haben, die all dem ausgesetzt sein würden.
Sorry, aber der Satz muss noch sein: Ich kann nicht nachvollziehen, dass so viele Menschen, die Nachkommen haben, ihnen zuliebe nicht anders agieren. Das wäre jetzt aber eine andere Baustelle…
Cooles Smiley

written by Ingrid
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Nichts genaues weiß man nicht

 
 
Dieses emotional anstrengende Jahr 2020 neigt sich langsam dem Ende zu und auf ein Ende der Pandemie lässt sich zumindest hoffen, seit es den Wissenschaftlern in Rekordzeit offenbar gelungen ist, wirksame Impfstoffe zu entwickeln. Aber noch eine ganze Weile gilt es, auszuharren, was in den dunklen und kalten Wintermonaten um einiges schwieriger ist als im hellen, sonnigen, warmen Sommer. Was ich als besonders zermürbend empfinde, ist nicht, dass jetzt zwar, wie erwartet, klar ist, dass der Lockdown nicht Ende November beendet sein wird, sondern dass es in den Sternen steht, wann überhaupt. Über Weihnachten wird nun tatsächlich gelockert, bis Neujahr sogar, was nicht nur meiner Meinung nach sehr bedenklich, wenn nicht fahrlässig gefährlich, unverständlich und kontraproduktiv ist. Ich gehe davon aus, dass der nächste Lockdown folgen wird/muss und die Freizeiteinrichtungen, also auch die Stell- und Campingplätze, als letztes wieder geöffnet werden dürfen, vielleicht erst zu Ostern. Enttäuschtes Smiley Das bedeutet, bis dahin muss ich irgendwo ausharren und dann fahren wieder alle gleichzeitig los, den verständlichen Nachholbedarf ausleben. Keine mutmachenden Aussichten!

Aber da alles Jammern nichts nützt, habe ich, um euch und mir zumindest den Dezember etwas zu versüßen, auch dieses Jahr wieder einen Adventskalender (nein, OHNE Schokolade) gebastelt. Vielleicht habt ihr etwas Freude daran!

Passt auf euch auf und bleibt gesund!

Wilde Zicke und der Dom zu Naumburg

 
 
Bevor der Lockdown mich zum zweiten Mal in diesem Jahr ausbremste, war ich noch in Naumburg. Das liegt auf der Route nach Mecklenburg-Vorpommern, wo ich ja eigentlich hin wollte, zwecks erneuter Reparatur meiner Fahrerhaus-Klimaanlage. Und da ich ja noch ein paar andere Dinge auf meiner to-do-Liste hatte, erfreute mich, im Internet zu finden, dass es in Naumburg einen Wohnmobilhändler mit Werkstatt UND Wohnmobilstellplätzen gibt. Nach einem eMail-Wechsel war meine Freude allerdings gleich wieder weg. Nein, die Stellplätze gebe es nicht mehr. Nein, HU und AU könne bei ihnen nicht gemacht werden, auch kein Ölwechsel, mein Fahrzeug sei für ihre Halle zu groß. Aber den undichten Haubendeckel des Badezimmerluks könne man tauschen, das sei kein Problem. Und ich solle doch auf die Vogelwiese fahren, da könne ich stehen.
Das Internet sagte mir, dass die Vogelwiese ein Großparkplatz ist mit einem ausgewiesenen Bereich für 15 Wohnmobile, mit €10 plus €2/Person Kurtaxe nicht gerade preiswert, aber stadtnah. Als ich ankam, standen drei Wohnmobile außerhalb des Areals und vier innen, außerdem noch ein Wohnwagen ganz hinten. Nach Erkundung der Gegebenheiten war mir auch klar, wieso – es gibt nämlich nur zwei Stromsäulen à vier Steckdosen am Grünstreifen, der den Wohnmobilbereich vom Parkplatz trennt und die waren natürlich alle belegt! Mist, kein Kaffee! Ich räumte Oscarlotta in den Wohnzustand zurück und beobachtete mit einem Auge das Geschehen draußen. Es war Sonntagnachmittag und tatsächlich zog der Wohnwagenfahrer sein Stromkabel ab und fuhr. Ich war blitzschnell draußen! Doch noch ein Sonntagsnachmittagskaffee zu meinem Kuchen. Smiley

VogelwieseVogelwiese

Bezahlt wird an einem Parkscheinautomaten, nur mit Münzen. Man könnte sich allerdings auch eine App herunterladen und darüber bezahlen. Die Verweildauer ist auf drei Nächte beschränkt, aber das interpretiere ich in der Regel so, dass es nur für die Sommermonate gilt. Mein Ticket gewährte mir einen Aufenthalt bis zum übernächsten Tag 8 Uhr! Nun, dann könnte ich nur hoffen, dass mich ein Kontrolleur nicht aus dem Bett klopft, denn ich stehe sicher nicht um acht auf, um ein neues Ticket zu ziehen. Vorsichtshalber schrieb ich mal drauf, dass ich verlängern werde.
Die Nacht (und alle weiteren Nächte auch) war ruhig, es klopfte niemand und von den PKWs hörte man nichts, sie standen überwiegend im vorderen Parkplatzbereich. Die Nachbarschaft wechselte allerdings täglich und da gibt es leider immer wieder „Kollegen“, die glauben, wenn sie wach sind, sind das alle anderen auch. Erzürnt Alle weiteren Tickets zeigten übrigens einen Zeitbereich von exakt 24 Stunden ab Anforderung und ich freute mich, die ersten zwei Nächte zum Sonderpreis bekommen zu haben.

Naumburg Um in die Stadt zu gelangen, muss man nur den Parkplatz und eine Ringstraße und Gleise überqueren. Auf den Gleisen kam dann auch just in dem Moment eine niedliche, feuerrote Oldtimer-Straßenbahn. Süß!
 
 
 
 
 
Wilde Zicke

Ich lief durch Nebenstraßen mit kleinen und altertümlichen Häuschen, teils unrenoviert, teils sehr hübsch ausgearbeitet, in Richtung Dom. Vom Naumburger Dom hat wohl jeder schon einmal gehört, er gilt als eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler aus der Zeit des europäischen Hochmittelalters und ist seit 2018 als UNESCO-Welterbestätte deklariert.

Schon von weitem ist der Dom St. Peter und St. Paul mit seinen vier imposanten Türmen nicht zu übersehen.

Naumburger DomNaumburger DomNaumburger DomNaumburger DomNaumburger DomNaumburger Dom

Sein Inneres beeindruckt durch das unglaublich realistische Werk eines völlig unbekannten Steinbildhauers. Es ist von ihm nichts überliefert, kein Name, kein Geburtsdatum, keine Herkunft, nur sein spektakuläres Werk. Unnachahmbar und unvorstellbar, wie es möglich sein kann, aus Stein derart lebendige, naturgetreue Darstellungen, Handlungen, Mimiken und Gestiken zu erschaffen. Völlig zu Recht spricht man von ihm nur als von dem „Naumburger Meister“.

Naumburger DomNaumburger Dom

Ein Großteil des Domes, wie er heute erhalten ist, wurde bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut und 1542 fand in ihm die Amtseinsetzung des weltweit ersten evangelischen Bischofs statt, durch Martin Luther persönlich vollzogen.

Domgarten Ein Audio-Guide, eine Videovorführung, eine Domkunstausstellung im Untergeschoss und natürlich der Kreuzgang machen die Dombesichtigung wirklich lohnenswert. Ein großer Domgarten gehört auch noch dazu, aber dafür war das Nieselwetter nicht einladend genug. Nach der Besichtigung gab es für mich noch einmal Kaffee und Kuchen draußen, allerdings nicht mehr sehr komfortabel aufgrund feuchter Stühle und kalter Außentemperatur. Geschmeckt hat es trotzdem!

Kaffeezeit

Naumburg selbst ist ein hübsches Städtchen mit schön restaurierten Häusern, alles sehr gepflegt und überschaubar.

NaumburgNaumburgNaumburgNaumburg

In der Touristeninformation erfuhr ich, dass die historischen Straßenbahnen im Regelbetrieb fahren, auf einer einzigen Strecke vom Salztor bis zum Hauptbahnhof und zurück. Ich fuhr am nächsten Tag natürlich mit! Die Haltestelle war unweit des Stellplatzes und per Tageskarte hatte ich das Glück, in die Gegenrichtung bis zum Salztor fahren zu können und danach zurück bis zum Bahnhof. Hätte ich den Nachweis meiner bezahlten Kurtaxe dabei gehabt, hätte ich statt €3,50 nur €2,50 bezahlt! Augen rollendes Smiley

Wilde ZickeWilde ZickeWilde ZickeWilde Zicke

Die Straßenbahnlinie wurde bereits 1892 in Betrieb genommen und erhielt schon bald den liebevollen Kosenamen „Wilde Zicke“, sicherlich nicht unbegründet! 1991 wurde der Betrieb eingestellt, aber dank eines breiten bürgerlichen Engagements fährt sie seit 2007 wieder regelmäßig. Ein Straßenbahnzug fährt ständig hin und her, alle 30 Minuten pro Haltestelle, beginnend wochentags um 5 Uhr (!) bis abends 20 Uhr. Die Reservezüge stehen im öffentlich einsehbaren Depot.

StraßenbahndepotStraßenbahndepotStraßenbahndepotStraßenbahndepotStraßenbahndepot

Die Fahrdauer bis zum Bahnhof beträgt nur 15 Minuten und dort hatte ich eine halbe Stunde Aufenthalt, was für den Kauf eines neuen Feuerzeuges und den Verzehr von Kaffee und Kuchen (klar doch!) bei weit geöffnetem Fenster in einem Bäckereicafé reichte.

KaffeezeitKaffeezeit

Dann ratterte ich mit der wieder ankommenden Bahn gemächlich zurück, stieg aber bereits am Marientor aus und lief in der einsetzenden Dämmerung durch den Stadtkern zum Stellplatz zurück, mit einem kleinen Umweg, da ich mich trotz Stadtplans ein wenig verlief. Cooles Smiley

Marientor

Am nächsten Tag hatte ich meinen Werkstatttermin, nur 2km entfernt. Auf dem ursprünglichen Wohnmobilstellplatz stehen jetzt Ausstellungswagen. Überhaupt war das gesamte, ziemlich große Gelände mit Wohnmobilen „gepflastert“, die aber wohl zum überwiegenden Teil vermietet wurden. Vom Empfang wurde ich zu einem Bürocontainer bei der Werkstatt verwiesen, dort bat ich um drei weitere kleine Instandsetzungen bzw. Überprüfungen, was mit „Oh, ich weiß nicht, ob das klappt, der Zeitrahmen der Mitarbeiter ist sehr eng!“ beantwortet wurde. Ich möge doch bitte mit meinem Fahrzeug ganz nach hinten auf den Abstellplatz fahren und dann den Schlüssel bei ihnen abgeben. Manchmal schalte ich nicht sofort! Es kam mir zwar komisch vor, da ich in 15 Minuten meinen bestätigten Termin hatte, aber da, wo Oscarlotta parkte, konnte sie auch nicht stehenbleiben. Der Abstellplatz war voller abgestellter Wohnwagen und Wohnmobile und ein Arbeiter wies mir den einzigen noch freien Platz zu. Ich lief mit meinem Schlüssel zum Bürocontainer zurück und fragte, warum ich ihn denn abgeben solle, ich sei doch in meinem Mobil und hätte doch gleich einen Termin!? Sie könnten mich doch einfach anrufen, dann käme ich wieder nach vorne gefahren. Die Frau schaute mich verwundert an und erklärte mir, sie hätte mir doch vorhin gesagt, dass ich mein Mobil hierlassen müsste! Das hatte ich nicht gehört oder nicht verstanden, da es für mich ja völlig unrealistisch war. Ich wurde darüber aufgeklärt, dass es seit Anfang der Woche (es war inzwischen Mittwoch) in Sachsen-Anhalt eine neue Corona-Verfügung gebe, nach der Monteure erst nach drei Tagen in ein Wohnmobil gehen dürften. Erstauntes Smiley Völlig konsterniert fragte ich sie, warum man mich darüber nicht informiert habe und dass das für mich nicht machbar sein würde, da ich in meinem Mobil lebe und ob ich etwa für drei Tage in ein Hotel gehen solle??? Ratlosigkeit auf beiden Seiten! Ja, im Grunde müsse das so geschehen, hieß es und ich erwiderte, dass ich dann jetzt leider wieder fahren müsse. Zum Glück fiel mir dann aber ein, dass alle meine gewünschten Arbeiten, bis auf eine, auf die ich dann verzichtete, außen oder von außen durchzuführen waren. Ja, ob ich denn dann mein Fahrzeug bitte wieder holen könne? Ich konnte!

Unverzüglich erschien ein sehr netter junger Mann und kümmerte sich angelegentlich, sehr motiviert und ausführlich um meine Aufbautür. Wie bereits im letzten Sommer hatte ich die untere der drei Verriegelungsvorrichtungen der Schließanlage, einen der sogenannten „Tannenbäume“, vor Wochen wieder abschrauben müssen, da die Tür sich bei Sonneneinstrahlung dermaßen verzieht, dass sie weder von innen noch von außen zu öffnen ist. Der junge Mann setzte seinen ganzen Ehrgeiz daran, dieses Problem zu lösen und schloss dann, ganz im Vertrauen auf sein Werk, die Tür. Die war dann zu und blieb es auch!!! Ich glaube, er war genauso erschrocken wie ich. Kommentarlos verschwand er und tauchte erst nach ein paar Minuten mit einem Kollegen und zwei Stemmeisen wieder auf. Das schmalere passte zwischen Tür und Rahmen und gemeinsam gelang es ihnen, die Tür soweit anzuheben, dass sämtliche Verriegelungsstifte aus allen drei Tannenbäumen herausrutschen konnten. Das konnte er so nicht auf sich sitzen lassen! Er feilte, er schraubte, er ersetzte Schrauben durch seiner Meinung nach besser geeignete und war irgendwann mit seiner Arbeit zufrieden, nicht hundertprozentig, aber besser würde er es nicht hinkriegen! Mir reichte es völlig, spätestens im nächsten Sommer muss ich den Tannenbaum sowieso wieder entfernen.

Dann widmete er sich mit gleichem Elan dem Problem, dass die Duo-Control mir zwar sagt, wenn eine meiner zwei Gasflaschen leer ist, aber nicht mehr automatisch von der Gebrauchs- auf die Reserveflasche umschaltet, was ihre Aufgabe wäre. Das ist lästig, weil alle Gasflaschen dazu neigen, nachts leer zu werden, was zumindest im Winter nicht so angenehm ist. Er stellte auch fest, was die Ursache ist, konnte daran mangels Ersatzteil aber nichts ändern. Meine Vermutung, dass es sich vielleicht nur um einen Wackelkontakt handeln könne und sich das Problem durch seine umfangreichen manuellen Versuche eventuell aufgelöst haben könnte, erwies sich nach Tagen als halb richtig, indem jetzt die Duo-Control wieder automatisch umschaltet, mir das aber nicht anzeigt! Also genau das Gegenteil von vorher. Keine Ahnung, was ich besser finde.

Inzwischen war eine gute Stunde vergangen und er nahm Kurs auf das Büro mit der Bemerkung, dass er jetzt aber ein wenig Arbeitszeit aufschreiben müsse. Stopp! Mein Badezimmerluk müsse ja noch ausgetauscht werden, bzw. der Haubendeckel. Davon stände nichts auf seinem Auftragszettel! Ich reklamierte, deswegen sei ich doch eigentlich da, alles andere wären ja nur Zusatzwünsche gewesen! Er marschierte ins Büro und kam mit der Aussage zurück, dann müsse er jetzt mal nachfragen, ob ein Haubendeckel bestellt worden wäre! Jesus!!! Ich ahnte Schlimmes. Zum Glück schien die Sonne, Oscarlotta parkte direkt neben dem Vermiet-Container, davor stand eine Rattan-Sitzgarnitur. Ich machte es mir gemütlich und beobachtete, wie der junge Mann hin und her lief, den alten Haubendeckel abschraubte und mal mit und mal ohne ihn über den Werkstatthof eilte. Nach einer Viertelstunde tauchte er wieder auf und erklärte mir, dass diese Art von Haube nicht mehr bestellbar sei. Das habe der Werkstattleiter, der heute nicht im Haus sei, leider so nicht weitergegeben. Er habe aber in einer Ecke noch einen identischen gebrauchten gefunden, den könne er montieren, wenn ich das wolle. Natürlich wollte ich! Dann solle ich doch bitte im Büro nachfragen, was ich dafür bezahlen müsse, bevor er ihn aufschraubt. Ich versicherte, dass ich jeden Preis dafür bezahle, er möge doch bitte sofort anfangen. Aber ich hätte geglaubt, dass die schrecklich verdreckte Unterschale auch ausgetauscht würde? Seit Jahren hatte ich mich nicht mehr getraut, den Haubendeckel zum Säubern abzuschrauben, um die Risse rund um die Schraubenlöcher nicht weiter zu vergrößern. Nein, der würde nicht getauscht, aber er könne ihn mir ja schnell sauber machen!!! Im Büro überlegten zwei Frauen, was sie mir denn jetzt berechnen sollen. Das Luk würde neu wohl €220 kosten? Moment, ich habe kein ganzes Luk, sondern nur den Haubendeckel ausgetauscht und der kostet im Internet €69. Erneutes, etwas ratloses Überlegen. Ob ich mit €50 einverstanden sei? Ohne Rechnung? Bezahlbar direkt bar auf die Kralle bei ihnen, nicht vorne im Verkaufsraum. Ich holte Geld, bewunderte ein blitzblankes neugebrauchtes Luk, steckte dem netten jungen Mann ein Trinkgeld in die Hand und ging wieder in den Bürocontainer. Ja, was solle sie denn jetzt an Arbeitszeit berechnen, er habe gar nichts aufgeschrieben? Telefonisch war er nicht zu erreichen. „Ach, wissen Sie was, geben Sie mir einfach 50 Euro und gut ist es.“ Ich war inzwischen zwei Stunden vor Ort! Dann bekam ich von ihr noch einige Tipps zu Stell- und Campingplätzen in der Umgebung und, als ich davon sprach, dass ich Strom hauptsächlich für meine Kaffeemaschine brauche, zeigte die junge Frau mir ein Foto auf ihrem Handy, mit der Bemerkung: „Sie sind ja wohl aus dem Westen, nicht? Wir sind seit kurzem auch Camper. Ich zeige Ihnen mal, wie wir Ossis Kaffee kochen!“ Eine Thermoskanne mit aufgestecktem Porzellanfilter samt Filtertüte und gemahlenem Kaffee. Laut lachen JAAA, das kann ich auch, habe ich auch, versicherte ich ihr und erklärte ihr dann, dass das Problem dabei, wenn man diese Methode nur notfallmäßig ab und zu nutzen würde, der Kaffee sei, der über einen längeren Zeitraum seinen Geschmack verliert. Eine Alternative wäre vielleicht, seine Kaffeebohnen selbst zu mahlen?

Ich bat darum, dass mich jemand rückwärts über den Vorgarten des Vermiet-Containers hinausleiten würde, beim Hineinfahren hatte ich zweimal rangieren müssen und überall standen Wohnmobile herum, die ich nicht anfahren wollte. Ein Mitarbeiter wurde gerufen, der mich vorwärts durch das schmale Tor zum Werkstatthof leitete und dann um ein paar Ecken bis zur Straße vor mir her lief, obwohl ich ihm zurief, dass ich das jetzt auch alleine schaffen würde. Nein, er lief mitten auf die kleine Einliegerstraße, ließ einen LKW passieren, vergewisserte sich, dass kein weiteres Fahrzeug kam und gab mir dann das Zeichen, dass ich fahren könne. Daumen hoch

Mit Ausnahme des Werkstattleiters kann ich mich über die Arbeitsauffassung der Mitarbeiter dieser Firma wirklich nicht beklagen! Und gut, dass besagter Werkstattleiter mir weder mitgeteilt hatte, dass es den Haubendeckel nicht mehr gibt noch dass Mitarbeiter erst nach drei Tagen in ein Wohnmobil dürfen, dann wäre ich nämlich erst gar nicht nicht hingefahren und hätte keines meiner Probleme gelöst bekommen!

Abreise Vogelwiese

Aber nicht nur meine Probleme waren weg, als ich Naumburg verließ, sondern auch mein Fahrradsattel! Das merkte ich aber erst eine ganze Woche später, als ich in meinem Lockdown-Quartier Oscarlotta wusch und dafür den Fahrradträger samt Fahrrad abklappte. Noch nicht einmal beim Abklappen fiel es mir auf, sondern erst, als ich wie üblich den Träger mit einer Hand am Sattel wieder hochklappen wollte. Es brauchte ein oder zwei Sekunden, bis ich glaubte, was ich sah! Ein ungutes Gefühl beschlich mich, da ich nicht wusste, ob das noch in Naumburg passiert war oder erst hier, was mein Sicherheitsgefühl natürlich massiv beeinträchtigt hätte. Anhand von Fotos konnte ich zum Glück aber feststellen, dass es schon in Naumburg passiert sein muss.

Inzwischen hatte ich schon einen Wohnmobilnachbarn für eine Nacht, dessen Fahrer offenbar kein Problem damit hatte, das Absperrband zu öffnen. Im Morgengrauen war er wieder weg, das Flatterband hängt jetzt etwas durch und bezahlt hat er vermutlich auch nicht. Wenn er Glück hat, ist die Überprüfungskamera, die beim Rein- und Rausfahren die Kennzeichen scannt, ausgeschaltet. Am Wochenende stand für eine Nacht ein Kastenwagen parallel zur Absperrung außerhalb des eigentlichen Stellplatzes, sodass niemand mehr raus- oder reingekommen wäre. Die beiden Alternativen wären gewesen, sich auf die VE-Station zu stellen oder eben die Absperrung widerrechtlich zu öffnen. Dass man beides nicht befürwortete, finde ich eher löblich und mich hat es nicht gestört. Ich wollte bzw. durfte mit Oscarlotta ja sowieso nicht raus!

Drei einsame Wochen habe ich jetzt bereits rum. Die erste leere Gasflasche wurde mir von dem Gärtner hier getauscht und eine volle wieder mitgebracht. Dabei erfuhr ich, dass es eine Querstraße weiter einen Baustoffbetrieb gibt mit Gasflaschenverkauf/-tausch. Da bin ich in fünf Minuten zu Fuß und die zweite und dritte Gasflasche holte ich mir mit meiner Transportkarre. Wenn ich aufpasse, dass mir die Duo-Control nicht auch noch die andere Hälfte meiner LPG-Tankflasche leert, muss ich Oscarlotta nicht bewegen. Die Ent- und Versorgung erledige ich per Eimer und Gießkanne. Ich hoffe darauf, dass das Beherbergungsverbot Ende des Monats aufgehoben wird und ich wieder fahren kann, aber ich befürchte, dass das nicht so sein wird! Ob ich dann beim Ordnungsamt um Verlängerung bitte und Weihnachten und Silvester auch noch hier verbringe oder ob ich mir etwas anderes überlege, weiß ich noch nicht. Ich warte mal ab, was anderes bleibt mir ja nicht. Für den 1. Dezember habe ich einen Termin beim TÜV ganz in der Nähe gemacht und für den 2. Dezember einen Werkstatttermin in einer Iveco-LKW-Werkstatt für die anfallenden Servicearbeiten und zur Fehlersuche bei der Fahrerhaus-Klimaanlage. Erwähnte ich bereits, dass sie seit drei Jahren ohne bleibenden Erfolg repariert wird??? Müdes Smiley

Passt auf euch auf und bleibt gesund!

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Sch… Sch…

 
 
Leider gibt es absolut nichts zu erzählen, vielleicht müsste ich aber auch sagen, zum Glück!? Es passiert nämlich leider/zum Glück gar nichts. Ich stehe gut hier, wo ich stehe, aber die Gesamtsituation empfinde ich zunehmend als belastend. Wenn man die täglichen Corona-News verfolgt und sich anhört, was die medizinischen Fachleute mehr oder weniger deutlich sagen, so wird immer mehr klar, dass alle Maßnahmen nur dafür sorgen sollen (müssen!), dass die Krankenhäuser nicht an ihre Grenzen kommen. Ja, ich weiß, das war schon seit Beginn der Pandemie das Ziel (flatten the curve), aber irgendwie haben wir wohl alle geglaubt oder besser gehofft, dass mit den sinkenden Infektionszahlen nach dem ersten Lockdown das Virus verschwindet oder sich zumindest abschwächt. Nun, dem ist nicht so! War eigentlich klar, den Wissenschaftlern sowieso, aber alle geäußerten Bedenken in diese Richtung wurden jedes Mal sofort als Panikmache kritisiert. Dieses aus Hilflosigkeit resultierende „wir machen mal weiter wie vorher, mal sehen was passiert“ fällt uns jetzt leider auf die Füße. Langsam und unaufhaltsam wird wohl auch klar, dass die Rückkehr zum Normalbetrieb in den Schulen NICHT funktioniert. Die Sommermonate sind nicht dazu genutzt worden, umsetzbare Konzepte zu entwickeln, es wurden nicht entsprechende Geldmittel locker gemacht oder zumindest nicht ausreichend umfangreiche. Ein erhebliches Problem im Bildungsbereich, genauso wie im medizinischen Bereich, ist jedoch der akute Personalmangel! Woher so schnell LehrerInnen bekommen, um Klassen teilen zu können? Woher die Räumlichkeiten? Letzteres würde man noch mit Klassencontainern auf den Schulhöfen improvisieren können, aber realistisch wäre wohl nur ein täglich oder wöchentlich wechselnder Unterricht mit jeweils der Hälfte einer Klasse. Selbst dafür ist jetzt schon nicht mehr genügend Lehrpersonal da, weil immer mehr ausfallen, quarantänebedingt oder weil zur Risikogruppe gehörend. Die Lehrpläne hätten angepasst und deutlich reduziert werden müssen, damit die Wochenstundenzahl gesenkt werden kann und damit die Anzahl der Stunden, die pro Tag in geschlossenen Räumen verbracht werden muss.
Als ich in den 1960er-Jahren zur Schule gegangen bin, wurde der Schuljahresbeginn von Ostern auf nach den Sommerferien verlegt. Das ermöglichte man praktisch mit zwei sogenannten Kurzschuljahren. Vielleicht müsste man jetzt „Langschuljahre“ einführen, um den Bildungsstand aufrecht erhalten zu können, also vielleicht Versetzungen nur alle 1½ Jahre. Vielleicht wäre das ja nur ein einziges Mal nötig bzw. zweimal, um wieder zum Versetzungstermin Sommer zu kommen und um alle Restrisiken auszuschalten. Das würde bedeuten, dass allen Schülern ein (Schul-)Jahr verloren gehen würde. Wäre das sooo schlimm (passiert bei jeder Nichtversetzung) und wäre es wirklich ein Verlust? Natürlich kann ich nicht beurteilen, wie intensiv in den Kultusministerien und Schulämtern an Lösungen gearbeitet wird, aber was ich von Betroffenen – Eltern, Lehrern, Schülern – in den Sozialen Medien so lese, scheint das bisher so dolle nicht gewesen zu sein, sondern jede Schule musste sich ihre Konzepte selbst erschaffen. Ach ja, dann wären da noch die überfüllten Schulbusse…

Von meiner Einstellung zum Beherbergungsverbot hatte ich ja schon geschrieben. Nicht nur für mich und die anderen Fulltimer bedeutet das einen gravierenden Eingriff in ihre Persönlichkeitsrechte und es bleibt zu befürchten, dass die Akzeptanz der Menschen für coronabedingte Einschränkungen damit nicht vergrößert werden wird. Was wird denn zu Weihnachten passieren? Wird das Beherbergungsverbot aufgehoben, werden wir wie im Sommer einen absoluten Nachholbedarf erleben, zumal es vielen Menschen unvorstellbar ist oder erscheint, an Weihnachten nicht so im Kreise der Familie zu feiern wie immer. Wird das Beherbergungsverbot nicht aufgehoben, finden die meisten Feiern trotzdem statt, nur mit dem Unterschied, dass der Besuch dann auch noch über Nacht bleiben muss. Und über Weihnachten setzt man dann auch die Kontaktbeschränkungen mal kurz außer Kraft? Der nächste Lockdown ab Mitte Januar ist dann schon vorprogrammiert. In China wurde kurz vor dem wichtigsten Familienfest des Jahres, dem Neujahrsfest, ein rigoroser Shutdown beschlossen, durchgeführt und kontrolliert und das übliche landesweite Reisen zur Verwandtschaft unterbunden. Ach ja, stimmt, da gibt es eine diktatorische Machtstruktur. Geht also bei uns nicht! In einer Demokratie arbeitet man mit so wenigen Verboten wie möglich und setzt auf die Mitarbeit, Einsicht und Vernunft der Bürger. In Schweden, den Niederlanden und ? scheint das zu funktionieren, in Deutschland und ? eher nicht. Ja, ich weiß, dass Schweden und die Niederlande im Einwohnerzahlenvergleich wesentlich höhere Todeszahlen im Zusammenhang mit Corona haben, aber ich befürchte, dass wir das im Laufe der nächsten Monate/Jahre aufholen werden. Ich fürchte, das Virus wird gewinnen! Ein Impfstoff mag eine Hilfe sein, aber er muss in hohem Maße wirksam sein und es wird Jahre dauern, bis genügend Menschen weltweit geimpft worden sind, zumal es aller Wahrscheinlichkeit nötig sein wird, jedes Jahr erneut zu impfen. Tja, da haben wir wohl alle die A…karte. Unverschuldet? Ähm – ich glaube nicht.

+++ 11.11.2020 13:45 Italien verbietet Weihnachten mit der Großfamilie +++
Italiens Regierung reagiert auf die steigenden Infektionszahlen und verbietet als erstes EU-Land das Weihnachtsfest in der Großfamilie. Am Dienstag hatte das Land fast 600 Corona-Tote binnen 24 Stunden registriert. Damit starben seit Februar mehr als 42.000 Menschen im Zusammenhang mit der Viruskrankheit.
Quelle: ntv

written by Ingrid

Zitterpartie beendet

 

In den USA leider immer noch nicht (Stand Freitagabend), aber parallel zum Wahl-Krimi hatte auch ich meine ganz persönliche Zitter- oder Hängepartie. Ich habe Tagebuch geführt und kopiere die Tageseinträge jetzt einfach mal hierher:

29.10.2020

  • Erfahre mittwochs in Naumburg, dass es ab dem 2. November neue Corona-Beschränkungen geben wird, u. a. sollen touristische Reisen unterbleiben. Ich brauche also einen Platz, wo ich stehen kann. Am idealsten erscheint mir XXX, dort habe ich alles, was ich brauche = Stadtzentrum in 15 Minuten erreichbar, Buslinie direkt am Stellplatz (samstags kostenfrei), tegut und Lidl zu Fuß erreichbar, Real per Bus, Rewe, Obi (Gasflasche tauschen) und LPG-Tankstelle 2km. Außerdem gibt es eine Iveco-Werkstatt, wo ich HU, AU etc. erledigen lassen könnte. Nach Lauterburg möchte ich nur in dem Falle, wenn nichts anderes mehr geht!
  • Anruf in XXX, ob der Stellplatz im November wegen der neuen Reisebeschränkungen geschlossen wird, Antwort nein.
  • Ich fahre los, Ankunft nach 17 Uhr, Anmeldung laut Aushang nur bis 15 Uhr.

30.10.2020

  • Gehe kurz nach 14 Uhr zum Bezahlen, es ist jedoch alles geschlossen. Schreibe Namen, Kennzeichen, Platznummer und Ankunftsdatum auf einen der ausliegenden Briefumschläge, stecke €50 hinein für 4 Nächte (bis Montag, 2.11.) und werfe alles in einen tresorartigen Kasten.
  • Erfahre von einer ansässigen Wohnmobilistin, dass laut Zeitung alles komplett geschlossen hat und dass beim ersten Lockdown ein Paar, das aus Spanien kam, hierbleiben durfte.
  • Ich warte mal ab und werde Montag erneut telefonieren und fragen, ob ich bleiben kann.
  • Verschiedene Bundesländer schicken Touristen schon wieder nach Hause. Erstauntes Smiley

31.10.2020

  • keine besonderen Vorkommnisse

01.11.2020

  • keine besonderen Vorkommnisse

02.11.2020

  • Stehe um 9 Uhr auf, draußen wird der Stellplatz lautstark von Laub befreit.
  • Rufe noch im Nachthemd bei der Stellplatz-Verwaltung an und bitte darum, als Härtefall aufgenommen zu werden; die freundliche Angestellte will ihren Chef fragen, der aber noch nicht im Haus ist, sie komme dann später bei mir vorbei.
  • Ich mache mich übereilt fertig und bin gerade angezogen, als es klopft; es ist einer der Arbeiter, der mir die zuviel gezahlten zwei Euro der vier bezahlten Nächte zurückgibt. 👍
  • In dem Moment kommt ein Mann auf den Stellplatz, der 2. Chef, wie der Arbeiter sagt.
  • Er teilt mir mit, dass meine Anfrage jetzt vom Ordnungsamt geprüft werde, sie von der Verwaltung könnten das nicht entscheiden, von ihnen aus könnte ich gerne bleiben; er habe auch nur mal schauen wollen, ob ich nicht ein rosa Herz im Fenster habe. Erstauntes Smiley
  • Unmittelbar danach erscheinen zwei junge Frauen und bringen mir einen Flyer, damit ich eine direkte Durchwahlnummer zu ihnen in der Verwaltung habe, wenn etwas anliegt.
  • Ich sitze und warte und fange dann an, mit Eimer und Gießkanne zu ent- und versorgen, in der Hoffnung, dass ich bleiben darf.
  • Da es richtig warm ist, hole ich meinen Stuhl aus der Heckgarage und setze mich in die Sonne.

  • Schon bald kommen die beiden jungen Frauen erneut und teilen mir mit, dass das Ordnungsamt ablehnt. Enttäuschtes Smiley
  • Es entwickelt sich ein längeres Gespräch und eine der beiden nimmt sofort ihr Handy und fragt ihren Chef, ob er beim Ordnungsamt erwähnt habe, dass im Frühjahr zwei Wohnmobilbesatzungen den Lockdown hier aussitzen durften (ja, hat er); die beiden sind sehr interessiert an meiner Lebensform und können mein Problem wohl gut nachvollziehen; der Arbeiter mischt sich vom Zaun aus ein und schlägt vor, dass ich mich draußen auf den öffentlichen Parkplatz stellen soll, dort koste es nur €2,50, es gäbe aber keinen Strom.
  • Ich lehne ab mit der Begründung, dass ich mich dort nicht sicher fühlen würde, außerdem würde die Polizei mich dort sicher nicht dulden.
  • Im Gespräch erfahre ich, dass der Stellplatz am nächsten Tag abgesperrt werden wird, nur die VE-Station bleibt zugänglich; auf meinen Einwand, dass es dann für mich schwierig würde, zu bleiben, weil ich irgendwann mal Gasflaschen tauschen fahren müsse, meinen die beiden, das sei gar kein Problem, ich bräuchte dann nur anzurufen und es käme jemand, der mich rauslässt. 👍
  • Ich beschließe, am nächsten Tag persönlich zum Ordnungsamt zu gehen und frage, ob ich noch eine weitere Nacht bleiben darf, was mir ohne weiteres genehmigt wird.
  • Im Lauf des Tages kommt noch ein weiteres Wohnmobil und hinter mir steht eins schon seit Tagen, mit dem Fahrer komme ich ins Gespräch und er ist völlig überrascht zu erfahren, dass der Stellplatz gesperrt werden soll; er habe doch gerade erst um eine weitere Nacht verlängert und niemand habe etwas davon gesagt; offensichtlich weiß er nichts von dem deutschlandweiten Beherbergungsverbot, er sei auf Urlaubstour und wolle erst am Wochenende wieder in Berlin sein; er ist völlig konfus, wo sie denn jetzt übernachten können und muss erst einmal mit seiner Frau darüber sprechen Verwirrtes Smiley
  • Ich entscheide mich, eine eMail an den Leiter des Ordnungsamtes zu schreiben:

Guten Tag, Herr X!

Ich wende mich in einer persönlichen, durch den neuerlichen Corona-Lockdown verursachten Notlage an Sie. Ich stehe aktuell auf dem Wohnmobilstellplatz … und dürfte nach Angaben der dortigen Verwaltung den Lockdown hier auf dem ansonsten geschlossenen Stellplatz „aussitzen“, natürlich gegen Bezahlung. Ich lebe seit 2004 im Wohnmobil, bin 70 Jahre alt und Alleinreisende. Zu meiner Meldeadresse kann ich nicht, da mein dort lebender 80jähriger Bruder zu den Risikofällen gehört. Außerdem wüsste ich nicht, wo ich mein Wohnmobil sicher abstellen könnte, da bekanntlich alle entsprechenden Einrichtungen geschlossen sind. Der Stellplatz hier ist für mich ideal, weil er 1. eine Ent- und Versorgungsstation sowie Stromversorgung bietet und 2. eine Bushaltestelle in unmittelbarer Nähe, sodass ich zum Einkaufen fahren kann. Auch ist die Innenstadt zu Fuß erreichbar, wenn mir mal die Decke auf den Kopf fallen sollte.

Ich bitte Sie, sich in meine Situation zu versetzen: Wir im Wohnmobil lebenden werden von der Gesetzgebung nicht berücksichtigt und müssen uns eigenständig eine Lösung für das aktuelle Problem suchen. Wir müssen Abwasser entsorgen, unsere Toilette entleeren und Frischwasser tanken. Strom ist in der dunklen Jahreszeit ebenfalls von Bedeutung. Ich als alleinreisende Frau möchte aus Sicherheitsgründen auch keinesfalls irgendwo frei herumstehen! Das verstehen Sie bestimmt. Während des ersten Lockdowns wurde ich als „Härtefall“ auf einem Campingplatz aufgenommen. Dort kann ich jetzt aber nicht hin. Ich weiß, dass aufgrund dieser Härtefallklausel, die der Gesetzgeber einräumt, im Frühjahr zwei Wohnmobilbesatzungen hier auf dem Stellplatz stehen durften. Ich bitte Sie inständig, mir dieses Recht jetzt auch zu gewähren!!! Ich weiß nämlich gerade nicht, wo ich sonst hin könnte. Ich bin gerne bereit, heute (Dienstag) noch persönlich bei Ihnen im Ordnungsamt vorbeizukommen.

Mit freundlichen Grüßen, Ingrid Heidemann

  • Drei Wohnmobilbesatzungen verbringen die nächste Nacht ungesetzlicherweise auf einem Stellplatz, der eigentlich schon abgeriegelt sein müsste und obwohl ich früh zu Bett gehe, kann ich natürlich ewig nicht einschlafen; ich überlege in sämtliche Richtungen, was ich mache, wenn es bei der Absage bleibt. Etwa ich?

03.11.2020

  • Ich stehe wieder früh auf und schalte mit Herzklopfen mein iPhone ein, vielleicht ist eine Entscheidung für oder gegen mich schon gefallen und ich weiß es nur noch nicht, aber es ist noch keine Antwort da.
  • Ich sitze und warte und beschließe, nach der Mittagspause persönlich bei Herrn X nachzufragen; kann ja auch sein, dass er in Urlaub ist oder krank oder sonstwas.
  • Mein Gefühlshaushalt ist reichlich unausgewogen, um es mal so positiv wie möglich auszudrücken; das Gefühl, vom Wohlwollen eines Menschen abhängig zu sein, der mich gar nicht kennt und der sich vielleicht auch nicht wirklich dafür interessiert, was mein Problem ist, ist – mit Verlaub gesagt – beschissen.
  • Die ganze Sache ist besch…eiden, wie in so vielen Bereichen sind die vergangenen Monate offensichtlich nicht genutzt worden, um bestehende Missstände zu beseitigen; vermutlich sind es zu viele.
  • Warum allerdings Stell- und Campingplätze jetzt im November wieder geschlossen werden müssen, erschließt sich mir nicht; sehr viele Wohnmobile haben ein Saisonkennzeichen und fahren ab dem 1. November nicht mehr; von den restlichen werden die wenigsten fahren, da touristische Reisen unterbleiben sollen und die wenigen Mobilisten, die sich darüber hinwegsetzen, dürften wohl kein Problem darstellen; man könnte ja auch z. B. wieder jede zweite Parzelle sperren, obwohl man sich zu dieser Jahreszeit ja sowieso überwiegend drinnen aufhält und nicht zu erwarten ist, dass es große gesellige Zusammenkünfte geben würde.
  • Dass die Schließungen erneut erhebliche Schwierigkeiten für die Menschen bedeuten, die dauerhaft in ihren Wohnmobilen leben, scheint nicht zu interessieren, ist vermutlich immer noch nicht wirklich bekannt. So wie im Frühjahr, muss jede/r selbst sehen, wo er/sie bleibt.
  • Ich erfahre um 13 Uhr im Ordnungsamt, dass Herr X nicht im Haus ist, ob es mir weiterhelfen würde, seine Vorzimmerdame zu sprechen, ja – besser als nichts; von ihr erfahre ich, dass er zu einer Schulung ist, woraus zu schließen ist, dass er meine eMail noch gar nicht gelesen hat; später stellt sich noch heraus, dass die negative Entscheidung nicht von ihm ausgegangen war, da er auch am Vortag nicht im Amt anwesend war.
  • Ich schildere der jungen Frau meine Beweggründe und mache deutlich, dass die aktuelle Situation wirklich belastend für mich ist, dass ich wirklich nicht weiß, wo ich hin soll und nicht alle Stell- und Campingplätze Deutschlands abtelefonieren könne, um zu erfragen, wer mich als Härtefall aufnimmt; hier wäre man bereit und ich bräuchte nur noch die Erlaubnis des Ordnungsamtes.
  • Ich habe den Eindruck, dass sie mich versteht, sie macht sich Notizen und verspricht, mit ihrem Chef zu reden, wenn er käme; ich bitte darum, mir spätestens im Laufe des nächsten Vormittags Bescheid zu geben, da ich gegebenenfalls ja dann noch eine gewisse Strecke fahren müsste.
  • Um 15 Uhr bin ich wieder am Stellplatz, trage mein Telefon ständig bei mir, aber es passiert nichts mehr.
  • Ein weiteres Wohnmobil kommt an (die anderen zwei waren am Vormittag gefahren), wird aber wieder fortgeschickt und danach wird der Stellplatz mit Flatterband abgeriegelt.
  • Später kommt ein Polizeiwagen vorbei, aber man schaut nur und fährt wieder, ich nehme an, dass die Polizisten davon ausgingen, dass es abgesprochen sein muss, wenn ein Wohnmobil hinter der Absperrung steht und sie bei der Verwaltung und/oder dem Ordnungsamt nachfragen werden.
  • Ich habe eine zaghafte Hoffnung, dass ich bleiben kann. Verlegenes Smiley

04.11.2020

  • Um halb 9 Uhr bin ich wach, natürlich nicht ausgeschlafen (wenn das hier beendet ist, schlafe ich 24 Stunden am Stück!!!), zwinge mich aber aufzustehen; es könnte ja sein, dass der Leiter des Ordnungsamtes persönlich vorbeikommt.
  • Mindestens genauso spannend ist der Ausgang der US-Wahl; heute Nacht bin ich der Vernunft folgend um 1 Uhr ins Bett gegangen; aber weder in dem einen noch in dem anderen Fall gibt es ein Ergebnis.
  • Meine Geduld wird noch eine Weile auf die Probe gestellt, aber um kurz vor zehn kommt die ersehnte eMail; ich mache mir noch schnell einen Kaffee und öffne sie mit klopfendem Herzen; kann ich bleiben oder muss ich fahren???

Sehr geehrte Frau Heidemann,

wir gehen aufgrund Ihrer Schilderungen und nach Rücksprache mit dem Betreiber davon aus, dass für den Monat November 2020 Ihr Aufenthalt auf dem Stellplatz … aus privaten Gründen glaubhaft notwendig ist.

Freundliche Grüße

X (Amtsleiter)

 

  • WOW!!!

Gut, dass der Stein nicht in die Kaffeetasse gefallen ist. 

Smiley mit geöffnetem Mund

written by Ingrid
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