Bei den Zwillingsmühlen

 

Vorab: Ich bin am Sonntagnachmittag nach insgesamt 862km gut in Lauterburg angekommen. Die Fahrt bei Sonnenschein und überwiegend leeren Autobahnen war von zwiespältigen Gefühlen begleitet. Für wie lange würde das die letzte Fahrt mit Oscarlotta sein? Im Prinzip kann man ja erst gefahrlos wieder unterwegs sein, wenn man sich infiziert, die Erkrankung überstanden hat und damit für eine gewisse Zeit (die Virologen sprechen von ca. einem Jahr) immun geworden ist. Und wenn dann die touristischen Einrichtungen noch nicht wieder geöffnet sind, muss man gezwungenermaßen zum Freisteher werden. Mag sein, dass das jetzt eher „Luxusprobleme“ sind und in Anbetracht der Situation speziell in Italien, Frankreich, Spanien und jetzt auch USA sind sie das sicher, aber ich bin nun einmal nicht mehr die Jüngste und die Zeitspanne, in der ich noch so weiterleben kann wie bisher, schmilzt wie Schnee an der Sonne. Enttäuschtes Smiley

Oscarlotta am HirtenteichFix und Boxi und Flitzi am Hirtenteich

Hier bei uns auf dem Campingplatz ist bisher noch niemand erkrankt, aber ob das nun gut oder schlecht ist, weiß man auch nicht mit Gewissheit. Solange man nicht ins Krankenhaus muss, ist es wohl egal. Falls doch, wäre es vermutlich gut, wenn das ganz am Anfang oder ganz zum Schluss passiert. Aber darauf können wir nur so gut es geht Einfluss nehmen, sprich so viel wie möglich zu Hause bleiben, die Kontaktregeln befolgen und alle denkbaren Vorsichtsmaßnahmen beim Einkaufen etc. beachten. 

So, um mich und vielleicht auch euch auf andere Gedanken zu bringen, werde ich die noch fehlenden Stationen unserer letzten – hoffentlich nicht letzten – Reise nachtragen. Smiley

Nach dem Besuch bei meinen Freunden in Nordhorn wollten wir auf dem schnellsten Weg wieder ans Meer. Also ging es „geradeaus nach oben“, um den Dollart und Emden herum und direkt nach Greetsiel. Dort waren wir tatsächlich vorher noch nie! Zumindest nicht richtig, denn vor vielen Jahren haben wir dort mal besuchsweise vorbeigeschaut. Wir erkannten den Hafen, können uns aber beide nicht erinnern, mit welchem Fahrzeug wir von wo aus dort waren und wo wir geparkt haben. Vielleicht war es auch auf der Durchfahrt von irgendwo nach irgendwo. Den Stellplatz gab es jedenfalls damals noch nicht.

GreetsielGreetsielGreetsiel

Der liegt direkt bei den Zwillingsmühlen, nicht weit vom Ortskern entfernt und war am Wochenende auch schon wieder halb voll und das Ende Februar!

Greetsiel Ich hatte gar keine großen Erwartungen an das Städtchen und war umso erfreuter über die Vielzahl an netten Geschäften. Auffallend in Greetsiel ist, dass nicht nur die üblichen touristischen Souvenirartikel angeboten werden, sondern ausgefallene künstlerische oder kunsthandwerkliche Produkte. Dazu kommen der wirklich sehenswerte Hafen und die schönen Häuser. Wir hatten das Glück, dass die Fischerboote wegen der schweren Stürme der letzten Tage nicht auslaufen konnten und der Hafen somit voll war. Die Boote sind, neben den Zwillingsmühlen, das Wahrzeichen von Greetsiel und so ist es üblich, dass ständig mindestens ein Boot im Hafen zurückbleibt, damit die Touristen Selfies mit Fischerboot machen können. Wir hatten jetzt die vollständige Flotte zur Verfügung, hätten also viele Selfies machen können, wenn wir gewollt hätten! Zwinkerndes Smiley

GreetsielGreetsielGreetsielGreetsielGreetsielGreetsielGreetsielGreetsielGreetsielGreetsielGreetsielGreetsiel

Leider wurde das Wetter dann so schlecht, dass draußen zu sein nicht mehr wirklich angenehm war. Wir blieben trotzdem ein paar Tage. In einer der beiden Mühlen gibt es ein nettes Café mit sensationell leckerem Kuchen und direkt gegenüber einen Laden mit interessantem Angebot. Laut lachen

Greetsiel

In der Mühle, die dem Stellplatz fast gegenüberliegt, ist ebenfalls ein Lokal, das hatte aber nur am Wochenende geöffnet und war da total überfüllt. Es gibt noch einen kleinen Laden, wo man auch Frühstücksbrötchen bestellen kann. Der Stellplatz bietet, außer Sanitäranlagen, alles, was das Camperherz begehrt. Man bezahlt an einem Geldautomaten (keine Kartenzahlung), pro Nacht oder mehrere Tage (oder sogar Wochen) im Voraus. €12/Nacht incl. Kurtaxe für 2 Personen. Für €1 bekommt man offiziell 8 Stunden Strom mit einer Absicherung bis max. 1500 Watt. In der Realität lief der Strom 10 Stunden und ich konnte problemlos meine Heizung auf der 2000 Watt-Stufe laufen lassen. Eine Ent- und Versorgungsanlage ist bei der Zufahrt zum vorgelagerten PKW-Parkplatz, auf dem offenbar auch Wohnmobile gestattet sind, für einen Tagespreis von €8. Eine weitere Sani-Station ist bei der benachbarten Tankstelle, dort kann man auch LPG tanken und Camping-Gasflaschen tauschen. Frischwasser, auch in Kleinmengen, gibt es gegen die übliche Gebühr auch auf dem Stellplatz neben dem Kassenhäuschen. Insgesamt ein gut gestalteter Platz mit den gängigen Abmessungen der einzelnen Parzellen. Dort, wo wir standen, gibt es rechts und links zwei große Freiflächen, die im Moment noch total verschlammt waren. Dort werden im Sommer sicher die Picknicktische aufgestellt, die jetzt außerhalb gelagert waren.

Greetsiel 

Ich hatte mich genau umgeschaut, um einige möglichst ideale Plätze für Oscarlotta und mich zu finden, falls ich im Sommer noch einmal hierherkommen würde. Tja, das wird jetzt dann ja wohl eher nichts! Trauriges Smiley

Passt auf euch auf!!!

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Gestrandet in Stralsund

 

So gerne habe ich noch nie auf einen Werkstatttermin gewartet!!!  

Anlässlich der gegenwärtigen globalen Ausnahmesituation unterbreche ich die laufende Berichterstattung unserer Überwinterung und erzähle, was es aktuelles gibt. Wir waren inzwischen in der Nähe von Hamburg gelandet und beeilten uns, weiter Richtung Osten zu kommen. Für den 1. April hatten wir auf Rügen wieder reserviert, leider sollte sich das dann aber als übler Aprilscherz entpuppen! Erstauntes Smiley Es war ja eine Weile nicht klar, was noch alles passieren und zu welchen Einschränkungen es kommen würde, man konnte nur spekulieren. Aber dann überholten sich die Erlasse, Verbote, Meldungen in nie dagewesenem Tempo. Vom einen auf den anderen Tag wurde bekanntgegeben, dass alle Camping- und Stellplätze auf Beschluss der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns geschlossen würden. Am Mittwoch musste man den Stellplatz in Wismar, wo wir seit Sonntag waren, bis 12 Uhr verlassen haben. Alle Touristen wurden von offizieller Seite aufgefordert, das Bundesland zu verlassen und nach Hause zu fahren! Uschi folgte der Aufforderung, ich nicht. Mein Zuhause ist dort, wo ich Oscarlotta geparkt habe, Uschi ist seit dem Tod ihres Vaters in Essingen gemeldet und darf sich auf dem Campingplatz aufhalten. Ich nicht, ich habe nur den Status eines Dauercampers. Das war der Infostand zu dem Zeitpunkt. Alle „Fulltimer“, die wie ich keine Wohnung mehr haben und dauerhaft in ihrem Wohnmobil leben, fallen jetzt durchs Raster. Uns gibt es nämlich offiziell nicht! Natürlich habe ich eine Meldeadresse, aber es wäre nicht sinnvoll, mich dorthin zu begeben, aus mehreren Gründen. Außerdem würde ich ja weiterhin in Oscarlotta leben, das ist ja auch wünschenswert, weil ich da weder mich noch andere infizieren kann. Selbstgewählte Quarantäne sozusagen. Warum, um alles in der Welt, sollte ich jetzt einmal quer durch Deutschland fahren, nur um in dem Bundesland zu sein, das Oscarlottas Kennzeichen entspricht!?!? Verwirrtes Smiley

Ich hatte eindeutig ein Problem und ich wusste nicht, wie ich es lösen konnte! Verwirrtes Smiley

Seit letztem August funktionierte, trotz Reparaturversuch auf der Fahrt nach Rügen, meine Fahrerhaus-Klimaanlage ja nicht mehr. Das wollte ich jetzt in Erwartung eines neuerlich heißen Sommers in Ordnung bringen lassen und hatte schon einen Termin für den 2. April in der IVECO-Werkstatt in Stralsund vereinbart, in der ich im November HU/AU und den Tausch der Aufbaubatterien hatte erledigen lassen. Ich hatte „hier“ über den Reparaturversuch berichtet. Als klar wurde, dass der Rügenaufenthalt nicht stattfinden würde, verlegte ich den Termin nach vorne auf nächsten Montag. Da ging ich noch davon aus, dass ich bis zum Sonntag in Wismar sein würde. Wie jetzt die Zeit bis Montag überbrücken??? Ich rief bei der Werkstatt an und sagte, dass ich den Termin canceln müsse, außer sie könnten mich schon am Donnerstag „behandeln“ und ich könnte die Nacht auf dem Firmengelände verbringen. Kein Problem, war die Antwort, ich solle kommen und dann könne man sofort schon einmal nachschauen, was gemacht werden müsse. Um kurz vor ein Uhr war ich dort! Keine Viertelstunde später war Oscarlotta in der Werkstatt, ich durfte in ihr bleiben. Die Diagnose ergab, dass der Kompressor undicht ist und somit ausgetauscht werden muss. Der Meister bemühte sich, ein Modell vom freien Markt zu bestellen, Preisunterschied zu einem original IVECO Kompressor schlappe 700 Euro! Diese Preisgestaltung ist unmoralisch, finde ich! Der Kompressor sollte am nächsten Vormittag per Expresslieferung vor Ort sein. Ich bekam einen Firmenkaffee und einen Stellplatz für die Nacht und war erst einmal zufrieden. Smiley

Der Kompressor kam am nächsten Tag nicht! Ich hatte keinen Landstrom = keinen Kaffee, aber dank Sonnenschein genug Solarertrag und dank der netten Firmenmitarbeiter gab es dann auch Kaffee. Meine angebotene Bezahlung für einen doppelten Cappuccino wurde abgelehnt! Ich hatte absolut kein Problem damit, die nächste Nacht auch noch dort zu verbringen! Und in mir reifte eine Idee! Die wollte ich am nächsten Tag versuchen in die Tat umzusetzen. Ich schärfte schon einmal meine Steinbockhörner, denn die würde ich brauchen!!! Zwinkerndes Smiley

Um meine innere Unruhe in Schach zu halten, schrieb ich eine eMail an den BVCD (Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland). Von dessen Existenz wusste ich bisher nichts, bekam die Info von einer um mich besorgten Freundin.

Ich schrieb:

Hallo und guten Tag!
Ich befinde mich in einer Notsituation, verursacht durch die Corona-Problematik, sehe keine Lösungsmöglichkeit und hoffe sehr, dass Sie mir weiterhelfen können!
Eine Freundin, die in Niedersachsen lebt, hat mich auf Ihre Organisation aufmerksam gemacht und ich habe bereits in Ihren diversen Publikationen nach hilfreichen Tipps gesucht, leider ohne Erfolg. Sie beschäftigen sich offensichtlich mit den Wünschen von Dauercampern, die auf ihren Campingplatz möchten. Aber offenbar beschäftigt sich bisher niemand mit den Menschen, die wie ich dauerhaft in ihren Wohnmobilen leben und KEINEN ANDEREN WOHNSITZ haben! Wo sollen wir hin??? Ja, ich habe eine Meldeadresse. Die ist bei meinem Bruder in NRW. Mein Bruder fällt mit seinen 80 Jahren und einer Krebserkrankung unter die Risikogruppe, ich sollte also den Kontakt zu ihm vermeiden. Ich bin 70 Jahre alt (also auch schon Risikogruppe), lebe und reise allein und befinde mich z. Z. im äußersten Osten Deutschlands, weil ich für April/Mai einen Aufenthalt auf Rügen geplant und gebucht (Campingplatz) hatte. Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns hat alle Touristen aufgefordert, nach Hause zu fahren. Mein Zuhause ist aber dort, wo ich mein Wohnmobil parke! Soll ich jetzt allen Ernstes 629km zu meiner Meldeadresse fahren, am Stück, damit ich nicht zwischen LKWs auf einer Autobahnraststätte übernachten muss? Und soll ich wirklich aus einer noch nicht so befallenen Region in das Bundesland wechseln, in dem es die meisten Infizierten gibt? Ich verlasse mein Wohnmobil derzeit nur, um einkaufen zu gehen. Ich möchte einfach nur die Möglichkeit haben, SICHER irgendwo stehen zu können, nicht auf einem Waldparkplatz und ganz sicher nicht auf einem Autobahnrastplatz. Mein Bruder hat auch kein Haus mit Grundstück, wo ich stehen könnte, es wäre also auch deswegen sinnlos, zu ihm zu fahren. Wo also, ich stelle diese Frage eindringlich noch einmal, WO SOLL ICH HIN??? Ich hätte gerne die Möglichkeit, Landstrom anzuschließen, das geht nur auf Stell- oder Campingplätzen. Ich muss alle paar Tage meine Toilettenkassette entleeren. Soll ich das auf dem nächsten Feld tun? Ich brauche Frischwasser und muss das Abwasser ablassen. Wo??? Soll ich es auf die Straße laufen lassen? Mein Wasserbedarf ist im Moment erhöht, da ich in meinem Mobil duschen muss. Soll ich alle Stellplätze der Umgebung abfahren in der Hoffnung, dass die VE-Anlage AUSSERHALB des geschlossenen Stellplatzes ist?

Es gibt eine ganze Reihe von Menschen, die so leben wie ich und das ist nicht gesetzeswidrig, sondern eine freiwillige Entscheidung. Wir schaden niemandem mit unserer Lebensweise, aber wir scheinen eine offiziell nicht vorhandene „Randgruppe“ oder „Untergrundgruppe“ zu sein. Freunde von mir ziehen jetzt von Supermarktparkplatz zu Tankstelle zu Schwimmbadparkplatz und wieder zurück. Aber das sind gestandene Männer und haben das auch früher ab und zu so gemacht. Ich möchte als Frau und vor allem als Frau, die alleine unterwegs ist, so nicht leben!!! Aber auch die Männer haben das Problem mit der Ent- und Versorgung ihrer Mobile! Einer von ihnen ist offiziell und mit Personalausweiseintrag ohne festen Wohnsitz, soll er sich mit seinem Mobil in Luft auflösen?
Soweit ich gehört habe, gibt es sogar für Obdachlose Lösungen. Wo bleiben welche für uns, die dauerhaft in ihren Wohnmobilen leben???
Mit freundlichen, aber leicht verzweifelten und sehr rat- und hilflosen Grüßen und in der Hoffnung auf eine baldige und hilfreiche Antwort,
Ingrid Heidemann

Eine Antwort kam erfreulicherweise postwendend, sie enthielt aber lediglich den Rat, ich solle mich an die hiesige Kommune wenden.

Das tat ich am nächsten Tag, also gestern. Aber erst musste ich noch warten, bis mein Kompressor getauscht würde. Auf 10 Uhr sollte ich mich bereit halten, um 11 Uhr konnte ich Oscarlotta in die Werkstatt fahren

und um 14 Uhr war endlich alles erledigt. Drei Stunden? Ja, der Kompressor kühlte nach dem Einbau nicht! Keine Ahnung, ob man das so nennen kann, in dieser Materie kenne ich mich nicht aus. Irgendwann kam dann doch kalte Luft aus den Ausströmern und der nette junge Mechaniker versuchte mir auf meine Fragen zu antworten, ohne zu viel zu sagen. Das musste er dann letztendlich doch und es ergab sich, dass er den Fehler gemacht hatte, am Tag zuvor schon die defekte Sicherung auszutauschen. Die paar Meter aus der Werkstatthalle raus und wieder auf meinen Übernachtungsplatz fahren hatte dann schon ausgereicht, sie wieder zu töten. Und darauf musste er erst kommen! Cooles Smiley

Ich saß zum Bezahlen in einem der Büros und es ergab sich ein Gespräch mit der Bürokraft über mein aktuelles Problem und was ich jetzt machen könne/wolle/sollte. Sie war sehr interessiert und bemüht und rief eigenständig bei einem Stellplatz in der Nähe an. Geschlossen, war die Antwort, mit der ich gerechnet hatte. Sie nannte mir zwei weitere Stellplätze in der näheren Umgebung, die Bestandteil eines Großparkplatzes sind. Dort könnte man nicht absperren und wenn die Polizei vorbeikommen würde, solle ich doch einfach sagen, dass ich Fieber habe und mich selbst in Quarantäne geschickt hätte. Ich sagte ihr, dass ich jetzt sowieso bei der Hauptwache der Polizei vorbeifahren wolle. Die sei in der Altstadt, da käme ich mit dem Wohnmobil nicht hin, aber man könne doch sicher einfach mal anrufen. Gesagt, getan und schon hatte ich einen Polizeioberüberhauptwachtmeister an der Strippe, der mit meinem Problem und der Bitte um Hilfe absolut eindeutig überfordert war! Ja, da könne er mir auch nicht weiterhelfen. Immerhin fiel ihm ein, dass es ein Bürgertelefon zu Fragen bezüglich der Corona-Krise gebe und die Telefonnummer gab er mir. Dort ging tatsächlich sofort jemand dran und die Frau, mit der ich sprach, war erkennbar sehr kompetent. Sie nannte mir den Paragraph 4 von welcher Verordnung auch immer und der würde besagen, dass sich in Mecklenburg-Vorpommern nur noch Menschen aufhalten dürften, die dort gemeldet sind. Und das schon seit dem Tag zuvor. Ich müsse unverzüglich abreisen, die Polizei würde kontrollieren und Bußgelder verhängen! Hervorragend!!! Sarkastisches Smiley

Ich fuhr zur Tankstelle am Stellplatz an der Rügenbrücke, wo wir im November noch gestanden hatten, um LPG zu tanken. Der Stellplatz wird von der Wohnmobilbedarfs- und Reparaturwerkstatt Dahnke betrieben. Dort hatte ich auch nachfragen wollen, aber das konnte ich mir jetzt sparen. Es war auch keiner mehr dort am Freitagnachmittag um 16 Uhr. Vermutlich haben sie den Betrieb geschlossen, den Laden sowieso und wer sollte denn jetzt noch sein Wohnmobil dort reparieren lassen?

Ich nahm mir einen großen Kaffee mit und stellte mich auf den benachbarten Parkplatz, der ausdrücklich für Wohnmobile zugelassen ist, um ein Telefonat zu führen und mir ein Brot zu schmieren für die Fahrt. Es dauerte keine fünf Minuten, bis eine Frau auf dem Rad vorbeikam, mein Kennzeichen anschaute und drehte. Ich öffnete das Fenster. Sehr aufgebracht erklärte sie mir, dass ich gar nicht mehr hier sein dürfe, dass ich SOFORT fahren müsse und wenn ich das nicht tue, dann holt sie die Polizei und zeigt mich an. Meine Frage, ob sie von der Stadtverwaltung sei, verneinte sie, wiederholte aber ihre Drohungen. Ich versicherte ihr, dass ich fahren würde. Das tat ich dann auch, mit einem beschissenen Gefühl. Nicht wegen der Frau, sondern weil es mir verwehrt wird, direkt am „Eingang“ von Rügen darauf zu warten, dass der Zugang wieder erlaubt wird. Ja, ich weiß, dass das dauern kann, aber ich hätte es erst einmal versucht auszusitzen. Ist es gerade nicht egal, wo man ist? Vermutlich bekommen wir in Deutschland auch noch eine Ausgangssperre, die Entscheidung darüber soll heute fallen, je nachdem wie viele Menschen sich immer noch an die Empfehlungen, Abstand zueinander zu halten und keine Zusammenkünfte abzuhalten, NICHT halten. Und das scheinen ja einige zu sein, die sich bei den schönen Vorfrühlingstagen wie immer in den Parks zusammenfinden oder den letzten Tag der Skisaison ausgiebigst nutzten. Dummheit? Ignoranz? Egoismus? Wahrscheinlich alles zusammen oder eine ungute Mischung. Das ist die eine Gruppe der Bevölkerung. Neben mir (ich stehe auf einem Autohof an der Autobahn bei Neuruppin) steht so jemand. In der Erwartung, dass es sich auch um einen Fulltimer handelt, ging ich mal rüber, vielleicht hatte er ja eine zündende Idee. Auf meine Frage, ob er auch in seinem Wohnmobil lebe, kam die fast schon entrüstete oder entsetzte Antwort: „Nein, natürlich nicht!“ Wieso natürlich? Also ist mein Lebensstil offenbar unnatürlich!? Natürlich ist, in einem Steinhaus zu leben, vielleicht darf es auch noch ein Holzhaus sein. Aber im Wohnmobil? Das ist doch nicht normal, nicht nur nicht natürlich. Sie hätten Freunde besucht und würden jetzt wieder nach Hause fahren!!! Erstauntes Smiley

Die zweite Gruppe der Bevölkerung ist die, die in Panik verfällt, Hamsterkäufe tätigt, sich um Klopapier prügelt und die Angestellten der Supermärkte beschimpft, wenn keins mehr da ist. Klopapier sollte zum Wort des Jahres 2020 werden!

Die dritte Gruppe verhält sich vorbildlich und solidarisch und fügt sich in unser aller Schicksal, ungeachtet aller persönlichen Schwierigkeiten. Dass das, was wir auf der gesamten Welt gerade in dieser globalen Ausbreitung zum ersten Mal erleben, weder lustig noch leichtzunehmen, sondern durchaus bedrohlich und angstmachend ist, ist keine Frage!

Ich beschloss, jetzt hier stehenzubleiben, nach vielem hin und her überlegen. Hier gibt es alles, was ich brauche, außer Landstrom, so zumindest der Jetztstand, vielleicht lässt sich da ja auch noch etwas machen. Es gibt ein Bistro, das bis 18 Uhr geöffnet ist und eine Schnelltheke für belegte Brötchen und Kaffee. Wenn mein Kühlschrank in ein paar Tagen leergegessen ist, werde ich zumindest nicht verhungern. Smiley mit geöffnetem Mund Es gibt eine LPG-Zapfsäule in 50m Entfernung, ich werde also nicht frieren. Es gibt einen Wasserhahn draußen am Haus, wo die Fernfahrer ihre Wasserkanister auffüllen können, also ich vermutlich auch. Es gibt Duschmöglichkeiten und wenn getrennt nach Geschlechtern, werde ich eine für mich allein haben! Meinen Toilettenkassetteninhalt und mein Abwasser werde ich bestimmt auch los, wenn nicht in einer Entsorgungsstation (weiß noch nicht, ob es die gibt), dann im nächsten Gulli oder einer Toilette. Es gibt Abfallbehälter und es gibt sogar freies WLAN! Und eine Aussicht ins Grüne habe ich auch. Das sind doch fast schon paradiesische Zustände, oder??? Wenn ich krank werden sollte (was ich nicht hoffe), kann man mich hier abholen. Falls Taxifahrer noch arbeiten, könnte ich mich hier auch abholen und zu einem Supermarkt fahren lassen. Aber vielleicht ernähre ich mich die nächste Zeit auch nur von belegten Brötchen? Ich muss mal nachsehen, was es sonst noch so im Angebot hat…

Und wenn die Polizei vorbeikommen sollte, werde ich die gleiche Diskussion führen und den Beamten fragen, ob er mich lieber neben sein Haus stellen möchte und ob ich meine Toilettenkassette dann bei ihm entleeren darf. Erzürnt Mal schauen, was passiert…

Als ich Uschi meinen Plan mitteilte, erfuhr ich, dass es jetzt für „Härtefälle“ wie mich von der Gemeinde Essingen oder wem auch immer eine Ausnahmegenehmigung gibt und ich doch auf den Campingplatz darf. Ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen soll?! Damit ist zwar mein aktuelles Problem gelöst, nach dem Motto „Glück gehabt“, aber alle anderen armen Fulltimer-„Schweine“ sind weiter da draußen auf sich gestellt. Vielleicht organisieren sie sich selbst, zumindest die, die bei Facebook sind. Dort gibt es eine Gruppe „Leben im Wohnmobil“ und die ruft dazu auf, dass jeder, der die Möglichkeit hat, einen privaten Stellplatz neben seinem Haus oder in der Garagenauffahrt zur Verfügung zu stellen, sich bitte melden soll.
Ich fahre dann mal los, sind ja nur noch 610 Kilometer!
Enttäuschtes Smiley

Passt alle gut auf euch auf!!! Ich hoffe, wir überstehen diese Krise möglichst unbeschadet und gehen gestärkt aus ihr hervor. Viel mehr als hoffen können wir ja alle nicht.

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Overijsselsche Vecht – Vechte – Vechtesee – Nordhorn

 

Provinzen NiederlandeVon den 13 Provinzen der Niederlande hatten wir nun den nördlichen Teil bis auf die Provinz Drenthe und die Watteninseln bereist, nicht ausführlich, sondern eher nur reingeschnuppert. Aber nach so vielen Jahren Abwesenheit war es mal wieder sehr schön dort und hat, auf jeden Fall bei mir, die Lust auf mehr wiedererweckt. Kuss senden

unsere Stationen in den Niederlanden

Von Hasselt waren es nur noch knapp 80 Kilometer bis nach Nordhorn, auf der Landstraße. Hätten wir die OverijsselscheVecht/Vechte per Boot nehmen müssen, wären es weitaus mehr gewesen, denn sie verläuft, wie oft bei freifließenden Gewässern, sehr kurvenreich und in einem großen Bogen.

Vechtesee Der Wohnmobilstellplatz in Nordhorn liegt fast unmittelbar am Vechte-See, der seit 1974 zum Schutz vor Überschwemmungen besteht und von der Vechte durchflossen wird. Die schöne Lage und die Nähe zu den Niederlanden bewirkt, dass der Platz schon von Anfang an gut frequentiert wurde. Wir kennen ihn schon aus der Zeit, als er noch kostenfrei war und im Sommer von niederländischen Mobilisten wochenlang urlaubsmäßig genutzt wurde. Seit ein paar Jahren kostet eine Übernachtung sehr preisgünstige 5 Euro, bezahlbar nur mit Münzen an einem Parkscheinautomat. Strom gibt es für €1/5 Stunden. Eine VE-Station ist vorhanden, allerdings ohne die Möglichkeit, eine Kleinmenge Kaffee- oder Teewasser zu entnehmen. Den Müll wird man auch los, aber es gibt leider keine Mülltrennung. Die stark befahrene Straße, die den Stellplatz vom See trennt, ist vor allem in den ersten Reihen hörbar, man gewöhnt sich aber daran. Angenehm ist, wie ich finde, dass die Plätze in sechs langen Reihen angelegt sind, jeweils getrennt durch einen kleinen (Wasser-) Graben. Die Nachbarn sind also auf der anderen Seite des Grabens, der durch Holzzäune gesichert ist und somit ausreichend weit entfernt. Zwinkerndes Smiley

Nordhorn

In den Reihen steht man logischerweise hintereinander, ob vorwärts oder rückwärts kann jeder selbst entscheiden, je nachdem, wo man seine Ausstiegstür haben möchte, zur Fahrstraße oder zum Graben. Mit dem notwendigen Abstand zum Rangieren passen auf jeden Abschnitt (drei pro Reihe) drei bis vier Mobile, je nach Länge. Im letzten Jahr wurde die zweite Hälfte des gesamten Platzes ebenfalls mit Rasengittersteinen versehen. Davor stand man bei schlechtem Wetter schon mal im Matsch und tiefe Fahrspuren zeugten davon, dass einige Mobile Schwierigkeiten gehabt hatten, ihren Platz wieder zu verlassen. Wenn diese Spuren dann austrocknen, wird das Befahren der Stellflächen nicht einfacher. Das ist jetzt sehr viel besser! Und die Anzahl der Stromsäulen/Steckdosen wurde auch erfreulich großzügig erhöht. Das war früher ein Problem und jeder, der eine Steckdose ergattert hatte, gab sie nicht wieder frei, ob nun Strom floss oder nicht. Da der Andrang vor allem im Sommer ungebrochen groß ist, überlegt die Stadtverwaltung, auf der anderen Straßenseite eine Erweiterung anzulegen. Der Ehemann der zweiten Bürgermeisterin klopfte eines Vormittags bei Uschi, übergab ihr ein paar Broschüren und fragte, ob sie das erste Mal da sei, ob sie zufrieden sei und ob sie Kritik oder Verbesserungsvorschläge habe. Nachdem wir jetzt ja eine Weile unterwegs sind, müssen wir sagen, dass dieser Stellplatz in Nordhorn wirklich sehr preiswert ist, vor allem für seine Lage und Ausstattung und es ist zu befürchten, dass spätestens nach der Erweiterung der Preis ansteigen wird. Trauriges Smiley Bleiben darf man übrigens offiziell nur drei Nächte. Ob das im Sommer kontrolliert wird, wissen wir nicht. In der Nebensaison interessiert es jedenfalls niemanden. (folgende Fotos von April 2018)

Nordhorn 2018Nordhorn 2018Hotel und Pier 99

Am See gibt es ein Hotel und ein sehr schönes Café/Bistro/Restaurant, das Pier 99 (Foto oben). Am Wochenende sollte man unbedingt reservieren! Wir waren natürlich, wie immer, dort, diesmal aber mit meinen Freunden auch noch an einem anderen See mit einem ähnlich gearteten Strandlokal. Die Windbeutel waren leider nicht so lecker, wie sie aussahen, sondern einfach viel zu trocken und hart.

Quendorfer SeeQuendorfer SeeElse am See

So, das muss für heute reichen! Wer mehr Fotos und Text möchte, den verweise ich auf die Berichte aus Nordhorn vom April 2018 und vom September 2011. In letzterem gibt es ein paar kuriose Fahrzeuge zu sehen, die damals auf dem Stellplatz standen. Besonders interessant ist das 6. Foto! Da sieht man sehr schön, wie unterschiedlich die Bedürfnisse von Wohnmobilisten doch sein können. Erstauntes Smiley

Ach ja, für Kuchen-, Äpfel- und/oder Omnia-Liebhaber (für Nichteingeweihte: ein schwedischer Omnia-“Backofen“ ist die Möglichkeit, mit Gas ohne Backofen Kuchen zu backen) hätten wir noch ein sehr einfaches Rezept: „Grafschafter Apfelbrot“, zu finden oben in der Menüleiste in der Rubrik „Lieblingsrezepte“ ODER direkt über den gleichnamigen Link in der rechten Seitenleiste ODER der Einfachheit halber „hier“. Aber vielleicht schaut ihr mal in unsere (bescheidene) Rezeptsammlung? Und natürlich kann man das Apfelbrot auch in einer normalen Kastenform in einem normalen Backofen backen! Mit etwas Schlagsahne und/oder einer Kugel Eis wirklich köstlich!!! Verliebt

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Zwarte Water und die Hanse

 

Übersicht Wir flüchteten in das Landesinnere, wohlwissend, dass der nächste Orkan kommen würde. Über kurz oder lang wollten wir bei meinen Freunden in Nordhorn sein, bis dahin aber noch ein oder zwei kleine niederländische Städtchen „mitnehmen“, Meppel und/oder Hasselt. Uschi fuhr wie immer vor und teilte mir von unterwegs schon mit, dass der Stellplatz in Meppel für Oscarlotta schwer bis unmöglich anzufahren sei, weil gerade Straßenbauarbeiten stattfanden und die direkte Zufahrt gesperrt war. Also fuhr ich gleich durch nach Hasselt. Dort gibt es 10 Wohnmobilstellplätze direkt am Yachthafen. Auf der Hälfte standen allerdings an Land überwinternde Segel- und Motorschiffe, aber außer uns war sonst niemand mit Wohnmobil da. Das änderte sich zum Wochenende allerdings und auf fünf Plätzen standen sieben Mobile. In früheren Jahren waren wir im Winter auf den Stellplätzen ja fast immer allein, das hat sich grundlegend geändert! Nicht nur in Spanien und Portugal nimmt die Wohnmobildichte immer mehr zu, sondern (leider) auch in Mittel- und Nordeuropa. Noch geht es, weil es sich vielerorts noch hauptsächlich auf die Wochenenden beschränkt, aber, wie gesagt, auch nur in den Wintermonaten. Enttäuschtes Smiley

Wir standen prima, mit schönem Blick auf den Hafen und windgeschützt neben den Schiffen. Zwei Seiten des Yachthafens nahmen sowieso größere Gebäude ein, oben die Wohnungen, unten Schiffsgaragen.

Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"

Übersicht Hasselt liegt am Zusammenfluss vom Zwarte Water und der Overijsselse Vecht, was die niederländische Fortsetzung der Vechte ist, die auch durch Nordhorn fließt. Gemeinsam und mit noch ein paar Zuflüssen bilden sie das Zwarte Meer. Und dieses, zusammen mit dem anschließenden Ketelmeer, stimmt ein auf das große IJsselmeer.

Zwolle Hasselt bekam schon 1252 Stadtrechte mit eigener Rechtssprechung, der Erlaubnis, Jahrmärkte abzuhalten, Handelsprivilegien und es durften Verteidigungsbollwerke angelegt werden. Nicht ganz so aufwändig wie im benachbarten Zwolle, wo die sternförmige Verteidigungslinie noch fast vollständig erhalten ist. Aber Hasselt ist auch fast rundherum von Wasser umgeben, das erschwerte Angriffe und so hatte man im 17. und 18. Jahrhundert ebenfalls den Status einer Festungsstadt. Und schon seit dem 14. Jahrhundert gehörte diese kleine Stadt der Hanse an! Begünstigt auch hier durch die Lage am Zwarte Water und dem freien Zugang zur damaligen Zuiderzee. Gehandelt wurde hauptsächlich mit Rindern, Holz, Fisch, Getreide, Butter und Bentheimer Sandstein. Im 19. Jahrhundert konzentrierte man sich auf den Abbau von Torf, die Herstellung von Kalk, den Bau von Schiffen und auf Schiffsreparaturbedarf. Ein Kalkofen ist erhalten geblieben.

KalkovenKalkoven

Vom Wohlstand früherer Zeiten zeugen die schönen Häuser entlang der einzigen Gracht, das Oude Stadhuis und die große, dreischiffige Stephanuskerk. Ein kleines, aber sehr hübsches Städtchen, finden wir! Verliebt

HasseltHasseltHasseltHasseltHasseltHasseltHasseltHasseltHasseltOude StadhuisHasseltBierlisteHasseltGrote KerkGrote KerkGrote KerkHasseltHasseltHasseltHasseltHasselt

Windtechnisch wurde es dann wirklich noch einmal heftig! Das Sturmtief „Sabine“ zog über uns hinweg, aber nicht nur innerhalb ein paar Stunden. Es stürmte über drei Tage, hörte für ein paar Stunden auf und fing wieder an. Wir standen gut, rundherum konnte uns nichts gefährlich werden, die Schiffe neben uns waren gut gesichert und alles war fest vertäut. Den Schiffen im Wasser ging es nicht ganz so gut. Der Hafenmeister war mit seinem Helfer und einem Schlauchboot mit Außenbordmotor von Schiff zu Schiff unterwegs, kontrollierte Leinen und legte Zusatzleinen. Viele Schiffe waren mit Planen abgedeckt, die nach Stunden heftigstem Gezerre durch die Windböen nicht mehr standhalten konnten. Ein Schiff war in meinem direkten Blickfeld und ich beobachtete über zwei Tage, dass die riesige Plane sich immer mehr freiflatterte, bis sie eines Morgens nicht mehr da war! Ein kleineres Schiff bekam Schräglage, was dafür sprach, dass schon Wasser eingedrungen war. Am letzten Tag unseres Aufenthaltes wurde es vom Hafenmeister zur Slipanlage geschleppt und an Land gekrant, bevor es sinken konnte. Erstauntes Smiley

Ich wäre gerne noch mit dem Bus nach Zwolle gefahren, aber da machte mir Sabine einen Strich durch die Rechnung. Und dann war keine Zeit mehr. Wir mussten zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder in Deutschland sein, da das turnusmäßige Telefonat zu Uschis Schwester in USA anstand, das Uschi während unserer Zeit in den Niederlanden schon einmal teuer bezahlt und einmal hatte ausfallen lassen. Teuer bezahlt übrigens, obwohl wir extra bei der Vodafone-Hotline angerufen, aber eine falsche Auskunft bekommen und der vertraut hatten. Gut, dass Uschi eine Prepaid-Karte hat! So war das Guthaben nach einigen Minuten einfach nur aufgebraucht. Bei einem Vertrag wäre es richtig teuer geworden!!! Weinendes Smiley

Zwolle steht also noch auf meinem/unserem Programmzettel, was bedeutet, dass wir noch einmal wiederkommen müssen! Ich fragte den Hafenmeister beim Abschied, ob ich im Sommer mit Oscarlotta denn überhaupt eine Chance hätte und ob man reservieren könne. Ja, kein Problem, man würde schon ein „Plätzchen“ finden. Sie würden niemanden wegschicken! Also gut!

Bezahlt haben wir übrigens €10/Nacht/Mobil plus €2,50 für Strom. Uschi würde keinen Strom brauchen, wenn wenigstens ab und zu die Sonne scheint und ich auch nur, um meine Kaffeemaschine laufen zu lassen. Da wir aber beide unsere Heizungen auch mit Strom betreiben können, erspart uns das eine Menge Gasverbrauch, zumal der Kühlschrank dann auch über Strom läuft, was wir sonst nicht machen, da der Betrieb mit Strom gut doppelt so teuer ist als mit Gas. Meistens ist in den Niederlanden der Strom sowieso pauschal mit im Übernachtungspreis enthalten und das ist, vor allem im Winter, eine feine Sache! Wir brauchten uns über Wochen keine Sorgen um Gas zu machen, ab und zu tankten wir unsere LPG-Flaschen auf und das war es auch schon! Die Absicherungen der Stell- und Campingplätze waren immer ausreichend, um zumindest auf niedrigster Stufe zu heizen. Da es ja so gut wie keine Minustemperaturen gab, reichte im schlechtesten Fall, ab und zu für 10 Minuten mit Gas zuzuheizen. In der Regel konnten wir aber unsere Heizungen auf voller Leistung durchlaufen lassen, mussten nur daran denken, sie kurz auszuschalten, wenn die Kaffeemaschine eingeschaltet wurde. Sonst wären die Sicherungen vermutlich rausgeflogen und nicht immer kommt man an die heran. Smiley mit geöffnetem Mund

Es gibt im Yachthafen einen Duschcontainer und die Möglichkeit, Wäsche zu waschen und zu trocknen, natürlich gegen Bezahlung. V/E und Müllentsorgung ist gewährleistet, ein gut sortierter Supermarkt ist zu Fuß gut erreichbar und die Bushaltestelle ist quasi vor der Tür. Der Hafenmeister ist super nett und der Platz ist mit einer geschlossenen Schranke versehen. Man klingelt, er meldet sich, man sagt, was man will und er öffnet die Schranke. Ich musste bei meiner Ankunft aussteigen, um klingeln und mit ihm reden zu können. Da Uschi schon da war und mich angekündigt hatte, ging die Schranke sofort hoch. Bis ich um Oscarlotta herumgelaufen und eingestiegen war (es gibt nur eine Tür!), die Treppe eingefahren hatte, weil es sonst bei laufendem Motor laut piept und wieder auf dem Fahrersitz saß, war die Schranke wieder zu! Also noch einmal von vorne! Die Schranke ging erneut auf. Als ich wieder auf dem Fahrersitz saß… Verwirrtes Smiley Beim dritten Mal konnte ich dann mitteilen, dass ich erst wieder einsteigen muss und dann die Schranke aber schon wieder unten sei! Ja, er würde mich schon sehen, hieß es. Ich solle in Ruhe einsteigen und dann würde er die Schranke öffnen. Am Ende des Zufahrtsweges sah ich einen Mann mit Sprechgerät in der Hand. Nach meinem zweiten Klingeln hatte er sich in Bewegung gesetzt, um zu schauen, was das Problem war. Letztendlich konnte ich dann reinfahren! Laut lachen

Hasselt

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Lauwerszee, Lauwersmeer, Lauwersoog

 
 
AbschlussdeichWir mussten entscheiden, ob wir den nächsten Sturm noch in Egmond aan Zee aussitzen wollten oder ob wir das einzige Zeitfenster der Woche für die Überfahrt über den Abschlussdeich nutzen. Bei Sturm wäre die Überfahrt sicher nicht so lustig und bei Regen auch nicht. Wir fuhren! Es war dann allerdings lange nicht so spektakulär, wie ich mir das vorgestellt hatte und das lag nicht am Wetter, das spielte mit, sondern daran, dass die Fahrbahnen statt von einer Mittelleitplanke durch einen Wall getrennt werden. Man hatte einen Ausblick also nur auf der Seite, wo man fuhr und der war dazu noch relativ langweilig. Enttäuschtes Smiley Das konnten auch das Monument und der Aussichtsturm nicht wettmachen und in Ermangelung geeigneter Parkplätze für Wohnmobile hielt ich zwar kurz an und stieg aus, entschied mich aber gegen das Fotografieren. Die nachfolgenden Fotos hat Uschi gemacht.

Abschlussdeich IJsselmeerAbschlussdeich IJsselmeerAbschlussdeich IJsselmeerAbschlussdeich IJsselmeerAbschlussdeich IJsselmeerAbschlussdeich IJsselmeer

Witzig finde ich, dass es auf halber Strecke (die Gesamtlänge beträgt 32km) sowohl eine Tankstelle, sogar für LPG, als auch einen Campingplatz gibt. Als Bauwerk ist der Abschlussdeich natürlich schon sehr beeindruckend! Es müsste übrigens eigentlich Damm heißen, denn ein Deich hat auf einer Seite immer Land.

Lauwersoog 1 Als wir wieder am Festland ankamen, waren wir in der Provinz Friesland. Hier gibt es ganz offiziell zwei Landessprachen, niederländisch und friesisch. Ein Drittel der Einwohner spricht noch die alte Sprache, die mehr als ein Dialekt ist und die Straßen- und sonstigen Beschilderungen sind zweisprachig. Wir wollten nach Lauwersoog. Auch hier gibt es eine große Meeresbucht, so wie früher die Zuidersee, bevor der Abschlussdeich gebaut wurde. Der Fluss Lauwers, als Grenzfluss zwischen Friesland und der benachbarten Provinz Groningen, mündet hier. In der großen Sturmflut von 1280 entstand aus dem Mündungsdelta die Lauwerszee. Obwohl das Gebiet durch die vorgelagerten Watteninseln geschützt ist, kam es auch hier immer wieder zu Sturmfluten und nach der Katastrophe von 1953 wurde mit dem Bau eines 13km langen Damms mit Sielen und Schleusen begonnen. Seit 1969 ist die Bucht vom Meer abgeschlossen und eingedeicht und so wurde aus der Lauwerszee das Lauwersmeer. (Ihr erinnert euch? Zee = Meer und Meer = See) Laut lachen

Drei kleinere Flüsse konnten jetzt nicht mehr in die Nordsee abfließen, das Wasser wurde brackig, Flora und Fauna veränderten sich und seit 2003 gibt es den Nationalpark Lauwersmeer. (Quelle: Wikipedia)

LauwersmeerLauwersoog entstand erst nach der Eindeichung der Lauwerszee. Heute gibt es von hier aus eine Fährverbindung zur westfriesischen Insel Schiermonnikoog, der letzten bewohnten Insel vor der Grenze zu Deutschland und der Insel Borkum. Der Hochsee-Fischereihafen ist einer der größten der Niederlande und, seitdem die ehemalige Zuiderzee durch den Abschlussdeich vom offenen Meer abgetrennt wurde, Heimathafen für einen Großteil der Fischereiflotte von Urk.

Fischereihafen LauwersoogFischereihafen LauwersoogFischereihafen LauwersoogFischereihafen Lauwersoog

Lauwersoog selbst besteht eigentlich nur aus dem Hafen mit diversen Fischlokalen

Hafen LauwersoogHafen Lauwersoog

und einem großen Campingplatz. Dort wollten wir eigentlich hin, aber dann fand Uschi heraus, dass es auch einen Wohnmobilstellplatz gibt, mit Blick aufs Wasser.

Stellplatz LauwersoogStellplatz Lauwersoog

Und der war wirklich erlebenswert! Noch nie haben wir auf einer so kleinen Fläche so viele ineinander verschachtelte Stellplätze (insgesamt 23!) gesehen! Die Abmessungen eher für PKWs als für Wohnmobile, sogar quer hinter den beiden Plätzen, für die wir uns entschieden, war auf dem Steinboden noch ein Stellplatz eingezeichnet, die Nummer 14, nahtlos. Wir standen in der zweiten Reihe und wenn die erste Reihe belegt gewesen wäre, hätte ich mit Oscarlotta den Platz nur von hinten anfahren können. Wie das im Sommer funktionieren soll, wenn es, laut Aussage der Betreiberin, jeden Tag voll ist, weiß ich nicht! Mit Bussen (oder Vans, wie es ja jetzt heißt), vielleicht noch machbar, für „richtige“ Wohnmobile eher grenzwertig bis unmöglich. Dazu noch nicht einmal besonders preiswert mit €19,50 in der 1. Reihe und €17,50 in der zweiten, allerdings, wie üblich in den Niederlanden, ist der Strom im Preis enthalten.

Stellplatz LauwersoogStellplatz Lauwersoog

Es gibt zwei Nebengebäude mit insgesamt zwei Duschen, drei Toiletten und einer Waschmaschine, außerdem den üblichen Standard für Ent- und Versorgung. Stellplatz Lauwersoog Mittendrin steht ein Ferienhaus zur Vermietung, in dessen Windschatten wir uns begaben. Es hätte schönere Plätze gegeben mit Blick auf den Yachthafen, aber dort wären wir dem angekündigten Sturm wehrlos ausgeliefert gewesen.

Yachthafen LauwersoogYachthafen Lauwersoog

Und der kam! Wir versuchten, ihn auszusitzen, nutzten jede Regenpause für kurze Gänge zum Hafen in eines der Fischrestaurants oder zum Campingplatz. Dort sollte es einen größeren Lebensmittelladen geben. Der entpuppte sich allerdings als saisonal sehr spartanisch bestückt! Erfreulicherweise war aber das große Campingplatzlokal in Betrieb und wir konnten uns für den Rückweg stärken. Koffie verkeerd und appelgebak met slagroom Verliebt

Campingplatzlokal Lauwersoog

Der Campingplatz besteht, wie fast überall in den Niederlanden, überwiegend aus Ferienbungalows. Wohnmobilplätze haben wir keine gesehen und auch nicht gesucht, denn es war völlig klar, dass wir auf dem Stellplatz schöner stehen und sogar preiswerter. Sehenswert ist der angegliederte Museumshafen mit ein paar schönen alten Schiffen.

Museumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen Lauwersoog

Stellplatz LauwersoogUschi stromerte auf dem Gelände unseres Stellplatzes ein wenig herum und entdeckte eine Schiffsgarage und eine große Halle, die früher wohl als Lagerhalle für Schiffe genutzt wurde oder für die Instandsetzung. Jetzt war sie umfunktioniert worden zu einem großen Aufenthaltsraum mit Koch- und Abwaschmöglichkeit.

Stellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz Lauwersoog

Sehr witzig fanden wir in der zweiten Hälfte der Halle die zwei Holzhütten zur Vermietung mit Strandkörben und Sitzgelegenheiten. Das nenne ich doch mal eine optimale Raumnutzung! Man hat zwar kein Tageslicht, aber dafür braucht man ja nur vor die Hallentür und auf die nette kleine Gartenterrasse zu gehen! Smiley mit geöffnetem Mund

Stellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz Lauwersoog

Wir blieben fünf Nächte. Dann waren wir dermaßen entnervt von der Schaukelei, dass wir die Flucht ergriffen. Ständiger starker Wind kann einen, zumal in einem Wohnmobil, wirklich an seine Grenzen bringen! Da tröstet dann auch das beste freie WLAN und der leckerste Kibbeling nicht mehr drüber hinweg. Müdes Smiley

Stellplatz LauwersoogKibbeling

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Egmond aan Zee

 

Und das war es dann mit Amsterdam, Enttäuschtes Smiley aber zum Glück noch nicht mit Holland! Smiley

Flevopark Wir marschierten noch einmal mit unseren Einkaufskarren eine Viertelstunde durch den angrenzenden Flevo-Park auf der anderen Kanalseite bis zu Albert Hejn und Lidl und füllten unsere Kühlschränke auf. Ob am Sonntag dort, wo wir hin wollten, die Supermärkte auch geöffnet sein würden, war fraglich.

FlevoparkFlevoparkFlevopark

Während unserer letzten Tage auf dem Campingplatz waren die Bauvorhaben wieder aufgenommen worden und wir konnten beobachten, wie ein LKW nach dem anderen angefahren kam und Sand abkippte. Ich hatte ja schon berichtet, dass der „Camping Zeeburg maakt een eiland“.

Camping Zeeburg

Der kleinere Teil entsteht direkt vor unserer Nase, aber so weit entfernt, dass die Arbeitsgeräusche nicht störten. Es waren großflächig Eisenplatten ausgelegt worden, damit der Bagger und die LKWs nicht versanken. Denn Landgewinnung bedeutet heutzutage, dass soviel Sand in eine abgedeichte Wasserfläche geschüttet wird, bis das Wasser verdrängt ist. Das muss dann zwei Jahre ruhen und sich setzen und wird dann vermutlich noch nachgebessert, bevor die neuen Landflächen bepflanzt und bebaut werden können.

Landgewinnung Camping ZeeburgLandgewinnung Camping ZeeburgLandgewinnung Camping ZeeburgLandgewinnung Camping ZeeburgLandgewinnung Camping ZeeburgLandgewinnung Camping Zeeburg

Landgewinnung Camping Zeeburg In der Beschreibung auf den Bauzäunen steht etwas von Ränderbefestigung mit Ton und Schilf. Wie auf den Fotos zu sehen, ist die Fläche, die wir in der Entstehung sehen konnten, winzig im Vergleich zu dem Hauptteil, der gut ein Drittel des jetzigen Campingplatzareals ausmacht. Ob die Bewohner der gleich daneben liegenden Hausboote allerdings sehr begeistert sein werden, wenn sie von Mai bis Oktober zeltende Rucksacktouristen ertragen müssen, sei dahingestellt. Laut lachen

 

Ein letzter abendlicher Platzspaziergang mit wehmütigen Gefühlen, zumindest bei mir!

Camping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping Zeeburg

Egmond aan Zee Am nächsten Mittag ging es nicht weit, aber weiter. Wir wollten ja über den Abschlussdeich in die Provinz Friesland fahren und da bot es sich an, noch einen weiteren kleinen Abstecher in meine Vergangenheit zu machen und nach Egmond aan Zee zu fahren. Die Internetrecherche hatte ergeben, dass es einen großen Ferienpark gibt und der lag genau dort, wo der Campingplatz gewesen sein musste, auf dem ich mehrere Male in meinem früheren Leben war. Und genauso war es dann auch! Das alte Rezeptionsgebäude stand noch, aber das war auch schon alles, was ich wiedererkannt habe! Jetzt liegt die Rezeption 350m von der Einfahrtsschranke entfernt. Wenn nicht gerade ein Campingplatzbediensteter auf seinem Golf-Kart vorbeigekommen wäre, hätten wir erst einmal nicht gewusst, was tun und vor allem, wo parken. Die Zufahrt ist nämlich offensichtlich auch noch aus den 1970er-Jahren! Cooles Smiley

Kustpark Egmond aan Zeealte Rezeption und Verkaufsladen

Kustpark Egmond aan Zee Direkt hinter der Schranke liegt der Wohnmobilstellplatz, halbkreisförmig angelegt in zwei Reihen. Wir stellten unsere Mobile provisorisch ab und suchten die Rezeption. Es gab dann noch genau zwei nebeneinanderliegende freie Plätze! Die erste Reihe war z. Z. gesperrt, weil die Rasenflächen neu eingesät wurden. Das muss wohl jedes Jahr gemacht werden, denn in der zweiten Reihe standen die Wohnmobile auf den schlammigen „Rasen“flächen, damit man auf der geschotterten Fläche mit sauberen Schuhen ein- und aussteigen konnte!!! Zunehmend mehr Menschen (nicht nur Camper) machen, was sie gerade (für sich) für richtig halten, ohne Rücksicht, Einsicht oder Unrechtsbewusstsein.

Kustpark Egmond aan Zee

Der Campingpark ist riesig! Den größten Teil nehmen allerdings Miethäuschen ein, das scheint ein lukrativeres Geschäft zu sein als Camping. Es gibt außer den 19 Stellflächen für Wohnmobile noch zwei Bereiche für offenbar nur Wohnwagen und allenfalls kleine und leichte Vans. Wir wären nämlich gerne nach der ersten stürmischen Nacht unter Pinien umgezogen, was uns verwehrt wurde. Die Bodenbeschaffenheit sei nicht ausreichend. Und so, wie die Bodenflächen aussahen, hatte es viel geregnet und zumindest Oscarlotta hätte dort einen Acker hinterlassen. Erstauntes Smiley

Bei unserer Anreise am Sonntag war uns schon aufgefallen, das für solch ein kleines Städtchen sehr viel Autoverkehr herrschte und wie viele Menschen zu Fuß unterwegs waren. Als dann noch die Straße zum Campingplatz gesperrt war, fragte ich die Ordner, was denn aktuell los sei. Massenwanderungen am Strand, zwischen 10 und 15 Kilometern! Also einmal bis nach Bergen aan Zee und evtl. wieder zurück, das haben wir früher auch öfter gemacht, ohne „evtl.“. Was ich aber nicht verstehe, ist, was bewegt Menschen dazu, in einem Pulk von Gleichgesinnten am Strand entlangzulaufen??? Strand ist doch am schönsten, wenn man möglichst allein unterwegs ist? Mein Unverständnis ist wohl darauf zurückzuführen, dass ich kein Herdenmensch bin?

Später bekamen wir mit, dass Reisebusse am Straßenrand standen und darauf warteten, die Wanderer ohne „evtl.“ zurückzutransportieren. Was Mensch sich nicht alles einfallen lässt in den unattraktiveren Wintermonaten! Verwirrtes Smiley

Wir erklommen den kleinen Hügel neben dem Campingplatz, an dessen Spitze sich immer noch ein Aussichtsturm befindet.

Egmond aan ZeeEgmond aan Zee

Nachdem wir uns einen Überblick verschafft hatten, liefen wir „außenherum“ zur Strandpromenade, ich wollte sehen, was sich dort verändert hat. Ein paar neue Häuser mit Ferienappartements gab es, ansonsten war alles so wie vor 20 Jahren, als ich das letzte Mal dort war. Das Hotel, in dem ich einige Male im Winter ein verlängertes Wochenende verbrachte, stand auch noch, wird aber unter einem anderen Namen geführt. Die „Automatiek“ im Ort gab es nicht mehr, dafür direkt neben dem Leuchtturm eine Snackbar. Fish ’n chips mit Blick aufs Meer ist auch nicht schlecht! Smiley

Egmond aan ZeeEgmond aan ZeeEgmond aan ZeeEgmond aan ZeeEgmond aan ZeeEgmond aan Zeeschlemmen am Strandschlemmen am Strandschlemmen am Strandschlemmen am Strand

Egmond aan Zee Es wurde stürmisch! Wir zogen im Stellplatzbereich auf die ersten beiden Plätze um, immerhin ein wenig weiter von den Bäumen weg. Sturm und/oder Regen bedeutet Höhlentag! Zu einem Stadtbummel hat es dann aber zum Glück doch noch gereicht und ob der Überschaubarkeit der „Stadt“ brauchten wir dafür nicht allzu lange. Egmond aan Zee ist einfach ein niedliches kleines altes ehemaliges Fischerdorf, das jetzt vom Tourismus lebt. Im Winter erstaunlich gut besucht, im Sommer überlaufen. Man sagt den Holländern ja (etwas bösartig) nach, dass sie im Sommer ihre Häuser an Touristen vermieten und selbst in ihre Garagen ziehen. Smiley mit geöffnetem Mund

Egmond aan ZeePoffertjes

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

I amsterdam

 

Mein persönliches Amsterdam-Highlight der Dinge, die in drei Wochen (für uns) machbar sind, hatte ich mir bis zum Schluss aufgehoben, das Rijksmuseum. Es ist nicht nur das berühmteste Museum der Niederlande, sondern genießt auch über die Grenzen hinaus höchsten Ruhm. Es beherbergt u. a. die sogenannten Alten Meister, also Werke der großen niederländischen Maler des 17. Jahrhunderts, des „Goldenen Zeitalters“, der Blütezeit Amsterdams. Auf dem Höhepunkt des Goldenen Zeitalters um 1650 arbeiteten in den Niederlanden ca. 700 Maler, die jährlich etwa 70.000 Gemälde fertigstellten! Erstauntes Smiley Dies ist in der gesamten Kunstgeschichte beispiellos, weder in der italienischen Renaissance noch in Frankreich zur Zeit des Impressionismus hat es so etwas gegeben. Insgesamt produzierten die niederländischen Maler mehrere Millionen Gemälde, weshalb heute nahezu jedes Museum für alte Kunst niederländische Gemälde zeigt. (Quelle: Wikipedia)

RijksmuseumRijksmuseum694a AmsterdamRijksmuseum

Moco Amsterdam Ich fuhr also mit der Straßenbahn bis zum Museumsplein. Das ist ein großer zentraler Platz, an dem nicht nur das Rijksmuseum liegt, sondern auch das ähnlich beliebte Van Gogh-Museum, das Stedelijk-Museum für moderne Kunst und das Moco-Museum, das sich zum Ziel gesetzt hat, ein breiteres und jüngeres Publikum anzusprechen und moderne Kunst der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es gäbe also noch mehr als genug zu sehen!

Vor dem Rijksmuseum stand seit 2005 ein großes, rot-weißes Buchstaben-Ensemble „I amsterdam“. Das entwickelte sich rasant zu einer Touristenattraktion für die selfiemanias, da man auf den bis zu zwei Meter hohen Buchstaben herumklettern kann. Ein Foto für den Facebook- oder Instagram-Account stand offenbar an wichtigster Stelle bei den jüngeren Besuchern Amsterdams und so war der nicht allzu große Museumsplein im Sommer derart überlaufen, dass der Stadtrat 2018 beschloss, das Buchstabengebilde Anfang Dezember abtransportieren zu lassen. Es steht jetzt an wechselnden Standorten, z. B. an der Centraal Station und man kann auf dieser Webseite den aktuellen Ort erfahren. Wer per Flugzeug anreist, findet eines ständig am Flughafen Schiphol. Ich war etwas enttäuscht, dass es nicht da war (die vorherigen Infos fand ich erst später), aber immerhin gab es noch eine Mosaikbank!

I amsterdam

Der Platz des Schriftzuges vor dem Rijksmuseum wird nun im Winter für eine Eislauffläche genutzt, hübsch gemacht mit einer typisch holländischen Zugbrücke, wie man sie überall an den vielen Grachten sieht.

Schlittschuh laufen vor dem RijksmuseumSchlittschuh laufen vor dem RijksmuseumSchlittschuh laufen vor dem RijksmuseumSchlittschuh laufen vor dem Rijksmuseum

Als die Winter noch kälter und regelmäßig die Grachten über Wochen zugefroren waren, war ein beliebtes Freizeitvergnügen für jung und alt das Schlittschuhlaufen, wie auch ein historisches Gemälde aus dem Rijksmuseum zeigt.

Schlittschuh laufen in Amsterdam

Es gibt bereits seit 1909 in der niederländischen Provinz Friesland die berühmte „Elfstedentocht“ (Elfstädtetour), bei der bis zu 16000 Läufer, von 1,5 Millionen Zuschauern angefeuert, eine Strecke von knapp 200km an einem Tag zu bewältigen versuchen. Der Rekord liegt bei unter 7 Stunden!!! Teilnehmen darf nicht etwa jeder, sondern nur ausgewählte Mitglieder des Vereins „Koninklijke Vereniging de Friesche Elf Steden“ nach einem ausgeklügelten Verfahren. 1986 nahm unter einem Pseudonym der jetzige König Willem-Alexander, damals knapp 20 Jahre alt, teil. Ob er durchgehalten hat und, wenn ja, wie lange er gebraucht hat, habe ich nicht zu ergründen versucht. Insgesamt wurde die wetterabhängige „Tour der Touren“ bisher nur fünfzehnmal durchgeführt, zuletzt 1997. Das Eis muss auf der gesamten Distanz mindestens 15cm durchgefroren sein. Ähnliche Touren gab es sogar schon im 18. und 19. Jahrhundert! Die Elfstedentocht ist nicht nur eine populäre reale Veranstaltung, sondern ein nationaler Mythos mit zunehmendem Hype, sobald die Temperaturen unter den Nullpunkt fallen. (weitergehende Informationen „hier“) Nach den Erfahrungen des aktuellen „Winters“ ist zu befürchten, dass es mit diesem traditionellen niederländischen Volksspektakel für immer vorbei sein könnte. Enttäuschtes Smiley

Ich habe anstelle des Eislaufens eine Schwäche für Architektur und Kunst und damit bin ich in Amsterdam ganz offensichtlich am richtigen Ort und die Temperaturen spielen keine entscheidende Rolle. Während ich in jüngeren Jahren vor allem die moderne Malerei bevorzugte, habe ich im Laufe der Zeit auch einen Blick für die Klassische Malerei (Alte Kunst) entwickelt. In der Epoche der Renaissance (um 1420-1600) begann die, zumeist weiterhin von religiösen Themen dominierte, Malerei mit Ölfarben und die dreidimensionale realitätsnahe Malerei mit der Einführung von Perspektive und Proportionen, die im Barock (1600-1720) perfektioniert wurde. Und genau das fasziniert mich so an den Werken der „Alten Meister“! Die Realität, die Ausdruckskraft der Gesichter, die Dreidimensionalität, die vielen Details, die man findet, wenn man sich Zeit nimmt.

Militärkompanie Distrikt VIII Amsterdam

Für mich müssen es auch nicht unbedingt die „Großen“ wie Rembrandt van Rijn, Johannes Vermeer, Frans Hals, Jan Steen, Hieronymus Bosch oder Vincent van Gogh sein. Da sie alle ihre Schüler hatten und die Malerei, wie oben erwähnt, einer Serienherstellung wie am Fließband glich, waren Original und „Fälschung“ nur schwer zu unterscheiden. Bestes Beispiel ist das wohl berühmteste Gemälde Rembrandts, die „Nachtwache“ aus dem Jahre 1642. Am Ende eines riesigen Mitteltraktes, der Ehrengalerie, im 2. Stock des Rijksmuseums hängt es in einem gläsernen verschlossenen Raum. Zugegeben imposant mit seiner Größe von 17 Quadratmetern! Erst seit 2013, nach der zehnjährigen Renovierung des Museums, hängt es hier wieder an seinem alten Platz. Während des 2. Weltkriegs wurde es kurz vor dem Einfall der Deutschen in die Niederlande bei Nacht und Nebel in Sicherheit gebracht. Bis 1945 lagerte es als „handliche“ Rolle 35 Meter unter der Erde im Sint Pietersberg, einem Hochplateau bei Maastricht. Das Gemälde ist eine zu damaliger Zeit übliche Auftragsarbeit, ein Gruppenporträt der Amsterdamer Bürgerwehr des zweiten der 20 Bezirke, in die Amsterdam 1620 aufgeteilt war. Die Protagonisten zahlten je nach Position, Ausschmückung, Rang unterschiedliche Beträge an den Maler und konnten so einen erheblichen Einfluss auf das Endergebnis nehmen. Rembrandt bekam diesen Auftrag, weil er sich schon in jungen Jahren einen Namen gemacht hatte. Trotzdem und obwohl er insgesamt um die 300 Gemälde, 300 Radierungen und 2000 Zeichnungen anfertigte, verstarb er mit 63 Jahren völlig verarmt.

Die Nachtwache von Rembrandt Ganz aktuell wird sein berühmtestes Werk umfassend und öffentlich verfolgbar (sogar im Internet) gescannt, analysiert, digitalisiert und im Anschluss restauriert. Zu einem geschätztem Preis von rund drei Millionen Euro. Verwirrtes Smiley Deswegen auch der Glaskasten. Und wegen des Glaskastens kam man nicht nah an das Bild heran. Aber da hing ja zum Glück noch eine der vielen existierenden offiziellen Kopien, in diesem Falle die im Jahre 1653 in Öl auf Holz gemalte von Gerrit Lundens. In Auftrag gegeben von einer der beiden Hauptfiguren des Gemäldes, Hauptmann Frans Banninck Cocq und nur 66,5cm x 85,5cm groß. Die Kopie ist wegen der Darstellung der 1712 vom Original abgeschnittenen Teile von großer kunsthistorischer Bedeutung.

Im 17. Jahrhundert, dem „Goldenen Zeitalter“, gelangte auch die Handwerkerschicht zu einem gewissen Wohlstand. Es kam in Mode, sich porträtieren oder Familienbilder anfertigen zu lassen.

RijksmuseumRijksmuseumRijksmuseum

Bilder, die ja zuhauf hergestellt wurden, konnten preiswert direkt auf den Straßen und Märkten gekauft werden. Viele Maler hatten sich spezialisiert, auf Stillleben, Tiere, Blumen, Landschaften, Gruppenbilder, Porträts und malten dann nichts anderes mehr. Manchmal auch nur noch Pferde oder Kühe in allen möglichen Variationen. Es war eben nur ein Brotberuf und in Anbetracht der Vielzahl an Malern sicher nicht einfach, davon leben zu können geschweige denn eine Familie zu ernähren. Auch bei den einfachen Leuten hingen Originalgemälde und/oder Kopien von schon zu Berühmtheit gelangten Gemälden in den sicher nicht sehr komfortablen Behausungen. Für die begüterte Oberschicht waren Auftragsarbeiten ein Prestigeobjekt. Schon damals galt, je größer, desto teurer = höheres Ansehen. Cooles Smiley

RijksmuseumRijksmuseumRijksmuseumRijksmuseumRijksmuseum

Ich arbeitete mich gewissenhaft durch alle vier Etagen des Museums, was nicht ganz einfach war, trotz des Planes, den ich bekommen hatte. Ohne Plan wäre man total aufgeschmissen! Schon in der 2. Etage verpasste ich den gesamten rechten Flügel mit u. a. Vincent van Gogh. Als ich einigermaßen durch und in der 4. Etage angekommen war, brauchte ich dringend erst einmal einen Sessel, einen Kaffee, ein Stück Kuchen und eine Toilette. Und als ich mich gerade hingesetzt hatte, kam die Lautsprecherdurchsage, dass das Museum in einer halben Stunde geschlossen würde. Im Winter schon um 17 Uhr! Den versäumten Flügel werde ich also auf irgendwanneinmal verschieben müssen. Trauriges Smiley Der Museumsshop und das Café blieben noch bis 18 Uhr geöffnet, ich konnte also in Ruhe fertig essen und dann noch stöbern gehen. Dieses Museum würde ich ohne zu zögern jederzeit wieder besuchen!!!

RijksmuseumRijksmuseum

Vom Museumsplein nahm ich die Tram zur Centraal Station, stieg am Dam, also mitten in der Stadt aus, machte einen kurzen Abstecher zu Febo und freute mich, Amsterdam noch einmal beleuchtet zu sehen.

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Schwimmende Häuser auf Steigereiland

 

An einem Sonnetag, der seinem Namen alle Ehre machte, liefen wir noch einmal die Strecke am Yachthafen mit dem geschlossenen Café entlang und unter der Brücke des Amsterdamer Autobahnrings hindurch bis zum Übergang nach Steigereiland.

Richtung Steigereilandunter der Brücke Jachthaven

Ich wollte gerne die schwimmenden Häuser mal aus der Nähe sehen. Steigereiland ist die erste der drei Inseln, die zum neugegründeten, aus dem Meer gewonnenen Amsterdamer Stadtteil IJburg gehören und hier entstanden die ersten schwimmenden Häuser Europas.

IJburgFußweg nach Steigereiland

Wir hatten einen Teil davon ja bisher nur aus der Entfernung gesehen und in ihrer Gleichförmigkeit sprachen sie uns nur bedingt an. Ich war neugierig auf den anderen, größeren Teil und auf IJburg im Besonderen.

schwimmender Häuser

Wasserspiegel Amsterdam Dass die Idee, nicht nur auf Hausbooten zu leben, sondern ganze Häuser auf schwimmbaren Untergrund zu stellen, in einem Land, das von Wasser durchzogen ist, keine schlechte Idee ist, hatte ich ja schon erwähnt. Der „Amsterdamer Pegel“ wurde 1683/1684 als Nullpunkt für Höhenmessungen festgelegt. Es wurde der Wasserstand des Mittleren Hochwassers (MHW) gewählt. Dieser Wasserspiegel lag ca. 17cm über dem Mittelwasser. Der Wasserspiegel der Amsterdamer Grachten liegt heute etwa 40cm unter dem Meeresspiegel der Nordsee. (Quelle: Wikipedia)

Schon immer mussten die Niederländer ihr Land durch Deiche vor Überflutung schützen und aus eben diesem Grund baute man den Abschlussdeich im Norden der Provinz Noord-Holland, um die Meeresbucht Zuiderzee abzutrennen. Wenn der Meeresspiegel aufgrund der Klimaveränderung weiterhin ansteigt, wird das für die Niederlande besonders dramatisch. Also experimentiert man mit Häusern, die schwimmen und teilweise an 5m langen Pfählen mit dem steigenden oder fallenden Wasserstand in Gezeitengebieten entlang“wandern“. So pfiffig, wie die Niederländer sind, wird es ihnen bestimmt noch gelingen, ganze Stadtteile, wenn nicht ganze Städte, schwimmen zu lassen. Wenn ich die berühmten drei Wünsche frei hätte, wäre einer sicher, in 100 bis 200 Jahren mal nachzuschauen (nicht nur in den Niederlanden).

Auch auf Steigereiland wurde schon bald deutlich, dass niederländische Architektur sehr einfallsreich ist und geschickt Tradition und Moderne miteinander verknüpft. Wir haben während unseres gesamten Aufenthalts in dieser Stadt keinen Stadtteil, keinen Straßenzug gesehen, der hässlich war. Auch in den Gegenden, wo erkennbar nicht so begüterte Menschen leben, sind die Häuserreihen gepflegt und trotz ihres Massencharakters ansehnlich.

Indische Buurt AmsterdamIndische Buurt Amsterdam

In/auf Steigereiland überwiegen moderne mehrgeschossige Häuser mit zwar einheitlichem Gesamtbild, aber trotzdem individuellem Einzelcharakter. Bei dem Haus mit den extrem großen Fensterflächen (2. Foto) entdeckten wir, dass hinter dem unteren „Schaufenster“ ein schweres Motorrad geparkt stand. Cooles Smiley

SteigereilandProtzSteigereilandSteigereilandSteigereiland

Wir überquerten die auf einem Damm verlaufende Hauptverkehrsstraße, die die zu IJburg gehörenden Inseln miteinander verbindet und waren dann schon an dem großen Wasserbecken, das die schwimmenden Häuser beheimatet. Zunächst kamen wir an z. T. noch im Bau befindlichen Einfamilienhäusern vorbei, gläsern und einsehbar, wie in den Niederlanden üblich.

SteigereilandSteigereilandSteigereilandSteigereilandSteigereiland

SteigereilandWir liefen gegen den Uhrzeigersinn einmal um den gesamten Häuserkomplex herum und bemühten uns, nicht in die Wohnzimmer, Esszimmer, Küchen zu schauen, allenfalls aus den Augenwinkeln. Vor jedem Haus standen Sitzgelegenheiten, Tische, Grills, Blumenkübel, Roller, Fahrräder, Kinderspielzeug und es war ersichtlich, dass bei schönem Wetter sich das Leben draußen abspielt. Nicht verwunderlich bei dieser Aussicht! Da will man ja wirklich keine Gardinen und Vorhänge vor den Fenstern haben!

SteigereilandSteigereilandSteigereilandSteigereilandSteigereiland

Dann waren wir bei den Wasserhäusern! In der einen Ecke des Beckens sehr individuell, in der anderen sehr genormt. Ist Geschmacksache und sicherlich auch eine Preisfrage. Erstauntes Smiley

schwimmende Häuserschwimmende Häuserschwimmende Häuserschwimmende Häuserschwimmende Häuserschwimmende Häuser

IJburg Wir hätten gerne einen Kaffee getrunken, aber das vorhandene Restaurant/Bistro/Café wurde zum Kauf angeboten! Also gingen wir zur nächsten Straßenbahnhaltestelle und fuhren mit einer Ein-Stunden-Karte zunächst durch ganz IJburg, also über den Haveneiland-Teil bis zur Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 26 Centraal Station – IJburg. Ab da geht es mit Bussen weiter. Wir wollten aber mit der Bahn wieder zurückfahren und überlegten, ob wir wohl sitzenbleiben können. Bevor wir fragen konnten, machte uns die Straßenbahnfahrerin unmissverständlich klar, dass wir aussteigen müssen. „Please remember to check out!“ Wir waren etwas unschlüssig, wie es nun weitergehen würde, liefen um die Kurve und sahen an einer weiteren Haltestelle in gleicher Fahrtrichtung zwei Straßenbahnzüge hintereinander stehen, Richtung Centraal Station. Also checkten wir wieder ein! Wenn wir noch ein wenig gewartet hätten, hätten wir auch in die Bahn wieder einsteigen können, mit der wir gekommen waren. Smiley mit geöffnetem Mund Die Schienenführung machte eine große Schleife und dann ging es auf gleicher Strecke durch Haveneiland-Oost, Haveneiland-West und Steigereiland wieder zurück. Unterwegs stiegen wir noch einmal aus in der Hoffnung auf einen Kaffee. Es gab aber nur geöffnete Imbissbuden und einen großen Albert Heijn-Supermarkt. Es ist völlig normal, dass Supermärkte auch sonntags geöffnet sind, eine gute Sache für die Berufstätigen. Am Fußgängerüberweg blieb ein motorbetriebener Krankenfahrstuhl mitten auf der Straße stehen, die darin sitzende Frau drückte vergebens auf ihrer Fernbedienung herum. Ein Mann, der ihr entgegenkam, stellte sein Fahrrad ab und versuchte zu helfen. Hinter der Frau saß verkehrt herum noch ein Mensch. Das Fahrzeug lief nicht mehr an, musste aber von der Straße herunter. Also aussteigen und schieben! Und so sahen wir die ersten am Hinterkopf zusammengewachsenen Siamesischen Zwillinge „in echt“, erwachsen und ohne Begleitung selbständig unterwegs. Das gibt es wohl auch nur in den Niederlanden! Daumen hoch

Enneus Heerma Brug Wir nahmen die nächste Tram und fuhren über die elegant geschwungene Enneus Heerma-Brücke, die wir schon so oft aus der Ferne gesehen hatten. Sie verbindet Steigereiland mit Zeeburgereiland. Wir fuhren bis zu „unserer“ Haltestelle Zuiderzeeweg und mussten dann nur noch „über das Wasser“ zum Campingplatz zurücklaufen. Dieses Mal gingen wir allerdings den Weg, den man auch mit dem Auto nehmen muss. Entlang des Zuider IJdijks liegen die „etwas“ maroden Hausboote, die ich schon gezeigt habe, neben total schönen und gepflegten. Interessant ist auch die Stromzuführung! Smiley

auf dem Heimwegauf dem Heimwegauf dem Heimweg

Auf der Landseite wiederholt sich das mit den Grundstücken. Offenbar wurde der Winterplatz eines Zirkus zwangsaufgelöst. Oder auch nur eine alternative Wohnsiedlung.

auf dem Heimwegauf dem Heimwegauf dem Heimweg

Gegenüber auf der anderen Seite vom Amsterdam-Rijnkanaal entsteht gerade ein weiteres Amsterdamer nieuwbouwontwikkelingsgebied Zwinkerndes Smiley, an/auf Land.

Neubaugebiet Amsterdam

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Bakfiets, ÖPNV und anderes

 

Ihr wollt endlich „richtige“ Amsterdamfotos sehen??? So welche, wie auf den Kalendern zu sehen sind oder in diversen Instagram-Accounts? Wie man sie halt so kennt? Also gut, hauen wir sie raus! Smiley mit geöffnetem Mund

AmsterdamAmsterdamAmsterdamAmsterdamAmsterdamAmsterdamAmsterdamAmsterdamAmsterdamAmsterdamAmsterdam

Zufrieden? Vielleicht sogar (so) begeistert (wie ich)? Sogar Uschi ist inzwischen infiziert.

Zum Ausgleich müsst ihr euch dann aber jetzt auch noch ein paar andere Fotos anschauen! Ich sage nur: Kuuuuunst! Zwinkerndes Smiley

AmsterdamAmsterdamAmsterdamAmsterdamAmsterdamAmsterdamAmsterdamAmsterdamAmsterdamAmsterdam

Es gibt in Amsterdam so viele verschiedene Stadtviertel mit ihren Besonderheiten, (Touristen-) Attraktionen und Sehenswürdigkeiten, dass wenige Tage dafür nicht ausreichen. Sogar, wenn man zweimal innerhalb einer Stunde durch dieselbe Straße läuft, weil man einmal in die verkehrte Richtung abgebogen ist und es nicht gemerkt hat, entdeckt man Details, die einem vorher verborgen geblieben sind. Zu Fuß gehen, bzw. schlendern, ist die einzig vernünftige Fortbewegungsart, schon auf einem Fahrrad würde man zu viel übersehen. Vernünftig auch deshalb, weil man immer und überall aufpassen muss, dass man nicht einen der zahlreichen und aus allen Richtungen vorbeischießenden Amsterdamer auf seinem fiets übersieht! Die haben nämlich eingebaute Vorfahrt! Eine Renaissance erleben seit ein paar Jahren die alten niederländischen Lastenfahrräder der Handwerker, bakfiets (bak = Kasten) genannt. Damit wurde einfach alles transportiert, jetzt überwiegend Kinder. Gibt es in zig Ausführungen, für bis zu sechs (!) Kinder, mit Anschnallmöglichkeit, für Hunde, mit und ohne Regenschutz, für Einkäufe, Transporte aller Art, allerdings nicht ganz preiswert! Erstauntes Smiley

bakfietsbakfiets

Man sieht hier auch noch viele Herrenräder, die zusätzlich auf der Stange einen kleinen Sattel fest angebracht haben und Fußstützen am Rahmen. Bei den Damenrädern ist der Sattel an der Lenkerstange befestigt. Oft ist auf dem Gepäckträger noch ein Kindersitz zu finden. Smiley

718b Amsterdam

In der Innenstadt und den diversen Stadtteilen ist das die wesentlich schnellere Art, von A nach B zu kommen als mit dem PKW. Parkplätze sind Mangelware und teuer und wer nicht mit dem Rad fahren kann/möchte, für den bietet sich das Netz des ÖPNV an.

ÖPNV Amsterdam Endhaltestelle Flevopark

Preise ÖPNV Da ich schon gerade bei den technischen Gegebenheiten bin, erzähle ich auch noch, wie das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln geht, hier in Amsterdam. Verwirrtes Smiley Wir holen uns unsere Fahrkarten meist an der Rezeption des Campingplatzes. Das Minimum ist eine Karte für €3,20, mit der man ab Aktivierung eine Stunde lang kreuz und quer fahren kann. Für €8 gibt es die Tageskarte, die ab Aktivierung 24 Stunden gültig ist. Uschi ist schon zweimal am nächsten Vormittag damit noch zum Einkaufen gefahren. Die Tageskarte ist bis zu 7 Tage (am Stück) erweiterbar und kostet in der Endfassung nur noch €36,50. Da wir nicht jeden Tag unterwegs sind, lohnt sie sich für uns nicht. Der Fahrradtransport kostet €1,80. An einigen Haltestellen gibt es Fahrkartenautomaten, bezahlen kann man nur per Giro- oder Kreditkarte, traditionell oder kontaktlos. ApplePay hat allerdings nicht funktioniert. Hat man noch keine Karte, kann man auch in der Bahn bezahlen. Und zwar nicht an einem Automaten, dessen Handhabung man nicht versteht. Nein, in JEDER Straßenbahn sitzt im hinteren Bereich an einem elegant geschwungenen Arbeitsplatz ein Mitarbeiter, der Fahrscheine verkauft, allerdings auch hier nur gegen Kartenzahlung. Er/sie sitzt gleich gegenüber der Haupteingangstür und beobachtet gleichzeitig, ob jeder Einsteigende (s)eine Karte entwertet. Die hält man lediglich vor ein Lesegerät bis es piept. Einsteigen kann man ansonsten nur noch ganz vorne beim Fahrer durch eine schmale Tür. Das Aussteigen ist nur an einer ebenso schmalen Tür ganz hinten in der Bahn, die aus fünf aneinandergekoppelten Wagen besteht, erlaubt und im vorderen Bereich an zwei Doppeltüren. Daran halten sich allerdings nicht alle, obwohl es natürlich eine sehr sinnvolle Einrichtung ist, weil nicht erst gewartet werden muss, bis alle ausgestiegen sind, bevor man einsteigen kann.

Tram AmsterdamTram AmsterdamTram Amsterdam

Eine Besonderheit, an die man sich aber schnell gewöhnt, zumal ständig per Ansage darauf hingewiesen wird, ist, dass man beim bzw. vor dem Aussteigen ebenfalls seine Karte an das Lesegerät halten muss. „Please remember to check out!“ Warum, wozu, weshalb und was passiert, wenn man es doch einmal vergisst, entzieht sich unserer Kenntnis. Auf jeden Fall dürfte es fast nicht möglich sein, zumindest nicht unbemerkt, schwarz zu fahren. Denn vor oder hinter einem ist immer irgendjemand. Die Karten gelten im gesamten Amsterdamer Großbereich für Tram, Bus und Metro. Für Nachtbummler fahren Nachtbusse, das Ticket kostet €4,70 und ist 1½ Stunden gültig. Darüberhinaus gibt es noch Möglichkeiten, mit einer Guthabenkarte zu einem Basispreis von €0,98/Fahrt plus einem Kilometerpreis von 17 Cent/km zu fahren und da macht es dann auch Sinn, dass man auschecken muss. Ob diese Möglichkeit auch für Touristen machbar ist, müssten wir noch ergründen. Monatskarten gibt es natürlich auch. Ab €55,10 bis €551,00 für ein ganzes Jahr. Interessant ist, dass es gleichermaßen eine Preisermäßigung für 4 – 18-Jährige sowie für über 65-Jährige gibt, bei einer Ein-Monatskarte wäre das bereits eine Ersparnis von €19,20! Wenn wir also noch einmal (was ich hoffe!) für längere Zeit in Amsterdam sein werden, könnte sich eine der beiden Möglichkeiten durchaus lohnen.

Grachtenrundfahrt Ja, natürlich haben wir auch eine Grachtenrundfahrt gemacht! Verliebt 12 Euro für eine Stunde ist ein fairer Preis. Das Panoramafoto von der Centraal Station aus dem letzten Blogbeitrag ist von dem Tag und das aktuelle Headerfoto auch. Wir hatten eine Schiffsführerin, die gleichzeitig Bootsfrau war und ihre Sache sehr gut machte. Das Abbiegen von einer Gracht in die andere durch einen Zwischenkanal ist nämlich teilweise so rechtwinklig auf kurzer Distanz, dass das Boot in einem Zug nicht um die Ecke kommt. Oder es muss gewartet werden, weil ein anderes Boot entgegenkommt. Bei ihren ersten Fahrten dürfte die Kapitänin sicher geschwitzt haben, aber jetzt machte sie das mit links und es war eine Freude, dabei zuzusehen, wie sie das Steuerrad mit einer Hand herumwirbelte. Wir fuhren die beliebtesten Touristenattraktionen ab und eine Bandansage erläuterte auf englisch und auf spanisch alles, was rechts und links zu sehen war. Dabei wurde mal wieder klar, dass, wie beim Holländischen, lesen und verstehen die eine Sache ist und hören und verstehen die andere. Englisch – no problem, aber spanisch? Sagen wir es mal so: Dass wir den Text vorher auf englisch gehört hatten, war enorm hilfreich! Cooles Smiley

Wir fuhren in einem verglasten Boot, sodass fotografieren schwierig war.

Magere BrugMagere BrugAmsterdamAmsterdam

Zum Ende der Fahrt ging es sogar noch auf dem IJ hinter der Centraal Station und zwischen den Fähren entlang. Eine solche Fahrt möchte ich irgendwann noch einmal bei einsetzender Dämmerung machen, wenn in den Häusern die Fenster beleuchtet sind, die Straßenlaternen sowie die Lichterketten in den Bäumen brennen, die Brückendurchfahrten mit leuchtenden Lämpchen umrandet sind und sich das alles im Wasser spiegelt!!! Herz written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

NDSM, Pontsteiger und Haarlemmerbuurt

 

Es gibt viele verschiedene Methoden, eine größere Stadt zu erkunden, die sicherlich abhängig sind vom Typus des jeweiligen Menschen.

– Man kann einfach draufloslaufen, was gar nicht die schlechteste Art ist, weil man ohne Erwartungen unterwegs ist und alles, was man entdeckt oder erlebt, als unverhofftes Geschenk annehmen kann. Ein Stadtplan in der Tasche ist sicher hilfreich, aber heutzutage ist Google Maps natürlich die 1. Wahl! Nicht mehr wissen, wo man eigentlich ist, war gestern. Zwinkerndes Smiley

– Man kann schon Tage oder Wochen vorher Reiseführer studieren, ganz viele Markierungszettelchen hineinkleben, eigene Touren zusammenstellen und die dann am Zielort gewissenhaft abarbeiten.

– Man kann die Touren, die andere Menschen professionell erstellt und dokumentiert haben, ablaufen oder mit dem Rad abfahren.

– Man kann mit dem Sightseeingbus, einem Ausflugsboot oder mit einer Stadtführung zu Fuß sich die wichtigsten Punkte zeigen und erklären lassen.

– Und schließlich kann man, wenn man flexibel ist, all diese Methoden miteinander kombinieren. Was man dann vor allem braucht, ist ZEIT. Eine gute Kondition kann ebenfalls nicht schaden.

Zeit haben wir, mit der Kondition steht es bei mir leider nicht mehr so gut. Also kombinieren wir. Laufen, Straßenbahn, laufen, Fähre, sitzen und Kaffee trinken, laufen, Grachtentour per Boot, etwas essen gehen, Museum, Bus, Kaffee trinken, durch diverse Einkaufszentren, Straßenbahn, über den einen oder anderen Markt, Febo, Kirche von außen und innen, Straßenbahn nach Hause…

Café Bovendiep Natürlich nicht alles an einem Tag und auch nicht ein Tag nach dem anderen, wir sind ja schon älter! Laut lachen Ein Programmtag, zwei Ruhetage, das ist unser Rhythmus. Umso besser, dass wir hier so schön stehen. Bei gutem Wetter ist dann immer noch ein Spaziergang am Kanal entlang oder Richtung Steigereiland drin. Leider ist das Restaurant des Campingplatzes im Winter geschlossen und auch das Café im nahen Jachthaven ist aus unerfindlichen Gründen zu. Also gibt es den Nachmittagskaffee in Oscarlotta, was überhaupt nicht schlimm ist, gibt es in den Niederlanden ja auch noch ganz wunderbare süße Leckereien, Stroopwafels zum Beispiel. Die sehen so trocken, langweilig und unscheinbar aus, dass ich sie tatsächlich noch nie probiert hatte. Ein Fehler! Zwei dieser waffelähnlichen Kreise sind nämlich mit eingedicktem Honig miteinander “verklebt”. Sehr süß, aber leggggger! Und dann sind da noch die Butterkekse, bei denen man die „gute“ Butter schmeckt. Lustig ist, dass sie immer noch in genau der gleichen Kombination und Verpackung verkauft werden wie schon vor mehr als 25 Jahren! Smiley mit geöffnetem Mund Es ist wirklich verwunderlich, dass die Niederländer schlank sind! Allerdings ist es hier Sitte, dass es zum nachmittäglichen Kaffee genau EINEN Keks gibt. Und vermutlich sind sie bei den anderen Mahlzeiten auch so konsequent. Kann eigentlich nicht anders sein!

niederländische Leckereien

Fähren Amsterdam Eine unserer ersten Unternehmungen war eine Fährfahrt über den IJ zum Gelände der ehemaligen NDSM-Werft. Auf der Rückseite des Amsterdamer Hauptbahnhofs (Centraal Station) legen drei Fährlinien in unterschiedliche Richtungen ab. Die am meisten frequentierte geht in wenigen Minuten nur auf die andere Seite zum Stadtteil Amsterdam-Noord. Es fahren zwei Fähren hinüber und herüber und sie sind immer voll, egal zu welcher Tageszeit. Eine andere Fährlinie bedient den Teil von Amsterdam-Noord, der rechts vom Noordhollandsch Kanaal liegt und die dritte fährt ca. 15 Minuten nach links Richtung Noordzeekanaal bis auf die Höhe des neuen Stadtteils Houthavens (Holzhafen). Schräg gegenüber ist die Anlegestelle Amsterdam, NDSM. Von dort aus fährt man auch, wenn man auf dem Wohnmobilstellplatz steht. Der Transport auf allen drei Fährlinien ist übrigens kostenlos!

Fähre NDSMWohnmobilstellplatz

Am NDSM-Pier liegen ein paar größere Schiffe vertäut, u. a. ein Hotelschiff.

botel AmsterdamSegelschiff Segelschiff Segelschiff

NDSM-Werft Die NDSM-Werft (Nederlandsche Dok en Scheepsbouw Maatschappij) hatte ihre Blütezeit als größte Schiffswerft Europas von 1894 bis 1946 und musste nach vielfältigen Rettungsversuchen Konkurs anmelden. Aber wie das in Amsterdam so ist, es gibt immer irgendeine kreative Form des Weiterlebens. In diesem Falle ist hier heute die Kunst- und Kultur-Szene zuhause. Auf dem Industriegelände und in den Hallen der ehemaligen NDSM-Werft sind StartUps, Agenturen und Künstler aktiv. Vielleicht hat der eine oder andere unserer Leser schonmal einen Bericht im Fernsehen darüber gesehen. Bei mir war es so und seitdem war klar, wenn ich mal wieder nach Amsterdam komme, dann will ich da hin!

Kran-Hotel "Faralda" Jetzt war es soweit, die Fährfahrt bei Sonnenschein war schon einmal ein Vergnügen und die große Werfthalle war nicht zu übersehen und nur ein paar Schritte vom Fähranleger entfernt. Ein großer Kran dominierte das Gelände und später erfuhren wir, dass in ihm ein Hotel mit drei Luxus-Suiten von je ca. 40m² auf je zwei Etagen errichtet wurde. Die Preise für eine Nacht betragen €695, €795 und €1.285, jeweils für 2 Personen! Frühstück nicht inbegriffen, aber es gibt eine Mini-Bar! Cooles Smiley

NDSM-WerftNDSM-Werft

Die NDSM-Halle ist im originalen Zustand belassen, allerdings weitestgehend „entkernt“. Um das geplante Vorhaben in die Tat umzusetzen, wurden viele Schiffscontainer in zwei Etagen und langen Reihen hineingestellt, mit Türen und Fenstern versehen und vermietet oder zur Verfügung gestellt. Bis auf einen (geschlossenen) Verkaufsladen konnten wir nicht so genau ergründen, was in den einzelnen, mit Nummern versehenen, Containerräumen eigentlich geschieht, aber es war durchaus Leben dort.

NDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-Werft

Im Sommer ist die NDSM-Werft eine von vielen Attraktionen Amsterdams und dann werden die Containertüren vielleicht offenstehen. Auf jeden Fall finden auf dem gesamten weitläufigen Freigelände jede Menge Events statt und in den nebenan liegenden IJ-Hallen ist an jedem letzten Wochenende im Monat der beliebteste Trödelmarkt Amsterdams und gleichzeitig der größte Flohmarkt Europas mit bis zu 750 Verkaufsständen zu besuchen. Verwirrtes Smiley

Am Rande des Geländes befindet sich die Anlegestelle des einzigen Pfannkuchenbootes Amsterdams. Pannenkoeken sind eine weitere niederländische Spezialität und über die Stadt verteilt gibt es einige Pfannkuchenlokale. Wir haben allerdings den Eindruck, dass die Preise Amsterdamer Touristenpreise sind und haben Pannenkoeken mal noch vertagt. Noch einen Reinfall brauchen wir nicht! Den hatten wir mit einem China-Lokal in der Nähe der Centraal Station. Eigentlich ist chinesisches Essen auch für Vegetarier eine gute Sache und so bestellten wir gebratene Nudeln mit Gemüse. Der Preis war in Ordnung und aus Erfahrung wissen wir, wie ein solches Gericht üblicherweise aussieht, nämlich viele verschiedene Gemüsesorten, im Wok geschwenkt und gut gewürzt in einer Soße, auf einer ovalen Platte serviert mit Reis oder eben Nudeln als Beilage. Wir bekamen je einen Essteller mit Nudeln, die weder angebraten noch irgendwie besonders gewürzt waren. Als „Gemüse“ lagen ein paar gekochte Kohlblätter obendrauf. Das war`s! Nicht einmal nachwürzen half und so gingen die Teller mehr als halbvoll wieder zurück. Die Kellnerin wunderte sich, dass wir so schnell fertig waren, fragte aber vorsichtshalber nicht nach, warum. So schlecht gegessen haben wir noch nirgendwo! Und dabei wäre es so einfach, bei der Vielfalt an (schon geschnittenem) Gemüse, das es überall gibt. Ein paar labberige Kohlblätter sind einfach eine Frechheit!!! Erzürnt

Pannenkoeken-Lokale

Fährlinie Pontsteiger Mit dem Pannenkoekenboot kann man für €21,50/Person 75 Minuten durch die Gegend schippern und dabei so viele Pfannekuchen (süß und pikant) essen, wie man mag und schafft. Wir haben uns (leider!) dagegen entschieden und wollten mit der nächsten Fähre um 16 Uhr wieder zur Centraal Station zurückfahren. Da noch etwas Zeit war, haben wir uns ein wenig am Pier umgesehen und mussten dann fast rennen, weil die Fähre schon 10 Minuten eher kam. Wir wunderten uns zwar, dass nicht alle wartenden Menschen einstiegen, ahnten aber nichts Böses. Als das Schiff dann allerdings mitten auf dem IJ nicht nach links abbog, sondern geradeaus auf das interessant aussehende torförmige Haus zufuhr, ahnten wir, dass es noch eine andere Fährlinie gibt! Die ging rüber nach Houthavens, einem weiteren aufstrebenden Stadtteil Amsterdams, gegründet 2010 rund um den alten Holzhafen. Das Gebäude heißt Pontsteiger und beherbergt ein Hotel mit 24 Zimmern und ansonsten Eigentumswohnungen. Der Ausblick von den oberen Etagen muss grandios sein!

Fähre Houthavens

Amsterdam Wir waren nur etwa 2km vom Hauptbahnhof entfernt und beschlossen, zu laufen. Das war eine sehr gute Entscheidung, denn wir kamen durch Wohnviertel, in denen wir sonst sicher nicht gelandet wären. Die Architektur sogar der ganz „normalen“ mehrstöckigen Wohnreihenhäuser ist irgendwie anders als anderswo. Ansprechender, phantasievoller, detailreicher. Und die Niederländer haben ein ausgesprochenes Faible für Kunst, in jeglicher Art.

Kunst in AmsterdamKunst in AmsterdamKunst in Amsterdam

HaarlemmerbuurtDas Gute am so drauflos laufen ist, dass man Stadtteile – der Kölner würde Veedel sagen – entdeckt, die man nicht „auf dem Plan“ hatte. So war es diesmal mit der/dem Haarlemmerbuurt, die/der sich nordwestlich des Hauptbahnhofs erstreckt. Buurt hat die Bedeutung von Veedel, wörtlich übersetzt Nachbarschaft. Eine Vielzahl an verschiedensten kleinen Geschäften, Lokalen, Coffee Shops, autofrei, die ehemalige Straße ist jetzt zweispuriger Fahrradweg. Cantas dürfen hier aber auch fahren!!! Smiley Leider nieselte es etwas, sodass ich nicht fotografiert habe. Als Entschädigung gibt es ein Panoramafoto vom Hauptbahnhof!

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Eine Liebeserklärung

 

von Urk nach AmsterdamUnd jetzt sind wir endlich in Amsterdam!!! Verliebt Ich habe zu dieser Stadt schon seit meiner Zwanzigerjahre eine besondere Verbindung. Vom Ruhrgebiet aus, wo ich lebte, war man in gut 2½ Stunden dort, sogar wenn man, wie ich damals, mit Ente unterwegs war. An einem Samstag mit einer Freundin morgens los, ein paar Stunden Stadtbummel und abends wieder zurück war also kein Problem und stand immer mal wieder auf meinem Programm. Diese Stadt war so ganz anders als alle deutschen Großstädte, die ich kannte. Die Flower-Power-Zeit war dort schon in vollem Gange, als man in Deutschland gerade anfing, sich über die langen Haare der jungen Männer aufzuregen. Modisch gesehen waren die Niederlande Deutschland über bestimmt zwei Jahrzehnte um mindestens ein halbes Jahr voraus, sowohl bei der Sommer- als auch bei der Wintermode.

Mit 10 Jahren war ich das erste Mal mit meinen Eltern in Holland und ein unvergessliches Erlebnis war es, goldgelbe, knusprige Patatas frites mit Mayonnaise in einer Spitztüte aus Papier auf der Straße zu essen, mit den Fingern oder einer kurzen Holz- oder Plastikgabel mit zwei Zinken. DAS gab es in Deutschland nirgends! Die besondere Herausforderung bestand darin, so um die Mayonnaise herumzuessen, dass auch für die letzten Pommes ganz unten in der Tüte noch etwas davon übrig war. Wir waren noch oft im Urlaub in den Niederlanden und sicher verwundert es nicht, dass mein erster Freund ein Holländer war, oder? Zwinkerndes Smiley

Meine ältesten Freunde habe ich 1975 auf dem Campingplatz in Egmond aan Zee kennengelernt, im Jahr 2000 haben wir ein Wochenende lang dort unser 25-Jähriges gefeiert. Dieses Jahr werden es 45 Jahre! Erstauntes Smiley

In meinen Dreißigerjahren verbrachten wir einige Male ein verlängertes Wochenende in einem Hotel in Egmond direkt an der Promenade, das für „Karnevalsflüchtlinge“ ein besonderes Angebot bereithielt. Meine Eltern und Freunde von ihnen/uns waren ebenfalls immer gerne dabei. Auch im Winter kann es an der „Zee“ sehr schön sein, man muss halt etwas Glück mit dem Wetter haben.

Zwischen 1992 und 2000 war ich jeden Sommer mehrere Wochen mit meinem Bruder auf seiner Motoryacht in niederländischen Gewässern unterwegs, jedes Jahr in einem anderen Gebiet. Auf diese Art habe ich das Land und seine Besonderheiten gut kennengelernt. Teilweise lag ich mit dem Boot von Sonntag bis Freitag in einem Hafen, mein Bruder fuhr mit dem Zug nach Hause, kam nach einer Arbeitswoche wieder zurück und wir fuhren weiter. Manchmal passierte das sogar zweimal, ich hatte ja 6 Wochen Sommerferien. Smiley

Eine angenehme Tatsache war und ist es, dass fast alle Niederländer ausgezeichnet deutsch sprechen oder zumindest verstehen. Sie lernen es in der Schule und brauchen es für den Tourismus. Bei den jungen Leuten heutzutage scheint allerdings englisch an zweiter Stelle zu stehen, die mittlere und ältere Generation ist auffallend oft dreisprachig. Die niederländische Sprache ist als Text ziemlich gut zu übersetzen, es gibt viele Ähnlichkeiten, sowohl zu deutsch als auch zu englisch, nur verstehen kann man sie nicht! Laut lachen

Ist schon klar, dass ich zu den Niederlanden eine lange gewachsene Liebesbeziehung habe, oder???

Ein paar Besonderheiten, die uns aktuell auffallen:

– Es gibt kaum übergewichtige Menschen.

– Viele Kinder und Jugendliche grüßen beim Vorübergehen.

– Die Erwachsenen sind höflich, freundlich, gelassen.

– In den Supermärkten, auch den kleinen Lebensmittelgeschäften, gibt es ein überwältigendes Angebot an zerkleinertem, portioniertem Gemüse, schon fix und fertig für die Pfanne, den Wok oder den Kochtopf (Niederländer lieben Eintöpfe!).

– Die Auswahl an vegetarischen und veganen Lebensmitteln ist gigantisch!!! Und vegetarische/vegane Gerichte stehen in großer Anzahl ganz selbstverständlich auf allen Speisekarten, zu normalen Preisen. Sogar eine landestypische Spezialität, die „Bitterballen“ gibt es inzwischen als vegane Variante. Daumen hoch

– Friet Speciaal (Pommes mit Mayo, Curry-Ketchup und rohen Zwiebeln) oder Patat Saté/Patat Pinda (Pommes mit heißer Erdnusssoße) gibt es an jeder zweiten Straßenecke. Mindestens Mayonnaise (friet saus) ist immer dabei, wenn der Niederländer sein „frietje“ (so genannt im Süden und Osten des Landes) oder „patatje“ bestellt, das Zauberwort heißt „met“. Das reicht aus. Auf die Größe der Portion hat die Verniedlichung übrigens keinen Einfluss! Smiley

– Einige „Frittenbuden“, hier Snackbar genannt, verkaufen die anderen beliebten fritierten Leckereien wie Fikandel, Kroket, Bitterballen, Kaassoufflé, Bami und Nasi (als schijf = Scheibe oder bal = Kugel), Gehaktbal, Kipcorn auch in „gläsernen Wänden“. Das sind viele kleine mit Warmhalteplatten versehene Fächer, deren Glastüren sich öffnen lassen, wenn man den entsprechenden Geldbetrag in einen Schlitz geworfen hat. Als es noch den Gulden gab, benötigte man für die meisten dieser Snacks drei Kwartjes (75 Cent), jetzt geht unter 2 Euro nichts mehr! Zur Verdeutlichung: Der Umtauschkurs war 1 Euro = 2,20371 hfl (Niederl. Gulden)!!! In jeder Snackbar hängt ein Wechselautomat an der Wand, der das nötige Hartgeld ausspuckt. Früher wechselte man 1, 2½ oder 5 Gulden-Stücke (wer hatte schon so viele Kwartjes in seinem Portemonnaie!), heute 5 und/oder 10 Euro-Scheine. Der Name für diese niederländische köstliche Schnellverköstigung? Automatiek. Smiley mit geöffnetem Mund Meist steht allerdings „Febo“ draußen, eine Kette und mit seinem Gründer Johan Izaak de Borst der findige und geschäftstüchtige Erfinder im Jahre 1941. (Quelle: Wikipedia)

– Und darüberhinaus gibt es natürlich noch Fisch in allen Variationen. Von uns sehr geschätzt ist kibbeling, die niederländische Variante von fish ‘n chips.

Kibbeling

Lageplan Camping ZeeburgWenn euch jetzt noch interessiert, wo in Amsterdam wir stehen: Es gibt einen Campingplatz nur 5km vom Hauptbahnhof (Centraal Station) entfernt. Einen Wohnmobilstellplatz gibt es seit einiger Zeit zwar auch, aber erstens liegt der nicht zentraler, zweitens in einem Industriegebiet, was uns nicht sicher genug ist, zumindest nicht im Winter und drittens ist es dort teurer als hier. Wir stehen auf dem Campingplatz „Zeeburg“ auf einer Insel/Polderlandschaft zwischen dem Amsterdam-Rijnkanaal und dem IJ. Wie auf der Karte zu sehen (blauer Punkt), sind wir von Wasser umgeben und entsprechend ruhig ist es hier.

Lage des Campingplatzes (blauer Kreis)Lage des Campingplatzes (blauer Kreis)

Die „Pötte“ auf dem nahen Kanal hört man ganz leise brummen und zwischen den Bäumen hindurch kann man sie vorbeiziehen sehen. Auf der anderen Seite schaut man über das Wasser hinüber nach Zeeburgereiland. Die Niederländer sind ja genial darin, Wasserflächen bebaubar zu machen und so verwundert es nicht, dass der Campingplatz auch gerade vergrößert wird.

Camping ZeeburgCamping ZeeburgAmsterdam-RijnkanalNatur in AmsterdamCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping Zeeburg

Es scheint aber gerade Baustopp zu sein, es gibt zwar einen Bauzaun, passieren tut aber nichts.

Camping ZeeburgCamping Zeeburg

Von unserem Platz aus können wir unter der Brücke des Autobahnringes A10 hindurch bis zur Fußgängerbrücke hinüber zum Steigereiland laufen. Dort ist seit 2005 eine „schwimmende Stadt“ entstanden, bestehend aus Häusern, die auf schwimmenden Fundamenten aus Betontanks errichtet wurden.

rund um den Campingplatzrund um den Campingplatzrund um den Campingplatzrund um den CampingplatzBlick auf Steigereilandschwimmende Häuser

Leben auf dem Wasser ist in den Niederlanden weitverbreitet und stellt bei steigendem Meeresspiegel eine durchaus interessante Alternative dar. So entstand der gesamte neue Stadtteil IJburg ab 2005. Er wird gebildet aus drei mit Brücken verbundenen Inseln: Steigereiland, Haveneiland und Rieteilanden. Wir hatten das Glück, ein fertiggestelltes Haus auf dem Weg dorthin zu sehen.

Wasserhaus

Amsterdam 5 Eine Möglichkeit für uns, in die City zu kommen, ist die Straßenbahnlinie 26 mit Endstation IJberg. Wir müssen neben dem Campingplatz auf die Amsterdamsebrug hoch und laufen dann in einem großen Bogen übers Wasser. Von oben hat man unter anderem solche Ausblicke:

HausbooteHausbooteHausbooteHausbooteHausboote

Anfahrt zum Campingplatz Auf dem Kartenausschnitt kann man gut erkennen, dass die Anfahrt zum Campingplatz ein paar Tücken hat! Von der A10 kommend muss man an der Kreuzung IJburglaan/Zuiderzeeweg nach links abbiegen und gleich darauf wieder nach rechts. Dort geht es vermeintlich aber nur auf einen P+R-Parkplatz. Uschis CoPilot hat sie geradeaus weitergeschickt und das Hinweisschild zum Campingplatz kann man wirklich leicht übersehen! Geradeaus geht es aber nicht zum Campingplatz, sondern über die Brücke des Kanals und weiter Richtung Innenstadt. Mein Tommie, obwohl nicht aktuell upgedated, schickte mich dann tatsächlich nach rechts! Nach Uschis Warnung hatte ich mir den Straßenverlauf auf Google Maps genau angeschaut und vertraute darauf, dass ich auf dem Parkplatz nicht mühsam würde wenden müssen. Man glaubt nämlich wirklich nicht, dass es nach der Einfahrt weiter geht! Verwirrtes Smiley

Ich sagte schon, dass wir super stehen, oder? Erstaunlicherweise ist auch jetzt, mitten im Winter, reger Publikumsverkehr. Die meisten bleiben aber weiter vorne stehen, sodass wir keine Nachbarn haben.

unsere Plätze

Jetzt in der Nebensaison kostet der Stellplatz incl. einer Person €16. Inbegriffen sind die Nutzung des (ganz neuen) Sanitärgebäudes, Sanitärgebäude Entsorgung, WLAN und Strom mit 10A Absicherung. Seit diesem Jahr erhebt die Stadt Amsterdam allerdings eine „Kurtaxe“, wohl eher Touristensteuer, von 7% des Übernachtungspreises plus €1 pro Person und Nacht. Wir zahlen also aktuell €18,12/Nacht.
 
 
In den Sommermonaten dürfte der Platz vor allem von jungen Rucksackreisenden frequentiert werden. Dafür sprechen die bunten, zahlreich vorhandenen „Cabins“ und „Wagonetten“. Sie stehen sehr dicht beieinander, bieten Platz für 2-4 Personen, wobei „Platz“ eigentlich nur Schlafplatz meint. Die Ausstattung ist äußerst minimalistisch und auf gutes Wetter ausgelegt. Aber vermutlich sind die Bewohner sowieso den ganzen Tag und die halbe Nacht (oder umgedreht) unterwegs und da reicht es dann, wenn man ein Bett hat. Cooles Smiley

Camping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping Zeeburg

Auch hier möchte man (möchten wir) im Sommer wohl eher nicht sein, weder auf dem Campingplatz noch in Amsterdam selbst. Der Touristenansturm ist mittlerweile so groß, dass die Einheimischen schon protestieren. Aber Amsterdam liegt auch auf einem der vorderen Plätze der beliebtesten Großstädte Europas! Das untermauern die 8 Millionen Besucher pro Jahr eindringlich. Der absolute Wahnsinn sind allerdings die Radfahrer! 58% der Amsterdamer benutzen ihr „Fiets“ täglich, dazu kommen noch die Touristen auf ihren Mietfahrrädern. Überall in der Innenstadt sowie in allen Stadtteilen stehen Unmengen von Rädern abgestellt, an Laternenpfählen oder Brückengeländern angekettet, an Sammelplätzen und in sogenannten Fahrradgaragen, die sogar auf Schiffen zu finden sind. Endlose zweigeschossige Reihen mit ausgeklügelten Kipp- und Hebemechanismen. Maximale Parkdauer 7 Tage, dann bekommt das Rad eine Hinweismarkierung und wird danach vermutlich eingesammelt. Wir können uns vorstellen, dass viele Räder stehenbleiben, weil ihre Besitzer sie einfach nicht mehr finden. Laut lachen Und ein altes Rad entsorgen geht so auch ganz einfach.

RadgarageFahrräder in Amsterdam

Noch eine Besonderheit ist uns aufgefallen: Es gibt winzige „Autos“ für maximal zwei (schlanke) Personen. 2,28m lang, 1,10m breit, 1,63m hoch und mit €12.000 aufwärts gar nicht mal so preiswert. Sie werden ursprünglich als Behindertenfahrzeuge gebaut, dürfen ohne Führerschein auch auf Radwegen und sogar in Einkaufszentren gefahren werden und auf den Gehwegen parken. Inzwischen scheinen sie einen Kultstatus zu haben. Sie heißen Canta und sind sehr oft in rot unterwegs, vermutlich, damit man sie nicht aus Versehen übersieht! Smiley mit geöffnetem Mund

CantaCanta

Einen Behindertennachweis scheint man nicht zu benötigen! Die neuen Modelle fahren elektrisch. Es gibt alle möglichen Sonderausfertigungen, z. B. auch die Möglichkeit, mit dem Rollstuhl hineinzufahren und aus diesem heraus den Canta zu steuern! Auch im Behindertensektor waren die Niederlande immer schon Vorreiter, oder wer hat schon jemals in Deutschland ein Fahrrad gesehen, das einen Rollstuhl integriert hat? Mein Bruder und ich haben schon in den 1990er-Jahren geunkt, dass wir im Alter dann mal so durch die Gegend fahren könnten. Wäre jetzt an der Zeit!!! Sarkastisches Smiley

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

See oder Meer?

 

Der Grund, warum wir nicht über Silvester in Elsfleth blieben, war profan, aber für uns bedeutungsvoll: Unser Internetvolumen war fast aufgebraucht. Und DVB-T funktionierte dort nicht. Silvester ohne die Möglichkeit, irgendeine Sendung im Fernsehen schauen zu können, erschien vor allem mir nicht besonders reizvoll. In Urk, wo wir sowieso hin wollten, gab es ein freies WLAN. Wenn wir gewusst hätten, dass die Bedingungen dort zu Silvester so sein würden, dass keiner von uns nach fernsehen sein würde, wären wir in Elsfleth geblieben, Internet hin oder her. Aber so ist das mit den Erfahrungen, man muss sie erst machen, bevor man weiß, was richtig und was falsch war. Zwinkerndes Smiley

Urk ist ein nettes holländisches Städtchen und der Stellplatz liegt zentral und malerisch am Hafen. Er ist mit allem ausgestattet, was man braucht und mit €10/Nacht absolut akzeptabel, zumal der Strom und zeitunabhängiges Duschen in einem großzügig gestalteten Sanitärgebäude inbegriffen sind.

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Wir kamen am 30. Dezember am Nachmittag dort an und hielten die Knallereien auf dem benachbarten PKW-Parkplatz für zwar unangenehm, aber da mussten wir halt durch, einen Tag vor Silvester. Gut, es war etwas heftiger, als wir es aus den letzten Jahren in Deutschland gewöhnt waren. Am Dienstag waren alle Geschäfte geschlossen, Silvester scheint in den Niederlanden schon ein Feiertag zu sein. Wir hätten unsere Mobile auch nicht allein stehengelassen, nach dem, was ab 11 Uhr vormittags abging. Aber darüber habe ich ja schon berichtet…

So kamen wir erst am Neujahrstag dazu, einen Spaziergang durch das Städtchen zu machen und fanden es allerliebst, von den überall verstreuten Spuren der Silvesterknallerei mal abgesehen. Ich bin schon seit bestimmt 20 Jahren nicht mehr in Holland gewesen, ein kurzer Segeltörn auf einem Plattbodenschiff im Spätsommer 2002 nicht mitgerechnet. Beim Schlendern durch die schmalen Gässchen wusste ich sofort wieder, warum es mir früher in Holland immer so gut gefallen hat. Unsere niederländischen Nachbarn haben ein ausgeprägtes Faible dafür, ihr Zuhause schön zu machen und sie haben ein gutes Gefühl für Arrangements. Das ist erkennbar daran, wie liebe- und phantasievoll sie ihre oft winzigen Vorgärten gestalten und an der Dekoration ihrer Fenster. Wie für die Niederlande typisch sind auch in Urk hohe Fenster üblich mit sehr tiefsitzenden Fensterbänken. Es scheint niemandem etwas auszumachen, dass jeder, der vorbeigeht, in die Wohnungen hineinschauen kann. Gardinen und Vorhänge sind ja nicht üblich, aber vielleicht möchte man mit den Dekorationsgegenständen die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden binden, damit sie vorbei sind, bevor sie Zeit gehabt haben, in die Stube zu schauen. Cooles Smiley

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Wir hatten schon für 6 Nächte gezahlt und hofften ja auch, dass es mit jedem weiteren Tag weniger werden würde mit der Lärmbelästigung. So kam es zu weiteren Spaziergängen zum Leuchtturm, zum einzigen kleinen Strand und durch den Hafen.

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UrkIn der Nähe des Leuchtturms gibt es ein Denkmal. Eine Fischerfrau hält Ausschau nach dem zurückkehrenden Schiff ihres Mannes. Rundherum an den Wänden sind Tafeln angebracht, die mit Jahreszahl und Namen auflisten, wieviele Seeleute nicht mehr lebend zurückkamen. Die Aufzählungen begannen im 18. Jahrhundert und endeten 2015. In manchen Jahren gab es gar keine Toten, irgendwann wurden die Namen um den Namen/die Kennung des jeweiligen Schiffes ergänzt und da konnte man ablesen, dass manchmal drei oder vier Männer einer Familie gleichzeitig auf See geblieben sind. Unvorstellbares Leid!

Urk verlor seine Bedeutung als Fischereihafen 1932 mit dem Bau des Abschlussdammes, der die ehemalige Zuiderzee zum offenen Meer abtrennte, was der Landgewinnung und dem Küstenschutz diente. Da der größte Teil der Niederlande unter dem Meeresspiegel liegt, ist der Deichbau immer schon von größter Bedeutung. Trotzdem wurde das Land immer wieder von verheerenden Sturmfluten heimgesucht. Schon im 17. Jahrhundert gab es Pläne für eine Abtrennung der Zuiderzee, die aber mit den damaligen technischen Mitteln nicht umzusetzen waren. Erst 1927 begannen die Bauarbeiten. Mit der vollendeten Schließung der Nordseebucht Zuiderzee entstand über die Jahre ein großer Süßwassersee. See heißt im Holländischen „Meer“ (und unser deutsches Meer heißt „Zee“) und so entschied man sich für der Namen „IJsselmeer“, weil der Fluss IJssel hier seine Mündung hat.

UrkWir blieben bis zum Sonntag. Das Wochenende wurde noch einmal heftig. Nicht nur, dass immer wieder unvermittelt irgendwo eine Böllerei losging, sondern auch, weil niederländische junge Männer offenbar nichts lieber tun, als bis in die frühen Morgenstunden hinein mit ihren frisierten Mopeds durch die Gegend zu knattern, am liebsten da, wo sie möglichst viele Menschen stören. Dazu kamen Horden von grölenden Nachtschwärmern! Im Hafenbereich gibt es einige Lokale, außerdem ist ein Hafen immer ein beliebter Treffpunkt. Wir standen zwar nicht allein auf dem Stellplatz, aber doch gut sichtbar und nicht geschützt. Gut geschlafen haben wir nicht! Und wenn man so wach liegt und das Treiben draußen anhört, kommen einem alle möglichen Gedanken aller möglichen Schikanen und man wird sich seiner eigenen Angreifbarkeit doch sehr bewusst.

Urk hat uns wirklich gefallen, aber auf diesen Wohnmobilstellplatz werden wir sicher nicht mehr fahren. Sehr schade! Trauriges Smiley

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written by Ingrid
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Navigare necesse est

 

Ich springe noch einmal kurz zurück in das letzte Jahrzehnt!

Am 2. Weihnachtstag bugsierten wir Oscarlotta wieder durch die Deichlücke und verabschiedeten uns von Luise. Mit viel Wehmut, weil dies das letzte Mal gewesen sein kann, dass wir auf diesem tollen Privatstellplatz gestanden sind. Weinendes Smiley

bei Luise

Ich wollte unbedingt mal auf die „Platte“ nach Cuxhaven und hatte mir überlegt, dass am Donnerstag die Weihnachter vielleicht wieder nach Hause gefahren sind und die Silvesterer erst am Freitag kommen und wir somit eine Chance auf einen bzw. zwei Plätze in der ersten Reihe haben würden. Wie naiv von mir!!! Erstauntes Smiley Schon vom unteren Parkplatz aus war sichtbar, dass der Platz VOLL ist. Wir gingen trotzdem mal zu Fuß gucken. Es gibt 100 Stellplätze auf einer großen gepflasterten Fläche, teilweise total schräg. In der ersten Reihe überwiegend große, teure Wohnmobile, fast überall stand noch ein PKW quer. Sie schauten allerdings fast alle vor die Bordwand eines Frachtschiffes! Nur wenige Plätze boten einen Blick aufs Wasser, aber auch da geht schön anders. Wir hätten mittendrin sogar noch zwei Plätze nebeneinander bekommen können, aber die waren sooo schief, nein danke. Überhaupt gefiel es uns dort absolut nicht! Und so war ohne Diskussionen klar, dass wir nicht bleiben würden.

CuxhavenCuxhavenCuxhaven

Uschi weiß ja immer noch mindestens eine Alternative und die hieß Elsfleth. Das ist ein kleines Städtchen ungefähr mittig zwischen Bremen und Bremerhaven, aber links der Weser. Der Stellplatz bietet Stellflächen für 28 Wohnmobile und liegt im Hafengebiet direkt an der Hunte, einem Nebenfluss der Weser. Die Anfahrt gestaltete sich etwas schwierig, da die Hauptzufahrtsstraße wegen Bauarbeiten gesperrt und keine Umleitung ausgeschildert war. Uschi gab mir die Bedingungen zwar durch, trotzdem bog ich an einer T-Kreuzung verkehrt ab, weil mir die andere Richtung sehr eng aussah. Es wurde aber noch viel enger! Krankes Smiley An den parkenden PKWs kam ich nur vorbei, weil ich den Bürgersteig als Fahrbahnerweiterung nutzte. Zum Glück gab es keine Straßenlaternen oder überhängende Balkone! Ich liebe meine Oscarlotta, aber das, was sie als Wohnmobil so angenehm macht, ist, wenn sie als Reisemobil fungiert, ab und zu von Nachteil. Nachdem ich eine große Ehrenrunde gefahren hatte, kam ich genau dort wieder heraus, wo ich von der Hauptstraße abgebogen war. Okay, jetzt musste ich dann wohl an der T-Kreuzung nach rechts! Es kam mir zum Glück niemand entgegen und bald sah ich Uschi schon wartend und frierend auf der Straße stehen. Jetzt noch durch ein schmales Tor und ich war da! Sehr schön, außer uns gab es nur ein weiteres Wohnmobil!

Elsfleth

Es war Kaffeezeit, aber bis ich nach einem Fahrtag meine Wohnordnung wieder hergestellt habe, dauert es ein wenig. Uschi hatte schon herausgefunden, dass es in 200m ein Café geben sollte. Ob das am 2. Weihnachtstag allerdings geöffnet sein würde? Wir versuchten unser Glück! Café am Markt stand an einem Haus, allerdings sah es hinter der Eingangstür eher aus wie an der Rezeption eines Hotels. Über dem Durchgang ein Stück weiter stand allerdings „Café und Restaurant“. Ich wunderte mich, dass in dem Bereich bis dorthin mehrere ältere Menschen mit Rollatoren saßen! Der Caféraum war mit gedeckten Tischen bestückt, aber leer. Irgendetwas war seltsam! Uschi ging noch einmal heraus und fragte, ob dies wirklich das Café am Markt sei? Nein, das gäbe es schon lange nicht mehr, aber einen Kaffee und ein Stück Kuchen würden wir trotzdem bekommen. Wir nahmen Platz und bemerkten, dass die Serviettenringe aufgedruckte Namen aufwiesen. Die nette Dame, die unsere Wünsche entgegen nahm, bejahte unsere vorsichtige Frage, ob wir in einem Altenheim seien, beteuerte aber gleichzeitig, dass es sich auch um ein öffentliches Café handele. Ich fragte sie später, ob das wirklich so sei oder ob sie nur nett zu uns sein wollte, so nach dem Motto, wir könnten ja die nächsten Bewohner sein. Smiley mit geöffnetem Mund Sie erzählte uns, dass es in ihren beiden Häusern auch einen öffentlichen Mittagstisch geben würde und gab uns sogar eine Speisenübersicht für die laufende Woche mit. Nun sind wir ja nicht die Mittagessenliebhaber, aber die Sache an sich ist natürlich super. Ich könnte mir vorstellen, dass das von Wohnmobilisten bestimmt gerne in Anspruch genommen wird, vorausgesetzt, man erfährt davon. Vielleicht ist das Aufgabe der Touristeninformation, die ihren Pavillon am anderen Ende des Hafenbereichs hat, gerade aber bis zum 7. Januar geschlossen war. Dort kann man normalerweise auch Duschen und Toiletten benutzen.

ElsflethElsfleth

Der Ort ist überschaubar und verfügt nur über ein paar Geschäfte. Ein großer Edeka-Markt ist in ca. 300m Entfernung und ungefähr 500m vom Stellplatz entfernt findet man an der B212 einen gut sortierten Rewe-Markt sowie einen hochmodernen Aldi und einen Lidl. Einkaufstechnisch also vom Feinsten! In der wärmeren Jahreszeit wird der Stellplatz bestimmt gut frequentiert sein, man kann Rad fahren oder baden oder Vögel beobachten direkt gegenüber auf dem Elsflether Sand, einer Halbinsel zwischen der Hunte und der Weser. Erreichbar über das Huntesperrwerk, das pro Stunde für wenige Minuten nur für Fußgänger und Radfahrer geöffnet wird. Und nicht nur die Touri-Info mit ihrem Panorama-Restaurant hat dann im Sommer geöffnet, sondern auch die italienische Eisdiele im Ort! Cooles Smiley

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Eine Touristenattraktion ist der Dreimast-Gaffelschoner „Großherzogin Elisabeth“, ein Segelschulschiff von 1909. Es ist immer noch in Betrieb, im Frühjahr und Herbst mit Ausbildungsfahrten der Nautikstudenten des Fachbereichs Seefahrt der Jade Hochschule und im Sommer werden Wochenendfahrten für jedermann durchgeführt. Bei Besichtigungen erhält man mit dem Stellplatzticket (€8/Nacht, zahlbar an einem Kassenautomaten) 50% Ermäßigung. Jetzt lag das Segelschiff festgemacht und nicht zugänglich am Kai und so blieb uns nur, das Anlegemanöver eines Frachtkahns zu beobachten.

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So klein Elsfleth auch ist, so bedeutend ist seine Vergangenheit. Begünstigt durch seine Lage am Zusammenfluss von Weser und Hunte sowie durch die Nähe zur Nordsee entwickelte sich früh eine Verbundenheit zu Seefahrt und Schiffbau. 1875 gehörte Elsfleth zu den größten Reedereiplätzen Deutschlands. 22 Reedereien waren hier ansässig und mehrere Werften bauten Segelschiffe. Bereits 1832 wurde eine Navigationsschule gegründet, aus der die heutige Seefahrtschule hervorging.
(Quelle: Wikipedia)

Elsfleth

Im Laufe der nächsten Tage kamen noch einige weitere Wohnmobile, aber voll wurde es nicht. Uschi zog um auf die nächste Spur, damit ihr Solarmodul eine Chance hatte, die Sonne einzufangen. Der Plan war, über Silvester dort zu bleiben. Warum wir uns umentschieden haben, das ist eine andere Geschichte. Zwinkerndes Smiley

Elsfleth

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Verosten in Osten an der Oste

 

Drei Jahre waren wir schon nicht mehr an der Oste gewesen! 2016 hatte Oscarlotta auf Luises Garagenhof gestanden und Sommerurlaub gemacht, während wir mit Fix und Boxi in Nordamerika waren. Mit einem kurzen Abstecher nach Heide und zum dortigen Weihnachtsmarkt fuhren wir mal wieder hin.

Der Wohnmobilstellplatz in Heide liegt unverändert am Freizeitbad „Dithmarscher Wasserwelt“. Bei unserem ersten Besuch 2010 war er noch kostenfrei, inzwischen kostet die Nacht €7, zu zahlen an einem Kassenautomaten. Die 16 Plätze sind wagenburgartig angelegt, vordere Breite 3 Meter, Länge ca. 10 Meter, nach hinten (wie bei Tortenstücken) wird die Breite entsprechend größer. Der Platz war fast leer, aber auch sehr schlammig (trotz Rasengittersteinen), sodass nicht alle Stellplätze in Betracht kamen.

HeideHeide

Wir liefen am nächsten Nachmittag in die Stadt, eine Strecke von ungefähr 3km. Heide ist nicht sehr groß, brüstet sich aber mit dem größten Marktplatz Deutschlands. Dort war natürlich der Weihnachtsmarkt angesiedelt. Nichts Außergewöhnliches, außer vielleicht das Riesenrad, ansonsten trotz der zur Verfügung stehenden Fläche eher klein und wieder überwiegend Buden mit Essen und Trinken. Ich bin etwas enttäuscht dieses Jahr! Vielleicht liegt meine Messlatte nach der letzten Adventszeit im Allgäu einfach zu hoch???

Uschi gefiel die Kirche mit dem schmalen Turm besonders gut und ich bekam dann auf dem Rückweg noch meine Weihnachtsbeleuchtung. Smiley

HeideHeide

Am Mittwoch ging es über die Elbe, Glückstadt – Wischhafen, Kosten für Oscarlotta und mich €21 (Länge des Fahrzeugs + Personenanzahl). Im Sommer steht man schon mal „etwas“ länger an der Fährzufahrt, diesmal ging es schon nach 20 Minuten aufs Schiff. Die Überfahrt dauert ca. 25 Minuten, je nach Wasserstand.

Glückstadt-WischhafenGlückstadt-WischhafenGlückstadt-WischhafenGlückstadt-Wischhafen

Der LKW mit geladenen PKWs, der vor mir gestanden hatte, bog an der nächsten großen Kreuzung nicht nach links ab, obwohl kein Querverkehr zu sehen war. Wusste der Fahrer nicht, wo er hin wollte? Nachdem er endlich doch abgebogen war und ich hinter ihm ebenfalls, blieb er mitten auf der Straße stehen. Da kein Gegenverkehr kam, zog ich an ihm vorbei und sah erst da, dass er vor Sperrgittern stand. Die Strecke war nur für Anlieger bis zur Baustelle freigegeben! Er wusste also offenbar auch nicht von dieser Besonderheit, genauso wenig wie ich. Ich fuhr durch und drehte wenige Meter weiter auf einem Supermarktparkplatz. Dann blieb mir nichts anderes übrig, als der Umleitungsstrecke zu folgen. Wo ich war, wusste ich absolut nicht mehr! Aber mein CoPi, der mich zu Beginn in die kleinsten Nebensträßchen abbiegen lassen wollte, bekrabbelte sich und irgendwann kannte ich mich wieder aus. Der LKW war wieder vor mir, wollte offenbar dahin, wohin ich auch wollte, blinkte am entsprechenden Wegweiser links und fuhr dann doch geradeaus weiter. Die Straße war für LKWs nicht erlaubt! Ich beschloss mal wieder, dass Oscarlotta ein Wohnmobil ist und kein LKW und bog ab. Das war gut, weil kürzer, aber schlecht, weil die Straße in einem katastrophalen Zustand war. Weniger Kilometer waren es sicher, aber schneller ganz sicher nicht. Verwirrtes Smiley

Irgendwann sah ich die alte Windmühle ohne Flügel und wusste, jetzt muss ich abbiegen und bin auf der Zielgeraden. Uschi war auch gerade erst angekommen und lotste Oscarlotta und mich durch die Deichlücke auf den Parkplatz vom „Seefahrer“. Viel Platz bleibt da immer nicht rechts und links und vorne und hinten. Aber das haben wir ja schon einige Male exerziert und bisher hat es immer ohne Kratzer geklappt.

bei Luisebei Luisebei Luise

Es ist immer wieder herrlich an der Oste, egal zu welcher Jahreszeit! Diese Ruhe, diese friedliche Stimmung, der Fluss, der mal da und mal weg ist. Die Oste, als Nebenfluss der Elbe, ist nämlich gezeitenabhängig und hat schon viele Touristen verwirrt, weil sie mal in die eine und Stunden später in die entgegengesetzte Richtung fließt! Erstauntes Smiley

bei Luisebei Luisebei Luisebei Luisebei Luisebei Luisebei Luisebei Luisebei Luisebei Luisebei Luisebei Luise

Der Pächter, mit dem Luise leider zunehmend mehr Schwierigkeiten hatte, hat erfreulicherweise in der Zwischenzeit drei Stromsäulen mit Zählern installiert, sodass unsere Stromversorgung gewährleistet war. Das Wasser war noch nicht abgestellt, Waschmaschinen- und Duschnutzung gab es bei Luise und für Bestellungen im Internet hatten wir mal wieder eine Adresse. Perfekt! Luise freute sich, uns mal wieder zu sehen und wir freuten uns, mal wieder hier zu sein (und umgedreht). Zwinkerndes Smiley

Luise backt gut und gerne, Luise kocht gerne und gut! Ich richtete ihr ihr neues Smartphone ein, wir quatschten, wir wuschen, wir aßen, wir gingen hinter und auf dem Deich spazieren, wir duschten ohne Zeitbegrenzung, wir beobachteten die Oste beim Hin- und Herfließen, wir fuhren zu dritt in den Nachbarort zum Chinesen-Büffet und zu zweit mit Luises PKW nach Stade. Dort war ich dann weihnachtsmarktmäßig endlich einigermaßen bis ziemlich zufrieden. Vielleicht, weil ich mir absolut keine Hoffnungen mehr gemacht hatte!? Stade ist ja sowieso ein hübsches Städtchen und im Lichterglanz mit sogar zwei (!) Weihnachtsmärkten sehr attraktiv.

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Luise schien sich zu freuen, wenn wir über Weihnachten bleiben würden und sie musste sich nicht sonderlich bemühen, uns zu überreden, Cooles Smiley

bei Luisebei Luisebei Luisebei Luisebei Luise

Der Blogtitel beinhaltet übrigens ein Wortspiel! Weil es bei Luise an der Oste so wunderbar geruhsam ist, gerät man leicht in die Gefahr, länger zu bleiben als geplant und dabei zwangsläufig zu ver(r)osten. Smiley mit geöffnetem Mund

bei Luise 

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Tönning – kleine Stadt mit großer Geschichte

 
Über die Wohnmobilplätze in Tönning hatte ich im Sommer mal was im Internet gefunden und beschlossen, dass ich dort hin möchte. Jetzt war die Gelegenheit günstig, denn wir waren schon ganz in der Nähe. Ein weiterer Anreiz war die Info, dass es an den Adventswochenenden in einem Packhaus am Hafen eine große Kunsthandwerkerausstellung geben sollte.

Es waren nur 25km von Husum aus, also überschaubar! Ich fahre mit der Navi-App „CoPilot“ für Wohnmobile und meistens bin ich einverstanden mit den Vorschlägen, die mir gemacht werden. So wunderte ich mich auch zunächst nicht, als ich in etwas kleinere Straßen gelotst wurde, zumal mir Uschi per SMS schon mitgeteilt hatte, dass es zum Schluss etwas eng würde. Das wurde es! Mir fiel auf, dass die Passanten erstaunt guckten, aber ich war überzeugt davon, dass alles richtig ist. Die Straße Richtung Marktplatz war zwar mit Gegenverkehr, aber so schmal, dass zwei Autos nicht mehr aneinander vorbei passten, zumal auf der einen Seite PKWs parkten und auf der anderen alle paar Meter Begrenzungspfosten standen. Hmmm!!! Drehen ging nicht, rückwärts fahren erst recht nicht, also Augen zu und durch! Die Straße war zum Glück nicht sehr lang und alle Entgegenkommenden waren verständnisvoll oder zumindest geduldig und freundlich und quetschten ihr Auto in die Lücken zwischen den Pfosten. Ich habe aber auch eindeutig einen Bonus. Zuerst sieht man nur ein größeres Wohnmobil und regt sich (vielleicht) auf. Dann sieht man eine einzelne, ältere Frau im Fahrerhaus. Weibliche Fahrer sind dann in der Regel voller Bewunderung, männliche vielleicht eher voller geringschätzigem Mitleid, auf jeden Fall bekomme ich meistens ein Lächeln zurück, wenn ich mich bedanke. Smiley

Tönning Ich fuhr mitten über den Marktplatz und eine kleine Straße zum Deich hoch. Als ich um die Kurve biegen wollte, sah ich am Ende Sperrpfosten. Mein CoPi meinte, dass ich am Ziel sei. Rechts oder links? Ich entschied mich für rechts, vor dem Gebäude am Ende des Zufahrtsweges könnte ich zur Not wohl drehen. Ganz zum Schluss sah ich ein geparktes Wohnmobil und tatsächlich ging es hinter dem Gebäude rechtwinklich auf den Platz. Uschi war ganz erstaunt, als sie Oscarlotta hörte bevor sie sie sah, denn die eigentliche Zufahrt war natürlich ganz woanders.

Der Stellplatz gehört zu dem Campingplatz „Comfort-Camp Eider“. Es gibt sogar zwei voneinander getrennte Stellplätze, beide mit Blick auf die Eider, der eine etwas kleiner (33 Plätze) für etwas kürzere (bis 7m) Mobile, der andere mit 52 Plätzen auch für lange Mobile. Dort hatte Uschi uns zwei Plätze am Rand ausgesucht, wobei mein Platz wegen der Zufahrt zur ersten Reihe besonders breit war, sodass ich Oscarlotta quer stellte. In der ersten Reihe kosten die Plätze €14 statt €12, das macht im Sommer sicher Sinn, aber nicht jetzt. Wir sahen auch so genug.

Tönning

Bezahlen muss man an einem Kassenterminal ausschließlich mit Karte. Das ist nicht sonderlich kompliziert, aber etwas zeitaufwändig, weil man seine sämtlichen Daten incl. eMail-Adresse eingeben muss und das Drücken einer Taste nicht zwangsläufig auch einen Buchstaben auf dem Display ergibt, was man aber natürlich erst merkt, wenn man schon weitergeschrieben hat. Zwinkerndes Smiley Man bekommt eine Platzübersicht angezeigt, auf der auch ersichtlich ist, ob der ausgewählte Platz evtl. bereits reserviert ist und so wurde auch noch einmal klar, dass mein Platz wirklich so groß ist. Fein! Dann hatte ich einen schönen Blick durch meine Seitenfenster auf die Eider.

Tönning Um 20:25 klopfte es bei mir! Ob ich mein Mobil bitte anders hinstellen könnte!? Es ergab sich ein Argumentieren in alle Richtungen. Ja, es sei nur ein Platz. Ja, es würde so eindeutig mehr Platz zum Durchfahren bleiben. ABER – wenn ein Mobil quer stehen würde, dann würden sich andere auch quer stellen. Ich möge doch also bitte… Okay Enttäuschtes Smiley aber erst am nächsten Mittag! Da musste ich dann ziemlich weit auf Kante fahren, weil ich sonst mit dem Fahrradträger nicht weit genug über die Böschung gekommen wäre. Wenn ich vorwärts eingeparkt hätte, hätte hinter mir jedes ankommende Mobil unter tiefhängenden Ästen durchgemusst. Also eindeutig kein Platz für ein längeres Fahrzeug, außer es darf quer stehen!!! Auf der rechten Seite war jetzt von den Ausmaßen her ein ganzer Platz frei und prompt stellte sich im Laufe des nächsten Abends dort jemand hin. Das wird in der Hauptsaison schätzungsweise dauernd passieren. Am Kassenautomaten stellen die Leute dann allerdings fest, dass es für ihren Platz keine Nummer gibt und sie somit nicht bezahlen können und auch keinen Strom bekommen! Wenn der Platz voll ist, sicher eine gern genutzte Gelegenheit, umsonst zu stehen. Da muss der Betreiber dann also auch diskutieren. Könnte man es nicht so kennzeichnen, dass klar ist, DIESER Platz ist extra für ein großes Mobil? Alle anderen Plätze waren sowieso mit Linien begrenzt und die in der ersten Reihe bestanden aus geschotterten Fahrspuren und daneben Rasenflächen für Tisch und Stühle. Wer stellt sich da quer?

Wir unternahmen einen Erkundungsgang. Direkt an der Eider führt ein asphaltierter Rad- und Fußweg bis zum Hafen und in die andere Richtung schätzungsweise bis zum Eidersperrwerk.

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Tönning Der Hafen war mal sehr bedeutsam und stark frequentiert. Er wurde 1613 in seiner heutigen Form gegraben und bot einen Anlegeplatz für die Schiffe, die Eiderstedts landwirtschaftliche Produkte nach ganz Westeuropa brachten. Tönnings Blüte als Stadt begann, als Einwanderer aus den Niederlanden für einen starken wirtschaftlichen Aufschwung sorgten. Sie führten vor allem die Käseproduktion im großen Stil ein, Tönning wurde wichtigster Ausfuhrhafen. Im Rekordjahr 1610 gingen drei Millionen Pfund Käse durch den Tönninger Hafen. Im Schnitt der Jahre 1607 bis 1624 waren es 2,7 Millionen Pfund jährlich. Die direkte Nähe zur Nordsee brachte der kleinen Hafenstadt viele Vorteile. Von 1803 – 1807, während des Krieges zwischen Frankreich und England, war der Hamburger Hafen von den Briten blockiert. Dies hatte zur Folge, dass die wichtigsten Waren über Tönning geschickt wurden. Zu Spitzenzeiten musste der kleine Hafen im Jahr mit 2.000 Schiffen rechnen. Herzog Adolf von Schleswig-Holstein-Gottdorf baute die Verkehrswege aus. Während Tönning aus dem Hinterland vorher nur über Kleiwege erreichbar war, die bei Nässe unpassierbar wurden, baute er kleinere Kanäle nach Garding (Süderbootfahrt von Garding nach Katingsiel mit Abzweig nach Tönning) und nach Tetenbüll (Norderbootfahrt), während gleichzeitig bessere Entwässerungstechniken in der Gegend die Erträge der Landwirtschaft verbesserten. Im 17. Jahrhundert passierten jährlich 60.000 Pfund Weizen den Hafen, dazu kamen größere Mengen lebender Tiere, Fleisch und Wolle. Ein ehemaliger Speicher, das denkmalgeschützte große Packhaus aus dem Jahr 1783, erinnert an die Zeit des Eider-Kanals, der am 18. Oktober 1784 als Vorläufer des Nord-Ostseekanals eröffnet wurde. Der zwischen Rendsburg und Kiel gebaute Kanal verband über die Eider erstmals die Nordsee mit der Ostsee über eine Verbindung, die für Seeschiffe passierbar war. Tönning als ein Binnenhafen vor der offenen Nordsee profitierte durch Schiffe, die hier anlegten und sich für die weitere Fahrt durch die Nordsee oder durch den Kanal und die Ostsee ausrüsteten. Unmittelbar im Anschluss an den Kanalbau entstanden eine Lohgerberei, eine Reepschlägerei, Stärkefabriken, zwei Brauereien und eine Ziegelei. Die Tönninger Händler selbst besaßen zwar keine Schiffe, waren aber erfolgreiche Schiffsaufkäufer und -makler. (Quelle: Wikipedia)
Es muss ein reges Treiben in der Stadt gewesen sein. Mit dem Bau des Nord-Ostsee-Kanals veränderte sich alles und seit dem Bau des Sperrwerkes ist auch der Fischereihafen nach dort verlegt worden. Jetzt ist der große alte Hafen nur noch im Sommer voll mit Sportbooten. Reizvoll ist er aber immer noch, mit seinen schönen Häusern auf der einen Seite

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und dem riesigen alten Packhaus auf der anderen. Das war weihnachtlich geschmückt in Form eines riesigen Adventskalenders, angeblich dem größten der Welt.

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Passend zur Kaffeezeit kamen wir an einem kleinen Lokal vorbei, Spezialität gefüllte Riesenwindbeutel! Sie lagen in der Auslage und Uschi entschied sich spontan dagegen, obwohl sie Windbeutel und Sahne liebt. Ich wollte aber einen haben! Als Füllung gab es alles mögliche, ich wählte Pflaumenmus und Baiser. Sahne war immer dabei. Es dauerte eine Weile und dann kam die Kellnerin hiermit: Erstauntes Smiley

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Die Nachbarn lachten und wir staunten! Es schmeckte köstlich, aber wenn Uschi mir zum Schluss nicht noch geholfen hätte, wäre mir schlecht geworden! Verwirrtes Smiley

Die Ausstellung im Packhaus besuchten wir am Samstag. Da sie sich über zwei Etagen erstreckte, verlief der Besucherstrom sich ganz gut. Das ganze Gebäude war auch von innen sehr schön geschmückt, das Angebot war groß, aber wir brauchen ja immer nichts bzw. können nichts gebrauchen!

Tönning ist ein wirklich nettes, kleines Städtchen, wir waren positiv überrascht.

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Bei der Abreise nahm ich dann die offizielle Zufahrt zum Platz und fuhr über etwas breitere Straßen aus der Stadt hinaus. Cooles Smiley

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Der nördlichste Punkt

auf unserer Reise-Landkarte, zumindest für dieses Jahr, ist Husum. Wir hatten kurz überlegt, noch einen Abstecher nach Flensburg zu machen, haben uns aber dagegen entschieden. Und noch weiter hoch wollten wir nicht. Klar wäre Sylt mal wieder schön, da waren wir vor vielen Jahren, noch mit unseren vorherigen Wohnmobilen, mal über Silvester. Aber der Sylt-Shuttle nimmt seit längerem keine Wohnmobile mehr mit, die nicht auf die Doppelstockeinheiten passen. Und da fällt mindestens Oscarlotta raus! Der Grund ist, dass größere Mobile und auch Wohnwagen auf den einstöckigen Waggons entgegen der Fahrtrichtung befördert werden müssen und da hat es Probleme mit Dachluken und Panoramafenstern gegeben, die dem Fahrtwind nicht standgehalten haben. Also bleibt nur der Weg über Dänemark und von Rømø aus per Fähre nach List.

Vielleicht machen wir das irgendwann noch einmal, nach Rømø wollen wir sowieso mal wieder, aber eben nicht jetzt.

Also Husum! Die Adventszeit hatte begonnen und die graue Stadt am Meer war gar nicht so grau! Das, was die Sonne nur ganz selten schaffte, erledigte die Weihnachtsbeleuchtung am Abend spielend.

HusumHusum

Es gibt einen Wohnmobilstellplatz in fußläufiger Entfernung zur Innenstadt. Noch kürzer ist es zum Binnenhafen, quasi nur einmal über die Hauptverkehrsstraße, die ca. 200m entfernt unhörbar vorbeiführt. Der Stellplatz gehört zu einem Fischgeschäft mit Restauration. Die 1. Nacht kostet €12, enthalten ist ein Verzehrgutschein über zwei Euro. Jede weitere Nacht kostet €10. Wenn man länger bleiben möchte, als man bezahlt hat, kann man nicht verlängern, sondern fängt wieder mit €12 an. Das ist aber nicht schlimm, denn man kann den Gutschein auch einlösen, wenn man sich von den äußerst leckeren Fischsalaten etwas mitnimmt. Oder zwei Fischfrikadellen = zwei Euro! Laut lachen

HusumHusum

Husum ist nicht sehr groß, aber mit einem überraschend umfangreichen Angebot an den verschiedensten Geschäften. Ganz neu gibt es sogar eine kleine Einkaufspassage mit ein paar netten Läden und einem großen, gut sortierten Edeka-Markt. Der Weihnachtsmarkt allerdings war etwas enttäuschend, weil er überwiegend aus Buden mit Essen und Trinken besteht.

HusumHusumHusumHusum

Entschädigt wurden wir dann am Wochenende, da fand in einem Speicherhaus ein Handwerkermarkt statt. Klein, aber fein! Verliebt

HusumHusumHusumHusum

Wir haben Freunde in Husum und so kamen wir in den Genuss einer sonntäglichen Ausflugsfahrt nach Friedrichstadt mit einem kleinen Umweg zum Wattenmeer.

am Deich

Auch Friedrichstadt hatte sich schön herausgeputzt, wobei es sich aber nicht besonders anstrengen muss. Die wunderschönen Giebelhäuser im holländischen Stil begeistern zu jeder Jahreszeit, uns auf jeden Fall. Ja, richtig, unser aktuelles Headerfoto zeigt Friedrichstadt! Hat Uschi mit ihrem Huawei-Smartphone gemacht. Ich liebe mein iPhone ja, aber Nachtaufnahmen kann es wirklich nicht besonders gut. Enttäuschtes Smiley Das soll bei den neuesten Modellen ja besser geworden sein, aber €1300 ist mir eindeutig zu teuer. Und das ist noch nicht einmal die Obergrenze! Erstauntes Smiley

FriedrichstadtFriedrichstadtFriedrichstadtFriedrichstadtFriedrichstadtFriedrichstadtFriedrichstadtFriedrichstadt

Es gefiel uns so gut in Nordfriesland, dass wir um zwei Nächte verlängerten. Am Wochenende war der Platz, der 30 Wohnmobile aufnehmen kann, VOLL!!! Okay, erstes Adventswochenende, Husum ein touristisches Highlight, aber Anfang Dezember??? Wo soll das denn noch hinführen? Da wird einem ja Angst und Bange! Wir fahren ja schon nicht (mehr) ans Mittelmeer, weil wir solch ein Gedrängel nicht mögen und jetzt geht das hier im Winter auch schon los?!?! Zum Glück ist es unter der Woche besser, aber insgesamt sind auch da viel mehr Wohnmobile unterwegs als früher. Aber irgendwie müssen sich die weiterhin explodierenden Verkaufszahlen ja bemerkbar machen. Trauriges Smiley

HusumHusumHusumHusum

Es gibt am Platz eine etwas einfache, aber funktionale Ver- und Entsorgungsstation und ein kleines Sanitärgebäude. Dafür bekommt man gegen Pfand einen Schlüssel. Pfandgebühr 50 Euro! Auf unsere erstaunte Reaktion wurden wir darüber aufgeklärt, dass bei „nur“ €20 Pfand alle hundert neu angefertigten Schlüssel binnen kürzester Zeit in alle Himmelsrichtungen verschwunden waren, so wie die davor auch schon. Cooles Smiley

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Schacht AudorfWir verabschiedeten uns von der Ostsee, aber es ist ja nicht für lange. Wir haben nämlich in Thiessow auf Rügen für das Frühjahr schon wieder reserviert! Smiley Als nächstes Ziel hatten wir als Übergang von der Ostsee zur Nordsee den Nord-Ostsee-Kanal ausgewählt, und zwar den Stellplatz in Schacht-Audorf. Der ist im Sommer sehr beliebt, weil man, wenn man das Glück hat, in der ersten Kanalreihe einen Platz zu ergattern, die teilweise riesigen Frachtschiffe oder auch Luxusliner aus nächster Nähe vorbeischwimmen sehen kann. Bisher hatten wir dieses Glück noch nicht, aber jetzt! Auch hier waren wir nicht die einzigen Reisemobilisten, aber wir hatten keine direkten Nachbarn und konnten so wunderbar auf den Kanal sehen. Direkt nebenan gibt es eine kleine Fähranlage, die zwei Fähren fahren unermüdlich vom einen Ufer zum anderen. Besonders schön anzusehen war das bei Dunkelheit.

Schacht-AudorfSchacht-Audorf

Der Nord-Ostsee-Kanal erspart seit mehr als 100 Jahren allen Schiffen den langen Weg um die Nordspitze Dänemarks. Es ist die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt, bis zu 162m breit und 11m tief. Was für eine Meisterleistung des 19. Jahrhunderts! Bis zu 8900 Arbeiter bewegten über einen Zeitraum von 8 Jahren ca. 80 Millionen Kubikmeter Erde!!! Der Kanal hatte in dieser ersten Ausbaustufe allerdings „nur“ eine Breite von 67m und eine Tiefe von 9m. Im Gegensatz zu so manchem Großbauprojekt von heute wurden die veranschlagten Baukosten von 156 Millionen Mark nicht überschritten, was bemerkenswert ist! 2018 passierten knapp 30000 Schiffe den Kanal, von Brunsbüttel auf der einen Seite bis fast 100km weiter nach Kiel oder umgekehrt.

NOK

Fahrzeit etwa 8 Stunden bei einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 15km/h. Auf „dieser Seite“ kann man nachverfolgen, welche Schiffe gerade auf dem Kanal unterwegs sind. Oder man beobachtet das Geschehen über eine der 5 Webcams. 10 Brücken überspannen ihn, so hoch, dass auch Schiffe mit bis zu 40m hohen Aufbauten hindurchpassen. Die imposanteste Kanalbrücke ist die Rendsburger Eisenbahnhochbrücke, die 42m hohe Stahlkonstruktion wurde von 1911 bis 1913 erbaut und gilt noch heute als eine der bedeutendsten und größten Brücken Europas. Wie zur damaligen Zeit üblich, ist die gesamte Brücke genietet. 3,2 Millionen Eisen-Nieten halten 17.740 Tonnen Stahl zusammen! Die integrierte Schwebefähre, eine von nur noch 8 existierenden weltweit, wurde 2016 von einem vorbeifahrenden Schiff so schwer beschädigt, dass sie nicht repariert werden konnte. Eine Neukonstruktion sowohl der Aufhängung mit dem Antrieb als auch der Fährgondel ist in Arbeit und die Fertigstellung ist für 2020 geplant. Kosten rund 11 Millionen Euro! (Quelle: Wikipedia)

Schiffe kommen immer über einen längeren Zeitraum keine oder aber mehrere auf einmal. Das liegt daran, dass sich an beiden Seiten des Kanals große Schleusenanlagen befinden. Beim ersten größeren Schiff stürzte ich nach draußen, um Fotos zu machen. Leider war es wieder grau und nieselig, keine guten Voraussetzungen für Fotos. Das Ergebnis macht trotzdem deutlich, wie es aussieht, wenn ein Schiff an den Wohnmobilen vorbeizieht.

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Viel imposanter war es dann allerdings bei dem nächsten Schiff ein paar Minuten später. Da fuhr ein Hochhaus an uns vorbei! Erstauntes Smiley

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Bei Dunkelheit hört man ein herannahendes Schiff lange, bevor es sichtbar wird und man kann auch gut unterscheiden, ob es ein kleines, ein mittelgroßes oder ein richtig großes ist. Dann schiebt sich irgendwann eine große schwarze Wand neben dem Mobil entlang, bevor die beleuchteten Schiffsabschnitte kommen. Die Brücke ist meistens so hoch, dass man sie nur sieht, wenn man direkt am Fenster steht oder wenn das Schiff schon ein Stück weiter ist.

Schacht Audorf Uns hat es gefallen! Der Stellplatz hat übrigens 41 parzellierte Stellflächen und kostet €12,50/Nacht (zu zahlen am Automat mit Karte oder Münzen). In der Saison ist der maximale Aufenthalt auf drei Nächte begrenzt. Es gibt Stromsäulen, eine VE-Station, Müllbehälter und Sanitärcontainer sowie Einkaufsmöglichkeiten in fußläufiger Entfernung.
Außer in Schacht-Audorf gibt es noch weitere Wohnmobilstellplätze am NOK.

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

4 KostNixe zur Auswahl

 

Am Montag (letzter Woche) fuhren wir weiter. Wismar stand zur Auswahl oder Travemünde oder Lübeck. Entschieden haben wir uns dann für Scharbeutz. Smiley Dort war ich allein im Januar 2017, als ich nach unserer USA/Kanada-Tour über den Winter im Norden geblieben war. Uschi kannte Scharbeutz noch nicht und da es mir damals auf dem Stellplatz gut gefallen hatte, fuhren wir dort hin. Der „Ostseestrand Ferienpark Scharbeutz“ ist eine Kombination aus Campingplatz und Wohnmobilstellplatz und Ferienhausanlage. Das Drumherum (Rezeption, Sanitäranlagen) entspricht eher dem Standard eines Campingplatzes, die Größe der Stellflächen ist aber eindeutig Stellplatz. Auch hier ist es, wie so oft, zur Hauptsaison bestimmt nicht mehr lustig! Wenn nicht alle Mobile in derselben Richtung einparken (und das passiert sicher nicht), gibt es von Fahrer- zu Fahrerseite nicht einmal mehr zwei Meter Abstand. Augen rollendes Smiley Jetzt war alles gut, es kamen am Wochenende zwar erstaunlich viele Wohnmobile, aber die blieben fast alle im vorderen Bereich. Das mag an der Beschaffenheit der Zufahrtswege gelegen haben, die bestanden nämlich überwiegend aus wassergefüllten Schlaglöchern. Der gesamte Platz stand mehr oder weniger, eher mehr, unter Wasser. Kein Wunder bei einem Grundwasserspiegel von 60cm unter der Rasenoberfläche. Da weiß das Regenwasser nicht mehr, wohin es soll. Einige Plätze waren ein einziges Schlammloch! Wir fanden dennoch zwei akzeptable, direkt neben der WLAN-Antenne und organisierten uns zwei Holzpaletten von den leeren Nachbarplätzen.

ScharbeutzScharbeutz

Vor drei Jahren hatte ich noch €10/Nacht bezahlt, es war aber damals schon klar, dass die Preise erhöht werden würden. Jetzt bekommt man dafür nur noch einen sogenannten Bulli-Platz mit 6,50m Länge. Die normalen Wohnmobilplätze kosten €15 und größere Wohnwagenplätze fangen bei €25 an. Das alles sind die absoluten Nebensaisonpreise! In der Zwischensaison erhöhen sie sich alle um €5 und in der Hauptsaison auch noch einmal, die Wohnwagenplätze sogar um €9.

Stellplatz an der Rügenbrücke Stralsund Eine Besonderheit, die mir schon vor drei Jahren gut gefallen hatte und die es immer noch gibt, sind drei KostNix-Smarts in rot, gelb und silber und ein Viersitzer-Hyundai, die man stundenweise kostenfrei ausleihen kann, um einkaufen zu fahren oder eine Gasflasche im nahen Baumarkt zu tauschen. Gasflaschentausch gehört nämlich nicht zum Service. Dafür ist aber das WLAN ebenfalls kostenfrei. Leider konnten wir das nicht die ganze Zeit nutzen, am Donnerstag ging auf einmal nichts mehr! Ein Bagger, der in der Zufahrt zum Ferienpark arbeitete, hatte das Internetkabel erwischt und das, obwohl der Baggerführer extra die Pläne ausgehändigt bekommen hatte, um sehen zu können, wo die Kabel liegen. Sarkastisches Smiley

Bagger-DesasterBagger-DesasterBagger-DesasterBagger-DesasterBagger-Desaster

Da bei diesem Ferienpark so gut wie alles über Internet funktioniert, fielen u. a. die Stromzähler aus. Wir bezahlten also nur unseren Verbrauch bis einschließlich Mittwoch! Ein kWh kostet übrigens nur 49 Cent. Alles andere ist im Stellplatzpreis enthalten, es gibt eine VE-Station im Bereich der Rezeption und sehr schöne Sanitäranlagen mit Einzeltoiletten und kompletten Badezimmern mit Dusche, Waschbecken und Toilette, außerdem Waschmaschinen und Trockner und Gemeinschaftsküchen mit Essecken. Alles nett gemacht und sauber, ob die Menge allerdings bei Vollbelegung ausreicht, ist fraglich.

Zum Strand sind es nur ein paar Meter und in den „Ort“ führt einen schöner Promenaden-Holzweg, an dessen Ende sich einige Geschäfte, Boutiquen und Restaurants ansammeln, außerdem ein kleiner Kurpark und natürlich die Seebrücke. Früher galt der November in der Touristikbranche mal als „toter“ Monat, das scheint nicht mehr so zu sein. Speziell an den Wochenenden waren jede Menge Urlauber unterwegs und das waren nicht nur Tagesausflügler. An unserem letzten Abend gingen wir noch zu Gosch/Sylt, der hier eine Niederlassung hat, essen und der Laden war brechend voll! Erstauntes Smiley

Gosch in ScharbeutzFisch auf dem Trockenen

Leider hatten wir nicht so viel Glück mit dem Wetter, es war überwiegend grau. Deswegen beschränkten sich unsere Aktivitäten auf zwei Einkaufsfahrten mit Smart und ein paar Gänge am Strand und auf der Promenade. Die Lichtverhältnisse luden nicht zum Fotografieren ein. Es gibt lediglich noch einige Fotos der verschiedenen Ferienhäuser, die ebenfalls zum Platz gehören. Die Anlage ist seit 2017 um einige Häuser gewachsen und sehr ansprechend gestaltet. Es hieß damals, dass mit Miethäuschen am allermeisten verdient werden kann. Es musste nur noch gewartet werden, bis die letzten Dauercamperverträge ausgelaufen waren.

„Ostseestrand Ferienpark Scharbeutz“„Ostseestrand Ferienpark Scharbeutz“„Ostseestrand Ferienpark Scharbeutz“„Ostseestrand Ferienpark Scharbeutz“„Ostseestrand Ferienpark Scharbeutz“„Ostseestrand Ferienpark Scharbeutz“„Ostseestrand Ferienpark Scharbeutz“

Ich habe es noch nicht einmal geschafft, ein Foto von unseren beiden Mobilen zu schießen, da ich immer auf besseres Wetter gewartet habe. Am Abfahrtstag (Montag dieser Woche) blieb mir nichts anderes mehr übrig, aber da war Uschi dann schon weg. Cooles Smiley

mein PlatzUschis Platz

Und nicht vergessen: Morgen beginnt Oscarlottas Adventskalender!!!

Einladung Adventskalender 2019

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Auf dem Bauhof in Rerik

 

Unser nächstes Ziel war Rerik. Das liegt ganz zu Beginn (im Westen) der Küste, an der sich die bekannten Seebäder wie Kühlungsborn, Heiligendamm, Nienhagen und ganz im Osten Warnemünde befinden. Kennen wir alles, nur Rerik noch nicht. Wir entschieden uns für den Campingplatz. Pardon, CampingPARK! Zwinkerndes Smiley Ortsnah, nicht weit zum Strand, ganzjährig geöffnet, bezahlbar – und – es gibt einen separaten Wohnmobilstellplatzbereich mit 35 Plätzen außerhalb des eigentlichen Platzes. Uschi fuhr wie immer vor und wollte vor Ort entscheiden, wo wir schöner stehen. Jetzt in der Nebensaison kommt es preislich auf das gleiche heraus (€12/Nacht), ob man innerhalb des Campingparks steht oder eben auf dem Stellplatz. Es wurde dann der Stellplatz, weil es dort 1. fast leer war und 2. man in der Ferne zwischen den Bäumen hindurch ein Stück Ostsee erblicken konnte. Wir entschieden uns, erst einmal 3 Nächte bis zum Donnerstag zu bleiben. Wäsche waschen war mal wieder angesagt. Hierfür und zum Duschen erhält man gegen 5 Euro Pfand eine Karte, auf die man einen beliebigen Geldbetrag aufbuchen lässt. Waschmaschine und Trockner kosten je €3, beim Duschen werden alle 2 Sekunden 1 Cent fällig. Da muss man erst einmal rechnen! Die Karte bleibt auf einem Lesegerät in der Duschkabine liegen, es gibt einen stop-and-go Knopf zur Wasserregulierung. In Thiessow konnte man auch stoppen und zwei Minuten kosteten 50 Cent. Mit zwei Minuten komme ICH mit Haare waschen nicht aus, vier Minuten reichen mir so gerade eben. Ich rechnete aus, dass hier in Rerik fünf Minuten €1,50 kosten würden, aber mit der stop-and-go Funktion verbrauchte ich dann doch nur einen Euro und konnte trotzdem alles ganz in Ruhe erledigen. Das Geld, das man nicht verbraucht hat, bekommt man bei Abgabe der Karte wieder vergütet.

Rerik

Wir liefen am nächsten Tag bei Sonnenschein zum Meer. Der Weg dorthin führt ein kleines Stück die Straße in den Ort entlang und biegt dann ab zu einem Parkplatz. Von dort aus gibt es zwei Möglichkeiten, entweder eine lange Treppe zum Strand hinunter oder oberhalb der Steilküste auf einem kleinen Pfad bis in den Ort bzw. zur Seebrücke. Am Strand zu laufen war etwas beschwerlich, der Sand war nicht fest und es gibt sehr viele Steine.

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Rerik selbst bietet nur im Sommer etwas. Es gibt einen schönen Hafenbereich, an dem sich Restaurants, Eisdielen und Geschäfte befinden, die jetzt natürlich schon fast alle geschlossen waren.

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Ein geöffnetes Café mit sensationell leckerem Käsekuchen aus eigener Herstellung (22 verschiedenen Variationen, allerdings nicht gleichzeitig, zumindest nicht jetzt in der Nachsaison) haben wir dann zum Glück noch gefunden und einen überraschend gut sortierten Edeka-Markt. Wir beschlossen, bis zum Sonntag zu verlängern. Der Rezeptionist stand mit seiner Familie an der Kasse vor uns und wir teilten ihm unseren Entschluss schon einmal mit. Smiley

Am nächsten Tag stellte sich dann allerdings heraus, dass die Entscheidung für den Stellplatzbereich vielleicht doch nicht die beste war. Ich wurde geweckt von rhythmischem Männergeschrei. Was machten die??? Ich war noch viel zu müde, um nachzuschauen und versuchte, weiterzuschlafen. Das gelang mir aber nur mittelmäßig. Beim ersten Blick aus meinem Schlafzimmerfenster sah ich Männer, die die Bespannung der großen Mehrzweckhalle auswechselten. Die alte lag schon großflächig direkt vor unseren Mobilen, die neue wurde Zentimeter für Zentimeter über das Gestell gezogen. Am nächsten Morgen holte ein Gabelstapler die vorher direkt neben meinem Bett lautstark zu einem großen Paket zusammengelegte alte Hallenabdeckung ab. Am Nachmittag fing ein Bagger an, Sand zu verteilen. Im Dauercamperbereich direkt nebenan sollten neue Stellplätze entstehen. Der Sand war bei uns abgeladen worden. Wir überlegten, in den Campingplatz umzuziehen, aber der Baggerfahrer versicherte Uschi, dass er am nächsten Tag nicht arbeiten würde, da er zum 70. Geburtstag seines besten Freundes eingeladen sei. Wir blieben also stehen. Am nächsten Morgen um 7:15 Uhr (!) schreckte mich ein lauter metallischer Knall aus meinen Träumen. Was um alles in der Welt war das nun wieder??? Uschi, die auch davon geweckt worden war, klärte mich später auf. Ein LKW mit Kippvorrichtung hatte Erde abgeladen! Grrrrr… Zähnezeigendes Smiley Natürlich fuhr am Nachmittag auch der Bagger wieder, mit einem anderen Fahrer! Jetzt war aber schon Freitag und wir hofften einfach, dass am Samstag nicht gearbeitet werden würde. Dem war dann auch so. Es ist uns schon klar, dass solche Arbeiten in der Nach- oder Vorsaison erledigt werden müssen, aber vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, uns bei unserer Ankunft darüber zu informieren. Trotz alledem hat es uns gut gefallen, vor allem, weil wir die meiste Zeit allein auf dem Platz standen. Der Strompreis war mit €1 für 3kWh sehr günstig und im Gegensatz zu Barth wurde genau angezeigt, wieviel Restguthaben noch vorhanden war. Das nützte ich, um mal festzustellen, wieviel mein Kühlschrank verbraucht, wenn er auf Strom läuft. Die Idee entstand, als ich beim Aufstehen kein Gas mehr hatte, aber nicht im Nachthemd raus wollte, um die Flasche zu tauschen. Also stellte ich den Kühlschrank auf Strom um. Als kurze Zeit später der Strom auch aufgebraucht war, beschloss ich, den Kühlschrank vier Stunden mit Strom und vier Stunden mit Gas laufen zu lassen und die entsprechenden Zählerstände miteinander zu vergleichen. Aus der Differenz errechnete ich einen Verbrauch von ziemlich genau 1kWh/24Std. für den Kühlschrank. Diese Berechnung ist allerdings insofern nicht ganz exakt, als ich während der zwei Testphasen nicht die gleichen Bedingungen hatte (Heizung, Licht, Computer). Ich werde es bei passender Gelegenheit noch einmal wiederholen und dann im Sommer auch noch einmal.

Der Campingpark Rerik hat wie Thiessow auch interessante Langzeitangebote für das Frühjahr und den Herbst, jeweils €345 für 6½ – 7 Wochen, incl. 2 Erwachsene (etwas teurer als Thiessow) und ein wirklich superpreiswertes Winterangebot von €350 für den Zeitraum 1. November bis 31. März. Das sind gerade mal €2,30/Tag!!! Da würde man in Thiessow schon für nur eine Person mehr als das Doppelte bezahlen. Im Jahresschnitt bietet Rerik für €1400 Jahresgebühr (Dauerstellplatz von Anfang April bis Ende Oktober) allerdings zwei Monate weniger als Thiessow für den gleichen Betrag, wenn man sich dort von Angebot zu Angebot hangelt (für eine Person berechnet). Es ist ganz gut, so etwas im Hinterkopf zu behalten, man weiß ja nie… Cooles Smiley

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

An der Peripherie von Rügen

 

Stellplatz an der Rügenbrücke Stralsund Oscarlotta ist wieder upgedatet, nicht nur HU und AU ohne Beanstandungen, sondern auch zwei neue Bordbatterien sind an Bord. Smiley Um kurz nach 8 (!) Uhr war ich bereits an der Werkstatt, die nicht allzu weit vom Stellplatz an der Rügenbrücke entfernt ist. Oscarlotta wurde sofort zur Abgasuntersuchung gebracht und ich wartete in der Aufenthaltsecke auf Uschi, die um halb zehn mit frischen Brötchen zum Frühstück nachkam. In Boxi saß es sich dann etwas gemütlicher und einen Kaffee gab es auch! Es dauerte dann allerdings noch bis 12 Uhr, bis der Meister Bescheid sagte, dass nach der Mittagspause um halb eins die Batterien dran seien. Ich hatte darum gebeten, eine Viertelstunde Vorlauf und ein Eckchen in der Werkstatthalle zu bekommen, da einiges aus der Heckgarage ausgeräumt werden musste. Die Batterien sitzen nämlich in einem Fach im Doppelboden. Uschi half mir, wir klappten den Fahrradträger mit den Rädern um und räumten den Zugang von der hinteren Heckklappe aus frei. Meine Überlegungen und Bedenken im Voraus bezüglich der Solarregler, die nicht ohne Anschluss an den Batterien arbeiten sollten, erübrigten sich erfreulicherweise. In der Halle war es so dunkel, dass die Regler sich bereits ausgeschaltet hatten. Vorsichtshalber wurden trotzdem nicht beide Akkus gleichzeitig abgeklemmt, sondern einer nach dem anderen. Der Werkstattmensch meinte, wenn die neuen Akkus auch wieder 12½ Jahre halten, dann wäre sicher vorher schon ein neues Wohnmobil fällig. Ich meinte, dass nicht sicher sei, ob ICH die 12½ Jahre noch durchhalte. Das ist auch eine neue Erfahrung, dass man so langsam anfängt, sich zu fragen, wie lange man dieses Leben noch so führen kann. Und was danach kommt. Eine nette Angestellte beim LPG tanken, mit der sich ein längeres Gespräch entwickelte, weil sie mich fragte, ob ich alleine unterwegs sei, meinte, es wäre notwendig, einen Plan B zu haben. Den gibt es aber erst in Fragmenten und er lockt mich auch nicht sonderlich. Enttäuschtes Smiley

Doch zurück zur Werkstatt! Als ich mit dem Mechaniker über meine Aufbautür reden wollte, stellte ich überrascht fest, dass der untere „Tannenbaum“ bereits wieder angeschraubt war. Ein probeweises Schließen und Öffnen der Tür ergab, dass sie sich mit dem kleinen Finger öffnen ließ!!! Daumen hoch Hartal hatte mir per eMail mitgeteilt, dass entweder die Scharniere abgeschraubt und neu eingestellt oder die „Tannenbäume“ etwas schräg gestellt werden müssten. Letzteres wurde gemacht und zumindest im Moment scheint es das Problem zu beheben. Ich hoffe, es bleibt dabei! Ach ja, neue Wischerblätter waren auch schon montiert und sogar das rechte wischt AUF der Scheibe. Ich hoffe, es…

Bis die Heckgarage wieder komplett eingeräumt war und Oscarlotta aus der Halle fahren durfte, wurde es 14 Uhr. Langsam merkte ich, dass ich in der Nacht zuvor viel zu wenig Schlaf bekommen hatte und so war ich nur noch in der Lage, zum Stellplatz zurückzufahren.

Weil das Wetter seit Sonntag regnerisch war, hatten wir es noch nicht in die Stralsunder Innenstadt geschafft und deswegen beschlossen, noch länger auf dem Stellplatz zu bleiben. Er liegt direkt neben der Rügenbrücke, wird von der Firma Caravan-Center Dahnke betrieben, ist mit €16 schon nicht mehr ganz preiswert und trotzdem im Sommer ständig voll. Trotz Schotterrasen stand der Platz großflächig unter Wasser! Ganz ruhig ist es dort nicht, aber man hat alles, was man braucht und ist in 20 Minuten zu Fuß in der Altstadt. Oder man fährt, so wie ich, für zwei Euro mit dem Bus, der direkt am Stellplatz hält.

Am Mittwoch regnete es nicht mehr, Uschi lief, ich fuhr und am Alten Markt trafen wir uns. Vor zwei Jahren konnten wir die St.-Nikolai-Kirche nicht besichtigen, da für den nächsten Tag der damals noch amtierende Bundespräsident Gauck zu Besuch erwartet wurde und man noch putzen musste! Smiley mit geöffnetem Mund Diese Kirche haben wir das erste und bisher einzige Mal 2002 von innen gesehen und waren damals schon sehr angetan von den Restaurierungsarbeiten, die sehr vielversprechend erschienen. Dieses Mal gelang es, uns von den Ergebnissen zu überzeugen. Es ist noch lange nicht alles fertig, aber das, was fertiggestellt ist, ist traumhaft schön! Dafür und damit es weitergeht, haben wir gerne die 3 Euro Eintritt gezahlt.

St.-Nikolai-Kirche StralsundSt.-Nikolai-Kirche StralsundSt.-Nikolai-Kirche StralsundSt.-Nikolai-Kirche StralsundSt.-Nikolai-Kirche StralsundSt.-Nikolai-Kirche Stralsund

Eine Astronomische Uhr gibt es auch, aber sie ist lange nicht so schön wie die in der Rostocker Marienkirche, obwohl sie von demselben Erbauer, dem Uhrmacher Nikolaus Lilienfeld, stammt. Und der hat nicht etwa erst die Uhr in Stralsund und dann die bedeutend aufwändigere in Rostock gebaut, sondern andersherum, Rostock 1379, Stralsund 1394. Die in Rostock funktioniert immer noch und hat vom November 2017 an ihre 5. Scheibe montiert bekommen. Jede Scheibe reicht nämlich „nur“ 133 Jahre! Damit hat sich auch unsere Frage von 2017 beantwortet, als wir in Rostock vor der Uhr standen, siehe „hier“. Zwinkerndes Smiley Die Astronomische Uhr in Stralsund läuft seit einer vermuteten Beschädigung im 16. Jahrhundert nicht mehr, ist in ihrem originären Zustand aber fast komplett erhalten und gilt deswegen als die älteste mechanische Uhr der Welt. (Quelle Wikipedia)

St.-Nikolai-Kirche StralsundSt.-Nikolai-Kirche StralsundSt.-Nikolai-Kirche StralsundSt.-Nikolai-Kirche StralsundSt.-Nikolai-Kirche Stralsund

In einer Nische warteten einige Krippenfiguren auf ihren nächsten Einsatz, ist ja schon bald…

KrippenfigurenKrippenfiguren

Nebenan, zwischen Kirche und Rathaus, entdeckten wir eine offenbar alte Passage. (Laut Wikipedia handelt es sich um das Gebäude einer der zwei erhaltenen Stadtwaagen von Stralsund aus dem 13. oder 14. Jahrhundert) Eine Büste des schwedischen Königs Gustav II. Adolf stand angestrahlt in einer der vielen Nischen. Geschichte gehörte früher nicht zu meinen Lieblingsfächern, es kann aber gut sein, dass ich schon von ihm gehört hatte. Cooles Smiley Er spielte im Dreißigjährigen Krieg eine tragende Rolle, da er u. a. durch seinen Kriegseintritt Stralsund im Jahre 1630 von der Belagerung durch die Truppen des Habsburger Kaisers Ferdinand II. befreite (mehr für Geschichtsinteressierte „hier“). Er war als Kriegsherr selbst an den Schlachten beteiligt und verstarb auf einer solchen 1632 mit gerade mal 38 Jahren. Trotzdem war er 21 Jahre lang auf dem schwedischen Königsthron, musste bereits mit 17 Jahren die Nachfolge seines Vaters antreten und dafür vorzeitig für mündig erklärt werden. Trotz der kriegerischen Zeiten muss genug Gelegenheit für (Fr)Essgelage gewesen sein, wie die Fotos beweisen. Und er sah viel älter aus als er nach Jahren war, finde ich!

Alte Stadtwaage StralsundAlte Stadtwaage StralsundGustav II. AdolfGustav II. Adolf

Wir hatten auch noch Zeit für unser leibliches Wohl und Junge gibt es in Stralsund (natürlich!) auch. Zwinkerndes Smiley

Bäckereicafé Junge StralsundBäckereicafé Junge Stralsund

Am Donnerstag bekam Uschi bzw. Boxi von den Monteuren der Firma Dahnke eine neue Wasserdruckpumpe eingebaut, da ihre alte sie seit Wochen mit unkontrolliertem und nicht nachvollziehbarem selbsttätigen Einschalten in unregelmäßigen Abständen nervte. Undichtigkeiten waren nicht auffindbar. Dahnke hat einen Reparaturterminvorlauf von mehreren Wochen, auch jetzt noch im November. Die neue Pumpe hatte Uschi schon von Thiessow aus telefonisch bestellt und bereits abgeholt, in der Hoffnung, dass die alte Pumpe noch eine Weile still hält. Als dem nicht so war, erreichte sie mit hartnäckiger Bitte um Soforthilfe dann doch, dass am nächsten Tag jemand zu ihr auf den Stellplatz kam. Wir finden, so etwas muss aber auch drin sein, wenn ein Stellplatz von einem Wohnmobilhändler mit angeschlossener Werkstatt betrieben wird.

Nach vollendeter Tat liefen wir nur noch zum nahegelegenen Rewe-Markt, der allerdings für unseren Geschmack nicht besonders gut sortiert war.

Barth

Am Freitag sind wir ein kleines Stück weitergefahren, bis in das Städtchen Barth. Es liegt am südlichen Ufer des Barther Boddens. Von seinem Hafen aus gibt es einen Schiffspendelverkehr nach Zingst, das quasi gegenüber liegt. Bestimmt eine schöne Tour, aber die Saison war natürlich schon vorbei.

BarthBarthBarth

Der Wohnmobilstellplatz liegt am Segler-Verein und bietet Platz für 30 Mobile. An der Slipanlage mit Blick auf Bodden und Hafen können allerdings nur ca. 5-6 Mobile stehen, die anderen müssen mit einem Grundstück ohne Wasserblick vorlieb nehmen. Zumindest im Winter ist das so, da ein Teil der Fläche von an Land gebrachten Booten eingenommen wird. Der Platz ist eher einfacher Natur, unparzellierte Rasenflächen, die jetzt schon recht schlammig waren mit tiefen Spuren von den Fahrzeugen, die die Boote über den Winter aus dem Wasser geholt hatten. Dafür kostet es aber auch „nur“ €12 und für einen Euro sollte es 3kWh Strom geben. Das war die Aussage der Hafenmeisterin, im Internet und in den diversen Stellplatz-Apps finden sich völlig widersprüchliche Angaben zu den Preisen und den Öffnungszeiten. Fakt ist, dass man immer nur einen Euro in den Stromautomaten einwerfen kann, worauf neben dem gewählten Anschluss eine Kontrollampe leuchtet. Leuchtet = Strom, leuchtet nicht = kein Strom! Nun wissen wir ja ziemlich genau, wie weit bei uns 3kWh reichen, bei mir 48 Stunden unter den schlechtesten Bedingungen, nämlich ohne Solarertrag bei nicht vorhandener Sonne. Am Freitag um 14 Uhr aktivierte ich meine Steckdose, am nächsten Mittag zeigte mein Panel kein Stromsymbol mehr an. Uschi verbraucht nicht so viel Strom, aber auch bei ihr leuchtete kein Lämpchen mehr. Also nachwerfen! Diesmal reichte der Euro von 13:30 bis Mitternacht! Ich hatte keine stromfressenden Verbraucher angeschlossen, mein Kühlschrank lief wie immer auf Gas. Am Sonntag schien die Sonne und ich gab der Solarladung den Vorrang. Trotzdem war am frühen Abend der Strom wieder weg! Bei Uschi war es ähnlich. Nach welchen Kriterien dieser Stromautomat agierte, wurde uns nicht klar. Weder 24 Stunden noch der Verbrauch von 1kWh wurden jeweils erreicht. Da über das Wochenende niemand erreichbar war, blieb uns nichts anderes übrig, als Geld nachzuwerfen. Bei mir wurden es dann insgesamt 5 Euro! Ja, ich hätte meine neuen Batterien testen können, aber meine Kaffeemaschine läuft nur mit 230V und das ist für mich ein schlagendes Argument! Smiley

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Der Hafenbereich ist recht hübsch gestaltet und in der Saison ist auch bestimmt einiges los. Jetzt war fast alles bereits geschlossen, erfreulicherweise das Vereinslokal nicht. Am Samstagnachmittag holte ich dort leckeren lauwarmen Pflaumenkuchen und am Sonntagabend gingen wir Fisch essen. Preiswert, gut und reichlich! Das Lokal ist sehr nett eingerichtet und, wie wir feststellen konnten, auch sehr beliebt.

Barth

Nachmittags hatten wir das schöne Wetter für einen Erkundungsspaziergang rund um den Hafen genutzt

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und dabei auch eine weitere Möglichkeit entdeckt, mit dem Wohnmobil übernachten zu können. Auf einem öffentlichen Parkplatz gibt es (laut Promobil) Flächen für 10 Mobile und auch Stromsäulen. Wir haben sie nur aus der Entfernung gesehen und nicht nachgezählt. Den Preis von €7/Nacht können wir aber bestätigen, da er am Parkscheinautomaten angezeigt wurde.

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Trotz der nicht ganz optimalen Bedingungen (schlammiger Untergrund, Gemeinschaftsduschen, Strombedingungen, zum Spülen der Toilettenkassette muss per Eimer Wasser aus dem Bodden geholt werden, das eigentlich vorhandene kostenlose WLAN war nicht verfügbar) hat es uns gut dort gefallen. Das lag aber hauptsächlich an unseren Plätzen mit der schönen Aussicht. Ein (abends beleuchteter) Hafen vor dem Fenster zur einen Seite und zur anderen der Blick auf den Bodden ist auch etwas, an das man sich gewöhnen könnte. Im Sommer sicher noch interessanter mit regem Schiffs- und Bootsverkehr, aber dann wäre es uns schon wieder zu turbulent.

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written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße (bessere Qualität) bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Abschlussbericht Rügen

 

Auf Rügen gibt es natürlich noch ein paar mehr Highlights außer Putbus oder Klein Zicker oder dem Rügen-Markt. Unser tägliches Highlight (sorry, wenn ich mich wiederhole) war aber nach wie vor unser Ausblick. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so viele Sonnenuntergangsfotos in so kurzer Zeit gemacht zu haben. Die erhofften Kraniche haben sich leider bei uns nicht niedergelassen und bei unseren diversen Ausflugsfahrten haben wir sie auch nicht gesehen. Dafür aber umso mehr Wildgänse! Und die veranstalten auch schon ein ganz schönes Geschrei. Smiley mit geöffnetem Mund

Thiessow Ausblick

Die Stubnitz auf der Halbinsel Jasmund im Nordosten Rügens mit dem berühmten Königsstuhl und den sonstigen Kreidefelsen haben wir ausgelassen, aber zum Kap Arkona sind wir mal wieder gefahren. Die Leuchttürme haben wir allerdings nur aus der Entfernung gesehen, wir sind nur bis zum Fischerdörfchen Vitt gelaufen. Die wenigen Menschen, die dort noch leben, sind bestimmt froh, wenn die Saison vorbei ist und nicht mehr jeden Tag hunderte von Touristen durch ihre Vorgärten laufen. Verwirrtes Smiley

Kap ArkonaKap ArkonaVittVitt

Im Westen der Insel waren wir noch, auf der Insel Ummanz. Dort werden Kranichbeobachtungstouren, zu Fuß und per Schiff, angeboten, aber dafür war es schon zu spät im Jahr. Wir haben einfach nur die Landschaft genossen und konnten Ummanz einmal umrunden. Es gibt einige Campingplätze dort, aber man ist schon sehr weit von allem entfernt. In Gingst hatten wir auf der Hinfahrt ein vielversprechendes Café an der Hauptstraße entdeckt, erkennbar an einem Tisch und zwei Stühlen auf dem Gehweg und einem Schild. Auf dem Rückweg kehrten wir dort ein und entdeckten ein kleines Museums“dorf“. Das Café war gleichzeitig ein Verkaufsladen, Kaffee und Kuchen gab es in/auf handgefertigtem Keramikgeschirr.

GingstGingstGingstGingstGingstGingstGingstGingst

Ja, und dann stand noch Prora auf meiner Wunschliste! Vor zwei Jahren waren wir das erste Mal dort („hier“ nachzulesen) und hatten über die Sanierungsfortschritte gestaunt und was man aus so altem Gemäuer entstehen lassen kann. Zu den Ruinen hatten wir es damals nicht geschafft und das holten wir jetzt nach. An der Nordflanke des 4,7km langen Kolosses besteht ein Block überwiegend nur noch aus Trümmerresten. Hier wurden während der Besetzung durch die Sowjetarmee 1945 und später durch NVA-Einheiten Schießübungen vorgenommen, Nahkampf- und Häuserkampfübungen absolviert und Sprengversuche gemacht. Durch die massive Stahlbetonbauweise konnte allerdings nicht alles zum Einsturz gebracht werden. Nach Kriegsende versuchte man, die Gebäude zu demontieren. Ein „Abbau per Hand“ durch verpflichtete Ortsansässige musste nach einigen Unfällen mit Todesfolge aufgegeben werden. Ende der 1940er-/Anfang der 1950er-Jahre wurde aus Sicherheitsgründen der nur bis zum 4. Stockwerk errichtete vierte Block vollständig gesprengt. Seine Trümmer sollen noch im Wald verstreut liegen. Wir haben uns nur den Block 3 angesehen, das war schon ausreichend. Uschi mag so etwas überhaupt nicht, mich fasziniert es.

ProraProraProraProraProraProraProraProraProraProraProraProra

Der große Festplatz in der Mitte der Anlage war eine Großbaustelle und gesperrt. Wir wollten eigentlich noch nachsehen, was sich bei den vor zwei Jahren in Renovierung befindlichen Blöcken getan hatte, fanden aber keinen Parkplatz. Okay, wir hätten das Verbotsschild für Wohnmobile über 2,8t einfach übersehen sollen! Cooles Smiley

Da wir nun keinen Kaffee bekommen hatten, beschlossen wir, auf der Rückfahrt in einem Restaurant zu Abend zu essen. Aber wo? In Sellin kamen wir am Kleinbahnhof (jetzt für den Rasenden Roland) vorbei und fuhren kurzentschlossen auf den Parkplatz. Eine gute Entscheidung! Das ehemalige originale Bahnhofsgebäude mit Fahrkartenverkauf, Gepäckraum und Wartehalle, in Betrieb seit Ende des 19. Jahrhunderts, wurde 1999 zum Restaurant umgebaut unter Beibehaltung vieler Eisenbahnmerkmale. So sitzt man in der 1. Klasse stilgerecht im Ambiente eines Reisesalonwagens mit den typischen alten Glaslampen, Wandmalereien, Holzvertäfelungen und Seidentapeten.

SellinSellinSellinSellinSellin

SellinIn der 2. Klasse wurden alte Kirchenbänke zu Sitzbänken umgebaut

 

 

 

 

 

 

 

 

und in der 3. Klasse sitzt man in einem gemütlichen Holzklassenwagon auf originalen Holzbänken mit nostalgischem Flair.

Sellin

Es hat uns nicht nur sehr gut gefallen, sondern auch geschmeckt!

In der letzten Oktoberwoche fuhren wir ein letztes Mal mit dem Bus nach Göhren, in der Annahme, dass er wie immer den Abstecher nach Alt Reddewitz macht. Dem war aber nicht so, weder auf der Hin- noch auf der Rückfahrt. Anscheinend gelten mit dem schon in Kraft getretenen Winterfahrplan andere Bedingungen. So konnten wir also nur von Göhren Abschied nehmen. Hätten wir vielleicht auch ein Schloss dort lassen sollen, um sicherzustellen, dass wir wiederkommen möchten?

GöhrenGöhrenGöhrenGöhrenGöhren

Leider ist unsere Zeit auf Rügen jetzt schon wieder herum. Enttäuschtes Smiley Am Donnerstag letzter Woche (31. Okt.) hätten wir schon abreisen müssen. Für Dienstag dieser Woche hatte ich einen Termin für Oscarlotta in einer Iveco-Werkstatt in Stralsund vereinbart, die HU ist wieder fällig, ein Ölwechsel sollte auch mal wieder gemacht werden sowie alle anderen notwendigen Servicemaßnahmen. Da die Aufbaubatterien inzwischen 12½ Jahre alt sind, was ja schon eine Sensation ist, traue ich mich nicht, noch einen Winter in Deutschland damit anzugehen. Also werde ich Oscarlotta und mir zwei neue Gel-Akkus spendieren. Natürlich müssten wir im Anschluss an unser Herbstangebot in Thiessow den vollen Preis von €18 pro Nacht bezahlen (Nachsaison, 1 Mobil, 1 Person), aber der Stellplatz in Stralsund kostet inzwischen auch schon €16. Ich beschloss für mich, die zwei Euro mehr mit Vergnügen zu investieren für die Ruhe und den Ausblick und erst am Sonntag oder am Montag nach Stralsund zu fahren. Uschi blieb noch eine weitere Nacht und fuhr dann am Freitag schon einmal vor. Am Donnerstag machten wir bei Sonnenschein unseren gemeinsamen Abschiedsspaziergang an den Strand

ThiessowThiessowThiessowThiessowThiessowThiessowThiessowThiessow

und durften anschließend noch einmal einen herrlichen Sonnenuntergang bewundern. Verliebt

SonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergang

Ich machte am Freitag Nachmittag eine allerletzte Abschiedsrunde, da für Samstag Regen angesagt war. Zum ersten Mal blies ein ekelhaft kalter Wind, ich hatte den ganzen Strand für mich allein, aber mein Spaziergang fiel dann doch etwas kürzer aus. Es ist spürbar kälter geworden, aber solange die Sonne wenigstens ab und zu scheint, ist alles gut. Und das tat sie die letzten Tage immer mal wieder. Wie anders die Landschaft doch aussieht, mit oder ohne Sonne!

ThiessowThiessowThiessow

Ich erledigte in weiser Voraussicht nach meinem Spaziergang auch gleich noch meine Außenarbeiten, sodass ich am Sonntag nur noch mein Stromkabel abziehen und verstauen müsste und von den Keilen fahren. Das war eine gute Entscheidung, denn am nächsten Tag regnete es fast ununterbrochen. Ich hätte mit absolut keinem Sonnenuntergangs-Abendhimmel gerechnet, aber ich wurde dann doch noch überrascht!

Sonnenuntergang

In der Rezeption hatte ich ausgehandelt, dass ich nicht bereits um 10 Uhr abgereist sein muss, sondern erst um 12! Offiziell war am Sonntag der letzte Tag der Saison und der Rezeptionist hatte anschließend Feierabend. Der Campingplatz schließt zwar nicht über den Winter, aber es kann durchaus sein, dass die Rezeption tagelang nicht besetzt ist, wenn keine Gäste auf dem Platz sind. Es gibt auch für den Winter ein Angebot, man kann sein Wohnmobil oder seinen Wohnwagen von Anfang November bis Ende März für €199 stehenlassen und zahlt bei Anwesenheit dann noch die Personengebühr von €3,50 zusätzlich. Dann wird das vordere Sanitärgebäude geöffnet und geheizt, die Platzbeleuchtung eingeschaltet (nur im vorderen Platzbereich) und ein Ansprechpartner ist stundenweise oder nach Absprache anwesend, um z. B. Gasflaschen zu tauschen oder Dusch- und Waschmaschinenmarken zu kaufen. Das Waschen und Trocknen kostet hier übrigens pro Durchgang nur EINEN sagenhaften Euro (sonst i. d. R. €2,50 oder sogar €3)!!!

Am Sonntag hörte es netterweise auf zu regnen, als ich soweit fertig war, um raus zu müssen. Meine Keile bzw. Auffahrplatten waren innerhalb der zwei Monate so weit in den Boden gedrückt worden, dass in allen Zwischenräumen Erde war und schon Gras herauswuchs. Smiley Mein Stromverbrauch hielt sich in erfreulichen Grenzen, im Schnitt ein Kilowatt pro Tag, das allerdings mit teuren 80 Cent berechnet wird. Es macht sich immer bezahlt, dass ich bei Sonnenschein der Solarladung den Vorrang geben kann.

Abschied von ThiessowAbschied von ThiessowAbschied von Thiessow

Ich machte noch ein paar Abschiedsfotos und stand um zehn Minuten vor 12 Uhr in der Rezeption. Diese speziellen Angebote des Campingplatzes (Herbst, Winter, Frühjahr) müssen im Voraus mit einer Anzahlung von €50/Platz gebucht werden. Bezahlt wird dann bei Ankunft und ob man den verfügbaren Zeitraum voll ausschöpft oder nicht, bleibt einem selbst überlassen. Ich brauchte jetzt also nur noch meinen Strom zu zahlen und mich zu verabschieden.

Insel Rügen

Ich bin nicht gerne weggefahren! Weinendes Smiley

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Spaziergang nach Klein Zicker

 

Klein Zicker Am Dienstag sind wir noch ein letztes Mal zum Fisch-Imbiss nach Klein Zicker gelaufen. Die Sonne schien und glich die schon spürbar kälteren Tagestemperaturen noch recht gut aus. Der Rügen-Markt fand zum letzten Mal für dieses Jahr statt, wir liefen noch einmal an einigen Ständen vorbei, warfen einen Blick über den Hafen (Fotos sind schon etwas älter)

 

Hafen ThiessowHafen ThiessowHafen ThiessowHafen ThiessowHafen ThiessowHafen ThiessowHafen Thiessow

und entdeckten an einer Seite eine abgestellte Uralt-Ente, aus den frühen 1950er-Jahren! Erkennbar u. a. an den „Selbstmördertüren“. Laut lachen Die Türscharniere der Vordertüren waren bis 1964 hinten angebracht, sodass die Türen sich nach vorne hin öffneten. Außerdem gab es noch keine feste Kofferraumklappe (erst ab 1957), sondern das Stoffverdeck reichte bis zur Stoßstange (wenn man sie überhaupt so nennen kann!) und wurde dort einfach festgebunden. Nicht besonders diebstahlsicher! Die Ente war zugelassen und es ist anzunehmen, dass sie noch fährt. Die Ausstattung seeeeehr spartanisch, es gab keinen Beifahrersitz und keine Rücksitzbank (serienmäßig schon) und sehr wenige Kontrollinstrumente. Es handelt sich entweder um die Ausstattung mit 375cm³ Hubraum, 9 PS, 65km/h Höchstgeschwindigkeit oder eventuell schon um die ab 1955 erhältliche Version mit 425cm³ Hubraum, 12,5 PS Motorleistung und einer Höchstgeschwindigkeit von 80km/h. Eine Heizung wurde übrigens auch erst ab 1957 eingebaut! Smiley mit geöffnetem Mund

EnteEnteEnteEnte

Mein Herz schlug höher, nicht nur, weil diese Ente noch in einem wirklich guten Zustand ist, sondern auch, weil sie genau die gleiche Farbe hat wie meine. Und abgesehen von Details wie Kühlergrill, Türanschlägen, Rückleuchten, Stoßstangen sieht eine Ente halt immer gleich aus, egal welches Baujahr sie ist. Kuss senden Der letzte 2CV verließ am 27. Juli 1990 die Produktionshalle in Mangualde/Portugal. Insgesamt wurden 5.114.966 Stück gebaut. Fünf davon gehörten mal mir! Die 5. gehört mir immer noch, allerdings steht sie seit Jahren schon untergestellt in einer Halle. Sie wird jetzt 30 Jahre alt und ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass ich sie noch einmal fahren werde. Ulrich, liest du mit? Zwinkerndes Smiley

Wir liefen dann den Wiesenweg Richtung Klein Zicker. Das geht, wenn es geregnet hat, vermutlich nicht mehr, weil rundherum Wasser steht.

ThiessowThiessow

Für die letzten hundert Meter wechselten wir zum Strand. Im beginnenden Abendlicht sah die Landschaft besonders schön aus. Alles so ruhig und friedlich!

ThiessowKlein ZickerKlein ZickerKlein ZickerKlein ZickerKlein ZickerKlein Zicker

Der Imbiss war schon fast verwaist, aber noch geöffnet. Wir waren die letzten Gäste und konnten sogar noch einmal draußen sitzen und essen. Die gezeigte Portion, einmal Kibbeling mit Remoulade, eine große Portion Pommes rot-weiß teilen wir uns übrigens! Cooles Smiley Das (alkoholfreie) Bier nicht, ich bevorzuge Cola light.

Klein ZickerKlein Zicker

Das Meer war fast unbewegt, die späte Abendsonne ergab ein intensives goldgelbes Licht, es war eine magische Stimmung. Die wenigen Menschen rundherum fotografierten oder saßen einfach nur auf den Kieseln und Felsbrocken am Strand und beobachteten den Sonnenuntergang, der durch die Zeitumstellung jetzt bereits um 16:30 beginnt.

SonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergang

Wir liefen am Strand entlang langsam zum Campingplatz zurück, blieben immer wieder stehen, um zurückzuschauen und Fotos zu machen.

SonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergang

Schön, oder??? Verliebt

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Statusbericht Rügen Teil 3

 
 
unser Ausblick

Die Lage des Campingplatzes hier in Thiessow ist nahezu ideal. Überhaupt scheint der Südosten von Rügen einer der schönsten Landschaftsteile zu sein. Durch die Terrassierung des Platzes hat man von jeder Parzelle einen Blick aufs Wasser, den (die?) Zicker See. Vielleicht nicht in der Hauptsaison, da könnte es schon sein, dass man in den hinteren Reihen nur vor das Mobil, den Wohnwagen oder das Zelt seiner Nachbarn sieht. Aber dann ist bestimmt sowieso Strandleben angesagt und um dorthin zu gelangen, muss man nur durch eines der vielen Törchen gehen, die Straße überqueren und 100-150m durch das Kiefernwäldchen laufen. Als wir Anfang September hier ankamen, war noch reges Strandleben, die Strandabschnitte fein eingeteilt in mit oder ohne Bekleidung, mit oder ohne Hunde. Kinder dürfen überall sein und überall nackt. Smiley

ThiessowThiessowThiessowThiessowLobbe

Inzwischen werden die Strandkörbe eingesammelt oder sind es schon, die Strandkioske schließen, was dazu führt, dass in den verbliebenen noch geöffneten die Tische im Außenbereich voll besetzt sind, auch wenn das Wetter mal nicht so schön ist, außer es regnet. Aber das tut es ja kaum! Dafür windet es ab und zu und inzwischen gibt es auch mal Seenebel. Wir genießen alles, unser Ausblick ist jeden Tag erneut eine Augenweide, derer wir nicht überdrüssig werden. Gespannt warten wir jeden Abend, ob es einen Sonnenuntergang bzw. einen interessanten Abendhimmel geben wird. Manchmal erwarten wir viel und werden enttäuscht und manchmal, wie am Montag, ist es genau umgedreht. Nach einem eher grauen, nieseligen Tag gab es erst einen unspektakulären Himmel und wenige Minuten später dann ein Farbspektakel aus dem Nichts. Verliebt

AbendstimmungAbendrot

Strandspaziergänge sind bei jedem Wetter schön, es sind außer uns nur noch wenige Menschen unterwegs, die meisten mit ihren Hunden. Angenehm, vor allem für mich, ist, dass man in jede Richtung zu Fuß laufen, aber mit dem Bus wieder zurückfahren kann. Man muss nur den Fahrplan im Kopf (oder im Rucksack) haben, denn die Busse fahren in der Regel nur stündlich. Letzte Woche führte das dazu, dass Uschi die Strecke wieder zurücklief und ich in den Bus in die Gegenrichtung einstieg, bis zum Bahnhof in Göhren fuhr, dort umstieg und bis zum Campingplatz zurückfuhr. Das ersparte mir eine halbstündige Wartezeit an der Bushaltestelle, im Bus war es nämlich wärmer. Cooles Smiley

ThiessowKlein Zicker

Ebenfalls ganz in der Nähe des Campingplatzes ist der Sportboot- und Fischereihafen von Thiessow und dort findet vom Frühjahr bis in den späten Herbst hinein jeden Dienstag und Donnerstag der Rügen-Markt statt. Ein Kunsthandwerkermarkt mit vielen Imbissständen und offensichtlich sehr beliebt. Schon an der Rügenbrücke und überall auf der Insel findet man Hinweistafeln.

Rügen-MarktRügen-MarktRügen-MarktRügen-MarktRügen-MarktRügen-MarktRügen-MarktRügen-Markt

Wir wollten einmal an einem Dienstag per Bus nach Göhren fahren und wunderten uns schon, wie viele Autos auf unserer sonst nur sehr spärlich befahrenen Straße in beiden Richtungen unterwegs waren. Der Bus aus Göhren kommend hatte schon 10 Minuten Verspätung und fährt dann ja erst noch die Schleife Klein Zicker, bevor er wieder am Campingplatz vorbeikommt. Auf mein Drängen stiegen wir ein, um nicht noch 15 Minuten draußen warten zu müssen. Das war genau richtig, denn der Bus war bereits voll! Erstauntes Smiley Okay, es ist Markttag!!! Dort stiegen zwar die meisten Menschen aus, aber an der Haltestelle stand schon eine Traube von Marktbesuchern, die fertig mit ihrem Besuch waren. Hätten wir an unserer Haltestelle gewartet, hätten wir auf keinen Fall einen Sitzplatz, vielleicht sogar nicht einmal einen Stehplatz bekommen. Seitdem vermeiden wir es, dienstags oder donnerstags Bus zu fahren! Da der Bus schon eine solche Verspätung hatte, fragte der Busfahrer, ob jemand nach Alt Reddewitz (einer der Abstecher von der regulären Strecke) wolle und als sich niemand meldete, entschied er, diesen Abstecher einfach zu canceln. Die Menschen, die dort eventuell auf den Bus warteten, hatten halt Pech. Aber richtiges, denn diesen Abstecher macht nur jeder zweite Bus, also nur alle zwei Stunden kommt man von dort (wieder) weg.

Übersicht und Busrouten 

Diese unsicheren Bedingungen hatten uns veranlasst, an einem sonnigen Tag mit den Rädern dorthin zu fahren, was in einer guten halben Stunde zu schaffen ist. Alt Reddewitz hat immer noch den Charme eines kleinen Fischerdörfchens, auch wenn jetzt der Tourismus die Haupteinnahmequelle ist. Schöne Cafés und Restaurants gibt es dort, eine Tortenmanufaktur und eine abenteuerliche eineinhalbspurige Zufahrtsstraße, auf der Fußgänger, Rad- und Autofahrer sich blitzschnell in kleinste Ausbuchtungen drücken, wenn der Linienbus durchrauscht. Ein Abstecher ist bei jeder unserer Busfahrten obligatorisch, entweder dieser nach Alt Reddewitz oder der nach Groß Zicker und Gager.

Alt ReddewitzAlt ReddewitzAlt ReddewitzAlt ReddewitzAlt ReddewitzAlt Reddewitz

Nur einmal an jedem Nachmittag fährt der Bus von Göhren aus auf direktem Wege nach Klein Zicker. Bus fahren hier ist normalerweise eine entspannte Angelegenheit, die Fahrer kennen ihre Strecken und die besonderen Bedingungen. Einmal erwischten wir allerdings einen Busfahrer, der den Bus wie einen PKW fuhr, volles Risiko in den Baumalleen und vor Kurven auf den schmalen Abschnitten, mehrere Vollbremsungen inklusive. Aufstehen, bevor der Bus zum Stehen gekommen war, wäre höchst gefährlich gewesen. Wir waren froh, heil in Göhren angekommen zu sein und im Bus, in den wir umstiegen, einen uns bekannten Busfahrer vorzufinden, dessen ausgeglichenen Fahrstil wir schon kannten. Der Unterschied war eklatant!

Vor unseren Mobilen haben wir seit zwei Wochen eine kleine Pilzkultur. Die Pilze, deren Namen wir nicht kennen, haben eine äußerst kurze Lebensdauer. Nicht, weil wir sie abernten und verzehren, das trauen wir uns nicht. Sie sind aber sogar im Absterben noch schön, werden erst schwarz schleimig und lösen sich dann in nichts auf. Dafür kommen an anderer Stelle wieder neue aus dem Boden. Diese Pilze gibt es seltsamerweise nur bei uns, auf anderen Plätzen und im Wäldchen sahen wir andere. Sicher könnte man zum Pilze sammeln losziehen, aber da wir uns damit so gar nicht auskennen, lassen wir das lieber! Zwinkerndes Smiley

Pilze im VorgartenPilze im VorgartenPilze im VorgartenPilze im Vorgarten132f PilzePilze im VorgartenPilze im VorgartenPilze im VorgartenPilze im VorgartenPilze im VorgartenPilze im VorgartenPilze im Vorgarten

Auf unserem Überwinterungs-Campingplatz „Torre la Sal 2“ in Spanien hatten wir vor Jahren schon einmal das Vergnügen, über einen längeren Zeitraum einen Pilz auf unserer Parzelle wachsen zu sehen, der jeden Tag ein klein wenig mehr aus dem Boden herausragte und sich durch den Schotter hindurchstemmen musste. Davon gibt es „hier“ einen Extra-Blogbeitrag für Pilzfreunde. Smiley mit geöffnetem Mund

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Statusbericht Rügen Teil 2

 

Die schönen sonnigen Tage nutzten wir bisher für kurze oder längere Strandspaziergänge mit und ohne Einkehr, für Radtouren, für Überlandfahrten mit Fix und Boxi oder für Busfahrten nach Göhren oder Sellin. Einige stürmische Höhlentage gab es auch, aber erfreulich wenig Regen.

Strandkiosk Klein ZickerStrandkiosk Klein ZickerStrandpromenade Thiessow

Eines schönen Tages im September wollten wir per Bus nach Binz. Das bedeutet zweimal umsteigen, einmal in Göhren und einmal in Sellin, am sogenannten Serams Wendeplatz. Ich überlegte mir, dass wir für die Hinfahrt auch den Rasenden Roland nehmen könnten und Uschi war einverstanden. Also fuhren wir mit dem Bus nur bis Göhren zum Bahnhof und konnten sofort in den schon wartenden Zug, der hier seine Endstation hat, einsteigen.

Rasender RolandRasender RolandRasender RolandRasender RolandRasender RolandRasender RolandRasender RolandRasender Roland

Ein Zug besteht immer aus der hervorragend gepflegten Kleinspurlok, vier geschlossenen Waggons, davon ein Speisewagen, einem offenen Aussichtswaggon und noch einmal vier geschlossenen Waggons, einer oder zwei davon für Gepäck- bzw. Fahrradtransport. Wir hatten Glück und ergatterten die letzten beiden Sitzplätze im offenen Waggon. Kurz darauf ging es auch schon los. Die Fahrpreise sind nicht ganz niedrig, aber einmal muss man das gemacht haben, wenn man schon hier ist. Die Gesamtstrecke geht von Göhren bis Lauterbach Mole und entweder fährt man von dort wieder zurück oder man steigt um auf ein Schiff und fährt mit diesem bis Sellin (umgedreht ist natürlich auch möglich). Die kombinierte Tour kostet pro Person €17,50 (Kinder 4–14 Jahre €10,50). Ein Hund kostet, unabhängig wie alt er ist, ebenfalls €10,50!!! Zwei Erwachsenen mit bis zu drei Kindern zahlen €45,00.

Kombitour Rasender Roland

Der Rasende Roland fährt bereits seit 120 Jahren mit einer Höchstgeschwindigkeit von 30km/h und einer Spurbreite von 750mm über die Insel und erfreut sich ungebrochener Begeisterung bei den Touristen. Überall an der Strecke stehen filmende Enthusiasten. Die Gesamtstrecke beträgt 24km, für die der Zug eine gute Stunde braucht. Vielleicht würde er besser Fauchender Roland heißen, aber vor 120 Jahren waren 30km/h vermutlich schon rasend schnell. Laut lachen An den Stationen Putbus, Binz LB, Sellin Ost und Göhren laden gemütliche Bahnhofsgaststätten zur Einkehr ein.

Sellin OstHaltestelle Granitz

Wir fuhren also von Göhren bis Binz und zahlten dafür €6,60/Person. Hätten wir einen Hund dabei gehabt, wären noch einmal €3,30 fällig geworden und für Fahrräder je €3. Die Fahrstrecke bis Binz ist ein wenig langweilig, weil es fast nur durch Wald geht, kurz vor Binz durch das Waldgebiet der Granitz, von wo man auch fußläufig zum gleichnamigen Jagdschloss gelangt. Allerdings sind diese Buchenwälder wunderschön! Unangenehm wird es, wenn der Wind so steht, dass der Rauch in Richtung der Waggons geblasen wird. Er hat einen ganz spezifischen Geruch, den man nicht einatmen mag und den man den ganzen restlichen Tag in der Nase behält. Und der Rauchausstoß ist bei einer Dampflok schon gewaltig! Sicher auch nicht mehr klimapolitisch vertretbar, aber es bringt halt gutes Geld.

In Binz stiegen wir also aus und mussten dann noch eine ganze Weile an der Hauptstraße entlanglaufen, bis wir zur Fußgängerzone kamen. Es hätte natürlich auch die Möglichkeit gegeben, die Bäder-Bimmelbahn zu nehmen. Binz ist recht nett, die weißen Häuser in Bäderarchitektur sehen schön aus und wer hier hungrig oder durstig ist, hat eine Riesenauswahl. Bei schönem Wetter sind alle Tische in allen Gartenlokalen belegt! Uns zog es natürlich wieder zu Junge!!! Zwinkerndes Smiley

BinzBinz

Zurück nahmen wir dann den Bus. Da wir mit unserer Kurkarte ja erst ab Sellin kostenfrei fahren können, zahlten wir von Binz bis Sellin €3,20/Person. Das bedeutet, dass wir ganz schön sparen bei unseren kostenfreien Fahrten. Smiley

In Göhren angekommen hatten wir Glück und mussten nicht ein zweites Mal umsteigen, der Bus änderte seine Nummer und Zielanzeige und fuhr uns direkt zum Campingplatz.

Eine weitere Bustour machten wir nach Sellin. Dort fängt die Haupteinkaufsstraße und „Fressmeile“ direkt an der Bushaltestelle an. Sellin gefällt uns noch besser als Binz. Die Architektur und die Restaurantdichte ist zwar gleich, aber die Wilhelmstraße ist, obwohl keine Fußgängerzone, sehr hübsch mit ihren Bäumen zu beiden Seiten. Und das Highlight ist natürlich die Selliner Seebrücke! Vielleicht ist die Seebrücke von Ahlbeck auf Usedom durch den Loriot-Film „Pappa ante Portas“ bekannter und sie ist auch die ältere (1882), aber schöner ist sie sicher nicht. Wir kennen beide und uns gefällt die in Sellin besonders gut. Beiden Seebrücken gemeinsam ist, dass ihre weit ins Meer hineinragenden Stege durch Eisschollen zerstört wurden und wieder aufgebaut werden mussten. In Ahlbeck nur im Winter 1941/42, in Sellin zusätzlich noch 1918 und 1924. Erst in den 1970er-Jahren wurden die Holzpfosten gegen Stahlträger ausgetauscht, die vom Eis nicht mehr zerdrückt werden können. Das ist zwar sinnvoll, sieht aber lange nicht so schön aus. Baubeginn in Sellin war 1906 und außer dem Gebäude auf dem Brückenkopf (noch ohne die seitlichen Anbauten) entstand eine Seebrücke von sagenhaften 508 Metern. Nach der ersten Beschädigung durch Packeis baute man erneut auf „nur“ noch 500m auf, zusätzlich wurde aus dem Gebäude eine Konzerthalle, später genutzt als äußerst beliebtes Tanzlokal. Da über einen Zeitraum von 20 Jahren zu DDR-Zeiten nichts mehr renoviert wurde, musste das Gebäude samt Brückenkopf 1978 abgerissen werden. Erst 1991 begann der Wiederaufbau, unterstützt durch den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und orientiert an den Bauten von 1906 und 1925. Seit dem 2. April 1998 ist die Seebrücke wieder in Betrieb. Sie wurde zwar auf 394m verkürzt, ist damit aber immer noch die längste der Insel. (Quelle: Wikipedia)

Seebrücke SellinSeebrücke Sellin1. Seebrücke von 1906Die Seebrücke der 1930er-JahreZerstörung Winter 1924Zerstörung Winter 1942

Zur Seebrücke hinunter und wieder zur Stadt hinauf gibt es sowohl eine lange, steile und breite Treppe mit steinernen Ruhebänkchen als auch zwei breite Rampen und sogar einen kostenfreien Aufzug. Wer von uns nahm die Treppe und wer den Aufzug??? Cooles Smiley

In Göhren muss man von der Seebrücke zur Stadt ebenfalls ein paar Höhenmeter überwinden und es gibt auch einen Aufzug bzw. eine Zahnradbahn. Der Transport kostet allerdings einen Euro.

Seebrücke Göhren

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Ein Tag am Meer

 

Ja, es gefällt uns immer noch sehr gut hier!

Nein, wir schauen nicht ausschließlich den ganzen Tag aus unseren Fenstern – ab und zu unternehmen wir auch etwas. Laut lachen

Thiessow

Für Montag sagte die Wettervorhersage Sonnenschein voraus und noch keinen Regen oder Wind wie für die kommenden Tage. Putbus stand noch auf unserer Liste. Dort waren wir das letzte Mal 2003. Da es auf direktem Weg nur 28km sind, fuhren wir einen kleinen Umweg. Es ging an Bergen vorbei über kleinste Sträßchen durch ein paar Dörfer. Im Ortskern geht die asphaltierte Straße ganz oft in Kopfsteinpflaster über, eine gut funktionierende Methode der Geschwindigkeitsverringerung ganz ohne Schilder. Zwinkerndes Smiley Wir fragen uns immer wieder, wie das Leben in diesen von der Welt abgeschnittenen Dörfern wohl zu Zeiten der ehemaligen DDR war und denken, dass die Menschen damals überwiegend Selbstversorger sein mussten. Nicht nur, dass der nächste Konsum weit weg war, das Angebot war ja auch nicht üppig. Viele Häuser sind inzwischen saniert, einige neu erbaut und es wohnen augenscheinlich (auch) junge Familien dort. Aber die Wege sind nach wie vor weit, auch wenn die „Welt“ erreichbarer geworden ist.

Ausflugsfahrt

Wir fuhren bis zu der einzigen Fähre zum Festland in Glewitz, man kommt in etwa auf halber Strecke zwischen Stralsund und Greifswald über den Strelasund. Allerdings könnte nur Uschi dort übersetzen, die Gewichtsbeschränkung liegt bei 5t! Also natürlich Uschi zusammen mit Fix und Boxi! Cooles Smiley

Rügen ist ja eine Insel mit sehr zerklüfteter Küstenlinie und immer wieder kleinen „angeklebten“ Halbinseln oder „Fingern“. Auf einer solchen, der Mönchgut-Halbinsel, liegt Thiessow, aber ganz im Süden der Insel, hier, wo die Fähre ist, gibt es eine weitere, Zudar genannt. Auf der Karte fand ich den Ort Zicker. Bei uns gibt es ja, wie schon erwähnt, Klein Zicker und Groß Zicker. Also schauten wir uns auch Zicker mal an. Dorthin gab es tatsächlich noch eine Buslinie, obwohl die Straße nur noch einspurig war und in Teilen nur aus zwei Fahrstreifen aus Betonplatten bestand. Alle paar hundert Meter gab es eine Ausweiche und natürlich kam uns an der ungünstigsten Stelle der Bus entgegen! Der Busfahrer war freundlich und rangierte sein Gefährt in die einzig verfügbare Lücke, sodass wir uns mit Fix und Boxi vorbeiquetschen konnten. Mit Oscarlotta wäre es schwierig geworden!

Ich hatte als Beifahrer die Karte der Insel auf dem Schoß und irgendwann fiel mir auf, dass nicht etwa die Orte mit „ow“ am Ende (wie üblich in diesem Teil Deutschlands, z. B. Thiessow) in der Überzahl sind, sondern eindeutig (!) die „itze“. Kleine Auswahl gefällig? Ohne Anspruch auf Vollständigkeit!!! Erstauntes Smiley

Sassnitz

Üselitz

Losentitz

Silmenitz

Groß Schoritz

Venzvitz

Poseritz

Krakvitz

Kasnevitz

Groß Kubitz

Karnitz

Boldevitz

Parchtitz

Vilmnitz

Granitz

Alt Reddewitz

Buschvitz

Ramitz

Neddesitz

Varnkevitz

Gramtitz

Nadelitz

Nistelitz

Garftitz

Kartzitz

Jamitz

Reischwitz

Pachtitz

Thesenvitz

Lipsitz

Muglitz

Platvitz

Dreschvitz

Dönkvitz

Dußvitz

Klucksevitz

Bußvitz

Lüßvitz

Dubkevitz

Rattelvitz

Varbelvitz

Teschvitz

Presnitz

Garditz

Tribkevitz

Jabelitz

Libnitz

Vaschvitz

Retelitz

Schmantevitz

Fernlütkevitz

Kreptitz

Starrvitz

Polkvitz

Silvitz

… ???

Die Rücktour verlief „unten herum“, wir machten noch einen kurzen Abstecher nach Lauterbach, wo wir 2003 auf dem Wohnmobilstellplatz gestanden hatten und fuhren dann nach Putbus hinein. Die Attraktion hier sind die 15 im klassizistischen Stil erbauten und kreisförmig angeordneten strahlend weißen Häuser, in Auftrag gegeben 1810 von Fürst Wilhelm Malte I. Fürst zu Putbus. Wir fragten uns, wie wohl der Name Putbus entstanden sein könnte und natürlich kennt (Quelle) Wikipedia die Antwort: „Der Name Putbus leitet sich vom slawischen epod boz her und bedeutet hinter dem Holunderbusch.“ Na ja, kann man glauben oder auch nicht.

Die Häuser sind recht ansehnlich und imposant, einige sind allerdings noch oder wieder renovierungsbedürftig. Sehen kann man sie nur, wenn man einmal um den ganzen Platz, Circus genannt, herumläuft. Aus der aufwändig angelegten Parkanlage mit ihren 8 baumgesäumten Wegen, die alle auf einen 19m hohen Obelisken zulaufen, sieht man nur Fragmente von ihnen. Dieser Platz, das Wahrzeichen von Putbus und beliebter Ausflugsort, gilt als letzter einheitlich ausgeführter Rondellplatz Deutschlands.

Circus PutbusCircus PutbusCircus Putbus

Viel mehr bietet Putbus nicht, vielleicht noch die Orangerie, den Marstall und das Mausoleum im Schlosspark. Wir hatten aber noch ein anderes Ziel! Vor längerer Zeit war ich in einem Dokumentationsfilm über Rügen auf ein ungewöhnliches Geschäft aufmerksam geworden mit einem ebenso ungewöhnlichen Namen: „Ein Tag am Meer“. Es wurden lustig bemalte Treibholzstücke gezeigt, die hier gefertigt und verkauft werden. Wir fanden den Laden an der Hauptstraße nur wenige Meter vom Circus entfernt. Und wir waren begeistert!!! Weil die Exponate so liebe- und phantasievoll gestaltet sind, gibt es hier alle Fotos, die ich gemacht habe. Smiley mit geöffnetem Mund

Ein Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am Meer

Wenn wir über mehr Platz verfügen würden, hätten wir sicher mehr mitgenommen als „nur“ zwei Schlüsselanhänger.

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Statusbericht Rügen Teil 1

 

Inzwischen haben wir gut die Hälfte unseres Herbstaufenthaltes auf Rügen schon wieder rum. Mist! Die Zeit vergeht viel zu schnell!!! Die Entscheidung für genau diesen Campingplatz im Südosten der Insel war goldrichtig, ein dickes Dankeschön für die Empfehlung geht nach Sprockhövel. Smiley

RügenSüd-Ostrügen

Unsere Stellplätze liegen natürlich auch genial. Wir haben zwar keine Komfort-Plätze (mit eigenem Frisch- und Abwasser- und Stromanschluss), aber einen Stromkasten gibt es im Abstand von drei Plätzen, der nächste Wasserhahn ist nur ein paar Meter entfernt und Toilettenkassetteninhalt und Abwasser können wir entweder am kleinen WC-Häuschen oder am nächsten großen Sanitärgebäude (es gibt insgesamt zwei) entsorgen. Für die Toilettenkassette nutzen wir unsere Rollwägelchen, für das Abwasser habe ich aus den Tiefen meiner Heckgarage den rollbaren Tank herausgekramt, den ich nur dann nutze, wenn mir die Entsorgungsmöglichkeit zu weit weg ist. In ihn passt deutlich mehr als in einen Eimer und ich muss nicht ganz so oft laufen. Zwinkerndes Smiley Ich habe mir aber sowieso angewöhnt, die Ver- und Entsorgung jede Woche zu erledigen, dann bleibt es in vertretbaren Ausmaßen. Das alles bezieht sich darauf, wenn ich längere Zeit irgendwo stehenbleibe, zu Fahrzeiten nutze ich natürlich die VE-Stationen zum Drüberfahren und zapfe dort auch das Frischwasser, aber nur mit meinem eigenen Schlauch! Inzwischen ist es leider auch schon etwas kälter geworden, die Heizung läuft abends ein paar Stunden und die letzte Gasflasche hat nur noch für 12 Tage gereicht. Das Gas ist hier mit €25/Flaschenfüllung recht teuer!

Lageplan - Campingplatz Thiessowunsere Plätze

Der September hat uns außer extremer Hitze oder extremer Kälte alles geboten, wunderschönes warmes Spätsommerwetter, heftigsten Sturm, phantastische Sonnenuntergänge und ab und zu ein wenig Regen. Aber egal, wie das Wetter ist, unser Ausblick ist immer interessant und einfach nur schön! Zu Beginn weidete auf der riesigen Brachfläche zwischen Campingplatz und Zicker See noch eine ebenso riesige Rinderherde. Muttertiere mit ihren Kälbchen, Jungrinder und ältere Tiere. Sie wanderten fressend langsam von der einen Seite der Weide zur anderen, kamen also mindestens zweimal am Tag bei uns vorbei. An einem besonders stürmischen Abend versammelten sie sich, als es auch noch zu regnen begann, alle dicht gedrängt direkt fünf Meter von Oscarlotta entfernt am Zaun, laut muhend und alle mit dem Hinterteil zum Sturm. Ich hätte sie ja gerne reingelassen, sie taten mir wirklich Leid, aber soviel Platz hatte ich einfach nicht! Laut lachen

ThiessowThiessowThiessow

Inzwischen ist der Grundwasserspiegel angestiegen und große Flächen der Wiese stehen unter Wasser. Die Kühe sind abgeholt worden, dafür versammeln sich Graureiher, Schwäne, Möven und Wildgänse um die und auf den Wasserflächen.

nur KuhweideWasserflächen für Zugvögelunser täglicher Blick

Die Gänse haben sich schon richtige Bäuche angefressen, aber die Fettreserven werden sie noch brauchen. Sie kommen und gehen in wunderschönen Formationen und mit viel Geschrei. Wir warten sehnsüchtig auf die Kraniche!!! Ein Schwarm kam schon vorbei, flog suchend dreimal an der Wasserlinie entlang, entschloss sich aber leider nicht, die Nacht hier zu verbringen. Es war trotzdem ein magischer Moment, denn genau an diesem Abend war der Himmel besonders schön und sie flogen in Formation an den pinkfarbenen Wolken vorbei. Sie sind leicht von den Wildgänsen zu unterscheiden, allein schon durch die Lautstärke ihres Geschreis! Erstauntes Smiley Und dann sind sie natürlich noch viel größer und gestreckter mit ihren langen Hälsen und Beinen. Von ihnen habe ich leider kein Foto, so schnell war ich nicht, aber ich kann euch eine Auswahl von Sonnenuntergängen zeigen.

SonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergang

Schön, oder ???

Hier auf Rügen wird eine Kurabgabe verlangt und bei der Länge unseres Aufenthaltes lohnte es sich, eine Jahreskurkarte zu beantragen, mit Namen und Lichtbild. Diese berechtigt uns u. a. den am Campingplatz vorbeifahrenden Linienbus unentgeltlich zu nutzen, in die eine Richtung bis Sellin. In die andere Richtung geht es nur noch „um die Ecke“, in Klein Zicker ist Schluss mit der Halbinsel Mönchgut, der Bus fährt eine Schleife und kommt wieder am Campingplatz vorbei. Wenn man also früh genug an der Haltestelle ist und keine Lust hat, draußen dumm rumzustehen, kann man schon einsteigen und eine kleine Extratour fahren. Smiley In Klein Zicker gibt es noch einen Campingplatz, der überwiegend von Surfern genutzt wird, denn dort ist schon die offene Ostsee.

Ostseestrand Thiessow

Von unserem Platz aus schauen wir über den Hafen hinweg dorthin und sehen jeden Tag die Kite-Schirme hin und her flitzen. Wind gibt es hier eigentlich immer genug und selbst bei heftigem Sturm sind immer einige Kiter draußen. Und dann gibt es ganz am Ende von Klein Zicker noch einen Strandkiosk mit Gartenbetrieb und ausgesprochen leckerem und preiswertem Angebot in kalt (Fischbrötchen in allen Variationen), heiß (Kibbeling, Backfisch, Fischfrikadellen, Pommes, Suppen und mehr) und auch in süß (Kuchen). Getränke natürlich auch in ausreichender Auswahl. Den Imbiss haben wir per Zufall entdeckt und waren bereits einige Male dort, immer im Sonnenschein.

Klein-Zickerwird geteilt!schöner geht nicht :-)

Es gibt aber auch ein paar Innenplätze, wenn das Wetter nicht mehr mitspielt und die Bushaltestelle liegt direkt daneben. Cooles Smiley

Noch eine nette Einkehrmöglichkeit liegt am Ostseestrand, den wir erreichen, wenn wir die Straße am Campingplatz entlang überqueren und 150m durch ein Kiefernwäldchen laufen. Wir haben noch schöne Strandspaziergänge barfuß durchs Wasser zu genau diesem kleinen Café gemacht, wo es leckeren selbstgebackenen Kuchen oder genauso leckere Crèpes gibt.

"unser" Strandich begegne mir selbst ;-)

Durch den Kiefernwald führt ein Radweg, auf dem man in alle möglichen Teile der Mönchgut-Halbinsel fahren kann. Unsere erste Tour führte nur bis zum Campingplatz in Lobbe, ca. 4km entfernt, wo es einen schönen Abenteuer-Spielplatz und ein nettes Strandlokal gibt. Wir wollten zu zweiterem! Zwinkerndes Smiley

Strandlokal in Lobbe

Dass wir nicht weiter fuhren, lag daran, dass meine Gangschaltung am Fahrrad schon wieder nicht funktionierte! Ich konnte nur im 3. oder 4. Gang fahren und das ist auf Dauer nicht so toll. Wir wissen zwar inzwischen, was man wo einstellen kann, aber es veränderte sich nichts. Also fuhren wir am nächsten Tag mit dem Bus bis ins nächste Städtchen, nach Göhren. Dort gibt es Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel, eine Junge-Bäckerei mit Café und neben allen möglichen Geschäften auch einen Fahrradhändler mit Werkstatt. Am nächsten Tag wurde mein Fahrrad abgeholt und schon einen Tag später wieder zurückgebracht, mit neu eingestellter Gangschaltung. Es kostete fast nichts und der Transport war im Preis mit drin. Das nenne ich Kundenservice! Jetzt bleibt nur abzuwarten, wie lange die Einstellung diesmal hält!!! Eine größere Tour haben wir schon erfolgreich hinter uns gebracht.

Meine Lieblingsbäckerei im Norden Deutschlands ist bekanntlich “Junge”. Seit ein paar Jahren besitze ich eine Kundenkarte, die alles um einiges preiswerter macht. Bei einem mittleren Milchkaffee z. B. um 50 Cent, das lohnt sich schon. Außerdem sammelt man für jedes Getränk, für jeden Verzehr und für jedes Brot Punkte und bekommt bei jeweils 12 Punkten einen Kaffee etc. umsonst. Richtig gut finden wir das Umweltbewusstsein, das propagiert wird und ein Projekt, das sich “Das Geld hängt an den Bäumen” nennt und von Junge unterstützt wird. Es handelt sich dabei um einen privaten Unternehmer aus dem Hamburger Umland, dem aufgefallen war, wieviele Obstbäume nicht mehr abgeerntet werden. Er beschäftigt ausschließlich Menschen mit Behinderungen oder aus sozialen Randschichten, das Obst wird zu Saft verarbeitet und in Gaststätten, online und eben auch bei Junge verkauft. Eine tolle Idee!

Bäckerei JungeBäckerei JungeBäckerei JungeBäckerei Junge

So, jetzt höre ich aber erst einmal mit der Schwärmerei auf. Ich denke, ich konnte euch vermitteln, dass es uns hier ausnehmend gut gefällt. Kuss senden Unser Abendhimmel von gestern, nicht spektakulär, aber schön:

AbendhimmelAbendhimmelAbendhimmel

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Rügen – wir kommen!!!

 

Uschi war inzwischen auch unterwegs, hatte ihre Termine bei Tischer und beim Nissan-Händler erfolgreich erledigt und fuhr im Kilometerrausch mir nach. Sie wollte „nur“ bis Wismar, fragte aber vorsichtshalber nach, ob bei mir noch ein Plätzchen frei sei, falls Wismar voll sein sollte. War es, beides. Obwohl der Stellplatz in Wismar vor ein paar Jahren erweitert wurde, war er komplett belegt! Nicht ungewöhnlich für Ende August bei einem attraktiven Stellplatz nahe bei einer beliebten Stadt an einem Freitagabend, trotzdem doof. Uschi rief mich um kurz nach 20 Uhr an und wollte die 80km bis ins nach Tessin noch fahren. Das bedeutete, dass sie nicht mehr vor 21 Uhr da und die Anmeldung dann geschlossen sein würde. Natürlich hätte ich sie einfach mit meinem Schlüssel reinlassen können, ich entschied mich aber, telefonisch um die Erlaubnis dafür zu bitten. Zum Anmeldebüro laufen wollte ich nicht extra, die Tür und die Hitze! Aber sicher könne ich meine Freundin hineinlassen, vorausgesetzt, sie würde am nächsten Morgen zum Bezahlen kommen. Auf der Straße müsse sie die Nacht nicht verbringen! Um zwanzig nach neun schloss ich das Tor auf und stellte mich um die erste Ecke an die Garagen. Die besonderen Gegebenheiten hatte ich Uschi am Telefon erläutert. Bevor ich Big Fix sah oder hörte, erschien ein Lichtkegel an der letzten Garage. Ich schaltete meine Taschenlampe auf dem iPhone ein und gab Signale, sobald Fix und Boxi um die Ecke gebogen waren. Die beiden und Uschi waren an dem Tag 745km Erstauntes Smiley gefahren und froh, auf solch einem schönen und ruhigen Stellplatz gelandet zu sein. Da Uschi über eine funktionierende Klimaanlage verfügt, sagte sie, dass es für sie angenehmer gewesen sei, gekühlt zu fahren als stehend weichgekocht zu werden.

Tessin

Der nächste Tag wurde noch einmal so heiß, dass ich meine Klimaanlage durchlaufen ließ und Oscarlotta nur verließ, um meine Toilettenkassette zu entleeren und meinen Wassertank randvoll zu machen. Der Wasserhahn war nur ein paar Meter entfernt. Dabei fiel mir auf, wie traurig die neuangepflanzten Bäumchen aussahen und die nächsten Gießkannenfüllungen waren für sie. Verliebt

Uschi hatte sich beim nahen Bäcker Brötchen geholt und ihren Platz bezahlt und war zu weiteren Aktivitäten auch nicht bereit. Stimmt nicht, sie schaute sich Oscarlottas Tür an, schraubte die drei seitlichen Befestigungen ab, reinigte sie und schliff sie an.

Am nächsten Morgen öffnete sich die Tür anstandslos! Wir gaben unsere Schlüssel ab und fuhren wieder auf die A20. Bei der Ausfahrt 24 wechselten wir auf die E251/E22, die geradewegs auf die Rügenbrücke führt. Wir waren wohl nicht die einzigen, die dort hin wollten! Am letzten Rastplatz vor der Brücke hielten wir noch einmal an, wer weiß, wann wieder eine Gelegenheit kommen würde. Es fing nämlich leicht an zu regnen und ich kann mein Fenster an der Beifahrerseite in Ermangelung eines Beifahrers während der Fahrt nicht schließen. Wir fuhren bei Regen über die Brücke und über den Rügendamm. Mein Scheibenwischer auf der Beifahrerseite hat keinen ausreichenden Anpressdruck und wischt mehr in der Luft als auf der Scheibe. Das ist ein Manko, das immer nur kurzzeitig beseitigt werden kann, wenn ich mal wieder einer Werkstatt den Auftrag dazu gegeben habe. Da ich durch meinen Teil der Scheibe genug sehe, kann ich damit leben. Plötzlich drehte sich der rechte Scheibenwischerarm aber sehr akrobatisch einmal um die eigene Achse und blieb von der Scheibe weggedreht in der Luft. Sofort schaltete ich die Anlage ab. Aber es regnete und ich sah nichts mehr! Ich musste die Scheibenwischer laufen lassen!!! Anhalten ging natürlich nirgendwo, die Zugangsstraßen auf die Insel sind in diesem Bereich ausgesprochen schmal und insgesamt nur zweispurig. In beiden Richtungen bewegte sich eine PKW-Schlange! Der in der Luft schwebende, verdrehte Scheibenwischer machte sehr sonderbare Bewegungen und ich rechnete damit, dass er jeden Moment abfallen würde! Verwirrtes Smiley Ich schaltete die Anlage nur kurz ein, wenn ich fast nichts mehr sah und hoffte inständig auf einen Parkplatz. Der kam dann ZUM GLÜCK irgendwann. Mir war klar, dass Uschi sich wundern würde und ich wollte schnell aussteigen, um ihr Bescheid zu geben. Meine Tür GING NICHT AUF!!! Aber nicht ums Verrecken! Uschi kam durch den Regen gelaufen und ich rief ihr zu, sie möge den Scheibenwischer wieder zurückklappen. Der hatte sich aber so verkantet, dass auf die Schnelle nur abmontieren half. Egal, er nützte mir ja sowieso nicht viel, Hauptsache, ich konnte weiterfahren. Der verbleibende Gelenkstummel hatte genügend Abstand zur Scheibe, sodass er sie nicht verkratzen konnte. Der Regen wurde noch heftiger! Dann kam die Strecke mit den wunderschönen Baumalleen, die es nur noch in diesem Teil Deutschlands gibt. Ich erwähnte den starken Gegenverkehr? Die Warnschilder an den Bäumen für hohe Fahrzeuge nehme ich sehr ernst, die Bäume sind nämlich mit Sicherheit widerstandsfähiger als Oscarlotta. Ich blieb also in gebührendem Abstand zu ihnen, was bedeutete, dass ich über die Mittellinie fuhr. Wenn mir niemand entgegen kam. Wenn doch, blieb ich vor dem in die Straße hineinragenden Baum stehen und fuhr dann im großen Bogen drumherum. Es dauerte, bis wir in Thiessow ankamen! Enttäuschtes Smiley Auf dem Parkplatz des Campingplatzes ging die Tür nur auf, weil ich mich von innen dagegenwarf (mein Knie konnte ich nicht mehr einsetzen!) und Uschi von außen zog. Es war jetzt klar, dass der untere der drei „Tannenbäume“ (so hatte der Hartal-Mitarbeiter sie damals genannt) der Übeltäter war. Der wurde jetzt abgeschraubt! Und schon war das Problem gelöst. Seine Arbeit müssen bis auf weiteres seine beiden Kollegen übernehmen. Vermutlich müssen die Stifte in der Tür, die in diese Tannenbäume einrasten, wenn sich die Tür schließt, neu justiert werden. Ob wir das hinkriegen oder ob das eine Werkstatt machen muss, wird sich zeigen. Wir haben ja jetzt zwei Monate Zeit!

Hartal-TürHartal-TürHartal-TürHartal-TürHartal-TürHartal-TürHartal-Tür

Die Schranken des Campingplatzes öffneten sich erst um 15 Uhr wieder, die Rezeption war aber besetzt. So konnten wir uns anmelden und im Campingplatz-Bistro unseren ersten Backfisch essen. Wir hatten zwei nebeneinanderliegende Stellplätze gebucht, wovon einer allerdings erst drei Tage später frei werden sollte. Solange müsste Uschi einen anderen Platz nehmen. Sie fuhr schon einmal vor, ich machte einen Zwischenstopp auf der Entsorgungsstation. Als ich in der Nähe unserer Plätze ankam, stand Fix und Boxi mitten auf der Zufahrtsstraße und Uschi unterhielt sich mit den Campern auf ihrem zukünftigen Platz. Die packten gerade die Fahrräder zusammen und mussten nur noch den Wohnwagen anhängen. Der PKW stand natürlich auf meinem Platz! Laut Campingplatzordnung muss man bis 11 Uhr abgereist sein, aber für manche Menschen gelten immer andere Regeln. Die Leute waren aber nett und absolut relaxt. Der Mann stellte sein Auto auf die Straße und mit Uschis Hilfe drehte ich Oscarlotta auf 11 Metern um 180 Grad. Um quer zu stehen waren die Plätze nicht tief genug und ich wollte die Tür nicht zur Straße haben. Es dauerte dann noch eine gute halbe Stunde, bis Uschi hinter mich fahren konnte. Smiley

ThiessowThiessow

Unser erster Eindruck bestätigte nicht nur alle Erwartungen, sondern übertraf sie noch! Wir stehen in der „ersten Reihe“ mit einem unverbaubaren grandiosen Ausblick. Der Regen hatte mit unserer Ankunft aufgehört und dieser graue und etwas stressige Tag verabschiedete sich mit einem versöhnlichen und völlig unverhofften Willkommenssonnenuntergang! Daumen hoch

Thiessow

written by Ingrid
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Heißt es ins Tessin oder nach Tessin?

 

Ich hatte versäumt, nachzufragen, wann ich am nächsten Morgen spätestens abgereist sein müsste und beschloss, dass 11 Uhr in Ordnung sein muss. Wenn der Innenbereich von Oscarlotta im Reisemodus ist, brauche ich für sie und für mich eine gute Stunde, bis wir fahrfertig sind, vom Aufwachen bzw. Aufstehen aus gerechnet. Und dann habe ich zwar ein, zwei Kaffee bekommen, aber noch kein Frühstück, höchstens ein, zwei, drei Kekse. Zwinkerndes Smiley
Um viertel nach elf rollten wir vom Grundstück, ohne noch jemanden gesehen zu haben. Die Anfahrt zum Campingplatz war etwas unübersichtlich gewesen und so kam es, dass ich direkt an der ersten Abbiegung in die falsche Richtung fuhr. Manchmal ist es auch von Nachteil, ein Steinbock zu sein und so fuhr ich weiter anstatt zu drehen, in der festen Überzeugung, dass ich schon irgendwann auf die richtige Straße kommen würde. Mein Tommie schlug die Hände über dem Kopf zusammen und blieb nach den ersten erfolglosen Aufforderungen, doch bitte zu wenden, stumm. Oscarlotta und ich fuhren auf kleinsten Sträßchen durch eine schöne Waldgegend, danach durch eine menschenleere Wohnsiedlung und kamen nach einer guten halben Stunde an einer Stelle vorbei, die mir vom Tag zuvor in Erinnerung war. Immerhin in der richtigen Richtung! Beide Schiebefenster im Fahrerhausbereich hatte ich handbreit auf, damit wenigstens etwas Luftbewegung vorhanden war. Es war nämlich wieder heftig warm draußen!
Einen Plan, bis wohin ich fahren würde, hatte ich nicht. Kurz vor Ludwigslust stand ein Hinweisplakat auf einen Toom-Baumarkt an der Straße. Super, da würde ich meine leere Gasflasche tauschen. Und vielleicht gäbe es ein Baumarkt-Café! Statt Ludwigslust kam die Auffahrt auf die A14 Richtung Wismar. Nee, ich will erst zu Toom! Toom kam aber nicht, Ludwigslust auch nicht, auch keinerlei Hinweise, so, als gäbe es diese Stadt gar nicht! Es wurde immer ländlicher und irgendwann bog ich zumindest schonmal rechts ab. Erwähnte ich schon einmal, dass ich ungern dieselbe Strecke wieder zurückfahre? Dazu konnte ich mich erst durchringen, als das Waldsträßchen von Teer zu Kopfsteinpflaster wechselte. Als ich wieder an der Autobahnauffahrt angekommen und schon leicht genervt war, schrieb ich Ludwigslust und Toom und Gasflasche ab und fuhr Richtung Wismar. Ich SCHWÖRE, dass nichts anderes als Wismar dort stand! Drei Kilometer weiter an der ersten Abfahrt ging es dann nach Ludwigslust!!! Ob es der Wunsch war, doch noch eine Gasflasche zu bekommen oder mein inzwischen nicht mehr zu ignorierender Hunger, irgendetwas ließ mich den Blinker setzen und abfahren. Das Stadtzentrum war ausgeschildert, bloß sah ich keinen Hinweis mehr auf den Baumarkt. Verwirrtes Smiley Okay, ich musste irgendwo halten, die Adresse online suchen und endlich Tommie wieder einschalten. Die einzige Wendemöglichkeit war eine Tankstelle auf der anderen Straßenseite und dort fuhr ich direkt vor die Gitterbox mit Gasflaschen! Stehenbleiben konnte ich dort allerdings nicht, dann hätte ich die Zufahrt zur Waschstraße blockiert. Also wieder raus auf die Straße, noch einmal auf die Tankstelle fahren und sofort an der Staubsauger-Parkfläche halten. Jetzt blockierte ich zwar die, aber eine andere Möglichkeit gab es für mich nicht. Ich blieb auch nicht lange dort stehen, denn im Kassenraum gab es genau eine Angestellte, aber schon eine Schlange von mindestens sechs Männern, die ihre Tankrechnung bezahlen oder etwas kaufen wollten. Meine Geduld und Gelassenheit nimmt proportional zu meinem Sättigungszustand ab, ich machte auf dem Absatz kehrt, riss die Fenster in Oscarlotta wieder auf, suchte die Baumarktadresse raus und ließ mich direkt über Google dorthin leiten. Es ging durch die ganze Stadt wieder zurück, an der ersten Kreuzung nach der Autobahnabfahrt hätte ich nach rechts abbiegen müssen! Ich SCHWÖRE, dass dort nichts von Toom stand! Der kam dann aber ein paar Kilometer weiter tatsächlich, ich parkte quer über vier PKW-Parkplätze, ging vorsichtshalber ohne Gasflasche erst einmal fragen, ob ich meine tauschen könne, bekam sogar ungefragt von einer netten Kassiererin einen Chip für eine Baumaterialkarre („da müssen Sie nicht so hoch heben“) und konnte ganz unproblematisch eine neue Gasflaschenfüllung erwerben. Nur ein Café gab es leider nicht!!! Oscarlotta stand in der prallen Sonne, dort konnte ich nicht frühspätstücken. Also musste ein weiterer Keks herhalten. Cooles Smiley
Die Autobahnrastplätze waren alle geklont, voll und vollsonnig. Wenn mein Hunger eine bestimmte Grenze überschritten hat, werde ich entscheidungsunfähig und fahre einfach immer weiter. Das hätte sich fast geändert, als an einer Auffahrt innerhalb einer Baustelle zwei PKWs rechts an mir vorbeischossen und unbedingt noch vor mir reinfahren mussten. Für den ersten war das völlig in Ordnung, der zweite hätte mich aber erst vorbeilassen müssen, zumal ich ja auf der vorfahrtberechtigten Straße war und es keinen Seitenstreifen gab. Tat er aber nicht, der Idiot (der Fahrer, nicht der PKW). Zähnezeigendes Smiley Vollbremsung, das rechte Schiebefenster flog ganz auf, einige Dinge in Oscarlotta gerieten in Bewegung und wenn der Fahrer nicht ZUM GLÜCK Vollgas gegeben hätte, wäre es das gewesen. Jetzt hatte ich mehrere Gründe, den nächsten Rastplatz anzufahren, egal wie sonnig es dort war. Ich musste mich und die in Oscarlotta verstreuten Gegenstände sammeln und das Fenster wieder schließen. Sooo viel Wind wollte ich dann doch nicht! Ich aß endlich etwas und erledigte ein Telefonat, das ich schon seit Tagen vor mir herschob. Meine Fahrerhaus-Klimaanlage ist nämlich nicht mein einziges Problem. Trauriges Smiley Bereits am Morgen meiner ersten Übernachtung auf dieser Reise ließ sich meine Aufbautür von innen nicht mehr öffnen! Etwas schwergängig ist sie schon lange, aber es reichte immer, wenn ich mit dem Knie leicht nachhalf. Dieses Mal nützte das nichts. Es gibt nur diese eine Tür! Was macht man, wenn man aus seinem Mobil nicht mehr rauskommt? Ich probierte 10 Minuten alles mögliche, verdächtigte eines der beiden Schlösser als Übeltäter und wurde irgendwann rabiat. Mit dem Ergebnis, dass die Tür aufging und mein Knie blau wurde! Dieses Spiel setzte sich die nächsten Tage fort. Mal ging die Tür anstandslos und beim ersten Versuch auf, mal nicht. Ich hatte keine Erklärung dafür. Vor vielen Jahren hatten wir dieses Problem schon einmal, damals durfte Oscarlotta nicht mit der Tür zur Sonne stehen. Wir waren dann irgendwann bei Hartal in Iserlohn und dort wurde sie wieder neu eingestellt. Jetzt rief ich in Stralsund beim Caravan-Center Dahnke an und fragte, ob man mir helfen könne. Es war ja schon Freitagnachmittag und mein Plan war, auf dem angeschlossenen Stellplatz das Wochenende zu verbringen und erst am Montag nach Rügen zu fahren. Meine verspätete Ankunft hatte ich ja schon angekündigt. Der freundliche Mensch am Telefon erklärte mir allerdings, dass sie sich mit Hartal-Türen nicht auskennen würden, man könne zwar mal gucken, aber die Werkstatttermine seien bis weit in den Oktober ausgebucht. Ich verzichtete auf Stralsund (noch ging die Tür ja auf, mit mehr oder weniger Überredungsgewalt) und suchte online nach einem geeigneten Stellplatz für die nächsten zwei Nächte.
Am Kreuz Wismar wechselte ich auf die A20 Richtung Rostock und ein Stück dahinter war ich im Tessin. Nein, falsch, iN Tessin. Das ist ein unbedeutendes kleines Städtchen wenige Kilometer abseits der Autobahn mit einem netten und etwas ungewöhnlichen Wohnmobil-Stellplatz. Nett, weil man sich auf einer großen Wiese mit oder ohne Bäume/n seinen Platz da suchen kann, wo es einem gefällt. Nett auch der Preis von €12 incl. Strom und Wasser (mehrere Wasserhähne auf dem Gelände). Nett der Blick auf das angrenzende Freibad und auf die Tennis- und Sportplätze. Alles weit genug entfernt, dass die Lärmbelästigung sich in Grenzen hält. Besonders nett, dass keine Straßen in der Nähe sind, was zu einer wunderbaren Stille in der Nacht führt. Das liegt an der Ungewöhnlichkeit des Platzes bzw. seiner Lage. Es gibt an der Hauptstraße zwar ein Hinweisschild, aber die einspurige, enge und lange Zufahrt zu einem Haus ganz an ihrem Ende ermutigte mich nicht, dort hineinzufahren. Der große Parkplatz daneben gehörte aber nur zum Schützenhof. Ich fuhr ein Stück die Straße entlang, wendete und fuhr wieder zurück. Es war klar, ich musste dort bei dem Hinweisschild hineinfahren! Ein Junge mit Hund kam mir entgegen und ich fragte ihn, ob es da hinten einen Stellplatz für Wohnmobile geben würde. Das wusste er nicht! Etwas ratlos schaute ich wieder nach vorne und sah am Ende des Weges eine winkende Frau. Bei ihr angekommen bekam ich einen Schlüssel und eine Wegbeschreibung. Parken und aussteigen war nicht möglich.

TessinTessin

Ich solle quasi um das Gebäude herumfahren, zweimal rechts abbiegen, zwischen den Garagen durchfahren, das Tor auf (und wieder zu) schließen, mir einen Platz suchen und dann zum Bezahlen kommen. Netterweise verriet sie mir auch den kürzeren Fußweg an den Tennisplätzen entlang. Der Stellplatz ist ausgewiesen für 20 Mobile, anwesend waren drei und ich suchte mir ein schönes Plätzchen neben einem Apfelbaum aus. Am Tor war meine Tür schon nicht mehr ganz freiwillig aufgegangen, als ich zur Anmeldung gehen wollte, musste ich wieder Gewalt anwenden. Die Nachbarn auf dem übernächsten Platz werden sich wohl gewundert haben, warum ich von innen auf meine Tür einhämmerte! Smiley mit geöffnetem Mund Von außen öffnete sie sich bei meiner Rückkehr zur Abwechslung dann schon beim zweiten Versuch! Ich war nicht in Erklär-/Erzähllaune, ich wollte nur meine Klimaanlage anwerfen und meine Ruhe haben!!!

TessinTessinTessin

written by Ingrid
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Geht es etwa weiter???

 

Wohnmobilstellplatz Eschede ZUM GLÜCK hatte ich keinen Werkstatttermin um 8 Uhr, sodass ich doch noch ein paar Stunden Schlaf bekam, nicht genug, aber immerhin. Vereinbart war, dass ich, nachdem der TÜV-Prüfer fertig sein würde, kommen sollte, also gegen 13 Uhr. Perfekt für mich! Vorher würde ich anrufen, um nicht umsonst vor der Werkstatt zu stehen, falls der Kompressor doch noch nicht geliefert sein würde. Und so kam es – ich rief an und man teilte mir mit, dass der Kompressor erst am nächsten Tag kommen würde!!! Mist! Es war ja gar nicht die Zeit, davon hatte ich ja noch genug bis zum 1. September, es war die Hitze, die ich jetzt noch einen weiteren Tag aushalten musste. Das sagte ich so auch Herrn Seemüller und dass ich wohl nach Uelzen zurückfahren würde, weil ich Strom bräuchte, um die Klimaanlage laufen lassen zu können. Worauf er sofort sagte, dass er, wenn es nur um einen Stromzugang ginge, eine Lösung finden würde. Er würde seinen Nachbarn fragen, ob ich bei ihm auf dem Grundstück über Nacht stehen könnte. Zwei Tage zuvor hatte mir Herr Seemüller angeboten, dass man mich für die Dauer der Reparaturen zu der einzigen Attraktion in der Umgebung von Eschede fahren könnte, zum Filmtier-Park. Dorthin würde ich dann jetzt fahren und danach bei ihm vorbeikommen, teilte ich ihm mit. Nach Uelzen könnte ich dann zur Not immer noch fahren.

Der Tierpark interessierte mich, weil es sich spannend anhörte, dass dort alle? einige? der Tiere leben, die für bestimmte Filmszenen ausgebildet? abgerichtet? wurden und bei Bedarf an Filmstudios/-produktionen ausgeliehen werden. Hatte ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht, wo solche Tiere leben. Wenn ich also die Gelegenheit schon hatte, dann wollte ich sie auch wahrnehmen, egal, wie heiß es war.

Lageplan Es war nicht weit, es gab einen Parkplatz mit einer Abteilung für Busse, der Eintritt war mit €10 noch erschwinglich. Geworben wurde mit Fotos von Prominenten in hautnahem Kontakt mit Löwen und Tigern. Ich bekam einen Gehegeplan und begann meinen Rundgang. Nun kann man zu Tierparks ja die oder die Meinung haben, hier hatte ich ziemlich schnell das Gefühl, dass die Behausungen, Freigelände und Volieren zu klein und/oder zu eintönig sind. Zudem schien den Tiere, wenn sie denn überhaupt zu sehen waren, die Hitze genauso zu schaffen zu machen wie mir. Fast alle lagen schlafend oder dösend im Schatten. Enttäuschtes Smiley

schlafende Waschbärenschlafende WaschbärenKamele und Dromedaredösendes Dromedareuropäische WölfeWolf amerikanische SchwarzbärenBalu oder PetziMinischweineSchröder oder PoppeyeBengaltigerClayKönigstigerElvisAfrikanische LeopardenKitoWestafrikanischer LöweSibirischer TigerBengaltigerLeopardJaguarLuchsPumaGepard

Nur den Emus ging es so richtig gut! Sie lagen unter einem Baum und ließen sich von dem riesigen Wasserspender „begießen“.

EmusFritzi und FreundeFritzi und Freunde

Ich weiß ja nicht, was, wann und wie oft mit den Tieren irgendetwas geprobt oder neu eingeübt wird oder ob es schon ausreicht, dass sie „zahm“, also in Gefangenschaft geboren, aufgewachsen und an Menschen gewöhnt, sind. Es ist auf jeden Fall so, dass keines der Tiere so leben kann, wie es seinen angeborenen Instinkten entspricht. Dafür ist ihr Überleben gesichert. Verlegenes Smiley

ArasKaspar und SalomonKaspar und SalomonZwergotterWaschbärenLöweSchnee-EulenPaulaRasmusRasmus und SamanthaSamanthaFlugkünstler

Der Besuch hinterließ einen schalen Nachgeschmack bei mir und ich mochte wegen der Hitze auch nicht noch eine Stunde warten, bis es um 15 Uhr die tägliche Tiererlebnis-Show gab, wo man die Tiere sogar anfassen können soll. Vielleicht habe ich da etwas verpasst, keine Ahnung.

Ich fuhr zur Werkstatt und Herr Seemüller hatte tatsächlich auf dem Nachbargrundstück einen Übernachtungsplatz mit Strom für mich organisiert. Was für eine Wohltat, die Klimaanlage einschalten zu können! Und Kaffee konnte ich mir auch kochen! Vorsichtshalber schaltete ich die Klimaanlage aus, während die Kaffeemaschine lief. Ich wollte nicht riskieren, dass die Sicherung rausfliegt. Erstauntes Smiley

Firma SeemüllerFirma Seemüller

Ich hatte das Werkstattgeschehen nun gut im Blick. Vereinbart war, dass ich mich am nächsten Vormittag melden würde, wenn ich bereit war. Gegen 18 Uhr gab es ein Gewitter und damit einher ging endlich eine Abkühlung, sodass ich die Klimaanlage nach drei Stunden ausgeschaltet lassen konnte.

Vorsichtshalber schickte ich eine eMail zum Campingplatz auf Rügen und teilte mit, dass ich evtl. erst am Montag oder Dienstag eintreffen würde und dass ich den am 1. September fälligen Restbetrag überwiesen hätte. Ich schlief wunderbar in dieser Nacht, trotz der nahen und gut hörbaren Bundesstraße.

Am nächsten Morgen regnete es und es war angenehm, ja was – kühl? Etwas übertrieben ausgedrückt, aber kein Vergleich zu den vergangenen Tagen! Um halb elf rief ich in der Firma Seemüller an und bat darum, dass der Chef mich doch bitte befreien möge, sobald es ihm passe. Der steckte „kopfüber“, wie er sich ausdrückte, in einem zu reparierenden PKW und es dauerte dann noch eine Stunde, bis er mir das Tor vom Grundstück öffnete und hinter mir wieder schloss. Ich hatte vorher schon mein Stromkabel in der Scheune, vor der ich stand, abgezogen und bei meinen Gastgebern geklingelt, um mich für die Beherbergung zu bedanken, aber es öffnete leider niemand.

Oscarlotta bezog wieder den Platz neben dem Werkstatttor und ein freundlicher junger Mann fing damit an, das zwei Tage vorher eingefüllte Kältemittel wieder abzusaugen. Erneut fehlte ein nicht unbedeutender Teil und das, obwohl ich ja keine 100km gefahren war und die Anlage immer noch behauptete, dass keine Undichtigkeiten erkannt würden. Seltsam! Der Mechaniker fand eine defekte Sicherung, die im Motorraum verbaut war. Die anderen Sicherungen müsse er auch überprüfen, ob ich wüsste, wo die sind. Ja – und ich wusste auch, dass sich die an einer Stelle befinden, die schon so manchen Werkstattmenschen zu akrobatischen Verrenkungen genötigt hat. Links unter dem Lenkrad im oberen Pedalbereich. Dort kommt man nur hin, wenn man sich auf dem Rücken liegend zwischen Fahrer- und Beifahrersitz hindurchhangelt. Er sei wohl zu fett, stöhnte der junge Mann. Nein, war er nicht, vielleicht aber etwas zu groß! Cooles Smiley Die Sicherungen waren alle in Ordnung! Den defekten Schalter hatte er ausgetauscht und jetzt würde die Kühlflüssigkeit wieder aufgefüllt werden. Danach könne er erst feststellen, ob der Kompressor auch ausgetauscht werden müsse oder ob der Schalter das Problem war. Das würde etwas dauern. Ich nutzte die Zeit und ging beim benachbarten Edeka-Markt einkaufen und einen Kaffee trinken. Kaum zurück, ich konnte gerade noch meine Einkäufe verstauen, bekam ich die Aufforderung, den Motor zu starten und die Klimaanlage einzuschalten. Trommelwirbel!!! Es kam kalte Luft aus allen Ausströmern! Halleluja! Smiley mit geöffnetem Mund

Glücklich und erleichtert ging ich ins Büro, um meine Rechnung zu bezahlen. Nach einer Viertelstunde des Wartens verkündete die Dame am Tresen, dass sie heute eher Feierabend machen würde. Offenbar hatte sie meine Rechnung noch gar nicht in Arbeit. Auf meine Nachfrage, warum es denn jetzt noch so lange dauern würde, meinte sie, dass sie das auch nicht wisse, aber mal in der Werkstatt nachfragen würde. Nach einer weiteren Viertelstunde kam der Chef, entschuldigte sich, dass sie noch eben etwas gegessen hätten und dabei gefachsimpelt, warum das Gerät zweimal einen Kühlmittelverlust angezeigt hätte. Sie könnten sich das nur so erklären, dass die Waage in dem Gerät hochsensibel sei und das Gerät normalerweise nicht von der Stelle bewegt werde/werden dürfte. Jetzt war es aber sogar über das holprige Pflaster der Einfahrt gerollt worden. Sie hätten aber zur Vorsicht eine fluoriszierende Flüssigkeit hinzugefügt, sodass man eventuell doch vorhandene Undichtigkeiten mit Schwarzlicht kenntlich machen könnte. Aber vermutlich hätte nur die Waage gesponnen. Eine Rechnung könne er mir jetzt nicht schreiben (die Sekretärin war ja schon weg), nur eine Quittung ausstellen. Er rechnete dann sehr wohlwollend eine Arbeitszeit aus, der Kühlflüssigkeitsaustausch wurde zum Festpreis nur einmal berechnet, der Schalter, die Sicherung und noch zwei Glassicherungen, die ich für meine defekten 12-Volt-Steckdosen brauchte. Ich bezahlte €332. Ob ich auf der Rückfahrt von Rügen noch einmal in der Nähe vorbeikommen würde? Dann könne man noch einmal nachschauen? Den Kompressor würde er dann zurückgeben, das sei kein Problem. Ich verneinte und bedankte mich, hinterließ 10 Euro mit der Bitte, sie und mein Dankeschön dem Nachbarn für meine Übernachtung und den Stromverbrauch zu geben und verließ um halb vier den Hof. Wie herrlich, eine funktionierende Fahrerhaus-Klimaanlage zu haben!!! Die große Hitze war zwar vorbei, aber gebrauchen konnte ich sie noch gut.

Mein Glück dauerte ungefähr 1½ Stunden. Zunächst unmerklich, dann aber immer deutlicher wurde die ausströmende Luft wieder warm! Meine Enttäuschung war unbeschreiblich!!! Drei Tage hatte ich ausgeharrt, in der Hitze gelitten und jetzt war doch alles für die Katz! Weinendes Smiley Entnervt folgte ich spontan einem Stellplatzhinweis und machte nach knapp 100km Fahrt Schluss. Eigentlich hätte ich wieder zurückfahren müssen, aber dazu konnte ich mich nicht aufraffen. Ich rief Herrn Seemüller an. Meine Vermutung war, dass die Sicherung wieder durchgeschmort sein würde. Die Frage war, warum? Also doch der Kompressor? Möglich sei das, wenn der Kompressor schwergängig sei, wurde mir mitgeteilt. Das nützte mir nun auch nichts. Ich beschloss, am nächsten Tag weiterzufahren und eine Überprüfung auf irgendwann zu verschieben.

Der kleine Campingplatz, auf dem ich gelandet war, war eindeutig noch aus DDR-Zeiten übriggeblieben. Ich zahlte vor der Gaststättentür für einen Campingplatz günstige 12 Euro bar auf die Kralle ohne Quittung und ohne Anmeldeformalitäten. Sarkastisches Smiley Vier kWh waren im Preis enthalten, ich schloss mein Kabel an, ließ alles zu und schmiss meine Dachklimaanlage an. ZUM GLÜCK funktionierte ja wenigstens die!!!

Neu GöhrenNeu GöhrenNeu Göhren

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Was Uelzen mit Hundertwasser und der Expo 2000 zu tun hat

 
Eine Info vorab:

Alle Angelegenheiten in Uschis Erbschaftsmarathon sind erfolgreich abgeschlossen!!! Smiley Zum 1. September konnte das Haus ihres Vaters an die neuen Besitzer übergeben werden. Mögen sie dort lange und glücklich leben! Wir sind jederzeit herzlich willkommen, ob wir aber irgendwann wirklich noch einmal dort hinfahren werden, steht noch in den Sternen.

Und: Wir sind seit Sonntag auf Rügen und es gefällt uns sehr gut hier. Näheres demnächst!

Nun aber zur Fortsetzung meiner Werkstattgeschichte!

Als ich am nächsten Vormittag wach wurde, begann es in Oscarlotta schon wieder warm zu werden. Über Nacht hatte ich alle Fenster und Dachluken geöffnet gelassen, jetzt wurde es Zeit, die Klimaanlage erneut einzuschalten. Dazu musste ich aber erst einmal einen Euro in den Automaten einwerfen, für weitere 6 Stunden Strom. Ein Blick aus dem Fenster zeigte, dass inzwischen alle Plätze frei waren, bis auf Platz 4, auf dem der Pössl stand. Der wurde zwar gerade von den Keilen runtergefahren, aber nur, wie sich herausstellte, um gedreht zu werden, damit sich die Schiebetür auf der Schattenseite befinden würde. Das war gut, weil der ältere Herr dadurch beschäftigt war und kein Interesse an meinem Tun hatte. Ich wollte nämlich Oscarlotta auch umdrehen! Am Abend zuvor hatte ich mir schon überlegt, wie ich dort rückwärts um die Absperrung herum wieder herauskommen könnte? Also schnell angezogen, das Stromkabel abgezogen und aus dem Weg gelegt, damit ich es nicht überfahre und Oscarlotta in wenigen Zügen „auf dem Teller“ gedreht. Geht nicht ganz so gut wie mit einem Schiff, aber ich hatte ja Platz. Dann Stromkabel wieder angesteckt (der Nachbar war immer noch beschäftigt!), Geld eingeworfen und die Klimaanlage eingeschaltet. Jetzt erst einmal ausgiebig duschen gehen! Die Duschräume waren einfach, aber sauber, das Wasser war warm mit kräftigem Strahl und die Zeit war nicht begrenzt. Sehr schön!!! Draußen war es jetzt um die Mittagszeit schon wieder sehr heiß, aber in Oscarlotta herrlich kühl. Kuss senden Ich machte mir Frühstück und versuchte online herauszufinden, wann es eine Busverbindung in die Innenstadt geben würde. Bei der Hitze wollte ich auf keinen Fall laufen und auch nicht mit dem Fahrrad fahren. Die Bushaltestelle war an der Bundesstraße, keine 200m entfernt und ein Bus fuhr so alle 1½ Stunden. Bei der Herfahrt hatte ich schon einen Hinweis auf den Hundertwasser-Bahnhof von Uelzen gesehen und den wollte ich mir auf jeden Fall ansehen. Um 15 Uhr am ZOB angekommen erkundigte ich mich als erstes nach den Rückfahrzeiten. Mein Busfahrer konnte mir dazu keine Auskunft geben und verwies mich an den Kollegen in der nächsten Busspur. Der schaute mich aber auch an, als ob ich chinesisch mit ihm reden würde, schickte mich dann aber immerhin zum richtigen Terminal. Der nächste Bus würde in 20 Minuten zurückfahren und dann erst wieder gegen 19 Uhr! Dann fiel dem Busfahrer ein, dass es noch eine andere Linie gibt, da war die nächste Abfahrt um 17 Uhr. Passt!

Ich machte mich auf den Weg zum Bahnhof. Es war heiß! Der erste Anblick war etwas enttäuschend, die Farben waren alle sehr dunkel, nichts Strahlendes, wie von Hundertwasser gewöhnt. Innen drin war es schon deutlich besser, kühler und bunter.

Hundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof Uelzen

Der Uelzener Bahnhof entstand schon 1847, als die Strecke der „Königlich Hannöverschen Staatseisenbahn“ von Hannover nach Celle über Uelzen hinaus bis nach Harburg erweitert wurde. Das ursprüngliche Empfangsgebäude wurde im Zuge eines Expo 2000-Projekts (Weltausstellung im Jahre 2000 in Hannover) nach den Ideen und dem Konzept des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser umgebaut. Seitdem gilt der Bahnhof als Touristenattraktion. Die Expo 2000 habe ich damals über 10 Tage „abgearbeitet“, war in nahezu jedem Länderpavillon und schwer begeistert. Geschlafen habe ich in meinem ersten Wohnmobil auf dem Parkplatz einer S-Bahnstation und bin jeden Tag morgens eine halbe Stunde hin und abends in übervollen S-Bahnwagen todmüde wieder zurückgefahren. Verpflegen konnte ich mich jeden Tag in einem anderen Land! Die architektonische Vielfalt, die vielen verschiedenen Nationalitäten, der friedliche Ablauf trotz der irre vielen Besucher (insgesamt 18 Millionen in 5 Monaten), die unterschiedlichen Veranstaltungen und die teilweise irrwitzigen Visionen und Ideen, mit denen das offizielle Motto „Mensch, Natur und Technik – Eine neue Welt entsteht“ umgesetzt worden war, entschädigten für alles, die langen Bahnfahrten, die platten Füße, die teilweise recht hohen Preise und den nächtlichen Lärm an einer Bahnhofsstraße. Verwirrtes Smiley

Erstmalig umgesetzt wurde die Idee, eine Weltausstellung mit ihren weltweiten Projekten nicht nur in der Veranstaltungsstadt, in diesem Fall Hannover, sondern tatsächlich in aller Welt stattfinden zu lassen. In insgesamt 123 Ländern wurden 787 zukunftsweisende, übertragbare und nachhaltig wirkende Projektideen zu allen Themenbereichen als offizielle Expo 2000-Projekte registriert. In Deutschland wurden 280 Projekte realisiert, eins davon der Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen. (Quelle: Wikipedia). Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich damals von diesem Projekt wusste. Ich weiß aber, dass ich mehrere Jahre später noch einmal zum Messegelände gefahren bin, um nachzusehen, was von den vielen verschiedenen Gebäuden noch existierte. Bis 2004 sollen laut Auskunft der Betreibergesellschaft noch 85 Prozent der Fläche und der Pavillons des Ost-Geländes weitergenutzt worden sein. Das westliche Pavillongelände wurde mit neuen Messehallen überbaut oder zu Parkflächen umgestaltet, u. a. für die größte Computermesse der Welt, die CeBit. Ich war hin und hergerissen vor Freude, wenn ich ein Gebäude noch vorfand, an das ich mich erinnern konnte und es in noch akzeptablen Zustand war und Trauer über so viele freie Flächen und über den Verfall. Viele Pavillons wurden im Laufe der Nachfolgejahre abgerissen und viele andere wurden von Firmen übernommen. Der deutsche Pavillon steht noch und wurde im Zuge der Flüchtlingskrise ab 2015 als Notunterkunft zum kurzzeitigen und inzwischen längerfristigen Aufenthalt von bis zu 430 Flüchtlingen genutzt. (Quelle: Wikipedia)

Es ist für mich gerade sehr interessant, wie viele Erinnerungen wieder hochkommen, während ich diesen Text schreibe, den ich in dieser Ausführlichkeit gar nicht geplant hatte! Etwa ich?

Die vielen Details im Inneren des Uelzeners Bahnhofs und auf den Bahnsteigen waren nett und sehenswert, fasziniert hat mich aber vor allem das Modell unter Glas in einem Ausstellungsraum.

Hundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof Uelzen

Als ich alles gesehen und auch noch einen Kaffee getrunken hatte, war trotzdem erst eine Stunde vergangen. Draußen erschlug mich fast eine Wand aus schwüler Luft. Es hatte inzwischen gewittert, aber es ging keinerlei Abkühlung damit einher. Sollte ich ein Taxi nehmen und zum Stellplatz zurückfahren oder sollte ich noch in die Stadt gehen? Die Taxen, die vor dem Bahnhof gestanden hatten, waren gerade alle unterwegs, also begab ich mich auf den Weg in die Stadt. Es mag an der Hitze und an meiner Verfassung gelegen haben, dass ich Uelzen nichts abgewinnen konnte. Ich schlich eine halbe Stunde durch mehrere Straßen, suchte und fand eine Haltestelle, an der meine Buslinie vorbeikommen müsste und setzte mich auf die ZUM GLÜCK dort vorhandene Bank ZUM GLÜCK im Schatten. Ich schwitzte eine weitere halbe Stunde still leidend vor mich hin, bis der Bus ZUM GLÜCK dann wirklich kam und auch dorthin fuhr, wo ich hin wollte. Mich hielt nur noch die Erwartung einer klimaanlagengekühlten Oscarlotta aufrecht und es war eine Wohltat, sie zu betreten! Der Strom war, wie erwartet, wenige Minuten vorher beendet worden, ich verstaute noch schnell mein Stromkabel, machte alles fahrfertig und verließ vorwärts den schon wieder vollen Stellplatz. Ich hätte natürlich auch noch eine weitere Nacht dort verbringen können, aber ich wollte den Vorteil der Zeitersparnis am nächsten Tag haben und schon in der Nähe der Werkstatt sein. Also fuhr ich zurück nach Eschede auf den kosten- und stromlosen Stellplatz. Außer ein paar Bier trinkenden Jugendlichen war niemand dort, aber die waren weit genug weg und ließen mich in Ruhe. Trotzdem stellte sich meine Entscheidung als Fehler heraus, denn in dieser Nacht kühlte es kaum ab und es bewegte sich kein Lüftchen. Wenn ich alleine irgendwo stehe, lasse ich keine Fenster auf. Es konnte also nur durch die Dachluken hereinziehen und das war nicht spürbar. Ich konnte ewig nicht einschlafen, was besonders blöd ist, wenn man am nächsten Tag Termine hat. Aber es gab noch einen zweiten Grund, warum ich die falsche Entscheidung getroffen hatte…

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.