Bakfiets, ÖPNV und anderes

 

Ihr wollt endlich „richtige“ Amsterdamfotos sehen??? So welche, wie auf den Kalendern zu sehen sind oder in diversen Instagram-Accounts? Wie man sie halt so kennt? Also gut, hauen wir sie raus! Smiley mit geöffnetem Mund

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Zufrieden? Vielleicht sogar (so) begeistert (wie ich)? Sogar Uschi ist inzwischen infiziert.

Zum Ausgleich müsst ihr euch dann aber jetzt auch noch ein paar andere Fotos anschauen! Ich sage nur: Kuuuuunst! Zwinkerndes Smiley

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Es gibt in Amsterdam so viele verschiedene Stadtviertel mit ihren Besonderheiten, (Touristen-) Attraktionen und Sehenswürdigkeiten, dass wenige Tage dafür nicht ausreichen. Sogar, wenn man zweimal innerhalb einer Stunde durch dieselbe Straße läuft, weil man einmal in die verkehrte Richtung abgebogen ist und es nicht gemerkt hat, entdeckt man Details, die einem vorher verborgen geblieben sind. Zu Fuß gehen, bzw. schlendern, ist die einzig vernünftige Fortbewegungsart, schon auf einem Fahrrad würde man zu viel übersehen. Vernünftig auch deshalb, weil man immer und überall aufpassen muss, dass man nicht einen der zahlreichen und aus allen Richtungen vorbeischießenden Amsterdamer auf seinem fiets übersieht! Die haben nämlich eingebaute Vorfahrt! Eine Renaissance erleben seit ein paar Jahren die alten niederländischen Lastenfahrräder der Handwerker, bakfiets (bak = Kasten) genannt. Damit wurde einfach alles transportiert, jetzt überwiegend Kinder. Gibt es in zig Ausführungen, für bis zu sechs (!) Kinder, mit Anschnallmöglichkeit, für Hunde, mit und ohne Regenschutz, für Einkäufe, Transporte aller Art, allerdings nicht ganz preiswert! Erstauntes Smiley

bakfietsbakfiets

Man sieht hier auch noch viele Herrenräder, die zusätzlich auf der Stange einen kleinen Sattel fest angebracht haben und Fußstützen am Rahmen. Bei den Damenrädern ist der Sattel an der Lenkerstange befestigt. Oft ist auf dem Gepäckträger noch ein Kindersitz zu finden. Smiley

718b Amsterdam

In der Innenstadt und den diversen Stadtteilen ist das die wesentlich schnellere Art, von A nach B zu kommen als mit dem PKW. Parkplätze sind Mangelware und teuer und wer nicht mit dem Rad fahren kann/möchte, für den bietet sich das Netz des ÖPNV an.

ÖPNV Amsterdam Endhaltestelle Flevopark

Preise ÖPNV Da ich schon gerade bei den technischen Gegebenheiten bin, erzähle ich auch noch, wie das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln geht, hier in Amsterdam. Verwirrtes Smiley Wir holen uns unsere Fahrkarten meist an der Rezeption des Campingplatzes. Das Minimum ist eine Karte für €3,20, mit der man ab Aktivierung eine Stunde lang kreuz und quer fahren kann. Für €8 gibt es die Tageskarte, die ab Aktivierung 24 Stunden gültig ist. Uschi ist schon zweimal am nächsten Vormittag damit noch zum Einkaufen gefahren. Die Tageskarte ist bis zu 7 Tage (am Stück) erweiterbar und kostet in der Endfassung nur noch €36,50. Da wir nicht jeden Tag unterwegs sind, lohnt sie sich für uns nicht. Der Fahrradtransport kostet €1,80. An einigen Haltestellen gibt es Fahrkartenautomaten, bezahlen kann man nur per Giro- oder Kreditkarte, traditionell oder kontaktlos. ApplePay hat allerdings nicht funktioniert. Hat man noch keine Karte, kann man auch in der Bahn bezahlen. Und zwar nicht an einem Automaten, dessen Handhabung man nicht versteht. Nein, in JEDER Straßenbahn sitzt im hinteren Bereich an einem elegant geschwungenen Arbeitsplatz ein Mitarbeiter, der Fahrscheine verkauft, allerdings auch hier nur gegen Kartenzahlung. Er/sie sitzt gleich gegenüber der Haupteingangstür und beobachtet gleichzeitig, ob jeder Einsteigende (s)eine Karte entwertet. Die hält man lediglich vor ein Lesegerät bis es piept. Einsteigen kann man ansonsten nur noch ganz vorne beim Fahrer durch eine schmale Tür. Das Aussteigen ist nur an einer ebenso schmalen Tür ganz hinten in der Bahn, die aus fünf aneinandergekoppelten Wagen besteht, erlaubt und im vorderen Bereich an zwei Doppeltüren. Daran halten sich allerdings nicht alle, obwohl es natürlich eine sehr sinnvolle Einrichtung ist, weil nicht erst gewartet werden muss, bis alle ausgestiegen sind, bevor man einsteigen kann.

Tram AmsterdamTram AmsterdamTram Amsterdam

Eine Besonderheit, an die man sich aber schnell gewöhnt, zumal ständig per Ansage darauf hingewiesen wird, ist, dass man beim bzw. vor dem Aussteigen ebenfalls seine Karte an das Lesegerät halten muss. „Please remember to check out!“ Warum, wozu, weshalb und was passiert, wenn man es doch einmal vergisst, entzieht sich unserer Kenntnis. Auf jeden Fall dürfte es fast nicht möglich sein, zumindest nicht unbemerkt, schwarz zu fahren. Denn vor oder hinter einem ist immer irgendjemand. Die Karten gelten im gesamten Amsterdamer Großbereich für Tram, Bus und Metro. Für Nachtbummler fahren Nachtbusse, das Ticket kostet €4,70 und ist 1½ Stunden gültig. Darüberhinaus gibt es noch Möglichkeiten, mit einer Guthabenkarte zu einem Basispreis von €0,98/Fahrt plus einem Kilometerpreis von 17 Cent/km zu fahren und da macht es dann auch Sinn, dass man auschecken muss. Ob diese Möglichkeit auch für Touristen machbar ist, müssten wir noch ergründen. Monatskarten gibt es natürlich auch. Ab €55,10 bis €551,00 für ein ganzes Jahr. Interessant ist, dass es gleichermaßen eine Preisermäßigung für 4 – 18-Jährige sowie für über 65-Jährige gibt, bei einer Ein-Monatskarte wäre das bereits eine Ersparnis von €19,20! Wenn wir also noch einmal (was ich hoffe!) für längere Zeit in Amsterdam sein werden, könnte sich eine der beiden Möglichkeiten durchaus lohnen.

Grachtenrundfahrt Ja, natürlich haben wir auch eine Grachtenrundfahrt gemacht! Verliebt 12 Euro für eine Stunde ist ein fairer Preis. Das Panoramafoto von der Centraal Station aus dem letzten Blogbeitrag ist von dem Tag und das aktuelle Headerfoto auch. Wir hatten eine Schiffsführerin, die gleichzeitig Bootsfrau war und ihre Sache sehr gut machte. Das Abbiegen von einer Gracht in die andere durch einen Zwischenkanal ist nämlich teilweise so rechtwinklig auf kurzer Distanz, dass das Boot in einem Zug nicht um die Ecke kommt. Oder es muss gewartet werden, weil ein anderes Boot entgegenkommt. Bei ihren ersten Fahrten dürfte die Kapitänin sicher geschwitzt haben, aber jetzt machte sie das mit links und es war eine Freude, dabei zuzusehen, wie sie das Steuerrad mit einer Hand herumwirbelte. Wir fuhren die beliebtesten Touristenattraktionen ab und eine Bandansage erläuterte auf englisch und auf spanisch alles, was rechts und links zu sehen war. Dabei wurde mal wieder klar, dass, wie beim Holländischen, lesen und verstehen die eine Sache ist und hören und verstehen die andere. Englisch – no problem, aber spanisch? Sagen wir es mal so: Dass wir den Text vorher auf englisch gehört hatten, war enorm hilfreich! Cooles Smiley

Wir fuhren in einem verglasten Boot, sodass fotografieren schwierig war.

Magere BrugMagere BrugAmsterdamAmsterdam

Zum Ende der Fahrt ging es sogar noch auf dem IJ hinter der Centraal Station und zwischen den Fähren entlang. Eine solche Fahrt möchte ich irgendwann noch einmal bei einsetzender Dämmerung machen, wenn in den Häusern die Fenster beleuchtet sind, die Straßenlaternen sowie die Lichterketten in den Bäumen brennen, die Brückendurchfahrten mit leuchtenden Lämpchen umrandet sind und sich das alles im Wasser spiegelt!!! Herz written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

NDSM, Pontsteiger und Haarlemmerbuurt

 

Es gibt viele verschiedene Methoden, eine größere Stadt zu erkunden, die sicherlich abhängig sind vom Typus des jeweiligen Menschen.

– Man kann einfach draufloslaufen, was gar nicht die schlechteste Art ist, weil man ohne Erwartungen unterwegs ist und alles, was man entdeckt oder erlebt, als unverhofftes Geschenk annehmen kann. Ein Stadtplan in der Tasche ist sicher hilfreich, aber heutzutage ist Google Maps natürlich die 1. Wahl! Nicht mehr wissen, wo man eigentlich ist, war gestern. Zwinkerndes Smiley

– Man kann schon Tage oder Wochen vorher Reiseführer studieren, ganz viele Markierungszettelchen hineinkleben, eigene Touren zusammenstellen und die dann am Zielort gewissenhaft abarbeiten.

– Man kann die Touren, die andere Menschen professionell erstellt und dokumentiert haben, ablaufen oder mit dem Rad abfahren.

– Man kann mit dem Sightseeingbus, einem Ausflugsboot oder mit einer Stadtführung zu Fuß sich die wichtigsten Punkte zeigen und erklären lassen.

– Und schließlich kann man, wenn man flexibel ist, all diese Methoden miteinander kombinieren. Was man dann vor allem braucht, ist ZEIT. Eine gute Kondition kann ebenfalls nicht schaden.

Zeit haben wir, mit der Kondition steht es bei mir leider nicht mehr so gut. Also kombinieren wir. Laufen, Straßenbahn, laufen, Fähre, sitzen und Kaffee trinken, laufen, Grachtentour per Boot, etwas essen gehen, Museum, Bus, Kaffee trinken, durch diverse Einkaufszentren, Straßenbahn, über den einen oder anderen Markt, Febo, Kirche von außen und innen, Straßenbahn nach Hause…

Café Bovendiep Natürlich nicht alles an einem Tag und auch nicht ein Tag nach dem anderen, wir sind ja schon älter! Laut lachen Ein Programmtag, zwei Ruhetage, das ist unser Rhythmus. Umso besser, dass wir hier so schön stehen. Bei gutem Wetter ist dann immer noch ein Spaziergang am Kanal entlang oder Richtung Steigereiland drin. Leider ist das Restaurant des Campingplatzes im Winter geschlossen und auch das Café im nahen Jachthaven ist aus unerfindlichen Gründen zu. Also gibt es den Nachmittagskaffee in Oscarlotta, was überhaupt nicht schlimm ist, gibt es in den Niederlanden ja auch noch ganz wunderbare süße Leckereien, Stroopwafels zum Beispiel. Die sehen so trocken, langweilig und unscheinbar aus, dass ich sie tatsächlich noch nie probiert hatte. Ein Fehler! Zwei dieser waffelähnlichen Kreise sind nämlich mit eingedicktem Honig miteinander “verklebt”. Sehr süß, aber leggggger! Und dann sind da noch die Butterkekse, bei denen man die „gute“ Butter schmeckt. Lustig ist, dass sie immer noch in genau der gleichen Kombination und Verpackung verkauft werden wie schon vor mehr als 25 Jahren! Smiley mit geöffnetem Mund Es ist wirklich verwunderlich, dass die Niederländer schlank sind! Allerdings ist es hier Sitte, dass es zum nachmittäglichen Kaffee genau EINEN Keks gibt. Und vermutlich sind sie bei den anderen Mahlzeiten auch so konsequent. Kann eigentlich nicht anders sein!

niederländische Leckereien

Fähren Amsterdam Eine unserer ersten Unternehmungen war eine Fährfahrt über den IJ zum Gelände der ehemaligen NDSM-Werft. Auf der Rückseite des Amsterdamer Hauptbahnhofs (Centraal Station) legen drei Fährlinien in unterschiedliche Richtungen ab. Die am meisten frequentierte geht in wenigen Minuten nur auf die andere Seite zum Stadtteil Amsterdam-Noord. Es fahren zwei Fähren hinüber und herüber und sie sind immer voll, egal zu welcher Tageszeit. Eine andere Fährlinie bedient den Teil von Amsterdam-Noord, der rechts vom Noordhollandsch Kanaal liegt und die dritte fährt ca. 15 Minuten nach links Richtung Noordzeekanaal bis auf die Höhe des neuen Stadtteils Houthavens (Holzhafen). Schräg gegenüber ist die Anlegestelle Amsterdam, NDSM. Von dort aus fährt man auch, wenn man auf dem Wohnmobilstellplatz steht. Der Transport auf allen drei Fährlinien ist übrigens kostenlos!

Fähre NDSMWohnmobilstellplatz

Am NDSM-Pier liegen ein paar größere Schiffe vertäut, u. a. ein Hotelschiff.

botel AmsterdamSegelschiff Segelschiff Segelschiff

NDSM-Werft Die NDSM-Werft (Nederlandsche Dok en Scheepsbouw Maatschappij) hatte ihre Blütezeit als größte Schiffswerft Europas von 1894 bis 1946 und musste nach vielfältigen Rettungsversuchen Konkurs anmelden. Aber wie das in Amsterdam so ist, es gibt immer irgendeine kreative Form des Weiterlebens. In diesem Falle ist hier heute die Kunst- und Kultur-Szene zuhause. Auf dem Industriegelände und in den Hallen der ehemaligen NDSM-Werft sind StartUps, Agenturen und Künstler aktiv. Vielleicht hat der eine oder andere unserer Leser schonmal einen Bericht im Fernsehen darüber gesehen. Bei mir war es so und seitdem war klar, wenn ich mal wieder nach Amsterdam komme, dann will ich da hin!

Kran-Hotel "Faralda" Jetzt war es soweit, die Fährfahrt bei Sonnenschein war schon einmal ein Vergnügen und die große Werfthalle war nicht zu übersehen und nur ein paar Schritte vom Fähranleger entfernt. Ein großer Kran dominierte das Gelände und später erfuhren wir, dass in ihm ein Hotel mit drei Luxus-Suiten von je ca. 40m² auf je zwei Etagen errichtet wurde. Die Preise für eine Nacht betragen €695, €795 und €1.285, jeweils für 2 Personen! Frühstück nicht inbegriffen, aber es gibt eine Mini-Bar! Cooles Smiley

NDSM-WerftNDSM-Werft

Die NDSM-Halle ist im originalen Zustand belassen, allerdings weitestgehend „entkernt“. Um das geplante Vorhaben in die Tat umzusetzen, wurden viele Schiffscontainer in zwei Etagen und langen Reihen hineingestellt, mit Türen und Fenstern versehen und vermietet oder zur Verfügung gestellt. Bis auf einen (geschlossenen) Verkaufsladen konnten wir nicht so genau ergründen, was in den einzelnen, mit Nummern versehenen, Containerräumen eigentlich geschieht, aber es war durchaus Leben dort.

NDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-Werft

Im Sommer ist die NDSM-Werft eine von vielen Attraktionen Amsterdams und dann werden die Containertüren vielleicht offenstehen. Auf jeden Fall finden auf dem gesamten weitläufigen Freigelände jede Menge Events statt und in den nebenan liegenden IJ-Hallen ist an jedem letzten Wochenende im Monat der beliebteste Trödelmarkt Amsterdams und gleichzeitig der größte Flohmarkt Europas mit bis zu 750 Verkaufsständen zu besuchen. Verwirrtes Smiley

Am Rande des Geländes befindet sich die Anlegestelle des einzigen Pfannkuchenbootes Amsterdams. Pannenkoeken sind eine weitere niederländische Spezialität und über die Stadt verteilt gibt es einige Pfannkuchenlokale. Wir haben allerdings den Eindruck, dass die Preise Amsterdamer Touristenpreise sind und haben Pannenkoeken mal noch vertagt. Noch einen Reinfall brauchen wir nicht! Den hatten wir mit einem China-Lokal in der Nähe der Centraal Station. Eigentlich ist chinesisches Essen auch für Vegetarier eine gute Sache und so bestellten wir gebratene Nudeln mit Gemüse. Der Preis war in Ordnung und aus Erfahrung wissen wir, wie ein solches Gericht üblicherweise aussieht, nämlich viele verschiedene Gemüsesorten, im Wok geschwenkt und gut gewürzt in einer Soße, auf einer ovalen Platte serviert mit Reis oder eben Nudeln als Beilage. Wir bekamen je einen Essteller mit Nudeln, die weder angebraten noch irgendwie besonders gewürzt waren. Als „Gemüse“ lagen ein paar gekochte Kohlblätter obendrauf. Das war`s! Nicht einmal nachwürzen half und so gingen die Teller mehr als halbvoll wieder zurück. Die Kellnerin wunderte sich, dass wir so schnell fertig waren, fragte aber vorsichtshalber nicht nach, warum. So schlecht gegessen haben wir noch nirgendwo! Und dabei wäre es so einfach, bei der Vielfalt an (schon geschnittenem) Gemüse, das es überall gibt. Ein paar labberige Kohlblätter sind einfach eine Frechheit!!! Erzürnt

Pannenkoeken-Lokale

Fährlinie Pontsteiger Mit dem Pannenkoekenboot kann man für €21,50/Person 75 Minuten durch die Gegend schippern und dabei so viele Pfannekuchen (süß und pikant) essen, wie man mag und schafft. Wir haben uns (leider!) dagegen entschieden und wollten mit der nächsten Fähre um 16 Uhr wieder zur Centraal Station zurückfahren. Da noch etwas Zeit war, haben wir uns ein wenig am Pier umgesehen und mussten dann fast rennen, weil die Fähre schon 10 Minuten eher kam. Wir wunderten uns zwar, dass nicht alle wartenden Menschen einstiegen, ahnten aber nichts Böses. Als das Schiff dann allerdings mitten auf dem IJ nicht nach links abbog, sondern geradeaus auf das interessant aussehende torförmige Haus zufuhr, ahnten wir, dass es noch eine andere Fährlinie gibt! Die ging rüber nach Houthavens, einem weiteren aufstrebenden Stadtteil Amsterdams, gegründet 2010 rund um den alten Holzhafen. Das Gebäude heißt Pontsteiger und beherbergt ein Hotel mit 24 Zimmern und ansonsten Eigentumswohnungen. Der Ausblick von den oberen Etagen muss grandios sein!

Fähre Houthavens

Amsterdam Wir waren nur etwa 2km vom Hauptbahnhof entfernt und beschlossen, zu laufen. Das war eine sehr gute Entscheidung, denn wir kamen durch Wohnviertel, in denen wir sonst sicher nicht gelandet wären. Die Architektur sogar der ganz „normalen“ mehrstöckigen Wohnreihenhäuser ist irgendwie anders als anderswo. Ansprechender, phantasievoller, detailreicher. Und die Niederländer haben ein ausgesprochenes Faible für Kunst, in jeglicher Art.

Kunst in AmsterdamKunst in AmsterdamKunst in Amsterdam

HaarlemmerbuurtDas Gute am so drauflos laufen ist, dass man Stadtteile – der Kölner würde Veedel sagen – entdeckt, die man nicht „auf dem Plan“ hatte. So war es diesmal mit der/dem Haarlemmerbuurt, die/der sich nordwestlich des Hauptbahnhofs erstreckt. Buurt hat die Bedeutung von Veedel, wörtlich übersetzt Nachbarschaft. Eine Vielzahl an verschiedensten kleinen Geschäften, Lokalen, Coffee Shops, autofrei, die ehemalige Straße ist jetzt zweispuriger Fahrradweg. Cantas dürfen hier aber auch fahren!!! Smiley Leider nieselte es etwas, sodass ich nicht fotografiert habe. Als Entschädigung gibt es ein Panoramafoto vom Hauptbahnhof!

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Eine Liebeserklärung

 

von Urk nach AmsterdamUnd jetzt sind wir endlich in Amsterdam!!! Verliebt Ich habe zu dieser Stadt schon seit meiner Zwanzigerjahre eine besondere Verbindung. Vom Ruhrgebiet aus, wo ich lebte, war man in gut 2½ Stunden dort, sogar wenn man, wie ich damals, mit Ente unterwegs war. An einem Samstag mit einer Freundin morgens los, ein paar Stunden Stadtbummel und abends wieder zurück war also kein Problem und stand immer mal wieder auf meinem Programm. Diese Stadt war so ganz anders als alle deutschen Großstädte, die ich kannte. Die Flower-Power-Zeit war dort schon in vollem Gange, als man in Deutschland gerade anfing, sich über die langen Haare der jungen Männer aufzuregen. Modisch gesehen waren die Niederlande Deutschland über bestimmt zwei Jahrzehnte um mindestens ein halbes Jahr voraus, sowohl bei der Sommer- als auch bei der Wintermode.

Mit 10 Jahren war ich das erste Mal mit meinen Eltern in Holland und ein unvergessliches Erlebnis war es, goldgelbe, knusprige Patatas frites mit Mayonnaise in einer Spitztüte aus Papier auf der Straße zu essen, mit den Fingern oder einer kurzen Holz- oder Plastikgabel mit zwei Zinken. DAS gab es in Deutschland nirgends! Die besondere Herausforderung bestand darin, so um die Mayonnaise herumzuessen, dass auch für die letzten Pommes ganz unten in der Tüte noch etwas davon übrig war. Wir waren noch oft im Urlaub in den Niederlanden und sicher verwundert es nicht, dass mein erster Freund ein Holländer war, oder? Zwinkerndes Smiley

Meine ältesten Freunde habe ich 1975 auf dem Campingplatz in Egmond aan Zee kennengelernt, im Jahr 2000 haben wir ein Wochenende lang dort unser 25-Jähriges gefeiert. Dieses Jahr werden es 45 Jahre! Erstauntes Smiley

In meinen Dreißigerjahren verbrachten wir einige Male ein verlängertes Wochenende in einem Hotel in Egmond direkt an der Promenade, das für „Karnevalsflüchtlinge“ ein besonderes Angebot bereithielt. Meine Eltern und Freunde von ihnen/uns waren ebenfalls immer gerne dabei. Auch im Winter kann es an der „Zee“ sehr schön sein, man muss halt etwas Glück mit dem Wetter haben.

Zwischen 1992 und 2000 war ich jeden Sommer mehrere Wochen mit meinem Bruder auf seiner Motoryacht in niederländischen Gewässern unterwegs, jedes Jahr in einem anderen Gebiet. Auf diese Art habe ich das Land und seine Besonderheiten gut kennengelernt. Teilweise lag ich mit dem Boot von Sonntag bis Freitag in einem Hafen, mein Bruder fuhr mit dem Zug nach Hause, kam nach einer Arbeitswoche wieder zurück und wir fuhren weiter. Manchmal passierte das sogar zweimal, ich hatte ja 6 Wochen Sommerferien. Smiley

Eine angenehme Tatsache war und ist es, dass fast alle Niederländer ausgezeichnet deutsch sprechen oder zumindest verstehen. Sie lernen es in der Schule und brauchen es für den Tourismus. Bei den jungen Leuten heutzutage scheint allerdings englisch an zweiter Stelle zu stehen, die mittlere und ältere Generation ist auffallend oft dreisprachig. Die niederländische Sprache ist als Text ziemlich gut zu übersetzen, es gibt viele Ähnlichkeiten, sowohl zu deutsch als auch zu englisch, nur verstehen kann man sie nicht! Laut lachen

Ist schon klar, dass ich zu den Niederlanden eine lange gewachsene Liebesbeziehung habe, oder???

Ein paar Besonderheiten, die uns aktuell auffallen:

– Es gibt kaum übergewichtige Menschen.

– Viele Kinder und Jugendliche grüßen beim Vorübergehen.

– Die Erwachsenen sind höflich, freundlich, gelassen.

– In den Supermärkten, auch den kleinen Lebensmittelgeschäften, gibt es ein überwältigendes Angebot an zerkleinertem, portioniertem Gemüse, schon fix und fertig für die Pfanne, den Wok oder den Kochtopf (Niederländer lieben Eintöpfe!).

– Die Auswahl an vegetarischen und veganen Lebensmitteln ist gigantisch!!! Und vegetarische/vegane Gerichte stehen in großer Anzahl ganz selbstverständlich auf allen Speisekarten, zu normalen Preisen. Sogar eine landestypische Spezialität, die „Bitterballen“ gibt es inzwischen als vegane Variante. Daumen hoch

– Friet Speciaal (Pommes mit Mayo, Curry-Ketchup und rohen Zwiebeln) oder Patat Saté/Patat Pinda (Pommes mit heißer Erdnusssoße) gibt es an jeder zweiten Straßenecke. Mindestens Mayonnaise (friet saus) ist immer dabei, wenn der Niederländer sein „frietje“ (so genannt im Süden und Osten des Landes) oder „patatje“ bestellt, das Zauberwort heißt „met“. Das reicht aus. Auf die Größe der Portion hat die Verniedlichung übrigens keinen Einfluss! Smiley

– Einige „Frittenbuden“, hier Snackbar genannt, verkaufen die anderen beliebten fritierten Leckereien wie Fikandel, Kroket, Bitterballen, Kaassoufflé, Bami und Nasi (als schijf = Scheibe oder bal = Kugel), Gehaktbal, Kipcorn auch in „gläsernen Wänden“. Das sind viele kleine mit Warmhalteplatten versehene Fächer, deren Glastüren sich öffnen lassen, wenn man den entsprechenden Geldbetrag in einen Schlitz geworfen hat. Als es noch den Gulden gab, benötigte man für die meisten dieser Snacks drei Kwartjes (75 Cent), jetzt geht unter 2 Euro nichts mehr! Zur Verdeutlichung: Der Umtauschkurs war 1 Euro = 2,20371 hfl (Niederl. Gulden)!!! In jeder Snackbar hängt ein Wechselautomat an der Wand, der das nötige Hartgeld ausspuckt. Früher wechselte man 1, 2½ oder 5 Gulden-Stücke (wer hatte schon so viele Kwartjes in seinem Portemonnaie!), heute 5 und/oder 10 Euro-Scheine. Der Name für diese niederländische köstliche Schnellverköstigung? Automatiek. Smiley mit geöffnetem Mund Meist steht allerdings „Febo“ draußen, eine Kette und mit seinem Gründer Johan Izaak de Borst der findige und geschäftstüchtige Erfinder im Jahre 1941. (Quelle: Wikipedia)

– Und darüberhinaus gibt es natürlich noch Fisch in allen Variationen. Von uns sehr geschätzt ist kibbeling, die niederländische Variante von fish ‘n chips.

Kibbeling

Lageplan Camping ZeeburgWenn euch jetzt noch interessiert, wo in Amsterdam wir stehen: Es gibt einen Campingplatz nur 5km vom Hauptbahnhof (Centraal Station) entfernt. Einen Wohnmobilstellplatz gibt es seit einiger Zeit zwar auch, aber erstens liegt der nicht zentraler, zweitens in einem Industriegebiet, was uns nicht sicher genug ist, zumindest nicht im Winter und drittens ist es dort teurer als hier. Wir stehen auf dem Campingplatz „Zeeburg“ auf einer Insel/Polderlandschaft zwischen dem Amsterdam-Rijnkanaal und dem IJ. Wie auf der Karte zu sehen (blauer Punkt), sind wir von Wasser umgeben und entsprechend ruhig ist es hier.

Lage des Campingplatzes (blauer Kreis)Lage des Campingplatzes (blauer Kreis)

Die „Pötte“ auf dem nahen Kanal hört man ganz leise brummen und zwischen den Bäumen hindurch kann man sie vorbeiziehen sehen. Auf der anderen Seite schaut man über das Wasser hinüber nach Zeeburgereiland. Die Niederländer sind ja genial darin, Wasserflächen bebaubar zu machen und so verwundert es nicht, dass der Campingplatz auch gerade vergrößert wird.

Camping ZeeburgCamping ZeeburgAmsterdam-RijnkanalNatur in AmsterdamCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping Zeeburg

Es scheint aber gerade Baustopp zu sein, es gibt zwar einen Bauzaun, passieren tut aber nichts.

Camping ZeeburgCamping Zeeburg

Von unserem Platz aus können wir unter der Brücke des Autobahnringes A10 hindurch bis zur Fußgängerbrücke hinüber zum Steigereiland laufen. Dort ist seit 2005 eine „schwimmende Stadt“ entstanden, bestehend aus Häusern, die auf schwimmenden Fundamenten aus Betontanks errichtet wurden.

rund um den Campingplatzrund um den Campingplatzrund um den Campingplatzrund um den CampingplatzBlick auf Steigereilandschwimmende Häuser

Leben auf dem Wasser ist in den Niederlanden weitverbreitet und stellt bei steigendem Meeresspiegel eine durchaus interessante Alternative dar. So entstand der gesamte neue Stadtteil IJburg ab 2005. Er wird gebildet aus drei mit Brücken verbundenen Inseln: Steigereiland, Haveneiland und Rieteilanden. Wir hatten das Glück, ein fertiggestelltes Haus auf dem Weg dorthin zu sehen.

Wasserhaus

Amsterdam 5 Eine Möglichkeit für uns, in die City zu kommen, ist die Straßenbahnlinie 26 mit Endstation IJberg. Wir müssen neben dem Campingplatz auf die Amsterdamsebrug hoch und laufen dann in einem großen Bogen übers Wasser. Von oben hat man unter anderem solche Ausblicke:

HausbooteHausbooteHausbooteHausbooteHausboote

Anfahrt zum Campingplatz Auf dem Kartenausschnitt kann man gut erkennen, dass die Anfahrt zum Campingplatz ein paar Tücken hat! Von der A10 kommend muss man an der Kreuzung IJburglaan/Zuiderzeeweg nach links abbiegen und gleich darauf wieder nach rechts. Dort geht es vermeintlich aber nur auf einen P+R-Parkplatz. Uschis CoPilot hat sie geradeaus weitergeschickt und das Hinweisschild zum Campingplatz kann man wirklich leicht übersehen! Geradeaus geht es aber nicht zum Campingplatz, sondern über die Brücke des Kanals und weiter Richtung Innenstadt. Mein Tommie, obwohl nicht aktuell upgedated, schickte mich dann tatsächlich nach rechts! Nach Uschis Warnung hatte ich mir den Straßenverlauf auf Google Maps genau angeschaut und vertraute darauf, dass ich auf dem Parkplatz nicht mühsam würde wenden müssen. Man glaubt nämlich wirklich nicht, dass es nach der Einfahrt weiter geht! Verwirrtes Smiley

Ich sagte schon, dass wir super stehen, oder? Erstaunlicherweise ist auch jetzt, mitten im Winter, reger Publikumsverkehr. Die meisten bleiben aber weiter vorne stehen, sodass wir keine Nachbarn haben.

unsere Plätze

Jetzt in der Nebensaison kostet der Stellplatz incl. einer Person €16. Inbegriffen sind die Nutzung des (ganz neuen) Sanitärgebäudes, Sanitärgebäude Entsorgung, WLAN und Strom mit 10A Absicherung. Seit diesem Jahr erhebt die Stadt Amsterdam allerdings eine „Kurtaxe“, wohl eher Touristensteuer, von 7% des Übernachtungspreises plus €1 pro Person und Nacht. Wir zahlen also aktuell €18,12/Nacht.
 
 
In den Sommermonaten dürfte der Platz vor allem von jungen Rucksackreisenden frequentiert werden. Dafür sprechen die bunten, zahlreich vorhandenen „Cabins“ und „Wagonetten“. Sie stehen sehr dicht beieinander, bieten Platz für 2-4 Personen, wobei „Platz“ eigentlich nur Schlafplatz meint. Die Ausstattung ist äußerst minimalistisch und auf gutes Wetter ausgelegt. Aber vermutlich sind die Bewohner sowieso den ganzen Tag und die halbe Nacht (oder umgedreht) unterwegs und da reicht es dann, wenn man ein Bett hat. Cooles Smiley

Camping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping Zeeburg

Auch hier möchte man (möchten wir) im Sommer wohl eher nicht sein, weder auf dem Campingplatz noch in Amsterdam selbst. Der Touristenansturm ist mittlerweile so groß, dass die Einheimischen schon protestieren. Aber Amsterdam liegt auch auf einem der vorderen Plätze der beliebtesten Großstädte Europas! Das untermauern die 8 Millionen Besucher pro Jahr eindringlich. Der absolute Wahnsinn sind allerdings die Radfahrer! 58% der Amsterdamer benutzen ihr „Fiets“ täglich, dazu kommen noch die Touristen auf ihren Mietfahrrädern. Überall in der Innenstadt sowie in allen Stadtteilen stehen Unmengen von Rädern abgestellt, an Laternenpfählen oder Brückengeländern angekettet, an Sammelplätzen und in sogenannten Fahrradgaragen, die sogar auf Schiffen zu finden sind. Endlose zweigeschossige Reihen mit ausgeklügelten Kipp- und Hebemechanismen. Maximale Parkdauer 7 Tage, dann bekommt das Rad eine Hinweismarkierung und wird danach vermutlich eingesammelt. Wir können uns vorstellen, dass viele Räder stehenbleiben, weil ihre Besitzer sie einfach nicht mehr finden. Laut lachen Und ein altes Rad entsorgen geht so auch ganz einfach.

RadgarageFahrräder in Amsterdam

Noch eine Besonderheit ist uns aufgefallen: Es gibt winzige „Autos“ für maximal zwei (schlanke) Personen. 2,28m lang, 1,10m breit, 1,63m hoch und mit €12.000 aufwärts gar nicht mal so preiswert. Sie werden ursprünglich als Behindertenfahrzeuge gebaut, dürfen ohne Führerschein auch auf Radwegen und sogar in Einkaufszentren gefahren werden und auf den Gehwegen parken. Inzwischen scheinen sie einen Kultstatus zu haben. Sie heißen Canta und sind sehr oft in rot unterwegs, vermutlich, damit man sie nicht aus Versehen übersieht! Smiley mit geöffnetem Mund

CantaCanta

Einen Behindertennachweis scheint man nicht zu benötigen! Die neuen Modelle fahren elektrisch. Es gibt alle möglichen Sonderausfertigungen, z. B. auch die Möglichkeit, mit dem Rollstuhl hineinzufahren und aus diesem heraus den Canta zu steuern! Auch im Behindertensektor waren die Niederlande immer schon Vorreiter, oder wer hat schon jemals in Deutschland ein Fahrrad gesehen, das einen Rollstuhl integriert hat? Mein Bruder und ich haben schon in den 1990er-Jahren geunkt, dass wir im Alter dann mal so durch die Gegend fahren könnten. Wäre jetzt an der Zeit!!! Sarkastisches Smiley

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.