Zwarte Water und die Hanse

 

Übersicht Wir flüchteten in das Landesinnere, wohlwissend, dass der nächste Orkan kommen würde. Über kurz oder lang wollten wir bei meinen Freunden in Nordhorn sein, bis dahin aber noch ein oder zwei kleine niederländische Städtchen „mitnehmen“, Meppel und/oder Hasselt. Uschi fuhr wie immer vor und teilte mir von unterwegs schon mit, dass der Stellplatz in Meppel für Oscarlotta schwer bis unmöglich anzufahren sei, weil gerade Straßenbauarbeiten stattfanden und die direkte Zufahrt gesperrt war. Also fuhr ich gleich durch nach Hasselt. Dort gibt es 10 Wohnmobilstellplätze direkt am Yachthafen. Auf der Hälfte standen allerdings an Land überwinternde Segel- und Motorschiffe, aber außer uns war sonst niemand mit Wohnmobil da. Das änderte sich zum Wochenende allerdings und auf fünf Plätzen standen sieben Mobile. In früheren Jahren waren wir im Winter auf den Stellplätzen ja fast immer allein, das hat sich grundlegend geändert! Nicht nur in Spanien und Portugal nimmt die Wohnmobildichte immer mehr zu, sondern (leider) auch in Mittel- und Nordeuropa. Noch geht es, weil es sich vielerorts noch hauptsächlich auf die Wochenenden beschränkt, aber, wie gesagt, auch nur in den Wintermonaten. Enttäuschtes Smiley

Wir standen prima, mit schönem Blick auf den Hafen und windgeschützt neben den Schiffen. Zwei Seiten des Yachthafens nahmen sowieso größere Gebäude ein, oben die Wohnungen, unten Schiffsgaragen.

Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"Yachthafen "De Molenwaard"

Übersicht Hasselt liegt am Zusammenfluss vom Zwarte Water und der Overijsselse Vecht, was die niederländische Fortsetzung der Vechte ist, die auch durch Nordhorn fließt. Gemeinsam und mit noch ein paar Zuflüssen bilden sie das Zwarte Meer. Und dieses, zusammen mit dem anschließenden Ketelmeer, stimmt ein auf das große IJsselmeer.

Zwolle Hasselt bekam schon 1252 Stadtrechte mit eigener Rechtssprechung, der Erlaubnis, Jahrmärkte abzuhalten, Handelsprivilegien und es durften Verteidigungsbollwerke angelegt werden. Nicht ganz so aufwändig wie im benachbarten Zwolle, wo die sternförmige Verteidigungslinie noch fast vollständig erhalten ist. Aber Hasselt ist auch fast rundherum von Wasser umgeben, das erschwerte Angriffe und so hatte man im 17. und 18. Jahrhundert ebenfalls den Status einer Festungsstadt. Und schon seit dem 14. Jahrhundert gehörte diese kleine Stadt der Hanse an! Begünstigt auch hier durch die Lage am Zwarte Water und dem freien Zugang zur damaligen Zuiderzee. Gehandelt wurde hauptsächlich mit Rindern, Holz, Fisch, Getreide, Butter und Bentheimer Sandstein. Im 19. Jahrhundert konzentrierte man sich auf den Abbau von Torf, die Herstellung von Kalk, den Bau von Schiffen und auf Schiffsreparaturbedarf. Ein Kalkofen ist erhalten geblieben.

KalkovenKalkoven

Vom Wohlstand früherer Zeiten zeugen die schönen Häuser entlang der einzigen Gracht, das Oude Stadhuis und die große, dreischiffige Stephanuskerk. Ein kleines, aber sehr hübsches Städtchen, finden wir! Verliebt

HasseltHasseltHasseltHasseltHasseltHasseltHasseltHasseltHasseltOude StadhuisHasseltBierlisteHasseltGrote KerkGrote KerkGrote KerkHasseltHasseltHasseltHasseltHasselt

Windtechnisch wurde es dann wirklich noch einmal heftig! Das Sturmtief „Sabine“ zog über uns hinweg, aber nicht nur innerhalb ein paar Stunden. Es stürmte über drei Tage, hörte für ein paar Stunden auf und fing wieder an. Wir standen gut, rundherum konnte uns nichts gefährlich werden, die Schiffe neben uns waren gut gesichert und alles war fest vertäut. Den Schiffen im Wasser ging es nicht ganz so gut. Der Hafenmeister war mit seinem Helfer und einem Schlauchboot mit Außenbordmotor von Schiff zu Schiff unterwegs, kontrollierte Leinen und legte Zusatzleinen. Viele Schiffe waren mit Planen abgedeckt, die nach Stunden heftigstem Gezerre durch die Windböen nicht mehr standhalten konnten. Ein Schiff war in meinem direkten Blickfeld und ich beobachtete über zwei Tage, dass die riesige Plane sich immer mehr freiflatterte, bis sie eines Morgens nicht mehr da war! Ein kleineres Schiff bekam Schräglage, was dafür sprach, dass schon Wasser eingedrungen war. Am letzten Tag unseres Aufenthaltes wurde es vom Hafenmeister zur Slipanlage geschleppt und an Land gekrant, bevor es sinken konnte. Erstauntes Smiley

Ich wäre gerne noch mit dem Bus nach Zwolle gefahren, aber da machte mir Sabine einen Strich durch die Rechnung. Und dann war keine Zeit mehr. Wir mussten zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder in Deutschland sein, da das turnusmäßige Telefonat zu Uschis Schwester in USA anstand, das Uschi während unserer Zeit in den Niederlanden schon einmal teuer bezahlt und einmal hatte ausfallen lassen. Teuer bezahlt übrigens, obwohl wir extra bei der Vodafone-Hotline angerufen, aber eine falsche Auskunft bekommen und der vertraut hatten. Gut, dass Uschi eine Prepaid-Karte hat! So war das Guthaben nach einigen Minuten einfach nur aufgebraucht. Bei einem Vertrag wäre es richtig teuer geworden!!! Weinendes Smiley

Zwolle steht also noch auf meinem/unserem Programmzettel, was bedeutet, dass wir noch einmal wiederkommen müssen! Ich fragte den Hafenmeister beim Abschied, ob ich im Sommer mit Oscarlotta denn überhaupt eine Chance hätte und ob man reservieren könne. Ja, kein Problem, man würde schon ein „Plätzchen“ finden. Sie würden niemanden wegschicken! Also gut!

Bezahlt haben wir übrigens €10/Nacht/Mobil plus €2,50 für Strom. Uschi würde keinen Strom brauchen, wenn wenigstens ab und zu die Sonne scheint und ich auch nur, um meine Kaffeemaschine laufen zu lassen. Da wir aber beide unsere Heizungen auch mit Strom betreiben können, erspart uns das eine Menge Gasverbrauch, zumal der Kühlschrank dann auch über Strom läuft, was wir sonst nicht machen, da der Betrieb mit Strom gut doppelt so teuer ist als mit Gas. Meistens ist in den Niederlanden der Strom sowieso pauschal mit im Übernachtungspreis enthalten und das ist, vor allem im Winter, eine feine Sache! Wir brauchten uns über Wochen keine Sorgen um Gas zu machen, ab und zu tankten wir unsere LPG-Flaschen auf und das war es auch schon! Die Absicherungen der Stell- und Campingplätze waren immer ausreichend, um zumindest auf niedrigster Stufe zu heizen. Da es ja so gut wie keine Minustemperaturen gab, reichte im schlechtesten Fall, ab und zu für 10 Minuten mit Gas zuzuheizen. In der Regel konnten wir aber unsere Heizungen auf voller Leistung durchlaufen lassen, mussten nur daran denken, sie kurz auszuschalten, wenn die Kaffeemaschine eingeschaltet wurde. Sonst wären die Sicherungen vermutlich rausgeflogen und nicht immer kommt man an die heran. Smiley mit geöffnetem Mund

Es gibt im Yachthafen einen Duschcontainer und die Möglichkeit, Wäsche zu waschen und zu trocknen, natürlich gegen Bezahlung. V/E und Müllentsorgung ist gewährleistet, ein gut sortierter Supermarkt ist zu Fuß gut erreichbar und die Bushaltestelle ist quasi vor der Tür. Der Hafenmeister ist super nett und der Platz ist mit einer geschlossenen Schranke versehen. Man klingelt, er meldet sich, man sagt, was man will und er öffnet die Schranke. Ich musste bei meiner Ankunft aussteigen, um klingeln und mit ihm reden zu können. Da Uschi schon da war und mich angekündigt hatte, ging die Schranke sofort hoch. Bis ich um Oscarlotta herumgelaufen und eingestiegen war (es gibt nur eine Tür!), die Treppe eingefahren hatte, weil es sonst bei laufendem Motor laut piept und wieder auf dem Fahrersitz saß, war die Schranke wieder zu! Also noch einmal von vorne! Die Schranke ging erneut auf. Als ich wieder auf dem Fahrersitz saß… Verwirrtes Smiley Beim dritten Mal konnte ich dann mitteilen, dass ich erst wieder einsteigen muss und dann die Schranke aber schon wieder unten sei! Ja, er würde mich schon sehen, hieß es. Ich solle in Ruhe einsteigen und dann würde er die Schranke öffnen. Am Ende des Zufahrtsweges sah ich einen Mann mit Sprechgerät in der Hand. Nach meinem zweiten Klingeln hatte er sich in Bewegung gesetzt, um zu schauen, was das Problem war. Letztendlich konnte ich dann reinfahren! Laut lachen

Hasselt

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Lauwerszee, Lauwersmeer, Lauwersoog

 
 
AbschlussdeichWir mussten entscheiden, ob wir den nächsten Sturm noch in Egmond aan Zee aussitzen wollten oder ob wir das einzige Zeitfenster der Woche für die Überfahrt über den Abschlussdeich nutzen. Bei Sturm wäre die Überfahrt sicher nicht so lustig und bei Regen auch nicht. Wir fuhren! Es war dann allerdings lange nicht so spektakulär, wie ich mir das vorgestellt hatte und das lag nicht am Wetter, das spielte mit, sondern daran, dass die Fahrbahnen statt von einer Mittelleitplanke durch einen Wall getrennt werden. Man hatte einen Ausblick also nur auf der Seite, wo man fuhr und der war dazu noch relativ langweilig. Enttäuschtes Smiley Das konnten auch das Monument und der Aussichtsturm nicht wettmachen und in Ermangelung geeigneter Parkplätze für Wohnmobile hielt ich zwar kurz an und stieg aus, entschied mich aber gegen das Fotografieren. Die nachfolgenden Fotos hat Uschi gemacht.

Abschlussdeich IJsselmeerAbschlussdeich IJsselmeerAbschlussdeich IJsselmeerAbschlussdeich IJsselmeerAbschlussdeich IJsselmeerAbschlussdeich IJsselmeer

Witzig finde ich, dass es auf halber Strecke (die Gesamtlänge beträgt 32km) sowohl eine Tankstelle, sogar für LPG, als auch einen Campingplatz gibt. Als Bauwerk ist der Abschlussdeich natürlich schon sehr beeindruckend! Es müsste übrigens eigentlich Damm heißen, denn ein Deich hat auf einer Seite immer Land.

Lauwersoog 1 Als wir wieder am Festland ankamen, waren wir in der Provinz Friesland. Hier gibt es ganz offiziell zwei Landessprachen, niederländisch und friesisch. Ein Drittel der Einwohner spricht noch die alte Sprache, die mehr als ein Dialekt ist und die Straßen- und sonstigen Beschilderungen sind zweisprachig. Wir wollten nach Lauwersoog. Auch hier gibt es eine große Meeresbucht, so wie früher die Zuidersee, bevor der Abschlussdeich gebaut wurde. Der Fluss Lauwers, als Grenzfluss zwischen Friesland und der benachbarten Provinz Groningen, mündet hier. In der großen Sturmflut von 1280 entstand aus dem Mündungsdelta die Lauwerszee. Obwohl das Gebiet durch die vorgelagerten Watteninseln geschützt ist, kam es auch hier immer wieder zu Sturmfluten und nach der Katastrophe von 1953 wurde mit dem Bau eines 13km langen Damms mit Sielen und Schleusen begonnen. Seit 1969 ist die Bucht vom Meer abgeschlossen und eingedeicht und so wurde aus der Lauwerszee das Lauwersmeer. (Ihr erinnert euch? Zee = Meer und Meer = See) Laut lachen

Drei kleinere Flüsse konnten jetzt nicht mehr in die Nordsee abfließen, das Wasser wurde brackig, Flora und Fauna veränderten sich und seit 2003 gibt es den Nationalpark Lauwersmeer. (Quelle: Wikipedia)

LauwersmeerLauwersoog entstand erst nach der Eindeichung der Lauwerszee. Heute gibt es von hier aus eine Fährverbindung zur westfriesischen Insel Schiermonnikoog, der letzten bewohnten Insel vor der Grenze zu Deutschland und der Insel Borkum. Der Hochsee-Fischereihafen ist einer der größten der Niederlande und, seitdem die ehemalige Zuiderzee durch den Abschlussdeich vom offenen Meer abgetrennt wurde, Heimathafen für einen Großteil der Fischereiflotte von Urk.

Fischereihafen LauwersoogFischereihafen LauwersoogFischereihafen LauwersoogFischereihafen Lauwersoog

Lauwersoog selbst besteht eigentlich nur aus dem Hafen mit diversen Fischlokalen

Hafen LauwersoogHafen Lauwersoog

und einem großen Campingplatz. Dort wollten wir eigentlich hin, aber dann fand Uschi heraus, dass es auch einen Wohnmobilstellplatz gibt, mit Blick aufs Wasser.

Stellplatz LauwersoogStellplatz Lauwersoog

Und der war wirklich erlebenswert! Noch nie haben wir auf einer so kleinen Fläche so viele ineinander verschachtelte Stellplätze (insgesamt 23!) gesehen! Die Abmessungen eher für PKWs als für Wohnmobile, sogar quer hinter den beiden Plätzen, für die wir uns entschieden, war auf dem Steinboden noch ein Stellplatz eingezeichnet, die Nummer 14, nahtlos. Wir standen in der zweiten Reihe und wenn die erste Reihe belegt gewesen wäre, hätte ich mit Oscarlotta den Platz nur von hinten anfahren können. Wie das im Sommer funktionieren soll, wenn es, laut Aussage der Betreiberin, jeden Tag voll ist, weiß ich nicht! Mit Bussen (oder Vans, wie es ja jetzt heißt), vielleicht noch machbar, für „richtige“ Wohnmobile eher grenzwertig bis unmöglich. Dazu noch nicht einmal besonders preiswert mit €19,50 in der 1. Reihe und €17,50 in der zweiten, allerdings, wie üblich in den Niederlanden, ist der Strom im Preis enthalten.

Stellplatz LauwersoogStellplatz Lauwersoog

Es gibt zwei Nebengebäude mit insgesamt zwei Duschen, drei Toiletten und einer Waschmaschine, außerdem den üblichen Standard für Ent- und Versorgung. Stellplatz Lauwersoog Mittendrin steht ein Ferienhaus zur Vermietung, in dessen Windschatten wir uns begaben. Es hätte schönere Plätze gegeben mit Blick auf den Yachthafen, aber dort wären wir dem angekündigten Sturm wehrlos ausgeliefert gewesen.

Yachthafen LauwersoogYachthafen Lauwersoog

Und der kam! Wir versuchten, ihn auszusitzen, nutzten jede Regenpause für kurze Gänge zum Hafen in eines der Fischrestaurants oder zum Campingplatz. Dort sollte es einen größeren Lebensmittelladen geben. Der entpuppte sich allerdings als saisonal sehr spartanisch bestückt! Erfreulicherweise war aber das große Campingplatzlokal in Betrieb und wir konnten uns für den Rückweg stärken. Koffie verkeerd und appelgebak met slagroom Verliebt

Campingplatzlokal Lauwersoog

Der Campingplatz besteht, wie fast überall in den Niederlanden, überwiegend aus Ferienbungalows. Wohnmobilplätze haben wir keine gesehen und auch nicht gesucht, denn es war völlig klar, dass wir auf dem Stellplatz schöner stehen und sogar preiswerter. Sehenswert ist der angegliederte Museumshafen mit ein paar schönen alten Schiffen.

Museumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen Lauwersoog

Stellplatz LauwersoogUschi stromerte auf dem Gelände unseres Stellplatzes ein wenig herum und entdeckte eine Schiffsgarage und eine große Halle, die früher wohl als Lagerhalle für Schiffe genutzt wurde oder für die Instandsetzung. Jetzt war sie umfunktioniert worden zu einem großen Aufenthaltsraum mit Koch- und Abwaschmöglichkeit.

Stellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz Lauwersoog

Sehr witzig fanden wir in der zweiten Hälfte der Halle die zwei Holzhütten zur Vermietung mit Strandkörben und Sitzgelegenheiten. Das nenne ich doch mal eine optimale Raumnutzung! Man hat zwar kein Tageslicht, aber dafür braucht man ja nur vor die Hallentür und auf die nette kleine Gartenterrasse zu gehen! Smiley mit geöffnetem Mund

Stellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz Lauwersoog

Wir blieben fünf Nächte. Dann waren wir dermaßen entnervt von der Schaukelei, dass wir die Flucht ergriffen. Ständiger starker Wind kann einen, zumal in einem Wohnmobil, wirklich an seine Grenzen bringen! Da tröstet dann auch das beste freie WLAN und der leckerste Kibbeling nicht mehr drüber hinweg. Müdes Smiley

Stellplatz LauwersoogKibbeling

written by Ingrid
photos taken with iPhone and HUAWEI P10 Lite

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

See oder Meer?

 

Der Grund, warum wir nicht über Silvester in Elsfleth blieben, war profan, aber für uns bedeutungsvoll: Unser Internetvolumen war fast aufgebraucht. Und DVB-T funktionierte dort nicht. Silvester ohne die Möglichkeit, irgendeine Sendung im Fernsehen schauen zu können, erschien vor allem mir nicht besonders reizvoll. In Urk, wo wir sowieso hin wollten, gab es ein freies WLAN. Wenn wir gewusst hätten, dass die Bedingungen dort zu Silvester so sein würden, dass keiner von uns nach fernsehen sein würde, wären wir in Elsfleth geblieben, Internet hin oder her. Aber so ist das mit den Erfahrungen, man muss sie erst machen, bevor man weiß, was richtig und was falsch war. Zwinkerndes Smiley

Urk ist ein nettes holländisches Städtchen und der Stellplatz liegt zentral und malerisch am Hafen. Er ist mit allem ausgestattet, was man braucht und mit €10/Nacht absolut akzeptabel, zumal der Strom und zeitunabhängiges Duschen in einem großzügig gestalteten Sanitärgebäude inbegriffen sind.

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Wir kamen am 30. Dezember am Nachmittag dort an und hielten die Knallereien auf dem benachbarten PKW-Parkplatz für zwar unangenehm, aber da mussten wir halt durch, einen Tag vor Silvester. Gut, es war etwas heftiger, als wir es aus den letzten Jahren in Deutschland gewöhnt waren. Am Dienstag waren alle Geschäfte geschlossen, Silvester scheint in den Niederlanden schon ein Feiertag zu sein. Wir hätten unsere Mobile auch nicht allein stehengelassen, nach dem, was ab 11 Uhr vormittags abging. Aber darüber habe ich ja schon berichtet…

So kamen wir erst am Neujahrstag dazu, einen Spaziergang durch das Städtchen zu machen und fanden es allerliebst, von den überall verstreuten Spuren der Silvesterknallerei mal abgesehen. Ich bin schon seit bestimmt 20 Jahren nicht mehr in Holland gewesen, ein kurzer Segeltörn auf einem Plattbodenschiff im Spätsommer 2002 nicht mitgerechnet. Beim Schlendern durch die schmalen Gässchen wusste ich sofort wieder, warum es mir früher in Holland immer so gut gefallen hat. Unsere niederländischen Nachbarn haben ein ausgeprägtes Faible dafür, ihr Zuhause schön zu machen und sie haben ein gutes Gefühl für Arrangements. Das ist erkennbar daran, wie liebe- und phantasievoll sie ihre oft winzigen Vorgärten gestalten und an der Dekoration ihrer Fenster. Wie für die Niederlande typisch sind auch in Urk hohe Fenster üblich mit sehr tiefsitzenden Fensterbänken. Es scheint niemandem etwas auszumachen, dass jeder, der vorbeigeht, in die Wohnungen hineinschauen kann. Gardinen und Vorhänge sind ja nicht üblich, aber vielleicht möchte man mit den Dekorationsgegenständen die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden binden, damit sie vorbei sind, bevor sie Zeit gehabt haben, in die Stube zu schauen. Cooles Smiley

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Wir hatten schon für 6 Nächte gezahlt und hofften ja auch, dass es mit jedem weiteren Tag weniger werden würde mit der Lärmbelästigung. So kam es zu weiteren Spaziergängen zum Leuchtturm, zum einzigen kleinen Strand und durch den Hafen.

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UrkIn der Nähe des Leuchtturms gibt es ein Denkmal. Eine Fischerfrau hält Ausschau nach dem zurückkehrenden Schiff ihres Mannes. Rundherum an den Wänden sind Tafeln angebracht, die mit Jahreszahl und Namen auflisten, wieviele Seeleute nicht mehr lebend zurückkamen. Die Aufzählungen begannen im 18. Jahrhundert und endeten 2015. In manchen Jahren gab es gar keine Toten, irgendwann wurden die Namen um den Namen/die Kennung des jeweiligen Schiffes ergänzt und da konnte man ablesen, dass manchmal drei oder vier Männer einer Familie gleichzeitig auf See geblieben sind. Unvorstellbares Leid!

Urk verlor seine Bedeutung als Fischereihafen 1932 mit dem Bau des Abschlussdammes, der die ehemalige Zuiderzee zum offenen Meer abtrennte, was der Landgewinnung und dem Küstenschutz diente. Da der größte Teil der Niederlande unter dem Meeresspiegel liegt, ist der Deichbau immer schon von größter Bedeutung. Trotzdem wurde das Land immer wieder von verheerenden Sturmfluten heimgesucht. Schon im 17. Jahrhundert gab es Pläne für eine Abtrennung der Zuiderzee, die aber mit den damaligen technischen Mitteln nicht umzusetzen waren. Erst 1927 begannen die Bauarbeiten. Mit der vollendeten Schließung der Nordseebucht Zuiderzee entstand über die Jahre ein großer Süßwassersee. See heißt im Holländischen „Meer“ (und unser deutsches Meer heißt „Zee“) und so entschied man sich für der Namen „IJsselmeer“, weil der Fluss IJssel hier seine Mündung hat.

UrkWir blieben bis zum Sonntag. Das Wochenende wurde noch einmal heftig. Nicht nur, dass immer wieder unvermittelt irgendwo eine Böllerei losging, sondern auch, weil niederländische junge Männer offenbar nichts lieber tun, als bis in die frühen Morgenstunden hinein mit ihren frisierten Mopeds durch die Gegend zu knattern, am liebsten da, wo sie möglichst viele Menschen stören. Dazu kamen Horden von grölenden Nachtschwärmern! Im Hafenbereich gibt es einige Lokale, außerdem ist ein Hafen immer ein beliebter Treffpunkt. Wir standen zwar nicht allein auf dem Stellplatz, aber doch gut sichtbar und nicht geschützt. Gut geschlafen haben wir nicht! Und wenn man so wach liegt und das Treiben draußen anhört, kommen einem alle möglichen Gedanken aller möglichen Schikanen und man wird sich seiner eigenen Angreifbarkeit doch sehr bewusst.

Urk hat uns wirklich gefallen, aber auf diesen Wohnmobilstellplatz werden wir sicher nicht mehr fahren. Sehr schade! Trauriges Smiley

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written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.