Lauwerszee, Lauwersmeer, Lauwersoog

 
 
AbschlussdeichWir mussten entscheiden, ob wir den nächsten Sturm noch in Egmond aan Zee aussitzen wollten oder ob wir das einzige Zeitfenster der Woche für die Überfahrt über den Abschlussdeich nutzen. Bei Sturm wäre die Überfahrt sicher nicht so lustig und bei Regen auch nicht. Wir fuhren! Es war dann allerdings lange nicht so spektakulär, wie ich mir das vorgestellt hatte und das lag nicht am Wetter, das spielte mit, sondern daran, dass die Fahrbahnen statt von einer Mittelleitplanke durch einen Wall getrennt werden. Man hatte einen Ausblick also nur auf der Seite, wo man fuhr und der war dazu noch relativ langweilig. Enttäuschtes Smiley Das konnten auch das Monument und der Aussichtsturm nicht wettmachen und in Ermangelung geeigneter Parkplätze für Wohnmobile hielt ich zwar kurz an und stieg aus, entschied mich aber gegen das Fotografieren. Die nachfolgenden Fotos hat Uschi gemacht.

Abschlussdeich IJsselmeerAbschlussdeich IJsselmeerAbschlussdeich IJsselmeerAbschlussdeich IJsselmeerAbschlussdeich IJsselmeerAbschlussdeich IJsselmeer

Witzig finde ich, dass es auf halber Strecke (die Gesamtlänge beträgt 32km) sowohl eine Tankstelle, sogar für LPG, als auch einen Campingplatz gibt. Als Bauwerk ist der Abschlussdeich natürlich schon sehr beeindruckend! Es müsste übrigens eigentlich Damm heißen, denn ein Deich hat auf einer Seite immer Land.

Lauwersoog 1 Als wir wieder am Festland ankamen, waren wir in der Provinz Friesland. Hier gibt es ganz offiziell zwei Landessprachen, niederländisch und friesisch. Ein Drittel der Einwohner spricht noch die alte Sprache, die mehr als ein Dialekt ist und die Straßen- und sonstigen Beschilderungen sind zweisprachig. Wir wollten nach Lauwersoog. Auch hier gibt es eine große Meeresbucht, so wie früher die Zuidersee, bevor der Abschlussdeich gebaut wurde. Der Fluss Lauwers, als Grenzfluss zwischen Friesland und der benachbarten Provinz Groningen, mündet hier. In der großen Sturmflut von 1280 entstand aus dem Mündungsdelta die Lauwerszee. Obwohl das Gebiet durch die vorgelagerten Watteninseln geschützt ist, kam es auch hier immer wieder zu Sturmfluten und nach der Katastrophe von 1953 wurde mit dem Bau eines 13km langen Damms mit Sielen und Schleusen begonnen. Seit 1969 ist die Bucht vom Meer abgeschlossen und eingedeicht und so wurde aus der Lauwerszee das Lauwersmeer. (Ihr erinnert euch? Zee = Meer und Meer = See) Laut lachen

Drei kleinere Flüsse konnten jetzt nicht mehr in die Nordsee abfließen, das Wasser wurde brackig, Flora und Fauna veränderten sich und seit 2003 gibt es den Nationalpark Lauwersmeer. (Quelle: Wikipedia)

LauwersmeerLauwersoog entstand erst nach der Eindeichung der Lauwerszee. Heute gibt es von hier aus eine Fährverbindung zur westfriesischen Insel Schiermonnikoog, der letzten bewohnten Insel vor der Grenze zu Deutschland und der Insel Borkum. Der Hochsee-Fischereihafen ist einer der größten der Niederlande und, seitdem die ehemalige Zuiderzee durch den Abschlussdeich vom offenen Meer abgetrennt wurde, Heimathafen für einen Großteil der Fischereiflotte von Urk.

Fischereihafen LauwersoogFischereihafen LauwersoogFischereihafen LauwersoogFischereihafen Lauwersoog

Lauwersoog selbst besteht eigentlich nur aus dem Hafen mit diversen Fischlokalen

Hafen LauwersoogHafen Lauwersoog

und einem großen Campingplatz. Dort wollten wir eigentlich hin, aber dann fand Uschi heraus, dass es auch einen Wohnmobilstellplatz gibt, mit Blick aufs Wasser.

Stellplatz LauwersoogStellplatz Lauwersoog

Und der war wirklich erlebenswert! Noch nie haben wir auf einer so kleinen Fläche so viele ineinander verschachtelte Stellplätze (insgesamt 23!) gesehen! Die Abmessungen eher für PKWs als für Wohnmobile, sogar quer hinter den beiden Plätzen, für die wir uns entschieden, war auf dem Steinboden noch ein Stellplatz eingezeichnet, die Nummer 14, nahtlos. Wir standen in der zweiten Reihe und wenn die erste Reihe belegt gewesen wäre, hätte ich mit Oscarlotta den Platz nur von hinten anfahren können. Wie das im Sommer funktionieren soll, wenn es, laut Aussage der Betreiberin, jeden Tag voll ist, weiß ich nicht! Mit Bussen (oder Vans, wie es ja jetzt heißt), vielleicht noch machbar, für „richtige“ Wohnmobile eher grenzwertig bis unmöglich. Dazu noch nicht einmal besonders preiswert mit €19,50 in der 1. Reihe und €17,50 in der zweiten, allerdings, wie üblich in den Niederlanden, ist der Strom im Preis enthalten.

Stellplatz LauwersoogStellplatz Lauwersoog

Es gibt zwei Nebengebäude mit insgesamt zwei Duschen, drei Toiletten und einer Waschmaschine, außerdem den üblichen Standard für Ent- und Versorgung. Stellplatz Lauwersoog Mittendrin steht ein Ferienhaus zur Vermietung, in dessen Windschatten wir uns begaben. Es hätte schönere Plätze gegeben mit Blick auf den Yachthafen, aber dort wären wir dem angekündigten Sturm wehrlos ausgeliefert gewesen.

Yachthafen LauwersoogYachthafen Lauwersoog

Und der kam! Wir versuchten, ihn auszusitzen, nutzten jede Regenpause für kurze Gänge zum Hafen in eines der Fischrestaurants oder zum Campingplatz. Dort sollte es einen größeren Lebensmittelladen geben. Der entpuppte sich allerdings als saisonal sehr spartanisch bestückt! Erfreulicherweise war aber das große Campingplatzlokal in Betrieb und wir konnten uns für den Rückweg stärken. Koffie verkeerd und appelgebak met slagroom Verliebt

Campingplatzlokal Lauwersoog

Der Campingplatz besteht, wie fast überall in den Niederlanden, überwiegend aus Ferienbungalows. Wohnmobilplätze haben wir keine gesehen und auch nicht gesucht, denn es war völlig klar, dass wir auf dem Stellplatz schöner stehen und sogar preiswerter. Sehenswert ist der angegliederte Museumshafen mit ein paar schönen alten Schiffen.

Museumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen LauwersoogMuseumshafen Lauwersoog

Stellplatz LauwersoogUschi stromerte auf dem Gelände unseres Stellplatzes ein wenig herum und entdeckte eine Schiffsgarage und eine große Halle, die früher wohl als Lagerhalle für Schiffe genutzt wurde oder für die Instandsetzung. Jetzt war sie umfunktioniert worden zu einem großen Aufenthaltsraum mit Koch- und Abwaschmöglichkeit.

Stellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz Lauwersoog

Sehr witzig fanden wir in der zweiten Hälfte der Halle die zwei Holzhütten zur Vermietung mit Strandkörben und Sitzgelegenheiten. Das nenne ich doch mal eine optimale Raumnutzung! Man hat zwar kein Tageslicht, aber dafür braucht man ja nur vor die Hallentür und auf die nette kleine Gartenterrasse zu gehen! Smiley mit geöffnetem Mund

Stellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz LauwersoogStellplatz Lauwersoog

Wir blieben fünf Nächte. Dann waren wir dermaßen entnervt von der Schaukelei, dass wir die Flucht ergriffen. Ständiger starker Wind kann einen, zumal in einem Wohnmobil, wirklich an seine Grenzen bringen! Da tröstet dann auch das beste freie WLAN und der leckerste Kibbeling nicht mehr drüber hinweg. Müdes Smiley

Stellplatz LauwersoogKibbeling

written by Ingrid
photos taken with iPhone and HUAWEI P10 Lite

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Egmond aan Zee

 

Und das war es dann mit Amsterdam, Enttäuschtes Smiley aber zum Glück noch nicht mit Holland! Smiley

Flevopark Wir marschierten noch einmal mit unseren Einkaufskarren eine Viertelstunde durch den angrenzenden Flevo-Park auf der anderen Kanalseite bis zu Albert Hejn und Lidl und füllten unsere Kühlschränke auf. Ob am Sonntag dort, wo wir hin wollten, die Supermärkte auch geöffnet sein würden, war fraglich.

FlevoparkFlevoparkFlevopark

Während unserer letzten Tage auf dem Campingplatz waren die Bauvorhaben wieder aufgenommen worden und wir konnten beobachten, wie ein LKW nach dem anderen angefahren kam und Sand abkippte. Ich hatte ja schon berichtet, dass der „Camping Zeeburg maakt een eiland“.

Camping Zeeburg

Der kleinere Teil entsteht direkt vor unserer Nase, aber so weit entfernt, dass die Arbeitsgeräusche nicht störten. Es waren großflächig Eisenplatten ausgelegt worden, damit der Bagger und die LKWs nicht versanken. Denn Landgewinnung bedeutet heutzutage, dass soviel Sand in eine abgedeichte Wasserfläche geschüttet wird, bis das Wasser verdrängt ist. Das muss dann zwei Jahre ruhen und sich setzen und wird dann vermutlich noch nachgebessert, bevor die neuen Landflächen bepflanzt und bebaut werden können.

Landgewinnung Camping ZeeburgLandgewinnung Camping ZeeburgLandgewinnung Camping ZeeburgLandgewinnung Camping ZeeburgLandgewinnung Camping ZeeburgLandgewinnung Camping Zeeburg

Landgewinnung Camping Zeeburg In der Beschreibung auf den Bauzäunen steht etwas von Ränderbefestigung mit Ton und Schilf. Wie auf den Fotos zu sehen, ist die Fläche, die wir in der Entstehung sehen konnten, winzig im Vergleich zu dem Hauptteil, der gut ein Drittel des jetzigen Campingplatzareals ausmacht. Ob die Bewohner der gleich daneben liegenden Hausboote allerdings sehr begeistert sein werden, wenn sie von Mai bis Oktober zeltende Rucksacktouristen ertragen müssen, sei dahingestellt. Laut lachen

 

Ein letzter abendlicher Platzspaziergang mit wehmütigen Gefühlen, zumindest bei mir!

Camping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping Zeeburg

Egmond aan Zee Am nächsten Mittag ging es nicht weit, aber weiter. Wir wollten ja über den Abschlussdeich in die Provinz Friesland fahren und da bot es sich an, noch einen weiteren kleinen Abstecher in meine Vergangenheit zu machen und nach Egmond aan Zee zu fahren. Die Internetrecherche hatte ergeben, dass es einen großen Ferienpark gibt und der lag genau dort, wo der Campingplatz gewesen sein musste, auf dem ich mehrere Male in meinem früheren Leben war. Und genauso war es dann auch! Das alte Rezeptionsgebäude stand noch, aber das war auch schon alles, was ich wiedererkannt habe! Jetzt liegt die Rezeption 350m von der Einfahrtsschranke entfernt. Wenn nicht gerade ein Campingplatzbediensteter auf seinem Golf-Kart vorbeigekommen wäre, hätten wir erst einmal nicht gewusst, was tun und vor allem, wo parken. Die Zufahrt ist nämlich offensichtlich auch noch aus den 1970er-Jahren! Cooles Smiley

Kustpark Egmond aan Zeealte Rezeption und Verkaufsladen

Kustpark Egmond aan Zee Direkt hinter der Schranke liegt der Wohnmobilstellplatz, halbkreisförmig angelegt in zwei Reihen. Wir stellten unsere Mobile provisorisch ab und suchten die Rezeption. Es gab dann noch genau zwei nebeneinanderliegende freie Plätze! Die erste Reihe war z. Z. gesperrt, weil die Rasenflächen neu eingesät wurden. Das muss wohl jedes Jahr gemacht werden, denn in der zweiten Reihe standen die Wohnmobile auf den schlammigen „Rasen“flächen, damit man auf der geschotterten Fläche mit sauberen Schuhen ein- und aussteigen konnte!!! Zunehmend mehr Menschen (nicht nur Camper) machen, was sie gerade (für sich) für richtig halten, ohne Rücksicht, Einsicht oder Unrechtsbewusstsein.

Kustpark Egmond aan Zee

Der Campingpark ist riesig! Den größten Teil nehmen allerdings Miethäuschen ein, das scheint ein lukrativeres Geschäft zu sein als Camping. Es gibt außer den 19 Stellflächen für Wohnmobile noch zwei Bereiche für offenbar nur Wohnwagen und allenfalls kleine und leichte Vans. Wir wären nämlich gerne nach der ersten stürmischen Nacht unter Pinien umgezogen, was uns verwehrt wurde. Die Bodenbeschaffenheit sei nicht ausreichend. Und so, wie die Bodenflächen aussahen, hatte es viel geregnet und zumindest Oscarlotta hätte dort einen Acker hinterlassen. Erstauntes Smiley

Bei unserer Anreise am Sonntag war uns schon aufgefallen, das für solch ein kleines Städtchen sehr viel Autoverkehr herrschte und wie viele Menschen zu Fuß unterwegs waren. Als dann noch die Straße zum Campingplatz gesperrt war, fragte ich die Ordner, was denn aktuell los sei. Massenwanderungen am Strand, zwischen 10 und 15 Kilometern! Also einmal bis nach Bergen aan Zee und evtl. wieder zurück, das haben wir früher auch öfter gemacht, ohne „evtl.“. Was ich aber nicht verstehe, ist, was bewegt Menschen dazu, in einem Pulk von Gleichgesinnten am Strand entlangzulaufen??? Strand ist doch am schönsten, wenn man möglichst allein unterwegs ist? Mein Unverständnis ist wohl darauf zurückzuführen, dass ich kein Herdenmensch bin?

Später bekamen wir mit, dass Reisebusse am Straßenrand standen und darauf warteten, die Wanderer ohne „evtl.“ zurückzutransportieren. Was Mensch sich nicht alles einfallen lässt in den unattraktiveren Wintermonaten! Verwirrtes Smiley

Wir erklommen den kleinen Hügel neben dem Campingplatz, an dessen Spitze sich immer noch ein Aussichtsturm befindet.

Egmond aan ZeeEgmond aan Zee

Nachdem wir uns einen Überblick verschafft hatten, liefen wir „außenherum“ zur Strandpromenade, ich wollte sehen, was sich dort verändert hat. Ein paar neue Häuser mit Ferienappartements gab es, ansonsten war alles so wie vor 20 Jahren, als ich das letzte Mal dort war. Das Hotel, in dem ich einige Male im Winter ein verlängertes Wochenende verbrachte, stand auch noch, wird aber unter einem anderen Namen geführt. Die „Automatiek“ im Ort gab es nicht mehr, dafür direkt neben dem Leuchtturm eine Snackbar. Fish ’n chips mit Blick aufs Meer ist auch nicht schlecht! Smiley

Egmond aan ZeeEgmond aan ZeeEgmond aan ZeeEgmond aan ZeeEgmond aan ZeeEgmond aan Zeeschlemmen am Strandschlemmen am Strandschlemmen am Strandschlemmen am Strand

Egmond aan Zee Es wurde stürmisch! Wir zogen im Stellplatzbereich auf die ersten beiden Plätze um, immerhin ein wenig weiter von den Bäumen weg. Sturm und/oder Regen bedeutet Höhlentag! Zu einem Stadtbummel hat es dann aber zum Glück doch noch gereicht und ob der Überschaubarkeit der „Stadt“ brauchten wir dafür nicht allzu lange. Egmond aan Zee ist einfach ein niedliches kleines altes ehemaliges Fischerdorf, das jetzt vom Tourismus lebt. Im Winter erstaunlich gut besucht, im Sommer überlaufen. Man sagt den Holländern ja (etwas bösartig) nach, dass sie im Sommer ihre Häuser an Touristen vermieten und selbst in ihre Garagen ziehen. Smiley mit geöffnetem Mund

Egmond aan ZeePoffertjes

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Eine Liebeserklärung

 

von Urk nach AmsterdamUnd jetzt sind wir endlich in Amsterdam!!! Verliebt Ich habe zu dieser Stadt schon seit meiner Zwanzigerjahre eine besondere Verbindung. Vom Ruhrgebiet aus, wo ich lebte, war man in gut 2½ Stunden dort, sogar wenn man, wie ich damals, mit Ente unterwegs war. An einem Samstag mit einer Freundin morgens los, ein paar Stunden Stadtbummel und abends wieder zurück war also kein Problem und stand immer mal wieder auf meinem Programm. Diese Stadt war so ganz anders als alle deutschen Großstädte, die ich kannte. Die Flower-Power-Zeit war dort schon in vollem Gange, als man in Deutschland gerade anfing, sich über die langen Haare der jungen Männer aufzuregen. Modisch gesehen waren die Niederlande Deutschland über bestimmt zwei Jahrzehnte um mindestens ein halbes Jahr voraus, sowohl bei der Sommer- als auch bei der Wintermode.

Mit 10 Jahren war ich das erste Mal mit meinen Eltern in Holland und ein unvergessliches Erlebnis war es, goldgelbe, knusprige Patatas frites mit Mayonnaise in einer Spitztüte aus Papier auf der Straße zu essen, mit den Fingern oder einer kurzen Holz- oder Plastikgabel mit zwei Zinken. DAS gab es in Deutschland nirgends! Die besondere Herausforderung bestand darin, so um die Mayonnaise herumzuessen, dass auch für die letzten Pommes ganz unten in der Tüte noch etwas davon übrig war. Wir waren noch oft im Urlaub in den Niederlanden und sicher verwundert es nicht, dass mein erster Freund ein Holländer war, oder? Zwinkerndes Smiley

Meine ältesten Freunde habe ich 1975 auf dem Campingplatz in Egmond aan Zee kennengelernt, im Jahr 2000 haben wir ein Wochenende lang dort unser 25-Jähriges gefeiert. Dieses Jahr werden es 45 Jahre! Erstauntes Smiley

In meinen Dreißigerjahren verbrachten wir einige Male ein verlängertes Wochenende in einem Hotel in Egmond direkt an der Promenade, das für „Karnevalsflüchtlinge“ ein besonderes Angebot bereithielt. Meine Eltern und Freunde von ihnen/uns waren ebenfalls immer gerne dabei. Auch im Winter kann es an der „Zee“ sehr schön sein, man muss halt etwas Glück mit dem Wetter haben.

Zwischen 1992 und 2000 war ich jeden Sommer mehrere Wochen mit meinem Bruder auf seiner Motoryacht in niederländischen Gewässern unterwegs, jedes Jahr in einem anderen Gebiet. Auf diese Art habe ich das Land und seine Besonderheiten gut kennengelernt. Teilweise lag ich mit dem Boot von Sonntag bis Freitag in einem Hafen, mein Bruder fuhr mit dem Zug nach Hause, kam nach einer Arbeitswoche wieder zurück und wir fuhren weiter. Manchmal passierte das sogar zweimal, ich hatte ja 6 Wochen Sommerferien. Smiley

Eine angenehme Tatsache war und ist es, dass fast alle Niederländer ausgezeichnet deutsch sprechen oder zumindest verstehen. Sie lernen es in der Schule und brauchen es für den Tourismus. Bei den jungen Leuten heutzutage scheint allerdings englisch an zweiter Stelle zu stehen, die mittlere und ältere Generation ist auffallend oft dreisprachig. Die niederländische Sprache ist als Text ziemlich gut zu übersetzen, es gibt viele Ähnlichkeiten, sowohl zu deutsch als auch zu englisch, nur verstehen kann man sie nicht! Laut lachen

Ist schon klar, dass ich zu den Niederlanden eine lange gewachsene Liebesbeziehung habe, oder???

Ein paar Besonderheiten, die uns aktuell auffallen:

– Es gibt kaum übergewichtige Menschen.

– Viele Kinder und Jugendliche grüßen beim Vorübergehen.

– Die Erwachsenen sind höflich, freundlich, gelassen.

– In den Supermärkten, auch den kleinen Lebensmittelgeschäften, gibt es ein überwältigendes Angebot an zerkleinertem, portioniertem Gemüse, schon fix und fertig für die Pfanne, den Wok oder den Kochtopf (Niederländer lieben Eintöpfe!).

– Die Auswahl an vegetarischen und veganen Lebensmitteln ist gigantisch!!! Und vegetarische/vegane Gerichte stehen in großer Anzahl ganz selbstverständlich auf allen Speisekarten, zu normalen Preisen. Sogar eine landestypische Spezialität, die „Bitterballen“ gibt es inzwischen als vegane Variante. Daumen hoch

– Friet Speciaal (Pommes mit Mayo, Curry-Ketchup und rohen Zwiebeln) oder Patat Saté/Patat Pinda (Pommes mit heißer Erdnusssoße) gibt es an jeder zweiten Straßenecke. Mindestens Mayonnaise (friet saus) ist immer dabei, wenn der Niederländer sein „frietje“ (so genannt im Süden und Osten des Landes) oder „patatje“ bestellt, das Zauberwort heißt „met“. Das reicht aus. Auf die Größe der Portion hat die Verniedlichung übrigens keinen Einfluss! Smiley

– Einige „Frittenbuden“, hier Snackbar genannt, verkaufen die anderen beliebten fritierten Leckereien wie Fikandel, Kroket, Bitterballen, Kaassoufflé, Bami und Nasi (als schijf = Scheibe oder bal = Kugel), Gehaktbal, Kipcorn auch in „gläsernen Wänden“. Das sind viele kleine mit Warmhalteplatten versehene Fächer, deren Glastüren sich öffnen lassen, wenn man den entsprechenden Geldbetrag in einen Schlitz geworfen hat. Als es noch den Gulden gab, benötigte man für die meisten dieser Snacks drei Kwartjes (75 Cent), jetzt geht unter 2 Euro nichts mehr! Zur Verdeutlichung: Der Umtauschkurs war 1 Euro = 2,20371 hfl (Niederl. Gulden)!!! In jeder Snackbar hängt ein Wechselautomat an der Wand, der das nötige Hartgeld ausspuckt. Früher wechselte man 1, 2½ oder 5 Gulden-Stücke (wer hatte schon so viele Kwartjes in seinem Portemonnaie!), heute 5 und/oder 10 Euro-Scheine. Der Name für diese niederländische köstliche Schnellverköstigung? Automatiek. Smiley mit geöffnetem Mund Meist steht allerdings „Febo“ draußen, eine Kette und mit seinem Gründer Johan Izaak de Borst der findige und geschäftstüchtige Erfinder im Jahre 1941. (Quelle: Wikipedia)

– Und darüberhinaus gibt es natürlich noch Fisch in allen Variationen. Von uns sehr geschätzt ist kibbeling, die niederländische Variante von fish ‘n chips.

Kibbeling

Lageplan Camping ZeeburgWenn euch jetzt noch interessiert, wo in Amsterdam wir stehen: Es gibt einen Campingplatz nur 5km vom Hauptbahnhof (Centraal Station) entfernt. Einen Wohnmobilstellplatz gibt es seit einiger Zeit zwar auch, aber erstens liegt der nicht zentraler, zweitens in einem Industriegebiet, was uns nicht sicher genug ist, zumindest nicht im Winter und drittens ist es dort teurer als hier. Wir stehen auf dem Campingplatz „Zeeburg“ auf einer Insel/Polderlandschaft zwischen dem Amsterdam-Rijnkanaal und dem IJ. Wie auf der Karte zu sehen (blauer Punkt), sind wir von Wasser umgeben und entsprechend ruhig ist es hier.

Lage des Campingplatzes (blauer Kreis)Lage des Campingplatzes (blauer Kreis)

Die „Pötte“ auf dem nahen Kanal hört man ganz leise brummen und zwischen den Bäumen hindurch kann man sie vorbeiziehen sehen. Auf der anderen Seite schaut man über das Wasser hinüber nach Zeeburgereiland. Die Niederländer sind ja genial darin, Wasserflächen bebaubar zu machen und so verwundert es nicht, dass der Campingplatz auch gerade vergrößert wird.

Camping ZeeburgCamping ZeeburgAmsterdam-RijnkanalNatur in AmsterdamCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping Zeeburg

Es scheint aber gerade Baustopp zu sein, es gibt zwar einen Bauzaun, passieren tut aber nichts.

Camping ZeeburgCamping Zeeburg

Von unserem Platz aus können wir unter der Brücke des Autobahnringes A10 hindurch bis zur Fußgängerbrücke hinüber zum Steigereiland laufen. Dort ist seit 2005 eine „schwimmende Stadt“ entstanden, bestehend aus Häusern, die auf schwimmenden Fundamenten aus Betontanks errichtet wurden.

rund um den Campingplatzrund um den Campingplatzrund um den Campingplatzrund um den CampingplatzBlick auf Steigereilandschwimmende Häuser

Leben auf dem Wasser ist in den Niederlanden weitverbreitet und stellt bei steigendem Meeresspiegel eine durchaus interessante Alternative dar. So entstand der gesamte neue Stadtteil IJburg ab 2005. Er wird gebildet aus drei mit Brücken verbundenen Inseln: Steigereiland, Haveneiland und Rieteilanden. Wir hatten das Glück, ein fertiggestelltes Haus auf dem Weg dorthin zu sehen.

Wasserhaus

Amsterdam 5 Eine Möglichkeit für uns, in die City zu kommen, ist die Straßenbahnlinie 26 mit Endstation IJberg. Wir müssen neben dem Campingplatz auf die Amsterdamsebrug hoch und laufen dann in einem großen Bogen übers Wasser. Von oben hat man unter anderem solche Ausblicke:

HausbooteHausbooteHausbooteHausbooteHausboote

Anfahrt zum Campingplatz Auf dem Kartenausschnitt kann man gut erkennen, dass die Anfahrt zum Campingplatz ein paar Tücken hat! Von der A10 kommend muss man an der Kreuzung IJburglaan/Zuiderzeeweg nach links abbiegen und gleich darauf wieder nach rechts. Dort geht es vermeintlich aber nur auf einen P+R-Parkplatz. Uschis CoPilot hat sie geradeaus weitergeschickt und das Hinweisschild zum Campingplatz kann man wirklich leicht übersehen! Geradeaus geht es aber nicht zum Campingplatz, sondern über die Brücke des Kanals und weiter Richtung Innenstadt. Mein Tommie, obwohl nicht aktuell upgedated, schickte mich dann tatsächlich nach rechts! Nach Uschis Warnung hatte ich mir den Straßenverlauf auf Google Maps genau angeschaut und vertraute darauf, dass ich auf dem Parkplatz nicht mühsam würde wenden müssen. Man glaubt nämlich wirklich nicht, dass es nach der Einfahrt weiter geht! Verwirrtes Smiley

Ich sagte schon, dass wir super stehen, oder? Erstaunlicherweise ist auch jetzt, mitten im Winter, reger Publikumsverkehr. Die meisten bleiben aber weiter vorne stehen, sodass wir keine Nachbarn haben.

unsere Plätze

Jetzt in der Nebensaison kostet der Stellplatz incl. einer Person €16. Inbegriffen sind die Nutzung des (ganz neuen) Sanitärgebäudes, Sanitärgebäude Entsorgung, WLAN und Strom mit 10A Absicherung. Seit diesem Jahr erhebt die Stadt Amsterdam allerdings eine „Kurtaxe“, wohl eher Touristensteuer, von 7% des Übernachtungspreises plus €1 pro Person und Nacht. Wir zahlen also aktuell €18,12/Nacht.
 
 
In den Sommermonaten dürfte der Platz vor allem von jungen Rucksackreisenden frequentiert werden. Dafür sprechen die bunten, zahlreich vorhandenen „Cabins“ und „Wagonetten“. Sie stehen sehr dicht beieinander, bieten Platz für 2-4 Personen, wobei „Platz“ eigentlich nur Schlafplatz meint. Die Ausstattung ist äußerst minimalistisch und auf gutes Wetter ausgelegt. Aber vermutlich sind die Bewohner sowieso den ganzen Tag und die halbe Nacht (oder umgedreht) unterwegs und da reicht es dann, wenn man ein Bett hat. Cooles Smiley

Camping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping Zeeburg

Auch hier möchte man (möchten wir) im Sommer wohl eher nicht sein, weder auf dem Campingplatz noch in Amsterdam selbst. Der Touristenansturm ist mittlerweile so groß, dass die Einheimischen schon protestieren. Aber Amsterdam liegt auch auf einem der vorderen Plätze der beliebtesten Großstädte Europas! Das untermauern die 8 Millionen Besucher pro Jahr eindringlich. Der absolute Wahnsinn sind allerdings die Radfahrer! 58% der Amsterdamer benutzen ihr „Fiets“ täglich, dazu kommen noch die Touristen auf ihren Mietfahrrädern. Überall in der Innenstadt sowie in allen Stadtteilen stehen Unmengen von Rädern abgestellt, an Laternenpfählen oder Brückengeländern angekettet, an Sammelplätzen und in sogenannten Fahrradgaragen, die sogar auf Schiffen zu finden sind. Endlose zweigeschossige Reihen mit ausgeklügelten Kipp- und Hebemechanismen. Maximale Parkdauer 7 Tage, dann bekommt das Rad eine Hinweismarkierung und wird danach vermutlich eingesammelt. Wir können uns vorstellen, dass viele Räder stehenbleiben, weil ihre Besitzer sie einfach nicht mehr finden. Laut lachen Und ein altes Rad entsorgen geht so auch ganz einfach.

RadgarageFahrräder in Amsterdam

Noch eine Besonderheit ist uns aufgefallen: Es gibt winzige „Autos“ für maximal zwei (schlanke) Personen. 2,28m lang, 1,10m breit, 1,63m hoch und mit €12.000 aufwärts gar nicht mal so preiswert. Sie werden ursprünglich als Behindertenfahrzeuge gebaut, dürfen ohne Führerschein auch auf Radwegen und sogar in Einkaufszentren gefahren werden und auf den Gehwegen parken. Inzwischen scheinen sie einen Kultstatus zu haben. Sie heißen Canta und sind sehr oft in rot unterwegs, vermutlich, damit man sie nicht aus Versehen übersieht! Smiley mit geöffnetem Mund

CantaCanta

Einen Behindertennachweis scheint man nicht zu benötigen! Die neuen Modelle fahren elektrisch. Es gibt alle möglichen Sonderausfertigungen, z. B. auch die Möglichkeit, mit dem Rollstuhl hineinzufahren und aus diesem heraus den Canta zu steuern! Auch im Behindertensektor waren die Niederlande immer schon Vorreiter, oder wer hat schon jemals in Deutschland ein Fahrrad gesehen, das einen Rollstuhl integriert hat? Mein Bruder und ich haben schon in den 1990er-Jahren geunkt, dass wir im Alter dann mal so durch die Gegend fahren könnten. Wäre jetzt an der Zeit!!! Sarkastisches Smiley

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Statusbericht Rügen Teil 1

 

Inzwischen haben wir gut die Hälfte unseres Herbstaufenthaltes auf Rügen schon wieder rum. Mist! Die Zeit vergeht viel zu schnell!!! Die Entscheidung für genau diesen Campingplatz im Südosten der Insel war goldrichtig, ein dickes Dankeschön für die Empfehlung geht nach Sprockhövel. Smiley

RügenSüd-Ostrügen

Unsere Stellplätze liegen natürlich auch genial. Wir haben zwar keine Komfort-Plätze (mit eigenem Frisch- und Abwasser- und Stromanschluss), aber einen Stromkasten gibt es im Abstand von drei Plätzen, der nächste Wasserhahn ist nur ein paar Meter entfernt und Toilettenkassetteninhalt und Abwasser können wir entweder am kleinen WC-Häuschen oder am nächsten großen Sanitärgebäude (es gibt insgesamt zwei) entsorgen. Für die Toilettenkassette nutzen wir unsere Rollwägelchen, für das Abwasser habe ich aus den Tiefen meiner Heckgarage den rollbaren Tank herausgekramt, den ich nur dann nutze, wenn mir die Entsorgungsmöglichkeit zu weit weg ist. In ihn passt deutlich mehr als in einen Eimer und ich muss nicht ganz so oft laufen. Zwinkerndes Smiley Ich habe mir aber sowieso angewöhnt, die Ver- und Entsorgung jede Woche zu erledigen, dann bleibt es in vertretbaren Ausmaßen. Das alles bezieht sich darauf, wenn ich längere Zeit irgendwo stehenbleibe, zu Fahrzeiten nutze ich natürlich die VE-Stationen zum Drüberfahren und zapfe dort auch das Frischwasser, aber nur mit meinem eigenen Schlauch! Inzwischen ist es leider auch schon etwas kälter geworden, die Heizung läuft abends ein paar Stunden und die letzte Gasflasche hat nur noch für 12 Tage gereicht. Das Gas ist hier mit €25/Flaschenfüllung recht teuer!

Lageplan - Campingplatz Thiessowunsere Plätze

Der September hat uns außer extremer Hitze oder extremer Kälte alles geboten, wunderschönes warmes Spätsommerwetter, heftigsten Sturm, phantastische Sonnenuntergänge und ab und zu ein wenig Regen. Aber egal, wie das Wetter ist, unser Ausblick ist immer interessant und einfach nur schön! Zu Beginn weidete auf der riesigen Brachfläche zwischen Campingplatz und Zicker See noch eine ebenso riesige Rinderherde. Muttertiere mit ihren Kälbchen, Jungrinder und ältere Tiere. Sie wanderten fressend langsam von der einen Seite der Weide zur anderen, kamen also mindestens zweimal am Tag bei uns vorbei. An einem besonders stürmischen Abend versammelten sie sich, als es auch noch zu regnen begann, alle dicht gedrängt direkt fünf Meter von Oscarlotta entfernt am Zaun, laut muhend und alle mit dem Hinterteil zum Sturm. Ich hätte sie ja gerne reingelassen, sie taten mir wirklich Leid, aber soviel Platz hatte ich einfach nicht! Laut lachen

ThiessowThiessowThiessow

Inzwischen ist der Grundwasserspiegel angestiegen und große Flächen der Wiese stehen unter Wasser. Die Kühe sind abgeholt worden, dafür versammeln sich Graureiher, Schwäne, Möven und Wildgänse um die und auf den Wasserflächen.

nur KuhweideWasserflächen für Zugvögelunser täglicher Blick

Die Gänse haben sich schon richtige Bäuche angefressen, aber die Fettreserven werden sie noch brauchen. Sie kommen und gehen in wunderschönen Formationen und mit viel Geschrei. Wir warten sehnsüchtig auf die Kraniche!!! Ein Schwarm kam schon vorbei, flog suchend dreimal an der Wasserlinie entlang, entschloss sich aber leider nicht, die Nacht hier zu verbringen. Es war trotzdem ein magischer Moment, denn genau an diesem Abend war der Himmel besonders schön und sie flogen in Formation an den pinkfarbenen Wolken vorbei. Sie sind leicht von den Wildgänsen zu unterscheiden, allein schon durch die Lautstärke ihres Geschreis! Erstauntes Smiley Und dann sind sie natürlich noch viel größer und gestreckter mit ihren langen Hälsen und Beinen. Von ihnen habe ich leider kein Foto, so schnell war ich nicht, aber ich kann euch eine Auswahl von Sonnenuntergängen zeigen.

SonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergang

Schön, oder ???

Hier auf Rügen wird eine Kurabgabe verlangt und bei der Länge unseres Aufenthaltes lohnte es sich, eine Jahreskurkarte zu beantragen, mit Namen und Lichtbild. Diese berechtigt uns u. a. den am Campingplatz vorbeifahrenden Linienbus unentgeltlich zu nutzen, in die eine Richtung bis Sellin. In die andere Richtung geht es nur noch „um die Ecke“, in Klein Zicker ist Schluss mit der Halbinsel Mönchgut, der Bus fährt eine Schleife und kommt wieder am Campingplatz vorbei. Wenn man also früh genug an der Haltestelle ist und keine Lust hat, draußen dumm rumzustehen, kann man schon einsteigen und eine kleine Extratour fahren. Smiley In Klein Zicker gibt es noch einen Campingplatz, der überwiegend von Surfern genutzt wird, denn dort ist schon die offene Ostsee.

Ostseestrand Thiessow

Von unserem Platz aus schauen wir über den Hafen hinweg dorthin und sehen jeden Tag die Kite-Schirme hin und her flitzen. Wind gibt es hier eigentlich immer genug und selbst bei heftigem Sturm sind immer einige Kiter draußen. Und dann gibt es ganz am Ende von Klein Zicker noch einen Strandkiosk mit Gartenbetrieb und ausgesprochen leckerem und preiswertem Angebot in kalt (Fischbrötchen in allen Variationen), heiß (Kibbeling, Backfisch, Fischfrikadellen, Pommes, Suppen und mehr) und auch in süß (Kuchen). Getränke natürlich auch in ausreichender Auswahl. Den Imbiss haben wir per Zufall entdeckt und waren bereits einige Male dort, immer im Sonnenschein.

Klein-Zickerwird geteilt!schöner geht nicht :-)

Es gibt aber auch ein paar Innenplätze, wenn das Wetter nicht mehr mitspielt und die Bushaltestelle liegt direkt daneben. Cooles Smiley

Noch eine nette Einkehrmöglichkeit liegt am Ostseestrand, den wir erreichen, wenn wir die Straße am Campingplatz entlang überqueren und 150m durch ein Kiefernwäldchen laufen. Wir haben noch schöne Strandspaziergänge barfuß durchs Wasser zu genau diesem kleinen Café gemacht, wo es leckeren selbstgebackenen Kuchen oder genauso leckere Crèpes gibt.

"unser" Strandich begegne mir selbst ;-)

Durch den Kiefernwald führt ein Radweg, auf dem man in alle möglichen Teile der Mönchgut-Halbinsel fahren kann. Unsere erste Tour führte nur bis zum Campingplatz in Lobbe, ca. 4km entfernt, wo es einen schönen Abenteuer-Spielplatz und ein nettes Strandlokal gibt. Wir wollten zu zweiterem! Zwinkerndes Smiley

Strandlokal in Lobbe

Dass wir nicht weiter fuhren, lag daran, dass meine Gangschaltung am Fahrrad schon wieder nicht funktionierte! Ich konnte nur im 3. oder 4. Gang fahren und das ist auf Dauer nicht so toll. Wir wissen zwar inzwischen, was man wo einstellen kann, aber es veränderte sich nichts. Also fuhren wir am nächsten Tag mit dem Bus bis ins nächste Städtchen, nach Göhren. Dort gibt es Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel, eine Junge-Bäckerei mit Café und neben allen möglichen Geschäften auch einen Fahrradhändler mit Werkstatt. Am nächsten Tag wurde mein Fahrrad abgeholt und schon einen Tag später wieder zurückgebracht, mit neu eingestellter Gangschaltung. Es kostete fast nichts und der Transport war im Preis mit drin. Das nenne ich Kundenservice! Jetzt bleibt nur abzuwarten, wie lange die Einstellung diesmal hält!!! Eine größere Tour haben wir schon erfolgreich hinter uns gebracht.

Meine Lieblingsbäckerei im Norden Deutschlands ist bekanntlich “Junge”. Seit ein paar Jahren besitze ich eine Kundenkarte, die alles um einiges preiswerter macht. Bei einem mittleren Milchkaffee z. B. um 50 Cent, das lohnt sich schon. Außerdem sammelt man für jedes Getränk, für jeden Verzehr und für jedes Brot Punkte und bekommt bei jeweils 12 Punkten einen Kaffee etc. umsonst. Richtig gut finden wir das Umweltbewusstsein, das propagiert wird und ein Projekt, das sich “Das Geld hängt an den Bäumen” nennt und von Junge unterstützt wird. Es handelt sich dabei um einen privaten Unternehmer aus dem Hamburger Umland, dem aufgefallen war, wieviele Obstbäume nicht mehr abgeerntet werden. Er beschäftigt ausschließlich Menschen mit Behinderungen oder aus sozialen Randschichten, das Obst wird zu Saft verarbeitet und in Gaststätten, online und eben auch bei Junge verkauft. Eine tolle Idee!

Bäckerei JungeBäckerei JungeBäckerei JungeBäckerei Junge

So, jetzt höre ich aber erst einmal mit der Schwärmerei auf. Ich denke, ich konnte euch vermitteln, dass es uns hier ausnehmend gut gefällt. Kuss senden Unser Abendhimmel von gestern, nicht spektakulär, aber schön:

AbendhimmelAbendhimmelAbendhimmel

written by Ingrid
photos taken with iPhone and HUAWEI P10 Lite

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.