Geht es etwa weiter???

 

Wohnmobilstellplatz Eschede ZUM GLÜCK hatte ich keinen Werkstatttermin um 8 Uhr, sodass ich doch noch ein paar Stunden Schlaf bekam, nicht genug, aber immerhin. Vereinbart war, dass ich, nachdem der TÜV-Prüfer fertig sein würde, kommen sollte, also gegen 13 Uhr. Perfekt für mich! Vorher würde ich anrufen, um nicht umsonst vor der Werkstatt zu stehen, falls der Kompressor doch noch nicht geliefert sein würde. Und so kam es – ich rief an und man teilte mir mit, dass der Kompressor erst am nächsten Tag kommen würde!!! Mist! Es war ja gar nicht die Zeit, davon hatte ich ja noch genug bis zum 1. September, es war die Hitze, die ich jetzt noch einen weiteren Tag aushalten musste. Das sagte ich so auch Herrn Seemüller und dass ich wohl nach Uelzen zurückfahren würde, weil ich Strom bräuchte, um die Klimaanlage laufen lassen zu können. Worauf er sofort sagte, dass er, wenn es nur um einen Stromzugang ginge, eine Lösung finden würde. Er würde seinen Nachbarn fragen, ob ich bei ihm auf dem Grundstück über Nacht stehen könnte. Zwei Tage zuvor hatte mir Herr Seemüller angeboten, dass man mich für die Dauer der Reparaturen zu der einzigen Attraktion in der Umgebung von Eschede fahren könnte, zum Filmtier-Park. Dorthin würde ich dann jetzt fahren und danach bei ihm vorbeikommen, teilte ich ihm mit. Nach Uelzen könnte ich dann zur Not immer noch fahren.

Der Tierpark interessierte mich, weil es sich spannend anhörte, dass dort alle? einige? der Tiere leben, die für bestimmte Filmszenen ausgebildet? abgerichtet? wurden und bei Bedarf an Filmstudios/-produktionen ausgeliehen werden. Hatte ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht, wo solche Tiere leben. Wenn ich also die Gelegenheit schon hatte, dann wollte ich sie auch wahrnehmen, egal, wie heiß es war.

Lageplan Es war nicht weit, es gab einen Parkplatz mit einer Abteilung für Busse, der Eintritt war mit €10 noch erschwinglich. Geworben wurde mit Fotos von Prominenten in hautnahem Kontakt mit Löwen und Tigern. Ich bekam einen Gehegeplan und begann meinen Rundgang. Nun kann man zu Tierparks ja die oder die Meinung haben, hier hatte ich ziemlich schnell das Gefühl, dass die Behausungen, Freigelände und Volieren zu klein und/oder zu eintönig sind. Zudem schien den Tiere, wenn sie denn überhaupt zu sehen waren, die Hitze genauso zu schaffen zu machen wie mir. Fast alle lagen schlafend oder dösend im Schatten. Enttäuschtes Smiley

schlafende Waschbärenschlafende WaschbärenKamele und Dromedaredösendes Dromedareuropäische WölfeWolf amerikanische SchwarzbärenBalu oder PetziMinischweineSchröder oder PoppeyeBengaltigerClayKönigstigerElvisAfrikanische LeopardenKitoWestafrikanischer LöweSibirischer TigerBengaltigerLeopardJaguarLuchsPumaGepard

Nur den Emus ging es so richtig gut! Sie lagen unter einem Baum und ließen sich von dem riesigen Wasserspender „begießen“.

EmusFritzi und FreundeFritzi und Freunde

Ich weiß ja nicht, was, wann und wie oft mit den Tieren irgendetwas geprobt oder neu eingeübt wird oder ob es schon ausreicht, dass sie „zahm“, also in Gefangenschaft geboren, aufgewachsen und an Menschen gewöhnt, sind. Es ist auf jeden Fall so, dass keines der Tiere so leben kann, wie es seinen angeborenen Instinkten entspricht. Dafür ist ihr Überleben gesichert. Verlegenes Smiley

ArasKaspar und SalomonKaspar und SalomonZwergotterWaschbärenLöweSchnee-EulenPaulaRasmusRasmus und SamanthaSamanthaFlugkünstler

Der Besuch hinterließ einen schalen Nachgeschmack bei mir und ich mochte wegen der Hitze auch nicht noch eine Stunde warten, bis es um 15 Uhr die tägliche Tiererlebnis-Show gab, wo man die Tiere sogar anfassen können soll. Vielleicht habe ich da etwas verpasst, keine Ahnung.

Ich fuhr zur Werkstatt und Herr Seemüller hatte tatsächlich auf dem Nachbargrundstück einen Übernachtungsplatz mit Strom für mich organisiert. Was für eine Wohltat, die Klimaanlage einschalten zu können! Und Kaffee konnte ich mir auch kochen! Vorsichtshalber schaltete ich die Klimaanlage aus, während die Kaffeemaschine lief. Ich wollte nicht riskieren, dass die Sicherung rausfliegt. Erstauntes Smiley

Firma SeemüllerFirma Seemüller

Ich hatte das Werkstattgeschehen nun gut im Blick. Vereinbart war, dass ich mich am nächsten Vormittag melden würde, wenn ich bereit war. Gegen 18 Uhr gab es ein Gewitter und damit einher ging endlich eine Abkühlung, sodass ich die Klimaanlage nach drei Stunden ausgeschaltet lassen konnte.

Vorsichtshalber schickte ich eine eMail zum Campingplatz auf Rügen und teilte mit, dass ich evtl. erst am Montag oder Dienstag eintreffen würde und dass ich den am 1. September fälligen Restbetrag überwiesen hätte. Ich schlief wunderbar in dieser Nacht, trotz der nahen und gut hörbaren Bundesstraße.

Am nächsten Morgen regnete es und es war angenehm, ja was – kühl? Etwas übertrieben ausgedrückt, aber kein Vergleich zu den vergangenen Tagen! Um halb elf rief ich in der Firma Seemüller an und bat darum, dass der Chef mich doch bitte befreien möge, sobald es ihm passe. Der steckte „kopfüber“, wie er sich ausdrückte, in einem zu reparierenden PKW und es dauerte dann noch eine Stunde, bis er mir das Tor vom Grundstück öffnete und hinter mir wieder schloss. Ich hatte vorher schon mein Stromkabel in der Scheune, vor der ich stand, abgezogen und bei meinen Gastgebern geklingelt, um mich für die Beherbergung zu bedanken, aber es öffnete leider niemand.

Oscarlotta bezog wieder den Platz neben dem Werkstatttor und ein freundlicher junger Mann fing damit an, das zwei Tage vorher eingefüllte Kältemittel wieder abzusaugen. Erneut fehlte ein nicht unbedeutender Teil und das, obwohl ich ja keine 100km gefahren war und die Anlage immer noch behauptete, dass keine Undichtigkeiten erkannt würden. Seltsam! Der Mechaniker fand eine defekte Sicherung, die im Motorraum verbaut war. Die anderen Sicherungen müsse er auch überprüfen, ob ich wüsste, wo die sind. Ja – und ich wusste auch, dass sich die an einer Stelle befinden, die schon so manchen Werkstattmenschen zu akrobatischen Verrenkungen genötigt hat. Links unter dem Lenkrad im oberen Pedalbereich. Dort kommt man nur hin, wenn man sich auf dem Rücken liegend zwischen Fahrer- und Beifahrersitz hindurchhangelt. Er sei wohl zu fett, stöhnte der junge Mann. Nein, war er nicht, vielleicht aber etwas zu groß! Cooles Smiley Die Sicherungen waren alle in Ordnung! Den defekten Schalter hatte er ausgetauscht und jetzt würde die Kühlflüssigkeit wieder aufgefüllt werden. Danach könne er erst feststellen, ob der Kompressor auch ausgetauscht werden müsse oder ob der Schalter das Problem war. Das würde etwas dauern. Ich nutzte die Zeit und ging beim benachbarten Edeka-Markt einkaufen und einen Kaffee trinken. Kaum zurück, ich konnte gerade noch meine Einkäufe verstauen, bekam ich die Aufforderung, den Motor zu starten und die Klimaanlage einzuschalten. Trommelwirbel!!! Es kam kalte Luft aus allen Ausströmern! Halleluja! Smiley mit geöffnetem Mund

Glücklich und erleichtert ging ich ins Büro, um meine Rechnung zu bezahlen. Nach einer Viertelstunde des Wartens verkündete die Dame am Tresen, dass sie heute eher Feierabend machen würde. Offenbar hatte sie meine Rechnung noch gar nicht in Arbeit. Auf meine Nachfrage, warum es denn jetzt noch so lange dauern würde, meinte sie, dass sie das auch nicht wisse, aber mal in der Werkstatt nachfragen würde. Nach einer weiteren Viertelstunde kam der Chef, entschuldigte sich, dass sie noch eben etwas gegessen hätten und dabei gefachsimpelt, warum das Gerät zweimal einen Kühlmittelverlust angezeigt hätte. Sie könnten sich das nur so erklären, dass die Waage in dem Gerät hochsensibel sei und das Gerät normalerweise nicht von der Stelle bewegt werde/werden dürfte. Jetzt war es aber sogar über das holprige Pflaster der Einfahrt gerollt worden. Sie hätten aber zur Vorsicht eine fluoriszierende Flüssigkeit hinzugefügt, sodass man eventuell doch vorhandene Undichtigkeiten mit Schwarzlicht kenntlich machen könnte. Aber vermutlich hätte nur die Waage gesponnen. Eine Rechnung könne er mir jetzt nicht schreiben (die Sekretärin war ja schon weg), nur eine Quittung ausstellen. Er rechnete dann sehr wohlwollend eine Arbeitszeit aus, der Kühlflüssigkeitsaustausch wurde zum Festpreis nur einmal berechnet, der Schalter, die Sicherung und noch zwei Glassicherungen, die ich für meine defekten 12-Volt-Steckdosen brauchte. Ich bezahlte €332. Ob ich auf der Rückfahrt von Rügen noch einmal in der Nähe vorbeikommen würde? Dann könne man noch einmal nachschauen? Den Kompressor würde er dann zurückgeben, das sei kein Problem. Ich verneinte und bedankte mich, hinterließ 10 Euro mit der Bitte, sie und mein Dankeschön dem Nachbarn für meine Übernachtung und den Stromverbrauch zu geben und verließ um halb vier den Hof. Wie herrlich, eine funktionierende Fahrerhaus-Klimaanlage zu haben!!! Die große Hitze war zwar vorbei, aber gebrauchen konnte ich sie noch gut.

Mein Glück dauerte ungefähr 1½ Stunden. Zunächst unmerklich, dann aber immer deutlicher wurde die ausströmende Luft wieder warm! Meine Enttäuschung war unbeschreiblich!!! Drei Tage hatte ich ausgeharrt, in der Hitze gelitten und jetzt war doch alles für die Katz! Weinendes Smiley Entnervt folgte ich spontan einem Stellplatzhinweis und machte nach knapp 100km Fahrt Schluss. Eigentlich hätte ich wieder zurückfahren müssen, aber dazu konnte ich mich nicht aufraffen. Ich rief Herrn Seemüller an. Meine Vermutung war, dass die Sicherung wieder durchgeschmort sein würde. Die Frage war, warum? Also doch der Kompressor? Möglich sei das, wenn der Kompressor schwergängig sei, wurde mir mitgeteilt. Das nützte mir nun auch nichts. Ich beschloss, am nächsten Tag weiterzufahren und eine Überprüfung auf irgendwann zu verschieben.

Der kleine Campingplatz, auf dem ich gelandet war, war eindeutig noch aus DDR-Zeiten übriggeblieben. Ich zahlte vor der Gaststättentür für einen Campingplatz günstige 12 Euro bar auf die Kralle ohne Quittung und ohne Anmeldeformalitäten. Sarkastisches Smiley Vier kWh waren im Preis enthalten, ich schloss mein Kabel an, ließ alles zu und schmiss meine Dachklimaanlage an. ZUM GLÜCK funktionierte ja wenigstens die!!!

Neu GöhrenNeu GöhrenNeu Göhren

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Was Uelzen mit Hundertwasser und der Expo 2000 zu tun hat

 
Eine Info vorab:

Alle Angelegenheiten in Uschis Erbschaftsmarathon sind erfolgreich abgeschlossen!!! Smiley Zum 1. September konnte das Haus ihres Vaters an die neuen Besitzer übergeben werden. Mögen sie dort lange und glücklich leben! Wir sind jederzeit herzlich willkommen, ob wir aber irgendwann wirklich noch einmal dort hinfahren werden, steht noch in den Sternen.

Und: Wir sind seit Sonntag auf Rügen und es gefällt uns sehr gut hier. Näheres demnächst!

Nun aber zur Fortsetzung meiner Werkstattgeschichte!

Als ich am nächsten Vormittag wach wurde, begann es in Oscarlotta schon wieder warm zu werden. Über Nacht hatte ich alle Fenster und Dachluken geöffnet gelassen, jetzt wurde es Zeit, die Klimaanlage erneut einzuschalten. Dazu musste ich aber erst einmal einen Euro in den Automaten einwerfen, für weitere 6 Stunden Strom. Ein Blick aus dem Fenster zeigte, dass inzwischen alle Plätze frei waren, bis auf Platz 4, auf dem der Pössl stand. Der wurde zwar gerade von den Keilen runtergefahren, aber nur, wie sich herausstellte, um gedreht zu werden, damit sich die Schiebetür auf der Schattenseite befinden würde. Das war gut, weil der ältere Herr dadurch beschäftigt war und kein Interesse an meinem Tun hatte. Ich wollte nämlich Oscarlotta auch umdrehen! Am Abend zuvor hatte ich mir schon überlegt, wie ich dort rückwärts um die Absperrung herum wieder herauskommen könnte? Also schnell angezogen, das Stromkabel abgezogen und aus dem Weg gelegt, damit ich es nicht überfahre und Oscarlotta in wenigen Zügen „auf dem Teller“ gedreht. Geht nicht ganz so gut wie mit einem Schiff, aber ich hatte ja Platz. Dann Stromkabel wieder angesteckt (der Nachbar war immer noch beschäftigt!), Geld eingeworfen und die Klimaanlage eingeschaltet. Jetzt erst einmal ausgiebig duschen gehen! Die Duschräume waren einfach, aber sauber, das Wasser war warm mit kräftigem Strahl und die Zeit war nicht begrenzt. Sehr schön!!! Draußen war es jetzt um die Mittagszeit schon wieder sehr heiß, aber in Oscarlotta herrlich kühl. Kuss senden Ich machte mir Frühstück und versuchte online herauszufinden, wann es eine Busverbindung in die Innenstadt geben würde. Bei der Hitze wollte ich auf keinen Fall laufen und auch nicht mit dem Fahrrad fahren. Die Bushaltestelle war an der Bundesstraße, keine 200m entfernt und ein Bus fuhr so alle 1½ Stunden. Bei der Herfahrt hatte ich schon einen Hinweis auf den Hundertwasser-Bahnhof von Uelzen gesehen und den wollte ich mir auf jeden Fall ansehen. Um 15 Uhr am ZOB angekommen erkundigte ich mich als erstes nach den Rückfahrzeiten. Mein Busfahrer konnte mir dazu keine Auskunft geben und verwies mich an den Kollegen in der nächsten Busspur. Der schaute mich aber auch an, als ob ich chinesisch mit ihm reden würde, schickte mich dann aber immerhin zum richtigen Terminal. Der nächste Bus würde in 20 Minuten zurückfahren und dann erst wieder gegen 19 Uhr! Dann fiel dem Busfahrer ein, dass es noch eine andere Linie gibt, da war die nächste Abfahrt um 17 Uhr. Passt!

Ich machte mich auf den Weg zum Bahnhof. Es war heiß! Der erste Anblick war etwas enttäuschend, die Farben waren alle sehr dunkel, nichts Strahlendes, wie von Hundertwasser gewöhnt. Innen drin war es schon deutlich besser, kühler und bunter.

Hundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof Uelzen

Der Uelzener Bahnhof entstand schon 1847, als die Strecke der „Königlich Hannöverschen Staatseisenbahn“ von Hannover nach Celle über Uelzen hinaus bis nach Harburg erweitert wurde. Das ursprüngliche Empfangsgebäude wurde im Zuge eines Expo 2000-Projekts (Weltausstellung im Jahre 2000 in Hannover) nach den Ideen und dem Konzept des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser umgebaut. Seitdem gilt der Bahnhof als Touristenattraktion. Die Expo 2000 habe ich damals über 10 Tage „abgearbeitet“, war in nahezu jedem Länderpavillon und schwer begeistert. Geschlafen habe ich in meinem ersten Wohnmobil auf dem Parkplatz einer S-Bahnstation und bin jeden Tag morgens eine halbe Stunde hin und abends in übervollen S-Bahnwagen todmüde wieder zurückgefahren. Verpflegen konnte ich mich jeden Tag in einem anderen Land! Die architektonische Vielfalt, die vielen verschiedenen Nationalitäten, der friedliche Ablauf trotz der irre vielen Besucher (insgesamt 18 Millionen in 5 Monaten), die unterschiedlichen Veranstaltungen und die teilweise irrwitzigen Visionen und Ideen, mit denen das offizielle Motto „Mensch, Natur und Technik – Eine neue Welt entsteht“ umgesetzt worden war, entschädigten für alles, die langen Bahnfahrten, die platten Füße, die teilweise recht hohen Preise und den nächtlichen Lärm an einer Bahnhofsstraße. Verwirrtes Smiley

Erstmalig umgesetzt wurde die Idee, eine Weltausstellung mit ihren weltweiten Projekten nicht nur in der Veranstaltungsstadt, in diesem Fall Hannover, sondern tatsächlich in aller Welt stattfinden zu lassen. In insgesamt 123 Ländern wurden 787 zukunftsweisende, übertragbare und nachhaltig wirkende Projektideen zu allen Themenbereichen als offizielle Expo 2000-Projekte registriert. In Deutschland wurden 280 Projekte realisiert, eins davon der Hundertwasser-Bahnhof in Uelzen. (Quelle: Wikipedia). Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich damals von diesem Projekt wusste. Ich weiß aber, dass ich mehrere Jahre später noch einmal zum Messegelände gefahren bin, um nachzusehen, was von den vielen verschiedenen Gebäuden noch existierte. Bis 2004 sollen laut Auskunft der Betreibergesellschaft noch 85 Prozent der Fläche und der Pavillons des Ost-Geländes weitergenutzt worden sein. Das westliche Pavillongelände wurde mit neuen Messehallen überbaut oder zu Parkflächen umgestaltet, u. a. für die größte Computermesse der Welt, die CeBit. Ich war hin und hergerissen vor Freude, wenn ich ein Gebäude noch vorfand, an das ich mich erinnern konnte und es in noch akzeptablen Zustand war und Trauer über so viele freie Flächen und über den Verfall. Viele Pavillons wurden im Laufe der Nachfolgejahre abgerissen und viele andere wurden von Firmen übernommen. Der deutsche Pavillon steht noch und wurde im Zuge der Flüchtlingskrise ab 2015 als Notunterkunft zum kurzzeitigen und inzwischen längerfristigen Aufenthalt von bis zu 430 Flüchtlingen genutzt. (Quelle: Wikipedia)

Es ist für mich gerade sehr interessant, wie viele Erinnerungen wieder hochkommen, während ich diesen Text schreibe, den ich in dieser Ausführlichkeit gar nicht geplant hatte! Etwa ich?

Die vielen Details im Inneren des Uelzeners Bahnhofs und auf den Bahnsteigen waren nett und sehenswert, fasziniert hat mich aber vor allem das Modell unter Glas in einem Ausstellungsraum.

Hundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof UelzenHundertwasser-Bahnhof Uelzen

Als ich alles gesehen und auch noch einen Kaffee getrunken hatte, war trotzdem erst eine Stunde vergangen. Draußen erschlug mich fast eine Wand aus schwüler Luft. Es hatte inzwischen gewittert, aber es ging keinerlei Abkühlung damit einher. Sollte ich ein Taxi nehmen und zum Stellplatz zurückfahren oder sollte ich noch in die Stadt gehen? Die Taxen, die vor dem Bahnhof gestanden hatten, waren gerade alle unterwegs, also begab ich mich auf den Weg in die Stadt. Es mag an der Hitze und an meiner Verfassung gelegen haben, dass ich Uelzen nichts abgewinnen konnte. Ich schlich eine halbe Stunde durch mehrere Straßen, suchte und fand eine Haltestelle, an der meine Buslinie vorbeikommen müsste und setzte mich auf die ZUM GLÜCK dort vorhandene Bank ZUM GLÜCK im Schatten. Ich schwitzte eine weitere halbe Stunde still leidend vor mich hin, bis der Bus ZUM GLÜCK dann wirklich kam und auch dorthin fuhr, wo ich hin wollte. Mich hielt nur noch die Erwartung einer klimaanlagengekühlten Oscarlotta aufrecht und es war eine Wohltat, sie zu betreten! Der Strom war, wie erwartet, wenige Minuten vorher beendet worden, ich verstaute noch schnell mein Stromkabel, machte alles fahrfertig und verließ vorwärts den schon wieder vollen Stellplatz. Ich hätte natürlich auch noch eine weitere Nacht dort verbringen können, aber ich wollte den Vorteil der Zeitersparnis am nächsten Tag haben und schon in der Nähe der Werkstatt sein. Also fuhr ich zurück nach Eschede auf den kosten- und stromlosen Stellplatz. Außer ein paar Bier trinkenden Jugendlichen war niemand dort, aber die waren weit genug weg und ließen mich in Ruhe. Trotzdem stellte sich meine Entscheidung als Fehler heraus, denn in dieser Nacht kühlte es kaum ab und es bewegte sich kein Lüftchen. Wenn ich alleine irgendwo stehe, lasse ich keine Fenster auf. Es konnte also nur durch die Dachluken hereinziehen und das war nicht spürbar. Ich konnte ewig nicht einschlafen, was besonders blöd ist, wenn man am nächsten Tag Termine hat. Aber es gab noch einen zweiten Grund, warum ich die falsche Entscheidung getroffen hatte…

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Unverhofft kommt oft

 

Am Sonntag ging es nicht weiter, weder über Land- noch sonstige Straßen. Der Parkplatz war, als ich aufstand (früher als üblich, weil ich ja weiterfahren wollte), schon wieder total vollgeparkt. Klar, es war Sonntag und Freibadwetter! Das Wohnmobil auf dem ersten Platz war schon weg, dafür standen dort und auf den dazwischenliegenden Plätzen bis zu Oscarlotta PKWs. Grundsätzlich nicht toll, mir war es aber natürlich Recht. Dieses Problem gibt es immer, wenn die Wohnmobilstellplätze Bestandteil eines PKW-Parkplatzes sind. Ich wollte noch auf die VE-Station, aber das Geschehen auf dem Parkplatz war mir einfach zu busy. Ich beschloss, noch einen weiteren Ruhetag dranzuhängen. Im Laufe des Nachmittags kamen drei weitere Wohnmobile, der Bereich auf der anderen Seite war wundersamerweise frei geblieben. Zwei Mobile gehörten offensichtlich zusammen und fuhren nach ein paar Stunden auch wieder, man hatte sich wohl zum Sonntagsnachmittagskaffeetrinken getroffen. Mutter (um die 75) und Tochter (um die 50) trugen beide das gleiche Blümchen-Sommerkleid. Smiley mit geöffnetem Mund Ich hatte den Ehrgeiz, die Hitze ohne Einsatz meiner Dach-Klimaanlage auszuhalten (man könnte es auch Geiz nennen, 1 kW kostete €1), aber es war hart an der Grenze!

Eschede Am Montag war der Parkplatz LEER, kein Wohnmobil, ein PKW! Mein Stromgeld vom Vortag reichte noch haarscharf für zwei Kaffee. Cooles Smiley In aller Ruhe konnte ich ent- und versorgen und fuhr dann, wie geplant, über die Bundesstraßen 214 und 191 an Celle vorbei Richtung Uelzen. Bei der Ortsdurchfahrt von Eschede, 35km vor Uelzen, sah ich aus den Augenwinkeln ein Firmenschild: AC Auto Check Die Mehrmarkenwerkstatt Seemüller. Kurz danach kam ein Edeka-Markt, dort wendete ich kurzentschlossen und fuhr bei der Firma Seemüller auf den Hof. Im Büro schilderte ich mein Anliegen und fragte, ob die Möglichkeit sofortiger Hilfe bestehen würde. Daraufhin nahm sich der Chef persönlich der Sache an, ich bugsierte Oscarlotta direkt neben das Hallentor (Höhe nicht ausreichend und Halle voll) und nach kürzester Zeit war das Gerät zum Absaugen des Kältemittels angeschlossen. Ob ich wüsste, wieviel davon drin sein müsse? Nein, natürlich nicht und meine Betriebs- und Wartungsanleitung sagte zwar, dass es die Kühlflüssigkeit R134a sein solle, aber eine Mengenangabe fand ich nicht. Kein Problem für Herrn Seemüller, er telefonierte mal eben mit IVECO und bekam die Info, dass es 440g sein sollen. Es stellte sich heraus, dass ungefähr die Hälfte der Kühlflüssigkeit nicht mehr vorhanden war. Die letzte Wartung hatte ich im November 2017 in Auftrag gegeben und die Klimaanlage seitdem nicht benutzt. Dummerweise hatte ich damals auch nicht überprüft, ob sie funktioniert und das turnusmäßige Einschalten einmal im Monat, auch im Winter, sollte ich mir mal angewöhnen! Augen rollendes Smiley Leider löste das Wiederauffüllen mein Problem nicht. Es baute sich kein Druck auf und es kam weiterhin nur heiße Luft aus den Ausströmern. Das deutete entweder auf einen defekten Kompressor oder einen nicht funktionierenden Schalter (für was auch immer) hin. Herr Seemüller telefonierte erneut. Ein kompatibler Kompressor war verfügbar und ich gab mein okay, zumal er um €300 preiswerter sein würde als das Original von IVECO. Hoffentlich passt er! Bei den Starterbatterien ist es nämlich so, dass NUR die originale passt, alle anderen, die genauso gut sein würden, sind einen halben Zentimeter zu hoch! Herr Seemüller wird aber als erstes prüfen, ob ein Austausch besagten Schalters schon hilft. Den Kompressor könne er zurückgeben. Ich fühlte mich von Beginn an gut aufgehoben in dieser Werkstatt!

Jetzt hieß es wieder einen Tag überbrücken, der Kompressor war für Mittwochmorgen angekündigt. Ich fuhr zum Ortsausgang von Eschede und schaute mir den Stellplatz an. Nicht schlecht, aber kein Strom, dafür kostenfrei. Aber bei diesen Temperaturen dort einen ganzen Tag stehen? Ich entschied, noch die 35km nach Uelzen zu fahren in der Hoffnung, einen von 12 Plätzen auf dem Stellplatz am Sportboothafen zu erwischen. Und ich hatte wirklich Glück! Nicht nur, dass überhaupt noch etwas frei war (2 Plätze), ich bekam auch noch den besten überhaupt. Neben dem Clubhaus mit Restaurant und Gartenwirtschaft sind auf einer Aspaltfläche vier Plätze der für Stellplätze üblichen Größe nebeneinander (quer) angelegt und der fünfte Platz liegt wie ein T-Strich längs zu ihnen. Dazwischen der Fahrbereich. Von den vier querliegenden Plätzen hat man keinen Blick auf den Hafen, von Platz 5 aus schon! Das Allerbeste war aber die Stromregelung! Für einen Euro gibt es 6 Stunden Strom!!! In Windeseile hatte ich mein Stromkabel verlegt und die Klimaanlage angeworfen. Die sechs Stunden reichten aus, um Oscarlotta auf Schlaftemperatur herunterzukühlen. Während ich noch mit dem Kabel hantierte (ich musste es über den Fahrbereich ziehen und es reichte so gerade eben bis auf die Fahrerseite), schlenderte ein älterer Mann herbei. Wie sich herausstellte, der Nachbar mit Pössl vom letzten Platz gegenüber. Mein Mobil würde ihn so an seinen Großen erinnern. Und seine Heckgarage wäre auch immer so voll gewesen! (Was geht ihn der Inhalt meiner Heckgarage an?) Er folgte mir auf die Fahrerseite und schaute aufmerksam zu, wie ich mein Kabel ansteckte. ICH HASSE SO ETWAS! Ich würde aber den ganzen Tag voll in der Sonne stehen! Seine Frau und er hätten sich extra dicht an die Büsche gestellt, da wäre dann wenigstens am frühen Abend etwas Schatten. Entweder das oder er fahre wieder nach Hause, habe er zu seiner Frau gesagt. Und, nicht als Kritik gemeint, aber ich würde ihnen jetzt… Ich war drauf gefasst, zu hören, dass ich ihnen die Sicht nehme, aber es kam eine neue Variante: Ich würde ihnen das letzte bisschen Wind nehmen! Phhhh!!! Ich versicherte ihm, dass ich nur eine Nacht bleiben würde, wünschte ihm freundlich noch einen schönen Abend und verschwand nach innen. Die Dachklimaanlage haben wir 2011 oder 2012 nachrüsten lassen, als es noch im Gespräch war, Oscarlotta nach Nordamerika zu verschiffen. Sehr oft haben wir sie nicht gebraucht, allein schon deswegen, weil man im Sommer ja eigentlich nicht bei geschlossenen Fenstern, Luken und Türen drin sitzen möchte. Aber wenn sich ein Gewitter ankündigt, ist es eine feine Sache, wenn man den Innenraum rechtzeitig vorher runterkühlen kann, bevor man alles schließen muss. Und diesen Sommer habe ich sie so oft wie nie zuvor in so kurzen Abständen genutzt. Die Sommer werden immer heißer und ich werde immer hitzeempfindlicher! Enttäuschtes Smiley

UelzenUelzenUelzen

Bei einem kleinen Rundgang entdeckte ich dann die restlichen 7 der angepriesenen 12 Plätze. Die befinden sich auf dem Niveau des Yachthafens und haben eine separate Zufahrt, die mir (zum Glück) entgangen war. Sieben Plätze in einer Reihe, auf der 9 Wohnmobile standen! Alle mit Blick auf die Boote, aber den hatte ich ja auch! Zwinkerndes Smiley

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Bezahlt habe ich übrigens €8 für das Mobil/den Platz und €1 für mich. Im Preis enthalten ist die Nutzung des Sanitärgebäudes (Toiletten und Duschen) und die Abfallentsorgung. Sogar Mietfahrräder gibt es umsonst! Der Innenstadtbereich ist ca. 2,5km entfernt, per Rad, zu Fuß oder per Bus zu erreichen.

Fortsetzung folgt…

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Licht am Ende des Tunnels

 

So laaaangsam scheinen die Erbschaftsangelegenheiten, die uns seit Anfang Dezember beschäftigt halten, zu einem erfolgreichen Ende zu kommen. Aber natürlich lief auch wieder etwas schief! Uschi wollte eine Probeüberweisung in die U.S.A. schicken, um die Kontodaten, die ihre Schwester ihr bei einem der turnusmäßig stattfindenden Telefonate mitgeteilt hatte, auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Diese Bank- und Kontodaten füllten ein Din A5-Blatt und waren für uns undurchschaubar. Uschi fuhr also zu ihrer kontoführenden Volksbankfiliale und die Sachbearbeiterin stellte fest, dass es sich um die Angaben zu zwei amerikanischen Banken handelte und fragte recht forsch, welche Bank sie denn nehmen solle. Uschi nannte ihr den Namen der Hausbank ihrer Schwester. Für die endgültige Überweisung der Gesamtsumme wurde ein Blankoformular ausgefüllt und von Uschi unterschrieben, damit sie nur noch telefonisch die endgültige Summe mitteilen muss. Telefonisch deswegen, weil sie vermutlich schon auf Rügen sein wird, wenn es endlich zu einer Auszahlung kommt. So weit, so gut. Dachte sie zumindest. Denn die €5000 wurden nicht von ihrem Konto abgebucht! Nicht während der nächsten drei Tage und nicht innerhalb der nächsten Woche! Uschi musste wegen einer anderen Angelegenheit aber sowieso noch einmal zu ihrer Bank. Dort fand sie zum wiederholten Mal eine andere Sachbearbeiterin vor (Versetzung, Krankheit, Urlaub), der, als sie Uschis Nachnamen hörte, dämmerte, dass da doch irgendetwas gewesen sei… Auf dem Schreibtisch der nicht anwesenden Kollegin fand sie dann den Vorgang und sagte in leicht vorwurfsvollem Ton, dass man sie zweimal ergebnislos versucht habe, telefonisch zu erreichen, weil die Überweisung nicht hätte ausgeführt werden können. Nach dem Motto: „Was können wir dazu, wenn Sie nicht ans Telefon gehen!“ Mehr wäre wohl nicht passiert. Heutzutage hat ja eigentlich jeder eine eMail-Adresse, man hätte also nur mal im Computer Uschis Kontaktdaten anschauen müssen (die sie erst kürzlich hat aktualisieren lassen) und hätte dabei dann auch feststellen können, dass diese (uralte) Telefonnummer gar nicht aufgeführt war. MAN HÄTTE – ABER… Auch wenn man bei einer Bank arbeitet, die in einem „Kaff“ liegt und Auslandsüberweisungen nicht an der Tagesordnung sind, HÄTTE MAN sich ja vielleicht schlau machen und jemanden fragen können, der besser Bescheid weiß. Dann HÄTTE MAN nämlich erfahren, dass es in den U.S.A. in vielen ländlichen Gebieten kleine Banken gibt, die über keinen eigenen Swiftkey (Identifikationsnummer) verfügen. Das zu transferierende Geld wird also zunächst an eine größere, übergeordnete Bank überwiesen mit der Anweisung, es intern an die kleinere Bank weiterzuleiten. Deswegen standen auf Uschis Zettel zwei Banken! Diese Info hatte Uschi von ihrer Schwester aber nicht bekommen (vermutlich wusste die das auch nicht) und die Bankangestellte hatte keine Ahnung. Es wäre ja mal interessant zu wissen, wie lange der unerledigte Vorgang noch unerledigt auf dem Schreibtisch der Kollegin liegengeblieben wäre! Das ist jedenfalls kein Kundenservice! Uschi ließ sich alle Unterlagen aushändigen und verkündete, dass sie die Überweisung bei der Hauptstelle in Heidenheim erledigen lassen würde. Das gefiel der Dame dann nicht so gut. Uschi vergewisserte sich telefonisch, dass es in Heidenheim bei der Volksbank jemanden gibt, der sich mit Auslandsüberweisungen auskennt und vereinbarte einen Termin. Sie geriet an einen kompetent erscheinenden jungen Mann, der mit einem Blick auf ihren Zettel feststellte, dass der Swiftkey nicht stimmen konnte. Zwei Buchstaben waren falsch. Ob es daran gelegen hatte, dass die Überweisung nicht ausgeführt werden konnte, wissen wir nicht, aber den zugehörigen Swiftkey für eine bestimmte Bank kann man schnell und einfach im Internet erfragen. Wenn man es kann! Die Sachbearbeiterin konnte es offenbar nicht. Sie konnte ja nicht einmal nachschauen, ob Uschi eine eMail-Adresse hat oder ob die Telefonnummer stimmt. Erzürnt Solche Inkompetenzen oder Gleichgültigkeiten machen nicht nur Uschi rasend, sondern auch mich und davon hatten wir in diesen letzten Monaten einige mehr als zu entschuldigen wäre. Beruf scheint nur noch in absoluten Ausnahmefällen mit Berufung zu tun zu haben und in der Mehrheit lediglich mit Broterwerb. Das zieht sich durch alle Branchen und kann einen schon zur Verzweiflung treiben, wenn es sich häuft!

Uschi veranlasste auch jetzt, dass die Endüberweisung ohne ihre Anwesenheit erledigt werden kann und konnte schon am nächsten Tag erfreut feststellen, dass die 5000 Euro von ihrem Konto abgebucht worden waren! Die nächste Freude kam in Form eines Schreibens von ihrem Notar, dem ein Schriftstück beilag, in dem die Grundschuldeintragung der Käufer bestätigt und ein Auszahlungstermin der Kaufsumme für Anfang September mitgeteilt wurde! HURRA!!! Jetzt dürfte eigentlich nichts mehr schiefgehen! Die Schlüssel- und Hausübergabe sowie die damit noch nötigen Amtshandlungen übernimmt der Makler, sodass Uschis pünktlicher Ankunft auf Rügen nichts mehr im Wege stehen sollte. Smiley

Ich bin am Mittwoch schon einmal vorgefahren und habe inzwischen gut die Hälfte der Gesamtstrecke „erledigt“. Anders kann man es nicht nennen, wenn man in Deutschland Autobahn fährt. Das Verkehrsaufkommen, besonders in der Mitte Deutschlands, ist der Wahnsinn. Weil die A9 voller Baustellen (20 allein bis Berlin) ist, habe ich mich für die A7 entschieden. Erster Tag 4 Baustellen, zweiter Tag 4 Baustellen, davon eine mit stop and go schon lange vorher, vierspurig, davon zwei Spuren für LKWs erlaubt. Die beiden Spuren waren VOLL mit LKWs, dazwischen Wohnmobile wie Oscarlotta, die als LKW eingestuft sind und dem Überholverbot unterliegen. In den Kasseler Bergen habe ich mich über dieses Verbot hinweggesetzt, nachdem ich das erste Mal zwischen zwei LKWs hing, die nicht mehr über 50km/h kamen. Die Wohnwagengespanne zogen fröhlich und legal an mir vorbei! Ich habe dann beschlossen, dass Oscarlotta ein Wohnmobil ist und kein LKW! Cooles Smiley
Meine Sorge, keine freien Stellplätze zu finden, hat sich nicht bestätigt, allerdings übernachte ich in kleinsten Ortschaften. Am dritten Tag hatte ich in der 6. Baustelle und nach gut 200km in 3 ½ Stunden die Schnauze dermaßen voll, dass ich kurzentschlossen von der A7 abfuhr. Egal wie, ab jetzt fahre ich Landstraße! Erschwerend kommt hinzu, dass meine Fahrerhaus-Klimaanlage nicht funktioniert und ich inzwischen 35°C in Oscarlotta hatte! Verwirrtes Smiley Ich machte erst einmal Kaffee- und Abkühlungspause in einem Hofladencafé und bekam dort die Info über einen Wohnmobilstellplatz am Ort sowie über zwei in den Nachbarorten. Der im Ort hatte keinen Strom, der nächste war mit 7 von 8 Plätzen voll und mir zu eng, der dritte (wo ich jetzt stehe) liegt an einem Naturfreibad und bot mir die Auswahl von sieben freien Plätzen! Es handelt sich um den abgetrennten Bereich eines PKW-Parkplatzes, 2 x 4 Plätze auf Schotter, zwei Stromsäulen mit je 4 Steckdosen. Der Strom kostet €1/kWh, der Platz selbst ist kostenlos! Ich war zum Glück früh genug da, es kamen zwar keine weiteren Wohnmobile, dafür wurden im Laufe des frühen Abends aber sämtliche Stellplätze incl. der VE-Station mit PKWs zugeparkt. Im Bad gab es wohl ein Wasserballturnier. Die Nacht war dann aber herrlich ruhig und der Badebetrieb mit PKW-Türen schlagenden Menschen begann erst wieder am Samstagmorgen um 10 Uhr. Die Umgebung ist ländlich idyllisch. Insgesamt ist dieser Stellplatz ein Glücksgriff und war sehr geeignet für einen Ruhetag, den ich dringend benötigte! Sonntag geht es weiter, über Landstraßen!

SteimbkeSteimbkeSteimbkeSteimbkeSteimbkeSteimbkeSteimbke

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Bäumchen wechsel dich

 

Ein kleines, aber bedeutendes Update zu Beginn:

Apostille Das so sehnsüchtig erwartete Dokument mit der Apostille war schon am Montag vor einer Woche hier, wurde tatsächlich mit einem FedEx-Transporter angeliefert. 9 Tage hin und zurück, da kann man ja nicht meckern! Aber für schlappe €170 für bevorzugte Bearbeitung und Expresstransport kann man ja auch etwas erwarten, oder? Und wie sieht eine Apostille nun aus? Es ist eine aus Pappe bestehende “Ecke” im oberen linken Bereich eines Schriftstückes. Ein Hinweis besagt, dass das Dokument seine Wirksamkeit verliert, wenn die Apostille entfernt wird und er besagt auch, dass die Apostille nichts mit der Richtigkeit oder dem Inhalt des ursprünglichen Dokuments, das mit ihr beglaubigt wird, zu tun hat. Die Apostille bescheinigt lediglich, dass das ursprünglich erstellte Dokument (in unserem Falle die beglaubigte Unterschrift von Uschis Schwester unter der von ihr erteilten Generalvollmacht für Uschi) von einer juristischen Person erstellt wurde, die die Befugnis dazu hat. Toll, oder? Das Dokument und sein Inhalt ist immer noch wie gehabt, aber der Sachbearbeiter beim Grundbuchamt weiß jetzt, dass die Notarin im State Washington, die es erstellt und mit ihrem Geschäftsstempel versehen hat, dazu auch berechtigt war. Verwirrtes Smiley

Uschi hat natürlich sofort Kopien machen lassen und ist dann schnurstracks zu ihrem Notar in Aalen gefahren. Dort hat sie mit Engelszungen auf die Notargehilfin eingeredet, damit das Dokument nicht noch Tage auf ihrem Schreibtisch liegenbleibt. Wie lange es jetzt allerdings auf dem Schreibtisch des “Entscheiders” liegenbleiben wird, darauf haben wir keinen Einfluss! Trauriges Smiley

Wir sitzen also weiterhin unsere Zeit auf dem Campingplatz ab und freuen uns über jede Abwechslung, sei sie auch noch so klein. Am Montag kam sie in Form eines ganz besonderen Wohnwagengespanns, ein kleiner Eriba Puck-Anhänger mit einem Fiat Topolino als Zugwagen. Die Besitzer, ein älteres Ehepaar, kamen vom Hymer-Sommerfest und Oldtimer-Event in Bad Waldsee und wussten nicht, dass unser Campingplatz auf 700m Höhe liegt. Der Topolino hat nur 16 PS und schaffte es nicht aus eigener Kraft. Irgendein mitfühlender Mensch schleppte das Gespann bis hierher. Smiley

Topolino und PukTopolino und PukTopolino und PukTopolino und Puk

Und dann konnten wir miterleben, was diesem Blogartikel den Titel gegeben hat. Seit dieser Saison steht gegenüber unserer Terrasse ein Schlaffass. Angeliefert wurden schon letztes Jahr drei dieser lustig aussehenden Exemplare und zunächst auf der Freifläche neben der Entsorgungsstation abgestellt. Das Fundament für Fass Nr. 2 war schon lange vorbereitet, das Umsetzen scheiterte aber an einer Verletzung des einzigen in Frage kommenden “Umsetzers”. Diese Woche war es dann endlich so weit! Und glücklicherweise waren wir zu Hause. Die Fässer sind übrigens sehr beliebt und mindestens an den Wochenenden regelmäßig belegt. Sie bieten ein großes Bett, zwei lange Bänke, einen ausziehbaren Tisch, Stauraum, Strom und sind beheizbar. Kochen kann man in ihnen allerdings nicht und fließendes Wasser gibt es auch nicht. Wie der Name schon besagt, es sind Fässer zum Schlafen, quasi als Zeltersatz. Aber das Sanitärgebäude ist ja nicht weit. Zwinkerndes Smiley

Schlaffass umsetzenSchlaffass umsetzenSchlaffass umsetzenSchlaffass umsetzenSchlaffass umsetzenSchlaffass umsetzenSchlaffass umsetzenSchlaffass umsetzenSchlaffass umsetzenSchlaffass umsetzenSchlaffass umsetzenSchlaffass umsetzen
Schlaffass umsetzen (Endergebnis)

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Der Amtsschimmel wiehert

 
 
Die Antwortmail war wie erwartet schon da, als Uschi ihr Smartphone einschaltete. Mit einer guten und einer weniger guten Nachricht und einer Frage. Weniger gut: Eine Überweisung des Geldes ist nicht möglich! (Muss man sich mal vorstellen!!!) Gut: „money order“ sei bei einer Bank möglich. Frage: Ob Uschi eine Kreditkarte habe. Laut lachen Und, obwohl wir ja das ausgefüllte PDF mit allen Informationen mitgeschickt hatten, kam noch einmal die Frage, ob das zu beglaubigende Dokument von einem Notary Public im State Washington erstellt worden sei. Wir antworteten und bejahten beide Fragen und fragten unsererseits nach, ob dann eine Bezahlung per Kreditkarte möglich sei? Die Antwort traf unmittelbar zu Bürobeginn in den U.S.A. bei uns ein. Diesmal nicht von Audrey, die sei im Moment nicht im Büro, aber sie (oder er?), Nikki, sei glücklich, assistieren zu können. Das lieben wir an den Amerikanern, diese Freundlichkeit und Verbindlichkeit! Kuss senden Im Anhang der eMail war ein Formular, in das Uschi ihre Keditkartendaten eintragen sollte. Dieses sollte aber auf keinen Fall per eMail zurückgeschickt werden, sondern auf dem Postweg, zusammen mit dem zu beglaubigenden Dokument. Audrey hatte erwähnt, dass das fertig bearbeitete Dokument mit FedEx (einer der größten Kurierdienste mit Niederlassung auch in Deutschland) zurückgeschickt werden würde, Nikki teilte den Preis mit: $66,61 – also knapp 60 Euro! Nicht ganz preiswert. Wir haben im letzten halben Jahr zweimal mit DHL ein größeres Paket zu Uschis Schwester geschickt, was beide Male um die €35 gekostet hat. Aber nun ja, Uschi würde sicher nicht jetzt noch um den Preis einer Versendung feilschen.

Wir machten alles fertig, legten vorsichtshalber noch das ausgefüllte und ausgedruckte PDF dazu und Uschi schrieb einen kurzen erklärenden Text mit allen gewünschten, erforderlichen und eventuell hilfreichen Informationen. Heute früh fährt sie runter nach Essingen zur Poststelle und schickt das Kuvert mit gemischten Gefühlen los. Es darf auf keinen Fall verloren gehen! Es muss zwingend im Original verschickt werden und es existiert nur einmal. Wenn es verloren geht, muss Uschis Schwester es erneut erstellen lassen, erneut bezahlen und erneut verschicken. Allein das würde schon wieder einen Zeitverlust von zwei bis drei Wochen bedeuten! Es sollte aus naheliegenden Gründen auch nicht in verkehrte Hände geraten! Erstauntes Smiley

Zur Erinnerung: Es handelt sich bei dem zu beglaubigenden Dokument lediglich um eine Vollmacht von Uschis Schwester, die besagt, dass Uschi alle notwendigen Erbschaftsangelegenheiten in ihrem Namen erledigen darf. Diese Vollmacht ist nötig, weil in der Generalvollmacht, die Uschi von ihrem Vater hatte, die vier entscheidenden Worte „über meinen Tod hinaus“ fehlten. Die Vollmacht hatte vor Jahren ein Notar ausgestellt! Der „Entscheider“ beim hiesigen zuständigen Amtsgericht findet die Vollmacht von Uschis Schwester, die von einem Notar in den U.S.A. ausgefertigt wurde, offenbar so wichtig, dass er unbedingt noch diese Apostille verlangt!!! Es handelt sich um eine private Erbschaftsangelegenheit, es geht nicht um Millionen, nicht einmal um eine, es geht nur um den Eigentümerwechsel eines ganz normalen Einfamilienhauses. Der erst stattfinden kann, wenn eine Kann-Verfügung erfüllt ist!

Fortsetzung folgt – irgendwann. Wir warten weiter… Enttäuschtes Smiley

NACHTRAG:
Die Dokumente sind auf dem Weg in die U.S.A., mit wichtig aussehendem Aufkleber und versichert bis €2.500. €25.000 wäre auch noch möglich gewesen, erschien Uschi aber als etwas übertrieben! Cooles Smiley Der Preis? €65,90!!!

In den Mühlen der Bürokratie

 
 
Der Notar schickte weitere Unterlagen, mehrere erklärende Seiten des Auswärtigen Amts zu Apostillen, was das ist, wofür, warum, wo man sie beantragen kann und so weiter. Wichtige Passagen waren freundlicherweise gemarkert und teilweise befanden sich Links im Text. Dummerweise kann man Links in einem Papierdokument nicht anklicken. Zwinkerndes Smiley Ich suchte einigermaßen lange, bis ich den identischen Text online gefunden hatte. Über Umwege gelangten wir schließlich dort hin, wo wir eine Adresse fanden, worüber die Ausfertigung einer Apostille im für uns zuständigen Bundesstaat Washington beantragt werden kann. Natürlich ist das nicht kostenfrei und das war unser größtes Problem. Nicht die Summe als solche, die war aufgelistet, $15 für die normale Bearbeitung oder $50 Aufschlag für Express-Bearbeitung innerhalb von 1-2 Werktagen. Zahlbar im Voraus. Aber wie??? Darüber stand nirgendwo etwas, auch nicht in den FAQs. Augen rollendes Smiley Das zu (über)beglaubigende Dokument muss im Original in die U.S.A. (zurück)geschickt werden, im Begleitschreiben muss der genaue Name des (beiliegenden!) Dokuments (sonst keine Überbeglaubigung möglich!) aufgeführt werden sowie Name des Antragstellers und eine tagsüber erreichbare Telefonnummer. 9 Uhr im State Washington ist 18 Uhr bei uns! Und natürlich muss eine Adresse mitgeteilt werden, an die das überbeglaubigte Dokument zurückgeschickt werden kann. Nachdem die Zahlung eingegangen ist. Uschi wollte schon Dollarscheine besorgen und mit dem Dokument in einen Umschlag stecken, davon konnte ich sie abhalten. Smiley mit geöffnetem Mund Der Sachbearbeiter wäre damit vermutlich etwas überfordert gewesen, in einem Land, in dem Barzahlung kaum noch üblich ist. Aber vermutlich wäre es auch in Deutschland eine Herausforderung, wenn in einer Behörde für eine gewünschte Dienstleistung Geld im Umschlag stecken würde. Diese Situation ist aber völlig fiktiv, denn grundsätzlich werden bei uns für jeden Geschäftsvorgang die Überweisungsdaten automatisch mitgeteilt. In diesem Fall nicht! Es gab lediglich eine Post- und immerhin noch eine eMail-Adresse. Geld per eMail geht gar nicht, also doch mit in den Briefumschlag??? Wir schrieben eine Mail und fragten nach PayPal oder Bankdaten. Es kam eine automatische Eingangsbestätigung, klar, es war noch Nacht dort drüben. Wir hatten um möglichst schnelle Antwort gebeten und die kam tatsächlich um 22 Uhr unserer Zeit. Bezahlen per Scheck oder per „money order“. Verwirrtes Smiley Eine Postadresse, keine Überweisungsdaten und, nein, PayPal sei leider nicht möglich! Ein PDF war angehängt, das online ausgefüllt, abgespeichert und als Dateianhang wieder zurückgeschickt werden konnte. Morgen (heute) ist Freitag. Wenn wir vor dem Wochenende noch etwas erreichen wollten, mussten wir der freundlichen Audrey noch antworten. Uschi war schon im Schlafmodus, aber ich war ja noch fitt. Das ausgefüllte PDF wurde verschickt, alle Fragen beantwortet und im Gegenzug gefragt, wie „money order“ von Deutschland aus geht. Die Erklärungen, die wir auf die Schnelle online fanden, bezogen sich nämlich alle auf den Ablauf innerhalb der U.S.A.. Uschi schaltete ihr Smartphone aus, auf einen eventuellen Anruf, der sie aus dem Schlaf reißen würde, wollte sie heute Nacht verzichten. Wenn sie aufsteht, wird wohl eine Antwort-Mail da sein und dann sehen wir weiter.
Fortsetzung folgt… Cooles Smiley

Was ist eine Überbeglaubigung?

 
 
Der Notartermin hat stattgefunden, alle für den Verkauf des Hauses notwendigen Unterschriften wurden geleistet. Die Käufer machen einen sympathischen und soliden Eindruck, die 11-jährige Tochter freut sich, dass sie zum Einzug in das eigene Haus mit Garten einen Hund bekommt. Also alles gut? Nun ja, gut schon, aber noch nicht gleich. Eine neue Grundschuldeintragung ist nötig, vorher gibt das finanzierende Geldinstitut die Kaufsumme nicht frei. Das könne noch einmal bis zu zwei Monate dauern! Außerdem muss bei der Gemeinde nachgefragt werden, ob sie von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen will oder nicht. Also weiter warten… Enttäuschtes Smiley
Gestern, eine Woche später, bekommt Uschi einen Anruf vom Notar. Es gäbe da ein kleines Problem! Der Sachbearbeiter beim Amtsgericht, offizielle Bezeichnung „Entscheider“, würde die Generalvollmacht von Uschis Schwester nicht anerkennen. Er verlange eine sogenannte Apostille auf dem Schriftstück. Die Beschaffung dieser Vollmacht, für die ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen, war ja schon eine Geschichte für sich. Die Notarin in dem Heimatstädtchen von Uschis Schwester hatte sogar extra beim zuständigen Amtsgericht in Deutschland angerufen und sich vergewissert, dass sie alles richtig macht. Es kam dann ein sehr offiziell aussehendes Schriftstück mit einer, wie wir dachten, Apostille. Das ist eine Art Siegel, so, wie man immer schon amtliche, offizielle und/oder wichtige Schriftstücke gekennzeichnet hat. Nicht mehr mit Wachs, sondern als ein Stempel, der ganz bestimmte, äußerst strenge Voraussetzungen erfüllen muss, die zwischen den Vertrags- oder Mitgliedstaaten des multilateralen Übereinkommens Nummer 12 der Haager Konferenz für Internationales Privatrecht im Jahre 1961 eingeführt wurde. Die Vereinfachung des Rechtsverkehrs, die mit diesem Übereinkommen erreicht werden konnte, trägt heute wesentlich zur Entwicklung der Globalisierung bei, weil sie internationale Rechtswege rasch und unbürokratisch ermöglicht. (Quelle: Wikipedia)
Wie genau eine Apostille aussieht, wussten wir natürlich auch nicht, nicht einmal vom Hörensagen kannten wir sie bis dahin. So ging es aber wohl nicht nur uns, denn weder die Bank, noch der Makler und geschweige denn der Notar bezweifelten die Korrektheit der beglaubigten Vollmacht mit dem eingeprägten Stempel. Und von den Entscheidern unbekannter Anzahl beim Amtsgericht hätten es laut dem Notar auch alle akzeptiert, nur dieser eine „Scharfrichter“ (Aussage des Notars) NICHT. Er verlangt eine „Überbeglaubigung“. Die muss in den U.S.A. beantragt werden und, wenn sie beschleunigt bearbeitet werden soll, natürlich auch entsprechend bezahlt werden. Cooles Smiley Der Notar beteuerte Uschi gegenüber, dass er mit Engelszungen versucht habe, dem Entscheider die besonderen Schwierigkeiten des Falles klarzumachen, ohne Erfolg. Dieser hätte durchaus die Möglichkeit, sein okay zu geben und auf die Apostille zu verzichten, soooo wichtig ist eine Vollmacht, die eine Schwester der anderen in einer privaten Erbangelegenheit ausstellt, ja nun auch nicht. Er tut es aber nicht, aus welchen Gründen auch immer. Erzürnt Wie war das mit rasch und unbürokratisch? Dass das möglich ist, hat ein anderer Entscheider bewiesen, der Uschi einen Erbschein ausgestellt hat, bevor überhaupt die Vollmacht aus den U.S.A. in Deutschland angekommen war, mit oder ohne Apostille. Aber nicht mit mir, sagt da ein „Scharfrichter“ in einem kleinen schwäbischen Städtchen. Ich will mindestens eine Überbeglaubigung! Ich habe das Recht, sie zu verlangen und das tue ich. Basta!

Vor vielen, vielen Jahren sang Reinhard Mey sehr unterhaltsam vom „Antrag auf Erteilung eines Anstragsformulars“. Smiley mit geöffnetem Mund

Fortsetzung folgt – irgendwann…

Allgäuer Luft schnuppern

 

Wir mussten mal wieder ins Allgäu! Nicht zu glauben, dass es schon wieder ein ganzes Jahr her ist, dass wir den Sommer dort verbracht haben!!! Uschi hatte damals in der Wohnmobilwerkstatt in Füssen (an einem der dortigen Stellplätze) ihren Absorberkühlschrank gegen einen Kompressorkühlschrank austauschen lassen, um dafür kein Gas mehr verbrauchen zu müssen. Wenn man nur Platz für 5-Kilo-Flaschen hat, macht das Sinn. Den “alten” Kühlschrank konnte sie dort stehenlassen. Entweder der Betreiber würde ihn an einen Wohnmobilisten verkaufen oder wir über das Internet. Letzteres passierte dann im Frühjahr und jetzt wollte sie ihr Geld abholen.

Ich hatte im letzten Jahr Kontakt mit der Inhaberin eines Handarbeitsgeschäftes in Füssen aufgenommen und ihr meine gehäkelten Aufbewahrungskörbchen für Allerlei und Krimskrams in Kommission gegeben. Davon waren inzwischen ein paar verkauft worden und deswegen konnte auch ich etwas Geld abholen. Der Schuss wäre allerdings beinahe nach hinten losgegangen! Erstauntes Smiley Ich hatte in dem Laden noch überlegt, ob ich von den Körbchen (den alten und den drei neuen, die ich mitgebracht hatte) noch ein Foto machen sollte, hatte mich aber dagegen entschieden. Das Papiergeld, das ich ausgehändigt bekam, behielt ich zunächst in der Hand, da ich mir noch neues Häkelgarn aussuchen wollte. An der Kasse erließ mir die Inhaberin den das Papiergeld übersteigenden Betrag, sie bekam ihr Geld zurück, wir wechselten noch ein paar Sätze und verabschiedeten uns. Zwei Straßen weiter bei Tchibo an der Kasse beim Öffnen meiner Tasche der große Schock: mein iPhone war nicht mehr da!!! Dieses Erlebnis hatte ich ja vor Jahren in Barcelona, da war der Reißverschluss der Tasche allerdings offen und nicht nur das Smartphone sondern auch das Portemonnaie war weg. Schlagartig wurde mir genauso schlecht wie damals! Also nichts wie zurück zum Handarbeitsgeschäft. Aber dort hatte ich das iPhone ja gar nicht benutzt! Die Inhaberin stand vor ihrem Laden, nein, ein Telefon hatte sie nicht gefunden. Uschi entdeckte es dann auf einem kleinen Ablagebrett an der Kassentheke. PUH!!! Und dann konnte ich mich auch erinnern. Ich hatte es aus meiner Tasche genommen und auf das Brett gelegt, um mein Portemonnaie herausnehmen zu können (meine Tasche ist klein). Da ich aber nichts zuzahlen musste, blieb das Portemonnaie drin und das iPhone draußen… Abgelenkt durch unser Gespräch dachte ich nicht mehr daran und das, obwohl ich es normalerweise hüte wie meinen Augapfel! Was war ich froh! Aber schlecht war mir noch eine ganze Weile. Verwirrtes Smiley

Richtig gut ging es mir erst wieder an unserem Lieblingssee, dem grünen Weißensee. Dort waren wir letzten Sommer ja etliche Male, zum Dran-entlang-laufen oder Drum-herum-laufen oder nur auf der Terrasse des Kiosks zum Milchkaffee trinken. Badebetrieb war nicht, da es bewölkt und für Juli eindeutig zu kühl war, aber der See war so traumhaft schön wie wir ihn in Erinnerung haben.

Der grüne WeißenseeDer grüne WeißenseeDer grüne WeißenseeDer grüne WeißenseeDer grüne WeißenseeDer grüne WeißenseeFlitzi am grünen WeißenseeDer grüne Weißensee

Danach frischten wir eine weitere Erinnerung auf, nämlich die an die leckersten Pommes frites des Universums und das beste Rösti, überbacken mit Gemüse und Käse. Das gibt es natürlich nur im Wirtshaus “Wiesele” am gleichnamigen Wohnmobilstellplatz in Pfronten-Weißbach, dort, wo ich es letztes Jahr 6 Monate ausgehalten, nein, genossen habe. Das Ehepaar Wohlfart freute sich, uns zu sehen, auch wenn wir nicht mit unseren Mobilen kamen, sondern nur zum Essen. Nächstes Jahr, versprochen! Der geplante Aus- und Anbau des Lokals war bereits fertiggestellt und ist sehr schön geworden. Das “Wiesele” wird nicht nur von den Stellplatzgästen sehr gut angenommen, sondern ist auch sehr beliebt bei den Einheimischen für Familienfeiern aller Art. Dafür gibt es jetzt einen Extraraum, der auch als Erweiterung für das Tagesgeschäft genutzt wird. Denn obwohl der Gastraum über einige Tische verfügt, sind die am Abend ganz schnell voll besetzt. Nicht verwunderlich, das Essen ist hervorragend, die Bedienung ist zuvorkommend und schnell, die Preise sind im Normalbereich. Einen schönen Kaffeegarten gibt es auch (ist durch den Umbau noch größer geworden) und sowohl die Kuchen und Torten als auch die Eisbecher sind lecker! Und ganz besonders hervorzuheben ist die unschlagbare und nahbare Freundlichkeit der Betreiber!!!

Wirtshaus "Wiesele"Wirtshaus "Wiesele"

Über die A7 waren wir in knapp zwei Stunden wieder in Lauterburg. Nächsten Dienstag ist der Notartermin zur Unterzeichnung des Kaufvertrags und dann geht es, hauptsächlich für Uschi, in eine neue Freiheit. Regenbogen

bald geht es wieder losbald geht es wieder losAbendhimmel

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Es gibt uns noch :-)

 

Nachdem die Anfragen, ob es uns noch gibt und wie es uns geht, häufiger werden, raffen wir uns zu einem kleinen Update auf. Zwinkerndes Smiley Aufraffen deshalb, weil wir etwas ausgepowert sind, körperlich, aber hauptsächlich psychisch. Ein Haus (Uschis Elternhaus, auch wenn sie dort nicht lange gelebt hat) auszuräumen bedeutet, so gut wie jeden Gegenstand mindestens zweimal in die Hand zu nehmen. Einmal, um festzustellen, dass es ihn gibt und zur Entscheidung, was mit ihm geschehen soll und ein zweites Mal, um ihn in den Mülleimer zu werfen oder in eine/n Korb/Karton/Zimmerecke/Garage zu legen/stellen, damit er verkauft/verschenkt/behalten werden kann. Es müssen Ordner gesichtet, aussortiert und entsorgt werden. Bei dieser Tätigkeit fanden sich auf der Bühne (schwäbisch für Dachboden) sämtliche Studienunterlagen von Uschis Schwester, die seit über 30 Jahren in den U.S.A. lebt. Erstauntes Smiley Außerdem altes Spielzeug, selbstgefertigte Puppen von Uschis Mutter und ihre Kleidung, in mehreren alten Koffern. Die Kleidung der Mutter, die seit 27 Jahren nicht mehr lebt! Ihr Mann, Uschis Vater, hatte es damals wohl nicht über sich gebracht, die Kleidungsstücke aus dem Haus zu bringen. Auch das blieb jetzt uns. Es mussten Fotos und Dias gesichtet werden, die zahlreichen Filmspulen hat Uschi unbesehen entsorgt. Vieles hat uns ein privater Händler abgenommen, für kleines Geld. Aber wir waren ja froh um alles, was weg war. Einiges habe ich im Internet verkauft oder gegen Abholung verschenkt. Es gab an die 200 Bildbände Modelleisenbahn, unzählige VHS-Kassetten Modelleisenbahn und etliche DVDs mit dem Thema, na? Im Keller einen deckenhohen Metall-Büroschrank, voll mit kompletten Jahrgängen Modelleisenbahn. Verwirrtes Smiley Das meiste davon haben wir verschenkt oder so gut wie, wir waren froh, das nicht alles wegwerfen zu müssen.

Die größte Herausforderung allerdings war die Eisenbahnanlage. Es wurde nämlich sehr bald klar, dass nicht die Anlage selbst das Problem war, sondern die Räumlichkeiten. Der Zugang zum Kellergang und somit zum Garten war so verwinkelt, dass man mit größeren Teilen nicht um die Ecken kam und die beiden vorhandenen Fenster sind relativ klein. Es gab Interessenten, die Besichtigungstermine machten, aber nicht einhielten und auch nicht absagten, andere wurden krank, wieder andere wohnten zu weit weg. Es gab auch welche, die freimütig zugaben, dass, nach eingehender Überlegung, sie zu dem Ergebnis gekommen wären, dass dieses Projekt sie oder ihre finanziellen und räumlichen Möglichkeiten überfordern würde. Und dann waren da noch diejenigen, die die Anlage unbedingt haben wollten, weil sie schon seit Kindheitstagen rollendes Material sammelten, aber noch nie eine Anlage selbst betrieben hatten und weder über ein geeignetes Transportfahrzeug verfügten noch über fachkundiges Hilfs“personal“. Etwas kundigere Modellbahner hatten geschätzt, dass der fachgerechte Abbau der Anlage wohl den Einsatz von drei erfahrenen Männern über zwei bis drei Tage erfordern würde, vorausgesetzt, man will die Anlage ohne allzu große Verluste teilen, abtransportieren und später wieder aufbauen und zum Laufen bringen. Ich schrieb über Wochen Antworten auf Anfragen, ein Interessent nach dem anderen sprang ab und uns verließ langsam der Mut. Dann meldete sich jemand erneut, den ich ganz zu Beginn als unseriös eingestuft und nicht mehr kontaktiert hatte. Ein vielversprechender Mailwechsel überzeugte uns vom Gegenteil und so kam Anfang Mai dann tatsächlich ein ernsthafter Interessent aus Norddeutschland angereist. Mit einem auf den ersten Blick klar erkennbar viel zu kleinen Anhänger! Dem und den räumlichen Einschränkungen geschuldet konnten dann doch, wie befürchtet, nur wenige Teilbereiche der Anlage „am Stück“ abtransportiert werden, der größte Teil wurde „abgeräumt“ und die Überreste zum Wertstoffhof gebracht. Trauriges Smiley Zu dem Zeitpunkt war uns aber schon alles fast egal. Wir wollten nur noch fertig werden!

Das endgültige Leerräumen des Hauses erledigten zwei junge Männer, die solcher Art Arbeiten nebenberuflich machen, um sich etwas Geld zusätzlich zu verdienen. Sie arbeiteten gründlich, zuverlässig und schnell und nach zwei Wochenenden und ein paar Stunden zwischendurch war das Haus komplett leer. Ein eigenartiger Anblick, einerseits befreiend, andererseits sehr gefühlsbeladen.

Parallel zu all dem lief der bürokratische Teil und da lief einiges schief! Sarkastisches Smiley Und alles sehr langsam! Uschi brauchte eine vom deutschen Konsulat beglaubigte Vollmacht ihrer Schwester, um überhaupt einen Erbschein beantragen zu können. Ohne Erbschein geht gar nichts, kein Verkauf des Hauses, keine Kontoauflösung bei der Bank. Uschi war zwar seit Jahren im Besitz einer Generalvollmacht für die Bank, aber da fehlten die vier ausschlaggebenden Wörter „über meinen Tod hinaus“. Wohlgemerkt, die Vollmacht hatte ein Notar erstellt, vor vielen Jahren. Das nächste Konsulat für Uschis Schwester befindet sich in San Francisco, ca. 1600 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt. Recherchen ergaben, dass es einen Honorarkonsul in Seattle gibt. Auch noch über 300 km, aber dorthin hätte man mit dem PKW fahren können, aber erst, wenn der Pass über die Cascades, die große nordamerikanische Gebirgskette, wieder geöffnet, weil schneefrei, sein würde. Per Zufall erfuhr Uschi bei einem Telefonat mit dem Notariat, dass Honorarkonsule von deutschen Amtsgerichten nicht akzeptiert werden!!! Aber eventuell ein sogenannter notary public, das bliebe aber abzuwarten und läge im Ermessen des Gerichts! Aber probieren könne man es ja mal. Im Heimatsort von Uschis Schwester gibt es seit kurzem so jemanden und es ist sogar eine Deutsche, die Uschis Begleitbrief mit den notwendigen Erfordernissen lesen konnte und sogar mit dem zuständigen Amtsgericht hier in Deutschland telefonierte, um sich zu vergewissern, dass sie alles richtig erledigen würde. Zwei Wochen später war das entsprechende Schreiben mit Siegel versehen beim Notar und wurde tatsächlich vom Gericht anerkannt! Hurra!!! Smiley mit geöffnetem Mund Jetzt erst konnte Uschi einen Makler für das Haus beauftragen. Der machte ihr Hoffnungen, dass die Immobilie binnen kürzester Zeit verkauft sein würde. Tatsächlich fand sich erfreulich schnell ein Abnehmer und diese Woche hätte schon der Notartermin zur Unterzeichnung des Kaufvertrages stattfinden sollen, ABER es ergaben sich im letzten Moment Schwierigkeiten mit der Finanzierung. Das war dem Makler sehr unangenehm, er hat aber zum Glück noch mehr Kaufinteressenten. Jetzt heißt es also wieder warten… Augen rollendes Smiley Uschi könnte inzwischen ein Buch schreiben über alles das, was nicht geklappt hat oder zumindest schwierig war. Bei Behörden und Institutionen sitzen erschreckend viele Menschen, die ihren Job offenbar nicht mehr so verantwortungsvoll erledigen wie man es erwarten sollte. Die Mülltonnen wurden plötzlich nicht mehr geleert, obwohl es telefonisch anders besprochen war und die Müllgebühren inzwischen von Uschis Konto abgebucht wurden. Die Bank löste das Konto von Uschis Vater auf, obwohl Uschi deutlich gesagt hatte, dass sie Bescheid gibt, wenn es aufgelöst werden soll. Natürlich wird sie darüber nicht benachrichtigt, sondern wird erst aufmerksam, nachdem Rechnungen über nicht ausführbare Daueraufträge (Gas, Wasser, Strom, Gebäudeversicherung etc.) samt zu bezahlender Rückbuchungsgebühren per Post eintreffen. Sich auf jemanden verlassen ist nicht mehr ratsam, alles muss angezweifelt und überprüft werden. Das kann schon ganz schön nerven! Umso größer ist die Freude, wenn dann mal etwas ganz problemlos klappt. Smiley

So sieht es aus! Ich könnte jetzt hier wegfahren, meine Arbeit ist erledigt. Aber jetzt, wo es überall voll und voller ist, dazu (für mich zu) warm, zieht es mich nirgendwo anders hin. Also werde ich wohl auch noch ein wenig hierbleiben. Den nächsten fixen Termin haben wir erst am 1. September. Ab da haben wir auf einem Campingplatz auf Rügen gebucht, zwei Monate
USonneRSonneLSonneASonneUSonneB zum Pauschalpreis. 

Fuhrpark

Nein, Flitzi macht keine Sommerpause und er friert auch nicht! Aber nachdem er die Tage von innen (Ingrid) und von außen (Waschanlage) piccobello sauber gemacht wurde, haben wir ihn erst einmal verpackt. Cooles Smiley Nein, Scherz, es drohte ein heftiges Gewitter mit Hagel und da es eine Abdeckhaube für ihn gibt, haben wir ihm die mal vorsichtshalber übergestreift. Fix und Boxi und Oscarlotta haben so etwas ja nicht und hoffen immer, dass sie unbeschadet davon kommen! Bisher hat das geklappt, toi, toi, toi!!!

Gewitter erwartet

written by Ingrid
photos taken by Uschi with HUAWEI P10 Lite

Neues Zuhause gesucht

 

Wir sind wieder auf der Schwäbischen Ostalb. Auch hier liegt noch Schnee, der es uns verwehrt, auf unsere Terrasse zu fahren. Also stehen wir zur Zeit noch im Bereich der Zufahrt zum Campingplatz. Flitzi musste zunächst noch in Blaichach zurückbleiben, aber inzwischen haben wir ihn in einer Halbtagesaktion auch hierher gebracht.

wieder in Lauterburg 

Zum Glück scheint die Sonne und mit den steigenden Temperaturen verbreitet sich schon ein Hauch von Vorfrühling. Eine Gasflasche reicht schon wieder für fünf (!) Tage! Smiley mit geöffnetem Mund

Leider ist der Grund unseres Hierseins nicht so angenehm. Wir müssen ja das Haus von Uschis Vater leerräumen und zum Verkauf anbieten. Die größte Herausforderung stellt dabei die große Modelleisenbahnanlage dar. Uschi hatte bei ihrem Kurzaufenthalt im Dezember schon das gesamte rollende Material von der Anlage genommen, verpackt und verlagert, was bereits Stunden gedauert hat. Jetzt geht es darum, zu versuchen, einen (oder mehrere) Abnehmer für die Anlage zu finden, um sie nicht zerstören und vernichten zu müssen. Also an dieser Stelle ein Appell an alle Modellbahner oder die, die einen kennen:

Es gibt eine wunderschöne, gut erhaltene Modelleisenbahnanlage der Spur N, die ein neues Zuhause sucht und gerne jemand anderem Freude machen möchte. Der Verkaufspreis, der natürlich niemals die investierten Material- und Zeitkosten beinhalten kann, ist verhandelbar. Das rollende Material, also die Loks und Waggons, ist inzwischen separat verkauft worden.

Anlage 6 (Bahnbetriebswerk Drehscheibe Lokschuppen)

Es gibt „hier“ einen ausführlichen Blogeintrag mit allen Informationen und vielen Fotos. Ich habe jetzt noch einmal weitere Detailfotos gemacht und ein Fotoalbum erstellt, das „hier“ zu sehen ist. Noch hoffen wir, dass sich eine Lösung findet, die dem Lebenswerk von Uschis Vater ermöglicht, weiterzuexistieren!!! Es wäre so schade, wenn diese wunderbare Modelleisenbahnanlage zerstört werden müsste. Weinendes Smiley

Anlässlich dieser ganzen Aktivitäten und anbetracht der Tatsache, dass sich in den nächsten Wochen voraussichtlich nichts blogmäßig interessantes begeben wird, verabschieden wir uns hiermit und an dieser Stelle in eine Blogpause unbestimmter Länge! Wir haben keine Ahnung, wie lange das hier alles dauern wird und bis wann wir hierbleiben müssen oder wollen.

Lasst es euch gut gehen und passt auf euch auf!

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Alpenrundblick

 

Das weiße Schicksal ereilte uns ein weiteres Mal in Form von gut 20cm Neuschnee über Nacht! Erstauntes Smiley Der Wetterbericht hatte es zuverlässig vorhergesagt und so nahmen wir das Geschenk gelassen an. Wenn die Arbeit erst getan ist und die Sonne wieder scheint, ist es wirklich ein Geschenk!

OberstdorfOberstdorfOberstdorfOberstdorfOberstdorfOberstdorfOberstdorf

Diesmal sahen alle Bäume rundherum besonders bezaubernd aus (siehe aktuelles Headerfoto). Und diesmal wagte ich mich auch höchstselbst auf Oscarlottas Dach. Das Heki hatte ich schon am Vortag vom Schnee befreit, damit es sich aufkurbeln ließ. Soweit ich von der Leiter auf dem Bett reichen konnte, schob ich den Schnee vom Dach, bevor ich rauskletterte. Als richtig gut dafür geeignet hat sich ein Gummibesen erwiesen, auch für die weitere Arbeit auf dem Dach. Den ersten Besen hatten wir nicht mit dem für ihn geeigneten Stiel benutzt, sodass jetzt ein „Handbesen“ übrig war. Diese praktischen Gummibesen verursachen keine Kratzer, haben einen variablen Teleskopstiel und eine zusätzliche Wasserabzieh-/Schabekante. Man kann sie als Besen oder Schrubber oder Wasserabzieher nutzen und durch ihre weichen „Borsten“ können sie auch den Solarplatten nichts anhaben.

neuer SalatSalatbesteck

Diesmal wollten wir den runtergeschobenen Schnee nur auf der Fahrerseite von Oscarlotta haben, da wir auf der anderen Seite nicht mehr wussten, wohin mit weiterem Schnee. Auf der rechten Seite behindert aber sowieso die Markise das über die Kante schieben und an einem Punkt war dann klar, dass ich mit schieben nicht mehr weiter kommen würde, auch, weil unter der Schneehaube eine schon angefrorene Schicht Pressschnee war. Uschi reichte mir ihre Mini-Schneeschaufel (für Kinder, pinkfarben Smiley) hoch und damit schob ich den Schnee nicht mehr vom Dach, sondern schmiss ihn im hohen Bogen bis auf den (noch nicht geräumten) Fahrweg! Das machte richtig Spaß!!! Es wurde aber auch sehr deutlich, wie schwer selbst diese kleinen Schneemengen schon sind und unser Respekt vor Dachlawinen verstärkte sich noch. Die Feinarbeit passierte dann wieder mit dem Gummibesen.

auf dem Dachauf dem Dachauf dem Dachauf dem Dachauf dem Dachauf dem Dachauf dem Dachgeschafft!!!

Ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass die Wohnmobildächer blitzsauber werden und keine schwarzen Regenstreifen mehr an den Seitenwänden herunterlaufen!

blitzsauber!

Die Sonne schien herrlich warm und die Aussicht war vom Feinsten! Verliebt

Aussicht von OscarlottaAussicht von OscarlottaAussicht von OscarlottaAussicht von OscarlottaAussicht von BoxiAussicht von BoxiAussicht von BoxiAussicht von BoxiAussicht von OscarlottaAussicht von Boxi

Auch die nächsten Tage waren wunderbar und wir genossen die Märchenlandschaft bei unseren Nachmittagsspaziergängen.

WintermärchenWintermärchenWintermärchenWintermärchenWintermärchen

Unsere Zeit hier ist nun LEIDER vorbei und jetzt verraten wir auch, wo wir die letzten drei Monate waren, nämlich auf dem Stellplatz „Alpenrundblick“ in Blaichach. Es gibt auf einer großen geschotterten Fläche Platz für 60 Mobile und, wie der Platzname sagt, rundherum Berge. Die Lage ist nahezu perfekt, Immenstadt ist ca. 3km entfernt und über den Iller-Radweg zu Fuß oder mit dem Rad gut zu erreichen, nach Sonthofen sind es ca. 5km. Der Bahnhof (Zugverbindung Oberstdorf/Immenstadt und weiter) ist 5 Minuten vom Stellplatz entfernt (die Bahnstrecke ist in Hörweite, aber nicht störend) und vom Bahnhof aus ist man direkt in dem kleinen Ort mit Supermarkt und allen Geschäften, die man so braucht. Der Iller-Radweg war immer gut geräumt, sodass unsere Spaziergänge in beide Richtungen jederzeit stattfinden konnten. Zum Stellplatz gehört sogar ein eigener Badesee! Alle weiteren Einrichtungen und die Preise findet ihr auf der Homepage.

BlaichachBlaichachBlaichach

Es hat uns so gut gefallen, dass wir für den nächsten Winter schon wieder reserviert haben! Wir hatten das Wetter, dass wir uns gewünscht hatten. Regen kam fast immer als Schnee herunter, grau und nieselig war es nur ganz selten und die Sonne schien (nicht nur gefühlt) an wesentlich mehr Tagen als im restlichen Deutschland. Die beiden vorhergehenden Winter habe ich ja im Norden und Osten Deutschlands verbracht und am meisten im Gedächtnis geblieben ist mir, wie sehr ich die Sonne vermisst habe. Das kann ich von diesem Winter nicht sagen! Und Sonne und Schnee hat schon was, oder? Kuss senden

Sonne und SchneeSonne und SchneeSonne und SchneeSonne und SchneeSonne und SchneeSonne und Schnee

“Wer hat an der Uhr gedreht?
Ist es wirklich schon so spät???
Soll das heißen – ja, ihr Leut – mit dem Allgäu ist Schluss für heut! 
Stimmt es, dass es sein muss?
Ist für heute wirklich Schluss???

Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder – keine Frage!”

bis dann!bis dann!bis dann!

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Bizarre Eiswelten

 

Ich folge auf Instagram einem Allgäu-Account und dort wurde vor ein paar Tagen ein Foto von der Breitachklamm bei Oberstdorf gepostet. Wir kennen die Klamm nur vom Sommer, sehr schön und schon ein paar Jahre her. Im Winter waren wir dort noch nie, was sich aber, laut Foto, mehr als lohnen würde! Trauen wir uns, die schmalen und teilweise steilen Wege bei Eis und Schnee zu begehen? Wir beschlossen, es zumindest zu versuchen, abbrechen kann man ja jederzeit. Der Eintritt ist mit €4,50/Person sehr moderat, ein Verlust ließe sich also verschmerzen.

Wir zogen uns warm an, bestückten unsere Bergschuhe mit anschnallbaren Spikes und nahmen die Walkingstöcke mit. Auf Mützen und Handschuhe verzichteten wir, denn es schien die Sonne und wir waren schon mittags dort. Aber wie das in einer Klamm so ist, die Sonne hat nur ein sehr kurzes Zeitfenster, um dort den Boden zu erreichen. Die meiste Zeit waren wir im Schatten und es war kalt. Aber die wechselnden Anblicke entschädigten uns für alles! Außer uns waren eine Menge anderer Menschen unterwegs, alle so vorsichtig gehend wie wir und alle staunend und immer wieder stehenbleibend, um zu fotografieren.

BreitachklammBreitachklammBreitachklamm

Es fing zunächst schön, aber unspektakulär an. Die Breitach plätscherte munter und mit relativ wenig Wasser an schneebedeckten Felsen und Steinen vorbei Richtung Illerursprung.


BreitachklammBreitachklammBreitachklammBreitachklammBreitachklammBreitachklamm

Die Iller, die hier an unserem Stellplatz vorbeifließt, entsteht ja durch den Zusammenfluss von Breitach, Stillach und Trettach in der Nähe von Oberstdorf. Uschi war im Frühjahr dort gewesen und hatte ein Video (siehe “hier”) gedreht.

Je näher wir zur Klamm kamen, desto eisiger wurde es! Erst noch sehr gemäßigt, aber dann überwältigend. Über Wochen hatten die Temperaturunterschiede zwischen Wärme- und Kälteperioden und die zwischen Tag und Nacht erst Eiszäpfchen, dann ausgewachsene Zapfen und schließlich an einigen Stellen Eisvorhänge und riesige Säulen wachsen lassen. Immer wieder musste ich mich von den Stöcken losclipsen, um zu fotografieren. Aber ohne die Stöcke ging gar nichts! Der Weg war zwar mit Split gestreut und es gab Geländer und an einigen Stellen noch zusätzlich Seile an der Felswand, aber es war trotzdem teilweise mühsam. Nicht alle Leute hatten geeignetes Schuhwerk an und schlitterten mehr als sie liefen. Dort, wo es dann richtig steil wurde, brachen wir ab. Hoch wären wir sicher noch gekommen, aber ob heil wieder runter, war die Frage. Wir beschlossen, lieber nichts zu riskieren. Oben wären wir zwar endlich in der Sonne gewesen, aber die bizarrsten Eisformationen waren unten und ich hatte zu dem Zeitpunkt schon unzählige Fotos gemacht.

BreitachklammBreitachklammBreitachklammBreitachklammBreitachklammBreitachklammBreitachklammBreitachklamm

Wir begaben uns also auf den Rückweg und bestaunten diese Märchenwelt noch in aller Ruhe aus der anderen Richtung. Trotz allem waren wir insgesamt zwei Stunden unterwegs gewesen und das reichte dann ja auch. Es war einfach nur toll und wir sind glücklich, es gewagt zu haben!

Dieser Beitrag zeigt nur einen Teil der Fotos, deswegen gibt es noch eine kleine Dia-Show von zwei Minuten Länge.
Viel Vergnügen beim Anschauen (bitte Vollbild-Ansicht einstellen)!


 
written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

“Alles Gute kommt von oben” oder “Die Gefahr beim Fahren”

 
Heute möchte ich (Uschi) mich mal wieder kurz zu Wort melden.
Wir stehen ja nun schon seit fast drei Monaten auf dem Stellplatz hier im Allgäu und haben einige erheblichen Schneefälle miterlebt mit einem herrlichen Ergebnis für Augen und Seele! (Wer es mag!)

viel Salat!

Dass Schnee auch Arbeit mit sich bringt, ist ja bekannt, die Allgäuer sind wirklich mit den Räumarbeiten auf Straßen und Wegen richtig gut.

OberstdorfOberstdorfSalaträumerGrünten

Auch wir haben schon Stunden Schnee geschaufelt, aber wir nehmen es sportlich und genießen das Draußensein, vor allem bei Sonnenschein! Smiley
Immer mehr Wohnmobilisten sind wie wir auch im Winter unterwegs, viele in Richtung des schneefreien Südens, aber einige auch hier im Allgäu oder in anderen Wintersportgebieten. Sie haben fast alle ein mehr oder weniger winterfestes Mobil und oft viel nicht unnötiges Zubehör wie z. B. Wintermatten für das Fahrerhaus, Anfahrhilfen, Schneeschaufel und manche für den Fall der Fälle sogar Schneeketten dabei. Alles gut und schön, aber … dummerweise fällt der Schnee nicht nur auf den Boden, sondern auch auf Haus- und Wohnmobildächer.

Salat auf dem Dachund anderswo

Diesen Winter mussten viele Menschen im Allgäu die doch hohen und schweren Schneemassen von Dächern räumen. Auch wir haben unsere Mobildächer mehrfach von Schnee- und Eislasten befreit, schon wegen der Solarplatten, die ja keine Sonnenstrahlen mehr einfangen konnten, aber vor allem dafür, dass wir uns jederzeit auf öffentliche Straßen begeben könnten.

schon wiederneuer Salat

So, genug der Vorrede, jetzt komme ich zu meinem eigentlichen Anliegen.
Leider denken die meisten “mobilen Wintercamper” vor ihrer (Weiter-)Fahrt nicht über Schnee und Eis auf dem Wohnmobil- oder Wohnwagendach nach und über die Gefahr für nachfolgende Verkehrsteilnehmer. Was mit angefrorenem Schnee auf dem Dach während der Fahrt passieren kann, hat Ingrid „hier“ ja schon erzählt. Alle Lkw-Fahrer müssen ihre Dächer vor der Fahrt räumen – und wir…? Etwa ich?

so sollte man NICHT losfahren! Leute, ein einziger (!!!) Mobilfahrer hier hat in den letzten vier Wochen zumindest versucht, von einer meines Erachtens gefährlichen Leiter aus, den vielen Schnee vom Dach zu schieben, ohne großen Erfolg, die anderen haben es erst gar nicht probiert!
Aber ich finde: Geht nicht gibt’s nicht!
Das Versäumnis der Reisemobillieb=
haber geschieht schon beim Kauf. Heute haben die meisten Mobile keine Heckleiter mehr so wie früher, irgendwie ist diese praktische Sache nicht mehr angesagt, aber wir haben sie beim Kauf mitbestellt, um jederzeit sicher Boxi auf’s Dach steigen zu können. Es gibt zwar dafür auch tolle leichte ausziehbare Anstellleitern, aber die sind für die heute doch oftmals hohen Wohnmobile viel zu oft zu kurz. Sie reichen in der Regel höchstens bis kurz unter die Dachkante UND sie haben keine vier Füße wie eine Bock-/Haushaltsleiter. Sie sind deshalb, vor allem auf unebenen, rutschigen oder wie jetzt vereisten Untergründen, SEHR gefährlich! Erstauntes Smiley AUF das Dach zu kommen ist für einen sportlichen Menschen vielleicht noch möglich, aber runter geht dann unter Umständen schneller als gewollt.

Bei Oscarlotta haben wir schon beim Kauf (gegen die Empfehlung des Verkäufers, das Heki doch in den Wohnbereich zu verbauen) auf einer großen aufkurbelbaren Dachluke über dem Heckbett bestanden, aus gutem Grund: Dachluke aufkurbeln, kleine passende Bockleiter mit Bügel auf’s Bett stellen und schon kann man sicher und bequem jederzeit raus auf das Dach und auf demselben Weg wieder zurück! Keine Leiter, die wegrutschen kann, keine Akrobatik nötig,  um vom Dach auf die oberste Stufe zu gelangen.
Randbemerkung: Sowohl das Dach von Oscarlotta als auch das Dach von Boxi ist voll begehbar. (Leute mit Höhenangst sollten es trotzdem lieber nicht “begehen”.)

Unsere Antwort zu der Frage: “Wie komme ich sicher auf mein Wohnmobildach?” lautet ganz einfach: Versucht nachzurüsten, entweder von innen mit einer großen Luke, an die man eine Leiter anstellen kann (falls schon vorhanden, braucht man nur noch eine passende Leiter) oder von außen mit einer Heckleiter. Wer trotz allem eine Anstellleiter bevorzugt, sollte darauf achten, dass sie mindestens 30cm länger als das Womodach hoch ist und er sollte sich einen kompetenten “Leiterhalter” organisieren! Ich höre schon die „todesmutigen“ Männer sagen, „ich brauche nicht aufs Dach, ich kann den Schnee auch von der Leiter aus runterschieben“. Haben wir auch versucht, mit einer Schneeschaufel erreicht man NICHT die Mitte des Daches. Und selbst mit einem Besen, Schrubber o. ä. an einer entsprechend langen Teleskopstange ist es ausgesprochen schwierig (und gefährlich – Leiter rutscht unten weg, wenn oben Kräfte wirken), größere Schneemassen wegzuschieben.

Camping mit SalatMit diesem Beitrag wollte ich euch das Wintercamping nicht madig machen, Wintercamping hat gaaanz viel zu bieten!!! Cooles Smiley

Wintercamping

Zum Abschluss noch ein kleiner Tipp: Sorgt dafür, dass ihr Winterdiesel im Tank habt! Ansonsten braucht ihr euch über das Räumen eurer Dächer keine Gedanken mehr zu machen, dann springt euer Motor nämlich erst wieder an, wenn der Frühling kommt!

written by Uschi
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Salat-Update

 

Wir haben Glück! Die heftigen Schneefälle hörten auf und dafür kam die Sonne durch, nicht jeden Tag, aber auf jeden Fall öfter als im Rest Deutschlands. Der liegengebliebene Schnee ist angetaut und wieder gefroren, das Gehen rund um unsere Mobile und auf sämtlichen Spazierwegen gestaltet sich schwierig. Man sollte gut aufpassen, wohin man tritt! Ein Vorteil des Alters ist, dass man sowieso nicht mehr so schnell unterwegs ist/sein muss, also besteht keine erhöhte Gefahr, auszurutschen oder sich den Fuß zu vertreten. Die “Hundewege” sind inzwischen allerdings so verharscht, dass das Laufen dort eher dem Balancieren auf einem Schwebebalken gleicht. Da kann es schon einmal passieren, dass man das Gleichgewicht verliert und auf allen Vieren im Tiefschnee landet! Laut lachen

viel Salat!viel Salat!viel Salat!Hundewegeviel Salat!viel Salat!viel Salat!bizarre Eisweltenbizarre Eisweltenbizarre Eisweltenbizarre Eisweltenbizarre Eisweltenbizarre Eiswelten

Passieren tut gerade nicht wirklich etwas, zumindest nichts, worüber es sich lohnen würde, ausführlich zu berichten. Wir hatten Besuch von einem zukünftigen Fulltimer, der sich Tipps bei uns einsammelte. Einen weiteren Kurzbesuch von Bloglesern verschlief ich, sodass nur Uschi das Vergnügen hatte. Ansonsten gehen wir, bevorzugt wenn die Sonne scheint, spazieren, gerne mit einem Umweg über das hervorragend bestückte Bäckereicafé im Ort, fahren einkaufen oder auch mal nach Sonthofen oder Oberstdorf zum Bummeln. Wenn die Sonne scheint, wird es in unseren Mobilen so warm, dass die Heizung noch stundenlang in der Nachtabsenkung bleiben kann. Das spart ein wenig Gas. Die Temperaturen draußen sind nämlich so weit unter dem Gefrierpunkt, dass eine Gasflasche nur noch gut 2 1/2 Tage reicht. Das ist sowohl bei Oscarlotta als auch bei Boxi so, allerdings mit dem Unterschied, dass ich 11-Kilo-Flaschen brauche und Uschi nur Fünfer. Trotz Kondenswasser ableitender Wäscheklammern an den Kaminaustritten der Heizungen bilden sich interessante Eisgebilde. Cooles Smiley

Eispimmel ;-)Eispimmel ;-)

Die Sonnenuntergänge sind nicht spektakulär, aber schön, vor allem die Berge sehen vom letzten Sonnenlicht beschienen toll aus. Verliebt

letzte Sonnenstrahlenletzte Sonnenstrahlenletzte Sonnenstrahlenletzte Sonnenstrahlenletzte Sonnenstrahlen

Langweilig wird uns bisher nicht. Ich habe die letzten Tage eingehend Lithium-Akkus und Wechselrichter recherchiert. Man sollte es nicht für möglich halten, aber in Oscarlotta arbeiten immer noch die ersten Aufbaubatterien, seit inzwischen 11 3/4 Jahren!!! Da sie aber natürlich von heute auf morgen ihren Dienst einstellen können, wäre es gut, wenn ich dann weiß, was ich will. Wieder Gel-Batterien oder umsteigen auf die vielgepriesenen LiFe(Y)PO4-Akkus? Uschi hat schon im letzten Jahr gewechselt und ist zufrieden. Mir reichen meine Gel-Akkus eigentlich, allerdings würde ich gerne, wenn kein Landstrom zur Verfügung steht, trotzdem meine Kapsel-Kaffeemaschine nutzen können, die sehr stromhungrig ist. Das geht mit Wechselrichter, aber der geht nicht mit Gel-Batterien, zumindest nicht in der bisherigen Kapazitätsklasse. Und Akkus mit größerer Kapazität passen von den Ausmaßen her nicht in das Batteriefach im Doppelboden der Heckgarage. Sie woanders unterbringen möchte ich aber auch nicht. Ich habe eine Firma ausfindig gemacht, die alles hat, was ich möchte und bei der ich auch Austausch/Einbau/Aufrüstung erledigen lassen kann. Also werde ich wohl in den sauren (Preis-) Apfel beißen. Allerdings ergibt sich auch einiges an Sparpotenzial, nicht nur beim Strom, sondern auch beim Gas. Ich nutze zwar einen Absorber- und keinen Kompressorkühlschrank, aber über einen Batteriemonitor kann eingestellt werden, bei welchem Ladezustand der Lithium-Akkus der Kühlschrank mit (überschüssigem) Solarertrag betrieben werden soll. Wäre ja blöd, wenn ich im Sommer mehr Solarstrom “einfange”, als in den Batterien eingelagert werden kann. Nach meinen Berechnungen könnten sich die teuren Lithium-Akkus im theoretischen Idealfall nach ca. 4 Jahren amortisiert haben. Das wird sich herausstellen! Vermutlich wird es im realen Leben etwas länger dauern. Auf jeden Fall wird es in Zukunft, zumindest im Sommer, egal sein, ob Landstrom zur Verfügung steht oder nicht und ich kann trotzdem meine Kaffeemaschine anschmeißen. Man gönnt sich ja sonst nichts! Kuss senden

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Mal wieder etwas anderes als immer nur Salat!

 

Nuss-Schoko-MuffinsWir hatten einige Höhlentage. Es schneite zwar nicht unablässig, dafür regnete es dann, was die Sache nicht unbedingt besser machte. Also musste man sich drinnen beschäftigen und Uschi nutzte das, um leckere Muffins im Omnia-Backofen zu produzieren. Geht natürlich auch in einem ganz normalen Wohnmobil- oder Haushaltsbackofen! Der Phantasie, was die Zusatzingredienzien betrifft, sind keine Grenzen gesetzt, lecker sind sie immer! Und aufbewahren kann man sie ungekühlt bis zu einer Woche, falls man es schafft, sie bis dahin nicht aufzuessen. Zwinkerndes Smiley

Das Rezept mit Zutaten und Zubereitung folgt als Fotostrecke. Wer am PC/Laptop liest, kann sich zusätzlich die Fototexte anzeigen lassen. Viel Erfolg, Spaß und guten Appetit!

Zutatendas wird alles benötigtEier und Zucker schaumig schlagen/rührenNüsse und Schokotropfen einrührenebenso Mehl und Backpulverzum Schluss noch die Milch Förmchen zu zwei Dritteln füllen6 Förmchen passen in den OmniaDeckel drauf und ab auf den Herd (wahlweise auf einem Gitter in den Backofen)für die Teigreste ist es gutwenn man einen Hiwi hat ;-)saubere Arbeit!!!Gesamtergebnis (12 Stück)gut verpackenoder sofort probieren

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Salat satt (sozusagen bis zum Hals!) ;-)

 

Mit Sicherheit verfolgt ihr die aktuelle Wetterlage, seid vielleicht sogar selbst davon betroffen. Schon im Herbst war sehr auffällig, welche Unmengen an Zapfen an den Bäumen hingen und wir unkten, dass es sicher einen harten Winter geben würde… Wie soll ich es sagen, wir hatten wohl Recht! In Teilen Bayerns und Österreichs ist es derzeit echt heftig und was man so in den Nachrichten sehen und hören kann, ist absolut nicht übertrieben. Die Wetterverhältnisse und die daraus resultierenden Bedingungen scheinen den Winter ebenso zu einem “Rekordwinter” machen zu wollen, wie der letzte Sommer ein “Rekordsommer” war.

RekordschneehöhenRekordschneehöhenRekordschneehöhen

Wir stehen gut und vor allem sicher hier. Keine Berge und keine Bäume in unmittelbarer Nähe. Ein Supermarkt ist fußläufig zu erreichen, Gas gibt es am Stellplatz. Unser einziges Problem ist, den unaufhörlich fallenden Schnee von den Autodächern zu holen. Dazu sind Logistik, eine lange Leiter, Schneeschaufeln in verschiedenen Größen, wasserabweisende Jacken, Handschuhe und Fitness nötig. Mit den Hausdächern und den Wohnmobildächern der Nachbarn haben wir zum Glück nichts zu tun. Zwinkerndes Smiley

räumungsbedürftigräumungsbedürftig

Fix und Boxi sind relativ pflegeleicht, Oscarlotta ist da schon eine andere Nummer. Normalerweise gelangen wir aufs Dach, indem wir eine dreistufige Trittleiter auf das Bett stellen und durch das aufgekurbelte Heki (Hebekippdachfenster) nach draußen klettern. Das klappte diesmal nicht. Der Schnee lag so hoch auf dem Heki, dass es sich nicht aufkurbeln ließ! Zum Glück konnten wir beim Stellplatzbetreiber eine 3m-Haushaltsleiter ausleihen, mit deren Hilfe von der obersten Stufe aus die Randbereiche des Daches freigeschaufelt werden konnten sowie ein Teil des Hekis. Dann eine gute Handbreit aufkurbeln, den hereinfallenden Schnee mit einem großen Duschtuch auffangen und voooorsichtig durch den Spalt allen Schnee nach hinten und zu den Seiten wegschieben. Ein Stück weiter aufkurbeln (ja, es schneite noch!) und mit Verrenkungen den restlichen Schnee vom Heki schaufeln. Mit Hilfe der Leiter konnten wir das Dach zu ca. zwei Dritteln freilegen. Den Rest in der Mitte, an den man nicht heranreichte, verschoben wir auf den nächsten Tag. Der Stellplatzbetreiber und sein Helfer fuhren schon den ganzen Tag mit Schneeräumern über den Platz und die Zufahrtswege und der geräumte Schnee türmte sich schon zu hohen Bergen an den Rändern. Wir sind zwar, außer einem weiteren Mobil, die einzigen Gäste, es gibt aber noch einen bewohnten Dauercamperbereich.

Ingrid bei der ArbeitIngrid bei der ArbeitIngrid bei der ArbeitIngrid bei der ArbeitIngrid bei der ArbeitOscarlottas DachOscarlottas Dach

Am nächsten Tag schneite es nur wenig, es war auch in der Nacht kaum weiterer Schnee dazugekommen, sodass Uschi aufs Dach steigen konnte. Sogar die Sonne kam ein wenig heraus und die Temperaturen waren so, dass das Heki aufbleiben konnte, während Uschi räumte. Danach sah Oscarlotta so aus:

schneefrei und blitzblankschneefrei und blitzblankschneefrei und blitzblank

Dann schneite es wieder! Und es hörte auch nicht mehr auf. Man konnte quasi dabei zusehen, wie die Schneehöhe wuchs. Am einfachsten erkennbar immer an der Trittstufe. Bevor man reingeht, kehrt man sie ab und wenn man das nächste Mal wieder rausgehen will, hat sie schon wieder ein “Häubchen”, vor allem natürlich am Morgen. Genauso wie Flitzi! Verwirrtes Smiley

Trittstufen OscarlottaTrittstufen OscarlottaFlitzi mit MützchenFlitzi wird ausgegraben

In der Nacht auf Donnerstag gab es an die 40cm Neuschnee! Oscarlotta sah wieder genauso aus wie vor der Räumung. Also alles wieder von vorne! Gleiche Reihenfolge, da das Heki sich wieder nicht aufkurbeln ließ. Dieses Mal ging Uschi aufs Dach, sobald das Heki geöffnet werden konnte. Das musste blitzschnell gehen, da es unaufhörlich dicke Flocken schneite. Kaum war sie draußen, klappte ich die Leiter zusammen und kurbelte wieder zu. Die Räumerei eines Wohnmobildaches ist nicht ohne. Man muss gelenkig sein, trittsicher und man darf keine Höhenangst haben. Zusätzlich sind Bewegungen nur im Zeitlupentempo sinnvoll, da das sowieso schon glatte Dach durch den teilweise gefrorenen Schnee gefährlich rutschig wird. Es ist also eine zeitaufwändige Angelegenheit, vor allem auf einem Dach dieser Größe. Rund um unsere Mobile haben wir Laufgräben geschaufelt und genau in diese hinein fällt der Schnee vom Dach! Was bedeutet, dass aller Schnee zweimal geschaufelt wird, einmal oben und einmal unten. Inzwischen sind die Schneehaufen schon so hoch, dass wir kaum noch wissen, wohin mit dem neuen Schnee. Diese Aktion hat gute 2 1/2 Stunden gedauert, danach musste noch das Werkzeug enteist werden. Die Leiter konnten wir ja auch nicht völlig verschneit zurückgeben. Auf den Trittstufen war der Schnee schon so angefroren, dass ich ihn mit einem Spachtel abkratzen musste. Erstauntes Smiley

Neuschnee!!!Neuschnee!!!Neuschnee!!!Neuschnee!!!Neuschnee!!!Neuschnee!!!Neuschnee!!!Neuschnee!!!Neuschnee!!!Neuschnee!!!Neuschnee!!!Neuschnee!!!Spuren im Schnee

Dann gab es erst einmal einen Kaffee! Gefrühstückt hatte ich auch noch nichts. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage kündigte weitere ergiebige Schneefälle an! Fein, dann wissen wir ja, was zu tun ist! Laut lachen Im Fernsehen (Brennpunkt Wetter) war, außer der Lawinengefahr-Höchsttufe, immer wieder Thema, dass Dächer von den Schneemassen befreit werden müssen und es wurden Zahlen genannt. Pulverschnee hat ein Gewicht von 30-50 Kilo pro Kubikmeter. Wenn der Schnee nass ist oder nass wird, weil es hineinregnet (ist für das Wochenende angekündigt), kann das Gewicht auf das Zehnfache ansteigen! Unsere Dächer sind begehbar, d. h., für ca. 100-150kg ausgelegt, punktuell vermutlich. 40cm lagen ganz sicher schon da oben, macht also im nassesten Zustand auf ein mal einen Meter ca. 200kg. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als zu räumen, mindestens jeden zweiten Tag. Außerdem wollen bzw. können wir ja nicht bis zum Frühling hier bleiben und fahren kann und darf man mit einem Dach voller Schnee nicht. Sollte man auch nicht! Mit meinem früheren Wohnmobil habe ich das mal gemacht, weil ich mich nicht aufs Dach traute und sooo viel ja gar nicht drauf lag. Während der Fahrt löste sich eine Eisplatte, wahrscheinlich durch die Fahrbewegungen losgerüttelt, rutschte über die Schrägung des Alkovens nach unten und zerschlug mir die Frontscheibe! Auf dem nächsten Rasthof war die Fahrt für mich erst einmal zu Ende und ich blieb über Nacht dort stehen. Immer wieder hörte ich im Verlauf des Abend, wie irgendwo eine Eisfläche vom Dach fiel, es taute nämlich und die Wärme aus meinem geheizten Innenraum tat ihr übriges. Ich war froh, dass ich nur mich selbst geschädigt hatte und nicht eine Eisplatte auf ein nachfolgendes Fahrzeug gefallen war. Eine Werkstatt fand ich am nächsten Morgen auch, konnte auch noch selbst dorthin fahren und musste dann natürlich noch lange dort herumstehen, da man mit einer frischeingesetzten Scheibe ja nicht sofort weiterfahren kann. Dieses Risiko würde ich also nicht noch einmal eingehen!

Für den Freitag war eine Wetterberuhigung angesagt, bevor es dann am Wochenende weitergehen sollte. Und tatsächlich schien sogar die Sonne! Uschi grub Flitzi mal wieder aus und wurde von einem Radioreporter (SWR3) angesprochen, der in der Folge spontan ein Interview mit ihr machte. Der junge Mann konnte zunächst nicht so ganz nachvollziehen, warum man freiwillig so lebt wie wir, aber als Uschi ihn aufforderte, sich doch mal umzuschauen, musste er zugeben, dass die Landschaft einfach ein Traum ist!

Flitzi wird befreitFlitzi wird befreitFlitzi wird befreitFlitzi wird befreitWintermärchenWintermärchenWintermärchenWintermärchen

Wir machten später einen Erkundungsgang, am See entlang in den Ort. Die Wege hatten gerade mal Hundebreite, Gegenverkehr nicht möglich!

WintermärchenWintermärchenWintermärchenWintermärchenWintermärchenWintermärchenWintermärchenWintermärchenschmale Wegeschmale Wegelustige Häubchenlustige Häubchenlustige Häubchen

Die Zugverbindung nach Oberstdorf musste inzwischen auch eingestellt werden, wegen kontrollierter Baumfällarbeiten entlang der Strecke. Bis Immenstadt kommt man noch per Zug, dann geht nichts mehr. Immerhin gab es ab dem zweiten Tag einen Schienenersatzverkehr per Bus. Die Menschen im Süden Deutschlands sind Schnee im Winter ja gewöhnt, aber dies jetzt scheint auch für Bayern eine Ausnahmesituation zu sein! Angeblich war es seit 1960 nicht mehr so schlimm.

DB-StreckensperrungDB-StreckensperrungDB-StreckensperrungDB-Streckensperrung

written by Ingrid
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Nun haben wir den Salat!

 

Na ja. Nicht so ganz. Aber fast. Fängt immerhin auch mit S an. Hört hinten aber nicht mit t auf, sondern mit e. Und dazwischen ist auch nicht ala, sondern chne. Naaaaa??? Cooles Smiley

Es fing ganz harmlos an, sozusagen heimtückisch. Nämlich so:

blauester Himmel

Unmerklich, damit wir nicht misstrauisch werden (obwohl, wir haben seit dem 22. Dezember Winter!), änderte sich etwas. Erst war es nur eine hauchdünne Puderzuckerschicht auf Wiesen, Bäumen und Bergen. Sah schön aus!

1. Wintereinbruch

Dann setzte sich die Sonne wieder durch. Auch recht!

Winterspaziergang im Herbst-LookWinterspaziergang im Herbst-LookWinterspaziergang im Herbst-LookWinterspaziergang im Herbst-LookWinterspaziergang im Herbst-LookWinterspaziergang im Herbst-Look

Wir freuten uns und genossen die (fast) täglichen Spaziergänge, ohne und mit Irritationen.

Winterspaziergang im Herbst-LookIrritationenIrritationenRätsel gelöstWasserskianlage"unser" See

Manchmal glaubten wir, immer noch am grünen Weißensee zu sein! Smiley

blauer Weißensee?blauer Weißensee?blauer Weißensee?blauer Weißensee?

Aber dann. Je mehr sich das Jahr seinem Ende näherte, desto mehr kam der Salat. Erst so:

noch wenig "Salat"

dann so:

schon etwas mehr "Salat"

und immer wieder auch ausgesprochen dekorativ:

PfrontenOberstdorfträumende Tannendie Engel backenOberstdorf

Es kam der letzte Tag des Jahres 2018. Party-Smiley Immer noch nur ansatzweise Salat. Und Kartoffelsalat gab es bei uns auch nicht, sondern traditionsgemäß Hering nach Hausfrauenart mit Pellkartoffeln. Um Mitternacht hatten wir dann den Salat in Form von Böllern und Raketen, die man hörte, aber nicht sah!!! Erstauntes Smiley Und es wurde heftigst und ausdauernd geballert. Manchmal waberte ein roter, grüner oder blauer Farbfetzen hinter den Bäumen auf, aber das war es auch schon. Alles weitere verschluckte der Nebel. Ein Feuerwerk, das man nicht sieht, ist irgendwie doof! Trauriges Smiley

Kein Feuerwerk, kein Salat! Der erste Tag des neuen Jahres startete immerhin sehr vielversprechend mit Sonnenschein, aber leider/natürlich nicht mit den Temperaturen, die aus Spanien vermeldet wurden. Cooles Smiley

Happy New Year!Happy New Year!Happy New Year!

Die nächsten Tage waren so grau wie die Schriftfarbe hier. Aber dann, vorgestern, wurde Salat angekündigt! Uschi war voller Vorfreude!!! Und nun hat sie ihn, den Salat!!!

Salat!!!Salat!!!Salat!!!

Und ich auch!

Salat!!!Salat!!!

Da hilft nur neuen Limoncello machen (zwinker Zwinkerndes Smiley, zwinker Zwinkerndes Smiley zu Paules und Elfie)!

written by Ingrid
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Vier Hochzeiten und ein Todesfall

 

Der Titel ist abgeleitet von dem gleichnamigen Spielfilm mit Hugh Grant. Hochzeiten im üblichen Wortsinn hatten wir allerdings keine zu feiern, nicht einmal zu beobachten. Wir waren wohl nicht oft genug auf Schloss Neuschwanstein, das als DIE perfekte Kulisse für Hochzeitsaufnahmen gilt.

Neuschwanstein

Unsere HOCHzeiten hatten wir trotzdem, nämlich in Form der vier Jahreszeiten! Uschi war ja schon zum Ende des letzten Winters hier im Allgäu und erlebte mit, wie innerhalb einer Woche die Natur förmlich explodierte und der Frühling da war.

FrühlingsbeginnFrühlingsbeginnFrühlingsbeginnFrühlingsbeginn

Ich kam Ende April von Norddeutschland her und wollte eigentlich nach unserem Mobiso-Frühjahrstreffen mit auf die Schwäbische Alb fahren. Es kam anders… Nicht nur Uschi liebt das Allgäu immer schon, auch mir gefällt es hier ausnehmend gut. Diese Grüne-Hügel-Schroffe-Felsen-Blaue-Seen-Landschaft ist einfach eine Wohltat für die Seele, dazu kommt die Freundlichkeit der Menschen und die noch etwas geruhsamere Lebensart.

Uschis Wanderung zur Alpspitze

Zusammengehörigkeit ist hier noch kein Fremdwort, Traditionen werden noch gepflegt, auch von den jungen Menschen. Oft haben wir von Einheimischen gehört, dass ihnen bewusst sei, dass sie „im Paradies“ leben und dass sie dankbar dafür sind. Verliebt haben wir uns auf Anhieb in den grünen Weißensee, wir berichteten schon mehrmals darüber, aber ein paar weitere Fotos müssen jetzt doch noch sein! Smiley

WeißenseeWeißensee Weißensee

Der sommerliche Frühling ging unmerklich über in den Hochsommer und ich war immer noch in Weißbach. Laut lachen

Weißbach

Uschi fuhr zwischendurch immer mal wieder nach Lauterburg, um nach ihrem Vater zu schauen. Anfang August zog ich um in „meine“ Ecke und wollte dort nicht mehr weg. Der perfekte Platz, groß genug für Oscarlotta und Flitzi, viel Schatten, höchstenfalls ein direkter Nachbar, meistens aber gar keiner, abseits vom Durchgangsverkehr, ruhig – und das Platz-WLAN funktionierte auch da hinten noch.

StellplatzMein EckplatzMein EckplatzMein Eckplatz

Ich trennte mich von meiner Fernsehanlage und kümmerte mich um Alternativen, die sich alle inzwischen als erfolgreich erwiesen haben. Es gab verschiedene Feste, ich bekam Besuch und dann war Uschi auch schon wieder da. Der Hochsommer ging über in einen hochsommerlichen Herbst und immer noch waren die Wiesen sattgrün. Dabei regnete es genauso wenig wie im restlichen Deutschland, die Flüsse waren alle fast ausgetrocknet. Aber sogar während der heißesten Sommertage kühlte es nachts so ab, dass vermutlich Morgentau für die Farbgebung verantwortlich war. Die Herbstnebel an einigen Tagen brachten eine ganz neue Stimmung.

Weißbach im HerbstWeißbach im Herbst

Jetzt wollten wir die vierte Jahreszeit auch noch erleben! Einmal rund ums Jahr im Allgäu. Uschi hatte per Zufall erfahren, dass es an anderer Stelle einen Stellplatz gibt, der Vierteljahresangebote zu einem sehr attraktiven Preis anbietet. Wir hatten ihn uns im Sommer schon angesehen und reserviert. Jetzt schlossen wir einen Vertrag ab von Mitte November bis Mitte Februar. Eigentlich wollte ich vor dem Ortswechsel noch ins Ruhrgebiet fahren, aber das Wetter war immer noch so schön, dass ich mich nicht losreißen konnte. Den fälligen TÜV-Termin erledigte ich in einer urigen LKW-Werkstatt in Füssen, wo ich Oscarlotta zwar nicht selbst über die Grube fahren durfte, aber nach erfolgreicher Sichtprüfung rückwärts wieder aus der Halle raus. Da war ja schon klar, dass die Höhe des Tores ausreichend war. Zwinkerndes Smiley Bezahlt werden konnte nur in bar! Ich habe noch in keiner Werkstatt für alle notwendigen Überprüfungen so wenig bezahlt wie dort!

Sehr ungern verabschiedeten wir uns von der Familie Wohlfart, aßen noch ein letztes Mal im Gasthaus Wiesele und versprachen, wiederzukommen. Flitzi hatte Uschi schon am Tag zuvor zu unserem neuen Standort gebracht und war mit dem Zug zurückgefahren. Am 15. November zogen wir um. Auch hier ist es schön, die Berge sind noch ein wenig näher und es gibt einen kleinen, hübschen und überwältigend klaren See nebenan.

WinterplatzStellplatzseeStellplatzsee

Den ersten Schnee hatten wir auch schon, der nicht liegenblieb, aber die Berge sehr attraktiv dekorierte. Es wurde schon so kalt, dass eine Gasflasche noch gerade 2 ½ Tage reichte. Dazu scheint fast immer die Sonne! Okay, drei Regentage am Stück hatten wir auch schon. Die ließen den Schnee in den Höhen schmelzen und seitdem sind auch die Flüsse wieder Flüsse.

Schnee auf den BergenHindelangFrostEiszapfenEiszapfen

Seit Weihnachten ist der Platz voll und inzwischen platzt er aus allen Nähten. Erstauntes Smiley Wer nicht reserviert hat, muss wieder fahren. Das ist hier überall so, das Allgäu hat das ganze Jahr über Hauptsaison. Die Skifahrer haben allerdings ein wenig Pech, aber das wird sich im Januar vermutlich noch ändern. Uns ist es recht so, Landschaft und Berge sind weiß überzuckert, die Straßen sind aber frei. Wir kennen uns schon gut aus, entdecken aber trotzdem immer noch wieder Neues. Die Weihnachtsmärkte waren so, wie ich sie mir erhofft hatte, mit viel handwerklichen Angeboten und wenig Kommerz, mit viel Stimmung und keinem Kitsch. Vom Pfrontener Weihnachtsmarkt aus entstand das Winterfoto vom Stellplatz in Weißbach. Am 1. Weihnachtstag waren wir noch einmal zum Kaffeetrinken dort und da war es deutlich voller.

Weißbach FüssenFüssenOberstdorfOberstdorfKempten

Das waren also unsere vier Hochzeiten, die in Wirklichkeit Jahreszeiten waren. Und leider gibt es auch in Wirklichkeit einen Todesfall. Am 1. Dezember erlitt Uschis Vater bei Nacht einen schweren Schlaganfall, der ihn zu einem absoluten Pflegefall gemacht hätte. Aufgrund einer Patientenverfügung, die er vor 10 Jahren ausgefüllt hatte, blieb ihm ein langer Leidensweg erspart. Wir sind sehr froh, dass wir ihn Ende Oktober zu seinem 91. Geburtstag noch von Weißbach aus besucht hatten. Uschi hat alles Notwendige geregelt, alle noch anfallenden Arbeiten verschieben wir auf die Zeit ab Mitte Februar.

 

Jetzt wünschen wir euch allen einen guten Rutsch in das Neue Jahr und für dieses inneren und äußeren Frieden, Gesundheit sowie viel (Lebens-)Freude und wenig Sorgen!!!

2019

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Spaziergang auf dem Seeboden

 

An einem Sonntag im November wollten wir einen Spaziergang machen, aber nicht nur im Gelände hinter dem Stellplatz, obwohl es uns dort ja sehr gut gefiel. Welchen See der Umgebung hatten wir denn noch nicht besucht bzw. umrundet? Es blieb nur der Alpsee übrig. Dann fahren wir doch mal dorthin, ist ja nicht weit! Das Dumme war allerdings, dass der Alpsee direkt beim Schloss Neuschwanstein liegt und noch dümmer war, dass wir Sonntag hatten. Außer uns waren ein paar hundert weitere Menschen unterwegs (im November!), überwiegend Asiaten und sie alle wollten entweder ins Schloss oder an den See oder beides. Schon sehr weiträumig um das Gebiet der allgemeinen Begierde waren die Straßenränder lückenlos zugeparkt, warum erfuhren wir, als wir auf den am dichtesten am See gelegenen Parkplatz fuhren. 6 (in Worten sechs) Euro sollte es kosten. Erstauntes Smiley Für einen Spaziergang um einen eher kleinen See? Womöglich im Gänsemarsch mit all den Japanern? Nein, das war nicht nach unserem Geschmack! Ich wollte wenden, aber der Mensch am Kassenhäuschen gestikulierte wild und klärte uns darüber auf, dass die Zufahrt eine Einbahnstraße sei. Wir durften dann immerhin durch- und oben wieder hinausfahren, ohne zu bezahlen. Nur weg hier! Und nun? Fahren wir doch noch einmal zum Forggensee und schauen, wie hoch der Wasserstand inzwischen ist. Ganz zu Beginn unseres Aufenthaltes hier hatten wir ja schon davon berichtet, dass der See nur im Sommer voll mit Wasser ist und im Winter trockengelegt wird. Wegen eines Defekts an der Staumauer und der notwendigen Reparaturen war er den überwiegenden Teil des diesjährigen Sommers allerdings nur eine braune, rissige, wüstige Ödnis. Auf einer Schautafel hatten wir gelesen, dass es keinerlei Pflanzen im See gäbe, weil es keine Pflanzen geben würde, die ein halbes Jahr im und das andere halbe Jahr ohne Wasser leben können.

Forggensee

Wir fuhren zum unteren Teil des Sees, der am weitesten von der Staumauer entfernt ist. Und hier gab es tatsächlich noch einen größeren Bereich, der immer noch nicht mit Wasser geflutet war. Und es gab Pflanzen, sogar jede Menge! Es liefen (wenige!) Menschen auf dem Seeboden herum, sogar mit dem Fahrrad waren einige unterwegs. Das ging allerdings nur an wenigen Stellen. Der Seeuntergrund bestand aus Lehm und Kieselsteinen, wurde durchzogen von kleinen Rinnsalen und es gab Bereiche, in denen das Grundwasser durchdrückte. An einigen Stellen waren auch kleine Tümpel entstanden. Eine bizarre, aber sehr interessante Landschaft, die uns gut gefiel.

ForggenseeForggenseeForggenseeForggenseeForggenseeForggenseeForggenseeForggenseeForggenseeForggenseeForggensee

Wir sind in Nordamerika schon auf einem Meerboden spazieren gegangen, bei Ebbe (siehe „hier“) und im vorletzten Herbst ist Uschi mit unserem Freund Juan auch schon auf dem ausgetrockneten Boden eines spanischen Stausees herumgelaufen (siehe „hier“), dieses war jetzt also Nummer 3. Es blieb nicht aus, dass wir auch durch die feuchteren Bereiche laufen mussten und schon bald waren unsere Wanderschuhe dick verklebt mit Lehm. Flitzi würde sich freuen! Aber zu seinem und unserem Glück mussten wir noch ein Bächlein durchqueren. Dass taten wir sehr ausgiebig und wussten danach auch, dass wir ein gutes Imprägnierspray gekauft hatten! Laut lachen

Forggensee

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Die höchstgelegene Burgruine Deutschlands

 

Falkenstein Das ist Falkenstein. Ihr habt sie schon im Adventskalender in der Collage vom 5. Dezember gesehen. Immer, wenn wir Richtung Weißensee fuhren, sahen wir die Überreste der Burg hoch oben stehen und wenn wir mal im Dunkeln zurückkamen, waren sie schön angestrahlt. Den ganzen Sommer wollte ich da hoch, aber erst ganz spät im Herbst hat es dann doch noch geklappt. Burg Falkenstein ist nicht nur die höchstgelegene Burganlage Deutschlands, sondern erlangte ihre Berühmtheit durch niemand Geringeren als den Bayernkönig Ludwig II. Der hatte wohl ein wenig Langeweile und noch nicht genug Schlösser, also setzte er sich in den Kopf, dort oben ein weiteres errichten zu lassen. Wir haben den Wanderpfad gesehen, der dort hinauf führt. Völlig unvorstellbar, wie man auf diese Art das Baumaterial dorthin bringen sollte. Aber das habe ich mich schon oft gefragt, bei Burgen, Kirchen, Klöstern an derart exponierten Stellen. Die Burg wurde schon um 1280 errichtet, in 1268m Höhe, 400m über dem Vilstal!

Falkenstein (iPhone)

Falkenstein (iPhone) Wir nahmen mit Flitzi die vor Jahren angelegte Privatstraße zum bereits 1897 dort oben errichteten Hotel Falkenstein. Sie ist steil, kurvig und einspurig und deswegen mit Ampeln geregelt. Von viertel nach bis fünf Minuten vor jeder vollen Stunde darf man hinauffahren und von der vollen Stunde bis zehn nach wieder hinunter. Da es eine Privatstraße ist, zahlt man vorher an einem Ticketautomaten 4 Euro. Ob oben jemand überprüft hat, ob man ein Ticket gelöst hatte, wissen wir nicht.

Vom Parkplatz aus muss man dann kraxeln, erst bis zum Hotel und dann bis zur Burgruine. Da man währenddessen die tollsten Ausblicke hat, macht das aber gar nichts!

Falkenstein (iPhone)Falkenstein (Canon)Falkenstein (iPhone)Falkenstein (iPhone)Falkenstein (iPhone)Falkenstein (iPhone)

König Ludwig II erwarb die Burg 1883. Der Gipfel des Falkensteins hat keine große Grundfläche. Die alte Burg, seit dem Dreißigjährigen Krieg schon eine Ruine, war eher klein. Trotzdem hatte Ludwig sich in den Kopf gesetzt, dort ein Schloss vom Ausmaß Neuschwansteins errichten zu lassen! Erstauntes Smiley Es sollte auch fast genauso aussehen. Wofür braucht man als König zwei fast identische Schlösser? Sein Architekt wusste, dass dieses Vorhaben nicht durchführbar sein würde und präsentierte Ludwig den Entwurf eines realisierbaren kleineren Schlosses, das auch vom Stil her viel besser dorthin gepasst hätte. Damit erzürnte er seinen Arbeitgeber derart, dass er sofort entlassen wurde! Aber auch die chronische Geldknappheit Ludwigs sprach eher für ein kleineres Schloss. Der nachfolgende Architekt entwarf eine „Raubritterburg“, die wohl von der Größe her realisierbar gewesen wäre, allerdings war auch hierfür die Finanzierung nicht gesichert.

Falkenstein (iPhone)Falkenstein (iPhone)

Die Bauprojekte Ludwigs wurden aus dem königlichen Privatvermögen finanziert und verursachten dort, in der sogenannten Kabinettskasse, erhebliche Defizite. Die ihm zur Verfügung stehende Zivilliste war auf jährlich 4,2 Millionen Gulden festgelegt. 1884 hatte er 7,5 Millionen Gulden Schulden, die durch Anleihen gedeckt werden mussten. Der König war schließlich mit einem „Jahresgehalt“ im Rückstand und zum Weiterbau seiner Schlösser hätten 1887 noch etwa drei „Jahresgehälter“ (15 Millionen) gefehlt. Nach seinem Tod zahlte das Haus Wittelsbach bis 1902 alle durch König Ludwigs Bautätigkeit angefallenen Schulden vollständig an die Gläubigerbanken zurück.
(Quelle: Wikipedia)

Wohl auch wegen der nicht vorhandenen Baugelder blieb es bei einem neuen Burgweg und einer Wasserleitung ins Tal und der plötzliche Tod Ludwigs 1886 beendete das Bauvorhaben.

Wir liefen einmal um die Burgruine herum, was schnell erledigt ist, außer man kann sich an dem grandiosen Rundumblick auf Berge, Schlösser, Burgen und Seen nicht sattsehen. Die noch vorhandenen Außenwände des rechteckigen „Festen Hauses“ (ca. 18,6 × 8,5 Meter) sind etwa acht Meter hoch und werden von einigen, meist halbrunden Fensteröffnungen unterbrochen. Die Ostwand stürzte 1889 nach einem Blitzschlag ein. Im Gemäuer ist 2005 eine hölzerne Aussichtsplattform errichtet worden. Man muss kein König sein, um es dort oben wunderschön zu finden. Verliebt

Falkenstein (iPhone)Falkenstein (Canon)Falkenstein (Canon)Falkenstein (iPhone)Falkenstein (Canon)Falkenstein (Canon)Falkenstein (Canon)Falkenstein (Canon)Falkenstein (Canon)Falkenstein (Canon)

Königlich waren dann auch die Preise im noblen Hotel Falkenstein! Soviel haben wir für Kaffee und Kuchen selten gezahlt. Es ist übrigens ganzjährig geöffnet und uns wurde beteuert, dass auch bei Schnee die Straße durchaus zu befahren sei. Es sei ja schließlich eine Privatstraße, man wäre also nicht auf den Räumdienst der Gemeinde angewiesen. Fahren möchten wir bei Schnee dort aber genauso wenig wie nach Bschlabs oder Namlos, weder rauf noch runter!

Für die Fotografen unter unseren Lesern ist es vielleicht interessant zu wissen, dass alle Fotos dieses Beitrags teils wie fast immer mit meinem iPhone „geschossen“ worden sind und teils mit unserer Canon-Spiegelreflexkamera (mit 50mm Festbrennweite). Wir haben sie eine Weile nicht mehr benutzt, weil ein Smartphone eben leichter, handlicher und immer dabei ist und die Fotoqualität i. d. R. ausreicht. Ihr könnt ja mal raten, welches Foto womit entstanden ist! Für diejenigen, die am PC/Laptop lesen, ist es einfach, siehe Hinweis unten. Cooles Smiley

Falkenstein (iPhone)Falkenstein (iPhone)Falkenstein (iPhone)Falkenstein (iPhone)Falkenstein (iPhone)

written by Ingrid
photos taken with iPhone and Canon EOS 600D

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Namlos

 

Ausflug nach BschlabsVon einem anderen unserer Blogleser bekamen wir den Tipp, nach Bschlabs zu fahren, wenn wir schon in der Nähe sind und das möglichst, bevor Schnee fällt. Inzwischen haben wir den ersten Schnee schon gehabt, aber wir waren auch schon in Bschlabs. Ist das nicht ein witziger, seltsamer, ungewöhnlicher Name? Man kann ihn kaum aussprechen! Smiley mit geöffnetem Mund Wie mag er wohl entstanden sein und was bedeutete er mal? Weder Uschi noch ich hatten ihn jemals gehört oder gelesen und so mussten wir erst einmal recherchieren, wo das überhaupt ist. In Österreich, stellte sich heraus, irgendwo im Nirgendwo.
Na klar fahren wir da hin!

Ausflug nach BschlabsAusflug nach Bschlabs

Der Herbst war in diesem Ausnahmejahr ein goldener, nicht nur, weil die Sonne fast immer schien, sondern auch, weil die Laubfärbung wunderschön war. Fast wie Indian Summer, fast. Der Weg durch das Tannheimer Tal ist immer wieder ein Genuss und so flitzten wir mit Flitzi durch unbekannte österreichische Dörfer. Aus dem Augenwinkel sah ich ein lohnendes Fotoobjekt, drehte kurzerhand und hielt vor einem ehemaligen Bauernhof. Na, das hatte sich doch gelohnt!

Ausflug nach BschlabsAusflug nach Bschlabs

Nur wenig später kam das nächste interessante Gebäude, irgendwie passend zum Indian Summer mit der amerikanischen Nationalflagge. Ein alter VW-Käfer, mit Blumen geschmückt, auf dem Hof, eine Harley vor dem Eingang und draußen wie drinnen alles aus unbehandeltem Holz. Café Treibholz! Der Keeper lässig im amerikanischen T-Shirt und mit verknotetem Kopftuch, an Kuchen hatte er Cheese Cake oder Chocolate Cake. Laut dröhnende Country-Musik, sodass man kaum eine Bestellung aufgeben konnte. Ein Freak ganz offensichtlich! Nur eins hatte er nicht, die sprichwörtliche Freundlichkeit der Amerikaner. Da war noch viel Luft nach oben! Cooles Smiley

Ausflug nach BschlabsAusflug nach BschlabsAusflug nach BschlabsAusflug nach Bschlabs

Es war trotzdem nett und es gab viel zu sehen. Tische und Bänke waren aus Paletten gezimmert, Treibholz war aufgereiht, dazu schien die Sonne und die Berglandschaft direkt neben uns war traumhaft.

Ausflug nach BschlabsAusflug nach BschlabsAusflug nach BschlabsAusflug nach Bschlabs

Kurz danach ging es links ab nach Bschlabs. Und dann in vielen Kehren immer weiter nach oben. Jetzt wussten wir auch, warum wir vor dem ersten Schnee fahren sollten! Unterwegs kam ein Abzweig nach Namlos und da wusste Uschi, dass sie hier doch schon gewesen war, sehr, sehr früher. Bschlabs entpuppte sich dann als ein winziges Dorf mit Kirche, einem (geschlossenen) Wirtshaus und drei bis fünf Häusern.

Ausflug nach BschlabsAusflug nach Bschlabs

Aber die Gegend war schon eindrucksvoll! Wir fuhren noch ein Stück weiter auf der Serpentinenstraße, aber als es wieder bergab ging, drehte ich und wir fuhren auf direktem Weg nach Namlos. Die Anfahrt war dann noch um einiges spektakulärer. Eine schmale Straße mit beachtlicher Steigung, rechts die Felswand, links der Abgrund, ungesichert. Nur an den Kurven waren Leitplanken, die allerdings im Notfall wohl keinen PKW und schon gar kein Wohnmobil halten würden. Aber was will man mit Wohnmobil auch schon da oben? Wenn eine Ansammlung von Häusern am Ende einer endlosen Serpentinenstraße den Namen Namlos bekam, dann kann man sich in etwa vorstellen, wie es dort ausgesehen haben muss. Wir waren erstaunt, relativ viele Häuser vorzufinden und sogar ein Wirtshaus. Aber das braucht man vermutlich in dieser Einsamkeit. Wer wohnt hier freiwillig? Im Sommer ja vielleicht noch ganz schön, von den elendig langen Fahrten zum Einkaufen, zum Arzt, zur Arbeit mal abgesehen. Aber im Winter??? Gibt es Kinder, die zur Schule müssen? Gibt es einen Schulbus? Der braucht dann mindestens eine Stunde bis unten oder die Eltern müssen viermal am Tag diese Strecke bewältigen. Da wären Fahrgemeinschaften sicher hilfreich. Wir fuhren wieder hinab und waren uns einig, dass wir hier bei Schnee und Eis NICHT fahren wollten. Sind die Menschen, die sich für Namlos entschieden haben, automatisch auch furchtlos?

Ausflug nach NamlosAusflug nach BschlabsAusflug nach BschlabsAusflug nach Bschlabs

Wir tankten auf der Heimfahrt noch preiswerten österreichischen Sprit (Benzin, keinen Marillenlikör) und fuhren mit einem Umweg über das Vilstal wieder zurück. Wie schön, dass wir Flitzi (hier) haben, sonst hätten wir nie Bschlabs und Namlos kennengelernt. Und auch das Café Treibholz nicht! Danke, WvS!!! Smiley

written by Ingrid
photos taken with iPhone and Canon EOS 600D

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

1. Advent

 

Während der Adventszeit entfällt der Samstagabendkrimibeitrag, dafür gibt es an den Adventssonntagen außer einem zu öffnenden Türchen noch einen Blogartikel. Heute mit dem Titel:

LIMONCELLO

Ich weiß nicht, ob ich von der Existenz dieses Zitronen-/Limonenlikörs jemals zuvor gehört hatte. Und das heißt etwas, da ich bekennender Likörliebhaber bin, seit ich als Kind den selbstgemachten Eierlikör meiner Oma probieren durfte, aus einem Eierbecher, stilecht sozusagen. Mein 10 Jahre älterer Bruder ging jeden Abend auf dem Weg in sein Mansardenzimmer kurz bei unserer Oma vorbei und sie „verkümmelten“ sich einen oder zwei oder…? Ich war noch zu jung für mehr, deswegen blieb es bei dem viertel- bis halbvollen Eierbecher immer dann, wenn ich zufällig dabei war, wenn Oma Nachschub produzierte. Eierlikör ist heute noch mein absoluter Favorit, ich mache ihn aber nicht selbst und ich kaufe ihn auch nur sehr, sehr selten, denn er hat Suchtfaktor, es ist schwer, aufzuhören. Laut lachen

Aber ich wollte ja gar nicht über Eierlikör schreiben, sondern über Limoncello. Wie gesagt, ich weiß nicht, ob ich von seiner Existenz wusste, bewusst wahrgenommen habe ich ihn nicht und mit Sicherheit nie getrunken. Dann erwähnte belle ihn in ihrem Blog und auch, dass sie und Baffo ihn selbst herstellen. Das machte mich neugierig und ich googelte das Rezept. DAS Rezept? Es gab unzählige Varianten! Ich beschloss, einfach mal loszulegen. Beim Zitronen besorgen war das einzige Problem, dass es ungespritzte sein mussten, denn es geht um die Schalen! Beim Alkohol wurde es schon schwieriger, denn es sollte mindestens 90-prozentiger sein. Den gibt es in Deutschland nur in Apotheken, teuer. Aber wofür ist denn Österreich nebenan? Dort gibt es Stroh-Rum und der hat immerhin 80%! Das müsste doch gehen?

Julienne-Streifen vorherDie Vorarbeiten sind schnell erledigt, Zitronen waschen und abschälen. Ich kaufte mir sogar extra einen Julienne-Schäler, der hübsche schmale Streifen fabrizierte. Das sah nett aus, aber man sollte dann auch ein Gefäß mit weiter Öffnung nehmen. Rein kriegt man die Zitronenschalenstreifen nämlich auch durch einen engen Flaschenhals, nur später nicht mehr wieder raus! Erstauntes Smiley

Dann heißt es warten!!! Mindestens 5 Wochen, ruhig auch länger, das Aroma der Schalen soll sich mit dem Alkohol vermischen. Gut Ding will Weile haben! Ich war sehr gespannt, im Allgemeinen und im Besonderen, bezüglich des Stroh-Rums. Der verfärbte die Schalen auf jeden Fall schon einmal knallorangefarben. Die Flasche/der Behälter muss luftdicht und dunkel lagern. Ich schüttelte ab und zu und kontrollierte den Flüssigkeitsstand, der aber unverändert blieb. Und weil es noch so lange dauern würde, kaufte ich eine Flasche original italienischen Limoncello und probierte schon einmal. Nicht schlecht! Aber auch nicht gerade preiswert. Meiner würde hoffentlich mindestens genauso gut (wenn nicht besser) und preiswerter werden. Smiley

Julienne-Streifen nachherJulienne-Streifen nachher

Nach 7 Wochen begab ich mich an die Vollendung. Ich kombinierte nach Gutdünken die verschiedenen Rezepturen. Den Saft der geschälten Zitronen hatte ich mitsamt dem Fruchtfleisch eingefroren und verwertete ihn jetzt mit. Das stand so nirgendwo, würde aber doch dem Ganzen noch etwas mehr Zitronengeschmack verleihen!? Schlimmstenfalls würde ich halt alles wegschütten müssen! Das Endergebnis war, nachdem es abgekühlt war, umwerfend gut!!! Zitronig sauer, durch den zugefügten Zuckersirup aber nicht zu sauer und mit schmeckbarem Promillegehalt. Den bestimmt man durch den Grad der Verdünnung selbst und ich hatte mit der Zugabe einer Flasche Vodka mit 40% noch etwas nachgeholfen, um mehr Gesamterlös zu erhalten. Ich denke, dass mein Zitronenlikör einen Alkoholgehalt von etwas über 30% hatte. Die Gesamtmenge betrug gute 2 ½ Liter leckeren, goldorangenen Limoncello. Es stellte sich dann schnell heraus, dass der Zitronensaft sich vom Likör absetzte. Das tat aber dem Geschmack keinen Abbruch und einmal schütteln vor dem Einschenken behob dieses „Problem“.

2 1/2 Liter Limoncello2 1/2 Liter Limoncello  

Mein Fazit: Absolut wiederholenswert!!! Die neuen Schalen schwimmen schon wieder. Zwinkerndes Smiley

Hier ist MEIN Rezept:

• 7-9 Zitronen, ungespritzt
• 1 Flasche Stroh-Rum (80%) oder 1/2l reinen Alkohol (90%)
—•—•—•—•—•—•—•—•—•—
• 1l Wasser
• 500g Zucker
• Saft/Fruchtfleisch der Zitronen (tiefgefroren)
—•—•—•—•—•—•—•—•—•—
• 1 Flasche Vodka (1/2l, 40%)
 
• Zitronenschale in Streifen abschälen und ca. 6 Wochen im Rum/Alkohol ziehen lassen (abgedunkelt und luftdicht)
• Flüssigkeit abgießen (die Zitronenschalenschnitze kleinschneiden und beliebig verwenden)
• Wasser und Zucker verrühren und einmal aufkochen, den gefrorenen Zitronensaft darin auftauen lassen
• die Flüssigkeit wieder zum Kochen bringen und 20 Minuten leicht köcheln lassen (nicht mehr rühren)
• die Flüssigkeit abkühlen lassen
• Rum und Vodka dazugeben, in Flaschen abfüllen und kaltstellen
• ergibt ca. 2 1/2l Limoncello
• gut gekühlt servieren


written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Seenvielfalt

 

Heute gibt es weniger Text, dafür aber ein paar Fotos mehr! In einem Verzeichnis über Pfronten und seine nähere Umgebung sind 10 Seen und Weiher verzeichnet, vom riesigen Forggensee bis zum kleinen Kögelweiher. Einige sind Badeseen, einige schiffbar, alle wunderschön anzusehen in der immergrünen Landschaft, umrahmt von den teils bewaldeten, teils schroffen Bergwänden, mal näher, mal weiter entfernt. Der Forggensee bildete lange eine braune Ausnahme, da er diesen Sommer ja weitgehend trockengelegt blieb, aber zum Schluss war auch er wieder die blaue Wasserfläche unter meist blauem Himmel. Smiley

ForggenseeForggensee

Unser Lieblingssee ist allerdings nach wie vor der grüne Weißensee! Verliebt Wir haben ihn etliche Male umrundet.

WeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißensee

Aber nicht nur ihn. Unser aktuelles Headerfoto zum Beispiel ist am Haldensee entstanden. Der liegt nicht in der unmittelbaren Umgebung, sondern schon in Österreich. Aber Österreich ist ja fast nebenan! Allein die Fahrt dahin, wahlweise entweder auf direktem Weg durch das Achtal oder mit einem Umweg über das Tannheimertal, ist lohnenswert. Der Haldensee selbst ist überraschend klein, in einer halben Stunde hat man ihn bereits halb umrundet und kann erst einmal Kaffee trinken gehen! Cooles Smiley Es gibt nämlich ein nettes Café mit angeschlossenem Souvenir-, Haushalt- und Spirituosenladen. Eine gute Gelegenheit, Marillenlikör mitzunehmen, den ich früher immer so gerne getrunken habe. Man sollte auch die Gelegenheit nutzen, in Österreich zu tanken, der Sprit kostet dort bis zu 20 Cent/Liter weniger als in Deutschland! Erstauntes Smiley

HaldenseeHaldenseeHaldenseeHaldenseeHaldensee

Nach dem Cafébesuch ging es für uns dann an der Uferpromenade eine weitere halbe Stunde zurück zum Parkplatz, allerdings direkt neben der Straße. Im Sommer, bei mehr Verkehr, ist das dann vielleicht nicht mehr so schön.

An einem der nächsten, noch spätsommerlich warmen und sonnigen Herbsttage nahmen wir uns den Hopfensee vor. Der ist etwas größer und ich war mir nicht sicher, ob die Strecke für mich nicht zu weit sein würde.

Hopfensee

Wir fingen auf der Sonnenseite an, wegen der wärmenden Strahlen und auch, weil auf der anderen Seite der Campingplatz liegt, an dem Uschi mich zur Not abholen könnte. So kam es letztendlich dann auch. Nach ca. einer Stunde wird das Gehen trotz oder wegen der Orthese unangenehm, weil meine Fußsohle einschläft. Ich laufe ja auf einer starren Carbonfläche, die dem Fuß eine bestimmte Bewegung aufzwingt, die zwar insgesamt hilfreich ist, aber den Fuß bzw. seine Nerven offensichtlich auch einschränkt. Ab einer Stunde wird es mühsam und mein Wunsch, das „Sch…-Ding“ auszuziehen, immer stärker. Trotzdem war es ein sehr schöner Weg, der zum Schluss noch durch ein nettes kleines Wäldchen verlief, in dem an einigen Stellen ein Künstler aus den Überresten von gefällten Bäumen kleine Überraschungen gestaltet hat.

HopfenseeHopfenseeHopfenseeHopfenseeHopfenseeHopfenseeHopfenseeHopfenseeHopfensee

Ein letztes Mal fuhr Uschi noch alleine zum Weißensee. Diesmal schien die Sonne nicht, aber gerade das macht den besonderen Reiz der Fotos aus, die sie mitbrachte.

WeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißenseeWeißensee

written by Ingrid
photos taken with iPhone and HUAWEI P10 Lite

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Neue Schuhe und der Wasserfallweg

 

Wir fuhren nach Oberstdorf und kauften mir neue Wanderschuhe. Uschi hatte bei ihrem Aufenthalt Anfang September dort ein Schuhgeschäft entdeckt mit einer riesigen Auswahl und netten und vor allem fachkundigen Verkäuferinnen. Als Alternative zur immer sehr befahrenen B19 gibt es ab Sonthofen eine Bergstrecke, die oberhalb von Fischen verläuft. Nicht nur, dass es sich hier viel schöner fährt, man kommt auch durch Reichenbach und dort gibt es das Moorschwimmbad mit dem netten Moorstüble. In früheren Jahren sind wir einige Male von Oberstdorf aus dorthin gewandert und jetzt waren sowohl ich als auch Uschi schon separat dort gewesen, Uschi zu Fuß, ich mit Flitzi. Bevor für den Winter geschlossen wird, wollten wir noch einmal gemeinsam hin. Es gibt nämlich sehr leckeren selbstgebackenen Kuchen, einen schönen Kaffeegarten, natürlich eine tolle Aussicht und eine hübsche Damentoilette. Smiley

Am Moorschwimmbad ReichenbachAm Moorschwimmbad ReichenbachMoorschwimmbad ReichenbachMoorstüble

Gestärkt fuhren wir dann nach Oberstdorf rein und gingen zu besagtem Schuhgeschäft. Meine Orthese hatte ich dabei und ich war gespannt, ob ich ein paar Schuhe finden würde, in denen ich mit ihr würde laufen können. Kurzfassung: Ich schilderte der Verkäuferin mein Problem, sie griff nach einem Paar halbhoher Wanderschuhe, ich probierte sie an, lief ein paar Runden durch den Laden, ließ sie gleich an, bezahlte und ging! So schnell habe ich sicher noch nie Schuhe gekauft!!! Erstauntes Smiley Und bis heute kann ich wirklich gut in ihnen laufen!

Wanderschuhe mit Orthese

Die erste echte Erprobung gab es bei einem nochmaligen Alpspitzbesuch. Diesmal fuhr auch Uschi per Sessellift mit hoch, wir tranken etwas im Biergartenbereich des Sportheimes Böck, genossen, wohl zum letzten Mal in diesem Jahr, die Sonne und die Aussicht

Sportheim BöckAussicht

und liefen dann bergab. Den oberen Eingang zum Wasserfallweg nahmen wir noch nicht, sondern gingen erst noch eine Weile die Teerstraße hinunter. Und dann kamen viele, viele Treppenstufen! Teils aus dem Gelände herausgehauen unter Einbeziehung der Baumwurzeln, teils in Form von meterlangen Stahlkonstruktionen. Die waren in Steg- und in Treppenform überall dort, wo der Berg zu steil war. Irgendwann stießen wir auch auf einen Wasserlauf, der aber fast ausgetrocknet war. Mehrere Fallstufen gab es auch und im Frühjahr nach der Schneeschmelze ist es bestimmt ein Schauspiel, den stürzenden Wassermassen zuzuschauen. Jetzt stürzte nichts, trotzdem hat dieser Weg seinen Reiz.

WasserfallwegWasserfallwegWasserfallweg

WasserfallwegUnterwegs überholten wir zwei Frauen, die sich etwas eigenartig im Zeitlupentempo bewegten. Die ältere stützte sich auf die Schultern der vor ihr gehenden jüngeren Frau. Die hatte einen Stock in der Hand. Wir grüßten und gingen vorbei. Eine ganze Weile später und mehrere Höhenmeter tiefer standen, offensichtlich wartend, ein junger Mann und ein ca. 12-jähriges Mädchen am Fuße einer ewig langen Treppe.

Wir fragten, ob sie eventuell auf die beiden Frauen warteten, das würde dann aber noch eine Weile dauern. Ja, das seien seine Frau und seine blinde Schwiegermutter! Oha! Wir hatten es fast vermutet, dass die ältere Frau mindestens sehbehindert sein würde, aber daran geglaubt hatten wir nicht, denn wer mutet sich solch eine Strecke zu, sowohl als Blinder als auch als Begleitung??? Wir waren ja schon nicht allzu schnell unterwegs, weil man auf jeden Schritt achten musste. Und bei den Treppen hatte man zwar ein Geländer, aber die Treppenstufen waren nicht immer alle gleich hoch oder gingen immer wieder mal in Gitterwege über. Wenn die beiden auf die Art, die wir beobachtet hatten, weiterlaufen würden (und anders ging es fast nicht), würden sie Stunden brauchen! Wer denn auf diese Idee gekommen wäre, fragte ich den Mann. Spürbar genervt antwortete er, dass die zwei völlig verrückt seien und sich alles zutrauen würden. Seine Frau habe auch noch Höhenangst. Wir schauten gemeinsam auf die lange Treppe am Berg und er beschloss, noch einmal hinaufzulaufen und nach den Frauen zu sehen. Die Tochter sollte unten warten.

Wir hatten es dann bald geschafft. Die Tour war für mich machbar gewesen und die Schuhe hatten mir zum Glück keine Schwierigkeiten bereitet. Am Ende des Wanderweges, kurz vor dem Parkplatz, kehrten wir noch in einem Gartenlokal ein und belohnten uns mit Kaiserschmarrn und Kaffee. Wir saßen eine gute Stunde dort und während der gesamten Zeit war von den beiden Frauen, dem Mann und dem Kind nichts zu sehen. Wir hätten gerne gewusst, wie und wann sie unten angekommen sind!

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Antennen, nichts als Antennen

 

Bereits im Frühjahr hatte ich zum ersten Mal ein Problem mit meiner Satellitenschüssel. Sie gab eine Fehlermeldung über den Fernsehmonitor aus und wollte sich nicht mehr einfahren lassen. Sie ließ sich dann nach mehreren Versuchen doch noch überreden und danach traute ich mich natürlich nicht, sie wieder auszufahren. Ein Telefonat mit einer Wohnmobilwerkstatt ergab, dass man vermutlich etwas zum Hersteller ten Haaft einschicken und überprüfen lassen müsste und das könne ein paar Wochen dauern. Solange wollte und konnte ich aber nicht vor Ort bleiben, also war fernsehen erstmal gestrichen. Was nicht schlimm war, so viele interessante Sendungen gibt es ja nicht. Und das meiste kann man sowieso in den diversen Mediatheken online sehen, genügendes Internetvolumen vorausgesetzt. Natürlich könnte man online auch sofort live fernsehen, aber dafür braucht man eine Flatrate, sprich ein kostenfreies WLAN. Das gibt es allerdings nicht überall und wenn doch, dann kann es gut sein, dass die Übertragungsgeschwindigkeit nicht ausreicht für einen ruckel- und unterbrechungsfreien Empfang. Eine „echte“, also nicht begrenzte, Flatrate über Mobilfunk gibt es erst seit einigen Monaten bei Telekom und Vodafone und sie kostet €80/Monat. Die zahlt man natürlich jeden Monat, also auch dann, wenn man sie nicht bräuchte, weil man ein freies WLAN zur Verfügung hat, so wie hier in Pfronten-Weißbach. Das würde mich schon ärgern, wenn ich über Monate 80 Euro für umsonst bezahlen würde. Deswegen habe ich mich vor ein paar Jahren für die flexible Variante des GigaCube von Vodafone entschieden. Die bietet mir zwar „nur“ 50GB/Monat, aber der Monatspreis wird auch nur dann fällig, wenn ich den Cube nutze. 50GB ist schon nicht schlecht, aber stundenlang damit fernsehen oder Videos streamen geht trotzdem nicht. Trauriges Smiley

Ende April trafen Uschi und ich uns hier in Weißbach und bei der nächsten Gelegenheit stieg Uschi aufs Dach von Oscarlotta und reinigte und fettete alle sichtbaren Gelenke von Schüssel und Außeneinheit der Oyster-Anlage. Und siehe da, die Schüssel ließ sich wieder aus- und auch wieder einfahren! Beim Ausfahren tat sie sich aber hörbar schwer und so beschloss ich, sie dauerhaft draußen zu lassen, solange ich nicht fahren musste. Im Mai/Juni gab es allerdings recht häufig Gewitter und als ich die Schüssel eines Tages mal wieder vorsichtshalber einfahren wollte, weigerte sie sich erneut. Diesmal hatte ich keine Chance! Die Fehlermeldungen wechselten zwischen „Motorblockade“ und „Außeneinheit nicht gefunden“. Ich probierte tagelang immer wieder alle möglichen Schaltungen und Einstellungen über das Menü, in der Hoffnung, dass sie es sich doch noch einmal überlegen und wenigstens einfahren würde. Ohne Erfolg! Ich fragte in einer Wohnmobilfirma mit Werkstatt nach. Ja, abbauen könnten sie mir die Anlage und die Außeneinheit dann zu ten Haaft schicken. Die würden dann reparieren, falls möglich, oder eine neue Einheit schicken. Kostenpunkt min. €2000. Nach meinen diversen Reparaturerfahrungen des letzten Winters ging ich davon aus, dass ziemlich sicher der Bescheid kommen würde, dass nichts repariert werden könne, sondern eine neue Außeneinheit nötig sei. Und dann würde evtl. auch der alte Receiver nicht mehr passen oder die Schüssel oder beides. Letztendlich würde es auf eine völlig neue Anlage hinauslaufen, da war ich mir sicher. Das heißt, ich wäre mit ca. 3 bis 3 ½ tausend Euro dabei gewesen. Enttäuschtes Smiley Für ab und zu mal fernsehen??? Nein, das war es mir nicht wert! Ich recherchierte ein wenig nach preiswerteren Alternativen und fand auch eine interessante. Eine Sat-Anlage nicht als Parabol- oder Flachantenne, sondern als länglicher Dome, wie ein überdimensionaler Fahrradhelm aussehend. Und als Besonderheit gibt es eine Ausführung, die ein WLAN-Netz herstellt, auf das man mit bis zu 8 Endgeräten (Smartphones, Tablets, Notebooks) zugreifen kann. Dabei ist man nicht einmal auf dasselbe Fernsehprogramm angewiesen, sondern kann mit jedem Gerät etwas anderes sehen. Das ist natürlich eine feine Sache für Familien und auch, wenn man an lauen Sommerabenden nicht im Wohnmobil sitzen, aber trotzdem fernsehen möchte. Den Nachbarn zuliebe mit Ohrhörern! Cooles Smiley Ein wenig verlockte mich diese technische Errungenschaft, aber letztendlich entschied ich mich auch hierbei dagegen, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Ob das alles nämlich wirklich funktionieren würde und das WLAN es vom Dach aus auch in das Innere von Oscarlotta schaffen würde, wäre ja erst feststellbar, wenn die Anlage montiert (und bezahlt) sein würde.

Nun brauchte ich allerdings jemanden, der mir zumindest die Satellitenschüssel abbauen würde, denn so konnte ich ja nicht fahren! Uschi wollte ich das nicht aufhalsen, also kontaktierten wir den ansässigen Radio- und Fernsehfachmann. Wir schilderten ihm das Problem und er sagte zu, sich die Sache anzuschauen. Vor Ort kam aber auch er zu dem Ergebnis, dass die Außeneinheit sicher nicht mehr zu retten sei, nach 11 Jahren Dauereinsatz war sie innen doch ziemlich korrodiert. Der Dichtungsring bröselte uns schon entgegen. Auch seine Versuche, die Schüssel wieder einsatzfähig zu machen, scheiterten und so bat ich ihn, sie abzubauen.

Oyster komplettDemontageDemontageAußeneinheit von innenDichtungsringDichtungsringAußeneinheit

Die Außeneinheit konnte erstmal auf dem Dach bleiben, sie störte mich ja nicht. Als erstes verschenkte ich die abmontierte Schüssel, die mir in der Heckgarage viel zu viel Platz weg nahm, ein paar Tage später dann auch den Fernseher. Was sollte ich mit einem Fernseher, den ich nicht mehr nutzen konnte? Das Fach, in dem er bisher untergebracht gewesen war, konnte ich gut für andere Dinge gebrauchen.

WLAN-VerstärkerantenneJetzt begann die Antennenrecherche! Das WLAN hier auf dem Platz ist zwar gut, aber wenn sich ein Wohnmobil direkt neben mich stellt und das Signal unterbricht, geht (fast) nichts mehr. Eine Verstärkerantenne musste her! Eine fest auf dem Dach montierte schied wegen der Höhe aus, obwohl das natürlich die beste Variante gewesen wäre. Meine Wahl fiel auf einen Stick mit aufschraubbaren Antennen, dazu bestellte ich zwei Fensterdurchführungen, um sie gegebenenfalls auch mal neben dem Heki (Hebekippfenster) aufs Dach stellen zu können. In der Praxis stellte sich aber sofort heraus, dass die gesamte, von mir gebastelte, Konstruktion am Fenster am Bett hervorragend funktionierte. Bisher war kein Wohnmobil, das neben mir stand, länger als Oscarlotta, sodass Sender- und Empfängerantenne sich „sehen“. Zusätzlich nötig war natürlich ein aktives USB-Verlängerungskabel von 5m Länge, das die Distanz zwischen Verstärkerantennen und meinem Laptop überbrückt. Das schlängelt sich elegant vom Kleiderhaken neben dem Bett über einen an der Schiebetür angebrachten Haken am Kühlschrank vorbei über die Armlehne vom Sessel an der Eingangstür zum Tisch in den USB-Eingang des Laptops. Laut lachen Vielleicht nicht besonders schön, aber funktional. Den Laptop nutze ich fast ausschließlich erst abends, muss also nicht dauernd unter dem Kabel durchtauchen, weil ich zur Tür raus oder wieder rein will. Schön ist jetzt auch, dass ich meine Verdunkelungsrollos im Wohnbereich abends schließen kann, weil ich mit dem Laptop eine Hotspot-Verbindung herstellen kann für Tablet und iPhone.

WLAN konnte ich also abhaken, aber was ist, wenn wir hier wegfahren? Dann würde wohl der GigaCube wieder in Gebrauch genommen werden. Könnte ihm eine Verstärkerantenne vielleicht auch gut tun??? Gedacht, recherchiert, bestellt! Für LTE braucht man zwei Antennen und die sollten nun wirklich aufs Dach, sie sind auch nur 15cm hoch. Um eine neue Kabeldurchführung durchs Dach zu vermeiden, musste die Außeneinheit der Sat-Anlage nun doch abmontiert werden, damit der vorhandene Kabelschacht genutzt werden könnte. In Füssen gibt es einen Wohnmobilstellplatz mit Werkstatt und dort fuhr ich hin. Die Außeneinheit abbauen sei kein Problem, erfuhr ich, aber angelieferte Sachen montiert er nicht! Da habe er schlechte Erfahrungen gemacht. Nach einem kurzen Gespräch änderte er seine Meinung allerdings und wir machten einen Termin. Es entspann sich noch ein ganz typisches (Fach-)Mann/Frau-Gespräch über die Montage der Antennen, in dem die weiblichen Argumente (meine) nicht gelten gelassen oder erst gar nicht verstanden wurden. Aber das kenne ich/kennen wir ja schon und da muss frau einfach freundlich, aber penetrant bleiben. Zwinkerndes Smiley

LTE-Antennen Am Werkstatttag war die Außeneinheit so schnell abgebaut, dass ich noch nicht einmal vom Bett durch das Heki auf dem Dach war, um zuzuschauen. Als Uschi dann auch noch auf dem Dach auftauchte, bekam der Werkstattmensch Magenschmerzen. Wenn etwas passieren würde, bekäme er ein Problem mit seiner Versicherung! Wir versicherten ihm, dass es für uns normaler Alltag sei, auf dem Dach herumzulaufen und dass keine von uns herunterfallen würde. Da er selbst auf einer langen Leiter stand, reichten seine Arme in der Folge nicht überall hin und nachdem er gemerkt hatte, dass wir uns nicht ganz dumm anstellen im Umgang mit Werkzeug, war das Eis gebrochen. Für die Montage der Antennenhalterung konnten zwei der Befestigungsschrauben auf der verklebten Grundplatte für die abmontierte Außeneinheit genutzt werden. Nur mit der Kabeldurchführung klappte es nicht so, wie ich das gedacht hatte. Der Kabelschacht, durch den außerdem die Leitungen zu den Solarplatten laufen, war mit Silikon zugekleistert. Keine Chance, das alte Antennenkabel da herauszuziehen, geschweige denn zwei weitere Kabel durchzuführen. Ich redete Oscarlotta gut zu, dass das Bohren gar nicht weh tun würde, Uschi maß innen, ich oben und dann kam der Bohrer zum Einsatz. Vorteil: Die neuen Kabel kommen jetzt nicht im Kleiderschrank beim Receiver aus der Decke, sondern direkt im ehemaligen Fernsehschrank, wo auch der GigaCube steht. Der verfügt übrigens natürlich über die zwei notwendigen Antennenbuchsen, deren Standard aber (auch natürlich!) nicht derselbe ist wie der der Antennenkabel. Es mussten also noch zwei Adapterkabel besorgt werden! Ausprobiert habe ich das Ganze noch nicht, weil dann ja der Monatspreis bei Vodafone anfallen würde. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass alles funktionieren wird!

DVB-T2 Und weil ich jetzt so schön in Fahrt war, habe ich mir gleich noch einen DVB-T2 Stick samt Verstärkerantenne gekauft!!! Letztere wieder für innen, denn noch einmal bohren wollte ich Oscarlotta nicht zumuten. Da ist sie dann doch ein Mädchen! Prinzessin

Während der letzten Monate habe ich festgestellt, dass das Fernsehen oder Videos anschauen auf dem Laptop viel schöner ist als auf meinem alten 15-Zoll-Fernseher, der noch nicht HD-fähig und gut 2,50m von mir entfernt war. Natürlich hätte ich mir einen neuen kaufen können, aber mehr als 15 Zoll passt in mein Fernsehfach nicht hinein und einen größeren kann ich nirgendwo wirklich geschickt anbringen/aufhängen. Der Laptop steht einsatzbereit ständig auf meinem Tisch und das Bild ist brilliant. Und wenn man direkt davor sitzt, reichen sogar weniger als 15 Zoll! Jede Schweißperle, jede Falte, jede schlecht gepuderte Stelle im Gesicht eines Schauspielers ist jetzt zu sehen, Smiley mit geöffnetem Mund jeder Untertitel, jede Einblendung und, viel wichtiger, Naturdokumentationen sind jetzt eine wahre Freude! Nein, ich will eigentlich nichts anderes mehr, als über meinen Laptop oder alternativ bzw. parallel über mein Tablet fernzusehen. Ich denke, dass das der Standard der Zukunft sein wird, fernsehen über Internet (IPTV). Es gibt ja jetzt schon dermaßen viele verschiedene Möglichkeiten und Anbieter, kostenfrei und kostenpflichtig, dass man schon fast den Überblick verliert. Man ist nicht mehr auf die fixen Sendetermine angewiesen, kann jederzeit unterbrechen, wiederholen, so oft man möchte und auch speichern. Sendung verpasst? Gibt es nicht mehr! Und die Größe des Monitors kann ja jeder so für sich heraussuchen, wie es seinen Wohnverhältnissen und Vorlieben entspricht. Schöne neue Welt!? Regenbogen

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Schuhe, nichts als Schuhe

 

Den ganzen letzten Winter und den ganzen Sommer hatte ich es vermieden, ein bestimmtes Fach im Zwischenboden zu öffnen. Dort lagerten Schuhe, die ich nur selten trage. Jetzt aber brauchte ich meine Wanderschuhe und nachdem ich sie in der Heckgarage nicht fand, war klar, dass sie in besagtem Fach sein würden. Allerdings in welchem Zustand, war nicht klar! Stichwort Mäuse!!! Im Frühsommer hatte ich die Heckgarage gesäubert, ausgemistet und umgeräumt und dabei ein paar weitere Mausespätfolgen entdeckt. Zum einen die Dose, in der immer Hundeleckerli für Nachbar- und Besuchshunde sind bzw. waren. Mäuse haben offenbar viel Hunger, viel Zeit und viel Geduld…

HundeleckerlidoseHundeleckerlidoseHundeleckerlidose

Wem die ganze Mäusestory entgangen ist oder wer sich noch einmal amüsieren möchte, einfach „hier“ klicken. Smiley mit geöffnetem Mund

Zum anderen fand ich ein weiteres Paar Schuhe, in denen Wintervorräte angelegt worden waren! Die Schuhe waren zum Glück verschont geblieben.

WintervorräteWintervorräteWintervorräte

Meine Befürchtung war, dass die Mäuse durch das Tunnelsystem im Doppelboden auch den Zugang zum Schuhfach gefunden hatten und irgendwie wollte ich das gar nicht wissen. Aber nun musste es wohl sein und schon der erste Taschenlampenstrahl bestätigte mein unbehagliches Gefühl! Einen angenagten Schuh nach dem anderen beförderte ich mit spitzen Fingern ans Tageslicht und durch die offene Tür gleich ins Freie. Bei dem einen Paar waren beide Schuhe beschädigt, bei dem anderen nur ein Schuh und der andere war unversehrt. Das nützte mir aber auch nichts! Ein Schuh war randvoll gefüllt mit Grünkern, den ich auf der anderen Seite des Mobils im Außenstaufach gelagert hatte, in seiner Originalverpackung und nicht in einer Plastikdose. Von insgesamt sieben Paar Schuhen waren nur zwei Paar komplett verschont geblieben, ein Paar Gummistiefel und meine Wanderschuhe! An denen waren nur die Schnürsenkel angeknabbert. Trauriges Smiley

SchuhschädenSchuhschädenSchuhschädenSchuhschäden

Jetzt hatte ich ein fast leeres Fach. Was tun? Neue Schuhe kaufen oder es mit anderen Dingen füllen? Ich freute mich, dass die Wanderschuhe noch tragbar waren. Die besaß ich zwar schon ca. 15 Jahre und hatte sie nicht sehr oft getragen, aber in ihnen hatte ich immer gut auch längere Strecken laufen können. Ich probierte meine Orthese in ihnen, merkte aber sofort, dass das nicht funktionieren würde.

Am nächsten Tag wollten wir mal wieder um den Weißensee laufen, knapp 7km. Es war sehr sonnig und noch richtig warm. Ich wollte den weniger schönen Teil der Strecke, auf Schotter und an der Straße entlang, zu Beginn laufen und dann, quasi als Belohnung, direkt am See entlang über Stock und Stein im Schatten durch den Wald zurück. Uschi war einverstanden. Der Schotterweg zog sich, die Sonne brannte, das Laufen ohne Orthese war, sagen wir mal, mühsam. Nach einer halben Stunde waren wir am Ende des Sees angekommen, auf der einzigen Bank saßen schon Leute, aber ich brauchte dringend etwas zu trinken. Die nächsten Bänke würden erst im Wald kommen und bis dahin war es noch ein ganzes Stück die Straße zum Parkplatz entlang. Und erfahrungsgemäß waren die ersten Bänke auch immer voll. Also steuerte ich auf das Geländer der kleinen Brücke über dem Bachzulauf zum See zu. Wenigstens anlehnen und eine kleine Pause einlegen! Bei den letzten Schritten merkte ich, dass an meinem rechten Schuh irgendetwas anders war. Ein prüfender Blick ergab, dass sich die Sohle fast vollständig gelöst hatte! Darunter waren nur noch Brösel und Hohlräume! So konnte ich unmöglich weitergehen. Am linken Schuh war es noch nicht ganz so schlimm, aber das hätte auch nicht mehr lange gedauert. Uschi nahm die Autoschlüssel und ging den gleichen Weg wieder zurück. Ich setzte mich auf eine Wiese neben der Straße und wartete eine gute halbe Stunde, bis sie mich aufsammelte. Das war es dann mit der Weißensee-Umrundung! Eine halbe Stunde Schotterweg und keine (Wald-) Belohnung! Die wollten wir uns dann in Form von Kaffee und Kuchen in unserem Stellplatzlokal holen, aber die Idee hatten viele andere Menschen auch, es war alles voll, zumindest draußen. Drinnen sitzen wollten wir nicht und auf die Idee, uns einfach Kuchen mitzunehmen, kamen wir nicht!

Am Tegelberg hatte ich meine MBT-Schuhe angehabt, die mit der Orthese gut kooperierten, aber durch ihre runden Sohlen nicht perfekt geeignet sind für unwegsames Gelände bergab. Außerdem zeigten sich bereits einige Abnutzungsspuren an den Seiten der Sohlen (!). Ich würde mir wohl neue Wanderschuhe kaufen müssen. Da ich mich von den ansonsten noch guten MBT-Schuhen aber noch nicht trennen wollte, suchte ich im Netz nach einem Schuhmacher und entschied mich für einen mit dem für einen Schuster lustigen Namen Kleber. Er sollte sich in der Nähe unseres Lieblingscafés befinden, ca. 10km vom Stellplatz entfernt. Also zwei Fliegen mit einer Klappe! Zwinkerndes Smiley An der angegebenen Adresse war kein Schuhmacher zu finden. Ich fragte eine junge Frau mit Kinderwagen, der sagte der Name Kleber tatsächlich etwas und sie beschrieb uns genauestens den Weg in den Nachbarort. Dort sollten wir noch einmal fragen. Ja, da vorne das Haus mit den Solarplatten, sagte der Bauer im offenen Stall. Ich fuhr in die Einfahrt. Kein Hinweis auf eine Schuhmacherwerkstatt. Ich klingelte und fragte nach dem Schuhmacher Kleber. Ja, da fahren Sie zu meiner Hofeinfahrt wieder hinaus und in die nächste hinein, bekam ich freundlich zu hören. In der nächsten Einfahrt ebenfalls kein Schild. Aber auf einer Bank in einem winzigen Gemüsegärtchen saß ein alter Mann, sicher weit über 80! Ich suche den Schuhmacher Kleber? Ja, das sei er! Vorsichtig fragte ich, ob er noch aktiv sei? Gelegentlich, war die Antwort. Ob er sich wohl meine Schuhe ansehen würde? Ja, das wollte er, aber als er sie in Augenschein nahm, war sein Urteil, das würde wohl nichts mehr. Aber irgendwie war sein Ehrgeiz wohl doch geweckt worden und wir einigten uns darauf, dass er es versuchen wolle. Aber sicher wäre er sich nicht und er würde auch keine Garantie übernehmen. Ich fragte, was es denn wohl voraussichtlich kosten würde, denn allzu viel wollte ich natürlich bei solchen vagen Aussagen nicht mehr investieren. Zehn Mark, war die Antwort und es war klar, dass er sich nicht versprochen hatte. Okay, es dürften auch 15 werden, sagte ich, die Begriffe Euro und Mark vermeidend. Wann ich denn wieder vorbeikommen könne? Egal, er sei immer da, nur am nächsten Wochenende nicht. Ich könne morgen kommen. Nein, nein, so eilig sei es nicht, er solle sich ruhig Zeit lassen, ich käme dann Anfang der nächsten Woche.

Am nächsten Dienstag fand ich ihn im Haus in seiner winzigen Werkstatt. Mit dem Öffnen der Tür war ich in einer anderen Welt! Dieser Raum hatte sich in den letzten mindestens 60 Jahren wohl kaum verändert. Herr Kleber saß auf seinem Arbeitshocker und nagelte einen Absatz an einen abgelatschten Schuh. Meine Schuhe standen fertig auf dem Boden und sahen recht gut aus. Das würde aber nicht lange halten, erfuhr ich. Aber das haben Sie doch gut hingekriegt, warf ich ein. Nein, das wird nichts mehr, erwiderte er. Er hatte zwar innen noch ausgefüttert, aber an einen dauerhaften Erfolg glaubte er trotzdem offenbar nicht. Mir gefiel es in dieser Werkstatt und mich berührte dieser alte Mann auf eigentümliche Art. Ich setzte mich unaufgefordert neben ihn auf einen gepolsterten Hocker und fragte, ob ich ein Foto von ihm vor seiner Werkbank machen dürfte. Ach nein, kein Foto von ihm. Aber von seiner Werkbank und den anderen alten Sachen? Ja, das durfte ich.

SchuhmacherwerkstattSchuhmacherwerkstattSchuhmacherwerkstattSchuhmacherwerkstattSchuhmacherwerkstattSchuhmacherwerkstattSchuhmacherwerkstatt

Wie lange er denn schon hier arbeiten würde? Die Frage verstand er falsch und meinte, dass er immer dann arbeitet, wenn ihm jemand etwas gebracht habe. Und zeigte mir mit spürbarem Missfallen, was die Menschen ihm so vorbeibrachten und offenbar konnte er da genauso wenig nein sagen wie bei mir. Ich stellte meine Frage anders noch einmal. 1938 habe er die Lehre angefangen, erfuhr ich jetzt. Ob es ihm denn immer noch Spaß mache? Na ja, was heißt Spaß, es vertreibe eben die Langeweile. Ich wollte dann wissen, was ich ihm schuldig sei. Nichts, war die Antwort. Das ging natürlich gar nicht, ich sagte, dass er ja schließlich Zeit und Kleber Laut lachen aufgewendet habe und hielt ihm einen 20-Euro-Schein hin. Umständlich kramte er ein winziges Portemonnaie aus seiner Hosentasche und fingerte einen 10-Euro-Schein heraus. Dann wollte er noch einmal hineingreifen, aber ich protestierte vehement. Na, er hätte mir eigentlich noch einen 5-Mark-Schein geben wollen, hörte ich. Nein, den wollte ich nicht! Nicht nur diese Werkstatt, sondern offensichtlich auch die Preise waren ein Relikt aus dem vorigen Jahrhundert. Ich verabschiedete mich, bedankte mich noch einmal und wünschte ihm alles Gute! Und fuhr mit einem sehr umfangreichen Gefühlsspektrum und meinen reparierten Schuhen nach Hause.

Passend zum Thema gehen liebe Grüße nach Bochum-Eppendorf!!! Herz

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Das Tegelberg-Desaster

 

Wir wollten noch einmal auf einen Berg! Zugspitze? Zu weit und zu teuer. Alpspitz? Waren wir schon. Breitenberg? Kein Lokal dort oben. Tegelberg? Tegelberg! Rauf zu Fuß dauert 4-5 Stunden und das war selbst Uschi zu viel. Also fuhren wir ganz gemütlich mit der Kabinenbahn und hatten dabei einen tollen Ausblick auf das nebenan liegende Schloss Neuschwanstein. Der „Kini“ wusste schon, wo es schön ist! Oben angekommen dann die erste Überraschung: Schnee!!! Erstauntes Smiley Die Nacht zuvor war kalt gewesen und hier oben hatte es tatsächlich geschneit, deutlich erkennbar an den Schneeresten auf der Aussichtsterrasse. Ein skurriler Anblick (im September). Jetzt schien aber wieder die Sonne und man konnte, mit leichter Jacke, wunderbar draußen sitzen. Das taten wir und genossen bei einem Kaffee die herrliche Aussicht auf 1700m.

TegelbergbahnDer 1. Schnee!!!Der 1. Schnee!!!TegelbergTegelbergTegelbergTegelbergTegelbergTegelbergTegelbergTegelberg

Der Forggensee war endlich wieder voll Wasser und nicht mehr die braune Schlammwüste, die er den ganzen Sommer lang gewesen war. So sah er eindeutig sehr viel schöner aus! Der See rechts im Vordergrund ist übrigens der Bannwaldsee und hinten links sieht man den Hopfensee (siehe auch die Karte).

TegelbergÜbersichtskarte

Schneemännlein Für einen kurzen Zeitraum war auch dieser nette kleine Geselle zu sehen, dann wurde es ihm zu warm! Smiley mit geöffnetem Mund

Die zweite Überraschung war, dass der Abstieg bis zur Talstation 2 1/4 Stunden dauern sollte! Da hatte Uschi vorab wohl eine falsche Information erhalten. Was tun? 2 1/4 Stunden sind für mich schon eine Herausforderung, zumal ich völlig untrainiert war. Alternativ hätte ich mit der Bahn wieder nach unten fahren können, hätte dann aber mindestens 2 Stunden auf Uschi warten müssen. Und eigentlich wollte ich auch gerne laufen, hatte geeignete Schuhe an, in denen ich auch meine Orthese tragen konnte und unsere Walkingstöcke hatten wir auch dabei. Ich beschloss, es zu wagen! Zunächst ging es auch wirklich gut, auch wenn wir nicht annähernd so schnell unterwegs waren wie die jungen Leute, die uns bergab joggend überholten, auf Schotterwegen mit Stufen. Okay, okay, wir sind inzwischen ein paar Jährchen älter, aber ein wenig schmerzt es doch, wenn man darüber nachdenkt, dass man auch einmal so flott unterwegs war. Enttäuschtes Smiley Es kamen uns auch einige Menschen allen Alters entgegen, und auch wenn es heißt, dass das bergab Gehen schlechter für die Gelenke sei, so würde ich es jederzeit vorziehen, weil es weniger anstrengend ist. Die erste Stunde lief super, es gab über lange Strecken Stufen, die Stöcke halfen, das Gleichgewicht zu halten und sich abzustützen und an besonders schönen Stellen standen Bänke zum Ausruhen. Zu trinken und ein paar Kekse hatten wir auch dabei.

TegelbergTegelbergTegelbergTegelbergTegelbergTegelbergTegelbergTegelberg

Dann fing es aber für mich langsam an, anstrengend zu werden und nach 1½ Stunden wäre es gut gewesen, wenn wir unten gewesen wären. Da hatten wir aber erst ca. die Hälfte der Strecke geschafft! Eine Mittelstation gab es leider nicht, das wussten wir aber vorher schon, also blieb mir nichts anderes übrig, als weiterzumarschieren. Das ging die nächste halbe Stunde noch einigermaßen und danach beschloss mein linkes Bein, den Dienst zu quittieren. Die restliche Strecke war eine Katastrophe! Ohne meine Stöcke wäre gar nichts mehr gegangen, aber auch so war es reinste Quälerei. Im Rhythmus von 10 Schritte mehr humpeln als gehen und kurz stehenbleiben ging es Meter für Meter weiter bergab und dem Ziel entgegen. Ich hatte keinerlei Probleme mit meinen Schuhen und auch nicht mit der Orthese, die in diesen Schuhen zum ersten Mal anstandslos funktionierte, aber mein linkes Bein fühlte sich an, als ob es nicht zu mir gehören würde und es scherte sich nicht mehr um die Befehle, die es vom Gehirn bekam. Und als ob das nicht schon gerade genug wäre, schmerzte mein rechtes Knie bei jedem Schritt. Uschi alleine wäre zu diesem Zeitpunkt schon längst wieder an der Talstation und somit bei Flitzi gewesen. Inzwischen liefen wir bzw. Uschi lief und ich humpelte auf einer Teerstraße, die aber nicht für den öffentlichen Verkehr freigegeben war, sondern lediglich dazu diente, die auf halber Höhe liegende Rohrkopfhütte zu bewirtschaften. Die hatten wir schon passiert und gesehen, dass sie bereits geschlossen war. Und trotzdem sahen wir plötzlich einen PKW, der vom Tal heraufgefahren kam und etwa zweihundert Meter vor uns stehenblieb. Uschi gab Gas! Als ich schließlich auch bei dem Auto angehumpelt kam, hatte Uschi schon mit dem Fahrer vereinbart, dass er mich bei seiner Rückfahrt mitnehmen würde. Er hatte Grüngut abgeladen. Es waren dann nur noch ca. 500 Meter bis zum Parkplatz, aber ich war heilfroh, dass ich die nicht mehr laufen musste!!! Mit ihm wäre es auf jeden Fall preiswerter als mit der Bergwacht, meinte mein „Retter“. Kurze Zeit später war Uschi auch da. Der Blick hoch zur Bergstation machte dann sehr eindrücklich klar, welche Distanz wir überwunden hatten und ich konnte fast nicht glauben, dass wir das wirklich bewältigt hatten. Immerhin 800 Höhenmeter!

TegelbergTegelbergTegelberg

Tegelberg Aber klar war auch, noch einmal mache ich das nicht!!! Ich bin zwar Steinbock, also ja eigentlich bergtauglich, aber auch Steinziegen werden offenbar mit zunehmendem Alter langsamer, lahmer und weniger trittsicher. Also entweder oben bleiben oder unten, rauf und runter wie die jungen Hüpfer ist nicht mehr! Trauriges Smiley Die nächsten Tage blieb ich unten, konnte mich aber trotzdem kaum bewegen: Muskelkater vom Feinsten!!!

written by Ingrid
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Und dann noch Nesselwang…

 

Viehscheid ist die fünfte Jahreszeit im Allgäu, so wie der Karneval im Rheinland. Entsprechend voll sind die Wohnmobilstellplätze und vermutlich auch die Hotels und Pensionen. Der Stellplatz in Pfronten-Weißbach war quasi doppelt belegt. Gut, dass man Wohnmobile noch nicht stapeln kann! Viehscheid und Weihnachten, das sind die Termine, wo einfach Ausnahmezustand herrscht. Nachdem der Stellplatz bis auf den letzten Platz belegt war, wurden die weiterhin wie an der Perlenschnur anreisenden Wohnmobile auf dem Firmengelände aufgereiht und schließlich standen sie auch im gesamten Wendehammer am Ende der Straße. Es wurde sonntags etwas besser, aber nur, um donnerstags wieder loszugehen. Am Wochenende nach dem Viehscheid in Pfronten war Nesselwang an der Reihe. Wir hatten inzwischen Besuch bekommen und so fuhren wir am Viehscheid-Samstag dort hin, per Smart und per Rad. In Nesselwang war die Ankunft und Aufteilung der Rinder an den Parkplätzen der Alpspitz-Seilbahn vorgesehen und dort war auch das große Festzelt aufgebaut. Der Wohnmobilstellplatz liegt gleich nebenan, natürlich war auch er übervoll. Deswegen standen etliche Wohnmobile zwischen den PKWs und es sah so aus, als ob sie dort auch über Nacht stehenbleiben und geduldet würden. Platzeinweiser sorgten für einen reibungslosen Ablauf und obwohl wir recht früh dran waren, war der riesige Parkplatz schon gut gefüllt. Wir reihten uns ein und suchten uns einen Stehplatz hinter dem Lift zur Sommerrodelbahn. Dort würden die Herden entlangkommen, irgendwann demnächst. Und damit würde ihr schönes Sommerurlaubslebensgefühl der letzten 100 Tage auf saftigen Alpwiesen leider zu Ende gehen. Wenn sie Glück haben, hat ihr Bauer rund um seinen Hof Weideflächen, auf denen sie noch draußen sein können, bis der Winter da ist.


 
Wie schon in Pfronten hörte man sie, bevor man sie sah! Und sie kamen alle gleichzeitig, an die hundert Tiere. Um die Kontrolle nicht zu verlieren, bevor sie auf die wartenden Menschen am Wegesrand stießen, ließ man alle ankommenden Rinder zunächst auf eine große abgezäunte Weide laufen. Das war ein kluger Schachzug! Dort konnten sie sich im Wortsinne erst einmal „auslaufen“.

Dann durfte die einzige Kranzkuh sich in ihrer vollen Schönheit zeigen! Wirklich wunderbar gestaltet war ihr Kopfschmuck, geflochten aus Zweigen, Blumen, Gräsern und Bändern und ich hoffe für sie, dass sie sich ihrer Schönheit und der Bewunderung bewusst war, denn angenehm war es mit Sicherheit nicht, diese riesige Krone über Stunden zu tragen. (siehe auch „hier“)

Kranzkuh

Danach wurden die Rinder, ungestüme Jungtiere, in Gruppen an uns Zuschauern vorbei nach unten zum Viehscheidplatz geführt. Auch hier hatten die Alphirten genug zu tun, um die Tiere in Schach zu halten und es war gut, dass in kurzen Abständen große Blumenkästen den Weg begrenzten. Das Braunvieh ist die älteste und immer noch verbreitetste Rinderrasse im Allgäu. Es heißt, dass es sich am besten an die klimatischen und landschaftlichen Bedingungen des Hochgebirges angepasst hat, dass es klug und schön ist. Letzteres können wir auf jeden Fall bestätigen! Nicht nur, dass ihm das gleichmäßig braune Fell in vielen Farbnuancen ausgezeichnet steht, sondern absolut bezaubernd sind die im Inneren hellen und im Sonnenschein an den Rändern durchscheinenden Öhrchen, die sanften großen Augen und das Haarbüschel über der Stirn. Zum Verlieben! Da kommt kein Tiroler Grauvieh mit, kein Schweizer Fleckvieh und auch nicht die schwarz-weißen Holsteiner.

Allgäuer BraunviehFleckvieh

Trotzdem sind die „Gscheckten“ auf dem Vormarsch und in Süddeutschland inzwischen die häufigsten Rassen. Das Braunviehrind mit seinen rund 600kg Lebendgewicht bei einem Stockmaß von etwa 1,40m wird vom Fleckvieh noch um 100kg übertroffen. Stiere können es sogar auf über eine Tonne bringen. Früher allerorten als Dreinutzungsrasse (Milchlieferant, Fleischproduzent, Arbeitstier) geschätzt, gelten Rinder heute zumindest hierzulande allenfalls noch als Zweinutzungsrasse und da ist gerade das Allgäuer Braunvieh ein typischer Vertreter, gleich gut geeignet als Milch- und Fleischlieferant. Die Milchproduktion weltweit führt allerdings die Holsteiner Rasse an. Während man um 1900 herum schon zufrieden war, wenn eine gesunde Kuh 1500 Liter Milch pro Jahr gab, hat man es durch Züchtung geschafft, dass eine Holsteinerkuh, früher als Schwarzbunte oder Rotbunte bekannt, es auf durchschnittlich 10000 Liter im Jahr bringt. In der Massenabfertigung gehen bis zu 16000 Liter! Diese Kühe werden allerdings nicht alt. Im Allgäu gibt man sich mit 8000 Litern pro Jahr zufrieden, wobei dies, mit früher verglichen, schon eine gewaltige Differenz ist. Insbesondere Zuchtkritiker und Tierschützer führen an, dass Züchter die Leistung von Kühen in den vergangenen 100 Jahren stärker vorangetrieben haben als Ingenieure die Motorisierung von Automobilen. Erstauntes Smiley

Das Video zum Text (3:24 Minuten):


 
Viehscheid Nesselwang Der Viehscheidplatz war im Hof der Freiwilligen Feuerwehr und um einiges kleiner als in Pfronten. Das „Abschellen“ geschah auf dieselbe Weise, vorher gab es aber noch eine offizielle Ansprache, in der auch darum gebeten wurde, mit Mountainbikes doch bitte auf den Wegen zu bleiben und nicht kreuz und quer über die Alpwiesen zu fahren. Hier in den Bergen sieht man kaum noch ein Mountainbike ohne Elektroantrieb und zumindest die Touristen scheinen sich nicht an die Regeln zu halten. Da sie mit Motor überall dort fahren können, wo es ohne nicht mehr möglich wäre, tun sie es auch.

Viehscheid Nesselwang

Die Kranzkuh konnten wir dann noch ganz aus der Nähe bewundern! Und auch ihr “Kälbchen”! Zwinkerndes Smiley

KranzkuhKranzkuhKranzkuhKranzböckchen

Nachdem ihnen die Schellen abgenommen worden waren, wurden die meisten Rinder fein säuberlich aufgereiht an Holzbalken festgebunden, immerhin mit Blick auf Gras, aber auch hier ohne Wasser zum Trinken, und mussten warten, bis ihr Transportanhänger da war.

Viehscheid NesselwangViehscheid NesselwangViehscheid Nesselwang

Viele davon passten gleichzeitig nicht auf den Feuerwehrhof. Und einige Wagen waren so hoch, dass die Rampe dermaßen steil war, dass die Rinder echte Schwierigkeiten hatten, die Ladefläche zu erreichen. Wir haben nicht verstanden, wieso man nicht eine doppelt so lange Rampe anlegen kann, die auf der Hälfte einfach noch einmal von unten abgestützt wird. Es spielten sich richtige Dramen ab, weil einigen Rindern schon beim ersten Versuch die Vorderläufe wegknickten und sie, sicher ziemlich schmerzhaft, auf die Knie fielen. Und da kaum ein Rind freiwillig und unerschrocken die Rampe in Angriff nahm, wurde gezerrt, geschoben und leider auch geschlagen. Das war NICHT schön anzuschauen und eine Frau wurde richtig laut und beschimpfte den Bauern als Tierquäler. Der war sowieso schon sichtlich gestresst und zerrte sie ziemlich grob von seiner Rampe, auf die sie sich begeben hatte, wieder herunter. Die Frau, nicht die Kuh! Das war dann auch der Zeitpunkt, an dem wir gingen. Schade, es gab der ansonsten schönen Veranstaltung einen leicht faden Nachgeschmack. So viel Aufwand mit dem Alpabtrieb auch getrieben wird, so sind die Rinder letztendlich eben doch bloß Ware. Enttäuschtes Smiley

Viehscheid NesselwangViehscheid Nesselwang

Ein kleines, nettes Fachbegriffe-Lexikon für Interessierte gibt es „hier“ und dann natürlich noch das Video zum Text (3:54 Minuten):


 
written by Ingrid
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Viehscheid in Pfronten

 

Was Viehscheid bedeutet und welche Programmangebote in den jeweiligen Orten drumherum stattfinden, hatte ich ja „hier“ schon berichtet. Uschi erlebte den Alpabtrieb in Oberstdorf und lieferte ein nettes Video bei mir ab (wer es noch nicht gesehen hat, kann „hier“ klicken) und ich ging hier in Pfronten zum Viehscheid. Es gab zwei Zeitangaben, einmal um 9 Uhr für das Eintreffen des Alpviehs aus dem Achtal und einmal um 10 Uhr für die Herden aus dem Vilstal, jeweils am Festplatz, wo auch der eigentliche Viehscheid stattfinden sollte. Insgesamt wurden ca. 400 Tiere von 7 Alpen erwartet. Da ich ja bekanntermaßen kein Frühaufsteher bin, entschied ich, dass 10 Uhr für mich früh genug sein würde. Da ich aber auch jemand bin, der alles möglichst gründlich/umfassend erledigt/abhandelt/besichtigt, stellte ich meinen Wecker dann doch auf viertel nach sieben (!!!). Zu wenig Schlaf würde ich ohnehin bekommen, da kam es dann auf eine weitere Stunde auch nicht mehr an. Smiley mit geöffnetem Mund Und diese Entscheidung sollte sich als sehr gut herausstellen!

Viehscheid Um halb 9 war ich an der Ausfallstraße Richtung Achtal, fand einen Parkplatz für Flitzi und suchte mir einen Platz an der Straße, von wo aus ich gut filmen konnte. Ich war an bereits wartenden Menschen am Straßenrand und aufgebauten Bierzeltgarnituren vorbeigekommen, ich war also offensichtlich richtig. Aber auch kurz vor 9 fuhren noch immer Autos durch und Menschen liefen an mir vorbei in die Richtung, aus der ich gekommen war. Sollte die Herde etwa gar nicht über diese Straße laufen und deswegen wurde sie auch nicht gesperrt? Ich ging zurück, bog in eine kleine Seitenstraße ein und dann hörte ich sie auch schon! Mein iPhone hatte ich zum Glück schon aktionsbereit in der Hand und es war keine Sekunde zu früh. Flotten Schrittes kamen drei fesche Alphirten, traditionell gekleidet in Lederhosen und weißen Hemden, um die Kurve, gefolgt von sieben sehr entspannten Rindern, Braunvieh, die am weitesten verbreitete Rinderrasse im Allgäu (und die hübscheste, wie wir finden!). Ich lief den Rindern nach. Hinter der nächsten Straßenecke, bevor es auf die inzwischen in Richtung Fest- und Viehscheidplatz gesperrte Hauptstraße ging, waren die Tiere gestoppt worden und hatten sich, wie es für Kühe wohl normal ist, nebeneinander an einem Zaun aufgereiht, so, als ob sie in ihrem Stall wären. Sie ließen keinerlei Ungeduld oder Unbehagen erkennen und im Nachhinein denke ich, dass sie keine Herde für sich darstellten, sondern aus einer großen Herde bewusst ausgewählt wurden, weil sie so besonders cool waren. Verliebt

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Es dauerte einige Minuten, dann hatte sich eine Musikkapelle formiert und auf Kommando setzten sich die coolen Kühe wieder in Bewegung und trabten hinter der Musik her.

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In meiner Unwissenheit dachte ich, dass es das schon war und ich wäre nicht einmal enttäuscht gewesen. Nach ein paar Schritten in Richtung Festzelt bemerkte ich aber, dass die meisten Menschen am Straßenrand stehenblieben und schloss daraus, dass noch mehr Rinder kommen würden. Ich ging also in die kleine Seitenstraße zurück und stellte mich an eine Hausecke. Hinter mir war der Eingangsbereich des Hauses, in den ich zur Not zurückweichen könnte. Das wurde schneller nötig, als ich gedacht hatte. Es dauerte noch eine Weile, aber dann kamen nicht nur sieben Rinder, jetzt kam eine richtige Herde! Ein unglaubliches Getöse war zu hören, lange bevor die ersten Tiere zu sehen waren! Die Hirten hatten alle Hände voll zu tun, um die übermütigen Jungrinder mit ihren langen Stöcken in Schach zu halten. Die wollten nämlich rennen! Und sie rannten direkt auf mich zu!!! Blitzschnell verschwand ich im Eingangsbereich und schaffte es trotzdem, weiterzufilmen (ein kleiner Ruckler kennzeichnet die Stelle im Video). Erst viel später merkte ich, dass das Rind, dass mir direkt vor die Füße gekackt hatte (im Video zu sehen), mich bis auf Hüfthöhe vollgespritzt hatte!!! Erstauntes Smiley Aber so ist das halt, wenn man so nahe am Geschehen ist!

Video zum Text (4:49 Minuten)


 
Jetzt setzten sich alle Zuschauer in Bewegung und ich mich auch. Bald war kein Weiterkommen mehr, in der Nähe des Festplatzes waren die Straßenränder schon voll mit Besuchern, Einheimischen wie Touristen. Es war erst halb 10! Ich positionierte mich in weiser Voraussicht hinter einem Felsbrocken. Vor mir standen zwar andere Leute, aber die würden schon noch verschwinden, wenn die Herde genau hier um die Kurve muss. Ein Mann berichtete über Mikrofon und Lautsprecher einiges Wissenswerte rund um die alte Tradition der Alpabtriebe, über das Leben der Rinder und der Hirten auf den Alpen und wie es sich im Laufe der Zeit verändert hat und er sagte, dass es dieses Jahr nur wenige Kranzkühe geben würde, weil es nur auf wenigen Alpen keine Unfälle, Krankheiten, Todesfälle gegeben habe. Noch in der allerletzten Woche sei auf einer Alpe, auf der den ganzen Sommer lang nichts passiert war, ein Rind vom Blitz getroffen worden. Das ist bitter für die Alphirten, die es sicher als krönenden (im wahrsten Sinne des Wortes) Abschluss ihrer aufopferungsvollen Sommertätigkeit gesehen hätten, eine mit einer wunderschön gearbeiteten Krone geschmückte Kranzkuh ins Tal zu führen. Aber obwohl die Bedingungen heute sicherlich um einiges besser sind als in früheren Zeiten, so sind die Gefahren durch Unwetter und Steinschläge oder Abstürze sowie Pflanzenvergiftungen nicht kalkulierbar. Trauriges Smiley

Und dann kamen die Herden aus dem Vilstal! Wieder war schön zu beobachten, wie unterschiedlich Rinder vom Temperament her sind. Die einen gelassen, fast schon stoisch, die anderen übermütig, ungestüm, ungeduldig, vielleicht auch gestresst. Wenn man uns Menschen solche riesigen Schellen und Glocken umhängen würde, die bei der kleinsten Bewegung direkt unter dem Kinn einen Höllenlärm veranstalten, möchte ich nicht wissen, was passieren würde! Ich glaube, ich würde mich weigern, mich auch nur einen Zentimeter zu bewegen, wenn ich Kuh wäre. Aber die Kuhhirten haben diese blöden langen Stöcke und die möchte wohl keine Kuh auf Nase oder Hinterteil spüren und deswegen bewegen sie sich dann doch. Die einen schicksalsergeben, die anderen wollen es so schnell wie möglich hinter sich bringen. Und so hatten auch hier die Hirten wieder alle Hände (und Stöcke) voll zu tun, die Tiere um die Kurve und auf die Zielgerade zum Viehscheidplatz zu bringen. Das Hinterherlaufen glich einem Slalom, immer schön um die zahlreichen frischen Kuhfladen herum! Zwinkerndes Smiley

Das große Festzelt war schon gut gefüllt, bei Blasmusik und Bier würde es hier sicher bis in die frühen Morgenstunden lustig zugehen. Jetzt war es aber erst kurz nach 10 Uhr und erst für 14 Uhr war die Übergabe der Ehrenpreise an die Alphirten terminiert. Würde der/die (?) Viehscheid, also das Aufteilen der Rinder, so lange dauern? Es gab mehrere abgeteilte Koppeln, mit denen eine Vorauswahl getroffen wurde. Es war noch einmal sehr warm an dem Tag und auf keiner der Koppeln standen Wassertröge. Rinder haben eine Wohlfühltemperatur von 6-8°C, hatte ich vorher erfahren. Jetzt mussten sie stundenlang in der prallen Sonne herumstehen, immer noch die schweren, lauten Schellen um den Hals, ohne trinken zu können. Arme Rindviecher! Sie standen auf Gras, aber kein einziges Tier fing an zu fressen! Es legte sich auch keins hin. Einige Jungbullen bestiegen sich gegenseitig, einige Tiere blieben wie festgewurzelt immer auf der selben Stelle stehen, Speichel tropfte ihnen aus dem Maul, einige liefen von einer Seite der Koppel auf die andere und wieder zurück und weil das Rind ein Herdentier ist, liefen immer welche mit. Sie taten mir echt Leid! Enttäuschtes Smiley

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Auf der anderen Seite standen im freien Gelände eine Vielzahl von Treckern, Jeeps und anderen geländegängigen Zugfahrzeugen und Viehanhänger in allen Größen. Zwischen ihnen und den Koppeln waren mit Holzstangen schmale Durchgänge geschaffen worden. Hier begann die eigentliche Arbeit der Hirten. Vier bis sieben Rinder passten in diesen Durchgang, Siche genannt, der am vorderen Ende nur noch so schmal war, dass gerade ein Rind hindurchpasste. Aber erstmal mussten die Tiere hineingetrieben werden! Das funktionierte mal problemlos, mal schwieriger und auch mal gar nicht. Dann beschloss nämlich eine Kuh, trotz der Enge wieder umzudrehen und alle anderen liefen mit. Dem hatten selbst die Hirten nichts entgegenzusetzen, die Zuschauer amüsierten sich und man trieb eben ein paar andere Tiere hinein, öfter mit „sanfter“ Gewalt. Hatte man genügend Tiere in der Siche oder drohten sie rückwärts flüchten zu wollen, wurde blitzschnell hinter dem Hintern der letzten Kuh ein Strick gespannt. Vorne lag ein Holzbalken quer. Jetzt stiegen einige Hirten von außen auf die Holzzäune und nahmen den Tieren ENDLICH die Schellen ab. Die wurden weitergereicht und auf der Wiese gesammelt und nachdem man in ihrem Inneren die Initialen des Besitzers entdeckt hatte, wurden sie weggetragen. Die Schellen sind bestimmt ziemlich wertvoll mit ihren aufwändig geschmückten breiten Lederbändern und sie werden nur an diesem besonderen Tag benutzt.

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Bevor das jeweilige Rind einen Erleichterungsschnaufer tun konnte, hatte es schon von einem anderen Hirten einen Strick erst ums Maul verknotet bekommen, der dann einmal hinter den Ohren durch auf die andere Kopfseite gezogen und dort mit der „Maulschelle“ verknüpft wurde. Der nächste Hirte nahm den Strick der vordersten Kuh, der Trennbalken wurde kurz entfernt und die Kuh wurde aus dem Verschlag geführt. Wenn sie denn wollte! Die meisten wollten nicht. Ob sie wohl ahnten oder noch vom letzten Jahr wussten, dass jetzt die schöne Zeit in freier Natur und frischer Luft mit saftigem grünen Gras zu Ende war und sie die nächsten Monate im zwar warmen, aber beengten, Stall stehen und Heu fressen müssen? Beim Zusehen wurde mir sehr klar, woher der Begriff „störrisches Rindvieh“ kommt! Zwinkerndes Smiley Und wenn so ein Rindvieh nicht will, hat auch der kräftigste Alphirte keine Chance! Es wurde gezogen, es wurde geschoben, oft beides gleichzeitig und es wurden auch „schlagende Argumente“ eingesetzt. Und so manches Rind zog den, der es führte, draußen erst einmal im Kreis herum. Nicht umgedreht! Aber natürlich gab es auch hier wieder Rinder, die gottergeben alles über sich ergehen ließen und sich brav an ihrem Strick zu ihrem Besitzer führen ließen. 

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Die Glück hatten, durften sofort auf die Anhänger, die zum Abtransport bereit standen. Das war aber auch schon die nächste Herausforderung. Vor der Ladefläche gab es Rampen! Und je höher der Anhänger, desto steiler die Rampe! Bestehend aus einer glatten Holzfläche mit ein paar Querlatten. Rinder müssen vier Füße koordinieren und vermutlich wissen sie nicht, dass die Querlatten dazu da sind, dass sie nicht abrutschen. Es ist also absolute Glücksache, ob die Kuh beim ersten Anlauf problemlos die Rampe heraufkommt. Zumal sie, aus welchen Gründen auch immer, gar nicht auf die Ladefläche will, vor allem nicht, wenn es da oben schon ziemlich überfüllt ist. Und ein Rind, dass sich beim ersten Versuch wehgetan hat, will verständlicherweise absolut keinen zweiten Versuch mehr unternehmen. Irgendwann war aber immer wieder irgendwo ein Anhänger gefüllt und die armen Tiere wurden endlich weggefahren. Dann entstand eine Lücke für den nächsten Transporter und das „Spiel“ ging von vorne los.

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Inzwischen war auch klar, warum die ganze Angelegenheit so zeitaufwändig ist. Seite an Seite waren Rinder mit ihren Stricken an Zäunen angebunden und warteten, an die Reihe zu kommen. Sie konnten einem schon wirklich Leid tun und irgendwann konnte ich es auch nicht mehr länger ertragen und verließ den Viehscheidplatz. Da war es schon 13 Uhr und es waren noch viele Tiere zu verladen. Die waren ja bestimmt teilweise schon seit 7 oder 8 Uhr unterwegs gewesen und hatten die ganze Zeit nichts zu trinken und nichts zu fressen bekommen. Obwohl – auch ich war ja schon so lange unterwegs und hatte weder etwas gegessen noch getrunken… Der Unterschied ist allerdings der, dass ich das selbst bestimmen konnte und die Rinder eben nicht. Da ging es allen Menschen besser, die brauchten nur ins Festzelt oder an einen der zahlreichen Bierwagen zu gehen.

Ich ging weder noch, sondern über den Krämermarkt, eine Tradition aus der Zeit, als die Rinder nach der Sommeralpzeit direkt auf dem Viehmarkt verkauft wurden. Sonthofen zählte schon im 19. Jahrhundert zu den bedeutendsten Viehumschlagplätzen des deutschen Alpenraumes. Von hier aus verkauften Bauern ihre besten Rinder bis nach Italien. Der Wert eines Weideviehs, das den Sommer über nichts als nahrhafte Bergkräuter zu sich genommen hatte, war schon damals bekannt. Viehmärkte waren zu allen Zeiten immer auch Krämermärkte. In der heutigen Zeit aber lange nicht mehr so interessant wie zu Zeiten des Mittelalters mit Gauklern und Badern und fliegenden Händlern. Und deswegen und weil mir inzwischen die Füße weh taten, ging ich zu Flitzi zurück und fuhr nach Hause. Müde, aber sehr begeistert von diesem alten Brauchtum, trotz allen Mitgefühls für die Rindviecher. Und ich war sehr froh, von Anfang an dabei gewesen zu sein!

written by Ingrid
photos and videos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.