Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

 
 
Weil das Wetter viel zu schön war, um gleich nach dem Dometic-Besuch wieder zum Stellplatz zurückzufahren, überlegte ich, was ich unternehmen könnte. Das Schloss Moritzburg war ganz in der Nähe und ich beschloss zu versuchen, dort einen Parkplatz zu finden. Das ist mit Oscarlotta ja immer etwas schwieriger, aber jetzt im Winter sollte es doch klappen. Der große Parkplatz kurz vor dem Schloss sah so aus, als ob mein Vorhaben erfolgreich sein würde und bei der Einfahrt stand dann sogar ein Hinweisschild auf Wohnmobilplätze im hinteren Bereich! Der hintere Bereich war schlammig und leer. Am Ticketautomaten war ein Zettel, dass er defekt sei und man bitte den am Sanitärhaus benutzen möge. Ich stellte Oscarlotta quer über drei Plätze, um einigermaßen sauberen Fußes aussteigen zu können. Es gab eine Stromsäule mit genau 4 Anschlüssen, für 10 ausgewiesene Plätze etwas wenig. Der Ticketautomat am Sanitärhaus wollte €10/Nacht, für einen Dreckplatz ohne alles etwas viel! Wie schön, dass ich meinen eigenen, kostenfreien Stellplatz in Boxdorf hatte! Im Schloss lief die Winterausstellung zum Kultfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Bereits im Januar 1973 wurden hier Teile des Märchenfilms als deutsch-tschechische Gemeinschaftsproduktion gedreht. Da es draußen zwar sonnig, aber kalt war, ging ich hinein.

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Sehr liebevoll gestaltet erstreckte sich die Ausstellung über mehrere Stockwerke. Zu sehen waren Originalkostüme, viele Requisiten, Schautafeln mir erklärenden Texten und originalgroße Nachbildungen der Protagonisten. Auch einen 20-minütigen Film konnte man sich anschauen, in dem auf humorvolle Art erklärt wurde, mit welchen Schwierigkeiten das Filmteam damals zu kämpfen hatte. Da war zum einen das Sprachproblem – die Pferde z. B. hörten nur auf tschechische Kommandos – und zum anderen lag, entgegengesetzt zum Drehbuch, kein Schnee. Man behalf sich mit pulverisiertem Styropor und Fischmehl, da es aber sehr windig war, verschwand beides relativ schnell wieder, nur der Fischgeruch nicht! Laut lachen

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Vor dem Raum, in dem es um die Filmproduktion ging, war ein verglastes Kassenhäuschen aufgestellt, in dem eine Kassiererin Zeitung las. Ich überlegte, ob sie wohl echt sein würde. Als ich näherkam, legte sie die Zeitung beiseite und lächelte mich an. Dann aber las sie ungerührt weiter. Ich hatte wohl eine Lichtschranke durchbrochen, wirklich sehr gut gemacht!

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

In der ehemaligen Schlossküche ist ein Café untergebracht und ein Souvenirshop und so gab es zum Abschluss noch lecker Kaffee und Kuchen.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

Link zum Film

weitere umfassende Infos für Liebhaber des Films

Zufrieden und satt machte ich mich auf die Suche nach einer LPG-Tankstelle. Bei der Firma Meinert hatte man mir eine Wegbeschreibung gegeben, also fuhr ich dorthin zurück und dann der Beschreibung nach. An einer Straßenkreuzung sollte ich Richtung Dresden fahren und am nächsten Kreisverkehr die zweite Abfahrt nehmen. Dann käme eine Jet-Tankstelle. Die Straßenkreuzung kam, das Hinweisschild zeigte geradeaus, aber ein Kreisverkehr kam nicht! Ich landete auf einer großen Straße und war schon in einem der Außenbezirke Dresdens. An einer roten Ampel konnte ich meine LPG-App befragen und die sagte mir, dass wenige hundert Meter weiter eine Tankstelle kommen würde. Es war Freitag Nachmittag und die Tankstelle war gut frequentiert! Zum Glück sah ich sofort, wo die LPG-Säule stand, es war die letzte von drei Spuren und ich hätte vorwärts hineinfahren müssen, da mein Gaskasten auf der Beifahrerseite ist. Hinter der Gastanksäule war aber noch eine normale Säule und dort stand schon ein PKW. Um den Anschluss auf der anderen Säulenseite nutzen zu können, musste ich drehen. Dafür war es aber zu eng. Ich rangierte Oscarlotta rückwärts in die Parkbox mit den Staubsaugern, damit ich nicht alles blockierte und beschloss zu warten. Ein älterer Mann betankte sein Auto und ging dann mühsam und entsprechend langsam zum Bezahlen. Genauso langsam kam er nach geraumer Zeit wieder zurück und es dauerte dann noch einmal recht lange, bis er seiner Frau sein Portemonnaie gegeben, sich hingesetzt und angeschnallt hatte. Ich hatte derweil meinen Motor gestartet und war schon so weit auf ihn zu gefahren, dass er noch gut vor mir herausfahren konnte. Und in dem Moment fuhr ein weiterer PKW hinter ihn und, sobald er weg war, an die nun freie Zapfsäule! Grrrrrr!!! Jetzt war es mir egal, ob ich die gesamte Tankstelle blockiere und ich fuhr Oscarlotta direkt vor den Neuankömmling und stieg aus. Eine Frau mittleren Alters betankte ihr Auto. Ich bemühte mich um einen neutralen Tonfall und sagte: „Das war jetzt aber nicht sehr freundlich von Ihnen!“ „Was?“ „Ja, ich wäre vor Ihnen dran gewesen. Ich stehe da schon eine Weile und will LPG tanken und habe nur gewartet, dass der alte Mann wegfährt.“ „Das kann ich doch nicht wissen!“ „Aber Sie haben doch sicher gesehen, dass ich schon mein Licht anhatte und da stehe, so klein ist mein Fahrzeug ja nicht, dass man es übersehen könnte und ich stehe ziemlich im Weg.“ Bevor sie etwas erwidern konnte, kam ihr Mann aus dem Shop, lief wortlos direkt an mir vorbei und gab seiner Frau ein Zeichen nach dem Motto, lass die Alte doch reden, kümmer dich einfach nicht darum. In solchen Momenten wünschte ich, ich hätte sizilianisches Temperament!!! Innerlich tobend setzte ich mich wieder auf meinen Fahrersitz. Als sie fertig war, gingen beide (!) in den Shop, anstatt dass einer den PKW schon mal weggefahren hätte. Irgendwann konnte ich dann endlich an meine Säule vorfahren und da sie ja rückwärts rausfahren mussten, konnte sich niemand mehr vorpfuschen!

Ich frage mich allerdings schon, was mit den Menschen heutzutage los ist? Wäre es so schlimm gewesen, zu sagen: „Oh, entschuldigen Sie bitte, ich habe Sie irgendwie gar nicht gesehen, war keine Absicht.“ Oder etwas in der Art. Was ist daran so schwierig??? Aber vermutlich war es Absicht und wenn man dann konfrontiert wird, muss man lügen oder aggressiv werden oder sich dumm stellen oder eben schweigen. Trauriges Smiley

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Bei Norma

 
 
Auf direktem Weg ging es weiter Richtung Dresden, aber nicht, ohne vorher noch eine Zwischenstation im Spreewald zu machen. Ein kleiner Wohnmobilstellplatz irgendwo im Nirgendwo, ursprünglich nur für Wassersportler zum Übernachten per Zelt gedacht. Es gab ein kleines Sanitärgebäude, je eine Dusche für Männlein und Weiblein, eine Außenspülküche, eine Entsorgungsstation und das alles für €5/Nacht, incl. Strom. Rundherum nichts als Ruhe und unter Wasser stehendes Sumpfgebiet. Von den Wegen abzukommen ist nicht ratsam!

Groß WasserburgFrühlingSpreewald

Dann aber endgültig Dresden! Es gibt mehrere Möglichkeiten, mit dem Wohnmobil dort zu stehen, preiswert ist keine. Eine der bevorzugten ist wohl der Stellplatz der Firma Schaffer. Von dort sind es aber auch immer noch mehrere Kilometer bis ins Stadtzentrum und €15 ist eine Ansage. Wir wollten aber nicht nur Dresden sehen, sondern uns mit Norma treffen, der Frau, die 2015 auf ihrer Rollertour bis Luzern durch Zufall bei uns auf dem Campingplatz auf der Schwäbischen Alb gelandet war und mit der wir seitdem in Kontakt sind. Norma lebt 24km nördlich von Dresden und so entschieden wir uns für den kostenfreien Stellplatz beim Wohnmobilhändler Meinert in Moritzburg-Boxdorf auf halber Strecke zwischen Normas Wohnort und Dresden. Wir rechneten damit, dort vielleicht nur ein oder zwei Nächte stehenbleiben zu dürfen, aber nein, wir könnten so lange bleiben, wie wir wollen, hieß es. Strom gab es über einen Münzautomaten zu den üblichen Konditionen (50 Cent/kW), eine V/E-Station war vorhanden und der Platz war absolut ruhig, obwohl in einem Industriegebiet gelegen. Ein wenig schief und auf Schotter, aber ansonsten standen wir dort richtig gut. Gasflasche leer? Kein Problem, nebenan im Shop gab es eine neue.

Stellplatz Caravan Meinert 

Norma freute sich, uns zu sehen und wir hatten für die nächsten Tage unsere ganz persönliche Reiseleiterin! Zunächst erkundeten wir die nähere Umgebung und waren damit schon gut beschäftigt. Unter Moritzburg hatte ich mir eine kleine, nette Stadt vorgestellt, es besteht aber nur aus einer Hauptstraße mit vielen Restaurants, Cafés, einem Gestüt und natürlich dem Schloss. Das allerdings ist wirklich sehenswert und wir hatten das Glück, dass das Wetter mitspielte. So kamen wir auch noch in den Genuss einer kleinen Wanderung durch den Schlossgarten, den anschließenden Wald (Moritzburg war das Jagdschloss des Kurfürsten Friedrich August I. von Sachsen, besser bekannt als August der Starke) bis zum Fasanenschlösschen und dem hübschen kleinen Leuchtturm.

Moritzburg SchlossMoritzburg SchlossMoritzburg LeuchtturmMoritzburg LeuchtturmMoritzburg LeuchtturmMoritzburg SchlossMoritzburg SchlossMoritzburg SchlossMoritzburg Schloss

An einem anderen Tag wollte Norma eine etwas größere Rundwanderung zu den Biberteichen mit uns machen, 13,5km. Das ist zu weit für mich und so bekam ich Normas Roller. Nicht den, mit dem sie bei uns war, sondern einen mit Batterie!!! Natürlich keinen Kinderroller, sondern vorne ein 28-Zoll-Rad und hinten eins mit 20 Zoll. Ich war sofort hin und weg! Dumm war nur, dass ich jetzt VIEL schneller war als die beiden und immer hin und her fahren musste! Laut lachen Aber ich habe nicht nur die Batterie genutzt, sondern mich auch etwas angestrengt und getreten. So eine schöne Wanderung hatte ich selten!

BiberpfadRoburBatterie-RollerNorma und Uschi wandernIngrid rollert ;-)BiberpfadBiberpfadBiberdammBiberburgBiberarbeitBiberteichBiberteichBiberteich

Biber haben wir allerdings keine gesehen, obwohl angeblich 40 Familien in dem Wald- und Sumpfgebiet leben sollen. Uschi und Norma sind noch extra auf einen Aussichtsturm gestiegen, kein Biber weit und breit, nur der Roller und ich. Zwinkerndes Smiley

Aussichtsturm von untenUschi und Norma auf dem Weg nach obenAussicht von oben

Dann ging es ans Käselöcher bohren. Norma besitzt einen Schrebergarten und baute sich gerade einen neuen Zaun. Bei der Befestigung der Zaun(p)latten am Tor war sie froh um weitere zwei Hände (Uschis) und damit das Ganze nicht so festungsmäßig aussah, zeichnete ich viele „Käselöcher“ an, die von den beiden ausgebohrt bzw. -gesägt wurden. Das Gesamtergebnis ist richtig schön geworden!

SchrebergartenSchrebergartenalternative Wohnform ;-)alternative Wohnform ;-)SchrebergartenNormas WerkstattNormas WerkstattNormas WerkstattNormas ZaunohneundmitKäselöchern

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.