I amsterdam

 

Mein persönliches Amsterdam-Highlight der Dinge, die in drei Wochen (für uns) machbar sind, hatte ich mir bis zum Schluss aufgehoben, das Rijksmuseum. Es ist nicht nur das berühmteste Museum der Niederlande, sondern genießt auch über die Grenzen hinaus höchsten Ruhm. Es beherbergt u. a. die sogenannten Alten Meister, also Werke der großen niederländischen Maler des 17. Jahrhunderts, des „Goldenen Zeitalters“, der Blütezeit Amsterdams. Auf dem Höhepunkt des Goldenen Zeitalters um 1650 arbeiteten in den Niederlanden ca. 700 Maler, die jährlich etwa 70.000 Gemälde fertigstellten! Erstauntes Smiley Dies ist in der gesamten Kunstgeschichte beispiellos, weder in der italienischen Renaissance noch in Frankreich zur Zeit des Impressionismus hat es so etwas gegeben. Insgesamt produzierten die niederländischen Maler mehrere Millionen Gemälde, weshalb heute nahezu jedes Museum für alte Kunst niederländische Gemälde zeigt. (Quelle: Wikipedia)

RijksmuseumRijksmuseum694a AmsterdamRijksmuseum

Moco Amsterdam Ich fuhr also mit der Straßenbahn bis zum Museumsplein. Das ist ein großer zentraler Platz, an dem nicht nur das Rijksmuseum liegt, sondern auch das ähnlich beliebte Van Gogh-Museum, das Stedelijk-Museum für moderne Kunst und das Moco-Museum, das sich zum Ziel gesetzt hat, ein breiteres und jüngeres Publikum anzusprechen und moderne Kunst der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es gäbe also noch mehr als genug zu sehen!

Vor dem Rijksmuseum stand seit 2005 ein großes, rot-weißes Buchstaben-Ensemble „I amsterdam“. Das entwickelte sich rasant zu einer Touristenattraktion für die selfiemanias, da man auf den bis zu zwei Meter hohen Buchstaben herumklettern kann. Ein Foto für den Facebook- oder Instagram-Account stand offenbar an wichtigster Stelle bei den jüngeren Besuchern Amsterdams und so war der nicht allzu große Museumsplein im Sommer derart überlaufen, dass der Stadtrat 2018 beschloss, das Buchstabengebilde Anfang Dezember abtransportieren zu lassen. Es steht jetzt an wechselnden Standorten, z. B. an der Centraal Station und man kann auf dieser Webseite den aktuellen Ort erfahren. Wer per Flugzeug anreist, findet eines ständig am Flughafen Schiphol. Ich war etwas enttäuscht, dass es nicht da war (die vorherigen Infos fand ich erst später), aber immerhin gab es noch eine Mosaikbank!

I amsterdam

Der Platz des Schriftzuges vor dem Rijksmuseum wird nun im Winter für eine Eislauffläche genutzt, hübsch gemacht mit einer typisch holländischen Zugbrücke, wie man sie überall an den vielen Grachten sieht.

Schlittschuh laufen vor dem RijksmuseumSchlittschuh laufen vor dem RijksmuseumSchlittschuh laufen vor dem RijksmuseumSchlittschuh laufen vor dem Rijksmuseum

Als die Winter noch kälter und regelmäßig die Grachten über Wochen zugefroren waren, war ein beliebtes Freizeitvergnügen für jung und alt das Schlittschuhlaufen, wie auch ein historisches Gemälde aus dem Rijksmuseum zeigt.

Schlittschuh laufen in Amsterdam

Es gibt bereits seit 1909 in der niederländischen Provinz Friesland die berühmte „Elfstedentocht“ (Elfstädtetour), bei der bis zu 16000 Läufer, von 1,5 Millionen Zuschauern angefeuert, eine Strecke von knapp 200km an einem Tag zu bewältigen versuchen. Der Rekord liegt bei unter 7 Stunden!!! Teilnehmen darf nicht etwa jeder, sondern nur ausgewählte Mitglieder des Vereins „Koninklijke Vereniging de Friesche Elf Steden“ nach einem ausgeklügelten Verfahren. 1986 nahm unter einem Pseudonym der jetzige König Willem-Alexander, damals knapp 20 Jahre alt, teil. Ob er durchgehalten hat und, wenn ja, wie lange er gebraucht hat, habe ich nicht zu ergründen versucht. Insgesamt wurde die wetterabhängige „Tour der Touren“ bisher nur fünfzehnmal durchgeführt, zuletzt 1997. Das Eis muss auf der gesamten Distanz mindestens 15cm durchgefroren sein. Ähnliche Touren gab es sogar schon im 18. und 19. Jahrhundert! Die Elfstedentocht ist nicht nur eine populäre reale Veranstaltung, sondern ein nationaler Mythos mit zunehmendem Hype, sobald die Temperaturen unter den Nullpunkt fallen. (weitergehende Informationen „hier“) Nach den Erfahrungen des aktuellen „Winters“ ist zu befürchten, dass es mit diesem traditionellen niederländischen Volksspektakel für immer vorbei sein könnte. Enttäuschtes Smiley

Ich habe anstelle des Eislaufens eine Schwäche für Architektur und Kunst und damit bin ich in Amsterdam ganz offensichtlich am richtigen Ort und die Temperaturen spielen keine entscheidende Rolle. Während ich in jüngeren Jahren vor allem die moderne Malerei bevorzugte, habe ich im Laufe der Zeit auch einen Blick für die Klassische Malerei (Alte Kunst) entwickelt. In der Epoche der Renaissance (um 1420-1600) begann die, zumeist weiterhin von religiösen Themen dominierte, Malerei mit Ölfarben und die dreidimensionale realitätsnahe Malerei mit der Einführung von Perspektive und Proportionen, die im Barock (1600-1720) perfektioniert wurde. Und genau das fasziniert mich so an den Werken der „Alten Meister“! Die Realität, die Ausdruckskraft der Gesichter, die Dreidimensionalität, die vielen Details, die man findet, wenn man sich Zeit nimmt.

Militärkompanie Distrikt VIII Amsterdam

Für mich müssen es auch nicht unbedingt die „Großen“ wie Rembrandt van Rijn, Johannes Vermeer, Frans Hals, Jan Steen, Hieronymus Bosch oder Vincent van Gogh sein. Da sie alle ihre Schüler hatten und die Malerei, wie oben erwähnt, einer Serienherstellung wie am Fließband glich, waren Original und „Fälschung“ nur schwer zu unterscheiden. Bestes Beispiel ist das wohl berühmteste Gemälde Rembrandts, die „Nachtwache“ aus dem Jahre 1642. Am Ende eines riesigen Mitteltraktes, der Ehrengalerie, im 2. Stock des Rijksmuseums hängt es in einem gläsernen verschlossenen Raum. Zugegeben imposant mit seiner Größe von 17 Quadratmetern! Erst seit 2013, nach der zehnjährigen Renovierung des Museums, hängt es hier wieder an seinem alten Platz. Während des 2. Weltkriegs wurde es kurz vor dem Einfall der Deutschen in die Niederlande bei Nacht und Nebel in Sicherheit gebracht. Bis 1945 lagerte es als „handliche“ Rolle 35 Meter unter der Erde im Sint Pietersberg, einem Hochplateau bei Maastricht. Das Gemälde ist eine zu damaliger Zeit übliche Auftragsarbeit, ein Gruppenporträt der Amsterdamer Bürgerwehr des zweiten der 20 Bezirke, in die Amsterdam 1620 aufgeteilt war. Die Protagonisten zahlten je nach Position, Ausschmückung, Rang unterschiedliche Beträge an den Maler und konnten so einen erheblichen Einfluss auf das Endergebnis nehmen. Rembrandt bekam diesen Auftrag, weil er sich schon in jungen Jahren einen Namen gemacht hatte. Trotzdem und obwohl er insgesamt um die 300 Gemälde, 300 Radierungen und 2000 Zeichnungen anfertigte, verstarb er mit 63 Jahren völlig verarmt.

Die Nachtwache von Rembrandt Ganz aktuell wird sein berühmtestes Werk umfassend und öffentlich verfolgbar (sogar im Internet) gescannt, analysiert, digitalisiert und im Anschluss restauriert. Zu einem geschätztem Preis von rund drei Millionen Euro. Verwirrtes Smiley Deswegen auch der Glaskasten. Und wegen des Glaskastens kam man nicht nah an das Bild heran. Aber da hing ja zum Glück noch eine der vielen existierenden offiziellen Kopien, in diesem Falle die im Jahre 1653 in Öl auf Holz gemalte von Gerrit Lundens. In Auftrag gegeben von einer der beiden Hauptfiguren des Gemäldes, Hauptmann Frans Banninck Cocq und nur 66,5cm x 85,5cm groß. Die Kopie ist wegen der Darstellung der 1712 vom Original abgeschnittenen Teile von großer kunsthistorischer Bedeutung.

Im 17. Jahrhundert, dem „Goldenen Zeitalter“, gelangte auch die Handwerkerschicht zu einem gewissen Wohlstand. Es kam in Mode, sich porträtieren oder Familienbilder anfertigen zu lassen.

RijksmuseumRijksmuseumRijksmuseum

Bilder, die ja zuhauf hergestellt wurden, konnten preiswert direkt auf den Straßen und Märkten gekauft werden. Viele Maler hatten sich spezialisiert, auf Stillleben, Tiere, Blumen, Landschaften, Gruppenbilder, Porträts und malten dann nichts anderes mehr. Manchmal auch nur noch Pferde oder Kühe in allen möglichen Variationen. Es war eben nur ein Brotberuf und in Anbetracht der Vielzahl an Malern sicher nicht einfach, davon leben zu können geschweige denn eine Familie zu ernähren. Auch bei den einfachen Leuten hingen Originalgemälde und/oder Kopien von schon zu Berühmtheit gelangten Gemälden in den sicher nicht sehr komfortablen Behausungen. Für die begüterte Oberschicht waren Auftragsarbeiten ein Prestigeobjekt. Schon damals galt, je größer, desto teurer = höheres Ansehen. Cooles Smiley

RijksmuseumRijksmuseumRijksmuseumRijksmuseumRijksmuseum

Ich arbeitete mich gewissenhaft durch alle vier Etagen des Museums, was nicht ganz einfach war, trotz des Planes, den ich bekommen hatte. Ohne Plan wäre man total aufgeschmissen! Schon in der 2. Etage verpasste ich den gesamten rechten Flügel mit u. a. Vincent van Gogh. Als ich einigermaßen durch und in der 4. Etage angekommen war, brauchte ich dringend erst einmal einen Sessel, einen Kaffee, ein Stück Kuchen und eine Toilette. Und als ich mich gerade hingesetzt hatte, kam die Lautsprecherdurchsage, dass das Museum in einer halben Stunde geschlossen würde. Im Winter schon um 17 Uhr! Den versäumten Flügel werde ich also auf irgendwanneinmal verschieben müssen. Trauriges Smiley Der Museumsshop und das Café blieben noch bis 18 Uhr geöffnet, ich konnte also in Ruhe fertig essen und dann noch stöbern gehen. Dieses Museum würde ich ohne zu zögern jederzeit wieder besuchen!!!

RijksmuseumRijksmuseum

Vom Museumsplein nahm ich die Tram zur Centraal Station, stieg am Dam, also mitten in der Stadt aus, machte einen kurzen Abstecher zu Febo und freute mich, Amsterdam noch einmal beleuchtet zu sehen.

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.