Vier Hochzeiten und ein Todesfall

 

Der Titel ist abgeleitet von dem gleichnamigen Spielfilm mit Hugh Grant. Hochzeiten im üblichen Wortsinn hatten wir allerdings keine zu feiern, nicht einmal zu beobachten. Wir waren wohl nicht oft genug auf Schloss Neuschwanstein, das als DIE perfekte Kulisse für Hochzeitsaufnahmen gilt.

Neuschwanstein

Unsere HOCHzeiten hatten wir trotzdem, nämlich in Form der vier Jahreszeiten! Uschi war ja schon zum Ende des letzten Winters hier im Allgäu und erlebte mit, wie innerhalb einer Woche die Natur förmlich explodierte und der Frühling da war.

FrühlingsbeginnFrühlingsbeginnFrühlingsbeginnFrühlingsbeginn

Ich kam Ende April von Norddeutschland her und wollte eigentlich nach unserem Mobiso-Frühjahrstreffen mit auf die Schwäbische Alb fahren. Es kam anders… Nicht nur Uschi liebt das Allgäu immer schon, auch mir gefällt es hier ausnehmend gut. Diese Grüne-Hügel-Schroffe-Felsen-Blaue-Seen-Landschaft ist einfach eine Wohltat für die Seele, dazu kommt die Freundlichkeit der Menschen und die noch etwas geruhsamere Lebensart.

Uschis Wanderung zur Alpspitze

Zusammengehörigkeit ist hier noch kein Fremdwort, Traditionen werden noch gepflegt, auch von den jungen Menschen. Oft haben wir von Einheimischen gehört, dass ihnen bewusst sei, dass sie „im Paradies“ leben und dass sie dankbar dafür sind. Verliebt haben wir uns auf Anhieb in den grünen Weißensee, wir berichteten schon mehrmals darüber, aber ein paar weitere Fotos müssen jetzt doch noch sein! Smiley

WeißenseeWeißensee Weißensee

Der sommerliche Frühling ging unmerklich über in den Hochsommer und ich war immer noch in Weißbach. Laut lachen

Weißbach

Uschi fuhr zwischendurch immer mal wieder nach Lauterburg, um nach ihrem Vater zu schauen. Anfang August zog ich um in „meine“ Ecke und wollte dort nicht mehr weg. Der perfekte Platz, groß genug für Oscarlotta und Flitzi, viel Schatten, höchstenfalls ein direkter Nachbar, meistens aber gar keiner, abseits vom Durchgangsverkehr, ruhig – und das Platz-WLAN funktionierte auch da hinten noch.

StellplatzMein EckplatzMein EckplatzMein Eckplatz

Ich trennte mich von meiner Fernsehanlage und kümmerte mich um Alternativen, die sich alle inzwischen als erfolgreich erwiesen haben. Es gab verschiedene Feste, ich bekam Besuch und dann war Uschi auch schon wieder da. Der Hochsommer ging über in einen hochsommerlichen Herbst und immer noch waren die Wiesen sattgrün. Dabei regnete es genauso wenig wie im restlichen Deutschland, die Flüsse waren alle fast ausgetrocknet. Aber sogar während der heißesten Sommertage kühlte es nachts so ab, dass vermutlich Morgentau für die Farbgebung verantwortlich war. Die Herbstnebel an einigen Tagen brachten eine ganz neue Stimmung.

Weißbach im HerbstWeißbach im Herbst

Jetzt wollten wir die vierte Jahreszeit auch noch erleben! Einmal rund ums Jahr im Allgäu. Uschi hatte per Zufall erfahren, dass es an anderer Stelle einen Stellplatz gibt, der Vierteljahresangebote zu einem sehr attraktiven Preis anbietet. Wir hatten ihn uns im Sommer schon angesehen und reserviert. Jetzt schlossen wir einen Vertrag ab von Mitte November bis Mitte Februar. Eigentlich wollte ich vor dem Ortswechsel noch ins Ruhrgebiet fahren, aber das Wetter war immer noch so schön, dass ich mich nicht losreißen konnte. Den fälligen TÜV-Termin erledigte ich in einer urigen LKW-Werkstatt in Füssen, wo ich Oscarlotta zwar nicht selbst über die Grube fahren durfte, aber nach erfolgreicher Sichtprüfung rückwärts wieder aus der Halle raus. Da war ja schon klar, dass die Höhe des Tores ausreichend war. Zwinkerndes Smiley Bezahlt werden konnte nur in bar! Ich habe noch in keiner Werkstatt für alle notwendigen Überprüfungen so wenig bezahlt wie dort!

Sehr ungern verabschiedeten wir uns von der Familie Wohlfart, aßen noch ein letztes Mal im Gasthaus Wiesele und versprachen, wiederzukommen. Flitzi hatte Uschi schon am Tag zuvor zu unserem neuen Standort gebracht und war mit dem Zug zurückgefahren. Am 15. November zogen wir um. Auch hier ist es schön, die Berge sind noch ein wenig näher und es gibt einen kleinen, hübschen und überwältigend klaren See nebenan.

WinterplatzStellplatzseeStellplatzsee

Den ersten Schnee hatten wir auch schon, der nicht liegenblieb, aber die Berge sehr attraktiv dekorierte. Es wurde schon so kalt, dass eine Gasflasche noch gerade 2 ½ Tage reichte. Dazu scheint fast immer die Sonne! Okay, drei Regentage am Stück hatten wir auch schon. Die ließen den Schnee in den Höhen schmelzen und seitdem sind auch die Flüsse wieder Flüsse.

Schnee auf den BergenHindelangFrostEiszapfenEiszapfen

Seit Weihnachten ist der Platz voll und inzwischen platzt er aus allen Nähten. Erstauntes Smiley Wer nicht reserviert hat, muss wieder fahren. Das ist hier überall so, das Allgäu hat das ganze Jahr über Hauptsaison. Die Skifahrer haben allerdings ein wenig Pech, aber das wird sich im Januar vermutlich noch ändern. Uns ist es recht so, Landschaft und Berge sind weiß überzuckert, die Straßen sind aber frei. Wir kennen uns schon gut aus, entdecken aber trotzdem immer noch wieder Neues. Die Weihnachtsmärkte waren so, wie ich sie mir erhofft hatte, mit viel handwerklichen Angeboten und wenig Kommerz, mit viel Stimmung und keinem Kitsch. Vom Pfrontener Weihnachtsmarkt aus entstand das Winterfoto vom Stellplatz in Weißbach. Am 1. Weihnachtstag waren wir noch einmal zum Kaffeetrinken dort und da war es deutlich voller.

Weißbach FüssenFüssenOberstdorfOberstdorfKempten

Das waren also unsere vier Hochzeiten, die in Wirklichkeit Jahreszeiten waren. Und leider gibt es auch in Wirklichkeit einen Todesfall. Am 1. Dezember erlitt Uschis Vater bei Nacht einen schweren Schlaganfall, der ihn zu einem absoluten Pflegefall gemacht hätte. Aufgrund einer Patientenverfügung, die er vor 10 Jahren ausgefüllt hatte, blieb ihm ein langer Leidensweg erspart. Wir sind sehr froh, dass wir ihn Ende Oktober zu seinem 91. Geburtstag noch von Weißbach aus besucht hatten. Uschi hat alles Notwendige geregelt, alle noch anfallenden Arbeiten verschieben wir auf die Zeit ab Mitte Februar.

 

Jetzt wünschen wir euch allen einen guten Rutsch in das Neue Jahr und für dieses inneren und äußeren Frieden, Gesundheit sowie viel (Lebens-)Freude und wenig Sorgen!!!

2019

written by Ingrid
photos taken with iPhone and HUAWEI P10 Lite

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

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Die höchstgelegene Burgruine Deutschlands

 

Falkenstein Das ist Falkenstein. Ihr habt sie schon im Adventskalender in der Collage vom 5. Dezember gesehen. Immer, wenn wir Richtung Weißensee fuhren, sahen wir die Überreste der Burg hoch oben stehen und wenn wir mal im Dunkeln zurückkamen, waren sie schön angestrahlt. Den ganzen Sommer wollte ich da hoch, aber erst ganz spät im Herbst hat es dann doch noch geklappt. Burg Falkenstein ist nicht nur die höchstgelegene Burganlage Deutschlands, sondern erlangte ihre Berühmtheit durch niemand Geringeren als den Bayernkönig Ludwig II. Der hatte wohl ein wenig Langeweile und noch nicht genug Schlösser, also setzte er sich in den Kopf, dort oben ein weiteres errichten zu lassen. Wir haben den Wanderpfad gesehen, der dort hinauf führt. Völlig unvorstellbar, wie man auf diese Art das Baumaterial dorthin bringen sollte. Aber das habe ich mich schon oft gefragt, bei Burgen, Kirchen, Klöstern an derart exponierten Stellen. Die Burg wurde schon um 1280 errichtet, in 1268m Höhe, 400m über dem Vilstal!

Falkenstein (iPhone)

Falkenstein (iPhone) Wir nahmen mit Flitzi die vor Jahren angelegte Privatstraße zum bereits 1897 dort oben errichteten Hotel Falkenstein. Sie ist steil, kurvig und einspurig und deswegen mit Ampeln geregelt. Von viertel nach bis fünf Minuten vor jeder vollen Stunde darf man hinauffahren und von der vollen Stunde bis zehn nach wieder hinunter. Da es eine Privatstraße ist, zahlt man vorher an einem Ticketautomaten 4 Euro. Ob oben jemand überprüft hat, ob man ein Ticket gelöst hatte, wissen wir nicht.

Vom Parkplatz aus muss man dann kraxeln, erst bis zum Hotel und dann bis zur Burgruine. Da man währenddessen die tollsten Ausblicke hat, macht das aber gar nichts!

Falkenstein (iPhone)Falkenstein (Canon)Falkenstein (iPhone)Falkenstein (iPhone)Falkenstein (iPhone)Falkenstein (iPhone)

König Ludwig II erwarb die Burg 1883. Der Gipfel des Falkensteins hat keine große Grundfläche. Die alte Burg, seit dem Dreißigjährigen Krieg schon eine Ruine, war eher klein. Trotzdem hatte Ludwig sich in den Kopf gesetzt, dort ein Schloss vom Ausmaß Neuschwansteins errichten zu lassen! Erstauntes Smiley Es sollte auch fast genauso aussehen. Wofür braucht man als König zwei fast identische Schlösser? Sein Architekt wusste, dass dieses Vorhaben nicht durchführbar sein würde und präsentierte Ludwig den Entwurf eines realisierbaren kleineren Schlosses, das auch vom Stil her viel besser dorthin gepasst hätte. Damit erzürnte er seinen Arbeitgeber derart, dass er sofort entlassen wurde! Aber auch die chronische Geldknappheit Ludwigs sprach eher für ein kleineres Schloss. Der nachfolgende Architekt entwarf eine „Raubritterburg“, die wohl von der Größe her realisierbar gewesen wäre, allerdings war auch hierfür die Finanzierung nicht gesichert.

Falkenstein (iPhone)Falkenstein (iPhone)

Die Bauprojekte Ludwigs wurden aus dem königlichen Privatvermögen finanziert und verursachten dort, in der sogenannten Kabinettskasse, erhebliche Defizite. Die ihm zur Verfügung stehende Zivilliste war auf jährlich 4,2 Millionen Gulden festgelegt. 1884 hatte er 7,5 Millionen Gulden Schulden, die durch Anleihen gedeckt werden mussten. Der König war schließlich mit einem „Jahresgehalt“ im Rückstand und zum Weiterbau seiner Schlösser hätten 1887 noch etwa drei „Jahresgehälter“ (15 Millionen) gefehlt. Nach seinem Tod zahlte das Haus Wittelsbach bis 1902 alle durch König Ludwigs Bautätigkeit angefallenen Schulden vollständig an die Gläubigerbanken zurück.
(Quelle: Wikipedia)

Wohl auch wegen der nicht vorhandenen Baugelder blieb es bei einem neuen Burgweg und einer Wasserleitung ins Tal und der plötzliche Tod Ludwigs 1886 beendete das Bauvorhaben.

Wir liefen einmal um die Burgruine herum, was schnell erledigt ist, außer man kann sich an dem grandiosen Rundumblick auf Berge, Schlösser, Burgen und Seen nicht sattsehen. Die noch vorhandenen Außenwände des rechteckigen „Festen Hauses“ (ca. 18,6 × 8,5 Meter) sind etwa acht Meter hoch und werden von einigen, meist halbrunden Fensteröffnungen unterbrochen. Die Ostwand stürzte 1889 nach einem Blitzschlag ein. Im Gemäuer ist 2005 eine hölzerne Aussichtsplattform errichtet worden. Man muss kein König sein, um es dort oben wunderschön zu finden. Verliebt

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Königlich waren dann auch die Preise im noblen Hotel Falkenstein! Soviel haben wir für Kaffee und Kuchen selten gezahlt. Es ist übrigens ganzjährig geöffnet und uns wurde beteuert, dass auch bei Schnee die Straße durchaus zu befahren sei. Es sei ja schließlich eine Privatstraße, man wäre also nicht auf den Räumdienst der Gemeinde angewiesen. Fahren möchten wir bei Schnee dort aber genauso wenig wie nach Bschlabs oder Namlos, weder rauf noch runter!

Für die Fotografen unter unseren Lesern ist es vielleicht interessant zu wissen, dass alle Fotos dieses Beitrags teils wie fast immer mit meinem iPhone „geschossen“ worden sind und teils mit unserer Canon-Spiegelreflexkamera (mit 50mm Festbrennweite). Wir haben sie eine Weile nicht mehr benutzt, weil ein Smartphone eben leichter, handlicher und immer dabei ist und die Fotoqualität i. d. R. ausreicht. Ihr könnt ja mal raten, welches Foto womit entstanden ist! Für diejenigen, die am PC/Laptop lesen, ist es einfach, siehe Hinweis unten. Cooles Smiley

Falkenstein (iPhone)Falkenstein (iPhone)Falkenstein (iPhone)Falkenstein (iPhone)Falkenstein (iPhone)

written by Ingrid
photos taken with iPhone and Canon EOS 600D

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Viehscheid in Pfronten

 

Was Viehscheid bedeutet und welche Programmangebote in den jeweiligen Orten drumherum stattfinden, hatte ich ja „hier“ schon berichtet. Uschi erlebte den Alpabtrieb in Oberstdorf und lieferte ein nettes Video bei mir ab (wer es noch nicht gesehen hat, kann „hier“ klicken) und ich ging hier in Pfronten zum Viehscheid. Es gab zwei Zeitangaben, einmal um 9 Uhr für das Eintreffen des Alpviehs aus dem Achtal und einmal um 10 Uhr für die Herden aus dem Vilstal, jeweils am Festplatz, wo auch der eigentliche Viehscheid stattfinden sollte. Insgesamt wurden ca. 400 Tiere von 7 Alpen erwartet. Da ich ja bekanntermaßen kein Frühaufsteher bin, entschied ich, dass 10 Uhr für mich früh genug sein würde. Da ich aber auch jemand bin, der alles möglichst gründlich/umfassend erledigt/abhandelt/besichtigt, stellte ich meinen Wecker dann doch auf viertel nach sieben (!!!). Zu wenig Schlaf würde ich ohnehin bekommen, da kam es dann auf eine weitere Stunde auch nicht mehr an. Smiley mit geöffnetem Mund Und diese Entscheidung sollte sich als sehr gut herausstellen!

Viehscheid Um halb 9 war ich an der Ausfallstraße Richtung Achtal, fand einen Parkplatz für Flitzi und suchte mir einen Platz an der Straße, von wo aus ich gut filmen konnte. Ich war an bereits wartenden Menschen am Straßenrand und aufgebauten Bierzeltgarnituren vorbeigekommen, ich war also offensichtlich richtig. Aber auch kurz vor 9 fuhren noch immer Autos durch und Menschen liefen an mir vorbei in die Richtung, aus der ich gekommen war. Sollte die Herde etwa gar nicht über diese Straße laufen und deswegen wurde sie auch nicht gesperrt? Ich ging zurück, bog in eine kleine Seitenstraße ein und dann hörte ich sie auch schon! Mein iPhone hatte ich zum Glück schon aktionsbereit in der Hand und es war keine Sekunde zu früh. Flotten Schrittes kamen drei fesche Alphirten, traditionell gekleidet in Lederhosen und weißen Hemden, um die Kurve, gefolgt von sieben sehr entspannten Rindern, Braunvieh, die am weitesten verbreitete Rinderrasse im Allgäu (und die hübscheste, wie wir finden!). Ich lief den Rindern nach. Hinter der nächsten Straßenecke, bevor es auf die inzwischen in Richtung Fest- und Viehscheidplatz gesperrte Hauptstraße ging, waren die Tiere gestoppt worden und hatten sich, wie es für Kühe wohl normal ist, nebeneinander an einem Zaun aufgereiht, so, als ob sie in ihrem Stall wären. Sie ließen keinerlei Ungeduld oder Unbehagen erkennen und im Nachhinein denke ich, dass sie keine Herde für sich darstellten, sondern aus einer großen Herde bewusst ausgewählt wurden, weil sie so besonders cool waren. Verliebt

ViehscheidViehscheidViehscheidViehscheidViehscheidViehscheid

Es dauerte einige Minuten, dann hatte sich eine Musikkapelle formiert und auf Kommando setzten sich die coolen Kühe wieder in Bewegung und trabten hinter der Musik her.

ViehscheidViehscheid

In meiner Unwissenheit dachte ich, dass es das schon war und ich wäre nicht einmal enttäuscht gewesen. Nach ein paar Schritten in Richtung Festzelt bemerkte ich aber, dass die meisten Menschen am Straßenrand stehenblieben und schloss daraus, dass noch mehr Rinder kommen würden. Ich ging also in die kleine Seitenstraße zurück und stellte mich an eine Hausecke. Hinter mir war der Eingangsbereich des Hauses, in den ich zur Not zurückweichen könnte. Das wurde schneller nötig, als ich gedacht hatte. Es dauerte noch eine Weile, aber dann kamen nicht nur sieben Rinder, jetzt kam eine richtige Herde! Ein unglaubliches Getöse war zu hören, lange bevor die ersten Tiere zu sehen waren! Die Hirten hatten alle Hände voll zu tun, um die übermütigen Jungrinder mit ihren langen Stöcken in Schach zu halten. Die wollten nämlich rennen! Und sie rannten direkt auf mich zu!!! Blitzschnell verschwand ich im Eingangsbereich und schaffte es trotzdem, weiterzufilmen (ein kleiner Ruckler kennzeichnet die Stelle im Video). Erst viel später merkte ich, dass das Rind, dass mir direkt vor die Füße gekackt hatte (im Video zu sehen), mich bis auf Hüfthöhe vollgespritzt hatte!!! Erstauntes Smiley Aber so ist das halt, wenn man so nahe am Geschehen ist!

Video zum Text (4:49 Minuten)


 
Jetzt setzten sich alle Zuschauer in Bewegung und ich mich auch. Bald war kein Weiterkommen mehr, in der Nähe des Festplatzes waren die Straßenränder schon voll mit Besuchern, Einheimischen wie Touristen. Es war erst halb 10! Ich positionierte mich in weiser Voraussicht hinter einem Felsbrocken. Vor mir standen zwar andere Leute, aber die würden schon noch verschwinden, wenn die Herde genau hier um die Kurve muss. Ein Mann berichtete über Mikrofon und Lautsprecher einiges Wissenswerte rund um die alte Tradition der Alpabtriebe, über das Leben der Rinder und der Hirten auf den Alpen und wie es sich im Laufe der Zeit verändert hat und er sagte, dass es dieses Jahr nur wenige Kranzkühe geben würde, weil es nur auf wenigen Alpen keine Unfälle, Krankheiten, Todesfälle gegeben habe. Noch in der allerletzten Woche sei auf einer Alpe, auf der den ganzen Sommer lang nichts passiert war, ein Rind vom Blitz getroffen worden. Das ist bitter für die Alphirten, die es sicher als krönenden (im wahrsten Sinne des Wortes) Abschluss ihrer aufopferungsvollen Sommertätigkeit gesehen hätten, eine mit einer wunderschön gearbeiteten Krone geschmückte Kranzkuh ins Tal zu führen. Aber obwohl die Bedingungen heute sicherlich um einiges besser sind als in früheren Zeiten, so sind die Gefahren durch Unwetter und Steinschläge oder Abstürze sowie Pflanzenvergiftungen nicht kalkulierbar. Trauriges Smiley

Und dann kamen die Herden aus dem Vilstal! Wieder war schön zu beobachten, wie unterschiedlich Rinder vom Temperament her sind. Die einen gelassen, fast schon stoisch, die anderen übermütig, ungestüm, ungeduldig, vielleicht auch gestresst. Wenn man uns Menschen solche riesigen Schellen und Glocken umhängen würde, die bei der kleinsten Bewegung direkt unter dem Kinn einen Höllenlärm veranstalten, möchte ich nicht wissen, was passieren würde! Ich glaube, ich würde mich weigern, mich auch nur einen Zentimeter zu bewegen, wenn ich Kuh wäre. Aber die Kuhhirten haben diese blöden langen Stöcke und die möchte wohl keine Kuh auf Nase oder Hinterteil spüren und deswegen bewegen sie sich dann doch. Die einen schicksalsergeben, die anderen wollen es so schnell wie möglich hinter sich bringen. Und so hatten auch hier die Hirten wieder alle Hände (und Stöcke) voll zu tun, die Tiere um die Kurve und auf die Zielgerade zum Viehscheidplatz zu bringen. Das Hinterherlaufen glich einem Slalom, immer schön um die zahlreichen frischen Kuhfladen herum! Zwinkerndes Smiley

Das große Festzelt war schon gut gefüllt, bei Blasmusik und Bier würde es hier sicher bis in die frühen Morgenstunden lustig zugehen. Jetzt war es aber erst kurz nach 10 Uhr und erst für 14 Uhr war die Übergabe der Ehrenpreise an die Alphirten terminiert. Würde der/die (?) Viehscheid, also das Aufteilen der Rinder, so lange dauern? Es gab mehrere abgeteilte Koppeln, mit denen eine Vorauswahl getroffen wurde. Es war noch einmal sehr warm an dem Tag und auf keiner der Koppeln standen Wassertröge. Rinder haben eine Wohlfühltemperatur von 6-8°C, hatte ich vorher erfahren. Jetzt mussten sie stundenlang in der prallen Sonne herumstehen, immer noch die schweren, lauten Schellen um den Hals, ohne trinken zu können. Arme Rindviecher! Sie standen auf Gras, aber kein einziges Tier fing an zu fressen! Es legte sich auch keins hin. Einige Jungbullen bestiegen sich gegenseitig, einige Tiere blieben wie festgewurzelt immer auf der selben Stelle stehen, Speichel tropfte ihnen aus dem Maul, einige liefen von einer Seite der Koppel auf die andere und wieder zurück und weil das Rind ein Herdentier ist, liefen immer welche mit. Sie taten mir echt Leid! Enttäuschtes Smiley

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Auf der anderen Seite standen im freien Gelände eine Vielzahl von Treckern, Jeeps und anderen geländegängigen Zugfahrzeugen und Viehanhänger in allen Größen. Zwischen ihnen und den Koppeln waren mit Holzstangen schmale Durchgänge geschaffen worden. Hier begann die eigentliche Arbeit der Hirten. Vier bis sieben Rinder passten in diesen Durchgang, Siche genannt, der am vorderen Ende nur noch so schmal war, dass gerade ein Rind hindurchpasste. Aber erstmal mussten die Tiere hineingetrieben werden! Das funktionierte mal problemlos, mal schwieriger und auch mal gar nicht. Dann beschloss nämlich eine Kuh, trotz der Enge wieder umzudrehen und alle anderen liefen mit. Dem hatten selbst die Hirten nichts entgegenzusetzen, die Zuschauer amüsierten sich und man trieb eben ein paar andere Tiere hinein, öfter mit „sanfter“ Gewalt. Hatte man genügend Tiere in der Siche oder drohten sie rückwärts flüchten zu wollen, wurde blitzschnell hinter dem Hintern der letzten Kuh ein Strick gespannt. Vorne lag ein Holzbalken quer. Jetzt stiegen einige Hirten von außen auf die Holzzäune und nahmen den Tieren ENDLICH die Schellen ab. Die wurden weitergereicht und auf der Wiese gesammelt und nachdem man in ihrem Inneren die Initialen des Besitzers entdeckt hatte, wurden sie weggetragen. Die Schellen sind bestimmt ziemlich wertvoll mit ihren aufwändig geschmückten breiten Lederbändern und sie werden nur an diesem besonderen Tag benutzt.

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Bevor das jeweilige Rind einen Erleichterungsschnaufer tun konnte, hatte es schon von einem anderen Hirten einen Strick erst ums Maul verknotet bekommen, der dann einmal hinter den Ohren durch auf die andere Kopfseite gezogen und dort mit der „Maulschelle“ verknüpft wurde. Der nächste Hirte nahm den Strick der vordersten Kuh, der Trennbalken wurde kurz entfernt und die Kuh wurde aus dem Verschlag geführt. Wenn sie denn wollte! Die meisten wollten nicht. Ob sie wohl ahnten oder noch vom letzten Jahr wussten, dass jetzt die schöne Zeit in freier Natur und frischer Luft mit saftigem grünen Gras zu Ende war und sie die nächsten Monate im zwar warmen, aber beengten, Stall stehen und Heu fressen müssen? Beim Zusehen wurde mir sehr klar, woher der Begriff „störrisches Rindvieh“ kommt! Zwinkerndes Smiley Und wenn so ein Rindvieh nicht will, hat auch der kräftigste Alphirte keine Chance! Es wurde gezogen, es wurde geschoben, oft beides gleichzeitig und es wurden auch „schlagende Argumente“ eingesetzt. Und so manches Rind zog den, der es führte, draußen erst einmal im Kreis herum. Nicht umgedreht! Aber natürlich gab es auch hier wieder Rinder, die gottergeben alles über sich ergehen ließen und sich brav an ihrem Strick zu ihrem Besitzer führen ließen. 

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Die Glück hatten, durften sofort auf die Anhänger, die zum Abtransport bereit standen. Das war aber auch schon die nächste Herausforderung. Vor der Ladefläche gab es Rampen! Und je höher der Anhänger, desto steiler die Rampe! Bestehend aus einer glatten Holzfläche mit ein paar Querlatten. Rinder müssen vier Füße koordinieren und vermutlich wissen sie nicht, dass die Querlatten dazu da sind, dass sie nicht abrutschen. Es ist also absolute Glücksache, ob die Kuh beim ersten Anlauf problemlos die Rampe heraufkommt. Zumal sie, aus welchen Gründen auch immer, gar nicht auf die Ladefläche will, vor allem nicht, wenn es da oben schon ziemlich überfüllt ist. Und ein Rind, dass sich beim ersten Versuch wehgetan hat, will verständlicherweise absolut keinen zweiten Versuch mehr unternehmen. Irgendwann war aber immer wieder irgendwo ein Anhänger gefüllt und die armen Tiere wurden endlich weggefahren. Dann entstand eine Lücke für den nächsten Transporter und das „Spiel“ ging von vorne los.

ViehscheidViehscheidViehscheidViehscheidViehscheidViehscheid

Inzwischen war auch klar, warum die ganze Angelegenheit so zeitaufwändig ist. Seite an Seite waren Rinder mit ihren Stricken an Zäunen angebunden und warteten, an die Reihe zu kommen. Sie konnten einem schon wirklich Leid tun und irgendwann konnte ich es auch nicht mehr länger ertragen und verließ den Viehscheidplatz. Da war es schon 13 Uhr und es waren noch viele Tiere zu verladen. Die waren ja bestimmt teilweise schon seit 7 oder 8 Uhr unterwegs gewesen und hatten die ganze Zeit nichts zu trinken und nichts zu fressen bekommen. Obwohl – auch ich war ja schon so lange unterwegs und hatte weder etwas gegessen noch getrunken… Der Unterschied ist allerdings der, dass ich das selbst bestimmen konnte und die Rinder eben nicht. Da ging es allen Menschen besser, die brauchten nur ins Festzelt oder an einen der zahlreichen Bierwagen zu gehen.

Ich ging weder noch, sondern über den Krämermarkt, eine Tradition aus der Zeit, als die Rinder nach der Sommeralpzeit direkt auf dem Viehmarkt verkauft wurden. Sonthofen zählte schon im 19. Jahrhundert zu den bedeutendsten Viehumschlagplätzen des deutschen Alpenraumes. Von hier aus verkauften Bauern ihre besten Rinder bis nach Italien. Der Wert eines Weideviehs, das den Sommer über nichts als nahrhafte Bergkräuter zu sich genommen hatte, war schon damals bekannt. Viehmärkte waren zu allen Zeiten immer auch Krämermärkte. In der heutigen Zeit aber lange nicht mehr so interessant wie zu Zeiten des Mittelalters mit Gauklern und Badern und fliegenden Händlern. Und deswegen und weil mir inzwischen die Füße weh taten, ging ich zu Flitzi zurück und fuhr nach Hause. Müde, aber sehr begeistert von diesem alten Brauchtum, trotz allen Mitgefühls für die Rindviecher. Und ich war sehr froh, von Anfang an dabei gewesen zu sein!

written by Ingrid
photos and videos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Pfrontar Viehscheid-Däg

 

Auf Hochdeutsch: Pfrontener Viehscheid-Tage

Okay, ich bin in Pfronten-Weißbach! Tage sind Tage, mal interessant und kurzweilig, mal öde und langweilig. Soweit alles klar! Aber wer oder was ist VIEHSCHEID??? Das freie Platz-WLAN half und bei Google und Wikipedia wurde ich aufgeklärt:

In vielen alpenländischen Regionen ist es nachweislich seit dem 13. Jahrhundert üblich, die Jungrinder der Bauern über die Sommermonate auf die Alm (Bayern, Österreich) oder Alp(e) (Allgäu) zu bringen, wo sie von einem oder mehreren Hirten betreut werden. Im September, manchmal auch erst im Oktober, werden die Rinder wieder ins Tal zurückgetrieben, dort voneinander geSCHIEDEN und an ihre Besitzer verteilt. Eine willkommene Gelegenheit im ereignisarmen jährlichen Geschehen zu früherer Zeit, um dies festlich zu gestalten. In der Neuzeit stellte sich schnell heraus, dass die anwesenden Feriengäste ebenfalls Gefallen daran fanden und so hat sich die Viehscheid, auch Almabtrieb, Alpabtrieb oder Alpfahrt genannt, zu einer Touristenattraktion gemausert. Es ist aber in erster Linie immer noch eine uralte bäuerliche Tradition, die in den unterschiedlichen Gemeinden unterschiedlich aufwändig zelebriert wird. (siehe auch „hier„)

Pfronten macht gleich eine 14-Tage-Veranstaltung daraus! Es gibt geführte Wanderungen, Besichtigungen, Ausstellungen, Demonstrationen alten Handwerks, Lichtbildvorträge, Musikveranstaltungen, Theatervorführungen, Mitmachkurse – fast alles kostenlos. Hauptattraktion ist der große Festumzug am Abend vor der Viehscheid und dann natürlich diese selbst.

FestumzugFestumzugFestumzug
 

 
Ich sah mir eine Multivisionsshow mit dem Titel „Wilde Alpen“ an, eine Dia-Show „Moorwelten“ und einen Film über Filigran-Drechslerei mit ergänzenden Erklärungen und Demonstrationen in echt des anwesenden Künstlers.

Und an einem Tag war ich beim „Hummelbaur“. Das ist ein altes Allgäuer Bauernhaus, in dem seit 1939 eine Schmiede, hauptsächlich für Kuhschellen und Schlösser, betrieben wird. Inzwischen gibt es den Zusatz „Kunst“-Schmiede, vermutlich, weil man als Zusatzverdienst Zimmer an Touristen vermietet, die im Gesamtpaket für eine Woche viermal vier Stunden schmieden lernen können. Und zwar Rosen aus Messing oder Eisen.

HummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaur

Am Demonstrationstag ging es allerdings nicht um Rosen, sondern um die Entstehung einer Kuhschelle. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird ja immer von Kuhglocken geredet, die sind aber weit in der Minderheit. Die Kuh von Welt trägt Schelle! Der Grund dafür ist „hier“ nachzulesen. Und „Kuh“ ist natürlich auch sehr verallgemeinert und absolut ungenau ausgedrückt. Auf viele Almen/Alpen kommt nur „Galtvieh“. Zum Galtvieh zählen Stiere und Ochsen unter 2 Jahren (Jungstiere), einjährige Kälber (Jungvieh) und Färsen/Kalbinnen (zweijährige weibliche Rinder) bis zur ersten Abkalbung. Damit der Viehhirte seine Tiere im weitläufigen und teilweise für Zweibeiner unzugänglichen Gelände orten kann, braucht das Rind die Schelle und der Hirte außer einem gut entwickelten Gehör ein Fernglas. Natürlich gibt es auch Milchalmen. Die Milchkuhalmen unterteilen sich in Melkalmen und Sennalmen. Auf den Melkalmen werden die Kühe gemolken, die Milch wird zum Milchhof oder zu einer Sennerei ins Tal transportiert. Auf Sennalmen wird die Milch gleich vor Ort zu Butter und Käse verarbeitet. Im Übrigen wird immer wieder darüber diskutiert und von Tierschützern vehement behauptet, ob/dass die wirklich lauten Schellen/Glocken Tierquälerei seien. Die Bauern/Hirten halten dagegen, dass sie den Aufenthaltsort ihrer Tiere halt jederzeit bestimmen können müssen. Alternativ zum Gebimmel bietet sich in der heutigen Zeit ein GPS-Halsband an, mit dessen Hilfe die Kühe auf dem Smartphone geortet werden können. Fragt sich allerdings, ob dessen Strahlung gesünder ist und ob es in den Bergen überall Netzempfang gibt. Vielleicht wäre es ja ein Weg, den Hirten Drohnen zur Verfügung zu stellen??? Smiley mit geöffnetem Mund

Der Schmied vom „Hummelbaur“-Hof verrichtete seine Arbeit leider ohne irgendwelche Erklärungen, sodass ich zur Entstehung einer Schelle nicht mehr weiß als vorher schon.

HummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaur

Aber ich schaute mich ausgiebig in seinen Werkstatträumen um und fand eine Menge Fotomotive!!!

HummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaurHummelbaur

Als weiterer Programmpunkt stand die Herstellung von „Hoinzen“ (auch „Huinzen“) an. Auch so ein Wort, dass ich noch nie zuvor gehört hatte! Es sind Holzgestelle, auf denen das Heu zum Trocknen „gehängt“ wird, wenn die Wiesen zu feucht sind, um es liegend zu trocknen. Leider gab es auch hier keine Erläuterungen, der Hoinzenhersteller drehte mit Hingabe per Hand Löcher in Holzstangen. Das dauerte mir zu lange und so fotografierte ich nur die säuberlich aufgestellten fertigen Hoinzen. Ob die auch heute noch in Gebrauch sind, kann ich nicht sagen.

HoinzenHoinzen

Nebendran schlug ein Mann mit einem schweren Hammer immer auf dieselbe Stelle eines Eisenstückes. Das sollte vermutlich das im Programm angekündigte Dengeln einer Sense sein. Ich habe später bei YouTube einen hochinteressanten (alten) Film gefunden, in dem die Herstellung von Sensen mit sämtlichen Arbeitsschritten demonstriert wird, „hier“ anzuschauen. Es lohnt sich! Und wie dengeln denn nun geht, sieht man „hier“.

Der vierte Programmpunkt versprach das Binden einer Krone für das Kranzrind. Wenn während des gesamten Almaufenthaltes kein Unglück passiert und kein Tier ums Leben gekommen ist, darf das schönste Rind beim Almabtrieb diese reichverzierte Krone tragen und führt damit die Herde an. Der Bauer, dem das Kranzrind gehört, ist dann natürlich besonders stolz und wird sich dem Hirten gegenüber mit einem großzügigen Trinkgeld erkenntlich zeigen. Wollen wir mal hoffen, dass hier noch keine Korruption üblich ist! Ich bat darum, die im Entstehen begriffene Krone fotografieren zu dürfen und die Bäuerin trat wortlos kurz zur Seite. Könnte es sein, dass diese Touristenveranstaltung eventuell nicht auf Wunsch der Handwerker entstanden ist, sondern eine Idee des Touristenverbandes war? Enttäuschtes Smiley

KronenherstellungKronenherstellungKronenherstellung

Zwei Tage später bei der Filmvorführung alter Handwerkskünste brachte der Schmied die fertige Krone mit.

schmiedeeiserne KunstKrone für das Kranzrind

written by Ingrid
photos and video taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Gamsbart-Rallye

 

Oldtimertreffen Heute gibt es etwas für die meisten Jungs und für die wenigsten Mädels. Laut lachen Anfang Juli gab es in Pfronten das 28. Internationale Oldtimertreffen und da mussten wir natürlich hin! Über 200 Oldtimer waren angekündigt, es gab ein Rahmenprogramm und am Samstag die sog. Gamsbart-Rallye mit 130 angemeldeten Fahrzeugen durch das Alpenvorland. Uschi machte sich schon früh auf den Weg, um beim Start dabei zu sein, ich blieb lieber im Bett. Am Nachmittag nahmen wir die Räder und wollten zur Sammelstelle der Rallyerückkehrer fahren. Dieses Vorhaben scheiterte daran, dass die Gangschaltung an meinem Fahrrad nicht funktionierte und daran, dass es über Serpentinen bergauf ging. Nein, danke, nicht bei der Wärme, auch nicht schiebend! Wir fuhren auf direktem Weg zum Fahrradhändler im Ort, ketteten mein Rad dort an, nahmen den Sattel ab und hofften, dass es am nächsten Tag noch da sein würde. Sonntag war großes Stadtfest und die Geschäfte waren geöffnet. Uschi fuhr mit ihrem Rad zum Stellplatz zurück, ich wartete im Eiscafé, bis sie mit Flitzi zurückkam vor der Eisdiele (Fiat)und dann fuhren wir zur Sammelstelle, in der Hoffnung, dass dort überhaupt noch jemand sein würde. Wir hatten Glück! Einige wunderschöne Oldtimer standen schon oder noch dort und immer noch trafen Rückkehrer ein. Das Wetter hätte für diese Veranstaltung nicht besser sein können und alle Fahrer und Mitfahrer machten einen sehr zufriedenen Eindruck.

Oldtimertreffen (Ford)Oldtimertreffen (Ford)Oldtimertreffen (Ford)Oldtimertreffen (Ford)Oldtimertreffen (Fiat Balilla + Citroen)Oldtimertreffen (Fiat Balilla + Citroen)

Sowohl Uschi als auch ich haben Kindheitserinnerungen an einen Lloyd 600 als Familienfahrzeug und so standen wir schmunzelnd vor diesem, aus heutiger Sicht, winzigen Wägelchen. Unglaublich, dass wir mit jeweils vier Personen und umfangreicher Campingausrüstung damit unterwegs gewesen waren!!!

Oldtimertreffen (Lloyd 600)Oldtimertreffen (Lloyd 600)

Noch winziger – mit absolutem Niedlichkeitsfaktor und unser Favorit – war aber ein wunderschöner Fiat Topolino. Verliebt

Oldtimertreffen (Fiat 500 Topolino)Oldtimertreffen (Fiat 500 Topolino)Oldtimertreffen (Fiat 500 Topolino)Oldtimertreffen (Fiat 500 Topolino)

Am Sonntag lief Uschi durch die Wiesen nach Pfronten und ging zuerst beim Fahrradladen vorbei. Man hatte sich schon über das angekettete Rad ohne Sattel gewundert und beschlossen, dass man es mal bis Dienstag stehen lassen würde, bevor man die Ketten durchzwickt. Ich nahm den Zug und vom Bahnhof war es nicht weit bis zum Schulzentrum, wo auf allen zur Verfügung stehenden Plätzen die wunderschönsten Old- und Youngtimer ausgestellt standen. Uns interessieren in erster Linie Oldtimer und deswegen gibt es auch die meisten Fotos von ihnen.

Oldtimertreffen (Morris)Oldtimertreffen (Morris)Oldtimertreffen (Austin Healey + BMW Isetta)Oldtimertreffen (BMW Isetta 250)Oldtimertreffen (BMW Isetta 250)

 

Zu sehen sind sie ALLE „hier“. Viel Spaß!

Die Durchsicht meines Rades ergab übrigens, dass die Schaltung nur verstellt war. Kann so etwas durch die Rüttelei auf dem Fahrradträger von Oscarlotta während der Fahrt passieren? Das letzte Mal, vor der Fahrt hierher, war mit dem Rad nämlich noch alles in Ordnung gewesen! Die angerostete Kette wurde freundlicherweise noch geölt und Geld wollte man keins!!! Erstauntes Smiley

written by Ingrid
photos taken with iPhone and HUAWEI P10 Lite

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.