Busausflug zur Bastei

 
 
Am Donnerstag nach Ostern nahmen wir eines der Ausflugsangebote des Campingplatzes „LuxOase“ wahr und fuhren in das Elbsandsteingebirge. Der Bus brachte uns bis zur Bastei. Dort hatten wir bis 15 Uhr Zeit, uns alles genau anzuschauen. Eine sehr beeindruckende Landschaft! Solche Felsformationen hatten wir noch nirgendwo gesehen. Ein wenig wurden wir an die Hopewell Rocks an der Bay of Fundy erinnert, die wir bei unserem Nordamerikaaufenthalt 2016 so beeindruckend fanden. Vor vielen Millionen von Jahren entstanden durch ähnliche Bedingungen an unterschiedlichen Orten eben sehr ähnliche Naturbauwerke. Wer an den geologischen Einzelheiten der Entstehung des Elbsandsteingebirges interessiert ist, findet „hier“ eine ausführliche Ausarbeitung und „hier“ einen zusammenfassenden, kurzen Überblick.

Elbsandsteingebirge

Im Mittelalter wurde in diesem unwegsamen Felsmassiv von böhmischen Rittern eine Natursteinfestung angelegt, die Felsenburg Neurathen. Das Gelände kann gegen einen geringen Obolus besichtigt werden, von der Festung ist allerdings bis auf eine Zisterne, ein paar Steinschleuderkugeln und in den Fels gehauene Treppenstufen nichts mehr erhalten. Trotzdem ist die Vorstellung, mit den Mitteln des 14. Jahrhunderts hier oben gebaut zu haben, faszinierend und die Ausblicke von den verschiedenen Stellen des Rundweges sind beeindruckend.

Felsenburg NeurathenSteinkugelnSteinkugelnSteinschleuderSteinschleuderFelstreppeFelstreppeElbsandsteingebirgeElbsandsteingebirgeElbsandsteingebirgeElbsandsteingebirgeElbsandsteingebirge

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kamen nach und nach immer mehr Reisende in diese Gegend und das Erklimmen dieser mit 194m recht stattlichen Felsformation scheint viele gereizt zu haben. Einheimische, die als Führer fungierten, konnten sich eine neue Erwerbsquelle erschließen. 1814 wurden die ersten 487 Stufen angelegt, 1816 war die Zufahrt von der Straße Lohmen-Hohnstein ausgebaut und 1826 wurde dann endlich vom Neurathener Felsentor über die Mardertelle (40 m tiefe Schlucht) hinweg zum Basteimassiv eine Holzbrücke geschlagen und die mühsame Kraxelei durch die Vogeltelle beendet. Und pünktlich zur Einweihung der Eisenbahnstrecke durch das Elbtal im Jahre 1851 war die Holzbrücke, die wegen der vielen Reparaturen zum Ärger der Besucher häufig gesperrt werden musste und schließlich ganz baufällig geworden war, durch eine Steinbrücke ersetzt worden. Sie hat eine Länge von 76,50m und überspannt mit 7 Bögen die Mardertelle. In nur zwei Jahren erbaut, ist sie immer noch das weltweit bekannte Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz. Schon der berühmte Maler der deutschen Frühromantik, Caspar David Friedrich, malte hier 1822 sein bekanntes Bild Felsenpartie im Elbsandsteingebirge.

Gemälde "Felsenpartie im Elbsandsteingebirge"BasteibrückeBasteiausblickBasteiausblickBasteiausblickBasteiausblickBasteiausblick

Wir waren erstaunt, wie viele Menschen an einen ganz normalen Donnerstag hier unterwegs waren und sich über die Felsenbrücke schoben. Viele Asiaten mit immer einsatzbereitem Selfie-Stick! Das Wetter war endlich sonnig und frühlingshaft warm, zumindest für diesen einen Tag. Unser Programm sah vor, dass wir um 15 Uhr unten im Kurort Rathen an der Schiffsanlegestelle von der LuxOase vorreservierte Tickets abholen sollten, um dann um 15:20 mit dem Raddampfer auf der Elbe zurückzufahren. Wir machten uns rechtzeitig an den Abstieg über viele Treppen und teilweise steile Wege durch einen wunderschönen, schon maigrünen Wald. Erstaunlich viele Besucher kamen uns entgegen und taten uns echt Leid, da wir ja wussten, was ihnen noch bevorstand. Runter ist zwar auch anstrengend und wir hatten auch einen ordentlichen Muskelkater am nächsten Tag, aber rauf hätte zumindest ich diese Tour ganz sicher nicht machen wollen!

ElbsandsteingebirgeElbsandsteingebirgeElbsandsteingebirgeElbsandsteingebirgeElbsandsteingebirgeElbsandsteingebirgeElbsandsteingebirgeKurort Rathen

Unten angekommen hatten wir noch ausreichend Zeit, uns den kleinen Ort anzuschauen (was allerdings schnell erledigt ist), etwas zu essen und, nachdem wir unsere Tickets bezahlt und erhalten hatten, einen Kaffee in der Sonne mit Blick auf die Elbe zu trinken. Unser Schiff verspätete sich. In die Gegenrichtung war der Schiffsverkehr eingestellt, hatten wir beim Ticketkauf gehört. Was, wenn unser Schiff nicht kommt? Außer uns wartete eine ganze Reihe von Menschen. Aber dann tauchte sie doch noch auf, die PD (Postdampfer? – siehe Kommentare) „Kurort Rathen“, ein restaurierter Schaufelraddampfer von 1896. Länge 55,76m, Breite 5,02m ohne die Radkästen.

PD "Kurort Rathen"

Überwiegend offene Decks, teilweise immerhin überdacht. Natürlich wollten wir auf dem Außendeck mitfahren, so wie die meisten anderen Passagiere. Kaum hatten wir abgelegt, verschwand die Sonne hinter dicken Wolken. Sofort wurde spürbar, dass es immer noch April war. Der Fahrtwind kam dazu und machte die Angelegenheit ziemlich schnell ziemlich ungemütlich. Das Deck leerte sich zusehends. Wir harrten noch eine Weile aus, drehten uns mit dem Rücken zum Wind und flüchteten schließlich total durchfroren doch in die Mitte des Schiffes. In die überfüllten Salons wollten wir nicht und so blieben wir direkt oberhalb der frei einsehbaren Dampfmaschine und neben den durch Glaswände abgetrennten Schaufelrädern stehen. Die rhythmischen, immer gleichen Bewegungen und Geräusche der verschiedenen Kolben waren fast meditativ. So standen wir eine Stunde bei einigermaßen erträglichen Temperaturen über dem Motorraum, beobachteten den Maschinisten bei seinen Kontroll- und Wartungsarbeiten, verfolgten die An- und Ablegeprozeduren und waren froh, endlich an der Anlegestelle Schloss Pillnitz aussteigen zu dürfen.
 

 
Das Schloss, ebenfalls im Besitz August des Starken und seiner Erben, diente der damaligen Gesellschaft des 18. und 19. Jahrhunderts als „Lustschloss“ und Sommerresidenz. Unsere Lust, uns noch etwas anzuschauen, hielt sich schwer in Grenzen. Wir wollten nur ins Warme! Eine gute Stunde hatten wir, bis der Bus uns hier wieder abholen würde. Alles, was wir noch hätten besichtigen können, war draußen und kostete Geld. Die berühmte Kamelie blühte schon nicht mehr und ob der Palmengarten noch geöffnet war, haben wir gar nicht erfragt. Wir machten ein paar Fotos von dem wirklich schönen Schloss mit seinen vielen Türmchen und verdrückten uns in den Souvenirshop. Dort war es so herrlich warm! Laut lachen

Schloss PillnitzSchloss PillnitzSchloss Pillnitz

written by Ingrid
photos and video taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.