Rügen – wir kommen!!!

 

Uschi war inzwischen auch unterwegs, hatte ihre Termine bei Tischer und beim Nissan-Händler erfolgreich erledigt und fuhr im Kilometerrausch mir nach. Sie wollte „nur“ bis Wismar, fragte aber vorsichtshalber nach, ob bei mir noch ein Plätzchen frei sei, falls Wismar voll sein sollte. War es, beides. Obwohl der Stellplatz in Wismar vor ein paar Jahren erweitert wurde, war er komplett belegt! Nicht ungewöhnlich für Ende August bei einem attraktiven Stellplatz nahe bei einer beliebten Stadt an einem Freitagabend, trotzdem doof. Uschi rief mich um kurz nach 20 Uhr an und wollte die 80km bis ins nach Tessin noch fahren. Das bedeutete, dass sie nicht mehr vor 21 Uhr da und die Anmeldung dann geschlossen sein würde. Natürlich hätte ich sie einfach mit meinem Schlüssel reinlassen können, ich entschied mich aber, telefonisch um die Erlaubnis dafür zu bitten. Zum Anmeldebüro laufen wollte ich nicht extra, die Tür und die Hitze! Aber sicher könne ich meine Freundin hineinlassen, vorausgesetzt, sie würde am nächsten Morgen zum Bezahlen kommen. Auf der Straße müsse sie die Nacht nicht verbringen! Um zwanzig nach neun schloss ich das Tor auf und stellte mich um die erste Ecke an die Garagen. Die besonderen Gegebenheiten hatte ich Uschi am Telefon erläutert. Bevor ich Big Fix sah oder hörte, erschien ein Lichtkegel an der letzten Garage. Ich schaltete meine Taschenlampe auf dem iPhone ein und gab Signale, sobald Fix und Boxi um die Ecke gebogen waren. Die beiden und Uschi waren an dem Tag 745km Erstauntes Smiley gefahren und froh, auf solch einem schönen und ruhigen Stellplatz gelandet zu sein. Da Uschi über eine funktionierende Klimaanlage verfügt, sagte sie, dass es für sie angenehmer gewesen sei, gekühlt zu fahren als stehend weichgekocht zu werden.

Tessin

Der nächste Tag wurde noch einmal so heiß, dass ich meine Klimaanlage durchlaufen ließ und Oscarlotta nur verließ, um meine Toilettenkassette zu entleeren und meinen Wassertank randvoll zu machen. Der Wasserhahn war nur ein paar Meter entfernt. Dabei fiel mir auf, wie traurig die neuangepflanzten Bäumchen aussahen und die nächsten Gießkannenfüllungen waren für sie. Verliebt

Uschi hatte sich beim nahen Bäcker Brötchen geholt und ihren Platz bezahlt und war zu weiteren Aktivitäten auch nicht bereit. Stimmt nicht, sie schaute sich Oscarlottas Tür an, schraubte die drei seitlichen Befestigungen ab, reinigte sie und schliff sie an.

Am nächsten Morgen öffnete sich die Tür anstandslos! Wir gaben unsere Schlüssel ab und fuhren wieder auf die A20. Bei der Ausfahrt 24 wechselten wir auf die E251/E22, die geradewegs auf die Rügenbrücke führt. Wir waren wohl nicht die einzigen, die dort hin wollten! Am letzten Rastplatz vor der Brücke hielten wir noch einmal an, wer weiß, wann wieder eine Gelegenheit kommen würde. Es fing nämlich leicht an zu regnen und ich kann mein Fenster an der Beifahrerseite in Ermangelung eines Beifahrers während der Fahrt nicht schließen. Wir fuhren bei Regen über die Brücke und über den Rügendamm. Mein Scheibenwischer auf der Beifahrerseite hat keinen ausreichenden Anpressdruck und wischt mehr in der Luft als auf der Scheibe. Das ist ein Manko, das immer nur kurzzeitig beseitigt werden kann, wenn ich mal wieder einer Werkstatt den Auftrag dazu gegeben habe. Da ich durch meinen Teil der Scheibe genug sehe, kann ich damit leben. Plötzlich drehte sich der rechte Scheibenwischerarm aber sehr akrobatisch einmal um die eigene Achse und blieb von der Scheibe weggedreht in der Luft. Sofort schaltete ich die Anlage ab. Aber es regnete und ich sah nichts mehr! Ich musste die Scheibenwischer laufen lassen!!! Anhalten ging natürlich nirgendwo, die Zugangsstraßen auf die Insel sind in diesem Bereich ausgesprochen schmal und insgesamt nur zweispurig. In beiden Richtungen bewegte sich eine PKW-Schlange! Der in der Luft schwebende, verdrehte Scheibenwischer machte sehr sonderbare Bewegungen und ich rechnete damit, dass er jeden Moment abfallen würde! Verwirrtes Smiley Ich schaltete die Anlage nur kurz ein, wenn ich fast nichts mehr sah und hoffte inständig auf einen Parkplatz. Der kam dann ZUM GLÜCK irgendwann. Mir war klar, dass Uschi sich wundern würde und ich wollte schnell aussteigen, um ihr Bescheid zu geben. Meine Tür GING NICHT AUF!!! Aber nicht ums Verrecken! Uschi kam durch den Regen gelaufen und ich rief ihr zu, sie möge den Scheibenwischer wieder zurückklappen. Der hatte sich aber so verkantet, dass auf die Schnelle nur abmontieren half. Egal, er nützte mir ja sowieso nicht viel, Hauptsache, ich konnte weiterfahren. Der verbleibende Gelenkstummel hatte genügend Abstand zur Scheibe, sodass er sie nicht verkratzen konnte. Der Regen wurde noch heftiger! Dann kam die Strecke mit den wunderschönen Baumalleen, die es nur noch in diesem Teil Deutschlands gibt. Ich erwähnte den starken Gegenverkehr? Die Warnschilder an den Bäumen für hohe Fahrzeuge nehme ich sehr ernst, die Bäume sind nämlich mit Sicherheit widerstandsfähiger als Oscarlotta. Ich blieb also in gebührendem Abstand zu ihnen, was bedeutete, dass ich über die Mittellinie fuhr. Wenn mir niemand entgegen kam. Wenn doch, blieb ich vor dem in die Straße hineinragenden Baum stehen und fuhr dann im großen Bogen drumherum. Es dauerte, bis wir in Thiessow ankamen! Enttäuschtes Smiley Auf dem Parkplatz des Campingplatzes ging die Tür nur auf, weil ich mich von innen dagegenwarf (mein Knie konnte ich nicht mehr einsetzen!) und Uschi von außen zog. Es war jetzt klar, dass der untere der drei „Tannenbäume“ (so hatte der Hartal-Mitarbeiter sie damals genannt) der Übeltäter war. Der wurde jetzt abgeschraubt! Und schon war das Problem gelöst. Seine Arbeit müssen bis auf weiteres seine beiden Kollegen übernehmen. Vermutlich müssen die Stifte in der Tür, die in diese Tannenbäume einrasten, wenn sich die Tür schließt, neu justiert werden. Ob wir das hinkriegen oder ob das eine Werkstatt machen muss, wird sich zeigen. Wir haben ja jetzt zwei Monate Zeit!

Hartal-TürHartal-TürHartal-TürHartal-TürHartal-TürHartal-TürHartal-Tür

Die Schranken des Campingplatzes öffneten sich erst um 15 Uhr wieder, die Rezeption war aber besetzt. So konnten wir uns anmelden und im Campingplatz-Bistro unseren ersten Backfisch essen. Wir hatten zwei nebeneinanderliegende Stellplätze gebucht, wovon einer allerdings erst drei Tage später frei werden sollte. Solange müsste Uschi einen anderen Platz nehmen. Sie fuhr schon einmal vor, ich machte einen Zwischenstopp auf der Entsorgungsstation. Als ich in der Nähe unserer Plätze ankam, stand Fix und Boxi mitten auf der Zufahrtsstraße und Uschi unterhielt sich mit den Campern auf ihrem zukünftigen Platz. Die packten gerade die Fahrräder zusammen und mussten nur noch den Wohnwagen anhängen. Der PKW stand natürlich auf meinem Platz! Laut Campingplatzordnung muss man bis 11 Uhr abgereist sein, aber für manche Menschen gelten immer andere Regeln. Die Leute waren aber nett und absolut relaxt. Der Mann stellte sein Auto auf die Straße und mit Uschis Hilfe drehte ich Oscarlotta auf 11 Metern um 180 Grad. Um quer zu stehen waren die Plätze nicht tief genug und ich wollte die Tür nicht zur Straße haben. Es dauerte dann noch eine gute halbe Stunde, bis Uschi hinter mich fahren konnte. Smiley

ThiessowThiessow

Unser erster Eindruck bestätigte nicht nur alle Erwartungen, sondern übertraf sie noch! Wir stehen in der „ersten Reihe“ mit einem unverbaubaren grandiosen Ausblick. Der Regen hatte mit unserer Ankunft aufgehört und dieser graue und etwas stressige Tag verabschiedete sich mit einem versöhnlichen und völlig unverhofften Willkommenssonnenuntergang! Daumen hoch

Thiessow

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Die andere Geschichte

 
 
Bei meiner Internetrecherche über Stralsund stieß ich auf das Video eines Drohnenfluges über die Dächer der Stadt. Automatisch lud sich danach ein weiteres Video und eine Drohne flog über das Modell von Prora. PRORA?!?! Vor Jahrzehnten hatte ich mal einen Bericht im Fernsehen darüber gesehen, über diese größenwahnsinnige Ferienanlage der Hitlerzeit, geplant, gebaut und nicht fertiggestellt. Das erste von fünf identischen KdF-Seebädern sollte es werden, jedes mit einer Kapazität von jeweils 20000 Urlaubern pro Durchgang von 10 Tagen. Die nationalsozialistische Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“, Teil der „Deutschen Arbeitsfront“, betraute 1935 den Kölner Architekten Clemens Klotz mit der Planung. Ein passender Name für ein solches Projekt!

KdF Die Rolle der KdF, insbesondere der geplanten Groß-Seebäder, ist widersprüchlich. Einerseits sollte sie kulturelle Bedürfnisse der Arbeitenden befriedigen, kostengünstige Urlaubsplätze – auch für kinderreiche Familien – zur Verfügung stellen, zum anderen bildete sie eine wirksame Form der ideologischen Beeinflussung im Sinne der NS-“Volksgemeinschaft“, der geistigen Kriegsvorbereitung und ermöglichte zudem in einem festen Rahmen die permanente Kontrolle der KdF-Urlauber. Die Ideologie der Volksgemeinschaft beschwor eine rassisch und politisch homogene Gemeinschaft, die als Gefolgschaft dem „Führer“ treu und gehorsam ergeben sein und dann ein Anrecht auf soziale Leistungen, wie etwa den Urlaub in Prora, haben sollte. Siehe auch „hier„. Bereits im Mai 1936 war Grundsteinlegung, ein Baustab koordinierte ab November die Zusammenarbeit von 9 Großbaufirmen und etwa 300 verantwortlichen Mitarbeitern. Nach abgeschlossenen Planierungs- und Gründungsarbeiten setzte ab April 1938 der straff und rationell organisierte Hochbau ein, in ca. 17 Monaten Bauzeit wurde das Vorhaben bis Kriegsausbruch September 1939 weitgehend rohbaufertig. Die Fertigstellung der gesamten Anlage war für das Jahr 1941 geplant. Nach Kriegsausbruch wurde der Baubetrieb jedoch drastisch reduziert, viele Arbeitskräfte wurden zur Heeresversuchsanstalt Peenemünde und an den Westwall abgezogen. Mit geringer Bautätigkeit wurde noch bis 1941 weitergearbeitet, auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene wurden hier eingesetzt. 1942/43 wurde der Bau dann endgültig eingestellt.

Koloss von Prora Es standen nun insgesamt acht identische Unterkunftshäuser mit jeweils sechs Stockwerken und einer Höhe von etwa 20m. Jeder dieser „Blöcke“ hatte eine Länge von ca. 500m und wies zur Landseite 10 rechtwinklig angeordnete Treppenhausflügel aus. Zwischen jeweils drei Blöcken im Norden und drei Blöcken im Süden blieben freie Flächen, die später mit dreigeschossigen Gemeinschaftsanlagen, die 150m weit in den Strand ragen, geschlossen werden sollten (gut zu sehen in dem ersten Video). Zwischen den beiden mittleren Blöcken sollte als Achsenmittelpunkt der in einem Segmentbogen von 13km Radius gebauten Anlage mit 90m Entfernung vom Strand ein Festplatz von 400000m² entstehen (siehe obiges Foto), mit monumentalen und repräsentativen Gebäuden wie ein Festbau mit einer offenen Säulenhalle zur Seeseite, der eine Festhalle und eine Kongresshalle für jeweils 20000 Menschen enthalten sollte. Ein „Probestück“ wurde realisiert und ist noch vorhanden. Zur Seeseite wurde eine ca. 80m ins Meer hineingebaute 500m lange Kaianlage errichtet, von der noch Teile zu sehen sind. Geplant waren zwei Seebrücken von 500m Länge für kleinere und 800m für längere Schiffe, z. B. die bereits in Betrieb befindlichen KdF-Urlaubsschiffe „Robert Ley“ und „Wilhelm Gustloff“. Wandelgänge zwischen den Gebäuden, Wasserbecken, Wasserspiele, eine 7km lange und 27m breite Strandpromenade an der gesamten, ca. 4,7km langen, Anlage entlang, waren geplant, dazu unzählige Restaurants, Cafés, Kinderhorte, Geschäfte, Schreib-, Lese- und Spielräume, Kegelbahnen, Billardräume, Bierrestaurants, Kleinkunstbühnen, ein Tonfilmtheater, ein Musikpavillon, eine Post- und eine Radiostation, zwei Schwimm- und Gymnastikhallen und ein Kontroll- und Aussichtsturm mit einem Café für 250 Personen in 70m Höhe. In jedem der acht Blöcke waren zwei zur See hin offene Liegehallen über alle sechs Stockwerke geplant und im Rohbau fertiggestellt, sie sollten durch Wärmestrahler auch bei kälteren Temperaturen benutzbar sein. Neben den Liegehallen gab es jeweils einen Aufzug, das ist das einzige Unterscheidungsmerkmal der jeweils 10 Treppenhausflügel auf der Landseite.

Brunnen für die Wasserversorgung wurden gebohrt, ein Eisenbahnstreckennetz nach bzw. von Binz errichtet sowie ein Straßennetz. Ein Kieslager wurde erschlossen, ein Kraftwerk und ein Wasserwerk errichtet. Zwei von acht Angestelltenwohnhäusern wurden gebaut. Vier Arbeitsdienst-Wohnlager einschließlich eines eigenen Speisehauses waren geplant, zwei wurden fertiggestellt und sind vorhanden und bewohnt. Für die Familien der Angestellten sollten eine Schule, ein Krankenhaus und kulturelle Einrichtungen geschaffen werden. Man rechnete mit ca. 5000 Angestellten und weiblichen Hilfskräften im Rahmen der obligatorischen Wehrdienstverpflichtung. Ein Wahnsinnsprojekt!!! Eine kleine Stadt für sich, die alle Bedürfnisse erfüllte, außer vermutlich die nach Intimität, Privatsphäre, Ruhe.

Die Zimmer, alle zur Seeseite gelegen, waren etwa 2,50m mal 5,00m groß (!), auf der Landseite befand sich ein vorgelagerter Flur von 2,50m Breite. Daraus ergibt sich die auffallend geringe Tiefe der Gebäude von nur 8 Metern! Lediglich die Unterlagerung der beiden unteren Geschosse zur Landseite beträgt 10,55m. Die Zimmer sollten schlicht und zweckmäßig eingerichtet werden: zwei Betten und ein Liegesofa, dazu Tisch und Stühle. Ein kleiner Vorraum mit Waschbecken (fließend kaltes und warmes Wasser!) und eingebauten Wandschränken, abgetrennt durch einen Paravent. Die Ausstattung aller Zimmer mit Zentralheizung sollte eine Nutzung auch in der kalten Jahreszeit, etwa 8 Monate im Jahr, ermöglichen. Die aus den Maßen der Skelettbauweise abgeleitete Zimmerform ließ auch eine Verbindung zweier Räume für Familien mit Kindern oder für eine Gruppe bis zu 6 Personen zu. Toiletten und Waschräume sowie Duschen sollte es in den Treppenhausflügeln geben.

Von den acht Blöcken stehen heute noch drei auf der Südseite und zwei im Norden. Ruinen zweier weiterer Blöcke schließen sich an. Hier wurden während der Besetzung durch die Sowjetarmee 1945 und später durch NVA-Einheiten Schießübungen vorgenommen, Nahkampf- und Häuserkampfübungen absolviert und Sprengversuche gemacht. Durch die massive Stahlbetonbauweise konnte allerdings nicht alles zum Einsturz gebracht werden. Nach Kriegsende versuchte man, die Gebäude zu demontieren. Ein „Abbau per Hand“ durch verpflichtete Ortsansässige musste nach einigen Unfällen mit Todesfolge aufgegeben werden. Ende der 40er-/Anfang der 50er-Jahre wurde aus Sicherheitsgründen der nur bis zum 4. Stockwerk errichtete vierte Block im Süden vollständig gesprengt. Seine Trümmer liegen noch im Wald verstreut. Trotz dieser Unvollständigkeit gilt die Anlage neben dem Reichsparteigebäude in Nürnberg als die größte geschlossene architektonische Hinterlassenschaft der nationalsozialistischen Zeit und steht heute unter Denkmalschutz. „Der Koloss von Rügen“ oder „Das längste Haus der Welt“ wird sie tituliert und viele Sagen ranken sich um sie herum. Das liegt überwiegend daran, dass das gesamte Gebiet bis 1991 militärisches Sperrgebiet war. Es hieß z. B., dass die gesamte Anlage durch drei unterirdische Geschosse miteinander verbunden sei. Richtig ist, dass alle Trakte durch einen übermannshohen Versorgungskanal zur Aufnahme von Energie- und Wasserleitungen verbunden sind. Diese enden aber jeweils an der Lücke des geplanten großen Festplatzes. Eine Unterkellerung dort war wohl geplant, wurde aber nicht ausgeführt. Also ist die 4,7km lange Anlage strenggenommen gar kein zusammenhängender Gebäudekomplex.

Wir waren in Stralsund, also an der günstigsten Position für einen Besuch in Prora. Ich machte Uschi den Vorschlag, eine Ausflugsfahrt mit Fix und Boxi zu unternehmen und das Meeresmuseum ausfallen zu lassen, zumal das Wetter wunderbar war. Also fuhren wir über die Rügenbrücke auf Deutschlands größte Insel. Es waren nur 45km und schon bald sahen wir durch den Wald hindurch lange graue Gebäudeteile entlang der Straße. Wir fuhren bis es nicht mehr weiterging und fanden an der Haltestelle der Jugendherberge einen Parkplatz. Da wir absolut keine Ahnung hatten, wo an dem Gesamtkomplex wir waren, liefen wir einfach mal drauflos. Wir kamen durch eine kleine Siedlung mit völlig identischen Häusern, die alle offensichtlich bewohnt waren und wussten erst im Nachhinein, dass es sich um die oben erwähnten Arbeitsdienst-Wohnlager handelte. Dann standen wir vor einer Mauer, links sah man graue verfallene Häuser und rechts strahlendweiße renovierte.

Prora alt+neu

Im Internet hatte ich erfahren, dass seit einigen Jahren Blöcke (v)ersteigert worden waren und jetzt renoviert werden. Ein Hotel sollte schon fertig sein. Ich interessiere mich ja sehr für Architektur und genau dieser Zustand von ruinenmäßig bis luxussaniert reizte mich. Auf der linken (Nord-) Seite sahen wir in der Ferne eine weiße Unterbrechung des Einheitsgraus. Dort ist schon 2011 in einem Drittel des zweiten Blocks eine Jugendherberge mit 96 Zimmern und insgesamt 400 Betten errichtet worden.

Prora JugendherbergeProra Jugendherberge (weiß)

Im Anschluss müssen die zwei Blöcke liegen, die nur noch als Ruinen vorhanden sind. Wir haben sie leider nicht gesehen, da wir uns entschieden, zum Strand zu gehen und dann nach rechts abzubiegen. Es gibt aber auch dazu ein Video auf youtube. Wir liefen an den Fundamenten einer der geplanten Gemeinschaftsanlagen entlang.

Prora RuinenProra RuinenProra RuinenProra Ruinen

Von der Seeseite her war der Kontrast zwischen alt und renoviert noch extremer und die Umsetzung und Gestaltung mit vorgesetzten Balkonen gefiel uns. Später erfuhren wir, dass diese Wohnungen vermietet wurden, teilweise als Sozialwohnungen. Sie schienen alle belegt zu sein.

Prora alt+neuProra MietwohnungenProra MietwohnungenProra Mietwohnungenehemalige LiegehallenProra Strand

Wir liefen weiter an der Garten-/Seeseite des Blockes entlang und fanden weitere Segmente, die noch restauriert wurden und größtenteils bereits völlig entkernt waren. Die seltsamen langen und offenen Fensterfronten konnten wir uns nicht erklären, jetzt wissen wir, dass das die geplanten offenen Liegehallen waren. (Während der späteren Nutzung der Anlage durch die NVA der ehemaligen DDR wurden die Liegehallen verglast und als Wohnraum genutzt.)

Prora entkerntProra entkerntProra ehem. LiegehallenProra entkerntProra entkerntProra Kunst am BauProra Kunst am Bau

Wir liefen den gesamten Block, also 500 Meter, ab und landeten an einer großen bewaldeten Freifläche. Weitere Gebäude waren nicht zu sehen und wir beschlossen, an der Landseite zurück zu unserem Mobil zu gehen und weiter nach Süden zu fahren. Die Freifläche war der geplante Festplatz, aber das erfuhren wir erst später. Wir fuhren auf der Landstraße ca. 2km nach Süden und folgten der Beschilderung zum Hotel „Solitaire“. Der frühere 3. Block (der 4. wurde ja gesprengt) wird z. Z. restauriert und war mit Planen verhängt. Der frühere (und jetzige) 2. beherbergt das erst 2016 fertig gewordene Hotel mit Suiten, Apartments und 120 Ferienwohnungen, die man auch käuflich erwerben kann. Die Preise beginnen bei 128000 Euro für eine 28m² Wohnung. Erstauntes Smiley Seit März diesen Jahres gibt es auch einen großen Fitness- & Spa-Bereich mit Hallenbad und Saunalandschaft. Alles vom Feinsten, versteht sich. Sogar eine Bäckerei, ein Café und ein italienisches Restaurant gibt es bereits in diesem Block.

Prora Hotel SolitaireProra Hotel SolitaireProra Hotel SolitaireProra Hotel Solitaire (ehemalige Liegehallen)Prora BäckereiProra BäckereiProra Hotel SolitaireProra Hotel Solitaire

Prora NVA-Museum Der nächste Block war in sämtlichen Daseinszuständen vertreten. Teilweise wurde heftig renoviert, teilweise sah schon alles fertig aus. Das NVA- Museum ist hier (noch) untergebracht, hat aber angeblich kein Geld zum Kauf und zur Renovierung.

Prora alt+neu
Prora altProra altProra altProra altProra BauzubehörProra SchuttProra PalettenProra BaumaterialProra alt+neuProra BauwagenProra RenovierungProra RenovierungProra Renovierung

Prora Eigentumswohnungen geplantKurz vor der Festplatzlücke wird Haus für Haus des jetzigen 3. Blockes in Eigentumswohnungen verwandelt (Qudratmeterpreise von €3391 bis €5.919), ein Hotel soll ebenfalls entstehen sowie eine Marina. Die Festplatzlücke soll modern, aber nicht weniger pompös als in den Originalentwürfen von 1935, bebaut werden. Es wird sich sicher lohnen, nächstes oder übernächstes Jahr noch einmal vorbeizuschauen und die Fortschritte zu beurteilen. Hätten wir mehr Zeit gehabt, wäre ich sehr an einer der angebotenen Führungen durch die gesamte Anlage interessiert gewesen und an der auf dem Festplatzgelände gelegenen KdF-Ausstellung. Aber ich denke, dass wir hier noch einmal herkommen werden! Ob man in einer solchen, immer noch gigantischen, Ferienanlage Urlaub machen oder sogar in seiner Eigentumswohnung wohnen möchte, ist sicher Geschmackssache. Der Strandabschnitt gilt allerdings als der schönste von ganz Rügen!

Prora Festplatzbebauung Prora Festplatzbebauung

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

In Stralsund

standen wir auf dem Stellplatz des Wohnmobilhändlers Dahnke. Der Platz liegt ca. 15-20 Gehminuten vom Zentrum entfernt direkt an der Rügenbrücke, es gibt auch eine Busverbindung in die Stadt. 40 Wohnmobile bis 9m und 7,5t sind willkommen, das reichte für Oscarlotta ja noch so gerade. Zwinkerndes Smiley Den Platz gibt es erst seit Mai 2014, er ist gut gestaltet, aber mit €15 nicht besonders preiswert. Bezahlt wird erst bei Abreise an einem Ticketautomaten, die ersten 15 Minuten nach Ankunft kann man bei Nichtgefallen den Platz kostenfrei wieder verlassen.

Stralsund kannten wir ebenfalls von 2002 und konnten uns gut daran erinnern, wie begeistert wir damals von der St.-Nikolai-Kirche waren, die im Inneren wunderbar mit Decken- und Pfeilermalereien in kräftigen, strahlenden Farben ausgestaltet war. Als älteste Pfarrkirche Stralsunds ist sie schon von weitem an ihren zwei unterschiedlichen Türmen zu erkennen, von denen nach einem schweren Brand 1662 nur einer einen barocken Helm und der andere aus finanziellen Gründen nur ein Notdach erhielt. Durch ihre Nähe zum Verwaltungszentrum, dem Rathaus, wird St. Nikolai als Hauptkirche betrachtet. In ihr fanden wichtige Ratssitzungen statt, auch Gesandte wurden hier empfangen. Es kam ihr aber noch eine weitere Funktion zu, durch die sie mit Recht als Hauptkirche betrachtet wird. Hier wurden die „bursprake“ verlesen, den Bürgern also wichtige Gesetze und Verordnungen bekannt gegeben. Heute gehört sie, zu Recht, wie wir finden, zum UNESCO Welterbe.

Wir nahmen die Fahrräder und fuhren erst einmal Richtung Hafen. Unterwegs hielten wir Ausschau nach einem Frisiersalon und wurden fündig. Ein winziger Laden, noch mit DDR-Charme eingerichtet, und ein Ein-Frau-Betrieb. Ja, sie hätte Zeit für uns, aber sie könne uns nur nacheinander bedienen. Kein Problem, Zeit hatten wir auch! Wir waren sowohl mit dem Ergebnis als auch mit dem Preis zufrieden.

Am Hafen ist das neue Ozeaneum errichtet worden, ein Monumentalbau, etwas gewöhnungsbedürftig und mit €17 pro Person auch nicht ganz preiswert. Die nördlichen Meere werden dort gezeigt und erklärt. Es gibt auch noch das ältere Meeresmuseum (Museum für Meereskunde
und Fischerei · Aquarium), das in der Altstadt in einem ehemaligen Dominikanerkloster untergebracht ist. Dort „wohnen“ die Warmwasser- und Tropenfische und dort wollten wir am nächsten Tag hin. Dass es ganz anders kommen sollte, wussten wir da noch nicht.

RügenbrückeOzeaneumZollgebäudeZollgebäude

Das nicht mehr seetüchtige Segelschulschiff Gorch Fock mit seiner wechselvollen Geschichte (um sie 1945 nicht in die Hände der Roten Armee fallen zu lassen, wurde sie versenkt und konnte erst zwei Jahre später wieder geborgen werden, unüblicherweise mit stehenden Masten, so wie sie während der gesamten Zeit im Strelasund gut sichtbar auf Grund gelegen hatte) liegt dort seit 2003 und kann besichtigt werden. Wir bewunderten die alte Dame allerdings nur von außen.

Gorch FockGorch FockGorch FockGorch FockGorch Fock

Allein der Klecks Sprühsahne kostete 1 Euro! Wir sahen uns also die Stadt an, aßen in einem Café völlig überteuerten Kuchen und tranken Kaffee in keinem ausgewogenen Preis-/Leistungsverhältnis. Dem aufmerksamen Leser fällt sicher auf, dass wir ab und zu solche kritischen Anmerkungen machen, aber es ist leider im östlichen Teil Deutschlands so, dass wir uns öfter als woanders „abgezockt“ fühlen.

Stralsund ist hübsch, aber überschaubar und wir waren relativ schnell durch. Jetzt noch in die St.-Nikolai-Kirche! „Wir schließen jetzt!“ wurde uns, nicht besonders freundlich, mitgeteilt. Es war zwei Minuten vor vier! An der Eingangstür zum Kassenraum hing ein Hinweis, dass die Kirche am nächsten Tag wegen Wartungsarbeiten ganz geschlossen sei. Es stellte sich dann im Gespräch heraus, dass der noch amtierende Bundespräsident Gauck auf seiner Abschiedstour zu Besuch kommen sollte. So können wir leider keine Fotos dieser schön gestalteten Kirche präsentieren, sondern nur folgenden Link.

HafenHafenHafenTrabbiBürgerhäuserBürgerhausBürgerhausKirchenruineSt. MarienkircheSt. MarienkircheRathausRathaus

Abends entdeckte ich dann zufällig bei meiner Internetrecherche zu Stralsund etwas, das unsere Pläne für den nächsten Tag über den Haufen warf. Aber das ist eine andere Geschichte!

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.