Harzblick

 
 
HarzblickWeiter ging es, diesmal wieder nur eine überschaubare Strecke, in den Harz. Dort war Uschi noch nie so richtig und ich zum ersten Mal in meinem Leben in Braunlage im Kinderheim, mit 11 Jahren. Wir entschieden uns für einen kleinen privatgeführten Stellplatz in der Nähe von Wernigerode. Das sollte sich als goldrichtig herausstellen. Nicht nur, dass der Platz sehr liebevoll gestaltet und mit €10 noch verhältnismäßig preiswert ist, sondern der Betreiberin, Frau König, ist es ein persönliches Anliegen, dass ihre Gäste sich wohl und gut betreut fühlen. Bei jedem neu ankommenden Wohnmobil erscheint sie unmittelbar nach Ankunft mit einem Körbchen am Arm, in dem Begrüßungsleckerli sind. Für die Menschen! Eine sehr sympathische Geste! Verliebt Die Anmeldeprozedur, die in einem offenen Holzpavillon stattfindet, gestaltet sich sehr ausführlich, da nicht nur die Kurkarte ausgefüllt werden muss, sondern es auch noch jede Menge Tipps gibt. Der Kurbeitrag beträgt €2,50/Tag/Person, dafür kann man allerdings im gesamten Harzkreis kostenfrei Bus fahren und bekommt außerdem noch die üblichen Rabattcoupons für Einkäufe oder Restaurantbesuche etc…
Wir hatten vorsichtshalber zwei Plätze reserviert und auch wenn es bei unserer Ankunft noch nicht so aussah, als ob das nötig gewesen wäre, so zeigte sich schon zwei Tage später, dass nicht nur wir auf diesen Platz aufmerksam geworden waren. Die offiziell angegebenen 20 Plätze waren jeden Abend belegt, wobei es ab 15 Mobilen schon äußerst schwierig wurde. Ich schlug vor, eine zweite Etage ins Auge zu fassen, aber Frau König meinte, noch mehr arbeiten wolle sie eigentlich nicht mehr in ihrem Alter. Sie betreibt den Platz zusammen mit ihrem jetzt schwer erkrankten Mann seit 15 Jahren auf eigenem Grundstück hinter ihrem Wohnhaus. Der Stromkasten wird bei jedem Ankömmling oder Abreisenden auf- und wieder zugeschlossen, der Zählerstand wird notiert und man bezahlt 60 Cent/kWh bei Abreise. Bezahlung ausschließlich in bar! Alles noch etwas altertümlich, auch die Webseite, und sehr arbeitsintensiv, aber eben auch sehr persönlich. Sehr passend heißt der Ort Darlingerode. Zwinkerndes Smiley

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Uschi, die wie immer vor mir da war, hatte uns die besten Plätze ausgesucht. Ich hatte einen schattenspendenden Baum auf der Türseite und keine direkten Nachbarn, da der Durchgang zu den Müllbehältern freibleiben musste. Zudem hatte ich vollen Ausblick auf das gesamte Treiben auf dem Platz und das ist ja immer wieder interessant. Cooles Smiley
In unmittelbarer Nähe des Stellplatzes gibt es einen Metzger und einen Bäcker und in ca. 5 Minuten ist man an der Bundesstraße, an der die Bushaltestellen sind und auch ein Netto-Einkaufsmarkt. Die Lage des Platzes in einem Wohngebiet bedeutet absolute Ruhe, vor allem nachts.

Unser erster Busausflug ging nach Wernigerode, was wir nur seinem bekannten Namen nach kannten. Es war wie erwartet, viele schöne Fachwerkhäuser, ein tolles Rathaus und viele Menschen. Das Wetter war durchwachsen und den ersten Regenschauer nutzten wir für eine Fahrt mit der Bimmelbahn hoch zum Schloss. Dieses sieht von unten spektakulärer aus als wenn man davorsteht, aber man hat natürlich einen schönen Blick ins Tal und hinüber bis zum Brocken, der nur 12km entfernt ist.

WernigerodeWernigerodeWernigerodeWernigerodeWernigerodeWernigerodeWernigerodeWernigerodeWernigerodeWernigerodeWernigerode

Dorthin hätten wir natürlich mit der legendären Brockenbahn, einer dampfbetriebenen Schmalspurbahn, fahren können, aber nicht nur, dass uns der Fahrpreis und die Fahrtdauer abschreckte, sondern Frau König riet uns auch davon ab. Uschi war auf der Fahrt schon durch abgestorbene Fichtenwälder gekommen und war entsetzt und Frau König meinte, so sei ein Großteil der Bahnstrecke, es wäre zum Weinen. Zufällig stieß ich nach unserem Aufenthalt auf eine Sendung im MDR-Fernsehen: „Mit Volldampf auf den Berg der Deutschen – Die Brockenbahn“. So konnte ich doch noch hochfahren und ich erfuhr auch noch vieles aus der Zeit der DDR in Bezug auf die Bahn und den Brocken, was mir nicht geläufig war. Wen es interessiert, „hier“ klicken.

Der nächste Ausflug ging nach Bad Harzburg, wieder per Bus. Die Fahrt dauerte 40 Minuten und der nächste Bus zurück fuhr dann auch erst wieder nach 2½ Stunden. Zum Glück bot das Städtchen mehr als auf den ersten Blick vermutet und wir bekamen die Zeit gut herum. Das schöne Wetter spielte dabei eine entscheidende Rolle. Der Unterschied zu Wernigerode hätte größer nicht sein können. Bad Harzburg wirkte auf uns, als ob es irgendwo in den 1960er-Jahren stehengeblieben sei. Gefallen hat es uns aber trotzdem. Smiley

KücheBad

Passt auf euch auf und bleibt gesund!

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Bad Frankenhausen/Kyffhäuser

 
 
Jetzt machten wir endlich mal etwas Strecke, immerhin 211km. Laut lachen Nach kurzer Zeit verließ ich meine „Zwischenheimat“ der letzten 10 Monate, den Freistaat Bayern, nach oben und wechselte über die ehemalige innerdeutsche Grenze nach Thüringen. Da wir beide nicht wirklich wussten, wo wir überhaupt hinwollten, bewegten wir uns weiter in der Mitte Deutschlands stückweise nach Norden. Die Entscheidung, wo wir dann nach rechts oder links abbiegen würden, stellten wir noch zurück. Der monatelange Lockdown steckt uns wohl noch in den Knochen, die neugewonnene Freiheit sprengt die Fesseln nicht so, wie wir das gedacht hatten. Ob sich so ähnlich ein Mensch fühlt, der längere Zeit in einem Gefängnis gesessen hat? Sich neu orientieren müssen, gezwungen werden, die Realität mit den Hoffnungen und Wünschen abzugleichen, die monate- oder jahrelang in einer Parallelwelt entstanden und gewachsen sind. Die Irritation zu spüren, wenn sich da eine Kluft auftut, mit der man nicht gerechnet hat. Sich eingestehen zu müssen, dass man nicht einfach eins zu eins dort weitermachen kann, wo man vor langer Zeit aufhören musste, selbstverschuldet oder auch nicht.
 
Unser Etappenziel war Bad Frankenhausen/Kyffhäuser. Was für ein seltsamer Name!? Gibt es so viele Bad Frankenhausen in Deutschland, dass man einen Zusatz braucht? Mit Schrägstrich? Sehr ungewöhnlich. Erstauntes Smiley
Kyffhäuser musste ich erst einmal googeln. Ich erfuhr, dass das Kyffhäusergebirge im südöstlichen Harzvorland das kleinste Mittelgebirge Deutschlands ist. Die höchste Erhebung ist der Kulpenberg mit 473,6m. Der Name Kyffhäuser wird auf das Wort cuffese (=Kuppe/Kopf) zurückgeführt. Historisch existieren auch die Schreibweisen Kiffhäuser und Kyfshäuser. Im lokalen Nordthüringer Dialekt wird er „Kipphiesr“ genannt. Eine weitere Variante der Namensdeutung „Kyff“ ist „Krieg“ oder auch „Streit“, sodass der Kyffhäuser ein Streithaus, eben eine Burg, ist. Die gab es wirklich. Auf einem Bergvorsprung im Nordosten des Kyffhäusergebirges befinden sich die Ruinen der Reichsburg Kyffhausen, die Ende des 19. Jahrhunderts durch das Kyffhäuserdenkmal zu Ehren Kaiser Wilhelms I. ergänzt wurden. Dabei wurde vor allem die Mittelburg zerstört, auf ihrem Platz wurde das Denkmal errichtet. Teile der Ruinen der Ober- und Unterburg dagegen blieben erhalten, ebenso wurde der 176 m tiefe Burgbrunnen wieder restauriert.
(Quelle: Wikipedia)

Kyffhäuserdenkmal

Schiefer TurmWir waren leider nicht dort, haben aber eine andere Sehenswürdigkeit gesucht und gefunden. Bad Frankenhausen rühmt sich damit, einen noch schieferen Turm zu haben als Pisa. Smiley

Tatsächlich befindet sich der Turm der Oberkirche (Unser Lieben Frauen am Berge) inzwischen 4,60m außerhalb des Lots. Er hat damit die – in Metern – größte Schieflage aller Türme in Deutschland. In seine Sanierung sind seit der Wende 1,3 Millionen Euro geflossen. Das Dach des Kirchenschiffs wurde mit der Begründung eines Hausschwamm-Befalls 1962 abgetragen, seitdem ist es eine Ruine. Sie wird wohl für verschiedene Veranstaltungen genutzt und soll langfristig wieder aufgebaut werden.

Schiefer TurmSchiefer TurmSchiefer TurmSchiefer TurmRuine

Die Ursache für das drohende Umstürzen des Turmes sind geologische Prozesse über Jahrhunderte, verursacht oder begünstigt durch die 25m unterhalb der im 14. Jahrhundert errichteten Kirche gelegene Elisabeth-Quelle. Man hat wirklich eindrucksvolle und wohl auch funktionierende Sicherungsmaßnahmen errichtet.

Schiefer TurmSchiefer TurmSchiefer Turm

Uschi war allein etwas weiter in der Umgebung unterwegs.

Bad FrankenhausenHausmannsturmHausmannsturmHausmannsturmBad FrankenhausenBad Frankenhausen

Das Städtchen ist sehr überschaubar mit ein paar schön restaurierten Häusern. Ab und zu sieht man aber auch noch Bauruinen, wahrscheinlich aufgrund nicht geregelter Eigentumsrechte. Interessant ist der Unterschied zwischen alt und neu.

Bad FrankenhausenBad FrankenhausenBad FrankenhausenBad FrankenhausenBad FrankenhausenBad FrankenhausenBad Frankenhausen

Eine Nachbarin auf dem Wohnmobilstellplatz schwärmte von dem Naturschwimmbad ganz in der Nähe. Sie komme extra deswegen jedes Jahr hierhin und gehe jeden Tag baden. Auch für dieses Solebecken ist die Elisabeth-Quelle ausschlaggebend.

Soleschwimmbad

Die Sole, deren Natriumchlorid aus dem unterhalb der Leine-Formation lagernden Staßfurt-Steinsalz (Steinsalz der Staßfurt-Formation, „Zechstein 2“) stammt, wurde in Bad Frankenhausen seit der älteren Eisenzeit (8. bis 6. Jahrhundert v. Chr.) genutzt. Die sogenannte Schüttschachtquelle, 35 m von der Elisabethquelle entfernt, wurde zunächst zur Salzgewinnung und erst später balneologisch und für Trinkkuren genutzt.
(Quelle: Wikipedia)

Direkt am Stellplatz befindet sich also logischerweise die „Kyffhäuser-Therme“ mit einem 3,5%igen Solegehalt. Also eigentlich natürlich andersherum! Zwinkerndes Smiley Der Stellplatz verfügt zwar nur über 15 Plätze, ist aber sehr schön angelegt und bietet alles, was man als autarker Wohnmobilist braucht. Das Duschen ist in der Therme möglich, aber mit €3,50 für 30 Minuten eindeutig zu teurer. Der Platz kostet €12 plus €2/Person Kurtaxe. Als Gegenleistung hat man nicht nur die üblichen Vergünstigungen der Kurkarte, sondern bekommt auch pro Aufenthaltstag bzw. -nacht 2kWh Strom geschenkt. Da Uschi mir ihren Anteil überließ und ich gut damit auskam (den Kühlschrank betrieb ich natürlich elektrisch), weiß ich nicht, was ein Nachkaufen von Automatenmarken gekostet hätte. Vermutlich aber 50 oder 60 Cent, was den Übernachtungspreis um mindestens einen Euro ermäßigt. Eine nette Geste, finde ich. Verliebt

StellplatzStellplatz

Kostenfrei ist auch die Frischwasserentnahme, sehr eigenwillig gestaltet und nicht auf den ersten Blick zu identifizieren!

FrischwasserFrischwasserFrischwasser

Passt auf euch auf und bleibt gesund!

written by Ingrid
photos taken with iPhone and Samsung Galaxy S20

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.