Schwimmende Häuser auf Steigereiland

 

An einem Sonnetag, der seinem Namen alle Ehre machte, liefen wir noch einmal die Strecke am Yachthafen mit dem geschlossenen Café entlang und unter der Brücke des Amsterdamer Autobahnrings hindurch bis zum Übergang nach Steigereiland.

Richtung Steigereilandunter der Brücke Jachthaven

Ich wollte gerne die schwimmenden Häuser mal aus der Nähe sehen. Steigereiland ist die erste der drei Inseln, die zum neugegründeten, aus dem Meer gewonnenen Amsterdamer Stadtteil IJburg gehören und hier entstanden die ersten schwimmenden Häuser Europas.

IJburgFußweg nach Steigereiland

Wir hatten einen Teil davon ja bisher nur aus der Entfernung gesehen und in ihrer Gleichförmigkeit sprachen sie uns nur bedingt an. Ich war neugierig auf den anderen, größeren Teil und auf IJburg im Besonderen.

schwimmender Häuser

Wasserspiegel Amsterdam Dass die Idee, nicht nur auf Hausbooten zu leben, sondern ganze Häuser auf schwimmbaren Untergrund zu stellen, in einem Land, das von Wasser durchzogen ist, keine schlechte Idee ist, hatte ich ja schon erwähnt. Der „Amsterdamer Pegel“ wurde 1683/1684 als Nullpunkt für Höhenmessungen festgelegt. Es wurde der Wasserstand des Mittleren Hochwassers (MHW) gewählt. Dieser Wasserspiegel lag ca. 17cm über dem Mittelwasser. Der Wasserspiegel der Amsterdamer Grachten liegt heute etwa 40cm unter dem Meeresspiegel der Nordsee. (Quelle: Wikipedia)

Schon immer mussten die Niederländer ihr Land durch Deiche vor Überflutung schützen und aus eben diesem Grund baute man den Abschlussdeich im Norden der Provinz Noord-Holland, um die Meeresbucht Zuiderzee abzutrennen. Wenn der Meeresspiegel aufgrund der Klimaveränderung weiterhin ansteigt, wird das für die Niederlande besonders dramatisch. Also experimentiert man mit Häusern, die schwimmen und teilweise an 5m langen Pfählen mit dem steigenden oder fallenden Wasserstand in Gezeitengebieten entlang“wandern“. So pfiffig, wie die Niederländer sind, wird es ihnen bestimmt noch gelingen, ganze Stadtteile, wenn nicht ganze Städte, schwimmen zu lassen. Wenn ich die berühmten drei Wünsche frei hätte, wäre einer sicher, in 100 bis 200 Jahren mal nachzuschauen (nicht nur in den Niederlanden).

Auch auf Steigereiland wurde schon bald deutlich, dass niederländische Architektur sehr einfallsreich ist und geschickt Tradition und Moderne miteinander verknüpft. Wir haben während unseres gesamten Aufenthalts in dieser Stadt keinen Stadtteil, keinen Straßenzug gesehen, der hässlich war. Auch in den Gegenden, wo erkennbar nicht so begüterte Menschen leben, sind die Häuserreihen gepflegt und trotz ihres Massencharakters ansehnlich.

Indische Buurt AmsterdamIndische Buurt Amsterdam

In/auf Steigereiland überwiegen moderne mehrgeschossige Häuser mit zwar einheitlichem Gesamtbild, aber trotzdem individuellem Einzelcharakter. Bei dem Haus mit den extrem großen Fensterflächen (2. Foto) entdeckten wir, dass hinter dem unteren „Schaufenster“ ein schweres Motorrad geparkt stand. Cooles Smiley

SteigereilandProtzSteigereilandSteigereilandSteigereiland

Wir überquerten die auf einem Damm verlaufende Hauptverkehrsstraße, die die zu IJburg gehörenden Inseln miteinander verbindet und waren dann schon an dem großen Wasserbecken, das die schwimmenden Häuser beheimatet. Zunächst kamen wir an z. T. noch im Bau befindlichen Einfamilienhäusern vorbei, gläsern und einsehbar, wie in den Niederlanden üblich.

SteigereilandSteigereilandSteigereilandSteigereilandSteigereiland

SteigereilandWir liefen gegen den Uhrzeigersinn einmal um den gesamten Häuserkomplex herum und bemühten uns, nicht in die Wohnzimmer, Esszimmer, Küchen zu schauen, allenfalls aus den Augenwinkeln. Vor jedem Haus standen Sitzgelegenheiten, Tische, Grills, Blumenkübel, Roller, Fahrräder, Kinderspielzeug und es war ersichtlich, dass bei schönem Wetter sich das Leben draußen abspielt. Nicht verwunderlich bei dieser Aussicht! Da will man ja wirklich keine Gardinen und Vorhänge vor den Fenstern haben!

SteigereilandSteigereilandSteigereilandSteigereilandSteigereiland

Dann waren wir bei den Wasserhäusern! In der einen Ecke des Beckens sehr individuell, in der anderen sehr genormt. Ist Geschmacksache und sicherlich auch eine Preisfrage. Erstauntes Smiley

schwimmende Häuserschwimmende Häuserschwimmende Häuserschwimmende Häuserschwimmende Häuserschwimmende Häuser

IJburg Wir hätten gerne einen Kaffee getrunken, aber das vorhandene Restaurant/Bistro/Café wurde zum Kauf angeboten! Also gingen wir zur nächsten Straßenbahnhaltestelle und fuhren mit einer Ein-Stunden-Karte zunächst durch ganz IJburg, also über den Haveneiland-Teil bis zur Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 26 Centraal Station – IJburg. Ab da geht es mit Bussen weiter. Wir wollten aber mit der Bahn wieder zurückfahren und überlegten, ob wir wohl sitzenbleiben können. Bevor wir fragen konnten, machte uns die Straßenbahnfahrerin unmissverständlich klar, dass wir aussteigen müssen. „Please remember to check out!“ Wir waren etwas unschlüssig, wie es nun weitergehen würde, liefen um die Kurve und sahen an einer weiteren Haltestelle in gleicher Fahrtrichtung zwei Straßenbahnzüge hintereinander stehen, Richtung Centraal Station. Also checkten wir wieder ein! Wenn wir noch ein wenig gewartet hätten, hätten wir auch in die Bahn wieder einsteigen können, mit der wir gekommen waren. Smiley mit geöffnetem Mund Die Schienenführung machte eine große Schleife und dann ging es auf gleicher Strecke durch Haveneiland-Oost, Haveneiland-West und Steigereiland wieder zurück. Unterwegs stiegen wir noch einmal aus in der Hoffnung auf einen Kaffee. Es gab aber nur geöffnete Imbissbuden und einen großen Albert Heijn-Supermarkt. Es ist völlig normal, dass Supermärkte auch sonntags geöffnet sind, eine gute Sache für die Berufstätigen. Am Fußgängerüberweg blieb ein motorbetriebener Krankenfahrstuhl mitten auf der Straße stehen, die darin sitzende Frau drückte vergebens auf ihrer Fernbedienung herum. Ein Mann, der ihr entgegenkam, stellte sein Fahrrad ab und versuchte zu helfen. Hinter der Frau saß verkehrt herum noch ein Mensch. Das Fahrzeug lief nicht mehr an, musste aber von der Straße herunter. Also aussteigen und schieben! Und so sahen wir die ersten am Hinterkopf zusammengewachsenen Siamesischen Zwillinge „in echt“, erwachsen und ohne Begleitung selbständig unterwegs. Das gibt es wohl auch nur in den Niederlanden! Daumen hoch

Enneus Heerma Brug Wir nahmen die nächste Tram und fuhren über die elegant geschwungene Enneus Heerma-Brücke, die wir schon so oft aus der Ferne gesehen hatten. Sie verbindet Steigereiland mit Zeeburgereiland. Wir fuhren bis zu „unserer“ Haltestelle Zuiderzeeweg und mussten dann nur noch „über das Wasser“ zum Campingplatz zurücklaufen. Dieses Mal gingen wir allerdings den Weg, den man auch mit dem Auto nehmen muss. Entlang des Zuider IJdijks liegen die „etwas“ maroden Hausboote, die ich schon gezeigt habe, neben total schönen und gepflegten. Interessant ist auch die Stromzuführung! Smiley

auf dem Heimwegauf dem Heimwegauf dem Heimweg

Auf der Landseite wiederholt sich das mit den Grundstücken. Offenbar wurde der Winterplatz eines Zirkus zwangsaufgelöst. Oder auch nur eine alternative Wohnsiedlung.

auf dem Heimwegauf dem Heimwegauf dem Heimweg

Gegenüber auf der anderen Seite vom Amsterdam-Rijnkanaal entsteht gerade ein weiteres Amsterdamer nieuwbouwontwikkelingsgebied Zwinkerndes Smiley, an/auf Land.

Neubaugebiet Amsterdam

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

NDSM, Pontsteiger und Haarlemmerbuurt

 

Es gibt viele verschiedene Methoden, eine größere Stadt zu erkunden, die sicherlich abhängig sind vom Typus des jeweiligen Menschen.

– Man kann einfach draufloslaufen, was gar nicht die schlechteste Art ist, weil man ohne Erwartungen unterwegs ist und alles, was man entdeckt oder erlebt, als unverhofftes Geschenk annehmen kann. Ein Stadtplan in der Tasche ist sicher hilfreich, aber heutzutage ist Google Maps natürlich die 1. Wahl! Nicht mehr wissen, wo man eigentlich ist, war gestern. Zwinkerndes Smiley

– Man kann schon Tage oder Wochen vorher Reiseführer studieren, ganz viele Markierungszettelchen hineinkleben, eigene Touren zusammenstellen und die dann am Zielort gewissenhaft abarbeiten.

– Man kann die Touren, die andere Menschen professionell erstellt und dokumentiert haben, ablaufen oder mit dem Rad abfahren.

– Man kann mit dem Sightseeingbus, einem Ausflugsboot oder mit einer Stadtführung zu Fuß sich die wichtigsten Punkte zeigen und erklären lassen.

– Und schließlich kann man, wenn man flexibel ist, all diese Methoden miteinander kombinieren. Was man dann vor allem braucht, ist ZEIT. Eine gute Kondition kann ebenfalls nicht schaden.

Zeit haben wir, mit der Kondition steht es bei mir leider nicht mehr so gut. Also kombinieren wir. Laufen, Straßenbahn, laufen, Fähre, sitzen und Kaffee trinken, laufen, Grachtentour per Boot, etwas essen gehen, Museum, Bus, Kaffee trinken, durch diverse Einkaufszentren, Straßenbahn, über den einen oder anderen Markt, Febo, Kirche von außen und innen, Straßenbahn nach Hause…

Café Bovendiep Natürlich nicht alles an einem Tag und auch nicht ein Tag nach dem anderen, wir sind ja schon älter! Laut lachen Ein Programmtag, zwei Ruhetage, das ist unser Rhythmus. Umso besser, dass wir hier so schön stehen. Bei gutem Wetter ist dann immer noch ein Spaziergang am Kanal entlang oder Richtung Steigereiland drin. Leider ist das Restaurant des Campingplatzes im Winter geschlossen und auch das Café im nahen Jachthaven ist aus unerfindlichen Gründen zu. Also gibt es den Nachmittagskaffee in Oscarlotta, was überhaupt nicht schlimm ist, gibt es in den Niederlanden ja auch noch ganz wunderbare süße Leckereien, Stroopwafels zum Beispiel. Die sehen so trocken, langweilig und unscheinbar aus, dass ich sie tatsächlich noch nie probiert hatte. Ein Fehler! Zwei dieser waffelähnlichen Kreise sind nämlich mit eingedicktem Honig miteinander “verklebt”. Sehr süß, aber leggggger! Und dann sind da noch die Butterkekse, bei denen man die „gute“ Butter schmeckt. Lustig ist, dass sie immer noch in genau der gleichen Kombination und Verpackung verkauft werden wie schon vor mehr als 25 Jahren! Smiley mit geöffnetem Mund Es ist wirklich verwunderlich, dass die Niederländer schlank sind! Allerdings ist es hier Sitte, dass es zum nachmittäglichen Kaffee genau EINEN Keks gibt. Und vermutlich sind sie bei den anderen Mahlzeiten auch so konsequent. Kann eigentlich nicht anders sein!

niederländische Leckereien

Fähren Amsterdam Eine unserer ersten Unternehmungen war eine Fährfahrt über den IJ zum Gelände der ehemaligen NDSM-Werft. Auf der Rückseite des Amsterdamer Hauptbahnhofs (Centraal Station) legen drei Fährlinien in unterschiedliche Richtungen ab. Die am meisten frequentierte geht in wenigen Minuten nur auf die andere Seite zum Stadtteil Amsterdam-Noord. Es fahren zwei Fähren hinüber und herüber und sie sind immer voll, egal zu welcher Tageszeit. Eine andere Fährlinie bedient den Teil von Amsterdam-Noord, der rechts vom Noordhollandsch Kanaal liegt und die dritte fährt ca. 15 Minuten nach links Richtung Noordzeekanaal bis auf die Höhe des neuen Stadtteils Houthavens (Holzhafen). Schräg gegenüber ist die Anlegestelle Amsterdam, NDSM. Von dort aus fährt man auch, wenn man auf dem Wohnmobilstellplatz steht. Der Transport auf allen drei Fährlinien ist übrigens kostenlos!

Fähre NDSMWohnmobilstellplatz

Am NDSM-Pier liegen ein paar größere Schiffe vertäut, u. a. ein Hotelschiff.

botel AmsterdamSegelschiff Segelschiff Segelschiff

NDSM-Werft Die NDSM-Werft (Nederlandsche Dok en Scheepsbouw Maatschappij) hatte ihre Blütezeit als größte Schiffswerft Europas von 1894 bis 1946 und musste nach vielfältigen Rettungsversuchen Konkurs anmelden. Aber wie das in Amsterdam so ist, es gibt immer irgendeine kreative Form des Weiterlebens. In diesem Falle ist hier heute die Kunst- und Kultur-Szene zuhause. Auf dem Industriegelände und in den Hallen der ehemaligen NDSM-Werft sind StartUps, Agenturen und Künstler aktiv. Vielleicht hat der eine oder andere unserer Leser schonmal einen Bericht im Fernsehen darüber gesehen. Bei mir war es so und seitdem war klar, wenn ich mal wieder nach Amsterdam komme, dann will ich da hin!

Kran-Hotel "Faralda" Jetzt war es soweit, die Fährfahrt bei Sonnenschein war schon einmal ein Vergnügen und die große Werfthalle war nicht zu übersehen und nur ein paar Schritte vom Fähranleger entfernt. Ein großer Kran dominierte das Gelände und später erfuhren wir, dass in ihm ein Hotel mit drei Luxus-Suiten von je ca. 40m² auf je zwei Etagen errichtet wurde. Die Preise für eine Nacht betragen €695, €795 und €1.285, jeweils für 2 Personen! Frühstück nicht inbegriffen, aber es gibt eine Mini-Bar! Cooles Smiley

NDSM-WerftNDSM-Werft

Die NDSM-Halle ist im originalen Zustand belassen, allerdings weitestgehend „entkernt“. Um das geplante Vorhaben in die Tat umzusetzen, wurden viele Schiffscontainer in zwei Etagen und langen Reihen hineingestellt, mit Türen und Fenstern versehen und vermietet oder zur Verfügung gestellt. Bis auf einen (geschlossenen) Verkaufsladen konnten wir nicht so genau ergründen, was in den einzelnen, mit Nummern versehenen, Containerräumen eigentlich geschieht, aber es war durchaus Leben dort.

NDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-WerftNDSM-Werft

Im Sommer ist die NDSM-Werft eine von vielen Attraktionen Amsterdams und dann werden die Containertüren vielleicht offenstehen. Auf jeden Fall finden auf dem gesamten weitläufigen Freigelände jede Menge Events statt und in den nebenan liegenden IJ-Hallen ist an jedem letzten Wochenende im Monat der beliebteste Trödelmarkt Amsterdams und gleichzeitig der größte Flohmarkt Europas mit bis zu 750 Verkaufsständen zu besuchen. Verwirrtes Smiley

Am Rande des Geländes befindet sich die Anlegestelle des einzigen Pfannkuchenbootes Amsterdams. Pannenkoeken sind eine weitere niederländische Spezialität und über die Stadt verteilt gibt es einige Pfannkuchenlokale. Wir haben allerdings den Eindruck, dass die Preise Amsterdamer Touristenpreise sind und haben Pannenkoeken mal noch vertagt. Noch einen Reinfall brauchen wir nicht! Den hatten wir mit einem China-Lokal in der Nähe der Centraal Station. Eigentlich ist chinesisches Essen auch für Vegetarier eine gute Sache und so bestellten wir gebratene Nudeln mit Gemüse. Der Preis war in Ordnung und aus Erfahrung wissen wir, wie ein solches Gericht üblicherweise aussieht, nämlich viele verschiedene Gemüsesorten, im Wok geschwenkt und gut gewürzt in einer Soße, auf einer ovalen Platte serviert mit Reis oder eben Nudeln als Beilage. Wir bekamen je einen Essteller mit Nudeln, die weder angebraten noch irgendwie besonders gewürzt waren. Als „Gemüse“ lagen ein paar gekochte Kohlblätter obendrauf. Das war`s! Nicht einmal nachwürzen half und so gingen die Teller mehr als halbvoll wieder zurück. Die Kellnerin wunderte sich, dass wir so schnell fertig waren, fragte aber vorsichtshalber nicht nach, warum. So schlecht gegessen haben wir noch nirgendwo! Und dabei wäre es so einfach, bei der Vielfalt an (schon geschnittenem) Gemüse, das es überall gibt. Ein paar labberige Kohlblätter sind einfach eine Frechheit!!! Erzürnt

Pannenkoeken-Lokale

Fährlinie Pontsteiger Mit dem Pannenkoekenboot kann man für €21,50/Person 75 Minuten durch die Gegend schippern und dabei so viele Pfannekuchen (süß und pikant) essen, wie man mag und schafft. Wir haben uns (leider!) dagegen entschieden und wollten mit der nächsten Fähre um 16 Uhr wieder zur Centraal Station zurückfahren. Da noch etwas Zeit war, haben wir uns ein wenig am Pier umgesehen und mussten dann fast rennen, weil die Fähre schon 10 Minuten eher kam. Wir wunderten uns zwar, dass nicht alle wartenden Menschen einstiegen, ahnten aber nichts Böses. Als das Schiff dann allerdings mitten auf dem IJ nicht nach links abbog, sondern geradeaus auf das interessant aussehende torförmige Haus zufuhr, ahnten wir, dass es noch eine andere Fährlinie gibt! Die ging rüber nach Houthavens, einem weiteren aufstrebenden Stadtteil Amsterdams, gegründet 2010 rund um den alten Holzhafen. Das Gebäude heißt Pontsteiger und beherbergt ein Hotel mit 24 Zimmern und ansonsten Eigentumswohnungen. Der Ausblick von den oberen Etagen muss grandios sein!

Fähre Houthavens

Amsterdam Wir waren nur etwa 2km vom Hauptbahnhof entfernt und beschlossen, zu laufen. Das war eine sehr gute Entscheidung, denn wir kamen durch Wohnviertel, in denen wir sonst sicher nicht gelandet wären. Die Architektur sogar der ganz „normalen“ mehrstöckigen Wohnreihenhäuser ist irgendwie anders als anderswo. Ansprechender, phantasievoller, detailreicher. Und die Niederländer haben ein ausgesprochenes Faible für Kunst, in jeglicher Art.

Kunst in AmsterdamKunst in AmsterdamKunst in Amsterdam

HaarlemmerbuurtDas Gute am so drauflos laufen ist, dass man Stadtteile – der Kölner würde Veedel sagen – entdeckt, die man nicht „auf dem Plan“ hatte. So war es diesmal mit der/dem Haarlemmerbuurt, die/der sich nordwestlich des Hauptbahnhofs erstreckt. Buurt hat die Bedeutung von Veedel, wörtlich übersetzt Nachbarschaft. Eine Vielzahl an verschiedensten kleinen Geschäften, Lokalen, Coffee Shops, autofrei, die ehemalige Straße ist jetzt zweispuriger Fahrradweg. Cantas dürfen hier aber auch fahren!!! Smiley Leider nieselte es etwas, sodass ich nicht fotografiert habe. Als Entschädigung gibt es ein Panoramafoto vom Hauptbahnhof!

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Eine Liebeserklärung

 

von Urk nach AmsterdamUnd jetzt sind wir endlich in Amsterdam!!! Verliebt Ich habe zu dieser Stadt schon seit meiner Zwanzigerjahre eine besondere Verbindung. Vom Ruhrgebiet aus, wo ich lebte, war man in gut 2½ Stunden dort, sogar wenn man, wie ich damals, mit Ente unterwegs war. An einem Samstag mit einer Freundin morgens los, ein paar Stunden Stadtbummel und abends wieder zurück war also kein Problem und stand immer mal wieder auf meinem Programm. Diese Stadt war so ganz anders als alle deutschen Großstädte, die ich kannte. Die Flower-Power-Zeit war dort schon in vollem Gange, als man in Deutschland gerade anfing, sich über die langen Haare der jungen Männer aufzuregen. Modisch gesehen waren die Niederlande Deutschland über bestimmt zwei Jahrzehnte um mindestens ein halbes Jahr voraus, sowohl bei der Sommer- als auch bei der Wintermode.

Mit 10 Jahren war ich das erste Mal mit meinen Eltern in Holland und ein unvergessliches Erlebnis war es, goldgelbe, knusprige Patatas frites mit Mayonnaise in einer Spitztüte aus Papier auf der Straße zu essen, mit den Fingern oder einer kurzen Holz- oder Plastikgabel mit zwei Zinken. DAS gab es in Deutschland nirgends! Die besondere Herausforderung bestand darin, so um die Mayonnaise herumzuessen, dass auch für die letzten Pommes ganz unten in der Tüte noch etwas davon übrig war. Wir waren noch oft im Urlaub in den Niederlanden und sicher verwundert es nicht, dass mein erster Freund ein Holländer war, oder? Zwinkerndes Smiley

Meine ältesten Freunde habe ich 1975 auf dem Campingplatz in Egmond aan Zee kennengelernt, im Jahr 2000 haben wir ein Wochenende lang dort unser 25-Jähriges gefeiert. Dieses Jahr werden es 45 Jahre! Erstauntes Smiley

In meinen Dreißigerjahren verbrachten wir einige Male ein verlängertes Wochenende in einem Hotel in Egmond direkt an der Promenade, das für „Karnevalsflüchtlinge“ ein besonderes Angebot bereithielt. Meine Eltern und Freunde von ihnen/uns waren ebenfalls immer gerne dabei. Auch im Winter kann es an der „Zee“ sehr schön sein, man muss halt etwas Glück mit dem Wetter haben.

Zwischen 1992 und 2000 war ich jeden Sommer mehrere Wochen mit meinem Bruder auf seiner Motoryacht in niederländischen Gewässern unterwegs, jedes Jahr in einem anderen Gebiet. Auf diese Art habe ich das Land und seine Besonderheiten gut kennengelernt. Teilweise lag ich mit dem Boot von Sonntag bis Freitag in einem Hafen, mein Bruder fuhr mit dem Zug nach Hause, kam nach einer Arbeitswoche wieder zurück und wir fuhren weiter. Manchmal passierte das sogar zweimal, ich hatte ja 6 Wochen Sommerferien. Smiley

Eine angenehme Tatsache war und ist es, dass fast alle Niederländer ausgezeichnet deutsch sprechen oder zumindest verstehen. Sie lernen es in der Schule und brauchen es für den Tourismus. Bei den jungen Leuten heutzutage scheint allerdings englisch an zweiter Stelle zu stehen, die mittlere und ältere Generation ist auffallend oft dreisprachig. Die niederländische Sprache ist als Text ziemlich gut zu übersetzen, es gibt viele Ähnlichkeiten, sowohl zu deutsch als auch zu englisch, nur verstehen kann man sie nicht! Laut lachen

Ist schon klar, dass ich zu den Niederlanden eine lange gewachsene Liebesbeziehung habe, oder???

Ein paar Besonderheiten, die uns aktuell auffallen:

– Es gibt kaum übergewichtige Menschen.

– Viele Kinder und Jugendliche grüßen beim Vorübergehen.

– Die Erwachsenen sind höflich, freundlich, gelassen.

– In den Supermärkten, auch den kleinen Lebensmittelgeschäften, gibt es ein überwältigendes Angebot an zerkleinertem, portioniertem Gemüse, schon fix und fertig für die Pfanne, den Wok oder den Kochtopf (Niederländer lieben Eintöpfe!).

– Die Auswahl an vegetarischen und veganen Lebensmitteln ist gigantisch!!! Und vegetarische/vegane Gerichte stehen in großer Anzahl ganz selbstverständlich auf allen Speisekarten, zu normalen Preisen. Sogar eine landestypische Spezialität, die „Bitterballen“ gibt es inzwischen als vegane Variante. Daumen hoch

– Friet Speciaal (Pommes mit Mayo, Curry-Ketchup und rohen Zwiebeln) oder Patat Saté/Patat Pinda (Pommes mit heißer Erdnusssoße) gibt es an jeder zweiten Straßenecke. Mindestens Mayonnaise (friet saus) ist immer dabei, wenn der Niederländer sein „frietje“ (so genannt im Süden und Osten des Landes) oder „patatje“ bestellt, das Zauberwort heißt „met“. Das reicht aus. Auf die Größe der Portion hat die Verniedlichung übrigens keinen Einfluss! Smiley

– Einige „Frittenbuden“, hier Snackbar genannt, verkaufen die anderen beliebten fritierten Leckereien wie Fikandel, Kroket, Bitterballen, Kaassoufflé, Bami und Nasi (als schijf = Scheibe oder bal = Kugel), Gehaktbal, Kipcorn auch in „gläsernen Wänden“. Das sind viele kleine mit Warmhalteplatten versehene Fächer, deren Glastüren sich öffnen lassen, wenn man den entsprechenden Geldbetrag in einen Schlitz geworfen hat. Als es noch den Gulden gab, benötigte man für die meisten dieser Snacks drei Kwartjes (75 Cent), jetzt geht unter 2 Euro nichts mehr! Zur Verdeutlichung: Der Umtauschkurs war 1 Euro = 2,20371 hfl (Niederl. Gulden)!!! In jeder Snackbar hängt ein Wechselautomat an der Wand, der das nötige Hartgeld ausspuckt. Früher wechselte man 1, 2½ oder 5 Gulden-Stücke (wer hatte schon so viele Kwartjes in seinem Portemonnaie!), heute 5 und/oder 10 Euro-Scheine. Der Name für diese niederländische köstliche Schnellverköstigung? Automatiek. Smiley mit geöffnetem Mund Meist steht allerdings „Febo“ draußen, eine Kette und mit seinem Gründer Johan Izaak de Borst der findige und geschäftstüchtige Erfinder im Jahre 1941. (Quelle: Wikipedia)

– Und darüberhinaus gibt es natürlich noch Fisch in allen Variationen. Von uns sehr geschätzt ist kibbeling, die niederländische Variante von fish ‘n chips.

Kibbeling

Lageplan Camping ZeeburgWenn euch jetzt noch interessiert, wo in Amsterdam wir stehen: Es gibt einen Campingplatz nur 5km vom Hauptbahnhof (Centraal Station) entfernt. Einen Wohnmobilstellplatz gibt es seit einiger Zeit zwar auch, aber erstens liegt der nicht zentraler, zweitens in einem Industriegebiet, was uns nicht sicher genug ist, zumindest nicht im Winter und drittens ist es dort teurer als hier. Wir stehen auf dem Campingplatz „Zeeburg“ auf einer Insel/Polderlandschaft zwischen dem Amsterdam-Rijnkanaal und dem IJ. Wie auf der Karte zu sehen (blauer Punkt), sind wir von Wasser umgeben und entsprechend ruhig ist es hier.

Lage des Campingplatzes (blauer Kreis)Lage des Campingplatzes (blauer Kreis)

Die „Pötte“ auf dem nahen Kanal hört man ganz leise brummen und zwischen den Bäumen hindurch kann man sie vorbeiziehen sehen. Auf der anderen Seite schaut man über das Wasser hinüber nach Zeeburgereiland. Die Niederländer sind ja genial darin, Wasserflächen bebaubar zu machen und so verwundert es nicht, dass der Campingplatz auch gerade vergrößert wird.

Camping ZeeburgCamping ZeeburgAmsterdam-RijnkanalNatur in AmsterdamCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping Zeeburg

Es scheint aber gerade Baustopp zu sein, es gibt zwar einen Bauzaun, passieren tut aber nichts.

Camping ZeeburgCamping Zeeburg

Von unserem Platz aus können wir unter der Brücke des Autobahnringes A10 hindurch bis zur Fußgängerbrücke hinüber zum Steigereiland laufen. Dort ist seit 2005 eine „schwimmende Stadt“ entstanden, bestehend aus Häusern, die auf schwimmenden Fundamenten aus Betontanks errichtet wurden.

rund um den Campingplatzrund um den Campingplatzrund um den Campingplatzrund um den CampingplatzBlick auf Steigereilandschwimmende Häuser

Leben auf dem Wasser ist in den Niederlanden weitverbreitet und stellt bei steigendem Meeresspiegel eine durchaus interessante Alternative dar. So entstand der gesamte neue Stadtteil IJburg ab 2005. Er wird gebildet aus drei mit Brücken verbundenen Inseln: Steigereiland, Haveneiland und Rieteilanden. Wir hatten das Glück, ein fertiggestelltes Haus auf dem Weg dorthin zu sehen.

Wasserhaus

Amsterdam 5 Eine Möglichkeit für uns, in die City zu kommen, ist die Straßenbahnlinie 26 mit Endstation IJberg. Wir müssen neben dem Campingplatz auf die Amsterdamsebrug hoch und laufen dann in einem großen Bogen übers Wasser. Von oben hat man unter anderem solche Ausblicke:

HausbooteHausbooteHausbooteHausbooteHausboote

Anfahrt zum Campingplatz Auf dem Kartenausschnitt kann man gut erkennen, dass die Anfahrt zum Campingplatz ein paar Tücken hat! Von der A10 kommend muss man an der Kreuzung IJburglaan/Zuiderzeeweg nach links abbiegen und gleich darauf wieder nach rechts. Dort geht es vermeintlich aber nur auf einen P+R-Parkplatz. Uschis CoPilot hat sie geradeaus weitergeschickt und das Hinweisschild zum Campingplatz kann man wirklich leicht übersehen! Geradeaus geht es aber nicht zum Campingplatz, sondern über die Brücke des Kanals und weiter Richtung Innenstadt. Mein Tommie, obwohl nicht aktuell upgedated, schickte mich dann tatsächlich nach rechts! Nach Uschis Warnung hatte ich mir den Straßenverlauf auf Google Maps genau angeschaut und vertraute darauf, dass ich auf dem Parkplatz nicht mühsam würde wenden müssen. Man glaubt nämlich wirklich nicht, dass es nach der Einfahrt weiter geht! Verwirrtes Smiley

Ich sagte schon, dass wir super stehen, oder? Erstaunlicherweise ist auch jetzt, mitten im Winter, reger Publikumsverkehr. Die meisten bleiben aber weiter vorne stehen, sodass wir keine Nachbarn haben.

unsere Plätze

Jetzt in der Nebensaison kostet der Stellplatz incl. einer Person €16. Inbegriffen sind die Nutzung des (ganz neuen) Sanitärgebäudes, Sanitärgebäude Entsorgung, WLAN und Strom mit 10A Absicherung. Seit diesem Jahr erhebt die Stadt Amsterdam allerdings eine „Kurtaxe“, wohl eher Touristensteuer, von 7% des Übernachtungspreises plus €1 pro Person und Nacht. Wir zahlen also aktuell €18,12/Nacht.
 
 
In den Sommermonaten dürfte der Platz vor allem von jungen Rucksackreisenden frequentiert werden. Dafür sprechen die bunten, zahlreich vorhandenen „Cabins“ und „Wagonetten“. Sie stehen sehr dicht beieinander, bieten Platz für 2-4 Personen, wobei „Platz“ eigentlich nur Schlafplatz meint. Die Ausstattung ist äußerst minimalistisch und auf gutes Wetter ausgelegt. Aber vermutlich sind die Bewohner sowieso den ganzen Tag und die halbe Nacht (oder umgedreht) unterwegs und da reicht es dann, wenn man ein Bett hat. Cooles Smiley

Camping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping ZeeburgCamping Zeeburg

Auch hier möchte man (möchten wir) im Sommer wohl eher nicht sein, weder auf dem Campingplatz noch in Amsterdam selbst. Der Touristenansturm ist mittlerweile so groß, dass die Einheimischen schon protestieren. Aber Amsterdam liegt auch auf einem der vorderen Plätze der beliebtesten Großstädte Europas! Das untermauern die 8 Millionen Besucher pro Jahr eindringlich. Der absolute Wahnsinn sind allerdings die Radfahrer! 58% der Amsterdamer benutzen ihr „Fiets“ täglich, dazu kommen noch die Touristen auf ihren Mietfahrrädern. Überall in der Innenstadt sowie in allen Stadtteilen stehen Unmengen von Rädern abgestellt, an Laternenpfählen oder Brückengeländern angekettet, an Sammelplätzen und in sogenannten Fahrradgaragen, die sogar auf Schiffen zu finden sind. Endlose zweigeschossige Reihen mit ausgeklügelten Kipp- und Hebemechanismen. Maximale Parkdauer 7 Tage, dann bekommt das Rad eine Hinweismarkierung und wird danach vermutlich eingesammelt. Wir können uns vorstellen, dass viele Räder stehenbleiben, weil ihre Besitzer sie einfach nicht mehr finden. Laut lachen Und ein altes Rad entsorgen geht so auch ganz einfach.

RadgarageFahrräder in Amsterdam

Noch eine Besonderheit ist uns aufgefallen: Es gibt winzige „Autos“ für maximal zwei (schlanke) Personen. 2,28m lang, 1,10m breit, 1,63m hoch und mit €12.000 aufwärts gar nicht mal so preiswert. Sie werden ursprünglich als Behindertenfahrzeuge gebaut, dürfen ohne Führerschein auch auf Radwegen und sogar in Einkaufszentren gefahren werden und auf den Gehwegen parken. Inzwischen scheinen sie einen Kultstatus zu haben. Sie heißen Canta und sind sehr oft in rot unterwegs, vermutlich, damit man sie nicht aus Versehen übersieht! Smiley mit geöffnetem Mund

CantaCanta

Einen Behindertennachweis scheint man nicht zu benötigen! Die neuen Modelle fahren elektrisch. Es gibt alle möglichen Sonderausfertigungen, z. B. auch die Möglichkeit, mit dem Rollstuhl hineinzufahren und aus diesem heraus den Canta zu steuern! Auch im Behindertensektor waren die Niederlande immer schon Vorreiter, oder wer hat schon jemals in Deutschland ein Fahrrad gesehen, das einen Rollstuhl integriert hat? Mein Bruder und ich haben schon in den 1990er-Jahren geunkt, dass wir im Alter dann mal so durch die Gegend fahren könnten. Wäre jetzt an der Zeit!!! Sarkastisches Smiley

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.