Gestrandet in Stralsund

 

So gerne habe ich noch nie auf einen Werkstatttermin gewartet!!!  

Anlässlich der gegenwärtigen globalen Ausnahmesituation unterbreche ich die laufende Berichterstattung unserer Überwinterung und erzähle, was es aktuelles gibt. Wir waren inzwischen in der Nähe von Hamburg gelandet und beeilten uns, weiter Richtung Osten zu kommen. Für den 1. April hatten wir auf Rügen wieder reserviert, leider sollte sich das dann aber als übler Aprilscherz entpuppen! Erstauntes Smiley Es war ja eine Weile nicht klar, was noch alles passieren und zu welchen Einschränkungen es kommen würde, man konnte nur spekulieren. Aber dann überholten sich die Erlasse, Verbote, Meldungen in nie dagewesenem Tempo. Vom einen auf den anderen Tag wurde bekanntgegeben, dass alle Camping- und Stellplätze auf Beschluss der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns geschlossen würden. Am Mittwoch musste man den Stellplatz in Wismar, wo wir seit Sonntag waren, bis 12 Uhr verlassen haben. Alle Touristen wurden von offizieller Seite aufgefordert, das Bundesland zu verlassen und nach Hause zu fahren! Uschi folgte der Aufforderung, ich nicht. Mein Zuhause ist dort, wo ich Oscarlotta geparkt habe, Uschi ist seit dem Tod ihres Vaters in Essingen gemeldet und darf sich auf dem Campingplatz aufhalten. Ich nicht, ich habe nur den Status eines Dauercampers. Das war der Infostand zu dem Zeitpunkt. Alle „Fulltimer“, die wie ich keine Wohnung mehr haben und dauerhaft in ihrem Wohnmobil leben, fallen jetzt durchs Raster. Uns gibt es nämlich offiziell nicht! Natürlich habe ich eine Meldeadresse, aber es wäre nicht sinnvoll, mich dorthin zu begeben, aus mehreren Gründen. Außerdem würde ich ja weiterhin in Oscarlotta leben, das ist ja auch wünschenswert, weil ich da weder mich noch andere infizieren kann. Selbstgewählte Quarantäne sozusagen. Warum, um alles in der Welt, sollte ich jetzt einmal quer durch Deutschland fahren, nur um in dem Bundesland zu sein, das Oscarlottas Kennzeichen entspricht!?!? Verwirrtes Smiley

Ich hatte eindeutig ein Problem und ich wusste nicht, wie ich es lösen konnte! Verwirrtes Smiley

Seit letztem August funktionierte, trotz Reparaturversuch auf der Fahrt nach Rügen, meine Fahrerhaus-Klimaanlage ja nicht mehr. Das wollte ich jetzt in Erwartung eines neuerlich heißen Sommers in Ordnung bringen lassen und hatte schon einen Termin für den 2. April in der IVECO-Werkstatt in Stralsund vereinbart, in der ich im November HU/AU und den Tausch der Aufbaubatterien hatte erledigen lassen. Ich hatte „hier“ über den Reparaturversuch berichtet. Als klar wurde, dass der Rügenaufenthalt nicht stattfinden würde, verlegte ich den Termin nach vorne auf nächsten Montag. Da ging ich noch davon aus, dass ich bis zum Sonntag in Wismar sein würde. Wie jetzt die Zeit bis Montag überbrücken??? Ich rief bei der Werkstatt an und sagte, dass ich den Termin canceln müsse, außer sie könnten mich schon am Donnerstag „behandeln“ und ich könnte die Nacht auf dem Firmengelände verbringen. Kein Problem, war die Antwort, ich solle kommen und dann könne man sofort schon einmal nachschauen, was gemacht werden müsse. Um kurz vor ein Uhr war ich dort! Keine Viertelstunde später war Oscarlotta in der Werkstatt, ich durfte in ihr bleiben. Die Diagnose ergab, dass der Kompressor undicht ist und somit ausgetauscht werden muss. Der Meister bemühte sich, ein Modell vom freien Markt zu bestellen, Preisunterschied zu einem original IVECO Kompressor schlappe 700 Euro! Diese Preisgestaltung ist unmoralisch, finde ich! Der Kompressor sollte am nächsten Vormittag per Expresslieferung vor Ort sein. Ich bekam einen Firmenkaffee und einen Stellplatz für die Nacht und war erst einmal zufrieden. Smiley

Der Kompressor kam am nächsten Tag nicht! Ich hatte keinen Landstrom = keinen Kaffee, aber dank Sonnenschein genug Solarertrag und dank der netten Firmenmitarbeiter gab es dann auch Kaffee. Meine angebotene Bezahlung für einen doppelten Cappuccino wurde abgelehnt! Ich hatte absolut kein Problem damit, die nächste Nacht auch noch dort zu verbringen! Und in mir reifte eine Idee! Die wollte ich am nächsten Tag versuchen in die Tat umzusetzen. Ich schärfte schon einmal meine Steinbockhörner, denn die würde ich brauchen!!! Zwinkerndes Smiley

Um meine innere Unruhe in Schach zu halten, schrieb ich eine eMail an den BVCD (Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland). Von dessen Existenz wusste ich bisher nichts, bekam die Info von einer um mich besorgten Freundin.

Ich schrieb:

Hallo und guten Tag!
Ich befinde mich in einer Notsituation, verursacht durch die Corona-Problematik, sehe keine Lösungsmöglichkeit und hoffe sehr, dass Sie mir weiterhelfen können!
Eine Freundin, die in Niedersachsen lebt, hat mich auf Ihre Organisation aufmerksam gemacht und ich habe bereits in Ihren diversen Publikationen nach hilfreichen Tipps gesucht, leider ohne Erfolg. Sie beschäftigen sich offensichtlich mit den Wünschen von Dauercampern, die auf ihren Campingplatz möchten. Aber offenbar beschäftigt sich bisher niemand mit den Menschen, die wie ich dauerhaft in ihren Wohnmobilen leben und KEINEN ANDEREN WOHNSITZ haben! Wo sollen wir hin??? Ja, ich habe eine Meldeadresse. Die ist bei meinem Bruder in NRW. Mein Bruder fällt mit seinen 80 Jahren und einer Krebserkrankung unter die Risikogruppe, ich sollte also den Kontakt zu ihm vermeiden. Ich bin 70 Jahre alt (also auch schon Risikogruppe), lebe und reise allein und befinde mich z. Z. im äußersten Osten Deutschlands, weil ich für April/Mai einen Aufenthalt auf Rügen geplant und gebucht (Campingplatz) hatte. Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns hat alle Touristen aufgefordert, nach Hause zu fahren. Mein Zuhause ist aber dort, wo ich mein Wohnmobil parke! Soll ich jetzt allen Ernstes 629km zu meiner Meldeadresse fahren, am Stück, damit ich nicht zwischen LKWs auf einer Autobahnraststätte übernachten muss? Und soll ich wirklich aus einer noch nicht so befallenen Region in das Bundesland wechseln, in dem es die meisten Infizierten gibt? Ich verlasse mein Wohnmobil derzeit nur, um einkaufen zu gehen. Ich möchte einfach nur die Möglichkeit haben, SICHER irgendwo stehen zu können, nicht auf einem Waldparkplatz und ganz sicher nicht auf einem Autobahnrastplatz. Mein Bruder hat auch kein Haus mit Grundstück, wo ich stehen könnte, es wäre also auch deswegen sinnlos, zu ihm zu fahren. Wo also, ich stelle diese Frage eindringlich noch einmal, WO SOLL ICH HIN??? Ich hätte gerne die Möglichkeit, Landstrom anzuschließen, das geht nur auf Stell- oder Campingplätzen. Ich muss alle paar Tage meine Toilettenkassette entleeren. Soll ich das auf dem nächsten Feld tun? Ich brauche Frischwasser und muss das Abwasser ablassen. Wo??? Soll ich es auf die Straße laufen lassen? Mein Wasserbedarf ist im Moment erhöht, da ich in meinem Mobil duschen muss. Soll ich alle Stellplätze der Umgebung abfahren in der Hoffnung, dass die VE-Anlage AUSSERHALB des geschlossenen Stellplatzes ist?

Es gibt eine ganze Reihe von Menschen, die so leben wie ich und das ist nicht gesetzeswidrig, sondern eine freiwillige Entscheidung. Wir schaden niemandem mit unserer Lebensweise, aber wir scheinen eine offiziell nicht vorhandene „Randgruppe“ oder „Untergrundgruppe“ zu sein. Freunde von mir ziehen jetzt von Supermarktparkplatz zu Tankstelle zu Schwimmbadparkplatz und wieder zurück. Aber das sind gestandene Männer und haben das auch früher ab und zu so gemacht. Ich möchte als Frau und vor allem als Frau, die alleine unterwegs ist, so nicht leben!!! Aber auch die Männer haben das Problem mit der Ent- und Versorgung ihrer Mobile! Einer von ihnen ist offiziell und mit Personalausweiseintrag ohne festen Wohnsitz, soll er sich mit seinem Mobil in Luft auflösen?
Soweit ich gehört habe, gibt es sogar für Obdachlose Lösungen. Wo bleiben welche für uns, die dauerhaft in ihren Wohnmobilen leben???
Mit freundlichen, aber leicht verzweifelten und sehr rat- und hilflosen Grüßen und in der Hoffnung auf eine baldige und hilfreiche Antwort,
Ingrid Heidemann

Eine Antwort kam erfreulicherweise postwendend, sie enthielt aber lediglich den Rat, ich solle mich an die hiesige Kommune wenden.

Das tat ich am nächsten Tag, also gestern. Aber erst musste ich noch warten, bis mein Kompressor getauscht würde. Auf 10 Uhr sollte ich mich bereit halten, um 11 Uhr konnte ich Oscarlotta in die Werkstatt fahren

und um 14 Uhr war endlich alles erledigt. Drei Stunden? Ja, der Kompressor kühlte nach dem Einbau nicht! Keine Ahnung, ob man das so nennen kann, in dieser Materie kenne ich mich nicht aus. Irgendwann kam dann doch kalte Luft aus den Ausströmern und der nette junge Mechaniker versuchte mir auf meine Fragen zu antworten, ohne zu viel zu sagen. Das musste er dann letztendlich doch und es ergab sich, dass er den Fehler gemacht hatte, am Tag zuvor schon die defekte Sicherung auszutauschen. Die paar Meter aus der Werkstatthalle raus und wieder auf meinen Übernachtungsplatz fahren hatte dann schon ausgereicht, sie wieder zu töten. Und darauf musste er erst kommen! Cooles Smiley

Ich saß zum Bezahlen in einem der Büros und es ergab sich ein Gespräch mit der Bürokraft über mein aktuelles Problem und was ich jetzt machen könne/wolle/sollte. Sie war sehr interessiert und bemüht und rief eigenständig bei einem Stellplatz in der Nähe an. Geschlossen, war die Antwort, mit der ich gerechnet hatte. Sie nannte mir zwei weitere Stellplätze in der näheren Umgebung, die Bestandteil eines Großparkplatzes sind. Dort könnte man nicht absperren und wenn die Polizei vorbeikommen würde, solle ich doch einfach sagen, dass ich Fieber habe und mich selbst in Quarantäne geschickt hätte. Ich sagte ihr, dass ich jetzt sowieso bei der Hauptwache der Polizei vorbeifahren wolle. Die sei in der Altstadt, da käme ich mit dem Wohnmobil nicht hin, aber man könne doch sicher einfach mal anrufen. Gesagt, getan und schon hatte ich einen Polizeioberüberhauptwachtmeister an der Strippe, der mit meinem Problem und der Bitte um Hilfe absolut eindeutig überfordert war! Ja, da könne er mir auch nicht weiterhelfen. Immerhin fiel ihm ein, dass es ein Bürgertelefon zu Fragen bezüglich der Corona-Krise gebe und die Telefonnummer gab er mir. Dort ging tatsächlich sofort jemand dran und die Frau, mit der ich sprach, war erkennbar sehr kompetent. Sie nannte mir den Paragraph 4 von welcher Verordnung auch immer und der würde besagen, dass sich in Mecklenburg-Vorpommern nur noch Menschen aufhalten dürften, die dort gemeldet sind. Und das schon seit dem Tag zuvor. Ich müsse unverzüglich abreisen, die Polizei würde kontrollieren und Bußgelder verhängen! Hervorragend!!! Sarkastisches Smiley

Ich fuhr zur Tankstelle am Stellplatz an der Rügenbrücke, wo wir im November noch gestanden hatten, um LPG zu tanken. Der Stellplatz wird von der Wohnmobilbedarfs- und Reparaturwerkstatt Dahnke betrieben. Dort hatte ich auch nachfragen wollen, aber das konnte ich mir jetzt sparen. Es war auch keiner mehr dort am Freitagnachmittag um 16 Uhr. Vermutlich haben sie den Betrieb geschlossen, den Laden sowieso und wer sollte denn jetzt noch sein Wohnmobil dort reparieren lassen?

Ich nahm mir einen großen Kaffee mit und stellte mich auf den benachbarten Parkplatz, der ausdrücklich für Wohnmobile zugelassen ist, um ein Telefonat zu führen und mir ein Brot zu schmieren für die Fahrt. Es dauerte keine fünf Minuten, bis eine Frau auf dem Rad vorbeikam, mein Kennzeichen anschaute und drehte. Ich öffnete das Fenster. Sehr aufgebracht erklärte sie mir, dass ich gar nicht mehr hier sein dürfe, dass ich SOFORT fahren müsse und wenn ich das nicht tue, dann holt sie die Polizei und zeigt mich an. Meine Frage, ob sie von der Stadtverwaltung sei, verneinte sie, wiederholte aber ihre Drohungen. Ich versicherte ihr, dass ich fahren würde. Das tat ich dann auch, mit einem beschissenen Gefühl. Nicht wegen der Frau, sondern weil es mir verwehrt wird, direkt am „Eingang“ von Rügen darauf zu warten, dass der Zugang wieder erlaubt wird. Ja, ich weiß, dass das dauern kann, aber ich hätte es erst einmal versucht auszusitzen. Ist es gerade nicht egal, wo man ist? Vermutlich bekommen wir in Deutschland auch noch eine Ausgangssperre, die Entscheidung darüber soll heute fallen, je nachdem wie viele Menschen sich immer noch an die Empfehlungen, Abstand zueinander zu halten und keine Zusammenkünfte abzuhalten, NICHT halten. Und das scheinen ja einige zu sein, die sich bei den schönen Vorfrühlingstagen wie immer in den Parks zusammenfinden oder den letzten Tag der Skisaison ausgiebigst nutzten. Dummheit? Ignoranz? Egoismus? Wahrscheinlich alles zusammen oder eine ungute Mischung. Das ist die eine Gruppe der Bevölkerung. Neben mir (ich stehe auf einem Autohof an der Autobahn bei Neuruppin) steht so jemand. In der Erwartung, dass es sich auch um einen Fulltimer handelt, ging ich mal rüber, vielleicht hatte er ja eine zündende Idee. Auf meine Frage, ob er auch in seinem Wohnmobil lebe, kam die fast schon entrüstete oder entsetzte Antwort: „Nein, natürlich nicht!“ Wieso natürlich? Also ist mein Lebensstil offenbar unnatürlich!? Natürlich ist, in einem Steinhaus zu leben, vielleicht darf es auch noch ein Holzhaus sein. Aber im Wohnmobil? Das ist doch nicht normal, nicht nur nicht natürlich. Sie hätten Freunde besucht und würden jetzt wieder nach Hause fahren!!! Erstauntes Smiley

Die zweite Gruppe der Bevölkerung ist die, die in Panik verfällt, Hamsterkäufe tätigt, sich um Klopapier prügelt und die Angestellten der Supermärkte beschimpft, wenn keins mehr da ist. Klopapier sollte zum Wort des Jahres 2020 werden!

Die dritte Gruppe verhält sich vorbildlich und solidarisch und fügt sich in unser aller Schicksal, ungeachtet aller persönlichen Schwierigkeiten. Dass das, was wir auf der gesamten Welt gerade in dieser globalen Ausbreitung zum ersten Mal erleben, weder lustig noch leichtzunehmen, sondern durchaus bedrohlich und angstmachend ist, ist keine Frage!

Ich beschloss, jetzt hier stehenzubleiben, nach vielem hin und her überlegen. Hier gibt es alles, was ich brauche, außer Landstrom, so zumindest der Jetztstand, vielleicht lässt sich da ja auch noch etwas machen. Es gibt ein Bistro, das bis 18 Uhr geöffnet ist und eine Schnelltheke für belegte Brötchen und Kaffee. Wenn mein Kühlschrank in ein paar Tagen leergegessen ist, werde ich zumindest nicht verhungern. Smiley mit geöffnetem Mund Es gibt eine LPG-Zapfsäule in 50m Entfernung, ich werde also nicht frieren. Es gibt einen Wasserhahn draußen am Haus, wo die Fernfahrer ihre Wasserkanister auffüllen können, also ich vermutlich auch. Es gibt Duschmöglichkeiten und wenn getrennt nach Geschlechtern, werde ich eine für mich allein haben! Meinen Toilettenkassetteninhalt und mein Abwasser werde ich bestimmt auch los, wenn nicht in einer Entsorgungsstation (weiß noch nicht, ob es die gibt), dann im nächsten Gulli oder einer Toilette. Es gibt Abfallbehälter und es gibt sogar freies WLAN! Und eine Aussicht ins Grüne habe ich auch. Das sind doch fast schon paradiesische Zustände, oder??? Wenn ich krank werden sollte (was ich nicht hoffe), kann man mich hier abholen. Falls Taxifahrer noch arbeiten, könnte ich mich hier auch abholen und zu einem Supermarkt fahren lassen. Aber vielleicht ernähre ich mich die nächste Zeit auch nur von belegten Brötchen? Ich muss mal nachsehen, was es sonst noch so im Angebot hat…

Und wenn die Polizei vorbeikommen sollte, werde ich die gleiche Diskussion führen und den Beamten fragen, ob er mich lieber neben sein Haus stellen möchte und ob ich meine Toilettenkassette dann bei ihm entleeren darf. Erzürnt Mal schauen, was passiert…

Als ich Uschi meinen Plan mitteilte, erfuhr ich, dass es jetzt für „Härtefälle“ wie mich von der Gemeinde Essingen oder wem auch immer eine Ausnahmegenehmigung gibt und ich doch auf den Campingplatz darf. Ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen soll?! Damit ist zwar mein aktuelles Problem gelöst, nach dem Motto „Glück gehabt“, aber alle anderen armen Fulltimer-„Schweine“ sind weiter da draußen auf sich gestellt. Vielleicht organisieren sie sich selbst, zumindest die, die bei Facebook sind. Dort gibt es eine Gruppe „Leben im Wohnmobil“ und die ruft dazu auf, dass jeder, der die Möglichkeit hat, einen privaten Stellplatz neben seinem Haus oder in der Garagenauffahrt zur Verfügung zu stellen, sich bitte melden soll.
Ich fahre dann mal los, sind ja nur noch 610 Kilometer!
Enttäuschtes Smiley

Passt alle gut auf euch auf!!! Ich hoffe, wir überstehen diese Krise möglichst unbeschadet und gehen gestärkt aus ihr hervor. Viel mehr als hoffen können wir ja alle nicht.

written by Ingrid
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An der Peripherie von Rügen

 

Stellplatz an der Rügenbrücke Stralsund Oscarlotta ist wieder upgedatet, nicht nur HU und AU ohne Beanstandungen, sondern auch zwei neue Bordbatterien sind an Bord. Smiley Um kurz nach 8 (!) Uhr war ich bereits an der Werkstatt, die nicht allzu weit vom Stellplatz an der Rügenbrücke entfernt ist. Oscarlotta wurde sofort zur Abgasuntersuchung gebracht und ich wartete in der Aufenthaltsecke auf Uschi, die um halb zehn mit frischen Brötchen zum Frühstück nachkam. In Boxi saß es sich dann etwas gemütlicher und einen Kaffee gab es auch! Es dauerte dann allerdings noch bis 12 Uhr, bis der Meister Bescheid sagte, dass nach der Mittagspause um halb eins die Batterien dran seien. Ich hatte darum gebeten, eine Viertelstunde Vorlauf und ein Eckchen in der Werkstatthalle zu bekommen, da einiges aus der Heckgarage ausgeräumt werden musste. Die Batterien sitzen nämlich in einem Fach im Doppelboden. Uschi half mir, wir klappten den Fahrradträger mit den Rädern um und räumten den Zugang von der hinteren Heckklappe aus frei. Meine Überlegungen und Bedenken im Voraus bezüglich der Solarregler, die nicht ohne Anschluss an den Batterien arbeiten sollten, erübrigten sich erfreulicherweise. In der Halle war es so dunkel, dass die Regler sich bereits ausgeschaltet hatten. Vorsichtshalber wurden trotzdem nicht beide Akkus gleichzeitig abgeklemmt, sondern einer nach dem anderen. Der Werkstattmensch meinte, wenn die neuen Akkus auch wieder 12½ Jahre halten, dann wäre sicher vorher schon ein neues Wohnmobil fällig. Ich meinte, dass nicht sicher sei, ob ICH die 12½ Jahre noch durchhalte. Das ist auch eine neue Erfahrung, dass man so langsam anfängt, sich zu fragen, wie lange man dieses Leben noch so führen kann. Und was danach kommt. Eine nette Angestellte beim LPG tanken, mit der sich ein längeres Gespräch entwickelte, weil sie mich fragte, ob ich alleine unterwegs sei, meinte, es wäre notwendig, einen Plan B zu haben. Den gibt es aber erst in Fragmenten und er lockt mich auch nicht sonderlich. Enttäuschtes Smiley

Doch zurück zur Werkstatt! Als ich mit dem Mechaniker über meine Aufbautür reden wollte, stellte ich überrascht fest, dass der untere „Tannenbaum“ bereits wieder angeschraubt war. Ein probeweises Schließen und Öffnen der Tür ergab, dass sie sich mit dem kleinen Finger öffnen ließ!!! Daumen hoch Hartal hatte mir per eMail mitgeteilt, dass entweder die Scharniere abgeschraubt und neu eingestellt oder die „Tannenbäume“ etwas schräg gestellt werden müssten. Letzteres wurde gemacht und zumindest im Moment scheint es das Problem zu beheben. Ich hoffe, es bleibt dabei! Ach ja, neue Wischerblätter waren auch schon montiert und sogar das rechte wischt AUF der Scheibe. Ich hoffe, es…

Bis die Heckgarage wieder komplett eingeräumt war und Oscarlotta aus der Halle fahren durfte, wurde es 14 Uhr. Langsam merkte ich, dass ich in der Nacht zuvor viel zu wenig Schlaf bekommen hatte und so war ich nur noch in der Lage, zum Stellplatz zurückzufahren.

Weil das Wetter seit Sonntag regnerisch war, hatten wir es noch nicht in die Stralsunder Innenstadt geschafft und deswegen beschlossen, noch länger auf dem Stellplatz zu bleiben. Er liegt direkt neben der Rügenbrücke, wird von der Firma Caravan-Center Dahnke betrieben, ist mit €16 schon nicht mehr ganz preiswert und trotzdem im Sommer ständig voll. Trotz Schotterrasen stand der Platz großflächig unter Wasser! Ganz ruhig ist es dort nicht, aber man hat alles, was man braucht und ist in 20 Minuten zu Fuß in der Altstadt. Oder man fährt, so wie ich, für zwei Euro mit dem Bus, der direkt am Stellplatz hält.

Am Mittwoch regnete es nicht mehr, Uschi lief, ich fuhr und am Alten Markt trafen wir uns. Vor zwei Jahren konnten wir die St.-Nikolai-Kirche nicht besichtigen, da für den nächsten Tag der damals noch amtierende Bundespräsident Gauck zu Besuch erwartet wurde und man noch putzen musste! Smiley mit geöffnetem Mund Diese Kirche haben wir das erste und bisher einzige Mal 2002 von innen gesehen und waren damals schon sehr angetan von den Restaurierungsarbeiten, die sehr vielversprechend erschienen. Dieses Mal gelang es, uns von den Ergebnissen zu überzeugen. Es ist noch lange nicht alles fertig, aber das, was fertiggestellt ist, ist traumhaft schön! Dafür und damit es weitergeht, haben wir gerne die 3 Euro Eintritt gezahlt.

St.-Nikolai-Kirche StralsundSt.-Nikolai-Kirche StralsundSt.-Nikolai-Kirche StralsundSt.-Nikolai-Kirche StralsundSt.-Nikolai-Kirche StralsundSt.-Nikolai-Kirche Stralsund

Eine Astronomische Uhr gibt es auch, aber sie ist lange nicht so schön wie die in der Rostocker Marienkirche, obwohl sie von demselben Erbauer, dem Uhrmacher Nikolaus Lilienfeld, stammt. Und der hat nicht etwa erst die Uhr in Stralsund und dann die bedeutend aufwändigere in Rostock gebaut, sondern andersherum, Rostock 1379, Stralsund 1394. Die in Rostock funktioniert immer noch und hat vom November 2017 an ihre 5. Scheibe montiert bekommen. Jede Scheibe reicht nämlich „nur“ 133 Jahre! Damit hat sich auch unsere Frage von 2017 beantwortet, als wir in Rostock vor der Uhr standen, siehe „hier“. Zwinkerndes Smiley Die Astronomische Uhr in Stralsund läuft seit einer vermuteten Beschädigung im 16. Jahrhundert nicht mehr, ist in ihrem originären Zustand aber fast komplett erhalten und gilt deswegen als die älteste mechanische Uhr der Welt. (Quelle Wikipedia)

St.-Nikolai-Kirche StralsundSt.-Nikolai-Kirche StralsundSt.-Nikolai-Kirche StralsundSt.-Nikolai-Kirche StralsundSt.-Nikolai-Kirche Stralsund

In einer Nische warteten einige Krippenfiguren auf ihren nächsten Einsatz, ist ja schon bald…

KrippenfigurenKrippenfiguren

Nebenan, zwischen Kirche und Rathaus, entdeckten wir eine offenbar alte Passage. (Laut Wikipedia handelt es sich um das Gebäude einer der zwei erhaltenen Stadtwaagen von Stralsund aus dem 13. oder 14. Jahrhundert) Eine Büste des schwedischen Königs Gustav II. Adolf stand angestrahlt in einer der vielen Nischen. Geschichte gehörte früher nicht zu meinen Lieblingsfächern, es kann aber gut sein, dass ich schon von ihm gehört hatte. Cooles Smiley Er spielte im Dreißigjährigen Krieg eine tragende Rolle, da er u. a. durch seinen Kriegseintritt Stralsund im Jahre 1630 von der Belagerung durch die Truppen des Habsburger Kaisers Ferdinand II. befreite (mehr für Geschichtsinteressierte „hier“). Er war als Kriegsherr selbst an den Schlachten beteiligt und verstarb auf einer solchen 1632 mit gerade mal 38 Jahren. Trotzdem war er 21 Jahre lang auf dem schwedischen Königsthron, musste bereits mit 17 Jahren die Nachfolge seines Vaters antreten und dafür vorzeitig für mündig erklärt werden. Trotz der kriegerischen Zeiten muss genug Gelegenheit für (Fr)Essgelage gewesen sein, wie die Fotos beweisen. Und er sah viel älter aus als er nach Jahren war, finde ich!

Alte Stadtwaage StralsundAlte Stadtwaage StralsundGustav II. AdolfGustav II. Adolf

Wir hatten auch noch Zeit für unser leibliches Wohl und Junge gibt es in Stralsund (natürlich!) auch. Zwinkerndes Smiley

Bäckereicafé Junge StralsundBäckereicafé Junge Stralsund

Am Donnerstag bekam Uschi bzw. Boxi von den Monteuren der Firma Dahnke eine neue Wasserdruckpumpe eingebaut, da ihre alte sie seit Wochen mit unkontrolliertem und nicht nachvollziehbarem selbsttätigen Einschalten in unregelmäßigen Abständen nervte. Undichtigkeiten waren nicht auffindbar. Dahnke hat einen Reparaturterminvorlauf von mehreren Wochen, auch jetzt noch im November. Die neue Pumpe hatte Uschi schon von Thiessow aus telefonisch bestellt und bereits abgeholt, in der Hoffnung, dass die alte Pumpe noch eine Weile still hält. Als dem nicht so war, erreichte sie mit hartnäckiger Bitte um Soforthilfe dann doch, dass am nächsten Tag jemand zu ihr auf den Stellplatz kam. Wir finden, so etwas muss aber auch drin sein, wenn ein Stellplatz von einem Wohnmobilhändler mit angeschlossener Werkstatt betrieben wird.

Nach vollendeter Tat liefen wir nur noch zum nahegelegenen Rewe-Markt, der allerdings für unseren Geschmack nicht besonders gut sortiert war.

Barth

Am Freitag sind wir ein kleines Stück weitergefahren, bis in das Städtchen Barth. Es liegt am südlichen Ufer des Barther Boddens. Von seinem Hafen aus gibt es einen Schiffspendelverkehr nach Zingst, das quasi gegenüber liegt. Bestimmt eine schöne Tour, aber die Saison war natürlich schon vorbei.

BarthBarthBarth

Der Wohnmobilstellplatz liegt am Segler-Verein und bietet Platz für 30 Mobile. An der Slipanlage mit Blick auf Bodden und Hafen können allerdings nur ca. 5-6 Mobile stehen, die anderen müssen mit einem Grundstück ohne Wasserblick vorlieb nehmen. Zumindest im Winter ist das so, da ein Teil der Fläche von an Land gebrachten Booten eingenommen wird. Der Platz ist eher einfacher Natur, unparzellierte Rasenflächen, die jetzt schon recht schlammig waren mit tiefen Spuren von den Fahrzeugen, die die Boote über den Winter aus dem Wasser geholt hatten. Dafür kostet es aber auch „nur“ €12 und für einen Euro sollte es 3kWh Strom geben. Das war die Aussage der Hafenmeisterin, im Internet und in den diversen Stellplatz-Apps finden sich völlig widersprüchliche Angaben zu den Preisen und den Öffnungszeiten. Fakt ist, dass man immer nur einen Euro in den Stromautomaten einwerfen kann, worauf neben dem gewählten Anschluss eine Kontrollampe leuchtet. Leuchtet = Strom, leuchtet nicht = kein Strom! Nun wissen wir ja ziemlich genau, wie weit bei uns 3kWh reichen, bei mir 48 Stunden unter den schlechtesten Bedingungen, nämlich ohne Solarertrag bei nicht vorhandener Sonne. Am Freitag um 14 Uhr aktivierte ich meine Steckdose, am nächsten Mittag zeigte mein Panel kein Stromsymbol mehr an. Uschi verbraucht nicht so viel Strom, aber auch bei ihr leuchtete kein Lämpchen mehr. Also nachwerfen! Diesmal reichte der Euro von 13:30 bis Mitternacht! Ich hatte keine stromfressenden Verbraucher angeschlossen, mein Kühlschrank lief wie immer auf Gas. Am Sonntag schien die Sonne und ich gab der Solarladung den Vorrang. Trotzdem war am frühen Abend der Strom wieder weg! Bei Uschi war es ähnlich. Nach welchen Kriterien dieser Stromautomat agierte, wurde uns nicht klar. Weder 24 Stunden noch der Verbrauch von 1kWh wurden jeweils erreicht. Da über das Wochenende niemand erreichbar war, blieb uns nichts anderes übrig, als Geld nachzuwerfen. Bei mir wurden es dann insgesamt 5 Euro! Ja, ich hätte meine neuen Batterien testen können, aber meine Kaffeemaschine läuft nur mit 230V und das ist für mich ein schlagendes Argument! Smiley

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Der Hafenbereich ist recht hübsch gestaltet und in der Saison ist auch bestimmt einiges los. Jetzt war fast alles bereits geschlossen, erfreulicherweise das Vereinslokal nicht. Am Samstagnachmittag holte ich dort leckeren lauwarmen Pflaumenkuchen und am Sonntagabend gingen wir Fisch essen. Preiswert, gut und reichlich! Das Lokal ist sehr nett eingerichtet und, wie wir feststellen konnten, auch sehr beliebt.

Barth

Nachmittags hatten wir das schöne Wetter für einen Erkundungsspaziergang rund um den Hafen genutzt

BarthBarthBarthBarthBarthBarthBarth

und dabei auch eine weitere Möglichkeit entdeckt, mit dem Wohnmobil übernachten zu können. Auf einem öffentlichen Parkplatz gibt es (laut Promobil) Flächen für 10 Mobile und auch Stromsäulen. Wir haben sie nur aus der Entfernung gesehen und nicht nachgezählt. Den Preis von €7/Nacht können wir aber bestätigen, da er am Parkscheinautomaten angezeigt wurde.

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Trotz der nicht ganz optimalen Bedingungen (schlammiger Untergrund, Gemeinschaftsduschen, Strombedingungen, zum Spülen der Toilettenkassette muss per Eimer Wasser aus dem Bodden geholt werden, das eigentlich vorhandene kostenlose WLAN war nicht verfügbar) hat es uns gut dort gefallen. Das lag aber hauptsächlich an unseren Plätzen mit der schönen Aussicht. Ein (abends beleuchteter) Hafen vor dem Fenster zur einen Seite und zur anderen der Blick auf den Bodden ist auch etwas, an das man sich gewöhnen könnte. Im Sommer sicher noch interessanter mit regem Schiffs- und Bootsverkehr, aber dann wäre es uns schon wieder zu turbulent.

BarthBarth

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße (bessere Qualität) bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Abschlussbericht Rügen

 

Auf Rügen gibt es natürlich noch ein paar mehr Highlights außer Putbus oder Klein Zicker oder dem Rügen-Markt. Unser tägliches Highlight (sorry, wenn ich mich wiederhole) war aber nach wie vor unser Ausblick. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so viele Sonnenuntergangsfotos in so kurzer Zeit gemacht zu haben. Die erhofften Kraniche haben sich leider bei uns nicht niedergelassen und bei unseren diversen Ausflugsfahrten haben wir sie auch nicht gesehen. Dafür aber umso mehr Wildgänse! Und die veranstalten auch schon ein ganz schönes Geschrei. Smiley mit geöffnetem Mund

Thiessow Ausblick

Die Stubnitz auf der Halbinsel Jasmund im Nordosten Rügens mit dem berühmten Königsstuhl und den sonstigen Kreidefelsen haben wir ausgelassen, aber zum Kap Arkona sind wir mal wieder gefahren. Die Leuchttürme haben wir allerdings nur aus der Entfernung gesehen, wir sind nur bis zum Fischerdörfchen Vitt gelaufen. Die wenigen Menschen, die dort noch leben, sind bestimmt froh, wenn die Saison vorbei ist und nicht mehr jeden Tag hunderte von Touristen durch ihre Vorgärten laufen. Verwirrtes Smiley

Kap ArkonaKap ArkonaVittVitt

Im Westen der Insel waren wir noch, auf der Insel Ummanz. Dort werden Kranichbeobachtungstouren, zu Fuß und per Schiff, angeboten, aber dafür war es schon zu spät im Jahr. Wir haben einfach nur die Landschaft genossen und konnten Ummanz einmal umrunden. Es gibt einige Campingplätze dort, aber man ist schon sehr weit von allem entfernt. In Gingst hatten wir auf der Hinfahrt ein vielversprechendes Café an der Hauptstraße entdeckt, erkennbar an einem Tisch und zwei Stühlen auf dem Gehweg und einem Schild. Auf dem Rückweg kehrten wir dort ein und entdeckten ein kleines Museums“dorf“. Das Café war gleichzeitig ein Verkaufsladen, Kaffee und Kuchen gab es in/auf handgefertigtem Keramikgeschirr.

GingstGingstGingstGingstGingstGingstGingstGingst

Ja, und dann stand noch Prora auf meiner Wunschliste! Vor zwei Jahren waren wir das erste Mal dort („hier“ nachzulesen) und hatten über die Sanierungsfortschritte gestaunt und was man aus so altem Gemäuer entstehen lassen kann. Zu den Ruinen hatten wir es damals nicht geschafft und das holten wir jetzt nach. An der Nordflanke des 4,7km langen Kolosses besteht ein Block überwiegend nur noch aus Trümmerresten. Hier wurden während der Besetzung durch die Sowjetarmee 1945 und später durch NVA-Einheiten Schießübungen vorgenommen, Nahkampf- und Häuserkampfübungen absolviert und Sprengversuche gemacht. Durch die massive Stahlbetonbauweise konnte allerdings nicht alles zum Einsturz gebracht werden. Nach Kriegsende versuchte man, die Gebäude zu demontieren. Ein „Abbau per Hand“ durch verpflichtete Ortsansässige musste nach einigen Unfällen mit Todesfolge aufgegeben werden. Ende der 1940er-/Anfang der 1950er-Jahre wurde aus Sicherheitsgründen der nur bis zum 4. Stockwerk errichtete vierte Block vollständig gesprengt. Seine Trümmer sollen noch im Wald verstreut liegen. Wir haben uns nur den Block 3 angesehen, das war schon ausreichend. Uschi mag so etwas überhaupt nicht, mich fasziniert es.

ProraProraProraProraProraProraProraProraProraProraProraProra

Der große Festplatz in der Mitte der Anlage war eine Großbaustelle und gesperrt. Wir wollten eigentlich noch nachsehen, was sich bei den vor zwei Jahren in Renovierung befindlichen Blöcken getan hatte, fanden aber keinen Parkplatz. Okay, wir hätten das Verbotsschild für Wohnmobile über 2,8t einfach übersehen sollen! Cooles Smiley

Da wir nun keinen Kaffee bekommen hatten, beschlossen wir, auf der Rückfahrt in einem Restaurant zu Abend zu essen. Aber wo? In Sellin kamen wir am Kleinbahnhof (jetzt für den Rasenden Roland) vorbei und fuhren kurzentschlossen auf den Parkplatz. Eine gute Entscheidung! Das ehemalige originale Bahnhofsgebäude mit Fahrkartenverkauf, Gepäckraum und Wartehalle, in Betrieb seit Ende des 19. Jahrhunderts, wurde 1999 zum Restaurant umgebaut unter Beibehaltung vieler Eisenbahnmerkmale. So sitzt man in der 1. Klasse stilgerecht im Ambiente eines Reisesalonwagens mit den typischen alten Glaslampen, Wandmalereien, Holzvertäfelungen und Seidentapeten.

SellinSellinSellinSellinSellin

SellinIn der 2. Klasse wurden alte Kirchenbänke zu Sitzbänken umgebaut

 

 

 

 

 

 

 

 

und in der 3. Klasse sitzt man in einem gemütlichen Holzklassenwagon auf originalen Holzbänken mit nostalgischem Flair.

Sellin

Es hat uns nicht nur sehr gut gefallen, sondern auch geschmeckt!

In der letzten Oktoberwoche fuhren wir ein letztes Mal mit dem Bus nach Göhren, in der Annahme, dass er wie immer den Abstecher nach Alt Reddewitz macht. Dem war aber nicht so, weder auf der Hin- noch auf der Rückfahrt. Anscheinend gelten mit dem schon in Kraft getretenen Winterfahrplan andere Bedingungen. So konnten wir also nur von Göhren Abschied nehmen. Hätten wir vielleicht auch ein Schloss dort lassen sollen, um sicherzustellen, dass wir wiederkommen möchten?

GöhrenGöhrenGöhrenGöhrenGöhren

Leider ist unsere Zeit auf Rügen jetzt schon wieder herum. Enttäuschtes Smiley Am Donnerstag letzter Woche (31. Okt.) hätten wir schon abreisen müssen. Für Dienstag dieser Woche hatte ich einen Termin für Oscarlotta in einer Iveco-Werkstatt in Stralsund vereinbart, die HU ist wieder fällig, ein Ölwechsel sollte auch mal wieder gemacht werden sowie alle anderen notwendigen Servicemaßnahmen. Da die Aufbaubatterien inzwischen 12½ Jahre alt sind, was ja schon eine Sensation ist, traue ich mich nicht, noch einen Winter in Deutschland damit anzugehen. Also werde ich Oscarlotta und mir zwei neue Gel-Akkus spendieren. Natürlich müssten wir im Anschluss an unser Herbstangebot in Thiessow den vollen Preis von €18 pro Nacht bezahlen (Nachsaison, 1 Mobil, 1 Person), aber der Stellplatz in Stralsund kostet inzwischen auch schon €16. Ich beschloss für mich, die zwei Euro mehr mit Vergnügen zu investieren für die Ruhe und den Ausblick und erst am Sonntag oder am Montag nach Stralsund zu fahren. Uschi blieb noch eine weitere Nacht und fuhr dann am Freitag schon einmal vor. Am Donnerstag machten wir bei Sonnenschein unseren gemeinsamen Abschiedsspaziergang an den Strand

ThiessowThiessowThiessowThiessowThiessowThiessowThiessowThiessow

und durften anschließend noch einmal einen herrlichen Sonnenuntergang bewundern. Verliebt

SonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergangSonnenuntergang

Ich machte am Freitag Nachmittag eine allerletzte Abschiedsrunde, da für Samstag Regen angesagt war. Zum ersten Mal blies ein ekelhaft kalter Wind, ich hatte den ganzen Strand für mich allein, aber mein Spaziergang fiel dann doch etwas kürzer aus. Es ist spürbar kälter geworden, aber solange die Sonne wenigstens ab und zu scheint, ist alles gut. Und das tat sie die letzten Tage immer mal wieder. Wie anders die Landschaft doch aussieht, mit oder ohne Sonne!

ThiessowThiessowThiessow

Ich erledigte in weiser Voraussicht nach meinem Spaziergang auch gleich noch meine Außenarbeiten, sodass ich am Sonntag nur noch mein Stromkabel abziehen und verstauen müsste und von den Keilen fahren. Das war eine gute Entscheidung, denn am nächsten Tag regnete es fast ununterbrochen. Ich hätte mit absolut keinem Sonnenuntergangs-Abendhimmel gerechnet, aber ich wurde dann doch noch überrascht!

Sonnenuntergang

In der Rezeption hatte ich ausgehandelt, dass ich nicht bereits um 10 Uhr abgereist sein muss, sondern erst um 12! Offiziell war am Sonntag der letzte Tag der Saison und der Rezeptionist hatte anschließend Feierabend. Der Campingplatz schließt zwar nicht über den Winter, aber es kann durchaus sein, dass die Rezeption tagelang nicht besetzt ist, wenn keine Gäste auf dem Platz sind. Es gibt auch für den Winter ein Angebot, man kann sein Wohnmobil oder seinen Wohnwagen von Anfang November bis Ende März für €199 stehenlassen und zahlt bei Anwesenheit dann noch die Personengebühr von €3,50 zusätzlich. Dann wird das vordere Sanitärgebäude geöffnet und geheizt, die Platzbeleuchtung eingeschaltet (nur im vorderen Platzbereich) und ein Ansprechpartner ist stundenweise oder nach Absprache anwesend, um z. B. Gasflaschen zu tauschen oder Dusch- und Waschmaschinenmarken zu kaufen. Das Waschen und Trocknen kostet hier übrigens pro Durchgang nur EINEN sagenhaften Euro (sonst i. d. R. €2,50 oder sogar €3)!!!

Am Sonntag hörte es netterweise auf zu regnen, als ich soweit fertig war, um raus zu müssen. Meine Keile bzw. Auffahrplatten waren innerhalb der zwei Monate so weit in den Boden gedrückt worden, dass in allen Zwischenräumen Erde war und schon Gras herauswuchs. Smiley Mein Stromverbrauch hielt sich in erfreulichen Grenzen, im Schnitt ein Kilowatt pro Tag, das allerdings mit teuren 80 Cent berechnet wird. Es macht sich immer bezahlt, dass ich bei Sonnenschein der Solarladung den Vorrang geben kann.

Abschied von ThiessowAbschied von ThiessowAbschied von Thiessow

Ich machte noch ein paar Abschiedsfotos und stand um zehn Minuten vor 12 Uhr in der Rezeption. Diese speziellen Angebote des Campingplatzes (Herbst, Winter, Frühjahr) müssen im Voraus mit einer Anzahlung von €50/Platz gebucht werden. Bezahlt wird dann bei Ankunft und ob man den verfügbaren Zeitraum voll ausschöpft oder nicht, bleibt einem selbst überlassen. Ich brauchte jetzt also nur noch meinen Strom zu zahlen und mich zu verabschieden.

Insel Rügen

Ich bin nicht gerne weggefahren! Weinendes Smiley

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Ein Tag am Meer

 

Ja, es gefällt uns immer noch sehr gut hier!

Nein, wir schauen nicht ausschließlich den ganzen Tag aus unseren Fenstern – ab und zu unternehmen wir auch etwas. Laut lachen

Thiessow

Für Montag sagte die Wettervorhersage Sonnenschein voraus und noch keinen Regen oder Wind wie für die kommenden Tage. Putbus stand noch auf unserer Liste. Dort waren wir das letzte Mal 2003. Da es auf direktem Weg nur 28km sind, fuhren wir einen kleinen Umweg. Es ging an Bergen vorbei über kleinste Sträßchen durch ein paar Dörfer. Im Ortskern geht die asphaltierte Straße ganz oft in Kopfsteinpflaster über, eine gut funktionierende Methode der Geschwindigkeitsverringerung ganz ohne Schilder. Zwinkerndes Smiley Wir fragen uns immer wieder, wie das Leben in diesen von der Welt abgeschnittenen Dörfern wohl zu Zeiten der ehemaligen DDR war und denken, dass die Menschen damals überwiegend Selbstversorger sein mussten. Nicht nur, dass der nächste Konsum weit weg war, das Angebot war ja auch nicht üppig. Viele Häuser sind inzwischen saniert, einige neu erbaut und es wohnen augenscheinlich (auch) junge Familien dort. Aber die Wege sind nach wie vor weit, auch wenn die „Welt“ erreichbarer geworden ist.

Ausflugsfahrt

Wir fuhren bis zu der einzigen Fähre zum Festland in Glewitz, man kommt in etwa auf halber Strecke zwischen Stralsund und Greifswald über den Strelasund. Allerdings könnte nur Uschi dort übersetzen, die Gewichtsbeschränkung liegt bei 5t! Also natürlich Uschi zusammen mit Fix und Boxi! Cooles Smiley

Rügen ist ja eine Insel mit sehr zerklüfteter Küstenlinie und immer wieder kleinen „angeklebten“ Halbinseln oder „Fingern“. Auf einer solchen, der Mönchgut-Halbinsel, liegt Thiessow, aber ganz im Süden der Insel, hier, wo die Fähre ist, gibt es eine weitere, Zudar genannt. Auf der Karte fand ich den Ort Zicker. Bei uns gibt es ja, wie schon erwähnt, Klein Zicker und Groß Zicker. Also schauten wir uns auch Zicker mal an. Dorthin gab es tatsächlich noch eine Buslinie, obwohl die Straße nur noch einspurig war und in Teilen nur aus zwei Fahrstreifen aus Betonplatten bestand. Alle paar hundert Meter gab es eine Ausweiche und natürlich kam uns an der ungünstigsten Stelle der Bus entgegen! Der Busfahrer war freundlich und rangierte sein Gefährt in die einzig verfügbare Lücke, sodass wir uns mit Fix und Boxi vorbeiquetschen konnten. Mit Oscarlotta wäre es schwierig geworden!

Ich hatte als Beifahrer die Karte der Insel auf dem Schoß und irgendwann fiel mir auf, dass nicht etwa die Orte mit „ow“ am Ende (wie üblich in diesem Teil Deutschlands, z. B. Thiessow) in der Überzahl sind, sondern eindeutig (!) die „itze“. Kleine Auswahl gefällig? Ohne Anspruch auf Vollständigkeit!!! Erstauntes Smiley

Sassnitz

Üselitz

Losentitz

Silmenitz

Groß Schoritz

Venzvitz

Poseritz

Krakvitz

Kasnevitz

Groß Kubitz

Karnitz

Boldevitz

Parchtitz

Vilmnitz

Granitz

Alt Reddewitz

Buschvitz

Ramitz

Neddesitz

Varnkevitz

Gramtitz

Nadelitz

Nistelitz

Garftitz

Kartzitz

Jamitz

Reischwitz

Pachtitz

Thesenvitz

Lipsitz

Muglitz

Platvitz

Dreschvitz

Dönkvitz

Dußvitz

Klucksevitz

Bußvitz

Lüßvitz

Dubkevitz

Rattelvitz

Varbelvitz

Teschvitz

Presnitz

Garditz

Tribkevitz

Jabelitz

Libnitz

Vaschvitz

Retelitz

Schmantevitz

Fernlütkevitz

Kreptitz

Starrvitz

Polkvitz

Silvitz

… ???

Die Rücktour verlief „unten herum“, wir machten noch einen kurzen Abstecher nach Lauterbach, wo wir 2003 auf dem Wohnmobilstellplatz gestanden hatten und fuhren dann nach Putbus hinein. Die Attraktion hier sind die 15 im klassizistischen Stil erbauten und kreisförmig angeordneten strahlend weißen Häuser, in Auftrag gegeben 1810 von Fürst Wilhelm Malte I. Fürst zu Putbus. Wir fragten uns, wie wohl der Name Putbus entstanden sein könnte und natürlich kennt (Quelle) Wikipedia die Antwort: „Der Name Putbus leitet sich vom slawischen epod boz her und bedeutet hinter dem Holunderbusch.“ Na ja, kann man glauben oder auch nicht.

Die Häuser sind recht ansehnlich und imposant, einige sind allerdings noch oder wieder renovierungsbedürftig. Sehen kann man sie nur, wenn man einmal um den ganzen Platz, Circus genannt, herumläuft. Aus der aufwändig angelegten Parkanlage mit ihren 8 baumgesäumten Wegen, die alle auf einen 19m hohen Obelisken zulaufen, sieht man nur Fragmente von ihnen. Dieser Platz, das Wahrzeichen von Putbus und beliebter Ausflugsort, gilt als letzter einheitlich ausgeführter Rondellplatz Deutschlands.

Circus PutbusCircus PutbusCircus Putbus

Viel mehr bietet Putbus nicht, vielleicht noch die Orangerie, den Marstall und das Mausoleum im Schlosspark. Wir hatten aber noch ein anderes Ziel! Vor längerer Zeit war ich in einem Dokumentationsfilm über Rügen auf ein ungewöhnliches Geschäft aufmerksam geworden mit einem ebenso ungewöhnlichen Namen: „Ein Tag am Meer“. Es wurden lustig bemalte Treibholzstücke gezeigt, die hier gefertigt und verkauft werden. Wir fanden den Laden an der Hauptstraße nur wenige Meter vom Circus entfernt. Und wir waren begeistert!!! Weil die Exponate so liebe- und phantasievoll gestaltet sind, gibt es hier alle Fotos, die ich gemacht habe. Smiley mit geöffnetem Mund

Ein Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am MeerEin Tag am Meer

Wenn wir über mehr Platz verfügen würden, hätten wir sicher mehr mitgenommen als „nur“ zwei Schlüsselanhänger.

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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

An Bodden und Haff

 
 
Von Stralsund aus fuhren wir am Greifswalder Bodden entlang Richtung Usedom. Uschi wollte mal wieder ans Achterwasser. Über Greifswald und Wolgast erreichten wir das Dorf Lütow. Dort liegt seit vielen Jahren ein ehemaliges Fahrgastschiff vor Anker und dient jetzt Ausflüglern als Einkehrgastwirtschaft. Auf der Wiese können ein paar Wohnmobile stehen und höchstens drei auf der befestigten Sportboot-Hafenanlage. Uschi war bereits 1998 dort und weil es ihr so gut gefallen hatte noch einmal mit mir 2005. Ich konnte mich noch gut an die schlechten Zufahrtsstraßen erinnern und daran hat sich auch bis heute nichts geändert! Aber auch sonst war alles unverändert und das ist gut so. Wer absolute Ruhe und sonst nichts als Natur möchte, ist hier richtig. Alle anderen eher nicht. Zwinkerndes Smiley

AchterwasserAchterwasserAchterwasserAchterwasser

Wir stellten uns natürlich nicht auf die Wiese, sondern mit Blick aufs Achterwasser. Schöner geht fast nicht mehr! Leider spielte das Wetter nicht mit, bis auf den Ankunftstag war es kalt, windig und ab und zu auch regnerisch. Ein kleiner Spaziergang auf dem Deich und durch den Ort, mehr war nicht drin. Unsere Räder haben wir gar nicht erst aktiviert.

PrivatstellplatzPrivatwohnung BauwagenDorfkircheGlocken"turm"etwas Patinaerste FrühlingsbotenMode & Café

Der Stellplatz „Marina Yachtlieger Achterwasser“ bietet Strom pauschal für €2, der Stellplatzpreis beruht auf der Länge des Wohnmobils und wird wie bei Schiffen nach Metern berechnet, 1 Euro pro 1 Meter! Dazu kommt allerdings auch noch eine Personengebühr von €1/Person. Die Entsorgungs“station“ ist eine Klärgrube mit Deckel, eingelassen in der Wiese hinter dem Bootshaus. Frischwasser war gerade nicht verfügbar, da die Wasserleitung einen Defekt hatte. Alles also etwas minimalistisch, aber originell und ursprünglich. Muss man mögen, sonst ist man dort falsch. Zahlen muss man übrigens täglich bis 17 Uhr, bevor der Besitzer nach Hause fährt. Diese Gepflogenheit, auf der bestanden wird, ermöglicht ihm einen täglichen Plausch, der gerne auch ausführlicher ausfallen darf. Smiley mit geöffnetem Mund

Wir unternahmen mit Fix und Boxi einen Ausflug in die „Kaiserbäder“ Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck, aber leider regnete es auch dort. Ganz feiner Sprühregen nur, aber durchdringend und selbst die schönste Seebrücke macht da keinen Spaß. Wir machten das Beste draus und nahmen an der Tour mit der (durch Planen verschlossenen) Bimmelbahn durch alle drei Bäder teil. Dabei sahen wir nicht nur alles, was sehenswert war, sondern erfuhren auch noch allerlei interessante Details über die Bäderarchitektur der vergangenen Zeiten und über das mecklenburgische Uradelsgeschlecht der von Bülow. Nicht verwunderlich also, dass Vicco von Bülow, alias Loriot, in seinen Film „Pappa ante Portas“ (Kurzvideo hinter dem Link) der Seebrücke von Ahlbeck eine Rolle gegeben hat. Das Wetter war allerdings nicht dazu angetan, Fotos zu machen, weshalb wir, logische Schlussforderung, keine von hier zeigen können. Enttäuschtes Smiley Die Häuser sehen aber in etwa alle so aus wie dieses wunderschöne Haus in Binz.

Bäderarchitektur

Nach ein paar weiteren Höhlentagen beschlossen wir, auf die andere Seite des Achterwassers zu fahren und dann am Kleinen Haff entlang über Ueckermünde nach Altwarp. Das liegt am Stettiner Haff unmittelbar vor der polnischen Grenze. Hier verabschiedete sich das deutsche Mobilfunknetz auf breiter Front! Aber sogar, wenn wir eine polnische SIM-Karte gehabt hätten, hätte uns das wohl nichts genützt, auch das polnische Netz war nur sporadisch verfügbar. WLAN gab es zwar vom benachbarten Hafen, zu dem der Stellplatz gehört, aber das konnte man ebenfalls gleich wieder vergessen! Wir waren also über Tage in der für uns völlig ungewohnten Lage, ohne Internet und ohne die Möglichkeit, telefonieren zu können zu sein und fragten uns, was man eigentlich früher so den ganzen Tag gemacht hat??? Cooles Smiley

Altwarp am Stettiner Haff

Das Wetter wurde langsam besser und tatsächlich konnten wir ein erstes Mal vor unseren Mobilen in der Sonne sitzen, ohne dicke Jacke, Schal und Mütze! Die Lage des Stellplatzes ist ein Traum und wie bereits gewöhnt, waren wir fast allein. Im Sommer wird es auch hier sicher anders aussehen, allerdings sind die Plätze ausreichend groß dimensioniert. Viel los ist auch hier nicht, touristisch gesehen, ein „Tante-Emma“-Laden, eine große Wanderdüne, zwei Fischrestaurants im Ort, während der Saison Fischbuden und Restauration direkt am Hafen, vormittags frischer Fisch direkt vom Kutter. Und ein Bäckerwagen, der täglich vorbeikommt. Man kann sowohl direkt im Hafen stehen als auf dem benachbarten Stellplatz, für €10 plus €2 für Strom pauschal. Es gibt einen Toiletten- und Duschcontainer samt Waschmaschine und Trockner, eine V/E-Station, die den Namen auch verdient und Frischwasser direkt an den Plätzen. Im Sommer fährt ein Schiff zum zollfreien Einkauf nach Neuwarp in Polen (direkt gegenüber), es gibt Hafenrundfahrten und Ausflugsfahrten nach Usedom. Dazu eine Busverbindung nach Ueckermünde. Das Dorf ist klein und beschaulich und verfügt noch über den Charme früherer Fischereizeiten. Ein nahezu perfekter Wohnmobilstellplatz, fanden wir, durchaus auch für einen längeren Zeitraum. Wenn nur die Sache mit dem Mobilfunknetz nicht wäre!!!

Altwarp am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner HaffHeimatkarte PommernAltwarp am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner HaffHumor am Stettiner HaffWanderdüne am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner HaffAltwarp am Stettiner Haff

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Die andere Geschichte

 
 
Bei meiner Internetrecherche über Stralsund stieß ich auf das Video eines Drohnenfluges über die Dächer der Stadt. Automatisch lud sich danach ein weiteres Video und eine Drohne flog über das Modell von Prora. PRORA?!?! Vor Jahrzehnten hatte ich mal einen Bericht im Fernsehen darüber gesehen, über diese größenwahnsinnige Ferienanlage der Hitlerzeit, geplant, gebaut und nicht fertiggestellt. Das erste von fünf identischen KdF-Seebädern sollte es werden, jedes mit einer Kapazität von jeweils 20000 Urlaubern pro Durchgang von 10 Tagen. Die nationalsozialistische Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“, Teil der „Deutschen Arbeitsfront“, betraute 1935 den Kölner Architekten Clemens Klotz mit der Planung. Ein passender Name für ein solches Projekt!

KdF Die Rolle der KdF, insbesondere der geplanten Groß-Seebäder, ist widersprüchlich. Einerseits sollte sie kulturelle Bedürfnisse der Arbeitenden befriedigen, kostengünstige Urlaubsplätze – auch für kinderreiche Familien – zur Verfügung stellen, zum anderen bildete sie eine wirksame Form der ideologischen Beeinflussung im Sinne der NS-“Volksgemeinschaft“, der geistigen Kriegsvorbereitung und ermöglichte zudem in einem festen Rahmen die permanente Kontrolle der KdF-Urlauber. Die Ideologie der Volksgemeinschaft beschwor eine rassisch und politisch homogene Gemeinschaft, die als Gefolgschaft dem „Führer“ treu und gehorsam ergeben sein und dann ein Anrecht auf soziale Leistungen, wie etwa den Urlaub in Prora, haben sollte. Siehe auch „hier„. Bereits im Mai 1936 war Grundsteinlegung, ein Baustab koordinierte ab November die Zusammenarbeit von 9 Großbaufirmen und etwa 300 verantwortlichen Mitarbeitern. Nach abgeschlossenen Planierungs- und Gründungsarbeiten setzte ab April 1938 der straff und rationell organisierte Hochbau ein, in ca. 17 Monaten Bauzeit wurde das Vorhaben bis Kriegsausbruch September 1939 weitgehend rohbaufertig. Die Fertigstellung der gesamten Anlage war für das Jahr 1941 geplant. Nach Kriegsausbruch wurde der Baubetrieb jedoch drastisch reduziert, viele Arbeitskräfte wurden zur Heeresversuchsanstalt Peenemünde und an den Westwall abgezogen. Mit geringer Bautätigkeit wurde noch bis 1941 weitergearbeitet, auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene wurden hier eingesetzt. 1942/43 wurde der Bau dann endgültig eingestellt.

Koloss von Prora Es standen nun insgesamt acht identische Unterkunftshäuser mit jeweils sechs Stockwerken und einer Höhe von etwa 20m. Jeder dieser „Blöcke“ hatte eine Länge von ca. 500m und wies zur Landseite 10 rechtwinklig angeordnete Treppenhausflügel aus. Zwischen jeweils drei Blöcken im Norden und drei Blöcken im Süden blieben freie Flächen, die später mit dreigeschossigen Gemeinschaftsanlagen, die 150m weit in den Strand ragen, geschlossen werden sollten (gut zu sehen in dem ersten Video). Zwischen den beiden mittleren Blöcken sollte als Achsenmittelpunkt der in einem Segmentbogen von 13km Radius gebauten Anlage mit 90m Entfernung vom Strand ein Festplatz von 400000m² entstehen (siehe obiges Foto), mit monumentalen und repräsentativen Gebäuden wie ein Festbau mit einer offenen Säulenhalle zur Seeseite, der eine Festhalle und eine Kongresshalle für jeweils 20000 Menschen enthalten sollte. Ein „Probestück“ wurde realisiert und ist noch vorhanden. Zur Seeseite wurde eine ca. 80m ins Meer hineingebaute 500m lange Kaianlage errichtet, von der noch Teile zu sehen sind. Geplant waren zwei Seebrücken von 500m Länge für kleinere und 800m für längere Schiffe, z. B. die bereits in Betrieb befindlichen KdF-Urlaubsschiffe „Robert Ley“ und „Wilhelm Gustloff“. Wandelgänge zwischen den Gebäuden, Wasserbecken, Wasserspiele, eine 7km lange und 27m breite Strandpromenade an der gesamten, ca. 4,7km langen, Anlage entlang, waren geplant, dazu unzählige Restaurants, Cafés, Kinderhorte, Geschäfte, Schreib-, Lese- und Spielräume, Kegelbahnen, Billardräume, Bierrestaurants, Kleinkunstbühnen, ein Tonfilmtheater, ein Musikpavillon, eine Post- und eine Radiostation, zwei Schwimm- und Gymnastikhallen und ein Kontroll- und Aussichtsturm mit einem Café für 250 Personen in 70m Höhe. In jedem der acht Blöcke waren zwei zur See hin offene Liegehallen über alle sechs Stockwerke geplant und im Rohbau fertiggestellt, sie sollten durch Wärmestrahler auch bei kälteren Temperaturen benutzbar sein. Neben den Liegehallen gab es jeweils einen Aufzug, das ist das einzige Unterscheidungsmerkmal der jeweils 10 Treppenhausflügel auf der Landseite.

Brunnen für die Wasserversorgung wurden gebohrt, ein Eisenbahnstreckennetz nach bzw. von Binz errichtet sowie ein Straßennetz. Ein Kieslager wurde erschlossen, ein Kraftwerk und ein Wasserwerk errichtet. Zwei von acht Angestelltenwohnhäusern wurden gebaut. Vier Arbeitsdienst-Wohnlager einschließlich eines eigenen Speisehauses waren geplant, zwei wurden fertiggestellt und sind vorhanden und bewohnt. Für die Familien der Angestellten sollten eine Schule, ein Krankenhaus und kulturelle Einrichtungen geschaffen werden. Man rechnete mit ca. 5000 Angestellten und weiblichen Hilfskräften im Rahmen der obligatorischen Wehrdienstverpflichtung. Ein Wahnsinnsprojekt!!! Eine kleine Stadt für sich, die alle Bedürfnisse erfüllte, außer vermutlich die nach Intimität, Privatsphäre, Ruhe.

Die Zimmer, alle zur Seeseite gelegen, waren etwa 2,50m mal 5,00m groß (!), auf der Landseite befand sich ein vorgelagerter Flur von 2,50m Breite. Daraus ergibt sich die auffallend geringe Tiefe der Gebäude von nur 8 Metern! Lediglich die Unterlagerung der beiden unteren Geschosse zur Landseite beträgt 10,55m. Die Zimmer sollten schlicht und zweckmäßig eingerichtet werden: zwei Betten und ein Liegesofa, dazu Tisch und Stühle. Ein kleiner Vorraum mit Waschbecken (fließend kaltes und warmes Wasser!) und eingebauten Wandschränken, abgetrennt durch einen Paravent. Die Ausstattung aller Zimmer mit Zentralheizung sollte eine Nutzung auch in der kalten Jahreszeit, etwa 8 Monate im Jahr, ermöglichen. Die aus den Maßen der Skelettbauweise abgeleitete Zimmerform ließ auch eine Verbindung zweier Räume für Familien mit Kindern oder für eine Gruppe bis zu 6 Personen zu. Toiletten und Waschräume sowie Duschen sollte es in den Treppenhausflügeln geben.

Von den acht Blöcken stehen heute noch drei auf der Südseite und zwei im Norden. Ruinen zweier weiterer Blöcke schließen sich an. Hier wurden während der Besetzung durch die Sowjetarmee 1945 und später durch NVA-Einheiten Schießübungen vorgenommen, Nahkampf- und Häuserkampfübungen absolviert und Sprengversuche gemacht. Durch die massive Stahlbetonbauweise konnte allerdings nicht alles zum Einsturz gebracht werden. Nach Kriegsende versuchte man, die Gebäude zu demontieren. Ein „Abbau per Hand“ durch verpflichtete Ortsansässige musste nach einigen Unfällen mit Todesfolge aufgegeben werden. Ende der 40er-/Anfang der 50er-Jahre wurde aus Sicherheitsgründen der nur bis zum 4. Stockwerk errichtete vierte Block im Süden vollständig gesprengt. Seine Trümmer liegen noch im Wald verstreut. Trotz dieser Unvollständigkeit gilt die Anlage neben dem Reichsparteigebäude in Nürnberg als die größte geschlossene architektonische Hinterlassenschaft der nationalsozialistischen Zeit und steht heute unter Denkmalschutz. „Der Koloss von Rügen“ oder „Das längste Haus der Welt“ wird sie tituliert und viele Sagen ranken sich um sie herum. Das liegt überwiegend daran, dass das gesamte Gebiet bis 1991 militärisches Sperrgebiet war. Es hieß z. B., dass die gesamte Anlage durch drei unterirdische Geschosse miteinander verbunden sei. Richtig ist, dass alle Trakte durch einen übermannshohen Versorgungskanal zur Aufnahme von Energie- und Wasserleitungen verbunden sind. Diese enden aber jeweils an der Lücke des geplanten großen Festplatzes. Eine Unterkellerung dort war wohl geplant, wurde aber nicht ausgeführt. Also ist die 4,7km lange Anlage strenggenommen gar kein zusammenhängender Gebäudekomplex.

Wir waren in Stralsund, also an der günstigsten Position für einen Besuch in Prora. Ich machte Uschi den Vorschlag, eine Ausflugsfahrt mit Fix und Boxi zu unternehmen und das Meeresmuseum ausfallen zu lassen, zumal das Wetter wunderbar war. Also fuhren wir über die Rügenbrücke auf Deutschlands größte Insel. Es waren nur 45km und schon bald sahen wir durch den Wald hindurch lange graue Gebäudeteile entlang der Straße. Wir fuhren bis es nicht mehr weiterging und fanden an der Haltestelle der Jugendherberge einen Parkplatz. Da wir absolut keine Ahnung hatten, wo an dem Gesamtkomplex wir waren, liefen wir einfach mal drauflos. Wir kamen durch eine kleine Siedlung mit völlig identischen Häusern, die alle offensichtlich bewohnt waren und wussten erst im Nachhinein, dass es sich um die oben erwähnten Arbeitsdienst-Wohnlager handelte. Dann standen wir vor einer Mauer, links sah man graue verfallene Häuser und rechts strahlendweiße renovierte.

Prora alt+neu

Im Internet hatte ich erfahren, dass seit einigen Jahren Blöcke (v)ersteigert worden waren und jetzt renoviert werden. Ein Hotel sollte schon fertig sein. Ich interessiere mich ja sehr für Architektur und genau dieser Zustand von ruinenmäßig bis luxussaniert reizte mich. Auf der linken (Nord-) Seite sahen wir in der Ferne eine weiße Unterbrechung des Einheitsgraus. Dort ist schon 2011 in einem Drittel des zweiten Blocks eine Jugendherberge mit 96 Zimmern und insgesamt 400 Betten errichtet worden.

Prora JugendherbergeProra Jugendherberge (weiß)

Im Anschluss müssen die zwei Blöcke liegen, die nur noch als Ruinen vorhanden sind. Wir haben sie leider nicht gesehen, da wir uns entschieden, zum Strand zu gehen und dann nach rechts abzubiegen. Es gibt aber auch dazu ein Video auf youtube. Wir liefen an den Fundamenten einer der geplanten Gemeinschaftsanlagen entlang.

Prora RuinenProra RuinenProra RuinenProra Ruinen

Von der Seeseite her war der Kontrast zwischen alt und renoviert noch extremer und die Umsetzung und Gestaltung mit vorgesetzten Balkonen gefiel uns. Später erfuhren wir, dass diese Wohnungen vermietet wurden, teilweise als Sozialwohnungen. Sie schienen alle belegt zu sein.

Prora alt+neuProra MietwohnungenProra MietwohnungenProra Mietwohnungenehemalige LiegehallenProra Strand

Wir liefen weiter an der Garten-/Seeseite des Blockes entlang und fanden weitere Segmente, die noch restauriert wurden und größtenteils bereits völlig entkernt waren. Die seltsamen langen und offenen Fensterfronten konnten wir uns nicht erklären, jetzt wissen wir, dass das die geplanten offenen Liegehallen waren. (Während der späteren Nutzung der Anlage durch die NVA der ehemaligen DDR wurden die Liegehallen verglast und als Wohnraum genutzt.)

Prora entkerntProra entkerntProra ehem. LiegehallenProra entkerntProra entkerntProra Kunst am BauProra Kunst am Bau

Wir liefen den gesamten Block, also 500 Meter, ab und landeten an einer großen bewaldeten Freifläche. Weitere Gebäude waren nicht zu sehen und wir beschlossen, an der Landseite zurück zu unserem Mobil zu gehen und weiter nach Süden zu fahren. Die Freifläche war der geplante Festplatz, aber das erfuhren wir erst später. Wir fuhren auf der Landstraße ca. 2km nach Süden und folgten der Beschilderung zum Hotel „Solitaire“. Der frühere 3. Block (der 4. wurde ja gesprengt) wird z. Z. restauriert und war mit Planen verhängt. Der frühere (und jetzige) 2. beherbergt das erst 2016 fertig gewordene Hotel mit Suiten, Apartments und 120 Ferienwohnungen, die man auch käuflich erwerben kann. Die Preise beginnen bei 128000 Euro für eine 28m² Wohnung. Erstauntes Smiley Seit März diesen Jahres gibt es auch einen großen Fitness- & Spa-Bereich mit Hallenbad und Saunalandschaft. Alles vom Feinsten, versteht sich. Sogar eine Bäckerei, ein Café und ein italienisches Restaurant gibt es bereits in diesem Block.

Prora Hotel SolitaireProra Hotel SolitaireProra Hotel SolitaireProra Hotel Solitaire (ehemalige Liegehallen)Prora BäckereiProra BäckereiProra Hotel SolitaireProra Hotel Solitaire

Prora NVA-Museum Der nächste Block war in sämtlichen Daseinszuständen vertreten. Teilweise wurde heftig renoviert, teilweise sah schon alles fertig aus. Das NVA- Museum ist hier (noch) untergebracht, hat aber angeblich kein Geld zum Kauf und zur Renovierung.

Prora alt+neu
Prora altProra altProra altProra altProra BauzubehörProra SchuttProra PalettenProra BaumaterialProra alt+neuProra BauwagenProra RenovierungProra RenovierungProra Renovierung

Prora Eigentumswohnungen geplantKurz vor der Festplatzlücke wird Haus für Haus des jetzigen 3. Blockes in Eigentumswohnungen verwandelt (Qudratmeterpreise von €3391 bis €5.919), ein Hotel soll ebenfalls entstehen sowie eine Marina. Die Festplatzlücke soll modern, aber nicht weniger pompös als in den Originalentwürfen von 1935, bebaut werden. Es wird sich sicher lohnen, nächstes oder übernächstes Jahr noch einmal vorbeizuschauen und die Fortschritte zu beurteilen. Hätten wir mehr Zeit gehabt, wäre ich sehr an einer der angebotenen Führungen durch die gesamte Anlage interessiert gewesen und an der auf dem Festplatzgelände gelegenen KdF-Ausstellung. Aber ich denke, dass wir hier noch einmal herkommen werden! Ob man in einer solchen, immer noch gigantischen, Ferienanlage Urlaub machen oder sogar in seiner Eigentumswohnung wohnen möchte, ist sicher Geschmackssache. Der Strandabschnitt gilt allerdings als der schönste von ganz Rügen!

Prora Festplatzbebauung Prora Festplatzbebauung

written by Ingrid
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P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

In Stralsund

standen wir auf dem Stellplatz des Wohnmobilhändlers Dahnke. Der Platz liegt ca. 15-20 Gehminuten vom Zentrum entfernt direkt an der Rügenbrücke, es gibt auch eine Busverbindung in die Stadt. 40 Wohnmobile bis 9m und 7,5t sind willkommen, das reichte für Oscarlotta ja noch so gerade. Zwinkerndes Smiley Den Platz gibt es erst seit Mai 2014, er ist gut gestaltet, aber mit €15 nicht besonders preiswert. Bezahlt wird erst bei Abreise an einem Ticketautomaten, die ersten 15 Minuten nach Ankunft kann man bei Nichtgefallen den Platz kostenfrei wieder verlassen.

Stralsund kannten wir ebenfalls von 2002 und konnten uns gut daran erinnern, wie begeistert wir damals von der St.-Nikolai-Kirche waren, die im Inneren wunderbar mit Decken- und Pfeilermalereien in kräftigen, strahlenden Farben ausgestaltet war. Als älteste Pfarrkirche Stralsunds ist sie schon von weitem an ihren zwei unterschiedlichen Türmen zu erkennen, von denen nach einem schweren Brand 1662 nur einer einen barocken Helm und der andere aus finanziellen Gründen nur ein Notdach erhielt. Durch ihre Nähe zum Verwaltungszentrum, dem Rathaus, wird St. Nikolai als Hauptkirche betrachtet. In ihr fanden wichtige Ratssitzungen statt, auch Gesandte wurden hier empfangen. Es kam ihr aber noch eine weitere Funktion zu, durch die sie mit Recht als Hauptkirche betrachtet wird. Hier wurden die „bursprake“ verlesen, den Bürgern also wichtige Gesetze und Verordnungen bekannt gegeben. Heute gehört sie, zu Recht, wie wir finden, zum UNESCO Welterbe.

Wir nahmen die Fahrräder und fuhren erst einmal Richtung Hafen. Unterwegs hielten wir Ausschau nach einem Frisiersalon und wurden fündig. Ein winziger Laden, noch mit DDR-Charme eingerichtet, und ein Ein-Frau-Betrieb. Ja, sie hätte Zeit für uns, aber sie könne uns nur nacheinander bedienen. Kein Problem, Zeit hatten wir auch! Wir waren sowohl mit dem Ergebnis als auch mit dem Preis zufrieden.

Am Hafen ist das neue Ozeaneum errichtet worden, ein Monumentalbau, etwas gewöhnungsbedürftig und mit €17 pro Person auch nicht ganz preiswert. Die nördlichen Meere werden dort gezeigt und erklärt. Es gibt auch noch das ältere Meeresmuseum (Museum für Meereskunde
und Fischerei · Aquarium), das in der Altstadt in einem ehemaligen Dominikanerkloster untergebracht ist. Dort „wohnen“ die Warmwasser- und Tropenfische und dort wollten wir am nächsten Tag hin. Dass es ganz anders kommen sollte, wussten wir da noch nicht.

RügenbrückeOzeaneumZollgebäudeZollgebäude

Das nicht mehr seetüchtige Segelschulschiff Gorch Fock mit seiner wechselvollen Geschichte (um sie 1945 nicht in die Hände der Roten Armee fallen zu lassen, wurde sie versenkt und konnte erst zwei Jahre später wieder geborgen werden, unüblicherweise mit stehenden Masten, so wie sie während der gesamten Zeit im Strelasund gut sichtbar auf Grund gelegen hatte) liegt dort seit 2003 und kann besichtigt werden. Wir bewunderten die alte Dame allerdings nur von außen.

Gorch FockGorch FockGorch FockGorch FockGorch Fock

Allein der Klecks Sprühsahne kostete 1 Euro! Wir sahen uns also die Stadt an, aßen in einem Café völlig überteuerten Kuchen und tranken Kaffee in keinem ausgewogenen Preis-/Leistungsverhältnis. Dem aufmerksamen Leser fällt sicher auf, dass wir ab und zu solche kritischen Anmerkungen machen, aber es ist leider im östlichen Teil Deutschlands so, dass wir uns öfter als woanders „abgezockt“ fühlen.

Stralsund ist hübsch, aber überschaubar und wir waren relativ schnell durch. Jetzt noch in die St.-Nikolai-Kirche! „Wir schließen jetzt!“ wurde uns, nicht besonders freundlich, mitgeteilt. Es war zwei Minuten vor vier! An der Eingangstür zum Kassenraum hing ein Hinweis, dass die Kirche am nächsten Tag wegen Wartungsarbeiten ganz geschlossen sei. Es stellte sich dann im Gespräch heraus, dass der noch amtierende Bundespräsident Gauck auf seiner Abschiedstour zu Besuch kommen sollte. So können wir leider keine Fotos dieser schön gestalteten Kirche präsentieren, sondern nur folgenden Link.

HafenHafenHafenTrabbiBürgerhäuserBürgerhausBürgerhausKirchenruineSt. MarienkircheSt. MarienkircheRathausRathaus

Abends entdeckte ich dann zufällig bei meiner Internetrecherche zu Stralsund etwas, das unsere Pläne für den nächsten Tag über den Haufen warf. Aber das ist eine andere Geschichte!

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