Das Tegelberg-Desaster

 

Wir wollten noch einmal auf einen Berg! Zugspitze? Zu weit und zu teuer. Alpspitz? Waren wir schon. Breitenberg? Kein Lokal dort oben. Tegelberg? Tegelberg! Rauf zu Fuß dauert 4-5 Stunden und das war selbst Uschi zu viel. Also fuhren wir ganz gemütlich mit der Kabinenbahn und hatten dabei einen tollen Ausblick auf das nebenan liegende Schloss Neuschwanstein. Der „Kini“ wusste schon, wo es schön ist! Oben angekommen dann die erste Überraschung: Schnee!!! Erstauntes Smiley Die Nacht zuvor war kalt gewesen und hier oben hatte es tatsächlich geschneit, deutlich erkennbar an den Schneeresten auf der Aussichtsterrasse. Ein skurriler Anblick (im September). Jetzt schien aber wieder die Sonne und man konnte, mit leichter Jacke, wunderbar draußen sitzen. Das taten wir und genossen bei einem Kaffee die herrliche Aussicht auf 1700m.

TegelbergbahnDer 1. Schnee!!!Der 1. Schnee!!!TegelbergTegelbergTegelbergTegelbergTegelbergTegelbergTegelbergTegelberg

Der Forggensee war endlich wieder voll Wasser und nicht mehr die braune Schlammwüste, die er den ganzen Sommer lang gewesen war. So sah er eindeutig sehr viel schöner aus! Der See rechts im Vordergrund ist übrigens der Bannwaldsee und hinten links sieht man den Hopfensee (siehe auch die Karte).

TegelbergÜbersichtskarte

Schneemännlein Für einen kurzen Zeitraum war auch dieser nette kleine Geselle zu sehen, dann wurde es ihm zu warm! Smiley mit geöffnetem Mund

Die zweite Überraschung war, dass der Abstieg bis zur Talstation 2 1/4 Stunden dauern sollte! Da hatte Uschi vorab wohl eine falsche Information erhalten. Was tun? 2 1/4 Stunden sind für mich schon eine Herausforderung, zumal ich völlig untrainiert war. Alternativ hätte ich mit der Bahn wieder nach unten fahren können, hätte dann aber mindestens 2 Stunden auf Uschi warten müssen. Und eigentlich wollte ich auch gerne laufen, hatte geeignete Schuhe an, in denen ich auch meine Orthese tragen konnte und unsere Walkingstöcke hatten wir auch dabei. Ich beschloss, es zu wagen! Zunächst ging es auch wirklich gut, auch wenn wir nicht annähernd so schnell unterwegs waren wie die jungen Leute, die uns bergab joggend überholten, auf Schotterwegen mit Stufen. Okay, okay, wir sind inzwischen ein paar Jährchen älter, aber ein wenig schmerzt es doch, wenn man darüber nachdenkt, dass man auch einmal so flott unterwegs war. Enttäuschtes Smiley Es kamen uns auch einige Menschen allen Alters entgegen, und auch wenn es heißt, dass das bergab Gehen schlechter für die Gelenke sei, so würde ich es jederzeit vorziehen, weil es weniger anstrengend ist. Die erste Stunde lief super, es gab über lange Strecken Stufen, die Stöcke halfen, das Gleichgewicht zu halten und sich abzustützen und an besonders schönen Stellen standen Bänke zum Ausruhen. Zu trinken und ein paar Kekse hatten wir auch dabei.

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Dann fing es aber für mich langsam an, anstrengend zu werden und nach 1½ Stunden wäre es gut gewesen, wenn wir unten gewesen wären. Da hatten wir aber erst ca. die Hälfte der Strecke geschafft! Eine Mittelstation gab es leider nicht, das wussten wir aber vorher schon, also blieb mir nichts anderes übrig, als weiterzumarschieren. Das ging die nächste halbe Stunde noch einigermaßen und danach beschloss mein linkes Bein, den Dienst zu quittieren. Die restliche Strecke war eine Katastrophe! Ohne meine Stöcke wäre gar nichts mehr gegangen, aber auch so war es reinste Quälerei. Im Rhythmus von 10 Schritte mehr humpeln als gehen und kurz stehenbleiben ging es Meter für Meter weiter bergab und dem Ziel entgegen. Ich hatte keinerlei Probleme mit meinen Schuhen und auch nicht mit der Orthese, die in diesen Schuhen zum ersten Mal anstandslos funktionierte, aber mein linkes Bein fühlte sich an, als ob es nicht zu mir gehören würde und es scherte sich nicht mehr um die Befehle, die es vom Gehirn bekam. Und als ob das nicht schon gerade genug wäre, schmerzte mein rechtes Knie bei jedem Schritt. Uschi alleine wäre zu diesem Zeitpunkt schon längst wieder an der Talstation und somit bei Flitzi gewesen. Inzwischen liefen wir bzw. Uschi lief und ich humpelte auf einer Teerstraße, die aber nicht für den öffentlichen Verkehr freigegeben war, sondern lediglich dazu diente, die auf halber Höhe liegende Rohrkopfhütte zu bewirtschaften. Die hatten wir schon passiert und gesehen, dass sie bereits geschlossen war. Und trotzdem sahen wir plötzlich einen PKW, der vom Tal heraufgefahren kam und etwa zweihundert Meter vor uns stehenblieb. Uschi gab Gas! Als ich schließlich auch bei dem Auto angehumpelt kam, hatte Uschi schon mit dem Fahrer vereinbart, dass er mich bei seiner Rückfahrt mitnehmen würde. Er hatte Grüngut abgeladen. Es waren dann nur noch ca. 500 Meter bis zum Parkplatz, aber ich war heilfroh, dass ich die nicht mehr laufen musste!!! Mit ihm wäre es auf jeden Fall preiswerter als mit der Bergwacht, meinte mein „Retter“. Kurze Zeit später war Uschi auch da. Der Blick hoch zur Bergstation machte dann sehr eindrücklich klar, welche Distanz wir überwunden hatten und ich konnte fast nicht glauben, dass wir das wirklich bewältigt hatten. Immerhin 800 Höhenmeter!

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Tegelberg Aber klar war auch, noch einmal mache ich das nicht!!! Ich bin zwar Steinbock, also ja eigentlich bergtauglich, aber auch Steinziegen werden offenbar mit zunehmendem Alter langsamer, lahmer und weniger trittsicher. Also entweder oben bleiben oder unten, rauf und runter wie die jungen Hüpfer ist nicht mehr! Trauriges Smiley Die nächsten Tage blieb ich unten, konnte mich aber trotzdem kaum bewegen: Muskelkater vom Feinsten!!!

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

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