UNESCO Weltkulturerbestadt Quedlinburg

 
 
Nach 10 Tagen wollten wir weiterfahren, zwei Stellplätze auf einem Campingplatz in der Lüneburger Heide waren schon reserviert. Uschi hatte jedoch undefinierbare gesundheitliche Probleme und beschloss kurzfristig, nach Lauterburg zurückzufahren, um ihren langjährigen Hausarzt zu konsultieren. Ich entschied, erst einmal abzuwarten und verlängerte bei Frau König auf unbestimmte Zeit. Am Dienstag gab Uschi Entwarnung, da sie aber noch nicht unmittelbar wieder fahren konnte/wollte, nahm ich etwas in Angriff, was schon seit ewigen Zeiten auf „meiner Liste“ stand, nämlich die Besichtigung der UNESCO Weltkulturerbestadt Quedlinburg.
Quedlinburg hat keinen Wohnmobilstellplatz, sondern auf drei verschiedenen Großparkplätzen jeweils 6 ausgewiesene Parkflächen für Wohnmobile mit der Möglichkeit, Strom anschließen zu können. Das ist nicht gerade viel. Bei einem der Plätze, der direkt bei der Altstadt liegt, darf man auch auf den Busparkplätzen stehen, aber nur zwischen 18 und 8 Uhr.

Busparkplatz

SchlossparkplatzAuf dem Schlossparkplatz darf man auf jedem PKW-Platz stehen, sofern man, wenn man länger als ein PKW ist, rückwärts mit dem Heck über die anschließende Rasenfläche fahren kann. Wenn es eine gibt. Ich informierte Frau König über meinen Plan und sie riet mir vom Schlossparkplatz ab, weil der sehr eng sei. Und ihrer Meinung nach könne man den dritten Platz mit einem großen Fahrzeug im Moment gar nicht anfahren, da dort gebaut würde. Enttäuschtes Smiley Ich bezahlte am Mittwoch, fütterte mein Navi mit den Adressdaten des Platzes mit den Busparkflächen und fuhr die 46km bis Quedlinburg. Auf der Ringstraße um die Stadt herum sollte ich links abbiegen, die Durchfahrt war aber nur erlaubt bis 3,5t. Bei der nächsten Straße genauso! Während ich noch überlegte, wie ich nun zu dem Stellplatz kommen könnte, sah ich plötzlich das Parkplatzschild vom Schlossparkplatz und bog todesmutig in die schmale Kopfsteinpflasterstraße ab. Zum Glück ging es sofort wieder rechts durch eine Schranke mit Parkscheinautomaten auf den Parkplatz. Und der sah voll aus!!! Ich kam an den ausgewiesenen Wohnmobilstellplätzen vorbei, die von zwei Mobilen und vier PKWs belegt waren. Müdes Smiley Die Plätze sind breiter und länger und entsprechend gekennzeichnet, trotzdem interessiert das einige PKW-Fahrer nicht, Hauptsache, man muss nicht so weit laufen. Das ist auf allen gemischten Parkplätzen so und demonstriert gut, wie ichbezogen und rücksichtslos oder desinteressiert und dumm manche Menschen sind. Augen rollendes Smiley Ich fuhr langsam weiter und ahnte Schlimmes. Wenn zwischen zwei PKWs mal eine Lücke war, reichte die von der Breite her nicht für Oscarlotta. Ich fuhr ganz hinten herum und sah in der Kurve schon, dass auf einer Längsspur ein Wohnmobil stand und dass die Fläche davor noch für uns reichen müsste. Ich parkte Oscarlotta rückwärts ein und nutzte zum Rangieren eine kleine Grünfläche, die als Abgrenzung zur Kurve hin diente. Vor mir war nichts mehr außer der Fahrspur, links hatte ich eine Grünfläche mit Bäumen zum Sitzen (die ich in den folgenden Tagen noch sehr zu schätzen wusste) und rechts waren auf der anderen Seite der Fahrspur reine PKW-Plätze, die an diesem Tag alle belegt waren und an den nächsten Tagen so gut wie nicht! Oscarlotta war ca. 30cm breiter als die Parkspur, aber das war unerheblich. Vorsichtshalber ließ ich meine Trittstufe eingefahren und meine seitliche Heckgaragenklappe nur geöffnet, um schnell Stuhl, Fußteil und Beistelltischchen herauszuholen oder wieder wegzupacken.

SchlossparkplatzSchlossparkplatzSchlossparkplatz

Zunächst erwog ich noch, abends eventuell auf einen der Wohnmobilplätze umzuziehen, zumal ich entdeckte, dass es ganz in meiner Nähe vier weitere Steckdosen an sechs PKW-Plätzen gab. Die waren aber dermaßen schräg, dass ich hätte auf Keile fahren müssen und der Abstand zu den Nachbarmobilen war überall äußerst gering. Die Platzgebühr (€10/Mobil/Nacht) zahlt man bei Abreise am Automaten, aber die Kurtaxe/Touristenabgabe von €3/Person (!) muss man beim Platzwart bezahlen (ab 15 Uhr im Bowlingcenter) und bekommt sowohl einen Nachweis, den man sichtbar im Mobil befestigen muss als auch ein Gutscheinheft wie beim letzten Platz. Auch hier kann man wieder umsonst mit den Bussen fahren. Ich sagte dem Mann, wo ich stehe und er hatte kein Problem damit, obwohl ich die Hälfte der für drei PKWs vorgesehenen Fläche einnahm. Hätte ich Strom gewollt, hätte ich bei ihm Strommarken kaufen können, für jeweils 8 Stunden 2 Euro. Dazu hätte ich entweder umziehen oder mein Stromkabel quer über den Fahrweg ziehen müssen. Die Sonne schien, ich brauchte Strom nur für meine Kaffeemaschine und beschloss, den Kaffee aushäusig zu trinken. Ein VE-Station gibt es auch, die Toiletten- und Abwasserentleerung ist kostenfrei möglich, für Frischwasser benötigt man ebenfalls Wertmarken.

VE-StationVE-Station

Ich war für meine Verhältnisse früh dran (um überhaupt noch eine Chance auf einen freien Platz zu haben) und beschloss, an diesem Nachmittag nur eine erste Schnuppertour um den Schlossberg zu laufen. Auf die leider eingerüstete Schlosskirche schaute ich direkt aus Oscarlotta heraus.

AusblickAusblick

Die schmale Kopfsteinpflastergasse zu laufen bedeutete erhöhte Aufmerksamkeit, aber schon nach der ersten Kurve fiel ich in einen Begeisterungstaumel. Ich schien mir keine falschen Vorstellungen von dieser Stadt gemacht zu haben! Verliebt

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Unverhofft kam ich am Eingang zum Schlossberg vorbei, die 68 Stufen stellten kein Hindernis dar und als Belohnung bekam ich einen tollen Überblick über die Altstadt. So viele Kirchturmspitzen!

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Und so viele liebevolle Details in den Sträßchen! Ich war schon an diesem ersten Nachmittag total begeistert!

AltstadtAltstadtAltstadt

FeiningerVon der Übersicht in Google Maps wusste ich, dass ganz in der Nähe des Schlossparkplatzes eine Lyonel-Feininger-Galerie ist und als ich schließlich auf meinem Rundgang dort vorbeikam, kaufte ich kurzentschlossen eine Eintrittskarte. Feininger gehört schon seit meinen Jugendjahren zu meinen Lieblingsmalern, allerdings kannte ich, wie sich jetzt herausstellte, nur die Schaffensepoche seiner späten Jahre und war entsprechend überrascht, was für ein excellenter Karikaturist und Zeichner er war.
 
 
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Feininger

Er wurde als Sohn zweier deutscher Musiker zwar in New York geboren und starb auch dort, nachdem die Familie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten Deutschland 1937 verließ, aber schon mit 16 Jahren übersiedelte er mit seinen Eltern nach Deutschland, wo er den größten Teil seines Lebens verbrachte und schnell sehr erfolgreich wurde. Ein Höhepunkt seines Schaffens war sicherlich 1919 die Berufung durch Walter Gropius an das neu gegründete Bauhaus in Weimar. Dort lernte er den kunstbegeisterten promovierten Juristen Hermann Klumpp kennen, der aus Quedlinburg stammte. Als 1937 über 400 seiner Werke der von den Nationalsozialisten durchgeführten Aktion „Entartete Kunst“ zum Opfer fielen und aus den Museen entfernt wurden, übergab er seinem Freund bedeutende Teile seines Werkes zur Aufbewahrung und übersiedelte mit seiner jüdischen Ehefrau nach New York. Diese Werke waren ab 1970 die Grundlage für die Entscheidung, in Quedlinburg die Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

FeiningerFeininger

Dafür musste aber erst einmal ein zerfallender Gebäudekomplex restauriert werden, was äußerst erfolgreich gelang, sich aber über sechs Jahre hinzog.

FeiningerFeininger

Ein kleines, aber feines Museum, dessen Besuch sich lohnt! Daumen hoch

Die nächsten zwei Nachmittage durchstreifte ich systematisch erst den westlichen und dann den östlichen Teil der Altstadt, immer mit den benötigten Kaffeepausen natürlich.

KaffeepauseKaffeepauseKaffeepauseKaffeepause

BimmelbahnDass ich fast alles entdeckt hatte, stellte ich am letzten Tag fest, einem Samstag, an dem es vor Touristen nur so wimmelte. Keine Chance auf einen freien Tisch! Also entschied ich mich für eine 45-minütige Tour mit der Quedlinburger Bimmelbahn und kam überall dort noch einmal vorbei, wo ich zu Fuß schon gewesen war. Auf dem Rückweg gab es noch ein leckeres Eis im Becher.

Am Sonntag klopfte es um 11 Uhr an Oscarlottas Tür. Ich war zwar schon wach, aber noch im Bett. Es eilte ja nicht mit der Abfahrt, dachte ich. Der Platzwart informierte mich dann allerdings darüber, dass „Tag des offenen Denkmals“ sei und es voll werden würde. Wenn ich noch länger bleiben wolle, müsse ich umziehen, damit alle drei PKW-Plätze verfügbar seien. Ich versicherte ihm, dass ich in einer Stunde weg sei und gab Gas! Der Parkgeldautomat wollte dann allerdings meinen Fünfzig-Euroschein partout nicht annehmen, egal wie herum ich ihn einschob. Kartenzahlung gab es nicht, aber zum Glück war der Platzwart ja schon da. Nee, 50 Euro nimmt der Automat nicht! Da ich von der Anreise schon wusste, dass ich von meinem Fahrersitz aus nicht an den Einschubschlitz für das Parkticket kommen würde, auch nicht, wenn ich mich halb aus dem Fenster hänge, bat ich ihn, um nicht extra noch einmal aussteigen zu müssen (Oscarlotta hat ja keine Fahrertür), ob er mir die Schranke öffnen könne. Kein Problem, er wollte sofort mitgehen. Nein, ich müsse mein Mobil ja erst noch holen! Dann solle ich einfach hupen, wenn ich vor der Schranke stehe. Als ich diese zu Fuß passierte, fuhr ein Wohnmobil herein, die Beifahrerin stieg direkt vor meiner Nase aus und so erkannte ich sie wieder, als sie offensichtlich nach einem Platz suchend an Oscarlotta vorbeikam. Ich informierte sie, dass ich sofort wegfahren würde und sie hier stehen dürften, wenn sie nur einen Platz beanspruchen würden. Ihr Mobil war kürzer als Oscarlotta und ihr Mann beschloss, rückwärts über das kleine Grasdreieck zu fahren. Ich wartete, bis er gedreht hatte und fuhr dann Richtung Schranke, musste aber leider feststellen, dass ich dort nicht um die Kurve kam. Ich versuchte zu rangieren, blockierte damit aber die Einfahrt und hatte hinten nicht genug Platz, sodass ich notgedrungen noch eine Runde über den Platz fahren musste, bis ich endlich richtig, wenn auch gegen die Fahrtrichtung, vor der Schranke ankam. Gleichzeitig wollte ein PKW reinfahren und als ich hupte, fühlte der junge Fahrer sich angesprochen und stieg aus seinem Auto aus. Ich bat ihn, mein Ticket einzuschieben. Zeitgleich erschien der Platzwart in der Tür des Bowlingcenters und wollte herübereilen. Ich rief ihm zu, dass mir schon geholfen würde, bedankte mich bei dem netten PKW-Fahrer und verließ den Platz und die Stadt. Kuss senden

QuedlinburgIm Anschluss zeige ich einfach noch eine Auswahl an Fotos. Wer noch nicht in Quedlinburg war, dem empfehle ich diese interessante über 1000-jährige Stadt uneingeschränkt! Und definitiv diesen Parkplatz. Durch den Hintereingang der Feininger-Galerie ist man in kürzester Zeit am Schlossberg (und dem Platz mit dem Käsekuchen-Café) und auf dem besten Weg in die Altstadt.
 
 
 
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Passt auf euch auf und bleibt gesund!

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Henrichshütte Hattingen – mein grünes Ruhrgebiet :-)

Das immer noch gängige Vorurteil gegenüber dem Ruhrgebiet, auch Kohlenpott genannt – oder liebevoll einfach POTT – ist immer noch: „Da ist doch alles kohlenstaubschwarz!“. Nein, liebe Leser, DAS STIMMT NICHT (MEHR). Ich wurde 1950 hier geboren und meine Kindheitserinnerungen bis ins junge Erwachsenenalter sind wirklich so. Die Häuserfassaden waren anthrazitgrau, wenn meine Mutter im Sommer Gäste auf der Terrasse bewirten wollte, wurden die Kaffeetassen bis zum Eintreffen der Gäste verkehrt herum auf die Unterteller gestellt. Kohlenstaub war immer in der Luft, verfärbte die draußen zum Trocknen aufgehängte Wäsche, wenn man nicht aufpasste. Die äußeren Fensterbänke hätte man halbstündlich mit Erfolg abwischen können. ABER SO IST ES SCHON LANGE NICHT MEHR!!! Das Zechensterben begann unaufhaltsam bereits 1957/58, ironischerweise wegen eines Überangebots an Kohle, aber auch wegen der sinkenden Ölpreise und erreichte seinen Höhepunkt 1963, als 13 Zechen gleichzeitig geschlossen wurden. Bis 1975 gab es in früheren Bergbaustädten wie Bochum, Essen, Herne oder Wattenscheid so gut wie keine Bergwerke mehr. Aber der Kohlenpott bestand nicht nur aus kohlefördernden Zechen, es gab und gibt auch die Hüttenwerke, in denen aus Eisenerz Eisen wird, die Kokshochöfen, die daran maßgeblich beteiligt sind und die Stahlindustrie, z.B. Thyssen-Krupp. Anfang 2012 waren in Nordrhein-Westfalen noch vier Zechen in Betrieb: das Bergwerk West wurde Ende 2012 und die Auguste Victoria wurde Ende 2015 stillgelegt, Bergwerk Ibbenbüren und Prosper-Haniel werden 2018 folgen. Staatlich subventioniert wird der Abbau von Steinkohle noch bis 2018, danach wird dieses Kapitel in der Geschichte des Ruhrgebiets endgültig abgeschlossen sein.

Viele stillgelegte Zechenanlagen oder Hochöfen sind zu Veranstaltungsorten geworden, Teil der Industriekultur Ruhrgebiet. So hätte der Stahlindustrielle August Thyssen (1842-1926) wohl kaum vermutet, dass eines Tages in seinem zum Landschaftspark Duisburg-Nord umgewandelten Stahlwerk Duisburg-Meiderich Freizeittaucher im Gasometer schwimmen würden! Das wohl bekannteste Beispiel ist die Zeche Zollverein, seit Dezember 2001 von der UNESCO zum Weltkulturerbe deklariert. Falls es einen von euch mal hierher verschlägt, empfehle ich hier oder anderswo eine Zechenführung, besonders eindrucksvoll als Fackelführung, weitergehende Infos „hier„.

Ich stehe seit einigen Tagen ganz in der Nähe der Henrichshütte in Hattingen. Hattingen hat seit meiner Geburt einen hohen symbolischen Wert, habe ich doch 50 Jahre meines Lebens in der Hattinger Straße in Bochum gelebt. Hattingen hat einen schönen Campingplatz direkt an der Ruhr, der leider erst am 1. April öffnet. So stehe ich auf dem Wohnmobilstellplatz auf der anderen Seite der Ruhr. Hier gibt es 15 Stellplätze, genaueres „hier“ nachzulesen (freies WLAN!!!). In wenigen Schritten ist man an der Bushaltestelle, die Linie 558 fährt direkt in das Stadtzentrum von Hattingen, ein hübsches Fachwerkstädtchen, von wo man Anschluss z. B. nach Bochum (es gibt hier noch Straßenbahnen) und von dort aus in die ganze Welt hat. Zwinkerndes Smiley

Sorry für die vielen Links, aber ihr habt sicher schon gemerkt, dass die Pferde (etwas) mit mir durchgegangen sind! Ich liebe halt meinen „Pott“, hier sind meine Wurzeln. Und da ich schon fast 4 (in Worten: VIER) Jahre nicht mehr hier war, musste es mal wieder etwas ausführlicher sein. Und wie grün es hier wirklich ist, seht ihr auf der Karte oben. Beim Bushaltezeichen an der Ruhr links von der Henrichshütte befindet sich der Stellplatz.

Und jetzt sage ich „GLÜCK AUF„!!!

Stellplatz in Hattingen

 

P. S.: Wer Uschi vermisst, die ist mit Fix und Boxi schon bei Luise an der Oste. Es lohnt sich also, ab und zu auch mal einen Blick dorthin zu werfen. Wer Abonnent/Follower ist, bekommt automatisch eine Benachrichtigung bei neuen Blogbeiträgen.

written by Ingrid

Papa Luna in Peñiscola oder doch in Avignon?

 
Ihr erinnert euch an den netten älteren Herrn, der im letzten Beitrag in Peñiscola neben Uschi auf den Steinen saß? “Papa Luna” haben wir ja schon öfter mal erwähnt und eure (und unsere) Geschichtskenntnisse aufgefrischt mit Wikipedia-Wissen. Papa (Papst) Luna war einer der Gegenpäpste (pseudopapa, antipapa) zu dem amtierenden in Rom. Zur Aufstellung von Gegenpäpsten kam es, weil sich z. B. das Kardinalskollegium spaltete oder der Kaiser bzw. römische aristokratische Familien in die Papstwahl eingriffen. Im Laufe der Zeit soll es zwischen 25 und 40 Gegenpäpste gegeben haben und einer von ihnen war “unser” Papa Luna. Er hatte übrigens nichts mit dem Mond zu tun, wie sein Name vermuten ließe, sondern hieß offiziell Pedro Martinez de Luna y Gotor oder verkürzt Pedro de Luna. Sein späterer Papstname war Benedikt XIII. Ab 1309 residierten insgesamt sieben von der gesamten Kirche anerkannte Päpste in Avignon und erst Gregor XI ließ sich 1377 zur Rückkehr nach Rom überzeugen (wohin ihn Pedro de Luna begleitete, damals noch als Kardinal). Die französischen Kardinäle (die die Mehrheit im Kardinalskollegium stellten) erkannten dies jedoch nicht an und erklärten den Heiligen Stuhl daraufhin für vakant. Bis 1417 gab es daraufhin einen Papst in Rom und einen Gegenpapst in Avignon, von 1394 an war es Benedikt XIII als Nachfolger des in Avignon im Exil lebenden Papstes Clemens VII. Erst das Konzil von Konstanz (1414-1418) beendete die Spaltung der lateinischen Kirche. Benedikt XIII widersetzte sich der Absetzung durch das Konzil und zog sich, seiner Definition nach immer noch als Gegenpapst, auf die Bergfestung in Peñiscola zurück, wo er im Alter von 90 Jahren (!) starb.

Soweit ein kleiner Teil der verwirrenden Geschichte der lateinischen Kirche des Abendlandes. Hochinteressant, wenn man sich genauer damit beschäftigt und absolut unverständlich bzw. nicht nachvollziehbar aus heutiger Sicht. Oder doch???

Okay, wir sind auf einem sehr schönen Campingplatz ganz in der Nähe von Avignon. Das Städtchen heißt Remoulins, der Campingplatz “La Sousta”. Ein parkähnliches Gelände mit wunderbar altem Baumbestand. Kleine, nicht als solche gekennzeichnete oder abgeteilte Parzellen, die Bäume regeln das. Die große Fläche, auf der wir stehen, ist vermutlich in zwei Plätze unterteilt, aber jetzt in der Nebensaison interessiert das niemanden. Nicht viele Plätze sind für uns anfahrbar, die Bäume!

Platz 90 oder 90+? Und endlich macht sich auch unsere Investition vom letzten Frühjahr bezahlt! Nach unseren Strom-Schwierigkeiten in Palavas-les-Flots hatten wir uns im dortigen Yachthafen bei einem Schiffsausrüster einen Adapter von französischem Stecker auf Euro-Stecker “basteln” lassen. Und ohne den wären wir jetzt auch hier wieder aufgeschmissen gewesen. Wir befinden uns in Frankreich! Hier gehen die Uhren noch etwas anders als in der übrigen Welt, siehe das Toiletten-Foto vom letzten Beitrag. 😉

französisch!!! französisch zu europerfekte Kombi 

Nur wenige hundert Meter von uns entfernt befindet sich das UNESCO-Weltkulturerbe “Pont du Gard”. Erstaunlicherweise kostet der Campingplatz auch in der Hauptsaison nur die Hälfte von dem, was man in Spanien an der Mittelmeerküste bezahlt. Aktuell müssen wir € 15,30 für den Platz incl. 2 Personen bezahlen, Flitzi kostet nichts extra. Für Strom werden noch einmal pauschal € 4,10 fällig. WLAN gibt es, aber nicht kostenfrei, sondern mit € 4/Tag ganz schön happig! Die Dame an der Rezeption klärte uns nicht darüber auf, dass man mit einem Zugang zwar nicht parallel, wohl aber nacheinander online gehen konnte! Also investierten wir noch einmal € 8!

Den Pont du Gard fuhren wir heute als erstes an, aber die Parkplatzpreise ließen uns ganz schnell wieder umkehren. Also erst den Stadtbummel. Danach brachten wir Flitzi auf unseren Platz und liefen die paar Meter zu Fuß, um dann festzustellen, dass nicht nur das Parken kostet, sondern man ohne Eintritt zu bezahlen nirgendwo hinlaufen darf.

Parkgebühren Pont du GardEintritt zu Fuß Pont du Gard 

Die spinnen wohl, die Römer – ähh, die Franzosen! Wir versuchten es noch von der anderen Seite bzw. vom anderen Flussufer aus, gleiches Ergebnis. Und die Gegend ist so waldreich, dass man absolut keine Chance hat, auch nur ein Zipfelchen des Aquäduktes zu sehen!!! Vielleicht hätten wir es uns noch überlegt, aber es war schon 18 Uhr und um 19 Uhr wird der Pont du Gard geschlossen! Früher haben bestimmt die Römer um diese Zeit das Wasser abgestellt! Es bleibt uns also nur, euch einen Link zu, ihr wisst schon, Wikipedia anzubieten: “hier” 😉

Bei Avignon waren wir uns beide nicht sicher, ob wir in früheren Jahren schon einmal hier gewesen waren. Es ist eine sehr schöne und typisch französische Stadt. Rundherum von einer noch vollständig erhaltenen Stadtmauer umgeben, innen sehr mittelalterlich anmutende Gässchen und Straßen. Und wunderschöne, sehr stylische Geschäfte mit Schaufenstern, wie es sie eben nur in Frankreich gibt. Ich mag ja Spanien inzwischen sehr, aber Frankreich ist einfach eine alte Liebe von mir, gewachsen aus etlichen Urlauben in den 80er-Jahren mit Zelt und Hund und 2CV. In Spanien sind alte, verfallende Häuser einfach nur alte, verfallende Häuser, in Frankreich haben auch sie noch einen unerklärbaren morbiden Charme. Und selbst die kleinsten Dörfchen haben Charisma. Auch hier fällt der Putz von den Wänden, sind Häuser unbewohnt, aber da blüht ein Oleander hinter einem rostigen Balkongeländer oder es stehen zwei wackelige Holzstühle und ein kleiner Tisch mit gusseisernem Gestell direkt neben der Straße und laden zum Verweilen ein. Ich habe den Eindruck, dass es den Franzosen wichtiger ist als den Spaniern, auch mit wenigen Mitteln ihre Häuser, Dörfer, Städte ansprechend und schön zu gestalten. Mein Herz schlägt für Frankreich und ich möchte mal wieder länger hier sein als immer nur kurz auf der Durchreise.

À bientôt!

PapstpalastMonument mit iPhone geknipstmit Spiegelreflexkamera aufgenommenDetailAltstadt           

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Zwei Fahrtage im Doppelpack,

doch vorher noch ein kleiner Bericht von unseren zwei Ruhetagen auf dem La Volta in Peñiscola.

Als am Freitagnachmittag der “Hui Buh” nach Stunden endlich aufhörte zu pusten, fuhren wir mit Flitzi zum Hafen. Von dort aus trödelten wir wie schon so oft (im Dezember oder Januar) hoch zur Burg. Wir waren geplättet von den Veränderungen in der Altstadt, viele der steilen Gässchen waren gesäumt von geöffneten kleinen Lädchen mit Krimskrams draußen und drinnen. Außerdem wussten wir überhaupt nicht, wie zahlreich die Lokale und Lokälchen sich die kleinsten Fleckchen auf und neben den Treppen jetzt zunutze machen. Ungewohnt war die bunte Betriebsamkeit überall und die doch schon zahlreichen Besucher. Es lohnte sich in jeglicher Hinsicht, auf der Plaza in der Sonne neben Papa Luna einen Kaffee zu trinken und dabei Leute zu kucken. Der Winterschlaf der Stadt und ihrer Bewohner war definitiv zu Ende.

Hier noch ein paar bunte Fotos vom Städtchen:

Fotomotiv vom FeinstenWir lieben LeuchttürmeBlauer Himmel pur

alles frischeinfach nettund bunt

lange gewartet, bis alle Leute weg warenurig'Schinkengässchen'

Papa Lunaund Uschi

Am Samstag fanden noch die üblichen Aktivitäten, V+E, duschen und Womo fahrfertig machen, statt, alles sehr geruhsam und wehmütig.

Wir fahren nicht gerne weiter gen Norden! Weinendes Smiley Weinendes Smiley 

SONNTAG 10:30

Das Doppelpack setzte sich in Bewegung, nach Tankstopp noch eine letzte kleine Abschiedsfahrt auf der N 340 bis kurz vor Tarragona, dann ging es auf die AP 7 Richtung Frankreich. Die Fahrt verlief sonntäglich ruhig, die “bösen Buben” dieses Streckenabschnittes auf der Autobahn waren heute alle bei Mama beim Mittagessen! Verspotten

Gegen 16 Uhr kamen wir auf unserem schon öfter gerne angefahrenen Stellplatz in Navata beim Restaurant “Can Janot” an (353 km gefahren). Leider ist das Lokal natürlich sonntags ab 16:00 für den Rest des Tages geschlossen, naja, warmes Käsebrot mit Salat schmeckte auch nicht schlecht. Nach einer ruhigen Nacht gönnten wir uns noch vor der Weiterfahrt einen Kaffee beim Wirt und wollten den üblichen Obolus von 2€ löhnen, doch der junge Mann winkte ab und meinte, dass die Übernachtung nichts mehr kostet. Seine Begründung war: “Wir sind auch Reisemobilisten”. Auch gut, das Trinkgeld fiel dafür ein bisschen großzügiger aus als sonst bei café con leche + cortado.

Als nächstes Etappenziel hatten wir uns einen Campingplatz bei Remoulins/Nähe Avignon ausgesucht. Die Fahrt war unspektakulär bis auf die letzten Kilometer auf der Landstraße. Ein Platzregen (wir wissen nicht, wann wir den letzten erlebt haben, muss schon länger her sein) verminderte zwar zuerst drastisch die Sicht, danach war sie aber wieder deutlich besser als vor dem Guss. Zwinkerndes Smiley Auf dem Campingplatz “La Sousta” schlugen wir unter Bäumen – kein Sturm in Sicht – unser Lager für zwei Nächte auf. Zwei oder drei kurze aber heftige Regenschauer später konnten wir dann mühelos die Fenster und die Front von Oscarlotta sowie Flitzi von Fliegenleichen befreien und säubern, klasse! Heute sind wir 295 km gefahren und endgültig in Frankreich angekommen – siehe Foto am Ende des Artikels. Morgen möchten wir mit Flitzi erst die nahegelegene Pont du Gard und dann Avignon besuchen. Ein Ruhetag mit ein wenig sightseeing macht Laune. Übermorgen geht es dann wieder auf die Autobahn.

gibt es immer noch!!!

written by Uschi
photos taken by Ingrid with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.