Antennen, nichts als Antennen

 

Bereits im Frühjahr hatte ich zum ersten Mal ein Problem mit meiner Satellitenschüssel. Sie gab eine Fehlermeldung über den Fernsehmonitor aus und wollte sich nicht mehr einfahren lassen. Sie ließ sich dann nach mehreren Versuchen doch noch überreden und danach traute ich mich natürlich nicht, sie wieder auszufahren. Ein Telefonat mit einer Wohnmobilwerkstatt ergab, dass man vermutlich etwas zum Hersteller ten Haaft einschicken und überprüfen lassen müsste und das könne ein paar Wochen dauern. Solange wollte und konnte ich aber nicht vor Ort bleiben, also war fernsehen erstmal gestrichen. Was nicht schlimm war, so viele interessante Sendungen gibt es ja nicht. Und das meiste kann man sowieso in den diversen Mediatheken online sehen, genügendes Internetvolumen vorausgesetzt. Natürlich könnte man online auch sofort live fernsehen, aber dafür braucht man eine Flatrate, sprich ein kostenfreies WLAN. Das gibt es allerdings nicht überall und wenn doch, dann kann es gut sein, dass die Übertragungsgeschwindigkeit nicht ausreicht für einen ruckel- und unterbrechungsfreien Empfang. Eine „echte“, also nicht begrenzte, Flatrate über Mobilfunk gibt es erst seit einigen Monaten bei Telekom und Vodafone und sie kostet €80/Monat. Die zahlt man natürlich jeden Monat, also auch dann, wenn man sie nicht bräuchte, weil man ein freies WLAN zur Verfügung hat, so wie hier in Pfronten-Weißbach. Das würde mich schon ärgern, wenn ich über Monate 80 Euro für umsonst bezahlen würde. Deswegen habe ich mich vor ein paar Jahren für die flexible Variante des GigaCube von Vodafone entschieden. Die bietet mir zwar „nur“ 50GB/Monat, aber der Monatspreis wird auch nur dann fällig, wenn ich den Cube nutze. 50GB ist schon nicht schlecht, aber stundenlang damit fernsehen oder Videos streamen geht trotzdem nicht. Trauriges Smiley

Ende April trafen Uschi und ich uns hier in Weißbach und bei der nächsten Gelegenheit stieg Uschi aufs Dach von Oscarlotta und reinigte und fettete alle sichtbaren Gelenke von Schüssel und Außeneinheit der Oyster-Anlage. Und siehe da, die Schüssel ließ sich wieder aus- und auch wieder einfahren! Beim Ausfahren tat sie sich aber hörbar schwer und so beschloss ich, sie dauerhaft draußen zu lassen, solange ich nicht fahren musste. Im Mai/Juni gab es allerdings recht häufig Gewitter und als ich die Schüssel eines Tages mal wieder vorsichtshalber einfahren wollte, weigerte sie sich erneut. Diesmal hatte ich keine Chance! Die Fehlermeldungen wechselten zwischen „Motorblockade“ und „Außeneinheit nicht gefunden“. Ich probierte tagelang immer wieder alle möglichen Schaltungen und Einstellungen über das Menü, in der Hoffnung, dass sie es sich doch noch einmal überlegen und wenigstens einfahren würde. Ohne Erfolg! Ich fragte in einer Wohnmobilfirma mit Werkstatt nach. Ja, abbauen könnten sie mir die Anlage und die Außeneinheit dann zu ten Haaft schicken. Die würden dann reparieren, falls möglich, oder eine neue Einheit schicken. Kostenpunkt min. €2000. Nach meinen diversen Reparaturerfahrungen des letzten Winters ging ich davon aus, dass ziemlich sicher der Bescheid kommen würde, dass nichts repariert werden könne, sondern eine neue Außeneinheit nötig sei. Und dann würde evtl. auch der alte Receiver nicht mehr passen oder die Schüssel oder beides. Letztendlich würde es auf eine völlig neue Anlage hinauslaufen, da war ich mir sicher. Das heißt, ich wäre mit ca. 3 bis 3 ½ tausend Euro dabei gewesen. Enttäuschtes Smiley Für ab und zu mal fernsehen??? Nein, das war es mir nicht wert! Ich recherchierte ein wenig nach preiswerteren Alternativen und fand auch eine interessante. Eine Sat-Anlage nicht als Parabol- oder Flachantenne, sondern als länglicher Dome, wie ein überdimensionaler Fahrradhelm aussehend. Und als Besonderheit gibt es eine Ausführung, die ein WLAN-Netz herstellt, auf das man mit bis zu 8 Endgeräten (Smartphones, Tablets, Notebooks) zugreifen kann. Dabei ist man nicht einmal auf dasselbe Fernsehprogramm angewiesen, sondern kann mit jedem Gerät etwas anderes sehen. Das ist natürlich eine feine Sache für Familien und auch, wenn man an lauen Sommerabenden nicht im Wohnmobil sitzen, aber trotzdem fernsehen möchte. Den Nachbarn zuliebe mit Ohrhörern! Cooles Smiley Ein wenig verlockte mich diese technische Errungenschaft, aber letztendlich entschied ich mich auch hierbei dagegen, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Ob das alles nämlich wirklich funktionieren würde und das WLAN es vom Dach aus auch in das Innere von Oscarlotta schaffen würde, wäre ja erst feststellbar, wenn die Anlage montiert (und bezahlt) sein würde.

Nun brauchte ich allerdings jemanden, der mir zumindest die Satellitenschüssel abbauen würde, denn so konnte ich ja nicht fahren! Uschi wollte ich das nicht aufhalsen, also kontaktierten wir den ansässigen Radio- und Fernsehfachmann. Wir schilderten ihm das Problem und er sagte zu, sich die Sache anzuschauen. Vor Ort kam aber auch er zu dem Ergebnis, dass die Außeneinheit sicher nicht mehr zu retten sei, nach 11 Jahren Dauereinsatz war sie innen doch ziemlich korrodiert. Der Dichtungsring bröselte uns schon entgegen. Auch seine Versuche, die Schüssel wieder einsatzfähig zu machen, scheiterten und so bat ich ihn, sie abzubauen.

Oyster komplettDemontageDemontageAußeneinheit von innenDichtungsringDichtungsringAußeneinheit

Die Außeneinheit konnte erstmal auf dem Dach bleiben, sie störte mich ja nicht. Als erstes verschenkte ich die abmontierte Schüssel, die mir in der Heckgarage viel zu viel Platz weg nahm, ein paar Tage später dann auch den Fernseher. Was sollte ich mit einem Fernseher, den ich nicht mehr nutzen konnte? Das Fach, in dem er bisher untergebracht gewesen war, konnte ich gut für andere Dinge gebrauchen.

WLAN-VerstärkerantenneJetzt begann die Antennenrecherche! Das WLAN hier auf dem Platz ist zwar gut, aber wenn sich ein Wohnmobil direkt neben mich stellt und das Signal unterbricht, geht (fast) nichts mehr. Eine Verstärkerantenne musste her! Eine fest auf dem Dach montierte schied wegen der Höhe aus, obwohl das natürlich die beste Variante gewesen wäre. Meine Wahl fiel auf einen Stick mit aufschraubbaren Antennen, dazu bestellte ich zwei Fensterdurchführungen, um sie gegebenenfalls auch mal neben dem Heki (Hebekippfenster) aufs Dach stellen zu können. In der Praxis stellte sich aber sofort heraus, dass die gesamte, von mir gebastelte, Konstruktion am Fenster am Bett hervorragend funktionierte. Bisher war kein Wohnmobil, das neben mir stand, länger als Oscarlotta, sodass Sender- und Empfängerantenne sich „sehen“. Zusätzlich nötig war natürlich ein aktives USB-Verlängerungskabel von 5m Länge, das die Distanz zwischen Verstärkerantennen und meinem Laptop überbrückt. Das schlängelt sich elegant vom Kleiderhaken neben dem Bett über einen an der Schiebetür angebrachten Haken am Kühlschrank vorbei über die Armlehne vom Sessel an der Eingangstür zum Tisch in den USB-Eingang des Laptops. Laut lachen Vielleicht nicht besonders schön, aber funktional. Den Laptop nutze ich fast ausschließlich erst abends, muss also nicht dauernd unter dem Kabel durchtauchen, weil ich zur Tür raus oder wieder rein will. Schön ist jetzt auch, dass ich meine Verdunkelungsrollos im Wohnbereich abends schließen kann, weil ich mit dem Laptop eine Hotspot-Verbindung herstellen kann für Tablet und iPhone.

WLAN konnte ich also abhaken, aber was ist, wenn wir hier wegfahren? Dann würde wohl der GigaCube wieder in Gebrauch genommen werden. Könnte ihm eine Verstärkerantenne vielleicht auch gut tun??? Gedacht, recherchiert, bestellt! Für LTE braucht man zwei Antennen und die sollten nun wirklich aufs Dach, sie sind auch nur 15cm hoch. Um eine neue Kabeldurchführung durchs Dach zu vermeiden, musste die Außeneinheit der Sat-Anlage nun doch abmontiert werden, damit der vorhandene Kabelschacht genutzt werden könnte. In Füssen gibt es einen Wohnmobilstellplatz mit Werkstatt und dort fuhr ich hin. Die Außeneinheit abbauen sei kein Problem, erfuhr ich, aber angelieferte Sachen montiert er nicht! Da habe er schlechte Erfahrungen gemacht. Nach einem kurzen Gespräch änderte er seine Meinung allerdings und wir machten einen Termin. Es entspann sich noch ein ganz typisches (Fach-)Mann/Frau-Gespräch über die Montage der Antennen, in dem die weiblichen Argumente (meine) nicht gelten gelassen oder erst gar nicht verstanden wurden. Aber das kenne ich/kennen wir ja schon und da muss frau einfach freundlich, aber penetrant bleiben. Zwinkerndes Smiley

LTE-Antennen Am Werkstatttag war die Außeneinheit so schnell abgebaut, dass ich noch nicht einmal vom Bett durch das Heki auf dem Dach war, um zuzuschauen. Als Uschi dann auch noch auf dem Dach auftauchte, bekam der Werkstattmensch Magenschmerzen. Wenn etwas passieren würde, bekäme er ein Problem mit seiner Versicherung! Wir versicherten ihm, dass es für uns normaler Alltag sei, auf dem Dach herumzulaufen und dass keine von uns herunterfallen würde. Da er selbst auf einer langen Leiter stand, reichten seine Arme in der Folge nicht überall hin und nachdem er gemerkt hatte, dass wir uns nicht ganz dumm anstellen im Umgang mit Werkzeug, war das Eis gebrochen. Für die Montage der Antennenhalterung konnten zwei der Befestigungsschrauben auf der verklebten Grundplatte für die abmontierte Außeneinheit genutzt werden. Nur mit der Kabeldurchführung klappte es nicht so, wie ich das gedacht hatte. Der Kabelschacht, durch den außerdem die Leitungen zu den Solarplatten laufen, war mit Silikon zugekleistert. Keine Chance, das alte Antennenkabel da herauszuziehen, geschweige denn zwei weitere Kabel durchzuführen. Ich redete Oscarlotta gut zu, dass das Bohren gar nicht weh tun würde, Uschi maß innen, ich oben und dann kam der Bohrer zum Einsatz. Vorteil: Die neuen Kabel kommen jetzt nicht im Kleiderschrank beim Receiver aus der Decke, sondern direkt im ehemaligen Fernsehschrank, wo auch der GigaCube steht. Der verfügt übrigens natürlich über die zwei notwendigen Antennenbuchsen, deren Standard aber (auch natürlich!) nicht derselbe ist wie der der Antennenkabel. Es mussten also noch zwei Adapterkabel besorgt werden! Ausprobiert habe ich das Ganze noch nicht, weil dann ja der Monatspreis bei Vodafone anfallen würde. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass alles funktionieren wird!

DVB-T2 Und weil ich jetzt so schön in Fahrt war, habe ich mir gleich noch einen DVB-T2 Stick samt Verstärkerantenne gekauft!!! Letztere wieder für innen, denn noch einmal bohren wollte ich Oscarlotta nicht zumuten. Da ist sie dann doch ein Mädchen! Prinzessin

Während der letzten Monate habe ich festgestellt, dass das Fernsehen oder Videos anschauen auf dem Laptop viel schöner ist als auf meinem alten 15-Zoll-Fernseher, der noch nicht HD-fähig und gut 2,50m von mir entfernt war. Natürlich hätte ich mir einen neuen kaufen können, aber mehr als 15 Zoll passt in mein Fernsehfach nicht hinein und einen größeren kann ich nirgendwo wirklich geschickt anbringen/aufhängen. Der Laptop steht einsatzbereit ständig auf meinem Tisch und das Bild ist brilliant. Und wenn man direkt davor sitzt, reichen sogar weniger als 15 Zoll! Jede Schweißperle, jede Falte, jede schlecht gepuderte Stelle im Gesicht eines Schauspielers ist jetzt zu sehen, Smiley mit geöffnetem Mund jeder Untertitel, jede Einblendung und, viel wichtiger, Naturdokumentationen sind jetzt eine wahre Freude! Nein, ich will eigentlich nichts anderes mehr, als über meinen Laptop oder alternativ bzw. parallel über mein Tablet fernzusehen. Ich denke, dass das der Standard der Zukunft sein wird, fernsehen über Internet (IPTV). Es gibt ja jetzt schon dermaßen viele verschiedene Möglichkeiten und Anbieter, kostenfrei und kostenpflichtig, dass man schon fast den Überblick verliert. Man ist nicht mehr auf die fixen Sendetermine angewiesen, kann jederzeit unterbrechen, wiederholen, so oft man möchte und auch speichern. Sendung verpasst? Gibt es nicht mehr! Und die Größe des Monitors kann ja jeder so für sich heraussuchen, wie es seinen Wohnverhältnissen und Vorlieben entspricht. Schöne neue Welt!? Regenbogen

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.