Bei den Zwillingsmühlen

 

Vorab: Ich bin am Sonntagnachmittag nach insgesamt 862km gut in Lauterburg angekommen. Die Fahrt bei Sonnenschein und überwiegend leeren Autobahnen war von zwiespältigen Gefühlen begleitet. Für wie lange würde das die letzte Fahrt mit Oscarlotta sein? Im Prinzip kann man ja erst gefahrlos wieder unterwegs sein, wenn man sich infiziert, die Erkrankung überstanden hat und damit für eine gewisse Zeit (die Virologen sprechen von ca. einem Jahr) immun geworden ist. Und wenn dann die touristischen Einrichtungen noch nicht wieder geöffnet sind, muss man gezwungenermaßen zum Freisteher werden. Mag sein, dass das jetzt eher „Luxusprobleme“ sind und in Anbetracht der Situation speziell in Italien, Frankreich, Spanien und jetzt auch USA sind sie das sicher, aber ich bin nun einmal nicht mehr die Jüngste und die Zeitspanne, in der ich noch so weiterleben kann wie bisher, schmilzt wie Schnee an der Sonne. Enttäuschtes Smiley

Oscarlotta am HirtenteichFix und Boxi und Flitzi am Hirtenteich

Hier bei uns auf dem Campingplatz ist bisher noch niemand erkrankt, aber ob das nun gut oder schlecht ist, weiß man auch nicht mit Gewissheit. Solange man nicht ins Krankenhaus muss, ist es wohl egal. Falls doch, wäre es vermutlich gut, wenn das ganz am Anfang oder ganz zum Schluss passiert. Aber darauf können wir nur so gut es geht Einfluss nehmen, sprich so viel wie möglich zu Hause bleiben, die Kontaktregeln befolgen und alle denkbaren Vorsichtsmaßnahmen beim Einkaufen etc. beachten. 

So, um mich und vielleicht auch euch auf andere Gedanken zu bringen, werde ich die noch fehlenden Stationen unserer letzten – hoffentlich nicht letzten – Reise nachtragen. Smiley

Nach dem Besuch bei meinen Freunden in Nordhorn wollten wir auf dem schnellsten Weg wieder ans Meer. Also ging es „geradeaus nach oben“, um den Dollart und Emden herum und direkt nach Greetsiel. Dort waren wir tatsächlich vorher noch nie! Zumindest nicht richtig, denn vor vielen Jahren haben wir dort mal besuchsweise vorbeigeschaut. Wir erkannten den Hafen, können uns aber beide nicht erinnern, mit welchem Fahrzeug wir von wo aus dort waren und wo wir geparkt haben. Vielleicht war es auch auf der Durchfahrt von irgendwo nach irgendwo. Den Stellplatz gab es jedenfalls damals noch nicht.

GreetsielGreetsielGreetsiel

Der liegt direkt bei den Zwillingsmühlen, nicht weit vom Ortskern entfernt und war am Wochenende auch schon wieder halb voll und das Ende Februar!

Greetsiel Ich hatte gar keine großen Erwartungen an das Städtchen und war umso erfreuter über die Vielzahl an netten Geschäften. Auffallend in Greetsiel ist, dass nicht nur die üblichen touristischen Souvenirartikel angeboten werden, sondern ausgefallene künstlerische oder kunsthandwerkliche Produkte. Dazu kommen der wirklich sehenswerte Hafen und die schönen Häuser. Wir hatten das Glück, dass die Fischerboote wegen der schweren Stürme der letzten Tage nicht auslaufen konnten und der Hafen somit voll war. Die Boote sind, neben den Zwillingsmühlen, das Wahrzeichen von Greetsiel und so ist es üblich, dass ständig mindestens ein Boot im Hafen zurückbleibt, damit die Touristen Selfies mit Fischerboot machen können. Wir hatten jetzt die vollständige Flotte zur Verfügung, hätten also viele Selfies machen können, wenn wir gewollt hätten! Zwinkerndes Smiley

GreetsielGreetsielGreetsielGreetsielGreetsielGreetsielGreetsielGreetsielGreetsielGreetsielGreetsielGreetsiel

Leider wurde das Wetter dann so schlecht, dass draußen zu sein nicht mehr wirklich angenehm war. Wir blieben trotzdem ein paar Tage. In einer der beiden Mühlen gibt es ein nettes Café mit sensationell leckerem Kuchen und direkt gegenüber einen Laden mit interessantem Angebot. Laut lachen

Greetsiel

In der Mühle, die dem Stellplatz fast gegenüberliegt, ist ebenfalls ein Lokal, das hatte aber nur am Wochenende geöffnet und war da total überfüllt. Es gibt noch einen kleinen Laden, wo man auch Frühstücksbrötchen bestellen kann. Der Stellplatz bietet, außer Sanitäranlagen, alles, was das Camperherz begehrt. Man bezahlt an einem Geldautomaten (keine Kartenzahlung), pro Nacht oder mehrere Tage (oder sogar Wochen) im Voraus. €12/Nacht incl. Kurtaxe für 2 Personen. Für €1 bekommt man offiziell 8 Stunden Strom mit einer Absicherung bis max. 1500 Watt. In der Realität lief der Strom 10 Stunden und ich konnte problemlos meine Heizung auf der 2000 Watt-Stufe laufen lassen. Eine Ent- und Versorgungsanlage ist bei der Zufahrt zum vorgelagerten PKW-Parkplatz, auf dem offenbar auch Wohnmobile gestattet sind, für einen Tagespreis von €8. Eine weitere Sani-Station ist bei der benachbarten Tankstelle, dort kann man auch LPG tanken und Camping-Gasflaschen tauschen. Frischwasser, auch in Kleinmengen, gibt es gegen die übliche Gebühr auch auf dem Stellplatz neben dem Kassenhäuschen. Insgesamt ein gut gestalteter Platz mit den gängigen Abmessungen der einzelnen Parzellen. Dort, wo wir standen, gibt es rechts und links zwei große Freiflächen, die im Moment noch total verschlammt waren. Dort werden im Sommer sicher die Picknicktische aufgestellt, die jetzt außerhalb gelagert waren.

Greetsiel 

Ich hatte mich genau umgeschaut, um einige möglichst ideale Plätze für Oscarlotta und mich zu finden, falls ich im Sommer noch einmal hierherkommen würde. Tja, das wird jetzt dann ja wohl eher nichts! Trauriges Smiley

Passt auf euch auf!!!

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen (bessere Qualität) und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

Wildes Hausen im Strandkorb am See

 

Mein nächstes Ziel war Nordhorn. Da ich nun mal kein Frühaufsteher bin und noch Abwasser wegtragen und Frischwasser auffüllen sowie eine Gasflasche bei Toom wechseln und LPG tanken musste, wurde es 15 Uhr, bis ich so richtig unterwegs war. Das Wetter war gut, die Autobahn voller LKWs, aber es lief – bis Bremen. Da war nur noch zähfließender Verkehr und es machte auch nichts mehr, dass ich an das LKW-Überholverbot gebunden war. Es konnte niemand mehr schnell fahren. Als es dann wieder voran ging, hatte ich trotzdem keine Lust mehr. Klar hätte ich es noch bis Nordhorn geschafft, es wäre ja auch egal gewesen, wann ich dort ankomme, aber eigentlich wollte ich mir lieber einen gemütlichen Feierabend machen. Ich war gerade auf der Höhe von Wildeshausen und beschloss, meine Apps zu befragen, ob es dort einen Stellplatz gibt. Also fuhr ich die nächste Raststätte an und unverrichteter Dinge auf der anderen Seite wieder heraus, denn es war kein einziger Parkplatz für Oscarlotta frei. Alles war belegt mit LKWs! Die Züge standen sogar dicht an dicht der Länge nach hinter den einzelnen Spuren und selbst wenn ein LKW bereits nach vorne weggefahren war, konnte man deswegen den freien Platz nicht anfahren. Zum Glück kam kurz danach ein Parkplatz und es gab einen ausreichenden Abstand zwischen weiteren LKWs. Und es gab einen Stellplatz in Wildeshausen! 19 Plätze, da sollte doch ein geeigneter für Oscarlotta dabei sein. Dem war auch so, gut die Hälfte der Plätze war frei, allerdings waren nicht alle lang genug und mit dem Heck über die Wiese fahren ging wegen dort drapierter Felsbrocken auch nicht. An einer Seite waren allerdings extralange Plätze mit Fahrspuren aus Platten und dort sortierten wir uns ein. Der Stellplatz liegt an einen Schwimmbad (am Anfang des Stellplatzes) und an einem Restaurant/Imbiss (am Ende des Stellplatzes). Das bedeutete, dass doch der eine oder andere PKW an uns vorbeifuhr. Kleinkinder und Hunde müssten hier an die Leine!

WildeshausenWildeshausenWildeshausenWildeshausenWildeshausen

Der Nachbar war gerade draußen, als ich mein Stromkabel verlegen wollte und ich fragte ihn, wo man bezahlen müsse. Der Platz sollte €5 incl. Strom kosten. Der Ticketautomat sei kaputt, erfuhr ich, Strom würde man aber trotzdem kriegen. Okayyyyy! Die Stromsäule war ziemlich weit weg, da würde mein 25m-Kabel nicht reichen. Ich kramte also die Kabeltrommel aus der Heckgarage, aber auch die reichte nur so gerade eben bis hinter das rechte Vorderrad. Mit Hilfe des losen Kabels kam ich auf die andere Seite von Oscarlotta zum Stromanschluss und konnte wieder einmal alles mit Strom betreiben – und das auch noch für umsonst! Smiley mit geöffnetem Mund

Am nächsten Tag regnete es! Der Nachbar links neben mir war schon weggefahren und was stand direkt neben seinem Platz? Eine Stromsäule!!! Vielleicht hätte ich am Abend zuvor mal schauen sollen, ob er Strom angeschlossen hatte und WO! Nun ja. Eigentlich war es ja schade, dass ich weiterfahren musste. Und ich würde mir Oscarlotta auf der Autobahn total versauen, jetzt, wo sie gerade wieder einigermaßen sauber war. Ich hatte sie schon fahrfertig geräumt und beschloss dann trotzdem, einfach den Tag noch dort zu verbringen und das schlechte Wetter auszusitzen. Für den nächsten Tag war der Frühling angekündigt! In einer kurzen Regenpause holte ich mein Stromkabel ein, verstaute die Kabeltrommel wieder in der Heckgarage und wechselte zu der Stromsäule nebenan. Der Ticketautomat funktionierte immer noch nicht. Eine bessere Entscheidung hätte ich nicht treffen können! Ich wachte am nächsten Morgen (ja, Morgen!) bei strahlendem Sonnenschein auf. Draußen verrichtete ein Laubbläser seinen lauten Dienst und direkt hinter meinem Bett unterhielten sich gegen den Lärm zwei Stadtbedienstete in einer mir unverständlichen Sprache. Dann konnte ich auch aufstehen! Und so war ich mittags bereits auf dem Stellplatz in Nordhorn. Wie erwartet waren alle drei gepflasterten Spuren voll belegt. Aber dort, mitten im Getümmel, stehe ich sowieso nicht gerne, zu viele Nachbarn mit zu wenig Abstand. Die unbefestigten Rasenplätze waren durch die Nässe arg zerfahren mit tiefen Spurrillen und Schlammlöchern, aber Oscarlotta fand ein Plätzchen ohne sich die Füße dreckig zu machen. Ein wenig schief, der Platz, aber Keile wollte ich in den Schlamm nicht legen. Ich bin da auch nicht so empfindlich.

StellplatzStellplatzStellplatzStellplatzStellplatz

Das Wetter war der Hammer!!! Die Winterschuhe wanderten in die Heckgarage, die Kniehosen wurden aus der Winterruhe geholt, vorsichtshalber nahm ich eine leichte Jacke mit, die ich dann aber nicht brauchte. Ich ging quer über die Straße zum Vechtesee. Dort gibt es seit Jahren ein schönes und sehr beliebtes Seerestaurant/Hotel mit großem Gartenbereich, das Pier 99. Die Tische waren alle voll, aber die Strandkörbe waren fast alle noch leer. Wann hatte ich das letzte Mal in einem Strandkorb gesessen? Dazu noch in einem, der im Sand steht? Kaffee bitte! Und Kuchen. Ich hatte nämlich noch nichts gefrühstückt.

Pier 99Pier 99Pier 99Pier 99Pier 99

Alles war gut! Das Wetter, der Ausblick, der Kuchen, der Stellplatz sowieso. Ich bin immer wieder gerne in Nordhorn. Der Platz kostet akzeptable 5 Euro/Nacht, zu bezahlen an einem Ticketautomaten. Der nimmt allerding nur 2 und 1-Eurostücke, man sollte also vorher sammeln. Für €1 bekommt man 5 Stunden Strom, den brauche ich mittags für meinen Frühstückskaffee und der Kühlschrank läuft für diese Zeit dann auch auf Strom. Den Rest des Tages komme ich mit Solar (und Gas für den Kühlschrank) gut über die Runden. Ein Nachteil ist, dass es keine Kleinmenge Wasser gibt, so muss ich meinen Tee- und Kaffeewasserkanister alle paar Tage bei meinen Freunden füllen. Die nette Innenstadt ist in fußläufiger Entfernung (per Rad 5 Minuten), in Holland ist man mit dem Fahrrad ganz schnell, den Vechtesee kann man in einer Dreiviertelstunde zu Fuß umrunden. Mehrere Einkaufsläden sind nicht allzu weit entfernt. Hier ist Radfahrerland, die Nähe zu Holland macht sich bemerkbar. Alles ist eben und es gibt überall Radwege. Mein Fahrrad durfte also auch endlich mal wieder vom Heckträger runter und freute sich ganz offensichtlich, mal wieder sausen zu können!

Nur meiner Satellitenschüssel passte irgendetwas nicht! Eines Nachts wollte sie nicht mehr eingefahren werden. Motorblockade, sagte eine Fehlermeldung auf dem Fernsehschirm. Ich schaltete ein wenig hin und her, ließ sie wieder rotieren, wobei sie keinen Satelliten mehr fand, leuchtete mit der Taschenlampe nach irgendwelchen Hindernissen, die nicht da waren und hatte beim dritten Versuch das Glück, dass sie sich doch noch aufs Dach legte. Um zu überprüfen, was los ist, müsste ich aufs Dach (mache ich nicht so gerne, vor allem nicht auf einem vollen Stellplatz mit lauter draußensitzenden gelangweilten und neugierigen männlichen Menschen), außerdem müsste ich die Schüssel wieder hochfahren. Und wenn ich sie dann nicht mehr dazu bewegen kann, sich wieder einzuklappen, kann ich nicht weiterfahren! Ich rief bei einem Wohnmobilservice an. Diese Fehlermeldung hätten viele, da müsse das Steuerelement ausgebaut und eingeschickt werden, das könne drei bis vier Wochen dauern. So viel Zeit habe ich nicht. Also ist fernsehen gestrichen! Wird ja sowieso total überbewertet! Cooles Smiley

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.