Schrotträder! Schrotträder???

 

Als wir vor 8 Jahren unsere Oscarlotta gekauft haben und klar war, dass unsere Fahrräder NICHT in die Heckgarage kommen, sondern auf einen klappbaren Fahrradträger auf der Anhängerkupplung, war auch klar, dass wir an diesem schönen Wohnmobil sichtbar nicht mehr unsere altgedienten, aber eben nicht mehr so schönen, “ollen” Fahrräder transportieren wollten. Als wir mal wieder in Bochum (meiner alten Heimat) waren, wurden wir im größten Fahrradladen am Bahnhof fündig. Wir wählten nach Gefallen, ich entschied mich für ein “Pegasus”-Rad in weiß-silber und Uschi gefiel ein “KTM”-Rad in schwarz-silber. Beide waren, aus welchen Gründen auch immer, gerade herabgesetzt und so blieben wir für gute 28-Zoll-Räder unter € 1000, für beide natürlich. Batteriefahrräder gab es auch schon, aber die kamen für uns weder damals noch heute infrage, nicht nur wegen des irre hohen Preises. Wir wollen uns noch anstrengen, sehen das Rad fahren als Vergnügen und als Sport. Jedes Rad war mit einer 8-Gang-Nabenschaltung ausgestattet, das war, im Vergleich zu meinem alten Rad (keine Gangschaltung!) ja schon Komfort genug.

Radtour Spanien 2006/07 

Wir waren über die Jahre sehr zufrieden mit unserer Wahl, besonders Uschis KTM rollte superleicht. Für meine abendlichen Fahrten am Torre im vorletzten Winter kurz vor Sonnenuntergang habe ich mir oft ihr Rad “ausgeliehen”. Vor ca. 3 Jahren haben wir uns dann mal “unplattbare” Reifen geleistet und seitdem wirklich keine Probleme mehr gehabt mit z. B. Dornen, wovon es in Spanien so viele gibt.

Jetzt, nach über 7 Jahren, war aber doch einiges nicht mehr in Ordnung. An beiden Rädern waren die Stoßdämpfer hinüber, an Uschis Rad die gesamte Bremsanlage und bei meinem funktionierte die Gangschaltung nicht mehr zuverlässig. Bei einer Fahrt mit Flitzi entdeckten wir im letzten November im benachbarten Kronau einen großen Fahrradhändler mit Reparaturwerkstatt. Wir fuhren die Räder in Doppelschicht (immer eine per Rad und die andere mit Flitzi) dorthin, ließen sie durchchecken und vergaben noch einige Zusatzaufträge wie neue Lenkergriffe, neue Schutzbleche, eine verzinkte Kette, neue Sattelschutzbezüge…

Am nächsten Tag rief der junge Mann, der unsere Wünsche entgegengenommen hatte, an und teilte uns mit, dass zumindest ich doch vielleicht besser über einen Fahrradneukauf nachdenken solle. Das KTM sei noch zu retten, die Reparatur würde sich wohl auf ca. € 300 belaufen, aber bei meinem Pegasus läge sie sicher weit über € 350 und das würde sich doch wohl nicht mehr lohnen. Ich erbat mir Bedenk- bzw. Beratungszeit mit Uschi. Wir hatten uns bei Abgabe der Räder im Laden mal interessemäßig umgeschaut und festgestellt, dass Räder wie unsere nicht unter € 800 zu haben sind, ein KTM sogar nicht unter € 900. Wir brauchten nicht lange zu überlegen. Die Rahmen waren noch völlig in Ordnung, die Reifen auch, ein neues Rad würde mehr als das Doppelte kosten. Also ließen wir reparieren!

Nach ein paar Tagen konnte ich mein Rad schon wieder abholen und es sah (fast) aus wie neu!!!

PegasusPegasus (Schutzblech)Pegasus (Stoßdämpfer)Pegasus (Gangschaltung)Pegasus (Vorbau)Pegasus (Schutzblech)Pegasus (Edelstahlkette)

Bei Uschis Rad hatte der Monteur heftigste Probleme gehabt, die Verschraubung zwischen Lenkerstange und Rahmen zu lösen und hätte am liebsten das Rad am Stück in den Müllcontainer geworfen. Aber irgendwann war es ihm dann doch noch gelungen, dabei musste er aber wohl den Vorbau zerstören, der bei dem KTM-Rad besonders schön war. 😦 Ich hatte mir extra einen neuen montieren lassen, da meiner so hässlich geworden war. Und jetzt hat Uschi genau so einen! Dumm gelaufen! Insgesamt ist aber auch sie zufrieden mit ihrem runderneuerten Fahrrad!

KTM KTM (Vorbau)KTM (Stoßdämpfer)KTM (Gangschaltung)KTM (Bremsen)

Die Kosten? Mein Fahrrad, das eigentlich verschrottet werden sollte, hat € 356,72 gekostet und war somit, entgegen der ersten Infos, dann sogar preiswerter als Uschis Rad mit € 387,53. Die Rechnungen listen ganz genau auf, welche Teile zu welchem Preis verbaut wurden und was an Arbeitslohn angefallen ist. Es sieht alles absolut seriös aus und wir sind, trotz der doch relativ hohen Zahlen, froh, uns so entschieden zu haben.

Kritikwürdig war dann, finde ich, dass weder der Reifendruck überprüft wurde noch die Räder gesäubert wurden (wäre doch ein netter Kundendienst bei dem Preis). Und dass wir nach einiger Zeit noch einmal vorbeikommen sollen, um die Bremsen überprüfen und anpassen zu lassen, habe ich erst erfahren, als wir Uschis Rad abholten. Netterweise ist das dann für uns sogar kostenfrei!!!

Wir holten die Räder auf die gleiche Art ab wie wir sie hingebracht hatten und verpackten sie mal vorsichtshalber für den Winter. Und wirklich haben wir sie kein einziges Mal benutzt und erst in Freiburg wieder ausgepackt.

WinterpauseFrühlingserwachen
Bei der ersten Einkaufsfahrt machte meine Lenkertasche dann nach dem Bestücken den Abgang! Zum Glück war da die Lampe, die sie aufhielt. Was war los? Nicht lose, sondern gar nicht mehr vorhanden war der Befestigungsdraht der Halterung, die bei der Montage des neuen Vorbaus wohl abgebaut werden musste. Das hat der Monteur dann entweder vermurkst oder er hatte keine Lust auf die Fummelei! Wir hatten es leider nicht rechtzeitig bemerkt. Also auf zum Fahrradladen „Criterium“ in Freiburg! Dort war man sehr bemüht und organisierte den nötigen Draht für €10,95. Man hätte ja auch einfach behaupten können, dass ich die gesamte Halterung neu kaufen müsse (über €40). Bei der Gelegenheit ließ ich auch gleich noch die Schraube kürzen, die den wiederbefestigten Spritzlappen am neuen hinteren Schutzblech hielt. Die war nämlich so lang, dass sie innen am Reifen schabte, was dem Reifen auf Dauer wohl nicht so gut getan hätte. Da inzwischen auch die Fahrradlampe ihren Dienst quittiert hatte (!), wurde ich insgesamt noch einmal €45,95 los. Aber nun ist hoffentlich alles in Ordnung!!!  

Ein echtes Beispiel von Schrotträdern wurde uns im Sommer 2013 mal in Tofino auf Vancouver Island geboten. Die amerikanische Art des Fahrradtransports ist für Europäer ja mehr als gewöhnungsbedürftig, wie wir „hier“ schon anschaulich berichtet haben. Die Räder werden irgendwie am PKW, Bus oder Wohnmobil befestigt, gerne auch einfach hochkant an der Heckleiter. Als wir an einer Bushaltestelle warteten, bog forschen Tempos ein Wohnwagengespann in die Zufahrt zum Campingplatz ein und schleifte funkensprühend seine (5!) abgefallenen Fahrräder auf der Straße hinter sich her. Mindestens zwei davon waren wirklich Schrott!

20 'Crystal Cove Beach Resort' Tofino

written by Ingrid
photos taken with iPhone

P.S.: Wie immer könnt ihr die Fotos durch anklicken auf Originalgröße bringen und den Fototext lesen, wenn ihr den Mauszeiger auf das Foto führt.

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3 Kommentare zu “Schrotträder! Schrotträder???

  1. Im Münsterland wurde & wird sehr viel Fahrrad gefahren – entsprechend ist die Nachfrage und dort waren die Räder schon immer etwas teurer als anderswo, es wird zudem sehr viel gestohlen, deswegen, und weil wir natürlich vier Räder brauchten, haben wir immer die preiswerteren genommen und diese dann eben ein wenig schneller ‚entsorgt‘ oder ihnen nicht nachgetrauert wenn jemand anders sie dringender brauchte ….

    Eure Entscheidung ist aber verständlich, denn bei den (Erst-) Kaufpreisen lohnt sich eine Reparatur.

    Ich würde die allerdings seit letztem Jahr immer hier in Spanien machen lassen:

    Der Krufter Wolfgang hat z.B. 2014 für die Reparatur seines Rades in Oliva (fast identisch mit der, die ich kurz zuvor noch in „D“ hatte machen lassen) nur die Hälfe dessen bezahlt, was ich zuvor bezahlt hatte.

    Mein Rad haben sie auch „dreckig“ zurückgegeben.
    Das in Spanien reparierte war dagegen geputzt.

    • Ja, die preiswerteren Arbeitskosten in Spanien glauben wir sofort, haben wir bei unserer Katalysator-Reparatur ja auch festgestellt. Ob natürlich die eingebauten Komponenten am „Spanien-Rad“ qualitativ genauso gut waren wie die an deinem, ist nicht wirklich nachprüfbar.

      • Das mit der Qualität der Ersatzteile wird sich erst im Laufe der Zeit zeigen, klar.
        Allerdings ist ein Preisunterschied bei einem Fahrradschlauch von 150% wohl kaum nur auf unterschiedliche Qualität zurückzuführen. Beweisen kann ich das freilich nicht.

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